Otfried Höffe Kritik der Freiheit

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Inhaltsangabe zu „Kritik der Freiheit“ von Otfried Höffe

Freiheit hat für den Menschen und zugleich für die Moderne eine konstitutive
Bedeutung. Für beide ist sie nämlich das höchste Gut. Dennoch können heute
weder das Prinzip Freiheit noch das Projekt der Moderne mit spontaner
Zustimmung rechnen. Man macht auf negative Folgen der Moderne und auf
Kehrseiten ihres Freiheitsbegriffs aufmerksam. Höffe nimmt diese Skepsis
ernst, stellt die Freiheit auf den Prüfstand und unterwirft die Moderne einer
Neuvermessung.
Freiheit und Moderne werden in diesem Buch weder abgelehnt noch verteidigt,
vielmehr einer Kritik im Kant’schen Sinne ausgesetzt. Statt einem
radikalen Pessimismus oder Optimismus zu verfallen, sollen Argumente
des Für und Wider aufgesucht und erwogen werden: Welches Potential an
Legitimation, welches an Limitation enthalten das Prinzip Freiheit und das
Projekt der Moderne? Das Werk versteht sich somit als Beitrag sowohl zu
einer philosophischen Anthropologie als auch zu einer kritischen Theorie
der Moderne, darüber hinaus zu einer kritischen Rechts- und Demokratietheorie
und zu einer Theorie personaler Freiheit. Ferner sucht es zumindest
Bausteine einer kritischen Theorie von Technik und Umweltschutz, von
Wirtschaft und Politik, von Medizin und Erziehung, und nicht zuletzt zu
einer Freiheitstheorie von Wissenschaft und Kunst.

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  • Differenzierte und breite Betrachtung eines konstitutionellen Wertes

    Kritik der Freiheit

    michael_lehmann-pape

    17. August 2015 um 12:42

    Differenzierte und breite Betrachtung eines konstitutionellen Wertes Einerseits gilt (und ist) Freiheit als das „höchste Gut des Menschen“. Das Bedürfnis und das Streben nach Freiheit prägt in wechselhafter Weise die gesamte Menschheitsgeschichte. Andererseits, angesichts aber auch negativer Folgen der Moderne und der Ausweitung der Freiheit, die damit in Verbindung gestellt wird, wird allerdings auch, immer lauter, Skepsis ins Feld geführt. Gegen die „Kehrseiten des Freiheitsprojektes“. Auf Basis dieser gegensätzlichen Haltungen gegenüber der Freiheit, die eines der wichtigsten konstitutiven Elemente der Moderne zugleich ist, bietet Otfried Höffe in seinem Werk eine intensive, breite und immer in die Tiefe der Materie eindringende kritische Betrachtung der Theorie von Freiheit und Moderne und zugleich eine philosophische Anthropologie der Freiheit durch die Geschichte hindurch, wobei der Schwerpunkt dieses Werkes auf der kritischen Betrachtung der „Freiheit“ und der damit verbundenen Verantwortlichkeiten liegt. Wobei Höffe in sehr verständlicher und überzeugender Weise, die Doppel-Poligkeit der Freiheit zunächst beschreibt und fest zurrt. „Positive Freiheit“ als ein „umzu“, für ein „tun und lassen, woran einem gelegen ist“ und, im besten Sinne, als ein angstfreier innerer Zustand des Lebens in Übereinstimmung mit seinen Überzeugungen )positiv im Sinne von selbst agieren und ausleben) „Negative Freiheit“ eines „je weniger“, unter Wegfall äußerer Rahmungen, Schranken und Grenzen, Vorgaben und Zwängen. Wobei Höffe den Kern einer solchen Form der Freiheit als „Beliebigkeit“, als ein sich-zurecht-reden dessen, was einem „gut dünkt“ auf den Punkt bringt. Beiden „Erscheinungsformen der Freiheit“ („von“ etwas und „für“ etwas frei sein) kommt in der Praxis ein überaus breites Verwendungsspektrum zu, beide Varianten der Freiheit stehen zudem unter nicht wenigen Vorgaben von Realisierungsmöglichkeiten oder –Hemmnissen. Schon hier wird die hohe Bewertung einer positiven, immer wieder kritisch zu reflektierenden, Freiheit im Buch deutlich, welche Höffe umfassend argumentiert und dargelegt im weiteren Verlauf des Buches vertieft. Wie es nun konkret aussieht mit der „Freiheit von Naturzwängen“ (durch technische Errungenschaften, medizinischen Fortschritt oder „innere Erziehung“ (Gewöhnung an Freiheit), wie es bestellt ist um die Freiheit in Wissenschaft und Gesellschaft (Liberalismus, freier Markt. Legislative, freie Gesellschaft), welches Potential Freiheit hier ermöglicht, welche Einschränkungen (noch) im Raum stehen und wo eine skeptische Betrachtung angemessen ist, dies diskutiert Höffe im Verlauf seiner Betrachtungen ebenso, wie er die Funktion von Wissenschaft und Kunst für die Freiheit und Autonomie darlegt. Inwieweit eine „politische Freiheit“ sich ereignet hat im Zuge der Demokratisierung an manchen Orten der Welt, welche Freiheitsrechte (in Bezug auf Datenschutz oder Mediendemokratie) abzuleiten wären (und wie die Realität aussieht) und wie sich eine politische Souveränität im Zuge der Globalisierung zu bewähren hat (oder dies eben nicht kann), all das liest sich interessant und kundig. Mit der Stärke, all dies immer wieder einer „Überprüfung an der Praxis“ zu unterziehen. Was gerade im letzten Hauptteil des Buches, der „Personalen Freiheit“ differenziert zum tragen kommt. Welche Stufen von Freiheit sind feststellbar, oder ist die Freiheit nur eine Illusion? Oder ist die „angebliche Entlarvung der Freiheit“ im Zuge der Aufklärung die „eigentliche Illusion“? Unter Einbeziehung aktueller Forschungsergebnisse der Hirnforschung gelangt Höfer zum „Sollenscharakter der Freiheit, eines, von Natur aus zunächst, „Bedürfnis-, Geschichts- und Sozialwesen“. „Der Mensch ist nicht einfach freu und verantwortlich, er muss es (immer wieder auch) werden“. Eine Aufforderung zur Entwicklung, für die es vielfache Rahmenbedingungen benötigt (die Höffe bis zu diesem Punkt hin breit und klar im Buch darlegt hat). Wobei Höffe nicht müde wird, differenziert zu bleiben und immer wieder auf den drohenden Missbrauch der Freiheit hinzuweisen. Zum Prinzip der Freiheit und zum Prinzip der Moderne gibt es keine echte Alternative. Ebenso grundsätzlich aber bedürfen beide Prinzipien der Gegenwart einer beständigen kritischen Erneuerung. Wozu Höffe mit dieser, in der Sprache und im Stil nicht einfach zu lesender kritischer Betrachtung einen fundierten Beitrag geliefert hat.

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