Eileen

von Ottessa Moshfegh 
4,0 Sterne bei5 Bewertungen
Eileen
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Noir pur - die düstere Lebensgeschichte der jungen Eileen & ihr täglicher Kampf gegen ihre Umwelt und sich selbst. Bis Rebecca erscheint ...

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Inhaltsangabe zu "Eileen"

Eine Kleinstadt in Neuengland, Weihnachten 1964. Die vierundzwanzigjährige Eileen Dunlop hasst sich und die Welt. Sie muss für ihren paranoiden, alkoholkranken Vater sorgen, einen ehemaligen Cop, mit dem zusammen sie in einem heruntergekommenen Haus lebt. Ihren mageren Lohn verdient sie sich als Sekretärin in einer Vollzugsanstalt für jugendliche Straftäter. Als die schöne Harvard-Absolventin Rebecca Saint John ihren Dienst als Erziehungsbeauftragte des Gefängnisses antritt, ist Eileen sofort Feuer und Flamme. Sie wünscht sich nichts sehnlicher, als zu sein wie diese selbstbewusste, unabhängige Frau. Doch die Freundschaft von Rebecca Saint John hat einen hohen Preis. Eileen wird in ein grauenhaftes Verbrechen hineingezogen …
In ihrem preisgekrönten Roman beschreibt Ottessa Moshfegh das Schicksal einer jungen Frau, die ausbrechen will aus einer von dunklen Obsessionen und roher Gewalt geprägten Welt. Eigentlich kann man dieser Welt nicht entkommen. Es sei denn, man nimmt das Gesetz in die eigene Hand.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783954380817
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:336 Seiten
Verlag:Liebeskind
Erscheinungsdatum:21.08.2017

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 9 Monaten
    Ottessa Moshfegh | EILEEN

    INHALT: Neuengland, Dezember 1964. Eileen Dunlop wohnt mit ihrem Vater in einem heruntergekommenen Haus in einer Kleinstadt nahe Boston. Sie arbeitet in einer Jugendstrafanstalt als Sekretärin, kleidet sich züchtig, verhält sich unauffällig. Außer dem täglichen Gang zum Liquer-Shop, um literweise Gin für ihren schwer alkoholkranken Vater zu besorgen, führt sie ein scheinbar asketisches Leben. Aber in ihrem Innern zerfetzt es sie fast vor Hass, Wut und Selbstekel. Ihre Schwester meldet sich seit Jahren nicht, ihrer Mutter war Eileen selbst am Sterbebett nicht gut genug und von ihrem Vater ist außer Suff und Kotze nur Abneigung zu erwarten. Eileen ist eine graue Maus, ungeliebt und hässlich, von niemandem beachtet. Sie hasst sich und die Welt und möchte doch nur ein kleines bisschen Anerkennung, ein Minimum an Zuneigung.

    Auch bei der Arbeit wird sie kaum beachtet, weder von der Chefetage, noch vom Wachpersonal. Bis eines Tages Rebecca in der Strafanstalt eingestellt wird, eine junge Frau aus Kalifornien – klug, mondän, attraktiv. Rebecca freundet sich mit Eileen an, die sofort für sie entflammt. Die erste echte Freundin! Eileen merkt schnell, dass diese Bekanntschaft ihrem Leben eine Wendung geben kann, raus aus dem Elend, weg von ihrem miesen Vater. Doch auch Rebecca ist nicht so tugendhaft, wie sie sich gibt…

    FORM: Ottessa Moshfegh (*1981 in Boston) hat mit EILEEN teils Krimi, teils Psychogramm vorgelegt, dass sich mit den Folgen familiärer Kälte beschäftigt. Die Hauptfigur – die die Geschehnisse als alte Frau etwa fünfzig Jahre später rekapituliert – weist alle Anzeichen auf eine schwere Depressionen auf, sowohl psychisch als auch somatisch, denn Selbstekel und Welthass sind nicht die einzigen Hinweise. Auch die Appetitlosigkeit, die damit verbundenen Verdauungsstörungen und die permanenten Schläge auf die Bauchdecke sind klare Vorboten eines nahenden Zusammenbruchs. Und als ob das noch nicht genug wäre, wird Eileen rund um die Uhr von finsteren Tagträumen beherrscht, voller Sex und Gewalt, aber auch voller Sehnsucht und dem Wunsch, geliebt zu werden. Die Beschreibung der Psyche Eileens ist das große Plus dieses Romans und erinnert ein wenig an Figuren wie Holden Caulfield und Esther Greenwood. Hierfür halte ich die Nominierung für den Man Booker Prize 2016 gerechtfertigt.

    Die Krimi-Ebene deckt Moshfegh mit der Familientragödie einer der Jungs aus der Strafanstalt ab. Lee Polk, einer der Insassen, hat seinem Vater, einem angesehenen Polizisten des Ortes, des Nachts die Kehle durchgeschnitten. Doch irgendetwas stimmt nicht – das brutale Vergehen will nicht so recht zum Charakter des Jungen passen und auch die Mutter benimmt sich nicht wie die Witwe eines Mordopfers. Rebecca nimmt sich das traurige Schicksal des Jungen sehr zu Herzen und forscht tiefer in der Familiengeschichteund Eileen wird ohne es zu wollen in ein furchtbares Verbrechen hineingezogen. Diese Ebene beschreibt Moshfegh durchweg nüchtern und realistisch, für meinen Geschmack fast ein bisschen zu lahm, zu einfallslos – ein herber Minuspunkt. Aber dann kam Seite 285, bei der ich mir hart auf den Oberschenkel geschlagen und laut gerufen habe: »Was? Was ist denn das für eine kranke…« Für diesen Twist kann man Ottessa Moshfegh nur danken, denn er rettet das Buch.

    FAZIT: Als Psychogramm gelungen, stilistisch eher fad, aber mit einem überraschendem Ende. Vier Sterne.

    *** Diese und viele weitere Rezensionen könnt Ihr in meinem Blog Bookster HRO nachlesen. Ich freue mich auf Euren Besuch ***

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    DieBuchkolumnistins avatar
    DieBuchkolumnistinvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Noir pur - die düstere Lebensgeschichte der jungen Eileen & ihr täglicher Kampf gegen ihre Umwelt und sich selbst. Bis Rebecca erscheint ...
    Im Kreislauf der Gewalt – ein Leben in der seelischen Randzone

    "Irgendwann büßt jeder für seine Sünden". Mit Sünden kennt die 24-jährige Eileen Dunlop aus einem kleinen Ort in Massachusetts/USA sich aus. Sie wächst in einer gewalttätigen Familie auf, ihre Kindheit ist geprägt von körperlicher und vor allen Dingen seelischer Misshandlung. Glück, Frieden, Lebensfreude sind für sie Fremdwörter. Mut, Hoffnung und Pläne abgestumpft und nicht greifbar, von ihren Eltern in vielen Jahren täglicher Erniedrigung ausgemerzt. Dieses Bild hat sie übernommen und bestimmt ihren Alltag zwischen der Arbeit in einer Jungen-Haftanstalt sowie der Pflege ihres Vaters in einem täglich neu gewählten Kreislauf von Selbsterniedrigung, Scham und unterdrückten Wünschen, voller Alkohol und dem Versuch, sich immer wieder neu gegen Ausgrenzung und Zurückweisung abzuhärten. Ab und zu der Gedanke an eine andere Welt, an den Tod, einfach nur weg. Selbst auf Vergewaltigungsopfer ist sie neidisch, niemand würde Eileen derartige Gewalt antun, niemand sie nackt sehen wollen, Liebe ein nie selbst erfahrener Begriff aus Klatschzeitschriften und Schundromanen.
    "Gewalt war eine Körperfunktion wie Schwitzen oder Kotzen. Sie gehörte in dieselbe Schublade wie Geschlechtsverkehr. Die beiden schienen sogar miteinander in Verbindung zu stehen." 
    Ihr Leben scheint sich endlich zu ändern, als die attraktive und witzige Rebecca Saint John ihre Kollegin und schon kurz darauf ihre Freundin wird. Doch sie bringt nicht die lang ersehnte Helligkeit …

    Autorin Ottessa Moshfegh entführt uns nach „McGlue“ erneut in eine düstere, aber realistisch gezeichnete Welt. Sie entblättert Seite für Seite verschiedenste Formen von Gewalt und man kommt ihrem stilistisch fein gestreuten Grauen erst auf die Spur, wenn es längst zu spät ist. Eine derart unsympathische Anti-Heldin zu schaffen, beweist Mut und vor allen Dingen Verständnis für diejenigen, die sonst im Schatten bleiben. Sie lässt Eileen viele Jahrzehnte später von ihrem Leben in den 60er Jahren und dem entscheidenden Vorfall erzählen, der dann zur finalen Wandlung führt. Bis dahin muss der Leser aber durchhalten und ertragen, was auch sie erträgt – manch einer wird vielleicht vorher aufgeben, abgestumpft von all dem Selbsthass und der erdrückenden Freudlosigkeit. Hier hätte es eine schnellere Entwicklung auch getan, aber Figuren wie Eileen sind vielleicht auch einfach nicht besonders gut in zeitoptimierter Weiterentwicklung. Würde die Autorin nicht so psychologisch genau und packend schreiben, täte man sich all das Leid nicht freiwillig an. Sie beschreibt Charaktere, die heute in reichweitenstarken Unterschichtmedien als Clickbaiting-Aufhänger enden würden, ein wichtiger Einblick in kaputte Seelen und ihren täglichen Kreislauf der Gewalt auf allen Ebenen. Ottessa Moshfegh erzählt wie John Burnside oder Jack Ketchum an den seelischen Randzonen entlang, sie traumatisiert ihre Charaktere und zeigt uns diejenigen, die sonst unsichbar bleiben. Lesenswerter Noir für starke Lesernerven!

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    Tamarus avatar
    Tamaruvor 9 Monaten
    andrea1978s avatar
    andrea1978vor 10 Monaten
    M
    mabo63vor 10 Monaten

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