Otto Glaser , Johannes Wilfert Variationen in Dur und Moll

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Inhaltsangabe zu „Variationen in Dur und Moll“ von Otto Glaser

Mein Vater, der seit den 1920er Jahren im Geiste der Weimarer Republik sich immer wieder literarisch betätigt, vornehmlich Gedichte geschrieben und Lieder komponiert hatte, fühlte sich betroffen, weil er sich nach Ende des Zweiten Weltkriegs, durch meine Kritik, er habe trotz des Gewaltregimes den „alten Ton“ seiner Lyrik beibehalten, des Eskapismus bezichtigt meinte; er sagte zu mir, dass der Glaube ans Gute, Schöne und Wahre ihn die Zeit des Dritten Reiches hatte überstehen lassen. Ich jedoch fand seine Gedichte, eben im Rahmen meines Versuchs einer kulturpolitischen Analyse der Nachkriegszeit, zu „affirmativ“, zu wenig aktuell und modern – was man eben in der damaligen Zeit unter „modern“ verstand. Seitdem machte ich „einen Bogen“ um seine Lyrik-Sammlung, ließ sie im Schrank ungelesen und distanziert verstauben. Jetzt nahm ich sie endlich wieder in die Hand und wie es ein eigenartiger Zufall wollte, war das erste Gedicht, das ich aufschlug, ein Text, der meiner Einschätzung von früher völlig widersprach. Er schrieb da unter dem Titel „Wiedergeburt“: „Die Kerzen hau‘ ich von den Leuchtern, die Blumen schmeiß ich in den Dreck, und auf die Schwelle muß ich speien, so eklig, daß ich fast verreck. Doch ist’s mir wurscht, auch schert’s mich wenig, daß ihr so dumm auf einmal glotzt! Der Schönen bin ich satt, als hätte ich stets mich in die Hand gerotzt. Und ‚Servus‘ schrei ich wie ein Raudi und tosend schreit ich durch das Haus, und wie ein Landsknecht mit der Feder tret ich ins Wetter frei hinaus.“ Poetische Betulichkeit hatte ich erwartet; nun erlebte ich ihn als Stürmer und Dränger. Dann erhielt ich ein Bändchen des Pfarrers Johannes Wilfert, der im Krieg war und danach noch einige Jahre in russischer Kriegsgefangenschaft hatte verbringen müssen; seine Tochter hatte Gedichte von ihm postum zusammengestellt und veröffentlicht. Und Jahre später wurde mir der Nachlass der Schriftstellerin Hildegard Jahn-Reinke anvertraut. Diese drei Begegnungen mit einer Generation, die – noch im 19. Jahrhundert oder kurz nach 1900 geboren – zwei Weltkriege überstanden hatte, öffneten mir den Blick auf eine lyrische Ausdrucksform, die mir lange Zeit als „überholt“ erschienen war, aber nun sich mir erschloss. Es waren lyrische Stimmen einer vergessenen Generation, denen ihre dichterischen Emanationen – in Anlehnung an die „Haustrost“-Lyrik des bürgerlichen Zeitalters – Stärke und Kraft gegeben hatte, die furchtbare Banalität des Bösen zu überstehen. Der Glaube, dass man mit der Empathie des Wortes in dieser Welt der Widrigkeiten bestehen und das Humane sich erhalten bzw. seinen Untergang verhindern könne, „überstrahlte“, was vom Hochmut der Nachgeborenen als modernes Defizit und romantischer Traditionalismus angeprangert, ja oft auch denunziert wurde. Indem ich eine Auswahl aus der Lyrik dieser Vergessenen oder Verkannten oder Unbeachteten vornahm, bzw. man mir ihre Lyrik anvertraute, wollte ich sozusagen Abbitte für manchen literar-kritische Überheblichkeit leisten, die wohl nicht in der Lage gewesen war und ist, die Töne poetischer Einfachheit, jenseits der Moden und Experimente wahrzunehmen. So mag diese Anthologie auch all diejenigen erreichen, die sich in ihrem Gefühlsleben gerade dadurch angesprochen und bewegt fühlen, wenn sie in diesen Gedichten eine Sprache erleben, die sich im Umfeld des erlebten Einfachen und damit in unserer elaborierten Welt besonders Fernliegendem bewegt. Den Mut, eine „einfache Artikulation“ zu wählen, haben diese Dichter aufgebracht; deshalb sollten sie nicht vergessen, sondern wieder gelesen werden. Hermann Glaser

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