Otto Kat

 4.3 Sterne bei 4 Bewertungen

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Die längste Nacht
 (1)
Neu erschienen am 10.09.2018 als Taschenbuch bei btb.

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Otto KatEine Tochter in Berlin
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Eine Tochter in Berlin
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 (3)
Erschienen am 12.01.2015
Otto KatDie längste Nacht
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Die längste Nacht
Die längste Nacht
 (1)
Erschienen am 10.09.2018

Neue Rezensionen zu Otto Kat

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KirstenWilczeks avatar

Rezension zu "Die längste Nacht" von Otto Kat

Lesenswert mit wenigen Abstrichen
KirstenWilczekvor 8 Monaten

Emma Verweij wartet auf den Tod. Er wird am nächsten Tag zum verabredeten Zeitpunkt mit dem Palliativ-Team Ost eintreffen. Beinahe ein Jahrhundert währt ihr Leben schon. In ihren Erinnerungen wird es nochmals lebendig. Auch lange Verdrängtes wirbelt der herannahende Tod auf: ihr Leben in Berlin mit Carl, ihrem ersten Ehemann, der zu den Widerstandskämpfern des 20.Juli gehörte, der gefasst und hingerichtet wurde; Bruno, der Halt, der auf ihre große Liebe folgte, und mit dem sie zwei gemeinsame Söhne nach dem Krieg großgezogen hat; das Glück bescheidenen Wohlstands – immer wieder durchsetzt mit einer Grundtraurigkeit über den erlittenen Verlust, die Verfolgung und das Verstecken vor den Verfolgern, die wie ein Schatten über dem Neuanfang lag.

De Kat zeichnet die Biografie eines Menschen nach, der seinen von der Weltgeschichte zu Puzzleteilen ausgestanzten Lebensplan versucht hat, zu einem neuen Bild zusammenzusetzen, weil Teile unwiederbringlich verloren gegangen waren. Der niederländische Autor vermag es mit großer Könnerschaft, aus atmosphärisch dichten Beschreibungen von kleinen Begebenheiten große Bögen zu spannen. Mich erinnert die Konstruktion seines Romans an Patrick Modiano. De Kat verwebt nicht minder gekonnt Wiedererleben durch Erinnern mit der Gegenwart. Sein Schreibstil hingegen ist sehr elegant - mit dem Blick für das symbolisch aufladbare Detail, ohne ins Klischeehafte abzugleiten. Melodramatische Spannung sucht man trotz der Schwere des Themas vergebens. Und das ist angenehm, denn es passt zum Charakter von Emma, die, bevor ihr Vorhang fällt, sehr reflektiert und unaufgeregt auf ihr Leben zurückschaut. Ebenso bewegend, weil von tröstlicher Leichtigkeit getragen, ist das Beschreiben ihres Sterbeprozesses. Erinnerungen purzeln durcheinander, vermengen sich. Die Chronologie ist aufgehoben. Gewesenes löst sich in einem letzten Erinnern auf. Ein Mensch verlöscht und mit ihm sein Zeugnis über seine Vergangenheit, das nun niemand mehr ablegen kann. Emma weiß das. Und so verwundert es nicht, dass es am Ende gesammelte Briefe sind, die sie ihrem Sohn Thomas als Vermächtnis anvertraut. Sie geben noch am ehesten Antworten auf offen gebliebene Fragen an das Leben der Mutter. Fragen, denen Emma lange ausgewichen ist, um mühsam vernarbte Wunden nicht aufreißen zu müssen. Doch ihr Schweigen hat ein Fremdeln in ihrer Umgebung verursacht, das nicht nur zu Distanz geführt hat, sondern auch tiefe Seelenkratzer bei ihren Nächsten hinterließ. Am Ende hat sie das längst begriffen, schafft es aber erst posthum ihren Söhnen tiefere Einblicke in ihr Leben durch Weitergabe der Briefe zu gewähren.

„Die längste Nacht“ ist ein ruhiges, aber dadurch nicht minder intensives Buch über das Erinnern, das „Sich-im-Erinnern-verlieren“ und das Verlöschen gemeinsam mit der Erinnerung.

De Kat hat den Lebensweg der Emma wohl angelehnt an eine reale Figur, nämlich Christabel Bielenberg, die ihr Leben in "Als ich Deutsche war. 1934-1945" niedergeschrieben hat. Ihr Mann, der Rechtsanwalt Peter Bielenberg, hat übrigens überlebt und starb hochbetagt in Irland. Die dichterische Freiheit, in der Fiktion abzuschweifen, warf ein Literaturkritiker de Kat in seiner Rezension vor, was ich nicht nachvollziehen kann. Ein Roman ist ein Roman und bleibt ein Roman. Der Autor hat die Hoheit über seinen Plot und den hat de Kat hier souverän "heruntergeschrieben".

Ein lesenswertes Buch!

Einziger Kritikpunkt: Mancher Charakter in den Nebenrollen kommt zu glatt daher. Aber vielleicht haben sich auch nur in der Erinnerung der Erzählerin Emma die Ecken und Kanten abgeschliffen, was wiederum nicht ganz zu ihrer reflektierten Rückschau passen würde, wollte man es nicht unter Altersmilde fallen lassen. Es plätschert daher manchmal ein bisschen allzu wohlig dahin.

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Sabrina80s avatar

Rezension zu "Eine Tochter in Berlin" von Otto Kat

Eine beklemmende Geschichte. Sehr zu empfehlen!
Sabrina80vor 3 Jahren

Erster Satz: "Die Abfahrt vom Lauberhorn zum Dorf hatte Oscar so oft gemacht, dass er die strecke blind hätte zurücklegen können."

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Bei einem Treffen in Genf erfährt Oscar von seiner Tochter Emma ein brisantes Geheimnis. Ein Geheimnis über einen Angriff den die Deutschen planen. Oscar ist jetzt am überlegen, was er mit dem Wissen macht. Gibt er es weiter? Doch würde er damit nicht seine Tochter in Gefahr bringen...

Meine Meinung

Es ist das zweite Buch nach Julia, welches ich von diesem Autor las und auch dieses hat mir sehr gut gefallen.

Die Geschichte spielt während des zweiten Weltkrieges und wird aus drei Perspektiven erzählt. Einmal Oscar, der hauptsächlich in Bern lebt und arbeitet. Dann Emma, die in Berlin lebt und verheiratet ist mit einem Deutschen. Und Kate, Oscar Ehefrau und Emmas Mutter, welche in London lebt und dort in einem Krankenhaus arbeitet und sich um verletzte Soldaten kümmert.

Nachdem Emma ihren Vater das Geheimnis verraten hat, ist dieser die ganze Zeit am überlegen, wen er es erzählen könnte, da man die betroffenen Leute ja warnen muss. Aber wie auch immer er es dreht und wendet, kommt er immer wieder zu der Entscheidung, das es besser ist den Mund zu halten, da ihm ja doch keiner glauben und wenn, es immer auf seine Tochter zurückfallen würde.

Es ist eine schwierige Gradwanderung: Gibt er sein Wissen weiter? Mit dem Wissen das er seine Tochter damit gefährdet? Oder macht er sich zu viele Gedanken und es würde eh keiner darauf kommen, woher diese Information kommt?

Es ist schwer das zu entscheiden. Er stellt das Leben seiner Tochter, über das von Millionen unbekannten. Aber welcher Elternteil würde sich nicht so entscheiden? Vor allem in einer Zeit, wo der Krieg allgegenwärtig ist und jeder morgen schon tot sein könnte. Dann lieber doch die anderen, als das eigene Kind.

Fazit
Eine beklemmende Geschichte. Sehr zu empfehlen!

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