Owen Matthews

 4.3 Sterne bei 31 Bewertungen
Autor von Winterkinder, Moskau Babylon und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Owen Matthews

Owen Matthews wurde 1971 in London geboren. Nachdem er in Oxford Neuere Geschichte studierte, begann er seine Karriere als Journalist in Bosnien. 1995 zog er nach Moskau und schrieb von dort als freier Korrespondent für The Times, The Independent und The Spectator. Heute lebt er mit seiner russischen Frau und zwei Kindern in Istanbul.

Alle Bücher von Owen Matthews

Owen MatthewsWinterkinder
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Winterkinder
Winterkinder
 (26)
Erschienen am 11.09.2015
Owen MatthewsMoskau Babylon
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Moskau Babylon
Moskau Babylon
 (5)
Erschienen am 10.03.2017
Owen MatthewsNikolai and Conchita
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Nikolai and Conchita
Nikolai and Conchita
 (0)
Erschienen am 01.08.2013
Owen MatthewsGlorious Misadventures: Nikolai Rezanov and the Dream of a Russian America
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Glorious Misadventures: Nikolai Rezanov and the Dream of a Russian America
Owen MatthewsHow to Win at High School
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How to Win at High School
How to Win at High School
 (0)
Erschienen am 03.03.2015

Neue Rezensionen zu Owen Matthews

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TheRavenkings avatar

Rezension zu "Moskau Babylon" von Owen Matthews

Moskau Babylon
TheRavenkingvor 8 Monaten

Moskau, Mitte der 1990-er Jahre, die Sowjetunion gehört der Vergangenheit an. An die Stelle der totalitären staatlichen Unterdrückung ist ein rücksichtsloser Raubtierkapitalismus getreten.

Der britische Oxford-Absolvent Roman Lambert, Sohn einer Russin und eines Engländers bekommt einen Job bei einer PR-Agentur. Seine einzige Qualifikation: Er spricht perfekt russisch.

Ähnlich wie seine Kollegen genießt auch Lambert zunächst das dekadente Leben der westlichen Elite in vollen Zügen. Ausländer aus dem Westen haben einen Status wie Halbgötter. Partys und Exzesse sind an der Tagesordnung.

Die einfacheren Russen dagegen vegetieren am Existenzminimum dahin. Wir lernen Rentnerinnen kennen, welche ihre mageren Altersbezüge durch den Verkauf von Psychopharmaka verbessern und hübsche junge Frauen, die sich prostituieren um ihrem Elenden Dasein zu entkommen.
Roman hat Mitleid und möchte doch zu den Gewinnern gehören.

„Sie waren die Konquistadoren des Kapitalismus, die in den Wohnungen des Politbüros lebten und sich die schönsten Frauen der Besiegten nahmen. … In Moskau waren Koks und Nutten, was Rotwein und literarische Ambitionen für die verlotterten Bohemiens waren, die ich in Soho gekannt hatte. Aber die Orgien von London und Oxford waren Kindereien im Vergleich zu dem, was diese geschniegelten Prinzen der Dekadenz mit ihren glänzenden schwarzen Wagen und ihren Zweihundert-Dollar-Frisuren trieben.

Beneidete ich sie? Natürlich. Aber weniger um ihre Freundinnen und um ihr Geld und ihre tollen Wohnungen und mondänen Urlaube. Nein. Vor allem beneidete ich sie um ihre Selbstsicherheit. Denn ich erkannte bald, dass ich mich noch so sehr anstrengen konnte, die selbstverständliche Anspruchshaltung, die Großspurigkeit und den lässigen Charme brachte ich höchstens in flüchtigen Momenten betrunkener Selbstvergessenheit auf. Was uns unterschied war mehr als die Tatsache, dass ich in einer ärmlichen Wohnung über dem lärmenden Straßenverehr des Gartenrings lebte und meine Freundinnen eher von der biederen Sorte waren. Irgendein Dämon des Weltschmerzes und der Selbstzweifel verhinderte, dass ich einer von ihnen wurde.

Mein Gewissen war sicher nicht reiner als ihres. Doch ich begriff eines: Wenn man in dieser verruchten Stadt die wahre satanische Majestät erlangen, wenn man sich ohne einen Hauch von Selbstzweifel oder Schuldgefühl an den menschlichen Opfern dieses Großstadtdschungels mästen wollte, musste man hartherzig sein.“

Bald verstrickt er sich in die mafiöse Welt der Neuen Russen voller Korruption, Vetternwirtschaft und Kriminalität und begeht aus fehlgeleitetem Ehrgefühl ein abscheuliches Verbrechen.

All dies wird erzählt in einer ein wenig gekünstelt wirkenden Sprache, die sich für meinen Geschmack etwas zu sehr um literarischen Anspruch bemühte. Beim Versuch Russland zu erklären dringt der Autor kaum wirklich in die Tiefe vor.

„Weißt du, was Lew Tolstoi gesagt hat, unser unsterblicher russischer Schriftsteller? Er sagte: „Alle guten Menschen sollten sich zusammentun und alle schlechten Menschen töten.“ Er war ein großer Ironiker. ... Es geht darum, dass schon viele versucht haben, Russland zu retten, indem sie die schlechten Menschen aus dem Weg schafften. Manchmal Millionen auf einen Schlag. Hat bis jetzt noch nicht geklappt.“

Für slawophile Leser ist Moskau Babylon dennoch eine faszinierende Momentaufnahme der russischen Hauptstadt im ausgehenden 20. Jahrhundert.

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deichpoesies avatar

Rezension zu "Winterkinder" von Owen Matthews

„Winterkinder“ in Pasternaks Gewändern – ein russisches Familiendrama
deichpoesievor einem Jahr

In den unendlichen Weiten Russlands mag sich der eine oder andere Romantiker in die Zeiten Puschkins, Pasternaks oder Tolstoi zurückversetzt sehen. Herzzerreißende Szenen von Liebe und Verrat wie in „Dr. Schiwago“ (Pasternaks wichtigstes Werk und zur damaligen Zeit ein Dorn im Auge des Sowjet-Regimes)…

Owen Matthews, Autor des Romans „Winterkinder“, erzählt eine etwas andere Geschichte!

Matthews erzählt nicht eine frei erfundene Geschichte – es ist seine ganz persönliche Lebenserfahrung; vor allem die seiner Eltern und Großeltern, welche in der noch jungen Sowjetunion aufwuchsen. Drei Generationen zwischen Liebe, Verrat und Krieg! Es ist ein Zeitdokument und ein faszinierender, wie auch erschütternder Rückblick auf Freud´ und Leid einer russischen Familie in unruhigen Zeiten. Eine Liebesgeschichte, welche sich nicht von scheinbar unüberwindbaren Hürden einschüchtern lässt.

Internationale Pressestimmen sind sich darüber einig, dass diese Familiengeschichte ein „tief berührendes und mitreißendes Stück Zeitgeschichte“ darstellt (Simon Sebag Montefiore).

Die Originalausgabe erschien bereits 2008 unter dem Titel „Stalin´s Children. Three Generations of Love and War“ bei Bloomsbury in London; nun ist es endlich auch auf Deutsch im Graf Verlag der Ullstein Buchverlage GmbH erschienen. Ein großes Lob geht hier an den Graf Verlag – „Winterkinder“ trifft nicht nur den Kern dieser Familientragödie – er ist einfach wunderschön.

„An einem Mittsommertag im Jahr 1937 küsste Boris Bibikow seine beiden Töchter zum Abschied und verschwand für immer. Eine der beiden, Mila, verliebte sich viele Jahre später, mitten im Moskau des Kalten Krieges, in einen jungen Engländer und beginnt mit ihm eine gefährliche, leidenschaftliche Affäre.“

Zu Beginn seiner Ausführungen steht ein kurzes Statement des Autors für den, meiner Meinung nach, wichtigsten Grund seines literarischen Vorhabens – es ist die Widmung…

„Für meine Eltern“

Die Aufarbeitung der eigenen Familiengeschichte stelle ich mir laienhaft als Mammutprojekt vor. Wie oft muss sich Owen Matthews die Frage gestellt haben, ob er dieses Werk wirklich zu Ende bringen kann.

Tiefbewegt glitten meine Augen über die Seiten. Ich spürte den eisigen Hauch von Kälte, welche nicht dem harten Winter Russlands entsprang. Es war die Anspannung und die Angst, dass etwas Böses Einzug in die eigene Familie halten würde. Boris Bibikow war ein linientreuer Marxist-Leninist. Er war ein glühender Verfechter der „Oktober-Revolution“ und stieg in der noch jungen Sowjetunion schnell zu einem regional einflussreichen Mann auf. Doch Stalin, welcher die Last der Verantwortung nach dem Tod des erfolgreichen Revolutionärs Lenin trug, sollte durch seine Politik das Leben einer unbescholtenen russischen Familie in ihren Grundfesten erschüttern.

Matthews Ausführungen sind detailliert und wirken so „hautnah“. Seine kurzen „Zeitsprünge“ durch die drei Generationen seiner Familie stören in keinster Weise. Sie verdeutlichen vielmehr, dass der Autor versucht Parallelen zu seinem eigenen Leben zu ziehen. Er ist der „Geschichtenerzähler“ – er begleitet den Leser durch die Wirren der stalinistischen Säuberungsaktionen der 30er Jahre, dem „großen vaterländischen Krieg“ gegen Nazi-Deutschland, dem „Kalten Krieg“ und letztlich auch dem Zerfall des Sowjetreichs – stets aus der Sicht einer Familie, welche sich in diesen Zeiten einigen harten Prüfungen unterziehen muss.

Während der ersten 200 Seiten konnte ich mir nicht vorstellen, dass so ein Drama glücklich enden würde. Zu viele Opfer wurden erbracht, zu viele Familienmitglieder zahlten einen hohen Preis. Doch letztlich setzte das erlösende Tauwetter ein. Die Mauern der alten Ordnung zerbrachen und ließen den Blick zum Horizont gleiten – einer Glück versprechenden Zukunft entgegen.

Die Geschichte seiner Eltern ist beispielhaft für das gesamte Werk. Leidenschaft, Hoffnung und Liebe gehen Hand in Hand mit Ängsten, Sorgen und tiefer Hoffnungslosigkeit. Was Pasternak mit „Dr. Schiwago“ gelang, durchleben hier in ihrer ganz eigenen Version Mila und Matthews Vater Mervyn.

Diese Familiengeschichte ist so unglaublich, so erschütternd und doch auch so anrührend, dass ich sie nur wärmstens all jenen Leserinnen und Lesern empfehlen kann. Man möchte fast traurig darüber sein, dass der diesjährige Winter in unseren Breitengraden ausgeblieben ist – bei heißem Tee, einer wärmenden Decke und dem Blick auf eine vereiste Winterlandschaft würde dieser Roman sicherlich noch wirkungsvoller und anrührender erscheinen. Nun – ein geduldiger Leser kann auch warten!

x Autor/in: Owen Matthews
x Titel: Winterkinder
x Genre: Roman
x 400 Seiten
x Graf
x ISBN: 978-3862200450

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Bibliomanias avatar

Rezension zu "Moskau Babylon" von Owen Matthews

Maoskau in den 90er Jahren
Bibliomaniavor einem Jahr

Roman Lambert ist Brite. Als ihm nach seinem Studium alles etwas langweilig wird und er keine Perspektive sieht, geht er nach Moskau, um dort als PR-Manager zu arbeiten. Er steigt bei einem Freund der Familie mit ein und erlebt das Moskau des Kaviars, der Partys und der russischen Frauen. Er will das Leben genießen, wie ein richtiger Russe, doch er ist Ausländer und bleibt trotz allem immer Brite. Nach und nach gerät er in eine Welt, die nichts mit dem zu tun hat, was er sich von idealen Moskau vorgestellt hat: er gerät auf die schiefe Bahn und auf die dunkle Seite der Stadt.
Ein Roman, der auch ein wenig erschreckend darstellt, wie es um Moskau (und wohl auch Russland) bestellt war beziehungsweise noch ist. Probleme werden innerhalb des Freundeskreises geklärt, unausgesprochene Dramen schwelen immer weiter und Zuhälter sind irgendwie Retter. Sich als Außenstehender/Ausländer in die Belange dieses Landes einzumischen, scheint keine Option. Man wird nicht ernst genommen, nicht anerkannt. Die wirklichen schmutzigen Probleme lösen die Russen immer noch selbst und dabei haben Ausländer gar nichts zu melden.
Roman war mir eigentlich das ganze Buch hindurch sympathisch. Er wollte helfen, wo er nicht helfen konnte. Im Gegenteil, er hat es verschlimmert. Er hat die Welt so wenig verstanden wie ich es wohl tue. 
Ein wirkliches Manko war für mich jedoch die Sprache. Es passt zur Geschichte und zum Thema, aber mir selbst stört es den Lesefluss und auch den Genuss des Buches. Ich habe vielleicht auch etwas anderes erwartet, aber auch thematisch zeigt sich Moskau (mal wieder) von seiner schlechten, aber vielleicht realen Seite.

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