Moskau Babylon

von Owen Matthews 
3,6 Sterne bei5 Bewertungen
Moskau Babylon
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Leider hat mir die Sprache einiges versaut.

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Inhaltsangabe zu "Moskau Babylon"

Boomtown Moskau der neunziger Jahre: Hier ist alles größer, gewaltiger, opulenter als das, was PR-Manager Lambert bisher kannte. Fasziniert und abgestoßen zugleich, schaut er zuerst von außen in die Abgründe dieser Welt aus Kommerz, Drogen und Luxus. Aber wie alle Ausländer lebt er in einer Parallelwelt, die nicht nur von schönen Nataschas bevölkert wird, sondern auch von ebenso charismatischen wie hundsgemeinen Verbrechern. Dann verliebt er sich in die schöne Sonia und wird, ohne es zu wollen, zum dostojewskischen Helden.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783548288833
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:400 Seiten
Verlag:Ullstein Taschenbuch Verlag
Erscheinungsdatum:10.03.2017

Rezensionen und Bewertungen

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    TheRavenkings avatar
    TheRavenkingvor 7 Monaten
    Moskau Babylon

    Moskau, Mitte der 1990-er Jahre, die Sowjetunion gehört der Vergangenheit an. An die Stelle der totalitären staatlichen Unterdrückung ist ein rücksichtsloser Raubtierkapitalismus getreten.

    Der britische Oxford-Absolvent Roman Lambert, Sohn einer Russin und eines Engländers bekommt einen Job bei einer PR-Agentur. Seine einzige Qualifikation: Er spricht perfekt russisch.

    Ähnlich wie seine Kollegen genießt auch Lambert zunächst das dekadente Leben der westlichen Elite in vollen Zügen. Ausländer aus dem Westen haben einen Status wie Halbgötter. Partys und Exzesse sind an der Tagesordnung.

    Die einfacheren Russen dagegen vegetieren am Existenzminimum dahin. Wir lernen Rentnerinnen kennen, welche ihre mageren Altersbezüge durch den Verkauf von Psychopharmaka verbessern und hübsche junge Frauen, die sich prostituieren um ihrem Elenden Dasein zu entkommen.
    Roman hat Mitleid und möchte doch zu den Gewinnern gehören.

    „Sie waren die Konquistadoren des Kapitalismus, die in den Wohnungen des Politbüros lebten und sich die schönsten Frauen der Besiegten nahmen. … In Moskau waren Koks und Nutten, was Rotwein und literarische Ambitionen für die verlotterten Bohemiens waren, die ich in Soho gekannt hatte. Aber die Orgien von London und Oxford waren Kindereien im Vergleich zu dem, was diese geschniegelten Prinzen der Dekadenz mit ihren glänzenden schwarzen Wagen und ihren Zweihundert-Dollar-Frisuren trieben.

    Beneidete ich sie? Natürlich. Aber weniger um ihre Freundinnen und um ihr Geld und ihre tollen Wohnungen und mondänen Urlaube. Nein. Vor allem beneidete ich sie um ihre Selbstsicherheit. Denn ich erkannte bald, dass ich mich noch so sehr anstrengen konnte, die selbstverständliche Anspruchshaltung, die Großspurigkeit und den lässigen Charme brachte ich höchstens in flüchtigen Momenten betrunkener Selbstvergessenheit auf. Was uns unterschied war mehr als die Tatsache, dass ich in einer ärmlichen Wohnung über dem lärmenden Straßenverehr des Gartenrings lebte und meine Freundinnen eher von der biederen Sorte waren. Irgendein Dämon des Weltschmerzes und der Selbstzweifel verhinderte, dass ich einer von ihnen wurde.

    Mein Gewissen war sicher nicht reiner als ihres. Doch ich begriff eines: Wenn man in dieser verruchten Stadt die wahre satanische Majestät erlangen, wenn man sich ohne einen Hauch von Selbstzweifel oder Schuldgefühl an den menschlichen Opfern dieses Großstadtdschungels mästen wollte, musste man hartherzig sein.“

    Bald verstrickt er sich in die mafiöse Welt der Neuen Russen voller Korruption, Vetternwirtschaft und Kriminalität und begeht aus fehlgeleitetem Ehrgefühl ein abscheuliches Verbrechen.

    All dies wird erzählt in einer ein wenig gekünstelt wirkenden Sprache, die sich für meinen Geschmack etwas zu sehr um literarischen Anspruch bemühte. Beim Versuch Russland zu erklären dringt der Autor kaum wirklich in die Tiefe vor.

    „Weißt du, was Lew Tolstoi gesagt hat, unser unsterblicher russischer Schriftsteller? Er sagte: „Alle guten Menschen sollten sich zusammentun und alle schlechten Menschen töten.“ Er war ein großer Ironiker. ... Es geht darum, dass schon viele versucht haben, Russland zu retten, indem sie die schlechten Menschen aus dem Weg schafften. Manchmal Millionen auf einen Schlag. Hat bis jetzt noch nicht geklappt.“

    Für slawophile Leser ist Moskau Babylon dennoch eine faszinierende Momentaufnahme der russischen Hauptstadt im ausgehenden 20. Jahrhundert.

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    Bibliomanias avatar
    Bibliomaniavor einem Jahr
    Kurzmeinung: Leider hat mir die Sprache einiges versaut.
    Maoskau in den 90er Jahren

    Roman Lambert ist Brite. Als ihm nach seinem Studium alles etwas langweilig wird und er keine Perspektive sieht, geht er nach Moskau, um dort als PR-Manager zu arbeiten. Er steigt bei einem Freund der Familie mit ein und erlebt das Moskau des Kaviars, der Partys und der russischen Frauen. Er will das Leben genießen, wie ein richtiger Russe, doch er ist Ausländer und bleibt trotz allem immer Brite. Nach und nach gerät er in eine Welt, die nichts mit dem zu tun hat, was er sich von idealen Moskau vorgestellt hat: er gerät auf die schiefe Bahn und auf die dunkle Seite der Stadt.
    Ein Roman, der auch ein wenig erschreckend darstellt, wie es um Moskau (und wohl auch Russland) bestellt war beziehungsweise noch ist. Probleme werden innerhalb des Freundeskreises geklärt, unausgesprochene Dramen schwelen immer weiter und Zuhälter sind irgendwie Retter. Sich als Außenstehender/Ausländer in die Belange dieses Landes einzumischen, scheint keine Option. Man wird nicht ernst genommen, nicht anerkannt. Die wirklichen schmutzigen Probleme lösen die Russen immer noch selbst und dabei haben Ausländer gar nichts zu melden.
    Roman war mir eigentlich das ganze Buch hindurch sympathisch. Er wollte helfen, wo er nicht helfen konnte. Im Gegenteil, er hat es verschlimmert. Er hat die Welt so wenig verstanden wie ich es wohl tue. 
    Ein wirkliches Manko war für mich jedoch die Sprache. Es passt zur Geschichte und zum Thema, aber mir selbst stört es den Lesefluss und auch den Genuss des Buches. Ich habe vielleicht auch etwas anderes erwartet, aber auch thematisch zeigt sich Moskau (mal wieder) von seiner schlechten, aber vielleicht realen Seite.

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    M
    michael_lehmann-papevor 3 Jahren
    Viel Moskau, wenig Thriller

    Viel Moskau, wenig Thriller

    Sehr lebendig und bildkräftig, sehr ausführlich und in die Tiefe gehend, was die Atmosphäre, das sehr gespaltene Leben, die Alltagswirklichkeit einerseits und das unter Geldströmen fast versinkende Nachtleben an den angesagten Adressen Moskaus angeht, so erzählt Matthews vom Ergehen seines Protagonisten Mitte der 90er Jahre in Moskau.

    Als „Frischling“ kommt der junge Brite in die Stadt, heuert bei einem britischen Public-Relation „Start-up“ an und, wie direkt zu beginnt bereits ausführlich dargelegt, wird als Schatten seiner selbst, als massiv „durchgeschleifter“ Mann eine ganze Weile später sich (immer noch in Moskau) wiederfinden.

    Von den Pelzmänteln der hübschen jungen Frauen hin zu den schlecht sitzenden Polyesteruniformen des Militär soder dem schwindsüchtig wirkenden, ebenso schlecht angezogenen Polizeikommissar (der dennoch nicht zu unterschätzen sein wird).

    Von der Enklave der Ausländer zu jener Zeit in Moskau in ihren Diners über die verloren wirkenden, kaputten Gestalten, die ab der Dämmerung das Bahnhofsgelände bevölkern.

    Und neben diesen die schönen „Bilder“ an jungen Mädchen, meist vom Land, welche die Seite der „Haifische“, der kriminellen und harten, halbseidenen Geschäftsleute schmücken sollen.
    Mädchen, die ein paar Stunden später in versifften Kellerlöchern sich Amphetamine spritzen und innerhalb weniger Wochen auch äußerlich wie Junkies daherkommen.

    Mit zudem ebenso profunden Einblicken in das „Leben der einfachen Leute“. Gemüseverkäufer, Datschen-Vermieter, saufende Männer, geschlagene Frauen, die privat „herumgereicht“ werden, die dennoch alles für die Gastfreundschaft auffahren, was nur möglich ist.

    „Das war mehr als Großzügigkeit, das war soziales Harakiri…. Hier, nimm alles, was wir haben, auch wenn es uns umbringt, es dir zu geben“.

    Und mitten drin Roman, der das Glück oder Pech hat, wie man es nimmt, einen der „Haifische“, Dmitri Malachow, durch Zufall näher kennenlernt. Und von diesem mehr und mehr in diesen dunklen Teil Moskaus mit einbezogen wird. Was am Ende dramatische Folgen haben wird.

    Ganz wie nebenbei erzählt Matthews noch vom „Machen der Oligarchen“ und wie es zu dieser immensen Konzentration von Firmen in den Händen weniger kam (und welche Folgen das hatte), nimmt den Leser regelmäßig mit auf eine Datsche am Wochenende und lässt Fluten von Alkohol, Drogen und körperlichen „Auslebens“ durch die Seiten dieses Buches ihre Wege suchen und finden.

    Sprachlich sehr differenziert, sehr flüssig im Tempo entwirft Matthews die Blaupause des alten Babylon an der Realität Moskaus nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und verweist immer wieder mit kleinen Hinweisen im Hintergrund auf die Sehnsucht des Völkes nach klarer Führung, nach einem verlässlichen Rahmen, so bedrängend dieser auch wäre.

    „Ja, sie sind korrupt, aber auch fähig. Es sind „professionelle“ Diebe (statt der Amateure in den Erlebnissen Romans). Sie verstehen zu herrschen“.

    Denn nichts ist schlimmer für die meisten der Bewohner der Stadt, als die Quasi-Anarchie, die zu jener Zeit in Moskau herrschte.

    Eine intensive, gut geschriebene und umfassende Milieustudie einer „Stadt in der Moderne“, deren Zustände und teilweise Verkommenheit man kaum für möglich gehalten hätte. Mit der ein oder anderen Länge versehen, wo Matthews doch zu ausführlich und zu breit von der ein oder anderen Einzelheit des „Lebens in Moskau“ erzählt.

    Die Hinweise auf einen Thriller auf dem Bucheinband allerdings führen doch stark in die Irre, denn der Anteil an Thriller-Elementen beschränkt sich stark auf das langgezogene Finale des Buches und bildet kein wirklich tragendes Element dieses Romans.

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    Haubenmeises avatar
    Haubenmeisevor 2 Monaten
    Jades avatar
    Jadevor 3 Jahren

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    Ein literarischer Thriller der Extraklasse, dessen wahrer Held der Moloch Moskau ist

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