Owen Matthews Winterkinder

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Inhaltsangabe zu „Winterkinder“ von Owen Matthews

An einem Mittsommertag im Jahr 1937 küsste Boris Bibikow seine beiden Töchter zum Abschied und verschwand für immer. Eine der beiden, Mila, verliebt sich viele Jahre später, mitten im Moskau des Kalten Krieges, in einen jungen Engländer und beginnt mit ihm eine gefährliche, leidenschaftliche Affäre. Ihr Sohn Owen Matthews trägt die Puzzleteile seiner Familiengeschichte zusammen: Zugleich ein mitreißendes Stück Zeitgeschichte und die Schilderung des Dramas Russlands von innen heraus.

Ein spannendes, interessantes Werk, das mich leider stellenweise sehr anstrengte. Aber faszinierende Thematik und gute Geschichte!

— once-upon-a-time
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  • Russlands lebendige Geschichte

    Winterkinder
    FlotterAnton

    FlotterAnton

    27. April 2016 um 13:35

    Der Autor erzählt die Geschichte Russlands anhand seiner Familiengeschichte mütterlicherseits. Sein Großvater ist ein hohes Mitglied der Partei, überzeugter Kommunist und setzt mit strenger Hand die Vorgaben der Partei um – dargestellt am Aufbau der Traktorenfabrik Charkow. Er fällt 1937 einer der Säuberungsaktionen Stalins zum Opfer. Seine Frau wird für viele Jahre inhaftiert, so dass die beiden Töchter ohne Eltern aufwachsen. Mila, die jüngere der beiden Töchter, verliebt sich später in den englischen Botschaftsangestellten Mervyn. Bevor die zwei heiraten können, wird Mervyn aus Russland ausgewiesen, weil er sich weigert für den KGB zu arbeiten. Ein Großteil der Geschichte handelt von den Versuchen Mervyns, Milas Ausreise zu bewerkstelligen. Sowohl Mila als auch Mervyn geben nie die Hoffnung auf, dass sie eines Tages wieder vereint sind und zusammen glücklich werden. Für die Darstellung dieser Familien-Biographie ist es wichtig, die Geschichte Russlands, die unterschiedlichen Strömungen der jeweiligen Zeit zu kennen. Die Verknüpfung des Zeitgeschehens mit seiner Familiengeschichte ist dem Autor gut gelungen. Für mich persönlich ist der Anteil der Familiengeschichte zu kurz gekommen. Ich konnte mit den Protagonisten nicht wirklich warm werden. Selbst nicht in dem Teil wo Auszüge aus den Liebesbriefen zitiert werden. Allerdings habe ich sehr viel zum damaligen Zeitgeschehen erfahren, was mich zum Teil sehr tief berührt hat. Das Cover ist sehr dezent gehalten und zeigt schemenhaft die Ansicht einer winterlichen Stadt. Der Schreibstil ist anspruchsvoll und es wird sehr sachlich berichtet, so als ob der Autor nicht persönlich involviert wäre. Ich bin mit einer bestimmten Erwartung an das Buch herangegangen, die nicht erfüllt wurde, aber aufgrund der bewegenden Einblicke in das Russland des 20. Jahrhunderts vergebe ich 4 Sterne

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  • Berührende Geschichte

    Winterkinder
    Langeweile

    Langeweile

    01. March 2016 um 17:05

    Der Autor hat in jahrelanger Kleinarbeit und Recherche die Geschichte seiner Vorfahren aufgeschrieben.Die Geschichte beginnt in Russland im Jahre1937.Sein Großvater mütterlicherseits lebte mit seiner Frau Marta und den beiden Töchtern in Moskau und genoß als Parteimitglied großes Ansehen.An jenem Morgen im Jahre 1937 fällt er der Säuberung des Stalin-Regime zum Opfer und wird erschossen.Er verabschiedet sich am Morgen von seiner Frau und seinen Töchtern Lenina und Ljudmila(Mila) und kehrt nicht mehr zurück.Seine Frau kommt ins Gefängnis ,die Töchter werden ins Waisenhaus gebracht.Sie haben für lange Zeit keinen Kontakt zu ihrer Mutter.Lenina kümmert sich als ältere Schwester aufopferungsvoll um Mila,die sie als ihr erstes Kind betrachtet.Als Mila an Tuberkulose erkrankt ,werden die Schwestern getrennt, erst Jahre später später sehen sich Lenina und Mila wieder.Mila hat mehrere Operationen überstanden, behielt aber ein verkrüppeltes Bein zurück.Als Mila ihre Schwester wiedersieht ,ist diese bereits Mit Sascha,einem entfernten Cousin ,verheiratet und zum ersten Mal Mutter geworden. Trotz aller Widrigkeiten mit denen sie zu kämpfen hatte, gelang es Mila einen guten Schulabschluß zu erlangen und zu studieren, später hatte sie eine Stelle im Institut für Marxismus-Leninismus. Während des Studiums lernte sie den jungen Engländer Mervyn kennen und verliebte sich in ihn.Als der Hochzeitstermin der Beiden bereits feststeht ,werden sie durch die Ausweisung von Mervyn getrennt.Nun beginnt ein sechsjähriger Leidensweg für die Liebenden,den sie durch viele Briefe und wenige (weil zu teure ) Telefonate überbrücken. Trotz aller Widrigkeiten finden Mila und Mervyn wieder zueinander und können endlich heiraten. Der Autor Owen Matthews hat bei der Spurensuche in Russland seine spätere Frau Xenia ,ebenfalls eine Russin ,kennengelernt. Ihm ist es gut gelungen seine eigene Familiengeschichte mit der Zeitgeschichte zu verknüpfen. Ich habe die Geschichte mit großem Interesse gelesen.Was ich nicht so gut fand ,waren die ständig wechselnden Erzählperspektiven,manchmal dreimal auf einer Seite. Dennoch gebe ich eine Leseempfehlung für dieses Buch ab. Buchtitel: Winterkinder

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  • Eine Familiengeschichte aus Russland

    Winterkinder
    Islaender

    Islaender

    21. July 2015 um 20:54

    Der Roman "Winterkinder" von Owen Matthews erzählt seine eigene Familiengeschichte und fängt an bei der Geschichte seiner Großeltern in Russland. Owen Mathhews erzählt diese Geschichte und erzählt damit auch ein Stück politischer Geschichte. Es ist ein Stück wahre Geschichte, denn Owen Matthews hat über Jahrzehnt dafür aus Erzählungen seiner Mutter, seiner Tante und seines Vater gesammelt und er hat selbst beobachtet bzw. gut zugehört. Die Liebesbriefe seiner Eltern erzählen eine eigene Geschichte und gerade aufgrund dieser Briefe wirkt seine Geschichte authentisch. Owen Matthews nimmt uns mit auf diese grausame Reise in die Vergangenheit und so wird mir gewahr, wie korrupt Menschen sein können und welche Gewalt innerhalb dieses russischen Systems ausgeübt wurde. Wird sie nicht noch ausgeübt? Auch wenn es Owen Matthews vielleicht nicht beabsichtigt hat und da bin ich mir sehr unsicher, sein Buch ist auch eine Anklage an das russische System und erreicht damit auch die Gegenwart. Dieses Buch hat mich tief betroffen zurückgelassen und ich musste Tränen unterdrücken aufgrund der Grausamkeiten, die Ljudmilla und Lenina widerfahren sind. Beeindruckt hat mich jedoch auch der Lebensmut, der Lenina und auch Ljudmilla anscheinend nie ganz verlassen hat. Wie ein Krimi klangen die Szenen die Owens Vater berichtete mit dem KGB. Mich hat es alles schockiert und ich mache mir jetzt noch mehr Gedanken darüber, wie wir überwacht werden und welche Gräueltaten Regimegegnern widerfahren. Eine beeindruckende Geschichte und ich mir nur gewünscht zu erfahren, warum er nun in Istanbul lebt.

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  • Drei Generationen Liebe und Krieg

    Winterkinder
    RubyKairo

    RubyKairo

    01. October 2014 um 20:51

    Eine erstaunliche Familiengeschichte voll Liebe, Tod und Verrat. Ach schon wieder der olle Sowjetkram, dachte ich nach den ersten paar Seiten. Dann packete mich das Buch. In dem Weltbestseller "Winterkinder" erzählt Owen Matthews die Geschichte seineer Familie. Der Großvater, ein begeisterter Parteifunktionär in der Ukraine, fiel der Säuberungen Stalins zum Opfer. Mila, die Mutter des Autors, überlebt nur knapp eine entbehrungsreiche Kindheit in sowjetischen Waisenhäusern. Später, zu Zeiten des Kalten Krieges, findet Mila in einem Engländer ihre große Liebe. Der Autor erzählt mit dem Schicksal seiner Familie zugleich die Geschichte Russlands von innen heraus - und man bekommt bei der Lektüre ein Gefühl für das Drama der Ukraine. In diesem Sachbuch ist Zeitgeschichte, hart und zugleich einfühlsam erzählt und ist seitens der geschichtsträchtigen Erzählungen keine leichte Kost. Absolut Lesenswert!!

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  • Drei Generationen Liebe und Krieg

    Winterkinder
    RubyKairo

    RubyKairo

    22. August 2014 um 21:13

    Eine erstaunliche Familiengeschichte voll Liebe, Tod und Verrat. Ach schon wieder der olle Sowjetkram, dachte ich nach den ersten paar Seiten. Dann packete mich das Buch. In dem Weltbestseller "Winterkinder" erzählt Owen Matthews die Geschichte seineer Familie. Der Großvater, ein begeisterter Parteifunktionär in der Ukraine, fiel der Säuberungen Stalins zum Opfer. Mila, die Mutter des Autors, überlebt nur knapp eine entbehrungsreiche Kindheit in sowjetischen Waisenhäusern. Später, zu Zeiten des Kalten Krieges, findet Mila in einem Engländer ihre große Liebe. Der Autor erzählt mit dem Schicksal seiner Familie zugleich die Geschichte Russlands von innen heraus - und man bekommt bei der Lektüre ein Gefühl für das Drama der Ukraine. In diesem Sachbuch ist Zeitgeschichte, hart und zugleich einfühlsam erzählt und ist seitens der geschichtsträchtigen Erzählungen keine leichte Kost. Absolut Lesenswert!!

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  • Die Revolution frisst ihre Kinder

    Winterkinder
    Marapaya

    Marapaya

    14. July 2014 um 22:56

    Russland ist für mich das fiktive Land von Anna Karenina, Krieg und Frieden, Doktor Schiwago und Schuld und Sühne. Mit Tolstoj habe ich eine Literatur ent-deckt, die mich für alle weiteren Leseerlebnisse prägte, die für mich bis heute Maß-stäbe bildet. Das reale Russland löst in mir ein mulmiges Gefühl hervor, russophil wie Owen Matthews Vater bin ich bei weitem nicht. Die aktuellen Entwicklungen auf der Krim, Russlands Rolle darin rufen in mir literarische Erinnerungen an apokalyptische Science Fiction Märchen hervor, die unserer Zukunft nichts Gutes verheißen wollen. Meine historischen Kenntnisse über Russland gehen bis zur Revolution unter Lenin im Jahr 1917, danach kommt noch ein bisschen Allgemeinwissen über den Zweiten Weltkrieg und dann fiel bei mir der Eiserne Vorhang – bis heute. Schockiert habe ich in meinen Jugendtagen eine historische Pseudodokumentation über die letzten Tage der Romanows gesehen und bin kaum darüber hinweg gekommen, dass die Familie ausgerechnet an dem Tag ausgelöscht wurde, der Jahrzehnte später zu meinem Geburtstag werden sollte. Owen Matthews wunderbares Buch über die Geschichte seiner Eltern und damit auch über Russland, dessen nahe Historie mit Einblicken in die russische Seele ließ mich den ichbezogenen Kummer über den Todestag der Romanows schnell vergessen, wie viel mehr Elend mussten Millionen von Menschen in ihrem eigenen Land über Jahre und Jahrzehnte ertragen! Tief erschüttert hat mich Matthews mit der nüchternen Darstellung über das kurze Leben seines russischen Großvaters, den Folgen für seine Familie und den grausamen russischen Alltag dieser Tage. Erst als Held des Kommunismus gefeiert, wurde Boris Bibikow unter dem Einfluss von Stalins Paranoia verhaftet und heimlich hingerichtet. Seine Frau, also Owen Matthews Großmutter kam in ein Frauenlager und Matthews Tante Lenina sowie seine damals knapp dreijährige Mutter Ljudmila ins Kinderheim. Der Zweite Weltkrieg trennte die Schwestern, nur durch Zufall, oder Vorsehung, wie Lenina glaubte, fanden sie sich wieder. Nach dem Krieg schottete sich Russland weiter gegen den kapitalistischen Westen ab. Nur wenigen Ausländern war die Einreise erlaubt. Matthews Vater Mervyn wollte seine russophile Neigung ausleben und nutzte in den späten 50er Jahren jede Möglichkeit, um nach Moskau zu kommen. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter der englischen Botschaft erreichte er sein Ziel und wurde später sogar Student an der Moskauer Universität. Der russische Geheimdienst hatte die westlichen Ausländer zu jeder Zeit im Blick und versuchte auch Mervyn mehrfach für den KGB anzuwerben. Freundschaften zwischen Ausländern und Russen waren ungern gesehen, eigentlich verboten. Mervyn wird Ljudmila vorgestellt und eine tragische Liebesgeschichte nimmt ihren Lauf. Denn den Frust über den unerschütterlichen Patriotismus des jungen englischen Wissenschaftlers lässt der KGB schließlich an dessen privatem Glück aus. Der angemeldete Hochzeitstermin wird von oben zurückgezogen, Mervyn muss unverzüglich das Land verlassen und landet unabänderlich auf der schwarzen Liste des KGB. „Ein tief berührendes und mitreißendes Stück Zeitgeschichte“ – so lautet eine der abgedruckten Pressestimmen im Buch. Und der Begriff Zeitgeschichte trifft es ziemlich genau. Drei Generationen erlebt der Leser, er taucht ein in eine fremde Welt, in ein riesiges Land und in die furchtbare grausame Historie einer Weltmacht. Matthews Buch einen Roman zu nennen, fällt mir hingegen schwer. Es ist zum einen die Erzählung seiner eigenen Familiengeschichte, aber diese ist nicht fiktiv literarisch ausgeschmückt, sondern immer mit einem leicht distanzierten Blick fast sachlich erzählt. Zum anderen ist es eine subjektiv eingefärbte, aber weitestgehend historische Betrachtung und Beschreibung Russlands in all seiner Macht, Härte, Ideologie und seinem Leid im 20. Jahrhundert. Schrecklich und faszinierend zugleich.

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  • Winterkinder

    Winterkinder
    abetterway

    abetterway

    Owen Matthews schreibt in Winterkinder seine Familiengeschichte auf - zuminderst den russischen Teil davon, der den kalten Krieg miterlebt hat. Der Autor ist selbst in England geboren, mit einer Russin vereiratet und lebt in Istanbul. Mila und Lenina - zwei Schwestern die in einer liebenvollen Familie aufgewachsen sind, jedoch der Vater wird verhaftet weil er politisch auf der falschen Seite gestanden ist und verhaftet wurde und nie wieder gekommen ist - zum Tode verurteilt. Sein Tod wird aber erst Jahre später bestätigt. Die beiden schwestern wurden nach der Verhaftung ihrer Mutter in ein Waisenhaus gebracht und hatten lange Reisen hinter sich, bis sie entgültig angekommen sind. Ausgehungert und krank. Mila erkrank schwerer an Turbakuose was schwerwigende Folgen hat, da sich ihr Bein verkürzt sie ein Leben lang hinkt und sich vielen Operationen unterziehen musste. Ihre Schwester heiratet und bekommt Kinder währenddessen sie sich weiter durch das leben kämpft. Sie lernt ihre große Liebe kennen - Mervyn. Doch bald wird Ihre Liebe getrennt. Mervyn ist Engländer und wird ausgewiesen, mit dem Versprechen Mila nach England zu holen werden sie getrennt. Es dauert 5 Jahre bis sie es wirklich beide nach England schaffen sollten. Diese zeit wird mit Briefen und Telefonaten (jeden 2 Wochen 10 Minuten) und seltenen illegallen Treffen überwunden. Nach 5 Jahren und kurz vor der Aufgabe gelingt es tatäschlich, es wird geheiratet und nach England gegangen. Mila fühlt sich nicht wohl, sie vermisst Russland und ihre Freunde. Es dauert sechs Monate bis sie sich ausgeweint hatte und ihr Leben in die Hand nimmt. Sie sucht sich einen Job und wird schwanger, der Autor kommt auf die Welt. Sie versucht das leben zu Leben. Der Vater des Autors ist auf vielen Reisen und nimmt überall auf der Welt Dozentenplätze an, so kann der Autor schon in seiner Kindheit die ganze Wlt kennenlernen. Ein wunderbarer und fantastischer Roman über einegewaltige Familiengeschichte die kalten Krieg und den Kommunismus überlebte und weiterlebte, allen Umständen und Widerständen zum Trotz. Der Roman hat mich fasziniert und ermutigt...man darf niemals aufgeben....

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  • Winterkinder

    Winterkinder
    Astrid_91

    Astrid_91

    15. June 2014 um 23:13

    In diesem Roman erzählt der Autor Owen Matthews seine tragische, bewegende Familiengeschichte, geprägt von der politischen Situation im Russland des 21. Jahrhunderts. Owen Matthews schildert zunächst die Geschichte seiner Großeltern, wie sein Großvater Stalins Säuberungen zum Opfer fiel und seine Großmutter daraufhin in ein Arbeitslager gebracht wurde, sodass ihre beiden Kinder Lenina und Ljudmilla ihre Kindheit in einem Waisenhaus verbringen mussten. Es handelt sich hier um eine schwere Kindheit und Jugend, in Zeiten des Zweiten Weltkriegs, doch Lenina und Mila überleben und entwickeln einen unglaublichen Kampfgeist. Dieser lässt Mila sechs Jahre Trennung von ihrer großen Liebe Mervyn Matthews überstehen, einem Engländer, der kurz vor ihrer Hochzeit des Landes verwiesen wird und dem es erst sechs Jahre später gelingt Mila nach Großbritannien zu holen. Eine verzweifelte Liebe in Zeiten des Kalten Krieges, von der letztendlich nur ein alter Überseekoffer auf dem Dachboden übrigbleibt... Der Roman „Winterkinder“ hat mir sehr gut gefallen, obwohl er zwischenzeitlich einige Längen hat, vor allem die Passagen über Boris Bibikows Leben erinnern zum Teil an die Lektüre eines Geschichtsbuchs, weshalb ich gut verstehen kann, dass dieser in der Leseprobe vom Verlag ausgelassen wurde... Das Buch ist zum Teil in einem nüchternen, distanzierten Tonfall geschrieben, der sich mit einem andererseits sehr emotionalen Tonfall abwechselt. Dies zeigt, dass es sich hier nicht nur um eine Familiengeschichte, sondern auch um ein Stück russischer Geschichte handelt, dem der Autor offensichtlich möglichst gerecht werden will. Der Schreibstil des Autors hat mir sehr gut gefallen, schon dadurch ist dieser Roman lesenswert. Es scheint als würde Owen Matthews seine Vergangenheit und das Verhältnis zur eigenen Familie in diesem Roman verarbeiten. Dabei wird deutlich, dass er sich im Grunde weniger als Teil der Geschichte sieht, als als unabhängiger Journalist, eine Ansicht, die offenbar schnell ins Wanken geraten ist, als er sich mehr mit der Vergangenheit seiner Familie auseinandersetzt. Leider hat mir der zum Teil abrupte Wechsel zwischen der Schilderung seiner eigenen und der Erlebnisse seiner Eltern nicht gut gefallen, da dies manchmal etwas verwirrend war. Alles in allem hat mich dieser Roman sehr beeindruckt, vor allem die unermüdliche Energie die Mervyn aufbringt, um seine Mila nach Großbritannien zu holen und die Unerschütterlichkeit ihrer Liebe. Gleichzeitig fand ist es unglaublich traurig zu erkennen, dass ihnen ihre Liebe letztendlich abhanden kommt, weil offenbar all ihre Gefühle füreinander in ihre Briefe geflossen sind und das Ideal ihrer Liebe der Realität nicht standhält. Owen Matthews schafft es den Zeitgeist eines ganzen Jahrhunderts russischer Geschichte einzufangen, indem er die Geschichte seiner Familie erzählt, die alle Schrecken des letzten Jahrhunderts in Russland erleben musste und doch so tief in diesem Land verwurzelt ist. Dieser Roman ist absolut lesenswert.

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  • Ein persönliches Russland

    Winterkinder
    Sikal

    Sikal

    07. May 2014 um 20:20

    In „Winterkinder“ erzählt uns der Autor Owen Matthews seine Familiengeschichte, die bis in Stalins Zeit zurückreicht. Die Geschichte beginnt dramatisch – der Großvater fällt Stalins Säuberungsaktion zum Opfer und wird als Verräter abgestempelt, interniert und später hingerichtet. Auch seine Frau wird inhaftiert und in ein Straflager gebracht, die beiden Töchter kommen daraufhin ins Waisenhaus. Unzähligen Familien ist zu dieser Zeit das gleiche Schicksal wiederfahren, standen Elend und Hoffnungslosigkeit an der Tagesordnung. Doch man erfährt auch etwas Besonderes, die unbändige Liebe der beiden Schwestern zueinander, die jedoch auch auf eine harte Probe gestellt wird. Sehr berührend ist bereits dieser Teil der Geschichte, doch der weitere Teil über die Eltern des Autors ist nicht weniger spannend. Die beiden Liebenden Mila und Mervyn kommen zwischen die Fronten des Kalten Krieges und werden getrennt. Die Politik stellt sich gegen deren gemeinsamen Weg und in weiterer Folge unternimmt Mervyn von England aus alles nur Menschenmögliche, um zu seiner großen Liebe zu gelangen. Das einzige, das den beiden bleibt sind unzählige Briefe, die ihre Verbindung zueinander aufrecht halten und ein enormes Durchhaltevermögen, das beide auszeichnet. Der Autor hat zwischen diese Rückblicke immer wieder seine eigene Geschichte eingeflochten, erzählt von historischen Ereignissen, die akribisch genau recherchiert wurden. Er schafft es, den Leser in einen Bann zu ziehen, der einerseits fasziniert andererseits erschüttert und zwischendurch immer wieder hoffen lässt. Doch wenn man im Moment die Nachrichten verfolgt, denkt man, dass sich so manches wiederholt. Fazit: Ein beeindruckendes Buch über Liebe und Krieg, aber auch über Hoffnung und Stärke.

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  • Authentische Reportage, die oft unter die Haut geht

    Winterkinder
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    05. May 2014 um 12:06

    Authentische Reportage, die oft unter die Haut geht Der reiselustige englische Vater, die lebensoffene, leidenschaftliche Mutter, ein großes Umfeld an Familie, dass auch später noch immer wieder und nach und nach und immer mehr aus Russland „eintröpfelte“, das ist, was Owen Matthews an Familie geprägt hat. Eine Familiengeschichte, gerade was seine Eltern und die Großeltern mütterlicherseits betrifft, die nun in Buchform dem Leser einen tiefen Einblick in die Atmosphäre und jüngere Geschichte Russlands zu geben vermag. Aber auch in innere Seiten, Mentalitäten, Haltungen, in denen sich jene „russische Seele“ zwar nicht einfach zu begreifen zu Händen gibt und ebenso nicht platte Vorurteile bestätigt werden, wohl aber der eine oder andere „Blick“ nach innen möglich wird. „Was sie mit den anderen Emigranten teilte, war die Verachtung des russischen Systems“. Und was seine Mutter auch in sich trug, war die Lust am Schönen, auch am Materiellen und damit die ständige Reibung mit dem „englischen Geiz“. Da öffnet sich so ein leichter Blick, ein tieferes Verstehen der überschäumenden Lebens- und Kauflust der (nicht aller, aber mancher) „Russen“. „Was machst Du, wenn die Roten wiederkommen?“. Dann, zumindest eben hat man das gehabt! Genossen. Sich darin verloren und geschwelgt. Denn Armut, Bedrängung, Kälte innen wie außen, sich kaum etwas gönnen können (selbst wenn Geld dagewesen wäre, wäre kaum etwas an Dingen im Angebot gewesen), das alles prägte tief jene Generation, die unter Stalin und Nachfolgern den Kalten Krieg und die Bedrängung des eigenen Volkes miterleben musste. „Milas Beispiel erwies sich als ansteckend. Einer nach dem anderen sollten fast alle ihre Freunde und Verwandten entweder Russland verlassen oder Ausländer heiraten“. Und das, im Übrigen, interessanterweise, nicht aus Berechnung. Nicht „um herauszukommen“, sondern ebenfalls aus „tiefstem Herzen“. „Wenn schon, dann mit allem, was man innerlich hat“, so könnte man die innere Haltung vor allem Milas, der Mutter, ausdrücken. Dafür steht die Liebesgeschichte von Mila und „ihrem Engländer“, Mutter und Vater des Autors, die sich mitten im kalten Krieg in Russland kennen und lieben lernten. Und das mit Überschwang, das kann man durchaus sagen in Hinsicht auf jene Briefauszüge seiner Mutter, die Matthew im Buch nutzt. Leidenschaft, Tiefe, eine Form des Ausdrucks und der dargestellten Liebe, die den emotional eher distanzierten Westeuropäer (und damit auch den jungen englischen Mann) immer wieder fast überrollt. Wie aus „Romeo und Julia“ entnommen, mit dramatischer Geste und Pathos an allen Enden gelingt hier ein weitere Blick in eine Form der russischen Mentalität, der fremd und doch faszinierend vor dem Leser sich ausbreitet. Gegen alle Systeme, gegen KGB und Widerstand der eigenen Mutter, im Hinterkopf noch das „einfach so“ Verschwinden des Großvaters, der im Zuge einer Verhaftung hingerichtet wird. Da ist der leidenschaftliche Kampf für sich selbst, die innere Aufwühlung als fast „zweite Natur“ verständlich vorgelegt. Eine Prägung für das Leben. Die einerseits Grenzen durchlässig machte mit all ihrer Energie der Liebe, die andererseits späterhin immer wieder zu Reibungen einfach führen musste. „Nun, da meine Mutter keine epischen Gefechte mehr auszufechten hatte, richtete sie ihre Energien auf die Menschen, die ihr am nächsten waren ….. Das Reihenhaus in Pimlico war viel zu kleine für diesen Dynamo emotionaler Energie“. Woraufhin sich Matthews Vater regelmäßig auf sich selbst und sich selbst zurückzog. Diese Energie ist das eine, die Matthews in dieser im Ton sehr sachlichen Biographie hervorragend darstellt, das Leben in Russland, die Zeiten Stalins, des Krieges, des späteren Kalten Krieges du das Ergehen seiner Familie darin hat er fundiert recherchiert und in diesem Buch nachvollziehbar zusammengetragen. Auch eine Elegie des Leides und des Überlebenskampfes beinhaltet diese Familiengeschichte. Ein Eintreten für die (persönliche) Freiheit mit aller Kraft. In nicht einfachen Systemen. „Das waren furchtbare Zeiten … Ihr Großvater glaubte, aber glauben sie nicht, dass die Ankläger selber glaubten? Oder die Männer, die ihn erschossen haben?“ Eine Hilfe zu einem tieferen Verstehen der jüngeren russischen Geschichte und der Prägung der Menschen dort, eine Geschichte der Emigration und mancher Emigranten, ein Kampf und Sieg der Liebe in sehr leidenschaftlicher Form, ein sich zurecht finden im normalen Alltag (was schwierig war). Alles in allem eine sehr gelungene, lange nachhallende Lektüre, die im Beschreiben des äußeren Leben und im Offenlegen des inneren Erlebens den Leser mitten hineinnimmt in diese besondere Lebens- und Familiengeschichte.

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  • Winterkinder

    Winterkinder
    nataliea

    nataliea

    22. April 2014 um 10:54

    "Winterkinder" ist die Biographie einer Familie, welche über drei Generationen hinweg erzählt wird und auf einer wahren Begebenheit beruht. Zum Inhalt ist folgendes zu sagen: Owen selbst erzählt die rührende Geschichte über seine Eltern, seine Großeltern und auch seine eigene Geschichte. Der Großvater wird ermordet, da er nicht zeitlebens dem Regime Russlands gedient hat. Und die Großmutter musste in ein Arbeitslager. Aber nicht nur harte Zeiten werden vom Autor aufgefasst. Auch erzählt er die schöne Liebesgeschichte seiner Eltern. Und zuletzt reist der Autor in seine eigene Vergangenheit bzw. die seiner Familie und versucht Vergangenes aufzuarbeiten... Ich empfand den Schreibstil als sehr angenehm zu lesen. Alle Charaktere wurden sehr gut beschrieben und man konnte sich diese sehr gut vor dem inneren Auge vorstellen. Auch die politischen Ansichten und die Lebensweisen in Russland wurden vom Autor sehr geschickt in die Geschichte eingearbeitet, ohne aufdringlich oder gar kompliziert zu wirken. Und nicht nur das, der Autor hat es geschafft, mich mit seiner Geschichte zu fesseln. Ich war sehr beeindruckt von diesem Buch und es ist mir lange nicht aus dem Kopf gegangen. Ein sehr bewegendes Buch mit einem sehr rührendem Schicksal. Ich kann es nur weiterempfehlen.

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  • Historische Ereignisse meisterhaft und sehr persönlich erzählt

    Winterkinder
    danuzza

    danuzza

    03. April 2014 um 12:08

    Russland, Hochsommer 1937. Der erfolgreiche Parteifunktionär der Bolschewiki Boris Bibikow, ein idealistischer und ehrgeiziger Mann , der sich im Laufe des rasanten Aufbaus eines Traktorenwerks in der Ukraine einen Namen gemacht hatte, küsst seine beiden Töchter zum Abschied, umarmt seine Frau, nimmt sein Proviantpaket und steigt schnell in das Auto, das ihn zu seinem wohlverdienten Urlaub in ein Sanatorium am Schwarzen Meer führen soll. Lenina, seine älteste Tochter, gerade zwölf Jahre alt, eilt ans Fenster und winkt eifrig: Dies soll das letzte Mal sein, das sie ihren Vater sieht. Oxford, fünfziger Jahre. Mervyn hat als Bücher versessener, einsamer Junge zwischen Rangierbahnhöfen am großen Hafenanlagen und den Maschinenhäusern der Kohlengruben eine ziemlich trostlose Kindheit in der walisischer Stadt Swansea verbracht. Durch ein Nachwuchsforschungsstipendium am angesehenen St. Anthony’s College ist er auf dem besten Weg zum ordentlichen Professor der gerade in Großbritannien wachsenden Branche der Sowjetologie. Doch 1958 erhält er ein Stellenangebot in der Forschungsabteilung der britischen Botschaft in Moskau und zieht nach Russland, während der Kalte Krieg seinem Höhepunkt entgegengeht. Ljudmila ist intellektuell, romantisch und geistreich. Sie hat die Hungernöte, die Säuberungen und den Krieg überlebt. Sie hat den größten Teil ihrer Kindheit in einem Waisenhaus und in Krankenhausbetten verbracht, ihr Körper ist verkrüppelt, doch ist sie trotz ihrer Behinderung offenherzig und kühn, mit einer großen Leidenschaft fürs Ballett. Sie hat Französisch, Latein, Deutsch und Kunst studiert und arbeitet am Institut für Marxismus-Leninismus in Moskau. Die Fäden dieser so unterschiedlichen Schicksale führt Owen Matthews zusammen, denn Boris Bibikow ist sein von Stalin ermordeter Großvater, Mervyn sein englischer Vater, Mila (Ljudmila) seine geliebte russische Mutter. Durch die Schauplätze und die gewichtigen historischen Ereignisse, die im Hintergrund dieses Romans spielen und das Leben seiner Protagonisten so maßgeblich beeinflussen, wird diese ganz persönliche Familiengeschichte zum tiefgründigen, berührenden Abbild der Geschichte Russlands des letzten Jahrhunderts. Owen Matthews leise, einfühlsame und zugleich nüchterne Stimme begleitet uns durch die fanatische Euphorie der kommunistischen Fabriken, das Grauen der stalinistischen Säuberung und der Zwangslagern, die Schlafsäle trostloser Kinderheime und Krankenhäuser, die begeisternden Aufführungen des Bolschoi-Theaters, die vom KGB überwachten Straßen Moskaus, die undurchsichtigen Büros der berüchtigten sowjetischen Bürokratie. Wir folgen ihm bis zum Gegenwart, wo er das Portrait eines von bodenlosem Nihilismus beherrschten Russlands zeichnet, in dem es „jede Menge Asche, aber nur wenige Phönixe“ gibt (S. 14). Es ist äußerst schwierig, dieses Buch eindeutig einer literarischen Gattung einzuordnen: Ist es ein historischer Roman? Eine (Auto)Biographie? Eine Liebesgeschichte? Eine Reportage über die Geschichte Russlands im letzten Jahrhundert? Ein Briefroman? „Winterkinder“ ist ein bisschen von allem und lebt von den einprägsamen, lebhaften Figuren, die zahlreich aus seinen Seiten entspringen, und vor allem von dem besonderen Schreibstil seines Autors, der den Gleichgewicht zwischen der nüchternen Beschreibung der Fakten und der intimen Darstellung der Gefühle nie verliert. Dieses Buch bietet eine anspruchsvolle, z.T. auch unterhaltsame, jedenfalls sehr eindrucksvolle Lektüre, welche die historischen Ereignisse der jüngsten Vergangenheit Europas mit einer einfühlsamen, sehr persönlichen Erzählung meisterhaft verbindet. „Ich glaube nicht, dass mein Großvater ein Held war, aber er lebte in heroischen Zeiten, und solche Zeiten treiben große wie kleine Menschen zu großen Taten.“ (S. 33)

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  • Winterkinder

    Winterkinder
    Petris

    Petris

    26. March 2014 um 18:46

    Matthew Owen begibt sich in Winterkinder auf die Spuren seiner Vorfahren. Er beginnt mit den Großeltern in England und der Ukraine und schließlich der großen Liebesgeschichte seiner Eltern, die beinahe sechs Jahre Trennung durch die Schikanen der Sowjetregierung überlebt und hauptsächlich in leidenschaftlichen Briefen und kurzen Telefonaten gelebt wird. Erst nach vielen Jahren des Kampfes, des Scheiterns wahnwitziger Ideen, mutiger Schachzüge, das alles auf Kosten seiner akademischen Laufbahn, gelingt es Mervyn seine geliebte Mila nach England zu holen. Happy End. Romantisch. Würde man meinen! Nicht ganz, denn es handelt sich hier um echte Menschen, die Heimweh haben, sechs Jahre ein Ideal verfolgt haben, das sich dann in der Realität dann doch als fehlerhaft erweist. Aber es liegt stark auch an der Erzählweise des Autors (oder ist es die Übersetzung?), die stellenweise sehr unterkühlt, vielfach zu detailverliebt und wenn es um die eigene Zeit in Russland geht auch zu selbstverliebt ist! Alles in allem ein sehr interessantes Buch, unglaublich spannende Lebensgeschichten, aber leider mit Längen in der Erzählweise. Ich hatte mir mehr erwartet. Was könnte man aus solch außergewöhnlichen Geschichten, die das Leben schrieb, doch machen! Sehr gut gefällt mir die Aufmachung. Hochwertig verarbeitet mit Lesebändchen und meiner Meinung nach wunderschönem Cover.

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  • Dramatische Familiengeschichte

    Winterkinder
    Smberge

    Smberge

    24. March 2014 um 13:29

    Dieses Buch ist die beeindruckende Familiengeschichte von Owen Matthews und die berührende Lebensgeschichte seiner Eltern. Wir steigen 1937 in die Geschichte ein, die Zeit der Säuberungen unter Stalin. Sein Großvater, obwohl ein höherer Funktionär, wird verhaftet und, wie wir später erfahren, ermordet. Seine Frau wird in Sippenhaft genommen und für viele Jahre in ein Arbeitslager verbannt. Die Kinder, Lujdmilla und Lenina werden von ihren Eltern getrennt und wachsen in sowjetischen Kinderheimen auf, werden auch dort wieder getrennt. Am Ende des Krieges finden zumindest die beiden Schwestern wieder zueinander. Hier beginnt auch der zweite Teil des Buches, die Liebesgeschichte zwischen Lujdmilla und Marvyn, Owens Eltern. Marvyn kommt als britischer Student nach Moskau zur Zeit des Kalten Krieges. Er gerät, ohne es wirklich zu merken, in den Fokus des KGB. Er trifft und Lujdmilla und die beiden verlieben sich ineinander. Einige Tage vor der geplanten Hochzeit wird Marvyn aufgrund eines Komplotts, in das auch der KGB involviert ist, aus der Sowjetunion ausgewiesen. Jetzt beginnt der 6 jährig Kampf der beiden Liebenden, um ihr Recht miteinander zu leben. Aber nicht nur der Kampf mit den Autoritäten wird beschrieben, sondern wir dürfen auch wunderschöne Liebesbriefe der beiden lesen. Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen. Eine schöne Mischung aus Beschreibung eines dramatischen Familienschicksals und einer Liebesgeschichte, die trotz eines furchtbaren Regimes bestehen kann. Man sieht hier so richtig die Menschenverachtung einer Diktatur, die Menschenleben zerstört, sowohl im eigentlichen Sinne durch Ermordung als auch durch sonstiges Unrecht, das den Menschen zugefügt wird. Für mich waren aber auch die Einblicke in das tägliche Leben der Menschen in Moskau, ihre Lebensverhältnisse und der Einfluß der Politik auf ihr tägliches Lebens sehr interessant. Ich kann diese Buch wirklich nur empfehlen

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  • Eine persönliche, russische Geschichte

    Winterkinder
    serendipity3012

    serendipity3012

    23. March 2014 um 17:51

    Eine persönliche, russische Geschichte Boris Bibikow verabschiedet sich 1937 von Frau und Kindern und kehrt nicht zurück. Seine jüngere Tochter Ljudmilla wächst in Waisenhäusern auf, sieht ihre Mutter ein ganzes Jahrzehnt nicht. Verliebt sich schließlich in einen Engländer. Der Kalte Krieg macht es den beiden unmöglich, zusammen zu sein, ihre Hochzeit wird verhindert. 6 Jahre lang kämpft er dafür, sie heiraten zu dürfen, während dieser Zeit schreiben sie sich glühende Briefe. Nachdem sie endlich zusammen sind, bekommen sie zwei Kinder. Das ältere: Owen Matthews, Autor von „Winterkinder“. „Wart auf mich, aber warte sehr. Warte, wenn Dein Herz bedrückt, Regen trüb und schwer… Warte, wenn die andren längst des Wartens müd, warte…“ so Ljudmilla an Mervyn. Der Journalist Owen Matthews, heute selbst mit einer Russin verheiratet und in Istanbul lebend, hat sich der Aufgabe gestellt, seine eigene Familiengeschichte aufzuschreiben und begibt sich auf eine Reise in die Vergangenheit bis zu seinem Großvater Boris Bibikov. Was wir lesen, ist die Geschichte eines halben Jahrhunderts russischer und europäischer Geschichte, über Politik und den Kalten Krieg, in erster Linie aber lesen wir die Liebesgeschichte seiner Eltern. Zwei junge Menschen, die kurz vor ihrer Hochzeit durch die Ausweisung Mervyn Matthews’ getrennt werden und für die es zur Lebensaufgabe wird, heiraten zu dürfen. Und die, als sie endlich zusammen sind, mit der plötzlichen Realität eines Partners aus Fleisch und Blut fertig werden müssen. Matthews schafft durch seinen ausdrucksstarken Stil eine intensive Atmosphäre. Seine Geschichte ist die Geschichte Russlands, aber vor allem, und das ist die große Stärke seines Buches, ist es seine persönliche Geschichte. Das Paar, über das er schreibt, sind seine Eltern. Seine Mutter Ljudmilla und seine Tante Lenina zeichnet er in so starken Bildern, dass man als Leser mit am Tisch zu sitzen und mit ihnen Tee zu trinken scheint. „Lenina, die Schwester meiner Mutter, ist genauso üppig, wie es ihre Mutter Marta gewesen war, mit breiten Hüften und großen Brüsten, der Rücken unter der Last der Probleme der Welt gebeugt.“ Matthews erzählt offen auch von sich selbst, von seinen eigenen Reisen, von Ängsten und Misserfolgen, von seinem Verhältnis zu dem Land seiner Mutter. Ein interessantes, ein lehrreiches und persönliches Buch, bei dessen Lektüre man immer spürt, dass das, worüber Matthews schreibt, eine Herzenssache ist.

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