Oxana Wassjakina

 3,4 Sterne bei 15 Bewertungen
Autor*in von Die Wunde und Die Steppe.

Lebenslauf

Oxana Wassjakina, 1989 in Ust-Ilimsk an der Angara (Sibirien) geboren, arbeitet als Autorin, Kuratorin, Herausgeberin und feministische Aktivistin. Sie hat das Gorki-Literatur-Institut besucht und ist heute eine international bekannte Autorin, die in Russland immer wieder Anfeindungen ausgesetzt ist. 2023 erschien bei Blumenbar ihr erster Roman »Die Wunde«. Inzwischen hat sie diesem Roman einen zweiten und dritten Band – »Die Steppe« und »Die Rose« – hinzugefügt und ihn so zu einer Trilogie über ihre Familie erweitert.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Oxana Wassjakina

Cover des Buches Die Wunde (ISBN: 9783351051136)

Die Wunde

(11)
Erschienen am 17.05.2023
Cover des Buches Die Steppe (ISBN: 9783351051167)

Die Steppe

(4)
Erschienen am 17.09.2024

Neue Rezensionen zu Oxana Wassjakina

Cover des Buches Die Wunde (ISBN: 9783351051136)
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Rezension zu "Die Wunde" von Oxana Wassjakina

Karola_Dahl
Unsortierte Reflektionen anlässlich des Todes der Mutter und ihr Verhältnis zueinander

Das Buch wirkt wie ein autobiographisches Werk mit langatmigen, bruchstückhaft wiederholten Reflektionen der Ich-Erzählerin über die Liebe zu ihrer Mutter, deren Tod, über den Schmerz dieses Verlustes. Neben Beobachtungen über Frauen allgemein im einst sowjetischen und postsowjetischen Russland geht es auch um ihre homosexuelle Neigung im bescheidenen russischen Alltag. Die mäandernde Handlung während der Reise mit Mutters Urne lässt nur schwach die Wunde rund um die unersetzbare Mutterfigur  neben  Depression und psychischen Problemen der Erzählerin erkennen. Die innere Reise zu sich selbst beschreibt sie in klarer Offenheit. Teilweise erschüttert die postsowjetische Perspektivlosigkeit nicht nur in Sibirien.

Insgesamt zu langatmig und zu unsortiert kommen diese Assoziationen in fünf Kapiteln daher.

Cover des Buches Die Steppe (ISBN: 9783351051167)
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Rezension zu "Die Steppe" von Oxana Wassjakina

Karola_Dahl
Das harsche Leben als Fernfahrer in der weiten russischen Steppe

In diesem Teil der Trilogie über ihre Familie stehen die Erinnerungen an den vor sieben Jahren an Aids verstorbenen Vater im Mittelpunkt. Die raue Schönheit Sibiriens, den zahlreichen Flusslandschaften und die Weite der Steppe bilden den Rahmen für das Porträt eines russischen Mannes, geprägt durch Armut, Alkohol, Kriminalität und Gewalt. Nicht chronologisch strukturiert tauchen auch angsterfüllte Rückbesinnungen an diesen Vater auf, der ihr fremd bleibt. Er war in der Armee, im Gefängnis und einsamer Fernfahrer ohne Heim und Familie, schätzte die Freiheit. Die Autorin sucht mit der Du-Anrede die Nähe zum Leser. Sieben politische und kulturelle Erläuterungen bringen das russische Ambiente näher. Ebenso werden die griechische Mythologie und philosophische Schriften der Frühantike aus ihrem Literaturstudium eingeflochten neben ihrer homosexuellen Neigung. 

Leider führt der Schreibstil voller Reflektionen nicht zu einem überzeugenden, geordneten Ganzen.

Cover des Buches Die Steppe (ISBN: 9783351051167)
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Rezension zu "Die Steppe" von Oxana Wassjakina

Literatursprechstunde
Ein russischer Roadtrip für alle Literaturbegeisterten!

Ich habe schon lange keine Roadmovie-Lektüre gelesen - das hat sich durch Oxana Wassjakina mit „Die Steppe“ nun geändert. 

Doch um was für einen Roadtrip handelt es sich hier?! 

Oxana tritt die Tour mit ihrer Lebenspartnerin an, sie leisten ihrem (ihr fremden) Vater Gesellschaft mehrere Tage quer durch die Steppe Zentralrusslands. Das hat mich ja an sich schon total gecatcht, denn die Umstände werfen Fragen auf: Wieso ist ihr Vater ihr fremd? Zehn Jahre hat sie ihn bisher nicht gesehen, denn ihr Vater flüchtete aus Sibirien in seine Heimatstadt Astrachan um einem Strafverfahren zu entgehen. Noch dazu hat er sich optisch total verändert und Oxana erkennt ihn kaum wieder. Wer ist der schlecht gealterte Mann, der mit erst 40 Jahren eher aussieht wie ihr Opa?! Sein Drogenkonsum hat ihn gezeichnet - aber er ist jetzt clean, quasi ein Ex-Junkie, der nochmal die Kurve gekriegt hat.


Eindrückliche Bilder sind automatisch in meiner Gedankenwelt aufgeploppt beim Lesen der Zeilen Wassjakinas, denn sie schafft es das Leben ihres Vaters perfekt abzubilden mit Worten und spricht im Geist mit einem fiktiven „Du“. Sie kämpft zwar mit ihren eigenen Ambivalenzen fährt mit der Gefühlsachterbahn durch Scham, Groll, Verbitterung und innere Leere, aber schafft es dabei pathosfrei und ohne nur einen Hauch von Larmoyanz, wieder auszusteigen. 


Mit Passieren der Steppe und des Wolga-Ufers lässt sich durch die Naturbeschreibungen  das eindrucksvolle Talent der Autorin für Nature Writing erahnen. Sie porträtiert ihren 1967 geborenen Vater als Sinnbild für eine männlich dominierte Generation, die mit den Unwägbarkeiten der in die Brüche gehenden Sowjetunion struggelte, aber sich dem Ganzen stellte erhobenen Hauptes. 


Oxanas Kindheitserinnerungen reflektiert sie anhand von Verweisen auf ihre Ur- und Großeltern. Sie denkt an die gemeinsame Zeit in Sibirien, die sie sehr geprägt hat und verarbeitet es literarisch, auch indem sie historisch Bezug nimmt. 


Total umgehauen haben mich die Lebenswahrheiten des Vaters, die Oxana bruchstückhaft herausfindet, denn hier haben wir es einmal wieder mit hartem Tobak zu tun (also überlegt Euch bitte, ob ihr aktuell die Kapazitäten habt, über solche Themen zu lesen).

Ihm ist (fast) nichts erspart geblieben. Zunächst als Taxifahrer unterwegs, wird er zum kriminellen Bandenmitglied und verwickelt sogar die eigene Familie in brutale Machenschaften. Auch ein langes Leben ist ihm nicht vergönnt und er stirbt mit nur 47 Jahren an den Aids, er ließ sich nie von Ärzten behandeln diesbezüglich. Oxana erfährt erst nach seinem Tod, dass er überhaupt erkrankt war - durch frühere sexuelle Begegnungen und verunreinigte Heroin-Spritzen. 


Versöhnlich gestimmt hat mich die Lebensfreude dieses vom Leben gebeutelten Mannes, denn auch wenn es bis jetzt vielleicht nicht so geklungen hat - der Frohsinn ist auch vertreten.

Ich empfehle diese Lektüre allen Leser*innen, die mehr über die Generation Männer erfahren möchten, die dem Zusammenbruch der Sowjetunion ausgesetzt waren und welche Steine und Geröllbrocken ihnen in den Weg gerollt wurden. Aber Oxana hat mit „Die Steppe“ nicht nur ein Memoir über ihren Vater verfasst, sondern auch über sich als Tochter. Was macht es mit einem Kind, wenn der Papa verschwindet und als Ex-Junkie, der an Aids sterben wird, wieder zurückkehrt?!

Mir hat das Buch Russland näher gebracht, nicht nur historisch, sondern auch kulturell und menschlich. Danke Oxana Wassjakina - ich fühle mich literarisch und menschlich bereichert nach dieser Lektüre! 

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