Berlin. Es beginnt mit Filzläusen. Zeko ist ein schwuler Mann mit türkischen Wurzeln. 9 Tage bis er Hassan wiedertrifft. Was passiert bis dahin? Online-Dating, Spaß oder doch die große Lovestory?
Mit „Hundesohn“ von Ozan Zakariya Keskinkılıç ist sein erster Roman erschienen. Es ist eine Liebesgeschichte. Eine Liebesgeschichte unter Männern. Eine Liebesgeschichte zwischen besten Freund*Innen. Eine Liebesgeschichte nach der Suche der Liebe. Ist es eine Liebesgeschichte? Ja, es ist nicht nur 1, sondern mehrere ineinander verwoben.
Keskinkılıç Hauptprotagonist Zeko sucht nach der Liebe. Er zählt mantraartig die Tage runter bis er Hassan wiedertrifft. Es stellt sich beim Lesen die Frage: Wer ist Hassan? Solange vertreibt Zeko seine Zeit mit Dating. Keskinkılıç beschreibt, öfters oberflächlich und über mehrere Seiten wie queeres Dating im 21.Jahrhundert abläuft. Sind alle Schwulen nur auf das Eine aus?
Es geht in dem Buch auch über Identitätssuche, Dazugehören und über die Herkunft. Was denken die Menschen über mein Verhalten. Es gibt Reviews in die Vergangenheit, Einblicke in die Familie und dies ist eine gelungene Abwechslung.
Eine wichtige Beziehung ist zwischen Zeko und seiner besten Freundin Pari. Sie haben (fast) keine Geheimnisse voreinander und dies ähnelt einer Liebesgeschichte.
Wenn man dieses Buch lesen möchte, muss sich u.a. in den Chats über eine vulgäre Sprache anfreunden. Zudem kommt öfters hinzu, dass viele Textstellen auf Türkisch/Englisch sind.
„Hundesohn“ ist ein moderner Roman. Sein Sprachstil ist ein Mix aus Poetik, Klassiker (Kafka) und Radikalität. Die Verletzlichkeit der Menschen untereinander zeigt er bildlich. Dieses Buch sollten Menschen lesen, die noch nicht verstanden haben, wie man miteinander umgeht & auch die Personen lesen die eine außergewöhnliche Liebesgeschichte mit einem überraschenden Ende erleben wollen.
Ozan Zakariya Keskinkılıç
Lebenslauf
Quelle: Verlag / vlb
Alle Bücher von Ozan Zakariya Keskinkılıç
Hundesohn
Muslimaniac
Hundesohn
Neue Rezensionen zu Ozan Zakariya Keskinkılıç
Ich mag das Cover und den Titel. Das Konzept hat mich angesprochen und ich gab dem Roman eine Chance. Und mir war klar, dass hätte auch gut und gerne schief gehen können. Tat es aber nicht. Ozan Zakariya Keskinkılıç gibt seiner Hauptfigur, die seinen Namen trägt, eine intensive Erzählstimme. Einerseits ist Zakariya auf der Suche nach Ablenkung und immer wieder dem nächsten Reiz, andererseits sehnt er sich nach dem Wiedersehen mit seinem besten Freund Hassan. Dieses Spiel zwischen teils vulgärer Abwechslung und der Sehnsucht nach Nähe gibt dem Roman seinen roten Faden.
Um diesen roten Faden herum spinnt Keskinkılıç ein Netz an unterschiedlichen Lebenserfahrungen seiner Hauptfigur, teils in der Türkei, teil in Deutschland, teils in der Vergangenheit, teils im Jetzt, die ein immer detaillierteres Bild ergeben. Dies könnte beliebig wirken, tut es aber nicht. Dabei greift Keskinkılıç zu einigen sprachlichen, künstlerischen und literarischen Stilmitteln, die ich euch gar nicht spoilern will. Mir haben die einzelnen Stilmittel als auch das Gesamtbild sehr gut gefallen. Es ist nur deshalb keiner meiner Top-Titel, weil mir ein großes eingewebtes Thema fehlt, das dem ganzen Roman noch eine weitere Ebene gegeben hätte. Ich habe diesen Roman dennoch sehr gerne gelesen und viel Spaß dabei gehabt.
Hundesohn ist ein Buch, das die Beleidigung im Titel nicht nur zurückweist, sondern umdreht: Es verwandelt eine Zuschreibung in ein Sprachereignis, das Identität, Zugehörigkeit und Widerstand verhandelt. Ozan Zakariya Keskinkılıç schreibt mit einer Energie, die knurrt und singt; zwischen Straßenton und Poesie, zwischen Schlagwort und feiner Metapher. Dieses Spannungsfeld trägt den Text: Er ist mal rau, mal zärtlich, mal anklagend, mal schalkhaft - und oft alles zugleich.
Was mich besonders überzeugt hat, sind die poetischen Passagen, die wie Lichtinseln aufleuchten: Bilder, die bleiben, Sätze, die sich ineinander verschlingen und dennoch glasklar wirken. In diesen Momenten entfaltet das Buch eine lyrische Intensität, die nicht nur berührt, sondern auch die eigene Sprache im Kopf aufmischt. Man spürt das Hören, Sehen, Riechen der Worte - ein sinnlicher Zugriff, der dem Thema Würde und Selbstbehauptung eine unerwartete Sanftheit verleiht.
Gleichzeitig musste ich mich mit der bewusst derben, teilweise vulgären Sprache anfreunden. Sie ist hier kein Selbstzweck; sie markiert Verletzungen, Herkunftsmilieus, Abwehrreflexe. Für mich persönlich war das stellenweise zu viel - es zog mich aus einzelnen Abschnitten heraus, obwohl ich den ästhetischen und politischen Impuls dahinter verstehe. In Summe bleibt jedoch der Eindruck einer Sprache, die „lebt“: rhythmisch, repetitiv, performativ, mit einem Gespür für Musikalität und Brüche.
Der Text verzichtet auf eine lineare Story und montiert Erinnerungen, Stadtszenen und Innenmonologe zu einem Mosaik. Im Zentrum steht ein Ich, das die Beschimpfung im Titel prüft, umdreht und sich über Sprache Stück für Stück handlungsfähig macht - vom Stigma zur Aneignung.
Ein markantes Ich führt durch die Szenen; Nebenfiguren, wie Familie, Freund*innen, Gelegenheitsbekanntschaften, bleiben skizzenhaft und wirken als Haltungen oder Chor. So spiegeln sie gesellschaftliche Kräfteverhältnisse: Die poetischen Momente holen sie nahe heran, derbe Passagen markieren die Härte der Begegnungen.
Hundesohn überzeugt mit kraftvoller Sprachenergie zwischen Derbheit und Poesie. Die vulgären Passagen waren für mich teils sperrig, doch die lyrischen Bilder und die kluge Bewegung der Selbstermächtigung tragen das Buch klar. Empfehlung für alle, die literarische Experimente und gesellschaftliche Reibung mögen - mit dem Hinweis: Tonlage ist Geschmackssache, Qualität nicht.
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