Péter Esterházy

 3.6 Sterne bei 48 Bewertungen
Autor von Harmonia Caelestis, Die Markus-Version und weiteren Büchern.

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Harmonia Caelestis

Harmonia Caelestis

 (8)
Erschienen am 13.03.2017
Die Markus-Version

Die Markus-Version

 (6)
Erschienen am 14.03.2016
Eine Frau

Eine Frau

 (5)
Erschienen am 01.10.2002
Verbesserte Ausgabe

Verbesserte Ausgabe

 (3)
Erschienen am 01.10.2004
Die Hilfsverben des Herzens

Die Hilfsverben des Herzens

 (3)
Erschienen am 25.04.2009
Francsikó und Pinta

Francsikó und Pinta

 (3)
Erschienen am 01.05.2004
Rubens und die nichteuklidischen Weiber

Rubens und die nichteuklidischen Weiber

 (2)
Erschienen am 21.08.2006

Neue Rezensionen zu Péter Esterházy

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solveigs avatar

Rezension zu "Die Markus-Version" von Péter Esterházy

Kurz, aber intensiv
solveigvor 2 Jahren

 

Die als zweites Buch der Trilogie „Einfache Geschichte Komma Hundert Seiten“ angekündigte „Markus-Version“ erweist sich bei genauem Hinsehen  -  wen wundert´s  -  als gar nicht so einfach zu lesen.

Ein kleiner Junge schildert seinen Alltag in der ungarischen Provinz und das Verhalten seiner Familienmitglieder, so, wie er es versteht. Seine Familie, von Kommunisten im Nachkriegsungarn aus ihren Berufen vertrieben und von Budapest aufs Land zwangsumgesiedelt, haust hier nun zusammengepfercht in einem Zimmer und muss bei der Landarbeit helfen. Sehr genau beobachtet der kleine Protagonist, der seine Familie lange in dem Glauben lässt, stumm zu sein, seine Umwelt: den Vater, der trinkt, „weil er sein Leben nicht findet“; die schweigsame Mutter, seinen Halbbruder Peter, Mari, das Nachbarmädchen. Seine christliche, sehr fromme Großmutter hat für ihn große Bedeutung. Sie kann nämlich „auf eine Weise von Gott erzählen, dass es unbegreilich wird, dass er nicht sein soll.“  Er verknüpft die frommen Heiligenlegenden und die Gebete seiner Großmutter mit dem Alltag, wie er ihn erlebt, und verbindet ihn mit der Geschichte des Markus-Evangeliums. „Das ist der Beginn. Beten konnte ich früher als sprechen.“

Sein unbedingter Glaube an Gott weicht im Verlauf des Romans kritischeren Gedanken, Zweifeln, Hoffnungen  -   einer kindlich naiven Gottsuche. Denn da kommt auch noch eine andere Großmutter ins Spiel, die seines älteren Halbbruders. Sie ist jüdischen Glaubens und  hat ebenfalls einen Sohn verloren, (wie auch die christliche Oma); allerdings unter anderen Umständen.

Esterházy schreibt in klaren, schlichten Sätzen, gut verständlich. Sein autobiographisch gefärbter Roman ist mit Bibelsprüchen und Zitaten anderer Autoren bereichert und in wirklich sehr kurze, numerierte  Abschnitte eingeteilt, die an die Struktur einer Bibel erinnern. Aber man darf sich nicht  täuschen lassen: jedes einzelne Kapitel fordert zum Nach- und Weiterdenken auf !

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Lesebibers avatar

Rezension zu "Harmonia Cælestis" von Péter Esterházy

Die Esterhazys...
Lesebibervor 2 Jahren

Ein "Enthüllungsroman" der anderen Art. Der Autor arbeitet dunkle Kapitel seiner Familiengeschichte auf metafiktionale Weise auf. Ein wirklich interessantes und aufschlussreiches Werk, das auf auf sprachlicher Ebene einiges zu bieten hat.

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JulesBarroiss avatar

Rezension zu "Die Markus-Version" von Péter Esterházy

Alle sind sie einsam, sogar Gott.
JulesBarroisvor 3 Jahren

Die Markus-Version: Einfache Geschichte Komma hundert Seiten - Péter Esterházy (Autor), Heike Flemming (Übersetzerin) 112 Seiten, Verlag: Hanser Berlin (14. März 2016), 16,90 €, ISBN-13: 978-3446250734

Esterházy erzählt die Geschichte aus der Perspektive eines scheinbar taubstummen Jungen, der mit seiner Familie unter Stalin zwangsweise von Budapest aufs Land zu einem "Kulak", einem Großbauern, in ein einziges großes quadratisches Zimmer umgesiedelt wurde und dessen hauptsächliches Vergnügen es ist, sich von der Großmutter Bibelgeschichten anzuhören, aus denen er anschließend Fragmente in sein Heft kritzelt.

Eine Familiengeschichte während der Nachkriegszeit und dem Sozialismus in Ungarn, mit allem, was dazugehört, auch Mord und Totschlag. Und immer wieder wird die Leidensgeschichte aus dem Markus-Evangelium eingeflochten und vor allem auch über die Rätselhaftigkeit Gottes, insbesondere mit Blick auf den Holocaust nachgedacht. Kurze, schlaglichtartigen Szenen kennzeichnen den Aufbau: Mal taucht die Großmutter auf, mal betreut Mari, eine junge Nachbarin den Knaben. Mal lernen wir den Hof und das Dorf kennen. Mal bekommen wir atmosphärisch-dichte Milieuschilderungen des schon morgens Schnaps trinkenden Vaters oder der vom Schlag getroffenen, schließlich sterbenden Großmutter oder des von der Polizei abgeholten Großbauern.

Esterházy liefert eine Fülle von Szenen, Momenten, Erlebnissen, Erfahrungen, Begebenheiten, Hoffnungen, Zweifeln und Wünschen, die den Leser immer wieder innehalten lassen und einfach zum Nachdenken zwingen.

Die Seiten sind durchnummeriert, die Texte bestehen mal nur aus einer Zeile , mal sind es ein bis zwei Seiten. Manchmal liegt einem Text ein nicht gekennzeichnetes Zitat aus dem Markusevangelium zugrunde, ein anderes Mal wird ein ganzer Absatz zitiert. Die Seite 100 kommt dreimal vor. Dann folgt ein Anhang. Mit feiner Ironie werden Anspielungen, Zitate, Ideen, Quellen des Haupttextes offengelegt.

Was hat das Ganze jetzt mit dem Markusevangelium zu tun? Die Besonderheit des Markusevangeliums liegt darin, dass es unvermittelt, also ohne einen Prolog oder Berichte über Geburt und Kindheit Jesu, einfach die Taten des Herrn berichtet. Es beginnt mit dem Auftreten Johannes d. Täufer (Mk 1,1-13) und endet mit der Auffindung des leeren Grabes am Ostermorgen (Mk 16,1-8). Die Grundidee des Markusevangeliums ist die Erfahrung der Jünger mit Jesus und die Frage: »Wer ist dieser?» Diese Frage durchzieht das ganze Evangelium. Und auch diese Frage durchzieht den gesamten Roman von Péter Esterházy.

Die Themen drehen sich um ein Thema: Wer ist Gott? „Wer bist du, mein Herr, und wer bin ich?“ (Seite 82) Wie ist Gott? „...trauriger, glücklicher Gott, einsamer, merkwürdiger, stutzig machender, unergründlicher, schweigsamer, unglückseliger und lächerlicher, allmächtiger, zusammengerechneter“ Gott. (Seite 99) Über das Leiden: „Ständig wird jemand geboren, und dann kommt sein Leiden zu Christi Leiden dazu.“ (Seite 37) Über die Sünde: „Die Großmutter braucht deshalb die Pharisäer, wegen der Sünde, damit sie die Sünde zeigen kann.“ (Seite 65)

Einfach ist "Die Markus-Version" nicht, dafür aber großartig und auf vertrackte Weise heiter, ja raffiniert. Eine Delikatesse für literarische Genießer.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Hanser Verlages

http://www.hanser-literaturverlage.de/buch/die-markus-version/978-3-446-25073-4/

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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Péter Esterházy wurde am 13. Mai 1940 in Budapest (Ungarn) geboren.

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