Péter Nádas Parallelgeschichten

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Inhaltsangabe zu „Parallelgeschichten“ von Péter Nádas

Im Jahr des Mauerfalls findet der Student Döhring beim Joggen im Berliner Tiergarten eine Leiche. Diese Szene eröffnet die weitgespannte Suche nach dem düsteren Geheimnis zweier Familien, deren Schicksale mit der ungarischen und deutschen Vergangenheit verknüpft sind. «Parallelgeschichten» entwirft ein Panorama europäischer Historie, in einer überwältigenden Fülle von Geschichten, die keine realistische Konstruktion zu einer einzigen Story vereinen könnte. Wenn Prousts großer Roman am Beginn einer literarischen Moderne steht, dann mag diese in den Parallelgeschichten ihre Vollendung finden. Nach dem gefeierten «Buch der Erinnerung» ein grandioses Panorama europäischer Historie im 20. Jahrhundert - Péter Nádas’ Meisterwerk.

Nach seitenlangen Beschreibungen von Sex mit ungewaschenen Männern hat es angefangen, mich zu ekeln, deshalb konnte ich es nicht beenden.

— walli007
walli007

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  • Leserkommentare zu Parallelgeschichten von Péter Nádas

    Parallelgeschichten
    Hans-Peter Biege

    Hans-Peter Biege

    17. February 2013 um 01:16 via eBook 'Parallelgeschichten'

    Ganz gr0ße Weltliteratur!

  • Rezension zu "Parallelgeschichten" von Péter Nádas

    Parallelgeschichten
    Xirxe

    Xirxe

    31. January 2013 um 10:19

    Ich glaube es kaum, ich habe es geschafft. 1724 Seiten sind gelesen - und die waren nun wirklich keine Wonne. Wer immer sich an dieses Buch heranwagt, der/dem sollte klar sein, dass es sich um keine durchgängige Geschichte handelt. Einzelne Personen bzw. Familien tauchen zwar immer wieder auf, doch stets wird auch die Gelegenheit genutzt, den Spuren anderer Personen zu folgen. Hauptsächlich ereignen sich die Begebenheiten in Ungarn zu Ende der 60er Jahre und kurz oder während des Ungarnaufstandes 1956/57 sowie in Deutschland kurz vor (oder nach) der Jahrtausendwende und während des Dritten Reiches. Die Geschichten springen hin und her und das einzig Verbindende sind insbesondere im ersten und zweiten Teil die Fixiertheit des Autors auf die Beschäftigung mit Geschlechtsorganen und der Verdauungstätigkeit. Ach ja, und die fast durchgehend meist zutiefst unglücklichen Protagonisten, eingebunden in Zwänge und Pflichten die sie nicht wollen. Zudem sind sie fast alle zumindest latent schwul oder lesbisch. So etwas mag im Einzelfall vielleicht schön zu lesen sein, aber über 1724 Seiten wieder und wieder - sorry, das ist einfach nervig. Falls es so etwas wie einen roten Faden oder einen Mittelpunkt gibt, ist der vielleicht am ehesten bei der Familie Lehr aus Budapest zu finden. Professor Lehr, frührer Berater der Nazis, jetzt der Kommunisten, liegt im Sterben. Seine unglückliche Ehefrau Erna trauert der Liebe zu einer Niederländerin nach, die einzige Tochter wurde verschleppt und tauchte nie wieder auf und Agóst, der einige Sohn, lebt seit seiner Rückkehr aus dem Ausland, wo er als Spion arbeitete, mit seiner momentanen Freundin Gyöngyver wieder daheim. Dazu kommt noch Kristof, der Neffe Ernas, dessen Mutter mit einer Frau nach Paris verschwand und dessen Vater von seinen Genossen hingerichtet wurde. Er träumt von Erlebnissen mit Männern, traut sich aber kaum, diese Träume auch zu verwirklichen. Gyöngyver träumt von einer Karriere als Sängerin, bisher aber recht erfolglos und fühlt sich erstaunlicherweise von Erna angezogen, wie auch andersherum. Dann gibt es noch Agósts Freunde, von denen aus eine Verbindung ins Dritte Reich besteht, die ebenfalls erzählt wird. Ernas Kartenrunde, ein deutsches KZ mit Wärtern und Aufsehern, deren Nachkommen ebenfalls eine Rolle spielen undundund. Dies könnten alles wirklich spannende und unterhaltende Geschichten sein, wenn Nádas nicht so unglaublich langatmig erzählen würde. 50 Seiten über einen Geschlechtsakt, der weder unterhaltsam noch erotisch ist sondern schlicht sachlich technisch und unterkühlt. Seitenlange Pseudobeziehungsgespräche oder Selbstreflexionen, die ohne Ergebnis enden - 700 bis 800 Seiten weniger hätten dem Buch sicherlich gut getan. Dass Nádas jedoch gut erzählen kann, merkt man auch in diesem Mammutwälzer: Einzelne Kapitel sind packend und fesselnd erzählt und immer wieder kommt es vor, dass man vor Spannung oder Abscheu die Luft anhält. Leider viel zu selten. Zuguterletzt kann ich nur noch schreiben dass ich hoffe, dass der Autor nicht dieselbe Überzeugung hat, die dieses Buch mir vermittelt. Dass die Menschen grundsätzlich triebhafte Lebewesen sind, die nur durch Zwänge von außen bzw. selbstauferlegte unter Kontrolle zu halten sind. Fallen diese Zwänge weg, bricht das Animalische aus, dass sich ansonsten nur beim Sex oder diesen vielfach beschriebenen Verdauungstätigkeiten einen Weg bahnt. Und dieses Animalische endet dann in einer Katastrophe, wie uns das Schicksal Balters im letzten Kapitel zeigt, oder beispielsweise die Geschichte der Juden im Dritten Reich. Denn machten sich die Nazis nicht frei? Arbeit macht frei?

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  • Rezension zu "Parallelgeschichten" von Péter Nádas

    Parallelgeschichten
    Heiko

    Heiko

    08. October 2012 um 21:08

    Selten ein so wirres buch gelesen

  • Rezension zu "Parallelgeschichten" von Péter Nádas

    Parallelgeschichten
    HeikeG

    HeikeG

    15. April 2012 um 15:29

    Die Unverhülltheit menschlicher Gefühle oder Auf der Suche der wahren Welt hinter dem Schein . "Es ist mir das Gleiche, woher ich ausgehe; denn dort werde ich auch ankommen." Dieses, dem Roman vorangestellte Zitat des griechischen Philosophen Parmenides, drückt in einem Satz den Duktus des epochalen Opus Maximus von Péter Nádas aus. Der ungarische Autor hat sich in seinen "Parallelgeschichten" wirkungsvoll der Denkweisen dieses Vorsokratikers bedient. Denn genau wie Parmenides geht es Nádas darum, die Alltagswahrnehmung der Welt als eine Scheinwahrheit aufzudecken, während die wirkliche Welt ein unveränderliches, ungeschaffenes, unzerstörbares Ganzes sei. . 18 Jahre schrieb der ungarische Autor an diesem Dickicht aus Lebensgeschichten, die in ein globales Ganzes eingewoben sind. Der Leser trudelt aus dem Berlin der Wendezeit, nach Budapest ins Jahr 1961, fällt zurück in grausam-erschütternde Schilderungen der letzten Tage des 2. Weltkrieges oder findet sich gar in der k. u. k.-Zeit Österreich-Ungarns wieder. Als "gehörten zu jeder Einzelheit weitere hundert Einzelheiten, als erheische jeder Satz eine Erklärung und als enthülle er mit jeder Erklärung ein hochbrisantes Geheimnis, während er seine eigenen Geheimnisse für sich behielt." Alle Personen, die auf latente Art durch ihre Vergangenheit miteinander verbunden zu sein scheinen, leiden an unterschiedlich ausgeprägten Arten von Verfolgungswahn. Ihr zwanghaftes Sichverstecken, ihre berechtigte oder ungerechtfertigte Angst oder Rastlosigkeit haben nur ein Ziel: den Wunsch nach Spurenlosigkeit, spurlos unter den Menschen zu verschwinden. Dabei ist der Tod immer allgegenwärtig. Sei es der gleich zu Beginn des Romans von einem jungen Mann gefundene Tote, die Verbrennenden eines hektisch aufgegebenen Konzentrationslagers oder aber die Niedergeknüppelten des ungarischen Aufstands von 1956. . Ein weiteres wichtiges Augenmerk richtet Péter Nádas auf Körperlichkeiten, gepaart mit einem sensiblen olfaktorischen und visuellen Gespür. Manche Beschreibung rund um das männliche Geschlechtsorgan oder aber die minutiöse Beschreibung eines Beischlafes über 70 Seiten mögen den Leser irritieren. Allerdings gleiten sie niemals ins Pornographische ab, sondern gleichen eher einer Offenlegung tabuisierter Ästhetik: Lust und Schmerz als Einheit, sich kreuzende Qualen und Glücksgefühle, "kein Unterschied mehr zwischen Innen- und Außenwelt (...) im chaotischen Reich der unbekannten Handlungen und heimlichen Antriebe". Nádas zeichnet eine ungeheure Neugier aus, auf das, was den Menschen verbindet, "und ob das, was sie verbindet auch haltbar ist und sie vor der zähneklappernden Einsamkeit bewahrt". Zumeist bleiben die Schicksale seiner oftmals egozentrischen Figuren im wahrsten Sinne des Wortes Parallelgeschichten. Nicht Liebe und Erfüllung wird ihnen zugegen, sondern Leere und Sehnen. Einzig Klára und Kristóf (das offensichtliche Alter Ego des Autors, bei dessen Schilderungen von der ansonsten auktorialen Form abgewichen und in die Ich-Form gewechselt wird) können sich aus dem lähmenden zwischenmenschlichen Befremden herauslösen. . "Ich trage Leute in mir, die nicht ich sind, und blicke mit ihnen in Zeiten und auf Orte zurück, die es für mich gar nie geben konnte, oder ich blicke in Zeiten voraus, die ohne mich für niemanden kommen würden." Péter Nádas beschreitet viele ineinander verschlungene, verkettete Pfade. Wege, die sich manchmal kreuzen, manchmal nur berühren, mal vertraut, dann wieder völlig fremd sind, letztendlich aber trotzdem von einem Menschen zum anderen hinüberführen. Er offeriert eine "Topographie der unverständlichen Sehnsüchte, der auf dieser dreckigen Erde hinterlassenen Spur gehätschelter Phantasien und unerfüllter Wünsche." Am besten kann man die Struktur des Romans vielleicht mit einem Film vergleichen, der manchmal reißt, dann wieder an ganz anderer Stelle aufblitzt und weiterläuft. Ein Film über das vergangene Jahrhundert, über die Menschheit, über "verflochtene Iche". . Der Text liest sich trotz dieses Figurenkonglomerates, der mitunter mitten in einem Satz wechselnden Zeit- und Handlungsebene, ausnehmend gut. Mit ein bisschen Konzentration verliert der Leser auch niemals die Orientierung. Dies ist zu einem nicht unerheblichen Anteil das Resultat der hervorragenden Übersetzung durch Christina Viragh, die dafür völlig zu Recht den Preis der Leipziger Buchmesse 2012 erhielt. Ihre kongeniale Übertragung erhält die feinen Spannungen und Schattierungen des Tonfalls, das "Summen und Rauschen der klatschenden Erfülltheit, Leere, Dichte, Fläche der Welt", mit der der Autor das epochale Werk durchzogen hat. Vielleicht sollte sich der Leser ganz auf die Fühler seiner Fantasie verlassen, um die situativen Wechsel einer Szene "unbeschadet zu überstehen". Wer allerdings "ungeschützt" in diesen literarischen Koloss hineinsieht, gerät unweigerlich in ein Labyrinth, aus dem er, wenn er nicht aufpasst, nicht wieder herausfindet. Denn: "So viele aufeinanderfolgende, sich berührende Veränderungen vermag der Blick nicht aufzunehmen. Und das Bewusstsein schnappt leer nach Luft, wenn es über der schaurigen Tiefe nichts zum Erfassen hat." . Péter Nádas' "Parallelgeschichten" zeigen die "Schönheit und Schrecklichkeit der zwischenmenschlichen Osmosen, des Identitätstausches und der wechselseitigen Zersetzung". Es ist ein Buch, das den Zusammenhang zwischen dem Individuellen und Geschichtlichen erspürt. Ein Buch, das das Fühlen und Denken gleichermaßen anregt. Denn vielleicht ist das ganze Leben nichts anderes als eine spezifische Sinnestäuschung, da "sich die Welt in noch so vielfältiger und reichhaltiger Gestalt präsentieren mag, sie ist letztlich doch einfach ein Gesamt, ein Haufen immer gleicher Materialien..." Oder um noch einmal mit Parmenides zu sprechen: "Das Sein ist ungeworden, und unzerstörbar ... es war nicht und wird nicht sein, denn im Jetzt ist es als Ganzes, Zusammenhängendes."

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