Pablo Ramos

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Der Ursprung der Traurigkeit

Der Ursprung der Traurigkeit

 (4)
Erschienen am 01.10.2007

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Rezension zu "Der Ursprung der Traurigkeit" von Pablo Ramos

Rezension zu "Der Ursprung der Traurigkeit" von Pablo Ramos
HeikeGvor 10 Jahren

Der Tod ist nicht das Gegenteil vom Leben

Der Titel des Romans steht als zentrale Metapher für das Ende der Kindheit eines 12 - 13jährigen Jungen, der sich dem Elend, den stürmischen Konflikten und dem sozialen Gefälle in der Welt der Erwachsenen, stellt. Er hat stark autobiographische Züge und ist ein ungeschöntes Röntgenbild der argentinischen Gesellschaft zu Beginn der 80er Jahre: dem Ende der Diktatur, aber hoch verschuldet und wirtschaftlich.

Ramos inszeniert ein apokalyptisches Szenario in einem Randbezirk von Buenos Aires, einem Armenviertel, wo Abenteuer und Illusionen, mit Drogen, Alkohol, dem Zerfall von Fabriken und Werkstätten, Prostitution und allgemeiner Hilflosigkeit eng zusammenleben. Auf diese menschliche Bühne der "entzauberten Schauspieler" hat der Autor, ähnlich Mark Twains Huckleberry Finn, seinen jungen Helden Gabriel Gavilán gesetzt, dessen reelle Welt kaum etwas mit seinen Träumen gemeinsam hat. Doch trotz allen Leids, hat Gabriel diese noch nicht verloren.
Zwischen frühreifen Räuschen, kühner Neugierde und herausforderndem sexuellen Erwachen, entwickelt sich die Geschichte seines Ich-Erzählers und seiner Freunde in Richtung der wahren, täglich neuen Erlebnisse des komplizierten Familien-Zusammenlebens, der Freundschaften und des Sammelns von Erfahrungen in der trostlosen, ja fast finsteren Gegend seines Viertels.

Ramos hat der Erzählung - trotz der permanent spürbaren Trostlosigkeit - einen wundervollen Humor gegeben. Durch die infantile Leichtigkeit des Ich-Erzählers wirft der Leser einen beinahe unbekümmerten Blick auf die brutale Realität, die nach Verinnerlichung des Gelesenen, das Entsetzen mit doppelter Intensität zurückwirft.

Ungeachtet, dass der Junge Zeuge dieses brutalen Lebens ist, hat er seine Wahrnehmungsfähigkeit nicht verloren. Er erkennt, was andere nicht sehen wollen oder durch ihre Feigheit nicht sehen können. Kontrastiv zu denen, die an der Trostlosigkeit verzweifeln, identifiziert er diese und verschweigt sie nicht. Er will darüber sprechen, aber auf seine Fragen weiß ihm die Welt der Erwachsenen meist keine Antwort zu geben. Groteskerweise sind es gerade die Außenseiter der Gesellschaft, die ein Ohr für ihn haben: ein Verrückter und ein Homosexueller.

Doch am Ende schleicht sich auch in Gabriels Seele die Traurigkeit, er streift seine Kindheit brutal ab und kommt zu der Erkenntnis, dass "der Tod nicht das Gegenteil vom Leben [ist]; wie ein Toter zu leben ist das Gegenteil vom Leben."

Der Erzählton von Pablo Ramos ist hart und gleichzeitig weich, ein vibrierender Rhythmus, der großartig die differenzierten Nuancen unterschiedlicher Gefühle aufnehmen kann, ein Roman von klarer und entzauberter Sprache, der dem Leser die erschütternde Wirklichkeit dieses gebeutelten südamerikanischen Landes ungeschönt wiedergibt.

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