Pamela Erens Die Unberührten

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Inhaltsangabe zu „Die Unberührten“ von Pamela Erens

Beinahe harmlos beginnt Bruce Bennett-Jones die Geschichte einer Dreiecksliebe in einem vornehmen Internat 1979 an der Ostküste der USA zu erzählen, eine Geschichte von erster Liebe und Entdeckung der Sexualität. Bis auf einen anfänglichen Übergriff ist er der ausgeschlossene Beobachter, der die Liebe zwischen der Jüdin Aviva und dem Koreaner Seung so aufmerksam, neidvoll und beinahe fassungslos verfolgt wie das ganze Internat. Mit ihrer überschäumenden Körperlichkeit bringen sie Schüler und Kollegium fast an den Rand. Aber in Wahrheit sind Aviva und Seung auf tragische Weise gleichsam festgefroren an der Schwelle zur Initiation und Bruce hat gute Gründe, sich im Nachhinein vorzustellen, was wohl genau zwischen ihnen abgelaufen ist. Denn er ist weit mehr als ein neutraler Beobachter. Raffiniert und abgründig, sinnlich und mit geradezu filmischer Präzision erzählt Pamela Erens in ihrem Roman, dessen ergreifende und spannende Darstellung jugendlicher Liebe die Kritik zu Vergleichen mit Jeffery Eugenides, John Updike und James Salter veranlasste, von der Macht und Tragik erster Liebe, von Schuld und womöglich ausbleibender Sühne.

Die Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens auf sehr tiefgreifende, berührende Art erzählt.

— SitataTirulala
SitataTirulala

Großartig! Liefert eine besondere Atmosphäre und eine außergewöhnliche Geschichte über den Weg junger Menschen ins Erwachsenenalter...

— Bernadette_Kaufmann
Bernadette_Kaufmann

Pamela Erens lässt uns hinter die Fassade amerikanischer Jugendlicher schauen. Sex, Drogen ... doch nichts ist so wie es scheint ...

— 19angelika63
19angelika63

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  • Violett ist die Farbe der Unberührten....

    Die Unberührten
    Kyoshi

    Kyoshi

    13. April 2016 um 23:02

    "Wir Anfänger erlebten Sex mehr als Psyche denn als Körper, als Verletzlichkeit und Macht, Ausgesetztheit und Flucht, fühlten uns dadurch gesalbt, gerettet, verklärt."Pamela Erens, die Unberührten, S. 49, gebundene Ausgabe In meinem ganzen Leben habe ich nicht ein einziges Mal eine treffendere Beschreibung von Sex gelesen, Sex für Jugendliche. Ich lese Einsamkeit, Angst, Sehnsucht und vor allem - Zerbrechlichkeit. Und das ist das Unschuldige an diesem ganzen Buch... Es ist so wunderbar unschuldig und dabei so entsetzlich, entsetzlich tragisch.... Was für ein wunderbares Buch, das uns Pamela Erens geschenkt hat... So viel Zärlichkeit und Liebe und Unschuld, so viel Schmerz und Enttäuschung und dieses Gefühl der Abweisung... Gott, Gott! das Buch hat mir das Herz gebrochen. Als ich es zu Ende gelesen habe, war ich tagelang auf der Suche nach Rezensionen, nach Meinungen, nach Interpretationen um das Buch zu erfassen; vielleicht konnten es andere besser beschreiben als ich, aber ich habe nichts gefunden, was meiner Empfindung entsprach. Und jetzt sitzt dieser Drang in mir, über dieses Buch zu schreiben. In den Rezensionen habe ich immer das gleiche gelesen: Es ist ein Buch über das Erwachsenwerden. Und ja, das ist es, aber es ist nicht nur das. Ich habe lange abgeschlossen mit Büchern über Jugendliche und wenn es nur eine Geschichte über das Erwachsenwerden gewesen wäre, hätte ich es gegen die Wand gedonnert.Mit dem oberen Abschnitt auf Seite 49 hat mich dieses Buch restlos davon überzeugt und von da an konnte ich keinen der Charaktere mehr als sex- und drogensüchtigen Jugendlichen wahrnehmen, nur als unschuldige junge Menschen, die sich wie verrückt nach Liebe sehnen. Zum Inhalt möchte ich nicht viel sagen. Es ist eine Erzählung aus Sicht von Bruce Bennett-Jones, der von alltäglichen jugendlichen Ereignissen berichtet; die Peinlichkeiten der Familie, das Geschwister, das besser ist als man selbst, die Eltern, die sich nicht mehr wirklich zu lieben scheinen, wer mit wem im Bett landet, wo man als nächstes trinkt, wie man am besten die strengen Lehrer und Regeln des Internats umgeht. Alles uninteressant. Im Fokus stehen Aviva und Seung, eine Jüdin und ein Koreaner, eines der tragischsten Liebespaare von dem ich je gelesen habe. Ein sehr exzentrisches Paar, das zum Interessensobjekt der Schüler wird, da es alles zu haben scheint, was sie wollen: Liebe und Leidenschaft; Erhabenheit. Aviva (hebärisch: Frühling), die dunkle mit den schwarzen, schweren Locken, die rassige, aber doch blasse und zerbrechliche Aviva, die egozentrische, gierige Aviva, die sich schrecklich nach Liebe sehnt, die Kontrolle wahren will, weil sie sich diese Schwäche nicht eingestehen will und Angst hat, abgewiesen zu werden, die Aviva, die nicht geben kann, die nur will und will und will. Und diese Liebe soll sie auch bekommen von Seung (koreanisch: "Mönch" oder "Erbe"), einem anständigen, bescheidenen Jungen, der beliebte Schülersprecher Seung, der gut gebaute Schwimmer, der Kiffer, der keine Kontrolle will, der den Erwartungen der Familie entkommen will, die ewige Nummer zwei Seung, der sich niemals beschwert und niemals handgreiflich wird, der disziplinierte, liebevolle Seung, der ebenso ein wenig Liebe, ein wenig Frieden will. Ein unfassbares Paar, eines der tragischsten. In der Geschichte werden sie beneidet, weil sie sich über die Regeln hinwegsetzen und sich heimlich treffen ohne erwischt zu werden. Das ist aber nicht, was mich interessiert hat. Das unglaublich poetische, künstlerische an diesem Paar ist, dass es sich nicht vereinigen kann, und ich schreibe bewusst nicht miteinander schlafen, sondern VEREINIGEN, denn in dieser Geschichte ist Sex wie oben beschrieben mehr als das Rein und Raus, es ist ein heiliges Ritual, eine Erlösung. Aviva, unsere selbstsüchtige kleine Aviva, die doch auch nur geliebt werden will, gibt Seung die Schuld, da er kurz vor dem Eindringen immer erschlafft, egal wie erregt er ist. Er hat viel für sie getan, damit sie sich wohl fühlt, er hat versucht, ihr Problem zu lösen, versucht ihr allerlei Ängste zu nehmen, sie gehalten, für sie gekocht, sie massiert, sie auf Händen getragen, sie seinen Eltern vorgestellt, hat alles für sie getan. Er hat auch mit einer anderen geschlafen, um sich zu beweisen, dass es doch möglich ist, Sex zu haben. UND HIER möchte ich eine besondere Gabe der Autorin beleuchten. Diese Dame, Pamela Erens, schafft es auf GRANDIOSE Art, eine Sex/Liebesszene gleichzeitig erotisch, zerbrechlich und liebevoll zu schreiben! Das ist eine Gabe, das ist unglaublich, es ist eine Königsdisziplin. Ich habe endlich gefunden, was ich so lange gesucht habe und habe viel gelernt. Obwohl es mich zerrissen hat, als Seung mit einer anderen geschlafen hat; es hätte mich nicht interessiert, wenn er nur mit ihr geschlafen hätte, aber er war so zärtlich und liebevoll zu ihr, dass mir das Atmen schwer gefallen ist. Und am Ende hat es ihm mit Aviva nicht geholfen. Ach, Erens, Sie haben mir das Herz gebrochen. Nicht ein einziges Mal sagte Aviva: ist schon gut, dann nächstes Mal, es ist in Ordnung, mach dir keinen Druck. Nein, so jung und selbstbezogen sie ist, fühlt sie sich verstoßen und ungeliebt: '"Es zerstört mich... [...]. Die Demütigung... dazuliegen... ich bin innerlich tot... du hast mich getötet... ich kann nichts mehr empfinden... [...] Ich möchte nicht, dass du mich anrufst. Ich möchte nicht, dass du mir schreibst..." Er ballt die Fäuste; er knirscht mit den Zähnen. Schweiß tritt ihm auf die Schläfen. Er zittert, und dann beginnt er zu weinen.' S. 249/250, gebundene Ausgabe Und dann stößt Bennett-Jones ihn mit Gedanken, nur mit Gedanken in den Tod; er erzählt ihm, er habe mit Aviva diese heißen Liebesnächte gehabt (er kannte ja durch einen fehlgeschlagenen sexuellen Übergriff ihren BH) und da wächst Seungs Verzweiflung ins Unendliche; er schwimmt unter Drogeneinfluss in einem See und verunglückt. "Flüchtig sieht er Avivas Gesicht vor sich, nicht Aviva selbst, sondern ein Bild von ihr, ein Bild, eingefangen von einem Spiegel, einer Glasscherbe, die vorbeischwebt und langsam unter ihm versinkt. Auch er ist eine Scherbe; sie sind beide Scherben, die in einem Meer aus Scherben versinken, ohne jede Bedeutung, glänzend, hübsch anzusehen, gefährlich; so ist die Welt nun einmal, und das akzeptiert er klaglos, während er untergeht." S. 269, gebundene Ausgabe. ERENS! Ich kann seine Todesszene nicht vergessen. Diese Verzweiflung, dieser Wahnsinn, diese Sinnlosigkeit, all die Liebe, die zerflossen ist; was für ein grausamer, namenloser Schmerz. Diese Szene hat mir den Rest gegeben, sie hat mich emotional geradezu vernichtet. Ich konnte Seungs Leiden nicht mehr etragen und ihr Unverständnis darüber, dass er sie doch liebt. Seung selbst ist eine so tragische Gestalt; seine ganze Liebe perlt am kalten Stein Aviva ab; sie ist gar nicht in der Lage, Liebe zu verstehen. "Ich spüre gar nichts. [...] Hast du kapiert? Kapiert das irgendjemand? Ich bin kalt. Durch und durch kalt. Es fehlt etwas in mir, genau wie ich immer vermutet habe." S. 285, gebundene Ausgabe Was Aviva fehlt, kann ich selber nicht sagen. Vermutlich ist es aber ihre Angst, nicht geliebt zu werden und abgewiesen zu werden. Ich möchte sie nicht als Böse darstellen, sie versteht die Liebe nur nicht und vielleicht trug sie deshalb den violetten BH, die violette Feder im Hut, das violette Kleid... Violett ist eine so besondere Farbe; zwischen der blauen Unschuld und der roten Erotik stehengeblieben, ganz kalt und verwirrt, kurz davor berührt zu werden, in eines der Stadien zu gelangen. Niemand kann sagen, ob sie unschuldig oder erotisch ist. Alle dachten, sie und Seung hätten heiße Liebesnächte, worum sie beneidet wurden, am Ende aber sieht man die Wahrheit. "Lieber Gott, Aviva, die große Schlampe von Auburn, war noch Jungfrau gewesen." S. 290, gebundene Ausgabe Die Worte, sie sei kalt, sagen, dass sie in diesem Stadium, diesem violetten Stadium steckengeblieben ist; Aviva, unsere rassige, aber so zerbrechliche, unsere violette Aviva, sie ist unberührt geblieben. Ich wollte diesem Buch eine würdige Rezension schreiben, oder vielmehr meine Gefühle ausdrücken, denn es hat mich zutiefst berührt. Warum ich dieses Buch interessant fand? In der Literatur habe ich die Kombination aus südöstlicher jungen Frau und asiatischem jungen Mann erstmalig in diesem Buch gefunden und bin aufmerksam geworden. Eine oberflächliche Behandlung der Nationalität fand ich sehr begrüßenswert, alles andere wäre zu politisch gewesen. Und sagen wir es so, das Paar im Buch hatte ein paar, vielleicht zu viele Sachen gemeinsam mit meinem Privatleben... Erens hat viele meiner Nerven getroffen. Ich liebe Avivas dunkle Locken... Ach Aviva, ach Seung....

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  • Die Unberührten - über das Anderssein

    Die Unberührten
    SitataTirulala

    SitataTirulala

    06. March 2016 um 13:02

    Aber sie fürchtet sich. Sie hat die leise Vermutung, dass in der Honigwabe ihres Unbewussten keineswegs Höhlen voller Wohlwollen und Mitgefühl verborgen liegen. Vielmehr rechnet sie damit, dass dort allerlei Böses lauert, Zorn, Eroberungslust, Grausamkeit. Warum sollte sie die Ketten freiwillig lösen wollen? Das amerikanische Eliteinternat Auburn in den späten 60ern: Aviva Rossner ist neu an der Schule und so darauf bedacht, wahrgenommen zu werden, dass sie sogleich Bruce Bennett-Jones ins Auge fällt. Nach einer missglückten ersten Begegnung ist er allerdings nur noch außenstehender Beobachter und muss zusehen, wie sie eine Romanze mit dem Koreaner Seung Jung beginnt. Die beiden fallen vor allen Dingen durch ihre ungenierte Körperlichkeit, ihre Nähe zueinander auf. Sie empören Lehrer, Schüler und Eltern gleichermaßen wie sie Neid erwecken, nicht zuletzt den von Bruce selbst, bis er heraus findet, dass hinter der Fassade etwas ganz anderes steckt. Was zuerst mal nach einer klassischen Teenie-Dreiecksbeziehung klingt, entpuppt sich als so viel mehr! Pamela Erens nimmt ihre Leser mit in eine Phase des Erwachsenwerdens, der ersten Sexualität, des Ausprobierens: man raucht, betrinkt sich das erste mal, probiert mit Drogen herum, unterhält sich über Jungs, respektive Mädchen und versucht dabei natürlich, sich möglichst wichtig zu machen, den kleinen Kuss hinter der Turnhalle möglichst aufzubauschen. Wer etwas auf sich hält, der raucht und trinkt und hat Sex, so ist das eben. Mittendrin stecken Aviva und Seung, die zwar keine richtigen Außenseiter sind, aber auch nur bedingt dazu gehören. Weil sie so perfekt zusammen passen, weil sie sich in der Öffentlichkeit so vertraut und körperbetont geben, erregen sie eine Menge Aufmerksamkeit, aber nicht nur das. Sie erregen auch Unmut. Neid. Weil andere sich an Avivas oder Seungs Stelle wünschen, aber nicht haben können, was die beiden offenbar miteinander teilen. Dabei sind sowohl Seung als auch Aviva hinter ihrer Fassade derart von Selbstzweifeln gequält, die ihnen niemand anmerkt, dass es fast schon wehtut. Insbesondere, weil sie nur bedingt fähig sind, einander darin zu helfen. Erzählen lässt Pamela Erens die Geschichte von Bruce Bennett-Jones, der die Geschichte als Erwachsener noch einmal aufrollt und das fand ich besonders spannend. Denn Bruce ist weder mit Aviva noch mit Seung besonders eng befreundet. Er ist ein Außenstehender. Und doch erzählt er ausgesprochen intime Details ihrer Beziehung, die die Frage offen lassen: ist das, was er berichtet, tatsächlich passiert oder ist es die Geschichte von Aviva und Seung wie er sie sich vorstellt? Mir will ehrlich gesagt nicht einfallen, wie ich in einem Satz auf den Punkt bringen kann, was Pamela Erens da geschaffen hat. Nur so viel: es ist ein wirklich tiefgehendes Werk über das Erwachsenwerden und die damit einher gehenden Zweifel und Versuche der Selbstfindung. Dafür gibt es absolut verdiente fünf Blümchen.

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  • Wesentliches bleibt oft ungesagt

    Die Unberührten
    Milagro

    Milagro

    Es ist schon einige Tage her, dass ich das Buch beendet habe und diverse Geschichten mit neuen Protagonisten haben ihren Raum in meinem Kopf gefunden, aber ganz häufig denke ich unvermittelt an diese Geschichte zurück. Diese dichte Atmosphäre, die Stille und das Nichtaussprechen von Gedanken in jungen Jahren. Und allein der Titel! Die Unberührten. Traut man sich ja heutzutage kaum im Kollegenkreis als Empfehlung auszusprechen. Was allerdings ein grober Fehler wäre. Die Geschichte ist so rund, so passend, so schön, dass niemand die junge Liebe, die ein wenig keck von Aviva in der Schule zur Schau gestellt wird, vergessen wird. Die Wünsche und Hoffnungen der Jugendlichen, die Ernsthaftigkeit ihrer eigenen Entscheidungen, die Realität, der sich jeder stellen muss, all das ist so prägnant und mit viel Liebe in diesem Buch festgehalten. Eine absolute Leseempfehlung!

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    • 2
  • Ein beeindruckendes Stück Literatur über das Erwachsenwerden

    Die Unberührten
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    21. April 2015 um 10:40

    „Die Unberührten“ ist der zweite Roman der Amerikanerin Pamela Erens, in dem sie ihre Leser in das Jahr 1979 in ein vornehmes Internat an der amerikanischen Ostküste entführt. Aus der Sicht eines Mitschülers mit Namen Bruce Bennett-Jones wird die Geschichte der Jüdin Aviva und des Koreaners Seung erzählt. Eine Geschichte von erster großer Liebe und von der Entdeckung der Sexualität. Obwohl besonders die konservativ-traditionelle Familie von Seung gegen diese Beziehung ist, leben die beiden ihre Liebe aus, sehr zum Missfallen ihres Mitschülers Bruce Bennett-Jones und auch des ganzen Internats. Zu Beginn des Buches macht sich Bruce eines Übergriffs auf Aviva schuldig, zieht sich dann aber zurück, um zunächst neutral, dann aber immer neidvoller und missgünstiger von Aviva und Seung zu erzählen. Trotz aller die Internatsöffentlichkeit schockierenden Freiheit, die das ungleiche Liebespaar sich nimmt, bleiben die beiden doch seltsam gefangen, geradezu festgefroren an der Schwelle zum Erwachsenwerden. Man ahnt schon früh, dass die beiden es sehr schwer haben werden mit ihrer Liebe. Immer wieder, aus dem Rückblick, stellt sich Bruce vor, was wohl genau zwischen den beiden geschehen ist. Irgendwann entschließt sich Bruce, gegen diese Liebe, die ihm wie ein Stachel im jugendlichen Fleisch sitzt, eine Intrige zu spinnen. Sie wird unwiderrufliche Folgen haben. Pamela Erens` Roman ist ein beeindruckendes Stück Literatur über das Erwachsenwerden, über die Zustände in amerikanischen Internaten, geprägt von Drogen, Neid und allgegenwärtiger Missgunst untereinander. Und es ist ein Roman über die Kraft und „Gewalt“ der ersten Liebe. Einen dritten Roman dieser Autorin würde ich gerne lesen.

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  • Berührendes Buch über Erfahrungen junger Menschen auf dem Weg in die Erwachsenenwelt

    Die Unberührten
    Bernadette_Kaufmann

    Bernadette_Kaufmann

    27. March 2015 um 15:50

    Dass das Leben alles andere als einfach ist, beweist sich auch an den Erfahrungen und Erlebnissen von Aviva, Seung und Bruce (der die Geschichte erzählt...). 1979 war wohl ein interessantes Jahr.   Leider wird das Buch dann stellenweise doch etwas lang, aber insgesamt ist es wirklich hervorragend erzählt! Obwohl ich nicht ganz verstehe, weshalb es von Belang sein soll, dass Aviva eine junge Jüdin ist: In Bezug auf ihren Lebensstil ist davon jedenfalls nichts zu merken... auch ist ihr das Judentum das ganze Buch über nie wichtig? Eigentlich kein Thema? Das erinnert mich irgendwie - scheint vielleicht unpassend - ans Dritte Reich, wo man plötzlich zur Jüdin erklärt wird, ohne von der betreffenden Religion auch nur irgendeine Ahnung zu haben...bzw. weder Interesse noch etwas damit zu tun. Für jene Kinder, die damals das Glück hatten, nach England zu können: in so einem Fall war man dann seine Identität los. Im wahrsten Sinn des Wortes - denn auch danach wirst du wohl eher nicht zur Jüdin konvertieren. Aber da weder Jüdin noch weiterhin Deutsche... Oder vielleicht doch? Verfolgen wir das Thema nicht weiter. Aber in dem Buch ist Aviva geborene  Amerikanerin, auch wenn Pamela Erens sie als junge Jüdin beschreibt. Okay. Bruce ist der eifersüchtige Beobachter. Und Seung Avivas Beziehung... Sicher lesenswert - ein interessantes letztes Jahr am College ;-)

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  • Himmel und Hölle

    Die Unberührten
    19angelika63

    19angelika63

    Klappentext Beinahe harmlos beginnt Bruce Bennett-Jones die Geschichte einer Dreiecksliebe in einem vornehmen Internat 1979 an der Ostküste der USA zu erzählen, eine Geschichte von erster Liebe und Entdeckungen der Sexualität. Bis auf einen anfänglichen Übergriff ist er der ausgeschlossenen Beobachter, der die Liebe zwischen der Jüdin Aviva und dem Koreaner Seung so aufmerksam, neidvoll und beinahe fassungslos verfolgt wie das ganze Internat. Mit ihrer überschäumenden Körperlichkeit bringen sie Schüler und Kollegium fast an den Rand. Aber in Wahrheit sind Aviva und Seung auf tragische Weise gleichsam festgefroren an der Schwelle zur Initiation und Bruce hat gute Gründe, sich im Nachhinein vorzustellen, was wohl genau zwischen ihnen abgelaufen ist. Denn er ist weit mehr als ein neutraler Beobachter. „Aviva, behauptet sie, war es nie vorbestimmt, glücklich zu sein. (…). Sie war immer schon verspannt und ängstlich. Ängstlich? Wovor hatte sie Angst? Vor so vielem. Vor Süßigkeiten und Alkohol, davor, die Kontrolle zu verlieren. Carlyle hatte oft mitbekommen, wie Aviva sich im Spiegel anguckte, ganz dicht herantrat und dann ein Stück zurückwich, immer und immer wieder, als hätte sie irgendwie Schwierigkeiten, sich erscheinen zu lassen.“ (Seite 60) Aviva ist ein jüdisches Mädchen, welches dabei ist sich selbst zu finden. Einst eine graue Maus beschließt sie eines Tages sich fortan gut zu kleiden und zu stylen. Äußerlichkeiten werden für sie zum Sinnbild von Sexappeal und Sinnlichkeit. Dabei verliert sie sich immer mehr und steht sogar am Rande einer Magersucht. Zwei Jungen sind in dieses Mädchen verliebt. Bruce trifft als erstes auf Aviva, als diese im Internat eintrifft. Sofort ist er von ihr hin und her gerissen. Doch seine Chancen bei ihr zu landen sind eher gering. Voller Neid beobachtet er wie Seung es gelingt Aviva für sich einzunehmen. Die beiden, Aviva und Seung, zeigen ihre Liebe und sexuelle Anziehung ganz offen. Alle tuscheln und können nicht verstehen, was Aviva an Seung findet. Auch Bruce ist missgünstig und spinnt schließlich eine Intrige, deren Ausgang das Leben aller verändert. „Mehr und mehr möchte sie diese Sache hinter sich bringen, diese Jungfräulichkeit loswerden, die sie von dem ultimativen Vergnügen fernhält, von dem ultimativen Wissen, der ultimativen Macht.“ (Seite 63) Dieses Buch ist ungewöhnlich und dann doch wiederum nicht. Die Autorin erzählt mit aller Macht und Ausdrücklichkeit von der ersten Liebe und von der Sexualität in der Jugend. Dabei nimmt sie kein Blatt vor den Mund. Sie schildert von jugendlichen Phantasien und Wünschen, von Träumereien und ihren Verwirklichungen. Sie benutzt dazu Bruce als Erzähler, und oftmals erzählt er Dinge, die er eigentlich gar nicht wissen kann. Nicht zu diesem Zeitpunkt der Geschichte, und da ist es fraglich was entspringt aus Bruce Phantasie und was ist die Wirklichkeit. Nichts scheint so wie es ist … Mich hat das fasziniert, obwohl ich mich sehr auf die Geschichte konzentrieren musste. Aber sie hat mich auch zurück geführt in meine Jugend. Meine erste Liebe und meine ersten Erfahrungen. Und dabei ist mir klar geworden, dass wir alle unserer Phantasien in diesem Stadium der Entwicklung haben. Phantasien, die so schön und perfekt sind, aber der Realität selten nahe kommen. Es macht mir bewusst, wie schwierig es war/ ist den Prozess der Kindheit hinter sich zu lassen und ein junger Mensch zu werden. „Es klingt lachhaft dramatisch, aber man sollte die metaphysischen Sehnsüchte eines Siebzehnjährigen nicht unterschätzen. Das ist das Geheimnis von Teenagersex, glaube ich. Für keinen von uns ging es wirklich um Ärsche und Genitalien, ums Schwanzlutschen oder Muschilecken. Es sind Erwachsene, die so oft in diesen Begrifflichkeiten denken, mit einem solchen Mangel an Phantasie. Wir Anfänger erleben Sex mehr als Psyche denn als Körper, als Verletzlichkeit und Macht, Ausgesetztheit und Flucht, fühlten uns dadurch gesalbt, gerettet, verklärt. Dabei zu versagen, es falsch zu machen hieß (und grinsen Sie jetzt bitte nicht; versuchen sie sich zu erinnern, wie es einmal war, damals), den Tod der eigenen Idealseele zu erleben.“ (Seite 49) Pamela Erens schafft mit es mit diesem Debüt die Ängste, Hoffnungen, Sehnsüchte des Erwachsenwerdens aufzuzeichnen. Sie zeigt, welche Macht und Tragik die erste Liebe haben kann.

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    • 5
  • Ein Blick hinter die Fassade

    Die Unberührten
    dieDoreen

    dieDoreen

    21. February 2015 um 18:12

    Das Buch erzählt die Geschichte von der Jüdin Aviva und dem Koreaner Seung. Die aufregende Liebesbeziehung spielt sich 1979 in einem amerikanischen Eliteinternat ab. Die öffentlich zur Schau getragene Sinnlichkeit gefällt zu dieser Zeit nicht jedem. Die Geschichte wird von Bruce Bennett-Jones erzählt, einem Mitschüler der Beiden. Berichtet dieser anfangs noch neutral, wird der Erzählstil mit fortschreitender Handlung jedoch immer missgünstiger, denn hinter der glücklichen Fassade des Paares verbergen sich dunkle Regenwolken. Bruce sieht sich irgendwann aus persönlichen Gründen veranlasst eine Intrige gegen diese Liebe zu spinnen, mit unwiderruflichen Folgen. "Die Unberührten" erzählt von der dunklen Seite der Jugend und nimmt kein Blatt vor den Mund. Die Autorin ermutigt hinter die Fassade der scheinbar perfekten Charakter zu blicken. Sie beschreibt den schweren Weg des Erwachsenwerden und berichtet von den Wirren und Aufregungen der ersten Liebe. Mit klaren Worten und ohne Beschönigungen schreibt Pamela Erens über die Entdeckung der Sexualität und zeigt ein Internatsleben auf, das geprägt war von Drogen, Neid und Missgunst. So ist es nicht verwunderlich, dass die anfangs starke Liebe sich in einer Abwärtsspirale befindet und schließlich in einer Katastrophe endet. Der Schreibstil war ungewöhnlich. Mit vielen Worten wurde einiges erzählt, aber nicht alles war wichtig für die Handlung. Es hat ein Wenig gedauert bis ich in die Geschichte richtig eingestiegen bin und meiner Meinung nach hat sich die Story stellenweiße etwas in die Länge gezogen. Es wäre fesselnder gewesen, wenn man die eigentlich sehr interresante Grundidee des Romans etwas gekürzt hätte. Im Ganzen betrachtet hat mir das Buch dennoch gut gefallen. Es zeigt sehr daramatisch auf, welche Folgen Vorurteile und Missgunst haben können, mit sehr starken und ausgeprägten Charaktern.

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  • Erste Liebe

    Die Unberührten
    serendipity3012

    serendipity3012

    01. February 2015 um 09:54

    Erste Liebe In der Jugend ist der Blick auf das Leben und auf die Liebe ein anderer als später. Wenn man Erfahrungen gesammelt hat – und zwar unterschiedlichster Natur – dann wird einem mehr und mehr bewusst, dass die Dinge nicht immer so sind, wie sie zunächst erscheinen. Und gerade, wenn es um die ersten Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht geht, wenn man sich seiner selbst noch so unsicher ist, dass man gar nicht begreifen kann, was der andere in einem sieht, gerade dann würde es sich lohnen, einen Schritt zurückzugehen und die Situation ganz neu zu betrachten. Nur dass man als junger Mensch dazu nicht recht in der Lage ist. Erste Erfahrungen machen in Pamela Erens Roman „Die Unberührten“ vor allem die junge Aviva und ihr Freund Seung, Koreaner, die sich auf einem Internat in den USA Ende der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts kennenlernen und bald ein unzertrennliches Paar sind. Beobachtet werden die beiden von der ganzen Schule – und besonders von Bruce Bennett-Jones, der ihre Geschichte aus der heutigen Sicht des längst Erwachsenen erzählt. Bruce hat zum Zeitpunkt der Geschehnisse zwar eine Freundin, heimlich hegt er aber starke Gefühle für Aviva, die jedoch unerreichbar für ihn scheint. Aviva und Seung stellen ihre Liebe vor allen zur Schau, demonstrieren, dass sie sich weder von Schulgesetzen, noch von moralischen Regeln unter Druck setzen lassen, sie können die Hände nicht voneinander lassen. Mit Hilfe von Seungs Freunden gelingt es Aviva immer wieder, abends ungesehen in sein Zimmer zu gelangen und es ebenso wieder zu verlassen. Selbstverständlich ist das streng verboten. Die beiden strahlen Selbstbewusstsein aus. Dass es drinnen anders aussieht, ahnen Außenstehende nicht. Was Pamela Erens’ Roman ausmacht und ihre zunächst nicht gerade außergewöhnlich anmutende Geschichte um eine erste Liebe besonders macht, ist die spezielle Erzählweise: So ist Bruce einerseits ein stiller Beobachter, der gleichzeitig Teil der Geschichte ist, andererseits wird er aber immer wieder zum allwissenden Erzähler, wenn er über Dinge berichtet, die er eigentlich nicht wissen kann. Oder hat er sich das all das später zusammengereimt? Wie auch immer, dieser Kniff zeichnet den Roman aus. Es gelingt der Autorin gut, die inneren Sehnsüchte und Nöte, die Ängste der jungen Erwachsenen zu zeigen. Die Sicht des inzwischen viel älteren Bruce, der aus der Distanz heraus versucht, die Geschehnisse zu verstehen, verhilft dem Roman zu einer weiteren, gewinnbringenden Ebene, auch wenn dieser ältere Bruce nur selten wirklich hervortritt. Zudem spürt man als Leser mehr und mehr, dass die Geschichte einem unheilvollen Ende entgegengeht. „Die Unberührten“, im Original „The Virgins“ (tatsächlich übrigens nimmt die Autorin, was die Beschreibung der Sexualität angeht, kein Blatt vor den Mund), erzählt die Geschichte von erster Liebe und Erwachsenwerden, von dem, was nach außen hin sichtbar ist und dem, was wirklich innen drinnen geschieht. Und vom schmalen Grat zwischen Scheitern und Davonkommen. 

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