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Träumerin

vor 2 Jahren

(8)

Zusammenfassung:

Courtney ist eine gute Schülerin am Internat und versteht sich sehr gut mit ihrer frühreifen Mitbewohnerin Janet. Doch außer dieser hat sie kaum Freunde. Als Courtneys Eltern merken, dass ihre Tochter immer melancholischer wird, schließen sie einen Kompromiss: das Mädchen soll zu ihrer Mutter Sondra nach Los Angeles ziehen und in Hollywood zur Schule gehen, damit sie besser überwacht werden kann. Doch schon bald wird klar, dass Sondra, eine Schauspielerin auf dem absteigenden Ast, sich mehr um ihr Image, als um ihre Tochter kümmert. Courtney ist sich selbst überlassen und versucht sich mit den Veränderungen der Jugend im ausschweifenden Hollywood anzufreunden.

Meine Meinung:

Es tut gut, wenn man nach längerer (erzwungener) Lesepause wieder damit anfängt. Wenn es dann aber etwas so berauschendes und erfrischendes ist, wie „Cocktails“, ist die Leselust wieder vollends entfacht! Ich musste beim Lesen immer wieder innehalten und kurz nachdenken, stammte es doch aus den 50er Jahren, traf thematisch aber genau den Puls der Zeit. Ich habe nicht nur meine Generation darin wieder erkannt, sondern auch die meiner Eltern. Deswegen ist dieses Buch wohl auch ein moderner Klassiker und wird wieder verlegt.

Courtneys Leben, angefangen bei der naiven aber klugen Internatsschülerin, die sich in Hollywood mit ihrer aufkeimenden Sexualität arrangieren muss, bis hin zur jungen Erwachsenen, die in New York lebensverändernde Entscheidungen trifft, hat mich gefesselt! Besonders gefallen hat mir, dass unsere Hauptfigur Courtney nie altklug oder gar unrealistisch wirkte, ich konnte mich sehr gut mit ihr identifizieren. Wir begleiten sie in einer schwierigen Phase ihres Lebens, dem Ausprobieren und Kennenlernen, sie wird vor den Augen des Lesers zu Frau und lernt ihre Gefühle richtig zu deuten. Beim letzten Kapitel kam es mir vor, als wäre Courtney ein gerade erwachsen gewordener Teenager: ein bisschen Melancholie, der erste Verlust und ganz viel Perspektive.

Ab hier Spoiler!

Ihre Mutter Sondra, an deren Entwicklung man teilnimmt, wird wohl in einem ewigen Teufelskreis stecken bleiben. Sie macht Schulden in Hollywood und bekommt keine Rollen mehr, unwillig zieht sie um nach New York um unbedeutende Schauspielrollen zu übernehmen, beginnt am Broadway Fuß zu fassen und gibt sofort ihr Geld wieder mit beiden Händen aus. Ich war mir auch nie ganz im Klaren über die Beziehung von Mutter und Tochter. Sondra behandelte Courtney mal wie eine Freundin, mal wie eine Tochter und mal wie ihr Stiefkind. Genau dieser Wechsel im Umgang miteinander macht beide real.

Janet, Courtneys ehemalige Mitbewohnerin aus dem Internat, wirkt wie eine Version Courtneys, in deren Leben sich alles negativ entwickelt hat. Sie ist freigiebig in ihren Freundschaften und wird dafür verspottet, sie kennt keine Hemmungen und sucht sich verschiedene Liebhaber und gilt als leichtes Mädchen, ihre familiären Probleme belasten sie so sehr, dass sie auszieht und, als es keinen anderen Ausweg gibt, wählt sie den Freitod, nachdem sie wieder nachhause zurück kehrt.

Für mich liegt Pamela Moores Hauptaugenmerk auf den Beziehungen der Frauen untereinander (Sehr gut zu sehen an Courtneys unbeirrbarer Freundschaft zu Janet.).

Die Männer im Roman sind mir alle etwas suspekt. Courtneys Vater scheint nicht ganz zu wissen was er will oder wie er es durchsetzten kann, Al, der Vertraute von Mutter und Tochter, muss sich erst eine Abfuhr holen um zurück zu seinen Manieren zu finden, Barry Cabot, der junge Schauspieler hat eigentlich andere Präferenzen und ist skrupellos, Anthony Neville, der reiche Exzentriker, wirkt als bräuchte er nur eine Ablenkung vom öden Leben und Charles Cunningham, der Harvardabsolvent, scheint auf den ersten Blick ein Lichtblick am Ende des Männertunnels zu sein, ist aber besitzergreifend und bieder.

Und natürlich spielt auch der Alkoholkonsum eine große Rolle. Oder sollte ich sagen, der Konsum an Cocktails? Im Original heißt das Buch „Chocolates for Breakfast“, witzig, weil es tatsächlich keine Szene gibt in der ein Charakter Pralinen zum Frühstück isst. Daher finde ich den deutschen Titel gut gewählt. Cocktails werden zu jeder Tages- und Nachtzeit verzehrt, ob Sondra sie nach anstrengenden Probentagen trinkt, Courtney und Janet sie auf Parties um die Wette trinken oder um damit schlechte Stimmung zu bekämpfen, es gibt kein Kapitel ohne sie.

Dieser Roman ist für mich der Inbegriff guter Literatur: Personen mit Tiefgang, alltägliche Probleme, die nach Jahren noch aktuell sind und eine vortreffliche Sprachwahl (In diesem Fall Übersetzung: Danke Tanja Handels!).

Autor: Pamela Moore
Buch: Cocktails
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