Acht Berge

von Paolo Cognetti 
4,4 Sterne bei84 Bewertungen
Acht Berge
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Ein sehr atmosphärischer, dichter Roman über Familie, Freundschaft, Wanderschaft und Verlust!

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Grana, Barma, Monte Rosa. Die Berge als lebenslang verbindendes Element, als Zufluchtsort, Kraftort, Heimat.

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Inhaltsangabe zu "Acht Berge"

Eine Geschichte vom Aufbrechen und vom Wiederkehren – und davon, was ein erfülltes Leben ausmacht
Wagemutig erkunden Pietro und Bruno als Kinder die verlassenen Häuser des Bergdorfs, streifen an endlosen Sommertagen durch schattige Täler, folgen dem Wildbach bis zu seiner Quelle. Als Erwachsene trennen sich die Wege der beiden Freunde: Der eine wird das Dorf nie verlassen und versucht die Käserei seines Onkels wiederzubeleben, den anderen drängt es in die weite Welt hinaus, magisch angezogen von immer noch höheren Gipfeln. Das unsichtbare Band zwischen ihnen bringt Pietro immer wieder in die Heimat zurück, doch längst sind sie sich nicht mehr einig, wo das Glück des Lebens zu finden ist. Kann ihre Freundschaft trotzdem überdauern?

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783328103448
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:272 Seiten
Verlag:Penguin
Erscheinungsdatum:12.11.2018

Rezensionen und Bewertungen

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    Ravenvor 9 Tagen
    Kurzmeinung: Ein sehr atmosphärischer, dichter Roman über Familie, Freundschaft, Wanderschaft und Verlust!
    Atmosphärisch und dicht

    Das Buch "Acht Berge" von Paolo Cognetti hat einen Umfang von 256 Seiten und ist über Deutsche Verlags-Anstalt erschienen.

    Das Buch gibt es als Softcover-, Hardcover- und Ebookausgabe. In der Hardcoverausgabe hat es einen abnehmbaren Schutzumschlag. Es besticht durch eine sehr gute Qualität mit schönen dicken Leseseiten. Das abnehmbare Cover glitzert am oberen Abschnitt, was den 3D-Effekt des Bildes verstärkt. Das Cover ist wirklich überaus schön gestaltet.

    Pietros Vater ging immer auf Wanderschaft und vererbte Pietro seine Leidenschaft. Doch das wurde Pietro nicht gleich bewusst. Ihm gefiel einfach der Kontrast in der Natur und schon bald hatte er dort auch einen Bub im selben Alter gefunden. Die Freundschaft zu Bruno entwickelte sich zu etwas ganz besonderem. Bruno auf dem Land und Pietro in der Stadt. Welche Wege und welche Entscheidungen sind richtig?

    Das Buch ist unheimlich atmosphärisch und dicht. Oft wird die Natur und Wanderschaften bis ins Detail widergegeben und die Gedanken des Wanderers. Es ist wie in eine fremde und doch bekannte Welt einzutauchen. Freunde von Natur und Wanderung werden dieses Buch lieben. Dicht und tiefgehend baut sich das Werk auf und lässt mich öfters als einmal an einer Stelle verweilen, die mich zum Nachdenken bringt. An manchen Passagen zieht es sich dann wieder, doch dann bin ich auch schnell wieder gefesselt von der Schreibkraft des Autors. Es ist das harte Leben selbst was hier Platz findet, welches immer wieder Tribut fordert und oft melancholisch, gar traurig stimmt. Das Leben selbst als Wanderschaft, Familie, Freunde, Entscheidungen, Wege, Gewinn und Verlust. Der Roman hat mich sehr bewegt und mitgenommen. Sehr gute Literatur, die sicherlich nicht Jeden begeistern kann, aber mit Sicherheit vielen Menschen in Erinnerung bleibt.

    Fazit: Ich finde das Werk sehr atmosphärisch, dicht, tiefgehend, melancholisch und traurig. Es bewegt und bringt einen oft zum Nachdenken. Das Leben selbst als Wanderschaft. Leseempfehlung!

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    *Arienette*s avatar
    *Arienette*vor einem Monat
    Acht Berge

    Vor der Kulisse des Monte-Rosa-Massivs schildert Paolo Cognetti die lebenslange Suche zweier Freunde nach dem Glück und den verschiedenen Lebenswegen.
    Im Sommer lassen Pietro und seine Eltern ihr Mailänder Stadtleben hinter sich und verbringen die Ferien im Aostatal. Sein Vater ist ein begeisterter Bergsteiger, der allerdings nur das Erreichen des Gipfels im Sinn hat. Er macht nie Pausen, schaut nie nach rechts oder links.
    Auch Pietro soll diese Begeisterung teilen und muss den Vater begleiten. Doch Pietro leidet unter Höhenangst, für ihn sind die Touren kein Vergnügen. Wäre seine Mutter nicht gewesen, der die Mitte reichte, die Bergdörfer und Wiesen liebt und sich gerne dort aufhält,so hätte er keine Zuneigung zu der Umgebung und den Bergen gefasst.
    Pietro lernt Bruno, ein typisches Naturkind kennen. Mit ihm erkundet er die Umgebung, es entwickelt sich eine tiefe Freundschaft, die das ganze Leben anhalten wird.
    Bruno lebt bei seinem Onkel und arbeitet als Hirtenjunge für ihn. Sein Vater ist ein Trinker und seine Mutter hat sich ganz in sich zurückgezogen.
    Bruno und Pietro verbringen viel Zeit miteinander, brauchen nicht viele Worte und vertrauen einander, obwohl ihre Lebenswelten nicht unterschiedlicher sein könnten.
    Pietro kehrt nach den Sommerferien mit seinen Eltern zurück nach Mailand, wissend, dass er Bruno im nächsten Sommer wiedersehen wird.

    Doch wie das Leben so spielt, treibt es die beiden dennoch erst einmal auseinander. Während Bruno im Dorf bleibt und den familiären Traditionen folgt, bereist Pietro als Dokumentarfilmer die Welt und kommt sogar bis zum Himalaya. Dort lernt er die Legende von den acht Bergen kennen, welche Sinnbild für seine Freundschaft ist.
    Der Mann hob einen Stock auf, mit dem er einen Kreis auf den Boden zeichnete. (..) Dann zog er eine Achse hindurch und senkrecht dazu noch eine (...), bis ein Rad mit acht Speichen entstanden war. (....).

    "Hast du dieses Symbol schon mal gesehen?" fragte er.
    "Ja", erwiderte ich. "In Mandalas".
    "Genau", sagte er. "Für uns ist der Mittelpunkt der Welt ein sehr hoher Berg, der wiederum von acht Bergen und acht Meeren umgeben ist. Das ist unsere Vorstellung von der Welt."
    (....)
    "Dann zeigte er mit dem Stock auf die Mitte und sagte: "Bei uns heißt es immer: Wer hat mehr gelernt? Derjenige, der alle Berge gesehen, oder derjenige, der den Gipfel des Sumeru bestiegen hat?" (Zitat S. 170)
    Pietro, der zwischen Heim-und Fernweh schwankt, stellt sich Fragen nach dem Sinn des Lebens, welcher Lebensentwurf der richtige ist.
    Der Roman beantwortet diese Frage zum Glück nicht. Jeder muss für sich selbst entscheiden und die Entscheidung des anderen akzeptieren.
    Nicht zu vergessen sind die wunderbaren Naturbeschreibungen, die Beschreibungen der Landschaft, der Berge - wobei nicht vergessen wird, dass auch in dieser archaischen Welt Veränderungen stattfinden - Modernisierungen, wie Skilifte und Straßen entstehen.
    Wenn ich mir die Biographie des Autoren ansehe, ist doch sicher eine autobiographische Färbung des Romanes nicht auszuschließen?

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    Dajobamavor 2 Monaten
    Was ist Glück?

    Dieser großartige Roman wurde in Italien mit dem Premio Strega, dem bedeutendsten Buchpreis des Landes ausgezeichnet. Wie ich finde, absolut zu Recht.

     

    Pietro und Bruno sind grundverschieden. Doch verbindet sie bereits seit ihrer Kindheit eine tiefe Freundschaft, die ein Leben lang anhalten wird. Pietro wächst in Mailand auf, aber seine Sommerferien verbringt er in einem kleinen Bergedorf in den italienischen Alpen, wo Bruno als einfacher Bergbauernsohn lebt. Ersterer geht immer wieder in die Stadt zurück, um seine Ausbildung voranzutreiben und zu arbeiten. Aber immer wieder kehrt er zurück in die Berge, wo er so etwas wie eine innere Heimat gefunden hat. Bruno dagegen wird seinen Heimatort nie verlassen. Die lebenslange Suche zweiter Freunde nach dem Glück.

    "Die Zukunft entfernte mich von den Bergen meiner Kindheit, was schade und schön zugleich war, einfach unvermeidlich." Seite 98

     

    Wie Pietro verbringt der Autor Paolo Cognetti die Sommermonate gerne in einer Hütte in den Bergen. Auch der Geburtsort Mailand und die Dokumentarfilme finden sich in beiden Lebensläufen. Vielleicht wirkt die Geschichte deshalb so authentisch, weil sie es ist. Ein beeindruckender Roman, gewaltig in Sprache und Naturbildern.

     

    Wie nebenbei erfährt man viel Wissenswertes über die Bergwelt, über Gletscher, Käseherstellung, Hüttenbau. Der Autor bringt seinen Lesern den einfachen Lebensalltag in kleinen, aussterbenden Bergdörfern nahe. Dabei ist die Sprache schlicht, aber sehr gut lesbar. Die Stärke dieses Romans liegt in der ruhigen Erzählweise, die sehr wohl tiefe Emotionen transportiert und perfekt die Stille und Ruhe der Berge widerspiegelt. 

     

    Neben der Freundschaft zwischen Pietro und Bruno steht noch die etwas schwierige Vater-Sohn-Beziehung im Fokus. Die Liebe zur Natur und die Sehnsucht nach den Bergen hat Pietro von seinem Vater geerbt, den es auch immer wieder dorthin zurückzog. Dennoch kommen sich die beiden nie wirklich nahe, steht irgendetwas immer zwischen ihnen.

    Die Protagonisten sind sehr gut ausgearbeitet und gut vorstellbar. Es geht um ganz grundsätzliche Fragen. Indem man die unterschiedlichen Lebensentwürfe betrachtet, fragt man sich, welche Lebensweise ist wohl die bessere, wo findet man sein Glück. Man reflektiert und vergleicht.

     

    "Mir war, als hätte ich etwas Wichtiges verpasst, während ich mit anderen, unwichtigen Dingen beschäftigt gewesen war, an die ich mich nicht mal mehr erinnerte." Seite 133

     

    Ein ruhiges Buch, das große Lebensweisheiten in sich birgt. Eine dringende Leseempfehlung! 

     

     

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    Buchstabenliebhaberins avatar
    Buchstabenliebhaberinvor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Grana, Barma, Monte Rosa. Die Berge als lebenslang verbindendes Element, als Zufluchtsort, Kraftort, Heimat.
    Die Kraft der Berge

    "Mein Vater ging auf seine Art in die Berge: Er war weniger ein Mann der Meditation als ein Dickkopf und Draufgänger." Mit diesem Satz startet das Buch. Acht Berge begleitet Pietro und seine Eltern, die aus den Bergen in die Großstadt Mailand zogen, um in jedem Urlaub zurück in die Berge zu flüchten, weil sie dort glücklich sein können.


    Der Vater ein aufbrausender Einzelgänger, der sich an den Bergen abreagiert, der lieber andere Bergsteiger überholt statt die Natur zu genießen. Die Mutter, ausgleichend und sozial, die mehr die Schönheit und Ruhe der Bergwiesen genießt. Sie ist es auch, die im vergessenen, halb zerfallenen Bergdorf Grana eine Ferienwohnung findet, die der ganzen Familie jederzeit für eine Auszeit vom stressigen Alltag dient.

    Der kleine Sohn Pietro findet dort in Bruno, dem Bergbauernsohn, der die Kühe hütet, einen Freund auf Lebenszeit. 

    Das Buch lebt von seiner Liebe zu den Bergen, zur Natur. Als Leser ist man quasi mittendrin, am Bergbach, in dem die silbrigen Forellen mit den Mündern zur Strömung stehen, bei ihre Ausflügen in verlassene Hütten, bei ihren Wander- und Klettertouren.

    "Vielleicht hat meine Mutter recht, wenn sie sagt, dass in den Bergen jeder eine andere Lieblingshöhenlage hat: eine Landschaft, die ihm entspricht und in der er sich heimisch fühlt."(S.42)

    Pietro und Bruno werden älter, sehen sich eine zeitlang nicht, Pietro wird Dokumentarfilmer und reist durch die Welt, aber auch hier spielen die Berge eine wichtige Rolle. Er reist nach Nepal, in den Himalaya. Bruno hat keinerlei Interesse an anderen Orten, er ist fest verwurzelt in Grana.

    Als der Vater stirbt, hinterlässt er Pietro ein Stück Land oberhalb von Grana, direkt am Fels. Dort bauen Bruno, der inzwischen Maurer wurde, und Pietro eine Hütte. Die Barma. Pietro verfügt, dass sie Bruno ebenso gehöre wie ihm. Das Leben der beiden schreitet voran. So verschieden die beiden auch sind, die Freundschaft überdauert die verschiedenen Lebensphasen.

    Ich habe mich fast sofort in "Acht Berge" verliebt. Das Buch erzeugt sofort eine "familiäre Bindung" zum schwierigen Vater, der liebevollen Mutter, und dem kleinen Pietro und Bruno. Wunderbar, die Streifzüge durch die Natur, die Gewaltmärsche des Vaters mit den Jungs. Die Bergwelt mit all ihren Schwierigkeiten wird wundervoll und interessant beschrieben. Naturbeschreibungen sind eine schwierige Sache, da sie schnell langweilen können - hier wird man eher mitten hinein gepflanzt. Gelangweilt hab ich mich an keinem Punkt. Die Sprache ist klar und unaufgeregt. Zurückhaltend, wenn es um die Gefühle der Figuren geht.

    Es ist dennoch ein melancholisches Buch - die Protagonisten sind alle auf der Suche, haben etwas verloren oder noch nicht gefunden, oder werden von den Umständen zu etwas getrieben, was nicht zu ihnen passt. Aber alle eint die Liebe zu den Bergen, die ihnen Gelassenheit und Kraft schenkt. Das Ende ist überraschend, aber dennoch passend. 

    Ein wunderbares Buch.


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    Bücherfüllhorn-Blogvor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Nüchterner + pragmatischer Erzählton bietet viel Raum für Interpretationen und lädt zum nachdenken, diskutieren und Perspektivwechsel an.
    Freundschaft und philosophische Perspektive haben mich enttäuscht

    Die Geschichte beginnt 1984 und erzählt in Zeitsprüngen über Jahrzehnte von der Freundschaft zwischen Bruno und Pietro. Diese Freundschaft spielt im fiktiven Ort Grana im Aostatal vor dem Panorama des Monte Rosa Gebirgsmassivs. Berg-Szenarien sind im Moment wieder „modern“, wenn man auf Bücher wie Robert Seethaler „Ein ganzes Leben“ oder Andrea Luca „Der Tod so kalt“ blickt. Alle beschreiben diese schöne, aber auch gefährliche Bergwelt und Natur und vor allem den besonderen „Menschenschlag“ dort in den Bergen.

    Ich las über den Autor und zu diesem Buch, dass es zwar autobiografische Ereignisse gibt, diese Geschichte aber erfunden ist. Irgendwie hatte ich mich aber auf eine „echte“ Erfahrungs- Geschichte gefreut.

    Pietro ist ein unsteter Charakter, ihn zieht es in die Welt hinaus. Er studiert und wird Dokumentarfilmer. Ohne es zu ahnen oder zu wollen, wird sich das Leben seiner Eltern in seinem Leben spiegeln.

    Bruno ist ein Naturmensch, in sich ruhend, der weiß was er will, nämlich das Leben als Bergbauer auf der Alm. Kurz gesagt, ursprüngliches Leben, Ruhe und Berge. Er erschien mir oft so, als würde er nicht mehr in die Zeit passen, so wie er leben will. Das Gefühl im richtigen und falschem Leben zugleich zu sein. Eigentlich konnte man das Ende schon irgendwie erahnen.

    Das diese Freundschaft zwischen Pietro und Bruno eine besondere gewesen sein soll, kann ich so nicht nachempfinden. Mir kommt es eher so vor, als wenn man heute in sein Heimatdorf zurückkäme und dort mit offenen Armen empfangen wird. Dass muss deswegen aber nicht bedeuten, dass man eine supergroße Freundschaft mit allen Bewohnern hat. Vielleicht denken wir Frauen aber auch was Freundschaften angeht, in ganz anderen Dimensionen als Männer? Unvorstellbar, die beste Freundin jahrelang nicht anzurufen oder ein Lebenszeichen zu schicken. Natürlich könnte man nach Jahren wieder „andocken“ an dem Punkt an dem man stehen geblieben war, aber ist das dann noch wahre Freundschaft wann man jahrelang kein Lebenszeichen schickt? Ich denke, Freundschaft muss wahrscheinlich jeder für sich selber definieren.

    Er ringt mit Bruno um die Frage, welcher Weg der richtige ist. Stadt oder Land? Gehen oder Bleiben? Was zählt wirklich im Leben? (Zitat Inhaltsangabe). Diese Frage wird auf allen „Kanälen“ zu diesem Buch gestellt und ich hatte mir dann schon philosophische Perspektiven erhofft. Aber leider hatte  ich nicht den Eindruck, dass Pietro mit Bruno „ringt“ oder diskutiert, oder umgekehrt. Ich hatte den Eindruck, dass jeder der beiden den Freund seinen Weg in Ruhe gehen ließ. Pietro war jahrelang im Himalaya unterwegs, ohne Bruno zu vermissen, oder ohne dass Bruno dies kommentiert. Das ist kein Thema zwischen den beiden gewesen. Ich hatte auch nicht das Gefühl, dass es „Stadt oder Land“ heißen muss. Pietro ist einfach seinen Weg in die Welt gegangen, genauso wie Bruno in den Bergen blieb.

    Die Beschreibungen der Natur waren sehr bildhaft und einprägsam beschrieben. Ich konnte mir diese sehr gut vorstellen, diese Ursprünglichkeit, Schönheit aber auch die Gefahr. Es wird ein Heimatgefühl anhand von Naturbeschreibungen, Geräuschen und Gerüchen vermittelt, so zum Beispiel das wegweisende Geräusch des Wassers und der Geruch eines Freundes, das auch stellvertretend für die grandiose Natur steht. Der Erzählton dieser Geschichte hat eine subtile Melancholie, ist aber ansonsten pragmatisch und sehr nüchtern. Er ist wie die Menschen im Örtchen Grana, wortkarg, aber nicht unfreundlich. Dennoch von Anfang an mit einem traurigen Unterton.

    Am stärksten in Erinnerung blieb mir das „Gleichnis“ von den „Acht Bergen“, und der Schluss des Buches, der für mich der emotional stärkste Teil der ganzen Geschichte überhaupt war. Um das zu verstehen, muss man aber das ganze Buch gelesen haben.

    Alles in allem: Aufgrund der begeisternden Beschreibungen hatte ich mir eine Geschichte über eine ganz besondere Freundschaft und über philosophische Denkanstöße erhofft. Leider habe ich dieses so nicht gefunden.

    Sterne: Die begeisternden Pressestimmen haben die Erwartungen hoch geschraubt. Ich wollte mich gerne mitreißen lassen, war aber letztendlich enttäuscht. Die Geschichte von einer intensiven und besonderen Freundschaft mit philosophischen Entscheidungsfragen konnte ich nicht finden. Im Gegenteil, ich stellte mir sogar die Frage, ob das, was Pietro und Bruno verband, überhaupt eine tiefgehende Freundschaft war? Jedenfalls hätte ich alleine schon wegen dieser großen Enttäuschung am liebsten nur zwei Sterne vergeben. Basierend auf die Kindheitserlebnisse der beiden beginnt das Buch, dass am Anfang etwas langatmig ist. Dies lag an den zwar schönen, aber sehr ruhigen Naturbeschreibungen der Berge, Wälder, Wiesen und des kleinen Dörfchens Grana. Das Ende der Geschichte ist mir am stärksten in Erinnerung geblieben. Aber der Weg dorthin ist lang. Immerhin brachte mich das Buch dann allerdings doch noch über Freundschaften speziell aus und in dörflichen Lebensstrukturen und aus eigener Erfahrung zum nachdenken. Die Frage ist, ob mir das drei Sterne wert ist? Da die Geschichte nicht sehr ausgeschmückt ist, lässt sich ganz leicht sehr viel hinein interpretieren und regt doch zum nachdenken, diskutieren und Perspektivwechsel an. Deswegen habe ich mich letztendlich für drei von fünf Sternen entschieden.

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    Printyvor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Berge, Freundschaft, Familie
    Berge, Freundschaft, Familie

    Paolo Cognettis Buch Acht Berge. Es geht um den ich Erzähler Pietro. Seine Beziehungen zu seinem Vater, seiner Mutter, seinem Freund Bruno und zu den Bergen. Die Liebe zu den Bergen hat er von seinen Eltern. Besonders sein Vater hat ihn geprägt. Dieser hat die Berge vergöttern. Es war eine Sucht die Pietro teilen wollte, aber nicht immer konnte. Auch sein bester und anfangs einziger Freund liebt und lebt die Berge. Das Leben geht weiter und die beiden werden älter. Während Pietro beruflich oft weitweg ist, bleibt Bruno bei seinen Bergen. Jahre später sehen sie sich wieder. Die Freundschaft ist noch da.

    Das Buch ist toll geschrieben. Man merkt die Verbundenheit der Personen. Diese wird auch sehr stark von Pietros Mutter gepflegt. Schnell war das Buch zuende gelesen. Ich kann es nur empfehlen. Ein tolles Buch mit viel Gefühl.

    Printy, Lester, Legastiker, Buchler

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    walli007vor 3 Monaten
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    Bereits als er noch ein Kind war nahm sein Vater ihn mit in die Berge. Er konnte nie schnell genug nach oben kommen. Pietro meint, jeder habe seine eigene Höhe. Sein Vater wollte immer ganz nach oben, während seine Mutter sich eher auf den Almwiesen wohl fühlte. Die ersten Urlaube aus Mailand heraus führten die Familie in einen halb verlassenes Bergdorf. Dort lernt Pietro den nur ein paar Monate älteren Bruno kennen. Der Bergbauernbub zeigt Pietro eine andere Welt. Und gemeinsam mit dem Vater besteigen sie so manchen Berg. Doch die Zeit macht vor den Kindern nicht halt und ihre Wege entwickeln sich in unterschiedliche Richtungen.


    Will der Vater durch die gemeinsamen Wanderungen mit seinem Sohn die Wanderungen ersetzen, die er mit dem früh verstorbenen Bruder seiner Frau unternommen hat? Ist er deshalb so rastlos? Pietro bleibt den Bergen immer verbunden, wenn auch auf andere Art und Weise. Zur Enttäuschung des Vaters bricht er sein Studium ab und wird Dokumentarfilmer. Sein Weg führt ihn dabei in die Bergwelten Nepals. Müsste sein Vater nicht so etwas wie Stolz empfinden. Sein Jugendfreund Bruno bleibt sehr heimatverbunden, neben seiner Arbeit als Maurer wird es sein Traum einen Bauernhof zu führen. 


    Kann der weite Blick von einem Bergwipfel verbinden oder auch entzweien? Es scheint als wolle der Autor dieser oder einer ähnlichen Frage nachgehen. Soll Pietro einen verwaisten Platz einnehmen? Will der dem Vater entfliehen, indem er sich verweigert? Und kommt er doch nicht von den Bergen los? Und welcher Platz kommt Bruno zu, der doch so erdverbunden scheint. Ist er vielleicht der wahre Träumer? Manchmal ist eher der Weg das Ziel. Und so bleiben etliche Schwingungen zwischen den handelnden Personen der Interpretation des Lesers vorbehalten. Diese offene Schreibweise regt die Phantasie an und gibt dem Roman einen gewissen Nachhall. Die einfühlsamen Beschreibungen des kargen Lebens in den Bergen geben dem Buch jedoch seinen eigentlichen Gehalt.


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    tinstampvor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Ruhig und atmosphärisch, wie die Bergwelt im Aostatal. Ein wunderbarer Roman über Männerfreundschaften und dem Vater-Sohn Beziehung
    Was ist das richtige Leben?

    Pietro wächst in der italienischen Großstadt Mailand auf. Von der Ferne kann er manchmal die Berge sehen, wo seine Eltern zur Welt gekommen sind. Jeden Sommer fährt die ganze Familie in das kleine Bergdorf Grana im Aostatal, wo sie den Urlaub verbringen und Pietro sich mit dem gleichaltrigen Bruno anfreundet, der Tiere auf der Alm hütet. Gemeinsam streifen die beiden Jungen durch die immer karger werdende Wälder, durch verlassene Häuser und richten sich ein Plätzchen bei einem Bergsee ein. Dies ist der Beginn einer lebenslangen Freundschaft. Erst mit zunehmenden Alter werden die Berge für Pietro immer unwichtiger und die Lebenswege der beiden Freunde driften auseinander. Bruno bleibt in seinem Dorf und wird Käser und Bergbauer - ein Leben, das er seit seiner Kindheit kennt und nie in Frage gestellt hat. Pietro hingegen zieht es in die große weite Welt und auch zu höheren Gipfeln. Erst durch den Tod von Pietros Vater trifft er Bruno wieder und stellt fest, dass dieser in den letzten Jahren mehr Zeit mit seinem Vater verbracht hat, als er selbst.

    Dieser ruhige und stimmige Roman lebt von den intensiven Naturbeschreibungen und der Liebe zu den Bergen. Im Mittelpunkt steht jedoch die tiefe Freundschaft von Pietro und Bruno, die schlussendlich zwei sehr unterschiedliche Leben führen und der Frage: Was ist das richtige Leben?
    Auch das Vater-Sohn Verhältnis wird sehr eindringlich beschrieben. Sobald Pietro alt genug ist, nimmt ihn der Vater mit in die Berge. Seine Leidenschaft für das Bergsteigen und wandern teilt Pietro anfangs jedoch nicht wirklich. Auch die Höhenkrankheit, die ihm befällt, macht es Pietro nicht leichter und wird vom Vater ignoriert. Gemeinsam besteigen sie einen Berggipfel nach dem anderen. Pietros Vater ist ehrgeizig und sieht die Besteigung mehr als eine Art "Wettlauf" an, statt die Natur zu genießen. So ist das Vater-Sohn-Verhältnis anfangs etwas konfliktbehaftet. Die restliche Zeit im Jahr ist dieser eher unzufrieden. Er ist kein Stadtmensch und trotzdem haben sich Pietros Eltern geschworen in der Stadt ihr Glück zu versuchen und nur im Sommer dieser den Rücken zu kehren.
    Beim Lesen hat man immer wieder das Gefühl, dass der Autor ähnliches erlebt hat. Mit einem Blick auf seine Vita erkennt man auch so einige Gemeinsamkeiten...

    "Acht Berge" ist ein sehr spezielles Buch, das sehr ruhig ist und eigentlich keine große Spannung aufweist, das jedoch sehr lange im Gedächtnis bleibt. Die Charaktere sind wunderbar ausgearbeitet und trotz der oftmaligen Sprachlosigkeit zwischen den Figuren authentisch. Es geht um Beziehungen und Fragen des Lebens, wie die Zugehörigkeit und das Leben an sich.
    Irgendwie hat sich bei mir auch das Gefühl eingeschlichen, dass es eher ein Männerbuch sein könnte...eine Geschichte von einem Mann für Männer. Die Frauen sind in der Geschichte auch mehr Beiwerk, als wichtige Figuren.

    Die Präsenz der Berge ist auf allen 256 Seiten allgegenwertig und spürt man bei jeder Zeile. Ich hatte das Gefühl die Landschaft zu betrachten, die frische Bergluft zu atmen und beim Bergsee Rast zu machen. Als Österreicherin kenne ich die Berge ganz gut, auch wenn ich sie nicht direkt vor "meiner Haustüre" habe. In diesem Roman erlebt man einerseits noch viel urtümliche Natur und doch verschont der Autor den Leser nicht und öffnet ihm die Augen, wie sich diese durch die Abwanderung der Bergbauern, dem Bau von immer mehr Schiliften und der Abholzung bereits verändert hat.

    Schreibstil:
    Paolo Cognetti erzählt sehr bildhaft und eindrücklich. Trotzdem ist die Sprache etwas reduziert und passt sich der kargen Berglandschaft an. Geprägt von einer Einsamkeit, die jede seiner Figuren mit sich herumträgt, wirkt der Roman auch etwas melancholisch.
    Rückblickend wird die Geschichte aus der Ich-Perspektive von Pietro erzählt.

    Fazit:
    Ein sehr ruhiger Roman, der von seiner Atmosphäre und den wunderbaren Naturbeschreibungen lebt. Man muss sich in die Geschichte fallen lassen, die sich der Vater-Sohn-Beziehung und der Freundschaft zweier junger Männer widmet, die in sehr unterschiedlichen Welten leben. Trotzdem konnte mich die Art des Romans faszinieren und er wird mir sicherlich im Gedächtnis bleiben. Für Bergsteiger natürlich eine Empfehlung und definitiv auch mehr ein "Männerbuch".

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    PagesofPaddys avatar
    PagesofPaddyvor 7 Monaten
    EIn wunderschönes Buch. Highlight Alarm

    Was für ein wunderbares Buch! Ich habe noch nie ein Buch gelesen, was eine solche Ruhe ausgestrahlt hat. Man spürt diese Ruhe auf jeder Seite. Hier wird keine spektakuläre Geschichte erzählt. Hier wird eine Geschichte über zwei Freunde und ihre tiefe, und faszinierende Freundschaft erzählt. Es ist eine Geschichte über die Natur und ihre Hindernisse. Diese Natur ist aber mehr als nur ein Nebendarsteller. Sie ist immer präsent und nimmt immer mal wieder einen starken Part ein. Das alles wird so wunderbar weich und behutsam erzählt, das kann ich nur als bemerkenswert titulieren. Cognetti schafft es aber immer wieder in verschiedenen Nuancen zu erzählen und schafft es immer wieder spielend, ganz intime und intensive Stimmungen zu kreieren. Es gibt eigentlich nichts an diesem kurzen Büchlein zu kritisieren. Ich finde es einfach wunderbar und es gehört zu den Highlights 2017. 

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    Zaliras avatar
    Zaliravor 7 Monaten
    Ein Leben zwischen Stadt und Bergen!

    Es wird aus Pietros Perspektive erzählt, wie er als Kind in die Berge kam, und man erlebt durch seine Augen die ganze Faszination, die diese auf ihn ausüben. Das Buch besitzt dabei ein etwas ruhigeres Erzähltempo, wer also eine vor Spannung geladene Geschichte erwartet, sollte sich ein anderes Buch suchen. „Acht Berge“ hat dafür aber so viel mehr zu bieten. Dabei schildert der Autor authentisch, wie sich ein Leben hin und her gerissen zwischen Stadt und Land anfühlt. Beim Lesen spürt man auch richtig, wie viel vom Autor selbst in den Seiten steckt. Vor allem nachdem ich das Buch fertig gelesen hatte, habe ich mich eingehender mit Paolo Cognetti auseinandergesetzt und viele Parallelen zu seinem Protagonisten Pietro feststellen können. Wer Lust hat etwas mehr vom Autor zu erfahren, kann sich hier ein Interview durchlesen.
    Berg- und Wanderliebhaber können sich bestimmt sehr mit Inhalt und Erzähltem identifizieren. Aber auch auf mich, der eher nicht unter diese Kategorie fällt, hat die Landschaftsbeschreibungen eine große Anziehung ausgeübt. Ein gut geschriebenes Buch mit einer schönen Geschichte, die mich allerdings auch ein wenig nachdenklich stimmt. Zum Schluss muss ich auch gestehen, dass ich mir nicht sicher bin, ob ich das Buch ganz verstehe. „Acht Berge“ ist ein Buch mit Tiefgang und setzt sich auch mit ernsteren Themen auseinander, wie den Problemen einer Vater-Sohn-Beziehung oder was tun, wenn man aufgrund des Fortschritts das Leben, das man liebt, nicht mehr führen kann? Ich hatte den Eindruck, dass die Geschichte wirklich nah am Leben ist und sich mit wichtigen Fragen auseinandersetzt.

    Und was ich auch noch anmerken möchte ist, dass das Cover unglaublich schön aussieht. Mit dem Bergmotiv passt es natürlich hervorragend zum Inhalt des Buches und zusammen mit dem besonderen Umschlag macht es sich auch im eigenen Bücherregal ganz gut. In erster Linie handelt das Buch von einer wenn nicht sogar DER Liebe zu den Bergen. Und dem Glück, diese mit jemandem zu teilen.
    Abschließend noch ein herzliches Dankeschön an die Randomhouse Verlagsgruppe, von der ich das Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen habe. Wie aber bei allen unseren Rezensionen spiegelt auch diese meine eigene Meinung wider und bleibt unbeeinflusst.

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    DVA_Verlags avatar

    Wie wollen wir leben? Stadt oder Land? Soll man gehen oder bleiben? Sich einmischen oder raushalten? 







    Wagemutig erkunden Pietro und Bruno als Kinder die verlassenen Häuser des Bergdorfs, streifen an endlosen Sommertagen durch schattige Täler, folgen dem Wildbach bis zu seiner Quelle. Als Männer schlagen die Freunde verschiedene Wege ein. Der eine wird sein Heimatdorf nie verlassen, der andere zieht als Dokumentarfilmer in die Welt hinaus. Doch immer wieder kehrt Pietro in die Berge zurück, zu diesem Dasein in Stille, Ausdauer und Maßhalten. Er ringt mit Bruno um die Frage, welcher Weg der richtige ist. 


    Vor der ehrfurchtgebietenden Kulisse des Monte-Rosa-Massivs schildert Paolo Cognetti die lebenslange Suche zweier Freunde nach dem Glück. Eine eindringliche archaische Geschichte über über das Leben, die Liebe und den Tod.



    Paolo Cognetti, 1978 in Mailand geboren, verbringt die Sommermonate am liebsten in seiner Hütte im Aostatal auf 2000 Metern Höhe. Er hat Mathematik studiert, einen Abschluss an der Filmhochschule gemacht und Dokumentarfilme produziert, bevor er sich ganz dem Schreiben zuwandte. Acht Berge ist ein Bestseller in Italien; das Buch erhielt den renommiertesten italienischen Literaturpreis, den Premio Strega, und erscheint in über dreißig Ländern.


    Wir suchen 15 Leser, die eine Schwäche für Romane haben, in denen es um Freundschaft, Natur und die Frage nach dem Sinn des Lebens geht.  Fühlt ihr euch angesprochen? Dann freuen wir uns auf eure Bewerbung.


    Bewerbungsaufgabe: Gibt es einen Roman über eine (lebenslange?) Freundschaft, der euch besonders gefallen hat?
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