Die Einsamkeit der Primzahlen

von Paolo Giordano 
4,0 Sterne bei773 Bewertungen
Die Einsamkeit der Primzahlen
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Positiv (581):
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Mattia und Alice sind beide nach einem Schicksalsschlag in ihrer Kindheit zutiefst verletzt und einsam. Tragisch, aufwühlend, hoffnungsvoll.

Kritisch (53):
E

Schön geschrieben, aber die Protagonisten nerven

Alle 773 Bewertungen lesen

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Inhaltsangabe zu "Die Einsamkeit der Primzahlen"

Der große Roman einer unerfüllten Liebe
Ein einziger Tag in ihrer Kindheit entscheidet über ihr Schicksal: An diesem Tag verliert Alice das Vertrauen in ihren Vater und ihre Lebenslust. Mattia hingegen verliert seine Schwester, als er sie nur ein Mal aus den Augen lässt.
Jahre später lernen Mattia und Alice einander kennen. Sie scheinen füreinander bestimmt zu sein. Doch das Leben legt ihnen Hindernisse in den Weg.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783499291289
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:368 Seiten
Verlag:ROWOHLT Taschenbuch
Erscheinungsdatum:17.02.2017
Das aktuelle Hörbuch ist am 17.08.2009 bei Random House Audio erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    Buchstabenliebhaberins avatar
    Buchstabenliebhaberinvor einem Monat
    Kurzmeinung: Was für eine zarte Geschichte. Die besondere Beziehung zwischen zwei verletzten Seelen, die niemandem vertrauen können. Nicht mal einander.
    Der Abstand der Primzahlen

    Mattia und Alice sind wie Zwillingsprimzahlen: Selten, besonders, nur durch sich und eins teilbar. Sie liegen nur durch eine "normale" Zahl von einander getrennt neben einander.

    Beide zerbrachen, als sie noch sehr jung waren, beide erlebten ein traumatisches Erlebnis. Danach war nichts mehr wie zuvor, Alice trägt ein steifes Bein davon, fühlt sich der Welt nicht zugehörig und flüchtet sich in eine lebensverneinende Essstörung.
    Mattia verlor seine Zwillingsschwester, kompensiert den Schmerz durch Schnitte an seinen Händen. Er flüchtet sich ins Lernen, besonders die Mathematik gibt ihm Sicherheit.

    Alice suchte sich Mattia aus, zwischen beiden gibt es eine große Anziehungskraft, die beide aber nicht zu leben wissen. Zu groß die Furcht vor Nähe, vor weiteren Verletzungen. Aus den Teenagern, die gern schweigend wie Zwillingsprimzahlen zusammen lagen, werden Erwachsene, denen es fortan nicht besser ergeht. Auch ein zweiter Kuss und die schonungslose Beichte von Mattia bringt die beiden nicht zusammen, im Gegenteil, sie tun alles, die Nähe wieder zu zerstören. Wieder und wieder.

    Diese Geschichte klingt unglaublich traurig und niederschmetternd. Aber Paolo Giordano erzählt sie auf eine liebevoll-poetische Art und Weise, eindringlich und mit respektvoller Distanz. Er agiert einfühlsam, er erzählt, warum beide sind, wie sie sind, wie sie so geworden sind. Und mir drängt sich der Gedanke auf: Warum sollten sie auch nicht so sein dürfen? Man würde ihnen mehr Freude und Spaß im Leben wünschen, aber die Gründe dafür oder dagegen liegen auf der Hand. Sie sind blockiert, sie können nicht anders. 

    Hätten Sie eine Chance gehabt, wenn sich erfahrene Kinderpsychologen der verletzten Kinderseelen rechtzeitig angenommen hätten? Vielleicht. Das gab es aber zu der Zeit damals nicht. Alice war einfach zu sensibel für ihren ehrgeizigen, rohen Vater. Und bei Mattia sah einfach niemand, dass er der Verantwortung für die behinderte Schwester nicht gewachsen war. 

    So war das damals. Giordano richtet nicht, er erzählt. Und wie.  Die Sprache ist wundervoll, die einzelnen Kapitel sind wie kleine Häppchen, auch wenn nicht sonderlich viel passiert, baut das Buch einen großen Spannungsbogen auf, man fiebert mit, und erfreut sich an der Klarheit der Geschichte, die ohne Schnörkel und überflüssige Details voran schreitet. Kann ein solches Buch Ruhe ausstrahlen? Es kommt mir so vor. Es hat das Tempo der 80-er Jahre, als noch nicht alles so furchtbar schnelllebig war. Ohne Werbeunterbrechungen. Als die Menschen noch Zeit hatten. Vielleicht ist das Buch auch ein Plädoyer für ein unperfektes, beschädigtes Leben, das ja trotzdem gelebt werden will? Es scheint mir so. Und mir sind solche Bücher lieb und wichtig. 



    Kommentare: 2
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    natasatanvor einem Monat
    Kurzmeinung: Fesselnd, schockierend und unglaublich traurig und mitfühlend. Ein absolutes Muss für Leseratten.
    Zwei tolle Protagonisten – die alles Glück der Welt verdient haben

    Ein spannendes Buch, das sehr schön in die Köpfe der Protagonisten wandert und tragische Geschichten erzählt. 


    Ich habe das Buch innerhalb weniger Stunden durchgelesen, so fesselnd war es. Die Geschichte der zwei Protagonisten ist herzergreifend und hat mich mehrere Male während dem Lesen zum Nutzen von Taschentüchern gezwungen. 

    Das Buch folgt Mattia und Alice durch das harte Leben als Außenseiter und die Folgen ihrer Traumata mit dem Ziel, dem Leser so viel Verständnis für die beiden Charakter entgegenzubringen, wie es möglich ist. Gezeigt wird die Entwicklung der beiden und wie sie sich kennenlernen und eine Bindung zwischen ihnen entsteht. Er lehnte die Welt ab, sie fühlte sich von der Welt abgelehnt.  

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    Jacynthes avatar
    Jacynthevor 10 Monaten
    "Die Einsamkeit der Primzahlen" von Paolo Giordano

    Inhalt


    Ein einziger Tag in ihrer Kindheit entscheidet über ihr Schicksal: An diesem Tag verliert Alice das Vertrauen in ihren Vater und ihre Lebenslust. Mattia hingegen verliert seine Schwester, als er sie nur ein Mal aus den Augen lässt. Jahre später lernen Mattia und Alice einander kennen. Sie scheinen füreinander bestimmt zu sein. Doch das Leben legt ihnen Hindernisse in den Weg. ( Quelle)

    Meine Meinung


    Dieses Buch hatte ich schon öfters in der Hand und auch der Trailer zum Film ist mir nun schon ein paar Mal über den Weg gelaufen. Jetzt endlich habe ich es - innerhalb von nur wenigen Stunden - gelesen und muss sagen: die viele gute Kritik ist gerechtfertigt.

    Alice und Mattia - zwei Menschen, deren Leben von nur einem schicksalhaften Tag in der Kindheit geprägt wurde, und die aufgrunddessen stets von einer scheinbar unüberwindbaren Kluft getrennt sind. So wie Primzahlen, die immer mindestens eine weitere Zahl zwischen sich haben und niemals nebeneinander stehen. Dieser Vergleich, den Giordano mittels der Gedanken des Mathegenies Mattia zieht, hat mich sehr berührt und ist mehr als treffend für die Beziehung der beiden tragischen Protagonisten.

    Die Geschichte beginnt 1983 beziehungsweise 1984 mit den Ereignissen, die aus Alice und Mattia die Menschen machten, die sie letzendlich geworden sind. Von da an beleuchtet Giordano Momente in den Jahren 1991, 1995, 1998, 2003 und 2007, insgesamt also über 25 Jahre, in denen sich die Protagonisten mal näher sind, mal Meilen von einander entfernt sind, während sie gleichzeitig versuchen, ihre Vergangenheit zu bewältigen und im Leben Fuß zu fassen.

    Mit schnörkelloser und scheinbar schlichter Sprache taucht Giordano in die Psyche seiner Figuren ein und offenbart dadurch sein unbestreitbares schriftstellerisches Talent. Er zeichnet die Protagonisten schnell und zielgerichtet, während deren Entwicklung subtiler und kaum merklich vonstatten geht.  Er zeigt auf, wie unterschiedlich Menschen mit Schicksalsschlägen umgehen und dass es keine Seltenheit ist, Erlebtes mithilfe von gegen sich selbst gerichteter Gewalt zu verarbeiten - sichtbar oder nicht. Außerdem wird dem Leser schmerzlich bewusst, welchen großen Einfluss die Kindheit auf das ganze Leben hat und wie sehr uns der Ballast, den wir mit uns herum schleppen, von anderen Menschen entfernen kann.  

    Trotz der eher düsteren und hoffnungslosen Grundstimmung entwickelt der Roman einen Sog, dem auch ich mich nicht entziehen konnte. Ich wollte unbedingt wissen, ob Alice und Mattia aller Widrigkeiten zum Trotz zusammen finden und ob sie es schaffen, sich von ihrer Vergangenheit zu lösen und im Leben Fuß zu fassen. Ein Happy End, eine Differenzierung von schwarz und weiß, gut und schlecht würde nicht zu so einem Roman passen, das könnt ihr euch sicherlich schon denken. Dennoch ist Giordano ein Ende gelungen, das mich mit einem Lächeln auf den Lippen zurück ließ.

    Ich vergebe 5 von 5 Wolken.

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    Lesemaus85s avatar
    Lesemaus85vor 10 Monaten
    Kurzmeinung: Herzzerreißend. Schön und traurig zugleich.
    Zerbrochene Seelen

    Dieser fremde Ort in der Ferne stand für seine Zukunft als Mathematiker, barg ein Versprechen auf Rettung, war wie ein unberührter Raum. Hier zu Hause hingegen war Alice, nur Alice, und darum herum nichts als Sumpf.
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    Ein einziger Tag in der Kindheit hat über ihr Schicksal entschieden. An diesem Tag verlor Alice das Vertrauen in ihren Vater und ihre Lebenslust. Mattia hingegen verlor mit sechs Jahren seine Schwester, als er sie ein einziges Mal aus den Augen ließ. Jahre später lernen Alice und Mattia sich kennen. Sie scheinen für einander bestimmt zu sein. Doch das Leben hat andere Pläne...
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    Ein ganz besonderes Buch mit ganz besonderen Charakteren. Beide so unperfekt, so verletzt, krank an Leib und Seele.
    Der Weg den die Beiden gehen, ist so schwer und es ist traurig, dass sie sich nicht bei den Händen nehmen können.
    Ich war sofort gefangen von der schnörkellosen Sprache des Autors. Er wählt seine Worte mit Bedacht und es passt so gut zu Alice und Mattia.
    Man möchte ihnen so gerne helfen.
    Verfolgt ihren Weg und taucht ganz ein in ihre Geschichte.
    Und man hofft. Man hofft, dass alles gut wird. Und irgendwie wird es das wohl. Aber nicht so wie ich, als Leser, es mir für die beiden erhofft habe.
    Doch der Autor schafft ein Licht am Horizont.

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    k-aleidoskopvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Entscheidungen, die ein Leben lang bewegen
    Kann man einem Menschen verzeihen, der sich seine Taten selbst nicht entschuldigt?

    Nur ein paar Stunden lässt Mattia seine Zwillingsschwester alleine im Park zurück. Dem Siebenjährigen ist in diesem Moment noch nicht bewusst, wie sehr er seine Tat noch bereuen wird.
    Als Alice das erste Mal alleine Ski fährt, ahnt keiner, dass ihr Leben sich von nun an um 180 Grad wendet. Und als die beiden sechs Jahre später aufeinandertreffen, weiß niemand, was sie tief im Inneren für immer verbindet.

    Wovon erzählt Girodano?
    "So langsam solltest du dich für einen Jungen entscheiden!", Viola bläst ihre Backen auf, sie wird langsam ungeduldig. Doch Alice weiß nicht, ob sie ihrer neuen Freundin über den Weg trauen kann. Noch vor ein paar Tagen wurde das junge Mädchen von Viola und ihrer Clique aufgrund ihrer körperlichen Behinderung gemobbt und jetzt will ihr diese einen Freund suchen? Und sowieso, kein Junge dieser Schule scheint bei ihr einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Bis ihr Mattia auffällt. Ein eher unscheinbarer Junge und doch zieht er sie sofort in seinen Bann. Als die beiden sich auf einer Party wiedersehen, lernen sie sich ein wenig näher kennen. Es entsteht eine Freundschaft, die mehr als zwei Jahrzehnte andauern wird.
    Doch was alle anderen sehen, scheinen Mattia und Alice nie zu begreifen - sie lieben sich, selbst wenn da ein winziger, unüberbrückbarer Raum zwischen ihnen ist (der in all den Jahren wahrscheinlich immer größer wurde).
    Werden sie jemals eine gemeinsame Zukunft miteinander verbringen? Wird Alice Mattias Tat verzeihen können?

    Mein Leseeindruck
    Die Einsamkeit der Primzahlen ist ein sehr tiefgründiges Jugendbuch. Deshalb würde ich es eher der Altersklasse 16 und aufwärts "empfehlen".
    Bis ungefähr zur Hälfte wollte ich die Geschichte zu keiner Sekunde aus der Hand legen, doch irgendwann schien mir die Geduld für die beiden Hauptpersonen auszugehen. Ihre zwischenmenschliche Beziehung ist ein einziges Auf und Ab. Die Beiden lieben einander, das ist ihnen selbst klar, irgendwie. Doch sie scheinen keinen gemeinsamen Nenner zu finden. Man möchte Mattia und Alice am liebsten in einen kleinen Raum einsperren und ihnen raten, endlich zu ihren Gefühlen zu stehen - doch das geht leider nicht.
    Die Verbindung zwischen den zwei Protagonisten ist von eher außergewöhnlicher Natur, doch immens stark. Aber dieses "nicht aus dem Knick kommen", verlangsamt die Handlung immens. Gerade deswegen verliert der Leser zwar Lust daran auf die nächste Seite zu blättern, die Geschichte weiterhin zu verfolgen, trotzdem möchte man ja erfahren, was aus dieser Jugendfreundschaft noch entstehen könnte oder ob am Ende jeder seinen eigenen Weg gehen wird (sehr klug gelöst vom Autor). Doch selbst am Ende bleiben viele Fragen zurück... Ehrlich gesagt hat mich das auch wenig enttäuscht, deswegen kann ich keine so richtige Weiterempfehlung aussprechen.
    Das Buch selbst jedoch in einer wirklich schönen Sprache verfasst wurden. Es lässt sich flüssig lesen und bietet trotzdem genug Platz für geistigen Anspruch.

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    Bibliomaniavor 2 Jahren
    Die Einsamkeit der Primzahlen

    Alice und Mattia. Zwei vom Schicksal gebeutelte Kinder. Sie hat einen Skiunfall und seitdem ein steifes Bein, er hat seine behinderte Zwillingsschwester auf einem Spielplatz zurückgelassen und sie für immer verloren. Beide haben es nicht leicht, doch lernen sie sich kennen und mögen. Obwohl sie sehr verschieden sind, Alice wird magersüchtig und sammelt ihr Essen in Servietten, Mattia wird immer in sich gekehrter, interessiert sich aber brennend für Mathematik. Eines Tages nimmt Alice all ihren Mut zusammen, um von Mattia zu hören, dass er sie mag und ebenfalls vielleicht gern mit ihr zusammensein möchte, dich er begeht einen Fehler, der ihre beiden Leben gehörig durcheinander wirbelt.
    Es lässt sich wunderbar lesen, berührte mich aber zu wenig. Alice nervte mich permanent und Mattia regte mich mit seinem permanenten Nichtstun auf. Ich hatte mir irgendwie mehr versprochen.

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    Bücherkrähevor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Die Zerbrechlichkeit der Charaktere spiegelt sich in der Leichtigkeit der Sprache. Wundervoll.
    Wie einzelne Ereignisse das ganze Leben prägen

    Alice ist 10, als ein Unfall sie ihre Zuneigung zu ihrem Vater verlieren und eine unfassbare Wut auf ihn entwickeln lässt. Der Unfall prägt nicht nur ihr Verhältnis zu ihrer Familie und ihrem Sozialleben, sondern wirkt sich auch nachhaltig auf ihre Persönlichkeitsentwicklung aus.

    Auch Mattia wurde durch eine Tragödie in seiner Kindheit maßgeblich geprägt. Mehr noch als Alice wurde er zu einem Einzelgänger, still und immer etwas außerhalb der Welt. Während Alice einfach dazugehören will und dafür einiges in Kauf nimmt, ist es Mattia gleichgültig, ob er Freunde hat oder nicht.
    Alice und Mattia begegnen sich in ihrer Teenagerzeit und knüpfen eine Freundschaft, die über Jahre halten wird. Manchmal ist die Liebe zum Greifen nah, doch die Unfähigkeit beider auszusprechen, was in ihnen vorgeht, auch die letzten Schwächen preiszugeben, verhindert, dass sie diese letzte Grenze überschreiten.

    „Primzahlzwillinge werden sie von Mathematikern genannt: Paare von Primzahlen, die nebeneinanderstehen oder genauer, fast nebeneinander, denn neben ihnen befindet sich immer noch eine gerade Zahl, die verhindert, dass sie sich tatsächlich berühren…Für Mattia waren sie beide, Alice und er, genau dies, Primzahlzwillinge, allein und verloren, sich nahe, aber doch nicht nahe genug, um sich wirklich berühren zu können.“

    Der Roman ist in sieben Lebensabschnitte der beiden Protagonisten unterteilt, die in Jahreszahlen angegeben werden, vier davon umfassen nur jeweils ein Kapitel, die den Fokus auf Mattia bzw. auf Alice in der jeweiligen Lebensphase werden. Die restlichen Abschnitte umfassen mehrere Kapitel, die sich in der Regel darin abwechseln, ob aus Mattias oder Alices Sicht geschrieben wird.
    Sowohl die Leichtigkeit der Sprache als auch die Zerbrechlichkeit und Verwundbarkeit der Charaktere, ihre dunklen Seiten und auch die persönlichkeitsprägenden Ereignisse zeichnen eine Geschichte, die einen in den Bann zieht. Die Spannung nimmt zum Ende hin meiner Meinung etwas ab, was aber auch daran liegen kann, dass ich das Buch über einen längeren Zeitraum gelesen habe.

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    Z
    Zelma-Marievor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Ein sprachliches Meisterwek in Moll.
    Wunderschöne Sprache

    Ein Roman in einer wunderschönen dahinfließender Sprache, der jedoch auch sehr melancholisch.

    Die Zeitsprünge sind manchmal etwas "anstregend". Die Freundschaft wunderschön beschrieben. Leider gibt es kein "Ende", keinen Abschluss. Das hinterlässt einen merkwürdigen Nachklang, da die Hauptprotagonisten in ihrer eigenen Einsamkeit gefangen bleiben.

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    jenvo82vor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Ein eindringlicher, nachdenklicher Roman, der sich mit der Einsamkeit eines Individuums auseinandersetzt.
    Wenn die Trennlinie nicht überwunden wird ...

    Erzählt wird die Geschichte von Alice und Mattia, die beide eine schwierige Kindheit erlebten, deren Jugend ganz anders als die „normaler“ Teenager verlief und die sich letztlich zu Erwachsenen entwickelten, die immer noch und gerade wegen ihrer Vergangenheit Komplexe haben. Das Buch schlägt einen großen Bogen, zeichnet drastische Konturen und entwickelt einen ganz individuellen Charakter, der es zu etwas Besonderem macht. Die teils düstere Stimmung, die vielen unausgesprochenen Gefühle werden zwischen den Zeilen regelrecht greifbar, so dass man als Leser schwankt zwischen entsetztem Kopfschütteln und andächtigem Schweigen.

    Kaum vorstellbar sind die vollzogenen Handlungen und doch erschreckend realistisch. Gibt es sie wirklich irgendwo? Menschen, die derart befangen, eigenbrötlerisch und anders sind, dass keine Menschenseele Zugang zu ihnen finden kann? Wie in einer Seifenblase gefangen verrinnen die Jahre, viele bedeutungslose Jahre die keine Entwicklung, Veränderung oder Verbesserung bringen. Zwei einsame Seelen, die nicht genügend Mut aufbringen konnten, einander jenes Vertrauen zu schenken, welches für eine gemeinsame Zukunft unabdingbar ist.

    Der Autor wählt hier wechselnde Erzählperspektiven: Zum einen spricht der männliche Part Mattia, der seine geistig behinderte Zwillingsschwester in seiner Kindheit im Park zurück lies und zum anderen die weibliche Protagonistin Alice, die nach einem Skiunfall körperlich behindert ist und ihre Ohnmacht gegenüber dem Vater mittels Magersucht ausdrückt. Beide sind sich ähnlich, verschlossen, korrekt und am liebsten allein mit ihren persönlichen Schuldzuweisungen. In kurzen Momenten, in denen sie sich einander öffnen, entwickelt sich eine Art Freundschaft, ein wertvoller Augenblick für beide, weil sie erkennen, dass sie mit ihren Sorgen und Ängsten nicht allein sind. Doch langfristig betrachtet, können sie die Ansprüche an den anderen und auch an sich selbst nicht erfüllen und gehen getrennter Wege.

    Fazit: Dieses Jugendbuch wird mir lange in Erinnerung bleiben, denn es erzeugt einen traurigen, nachdenklich stimmenden Nachklang. Ausgehend von einer stillen, über Jahrzehnte dauernden Erzählung bleibt eine Art Einsamkeit zurück, die bewegt. Ich spreche eine Leseempfehlung aus, für all jene, die sich gern in einem Roman verlieren und mit einem unbestimmten, wenn auch realistischem Ende zufrieden sind. Ein einprägsames Debüt des jungen italienischen Autors, von dem ich schon bald sein aktuelles Buch „Schwarz und Silber“ lesen werde.

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    Betsys avatar
    Betsyvor 3 Jahren
    Die weniger schönen Seiten des Lebens

    Eine Geschichte, deren 2 Hauptfiguren Alice und Mattia in ihrer Kindheit schon sehr schwere Zeiten durchmachen mussten und fürs Leben gezeichnet sind. Alice die durch einen schweren Unfall ein steifes Bein hat und Mattia, der seine Schwester verlor, weil er sie alleine in einem Park zurückließ. Jeder von ihnen geht dabei anders damit um, gemeinsam haben sie allerdings, dass sie beide Außenseiter im Leben sind. Beide nähern sich an und es entsteht eine ungewöhnliche Freundschaft, bei der das "mehr" als Freunde in der Luft schwebt.

    Der vielerorts hochgelobte Roman von Paolo Giordano, hat es dann leider nicht so ganz geschafft mich zu überzeugen, was weniger am Schreibstil lag als vielmehr an den großen Zeitsprüngen, die teilweise sehr abrupt sind und so einiges offen ließen. Auch sind die Protagonisten in diesem Buch nicht immer wirklich glaubhaft für mich rübergekommen. Da, obwohl Alice Magersüchtig zu sein scheint, niemand wirklich ernsthaft an sie appelliert und es als gegeben hin nimmt. Mehr konnte ich mich in Mattia hineinfühlen, der lieber für sich bleibt und in seiner Mathematik aufgeht. Auch wenn dieser genau wie Alice seinem Körper Schmerz zufügt.
    Gut beschrieben sind die Gedanken der Charaktere, die sehr gut die inneren Konflikte widerspiegeln und ihre Unsicherheit. Teilweise würde man besonders Mattia und Alice einfach nur nehmen und schütteln, da beide nie wirklich zu kommunizieren scheinen und sich von der Zeit einfach dahintreiben lassen.

    "Mattia hatte gelernt, daß es Paare von Primzahlen gab, zwischen denen immer eine gerade Zahl stand, die verhinderte, daß sie sich berührten. In Mattias Augen waren sie beide, Alice und er, genau dies: Primzahlen, allein und verloren, sich nahe, aber doch nicht nahe genug, um einander wirklich berühren zu können." (vom Klappendeckel)

    Es gibt wirklich wunderschöne Stellen in dem Buch und es fließt dahin, immer mit der Hoffnung des Lesers, dass diese beiden Menschen ihr Glück finden. Leider konnte mich das Ende nicht so wirklich überzeugen, es kam überstürzt und passte für mich einfach nicht so ganz. Es bleibt einfach einiges offen stehen und wohl für immer auch ungeklärt.

    Ansonsten schafft es der Autor gekonnt, die brutale Realität des Lebens aufzuzeigen und wie ein winziger Moment ein Leben oder auch mehrere Leben verändern kann, welcher für ein ganzes Leben nachhallt.

    Fazit: Ein Buch, das ich nicht bereue gelesen zu haben, aber für mich doch einige Schwachstellen aufwies. Einerseits die großen und schnellen Zeitsprünge in der Handlung und das Ende, welches für mich einfach zu leicht war, würde ich mal sagen. Ansonsten wirklich wunderbar geschrieben und mit einem Blick auf die dunklen Seiten des Lebens.

    Kommentare: 1
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    Gespräche aus der Community zum Buch

    Neu
    L
    Hallo, kennt jemand Bücher die ähnlich gut sind wie "Die Einsamkeit der Primzahlen" von Paolo Giordano oder andere Liebesgeschichten. Vielen Dank
    Zum Thema
    L
    Bin auf der Suche nach ähnlichen Büchern wie: Die Einsamkeit der Primzahlen von Paolo Giordano!
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    Ein ebenso berührendes wie subtiles Drama.

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