Paolo Giordano Schwarz und Silber

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Inhaltsangabe zu „Schwarz und Silber“ von Paolo Giordano

Nach seinem Weltbestseller 'Die Einsamkeit der Primzahlen' schreibt Paolo Giordano nun in einem kurzen, aber dichten Roman über die Einsamkeit im Leben als Paar. Nora und ihr Mann leben mit ihrem kleinen Sohn in Turin. Sie ist Architektin, er ist Physiker. Im Alltag werden sie unterstützt von der wunderbaren Babette – sie ist die Frau für alles, sie betreut das Kind, sie kocht, sie schmeißt den Haushalt. Und sie bildet den ruhenden Pol für das junge Paar. Eigentlich heißt sie Anna, aber sie wird Babette genannt, in Hommage an das Hausmädchen Babette in Tania Blixens berühmter Novelle 'Babettes Fest'. Babette gehört zur Familie. Doch eines Tages kann sie nicht mehr kommen, sie ist an Krebs erkrankt. Was passiert, wenn plötzlich jemand fehlt, der immer da war? Ohne Babettes schützenden Blick verliert das Ehepaar seinen Halt, jeder zieht sich in sich selbst zurück, Gefühle, deren man sich sicher war, verschwinden. Paolo Giordano zeigt mit der ihm eigenen präzisen Beobachtungsgabe und großen Empathie, wie das Fehlen eines geliebten Menschen alles verändert und wie man gleichzeitig die Erinnerung an eine geliebte Person wachhalten kann. Mit psychologischer Meisterschaft beschreibt er, wie Bindungen entstehen, wie wir mit Gefühlen umgehen, sie verlieren und wiederfinden können. Welche Farben haben Gefühle? Giordano wendet die Viersäftelehre des griechischen Gelehrten Galenos auf seine Protagonisten an. Das Schwarz der Melancholie und das Silberne der Fröhlichkeit zeichnen den Ich-Erzähler und seine Frau aus und geben dem Buch seinen Titel. Lassen sich Gefühle bei einem Paar mischen? Ist es wie bei kommunizierenden Gefäßen? Oder bleibt jeder in seiner eigenen Gefühlswelt und dem anderen für immer ein wenig fremd? Ein wunderschöner Liebesroman und ein würdevoller Trost für alle, die einen geliebten Menschen verloren haben.

Ich fand das Buch toll. Habe es in einem Tag gelesen.

— Buehlerl
Buehlerl

Ganz nett für zwischendurch und für mich eindeutig besser als "Die Einsamkeit der Primzahlen". Das fand ich einfach nur nervig

— Bibliomania
Bibliomania

Schöner Schreibstil, packende Geschichte, aber irgendwie distanziert...habe eine Offenbarung erwartet, blieb aber ratlos zurück.

— JessSoul
JessSoul

Distanzierte Literarisierung einer persönlichen Geschichte. Hat mich intellektuell beeindruckt, aber emotional nicht erreicht.

— alasca
alasca

Poetischer und leichter Schreibstil, doch leider ohne jegliche Emotionen

— hevalump
hevalump

Kann man lesen. Muss aber nicht.

— wandablue
wandablue

Wunderschöne Sprache und eine einfühlsame Analyse des Paars. Lediglich das Ende passte nicht sehr gut.

— BlueSunset
BlueSunset

KEIN Buch für zwischendurch. Und wieder mit diesem "leisen" Schreibstil von Paolo Giordano.

— Fay1279
Fay1279

Ein eindringlicher, intimer Einblick in eine Ehe.

— Buecherwurm1973
Buecherwurm1973

Ein Meisterwerk der Erzählkunst, trotz eigenwilliger Handlung! Regt auch alle Fälle zum Nachdenken und Diskutieren an!

— miro76
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  • Schwarz und Silber

    Schwarz und Silber
    Minoo

    Minoo

    14. November 2016 um 21:02

    Selten verliere ich ein Wort über die Buchgestaltung, doch hier ist diese so gelungen, dass ich sie nicht unerwähnt lassen kann ;) Das Cover mit den Federn ist wunderschön, doch aufgrund der Farbgebung passt es auch noch super zu Titel und Inhalt des Buches. Unter dem Schutzumschlag ist das Buch schwarz. Nicht besonders spektakulär, möchte man meinen, doch durch den silbernen Schriftzug des Titels wird auch hier das Thema "Schwarz und Silber" umgesetzt. Das Gesamtbild wird von einem silbernen Lesebändchen abgerundet.Senora A. wird aus das Leben der kleinen Familie gerissen, die auf einmal nicht mehr weiß, wie sie zu dritt weiter machen soll. Neben der Trauer, hat die Familie mit den vielen kleinen und großen Veränderungen zu kämpfen. Senora A. war der Anker der Familie, der Ruhepol. Das Buch umfasst nur 176 Seiten, welche auch noch relativ groß bedruckt sind. Es liest sich also sehr schnell. Besonders gut gefallen hat mir der Schreibstil von Paolo Giordano und die Gedanken des Protagonisten zum Thema Krankheit, Zusammenhalt und Liebe. "Auf die Dauer braucht jede Liebe jemanden, der sie sieht und anerkennt, sie beglaubigt, sonst läuft sie Gefahr, für ein Missverständnis gehalten zu werden. Ohne ihren Blick, fühlten wir uns gefährdet." (S.27) Immer wieder liesen mich einzelne Sätze innehalten und über das Geschriebene nachdenken. Trotzdem blieben die Charaktere des Buches für mich seltsam fremd. Ich konnte ihre Gefühle zwar nachvollziehen, mich jedoch nicht in sie hineinversetzen. Es gibt viele Bücher über Krankheit und Tod und doch sind die Betroffenen meist der Protagonist oder Vater / Mutter, Geschwister, das eigene Kind. Wie sich die Erkrankung einer Person, die einem zwar sehr nahe steht, aber nicht verwandt ist, auf eine das Leben des einzelnen Menschen, sogar seine Ehe auswirken kann, habe ich jedoch noch nicht gelesen.   Das Buch hat keinen konkreten roten Farben. So beginnt der Leser nicht zu Beginn der Geschichte, immer wieder springt der Autor zwischen der Zeit, in der die Haushälterin bei der Familie arbeitete zu der Zeit während ihrer Krankheit oder nach dem Tod. Mir hätte die Reihenfolge "Davor, Währenddessen, Danach" besser gefallen.Fazit: Ein tiefgründiges Buch, das mich zum Nachdenken anregte. Ein Schreibstil, der mich vollends begeisterte. Leider konnte ich keinen Zugang zu den Charakteren finden und haderte ein wenig mit der Reihenfolge der Geschehnisse. Dennoch bleibt das Buch in positiver Erinneung.

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  • Darf ich vorstellen: Signora A.

    Schwarz und Silber
    Bibliomania

    Bibliomania

    13. June 2016 um 12:02

    Nora und ihr Mann haben einen kleinen Sohn: Emanuele. Sie haben ein "Mädchen" für alles, das sich nicht nur um den Haushalt kümmert, sondern gleichzeitig Emanueles Kinderfrau ist. Obwohl sie einen Namen hat, wird sie von allen nur Babette genannt. Sie, eigentlich Signora A., sorgt dafür, dass in der kleinen Familie alles glatt und reibungslos läuft. Doch dann erkrankt sie an Krebs und kommt plötzlich von einem Tag auf den anderen nicht mehr. Die Welt der Familie wird spröde und rissig. Sie wissen nicht mehr, wie man eine Familie führt. Was ist da schief gegangen?Für mich keine besonders bewegende Geschichte, die es vermochte mich in ihren Bann zu ziehen. Aber leicht und gut zu lesen, ein wunderbares Buch für unterwegs. Das Cover fand ich sehr schön und ich wollte nach dem missglückten Buch "Die Einsamkeit der Primzahlen" Paolo Giordano noch einen Versuch geben. Leider werde ich das dritte Buch von ihm wohl nicht mehr lesen. Dafür gibt es einfach zu viele gute andere Bücher, die ich noch stehen habe.

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  • Aus Schwarz wird Silber

    Schwarz und Silber
    JoBerlin

    JoBerlin

    Der dritte Roman Paolo Giordanos „Schwarz und Silber“ ist eine Hommage an ein Kindermädchen, an die Haushaltshilfe Signora A. Durch diese gegebene äußere Form erzählt Giordano stilistisch brillant vom menschlichen Bestreben, es müsse doch durch das eigene Leben etwas Dauerhaftes geschaffen werden, etwas Sinnvolles - etwas, an das man selbst und andere sich gerne erinnern könnten. Gleichnishaft zeigt er das Leben der Signora A., sie erkrankt an Krebs, es bleibt nur das Sterben – ihre Sammlung, ihre Wohnung nichts bleibt für immer und so zeigt er „die sehr schnelle Demontage eines ganzen Lebens, das dem Bewahren geweiht war“. So demontiert erscheint auch das Leben des Ich-Erzählers, die Ehe scheitert, kommende Generationen werden nur sporadisch und am Rande erwähnt, denn auch ihr Tun, ihr Leben wird vergebens sein und muss daher im Buch nicht weiter ausgeführt werden. Gibt es also keine Hoffnung? Nein, natürlich nicht , doch leider kann der Autor die von ihm so bravourös dargestellte Wahrheit nicht ertragen und fügt ein märchenhaft-süßliches Happy-End hintan. Aus einfach-wahrem Schwarz wird trügerisch-glitzerndes Silber. Schade.

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    • 2
  • Distanziert

    Schwarz und Silber
    alasca

    alasca

    Distanziert Eine junge Familie ist in Trauer: Ihre Haushälterin Signora A., liebevoll „Babette“ genannt nach der Protagonistin aus „Babettes Fest“, ist gestorben und hat eine schmerzhafte Leerstelle hinterlassen. Dem namenlosen Erzähler, seiner Frau Nora und beider 8jährigem Sohn Emanuele stand sie zur Seite, seit „Noras Schwangerschaft sich nicht als die zauberhafte Sache entpuppte, die wir uns vorgestellt hatten“. Sie kümmert sich um die bettlägerige Schwangere und den Haushalt, und als der Sohn da ist, bleibt sie und erweitert ihr Aufgabenfeld um das des Kindermädchens. Schwarz und Silber ist „das Fragment einer wahren und leidvollen Geschichte in literarischer Verarbeitung“, teilt uns der Autor auf dem Vorsatzblatt mit. Vor allem aber ist es die Analyse eines Beziehungssystems. Der Erzähler blickt zurück auf den Beginn seiner Ehe und das Werden seiner Familie. Der Romantitel bezieht sich auf die Theorie Galenos, nach der es die Körpersäfte sind, die unterschiedliche Temperamente erzeugen. Der Erzähler ist sich „… sicher, dass Noras Silber und mein Schwarz sich langsam vermischten und dieselbe metallisch brünierte Flüssigkeit schließlich in uns beiden fließen würde…“ Was zunächst so ideal und positiv klingt, bekommt im weiteren Verlauf zusehends dunklere Untertöne. In steten Rückblenden, die durch kurze Abstecher in die erzählerische Gegenwart unterbrochen werden, schildert der Erzähler nicht so sehr eine Geschichte der Entfremdung als vielmehr die einer unterlassenen Annäherung. Was macht es mit einem jungen Paar, wenn seine zentrale Bezugsperson traditionelles Rollenverhalten fördert und beschwichtigend jede Auseinandersetzung verhindert? Die selbstlose Signora, die ihren kranken Ehemann 40 Jahre lang gepflegt hat, ist das Gegenmodell zur modernen Ehe, in der alles Verhandlungssache und „jeder auf sich selbst konzentriert [ist] und auf niemanden sonst“. Giordano zeigt, wie das Ehepaar „wie zwei Waisenkinder“ in die Kindlichkeit regrediert, statt an seiner Elternschaft zu wachsen, und auch seine Ambivalenz gegenüber seiner Unterstützerin: „Gemeinsam suchten wir nach schattigen Winkeln, wo wir uns in Sicherheit bringen konnten vor dem allgegenwärtigen Blick Babettes, der wie die Sonne im Zenit alles von oben beleuchtete.“ Ein System, dessen zentrales Gestirn wegfällt, gerät aus dem Gleichgewicht – und muss dann zu neuer Stabilität finden. Diesen Prozess mit seinen Ent-Täuschungen beschreibt Giordano in Schwarz und Silber. Die 167 Seiten von Giordanos Roman lesen sich leicht und erschütterungsfrei und meinerseits durchaus mit Vergnügen. Ich mag die nüchterne Poesie von Giordanos Sprache und seinen ironischen Humor, etwa wenn er von einer Depression als "vorwiegend philosophisch" spricht. Aber trotz der Alltagsrelevanz seiner Themen hat mich dieser doch so persönliche Roman merkwürdig unberührt gelassen. Vielleicht lag es an der spöttisch-intellektuellen Distanz seines Erzählers, der Physiker ist wie er selbst. Vielleicht auch an dem zu kruden Gegensatz, den er mit dem jungen Paar und Babette konstruiert, denn mir lag Babettes Rollenverständnis (aufopfernd) ebenso fern wie das des jungen Ehepaares (narzistisch). Gleichzeitig neigt Giordano zu allzu schönen Sätzen, die mit dem Zitiertwerden liebäugeln, und seine Metaphorik erschien mir zu dick aufgetragen, wie der Krebs der Signora oder die Dramatik des letzten Satzes. Insofern hat die Literarisierung von Giordanos realer Geschichte für mich nur bedingt funktioniert; sie blieb quasi auf der intellektuellen Ebene stecken und erlangte kein emotionales Gewicht.

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    • 3
  • Leserunde zu "Schwarz und Silber" von Paolo Giordano

    Schwarz und Silber
    Daniliesing

    Daniliesing

    Welche Farben haben Gefühle? "Schwarz und Silber" heißt der neue Roman des italienischen Bestseller-Autors Paolo Giordano, der mit "Die Einsamkeit der Primzahlen" Leser auf der ganzen Welt begeisterte und berührte. Sein neues Buch erzählt mit viel Tiefgang und in wunderbarer Sprache davon, wie das Fehlen einer geliebten Person alles verändert. Mehr zum Inhalt: Nora und ihr Mann leben mit ihrem kleinen Sohn in Turin. Sie ist Architektin, er ist Physiker. Im Alltag werden sie unterstützt von der wunderbaren Babette – sie ist die Frau für alles, sie betreut das Kind, sie kocht, sie schmeißt den Haushalt. Und sie bildet den ruhenden Pol für das junge Paar. Eigentlich heißt sie Anna, aber sie wird Babette genannt, in Hommage an das Hausmädchen Babette in Tania Blixens berühmter Novelle «Babettes Fest». Babette gehört zur Familie. Doch eines Tages kann sie nicht mehr kommen, sie ist an Krebs erkrankt. Was passiert, wenn plötzlich jemand fehlt, der immer da war? Ohne Babettes schützenden Blick verliert das Ehepaar seinen Halt, jeder zieht sich in sich selbst zurück, Gefühle, deren man sich sicher war, verschwinden. Möchtet ihr Testleser von "Schwarz und Silber" werden, einem dichten und intensiven Roman, in dem Paolo Giordano zugleich wunderschön über die Liebe schreibt und all jenen Trost schenkt, die einen geliebten Menschen verloren haben? Zusammen mit dem Rowohlt Verlag vergeben wir 25 Exemplare des Buches. Bewerbt euch gleich* und beantwortet uns über den "Jetzt Bewerben"-Button diese Frage: Wer oder was spendet euch Trost, wenn ihr ihn braucht? * Im Gewinnfall verpflichtet ihr euch zur zeitnahen und aktiven Teilnahme am Austausch in allen Leseabschnitten der Leserunde innerhalb von 4 Wochen sowie zum Schreiben einer Rezension, nachdem ihr das Buch gelesen habt. Bestenfalls solltet ihr vor eurer Bewerbung für eine Leserunde schon mindestens eine Rezension auf LovelyBooks veröffentlicht haben. Bitte beachtet, dass wir die Bücher nur innerhalb Europas verschicken können.

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    • 623
  • Eine elegante und bemerkenswerte Schreibweise

    Schwarz und Silber
    BlueSunset

    BlueSunset

    Meine Meinung… …zum Inhalt: Was tun die Menschen, wenn jemand fehlt, der bisher immer da war? Das Buch gibt einen Einblick wie Nora und ihr Mann mit dem Fehlen ihrer Kinderfrau Babette zurechtkommen. Für das Ehepaar erweist sich das schwieriger als gedacht, da sie bereits vor dem Fehlen viel Verantwortung an sie übertragen haben. Das Buch analysiert das Leben und die Handlungen des Ehepaars aus der Sicht des Mannes. Seine Handlungen waren für mich nicht immer nachvollziehbar und an einigen Stellen sogar unverständlich, doch ich konnte mit ihm Mitfühlen und verstand seine Verletzbarkeit und seine Unentschlossenheit. „Schwarz und Silber“ regt zum Nachdenken ein – über das Leben des Ehepaares, aber auch über das Zusammenleben generell und unsere Gesellschaft. Paolo Giordano beschreibt interessante Charaktere mit all ihren Eigenheiten, doch mir fehlte ein wenig der Zugang zu den anderen Personen außer dem Erzähler. Dies kann aber auch ein gekonnter stilistischer Trick sein, an dem deutlich wird, dass auch dem Mann der Zugang zu den anderen Personen in seinem Leben fehlt. Nachdem man im Buch die Entwicklung des Paares beobachtet hat, gipfelt das Ende in einer Entscheidung, die sich das ganze Buch lang angebahnt hat. Und der Ausgang des Buches erschien mir leider unpassend. Aufgrund der Probleme, die das Paar hatte, hoffte ich auf eine komplexere und realistischere Lösung als die, die mir das Buch bieten konnte. …zur Sprache: Paolo Giordano schreibt in einer wunderschönen und poetischen Sprache. Es machte Spaß, die eleganten Formulierungen und die bildhaften Beschreibungen zu lesen und zu genießen. Trotz der schwächelnden Handlung, punktet das Buch wegen seines schönen Schreibstils. Fazit: 4 Sterne Alles in allem lohnt es sich in das Buch hineinzulesen. Da es mit 198 Seiten recht kurz ist, kann man die etwas schwache Handlung und das unrealistische Ende verschmerzen. Das Buch lebt von der eleganten und bemerkenswerten Schreibweise des Autors. Dieses Buch mag allerdings nicht jeden Geschmack treffen. Wer sich Action oder großes Drama erhofft, sollte lieber die Finger von diesem Buch lassen. Freunde der schönen, poetischen Sprache und schlichten literarischen Gesellschaftsanalysen, sollten allerdings in dieses Buch hineinschnuppern, um einen Eindruck von dem italienischen Autor zu bekommen. Auf meinem Blog "Tiny Hedgehog"

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    • 3
  • Schwarz und silber beschreibt es ganz gut

    Schwarz und Silber
    NinaEff

    NinaEff

    27. October 2015 um 22:31

    Das Buch von Paolo Giordano handelt von einer Familie, bestehend aus Vater, Mutter und Sohn, und ihrer Haushaltshilfe/ Kinderfrau/ Frau für alles, Signora A. Signora A. wurde während der Schwangerschaft eingestellt und ist seitdem ein fester Bestandteil der Familie. Sie bedeutet ihnen sehr viel und sie hilft ihnen in jeder Lebenslage. Tragischerweise erkrankt Signora A. an Krebs und kann somit anfangs nur noch wenig und später überhaupt nicht mehr für die Familie sorgen. Alle drei sind davon sehr mitgenommen und besonders der Sohn, für den Signora A. stets die wichtigste Bezugsperson war. Aber auch die Beziehung des Ehepaares leidet unter der Abwesenheit und dem Leser wird gezeigt, wie sehr die ganze Familie von ihrer (eigentlich nur) Haushaltshilfe abhängig ist. Einem wird schnell klar wie stark die Familie emotional an Signora A. gebunden ist und, dass sie sich viel zu stark auf diese verlassen haben. Der Schreibstil des Buches ist sehr nüchtern und kurz angebunden. Es wird aus der Ich-Perspektive des Ehemanns geschrieben. Jedoch hat man beinahe das Gefühl, sie von einer objektiven Person erzählt zu bekommen, so emotionslos berichtet der Ehemann von seiner scheinbar sehr brüchigen (um nicht zu sagen, kaputten) Ehe und seinen Problemen mit seinem Sohn. Überhaupt hat man nicht das Gefühl, dass er und seine Frau eine besonders enge Beziehung zu ihrem noch sehr jungen Sohn haben und sich mehr um ihre eigenen Probleme als um die Erziehung ihres Sohnes zu sorgen. Allein wie er über Signora A. berichtet zeigt eine gewisse emotionale Bindung, auch wenn diese teilweise eher zwischen den Zeilen zu lesen ist. Ein weiteres stilistisches Merkmal ist, dass der Ich-Erzähler fließend zwischen Vergangenheit und Gegenwart wechselt, wodurch man zwischendurch etwas durcheinander gerät. Den Fluss des Buches stört das jedoch nicht. Denn eines muss man dem Buch lassen, es lässt sich wunderbar leicht und flüssig lesen. Trotzdem konnte ich mich nicht gut mit diesem Buch anfreunden. Für mich schien das alles so fremd und zu nüchtern verpackt für eine so traurige und emotionale Geschichte. Andererseits könnte man den Autor dafür loben, wie er es geschafft hat trotz der emotionslosen Sprache die ganzen Emotionen zwischen den Zeilen zu verstecken und für den Leser sichtbar zu machen. Denn man erfährt viel über die Art wie die verschiedenen Personen mit der Krankheit und dem bevorstehendem Tod umgehen und welche Trostlosigkeit sich in der Beziehung des Ehepaars eingeschlichen hat. Wie man sieht bin ich sehr zwiegespalten. Ich kann dieses Buch nicht als schlechtes Buch bezeichnen, doch mich konnte es leider nicht wirklich mitreißen. Doch ich weiß, dass es das bei so manch anderem geschafft hat.

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  • Schwarz und Silber

    Schwarz und Silber
    Buecherwurm1973

    Buecherwurm1973

    26. October 2015 um 21:37

    Signora A., auch Babette genannt, ist die Haushälterin von Nora und ihrem Mann. Sie ist nicht nur die Haushälterin. Sie hält auch die Fäden der Familie geschickt in ihren Händen. Sie leitet die Geschicke der Familie. Sie hat alles im Griff. Dann erkrankt die Haushälterin an Krebs. Was passiert, wenn   die unsichtbare Hand, die einen geleitet hat, nicht mehr da ist? Ein namenloser Erzähler  schildert wie Signora A. in ihr Haushalt gefunden hat. Immer mehr Einfluss auf ihr Leben genommen hat. Doch dann ist dieser weg. Die kleine Familie muss erst mal lernen ohne äusseren Einfluss zurechtzufinden.   Der Erzähler hat eine ziemliche melancholische Sicht auf das Leben. Das widerspiegelt sich in seiner Erzählungen. Auch wenn ich nicht oft seiner Meinung war, mochte ich seine Schilderungen über seine Ehefrau. Sie geben einen intimen Einblick in seine Ehe. Vor allem erklären sie, weshalb jemand von aussen kommen und das Regiment übernehmen kann.  Phasenweise waren die Schilderungen etwas langatmig. Dennoch vermag das Buch einem zum Denken anregen. Weshalb kann es soweit kommen? Kennen ich nicht auch solche Momente?  

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  • Melancholisches Mittelmaß

    Schwarz und Silber
    einszweidrei

    einszweidrei

    23. October 2015 um 15:46

    "Eine Familie in ihren Anfängen ist manchmal auch das: ein vor Egozentrik zusammengezogener galaktischer Nebelfleck, in Gefahr zu implodieren." (S. 57) Wie filigran das System Familie ist, zeigt uns Paolo Giordano in seinem neuen Roman "Schwarz und Silber". Fällt ein einziges Element aus, kann das ganze System in sich zusammenstürzen. Genau diese Erfahrung muss der Ich-Erzähler des Buches machen, als plötzlich die Haushälterin, Signora A., an Krebs erkrankt. Schmerzlich stellt er fest, wie die Familie in letzter Zeit mehr nebeneinander als miteinander gelebt hat und nur Signora A. es war, die das "Werkl" am Laufen gehalten hat. Einhergehend mit der fortschreitenden Krankheit beschreibt Giordano den langsamen Zerfall der Familie. Meine Meinung So sehr mich auch Giordanos erster Roman "Die Einsamkeit der Primzahlen" begeisterte, wollte hier der Funke nicht so recht überspringen. Der Anfang war gut, doch gegen Ende hin empfand ich die Geschichte eher mau als wow. Die gesamte Familienkonstellation und ihre enorme Abhängigkeit von Signora A. kam mir schon sehr seltsam vor. Auch mit dem Ich-Erzähler konnte ich mich auch nicht so recht anfreunden. Im Endeffekt tat mir einfach nur der Sohn Emanuele leid, der neben den Verlust einer wichtigen Bezugsperson auch noch mit zwei kühlen und oft distanzierten Elternteilen zu kämpfen hat, wobei seine Mutter wohl die menschlichere von beiden zu sein scheint.Sprachlich gesehen ist das Buch hingegen top und der Autor schafft es mit seinen Worten zu verzaubern. Auch finden sich einige schöne Zitate darin. Hier eines meiner Lieblinge: "Nur uns erscheint unsere Zeit so schlimm und gefährdet, wie Renato die seine schlimm und gefährdet erschien, weil wir beeinflussbar sind und weil jede Epoche den arroganten Anspruch auf die Katastrophe hat." (S. 94) Daher gibt's von mir 3 von 5 möglichen Sternen.

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  • Melancholie in Norditalien

    Schwarz und Silber
    passionelibro

    passionelibro

    23. October 2015 um 09:25

    Eine junge Familie verliert ihre Haushälterin, Kindermädchen, ihre Verbindung untereinander und stellt fest, obwohl sie zusammen leben, dass doch jeder für sich und einsam ist. Der Erzähler ist ein Physiker, Dozent an der Universität in Turin, verheiratet mit einer Architektin und gemeinsam haben sie einen Sohn, Emmanuele. Signora A., die Haushälterin, kam als Nora, die Ehefrau, schwanger wurde und es dabei Komplikationen gab. Signora A. übernahm das Zepter in der Familie, wurde bald liebevoll Babette genannt und fungierte als Stütze, damit die junge Familie nicht auseinander fiel. Doch Babette erkrankte an Krebs und verließ das Haus und plötzlich war nichts mehr wie es einmal war. Paolo Giordano gelingt es zum einen die melancholische Stimmung der Stadt Turin einzufangen und andererseits in seiner poetischen, aber doch einfachen Sprache dem Leser die Familie näherzubringen, die nun feststellen muss, dass sie sich immer auf eine Person von außerhalb hat verlassen können, um ihre eigenen Probleme zu lösen und es an der Zeit wird, die Verantwortung und Liebe in die Familie zurückzubringen und in die Zukunft zu schauen.

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  • Schwarz und Silber

    Schwarz und Silber
    hevalump

    hevalump

    19. October 2015 um 19:48

    Signora A. Emanuele. Nora. Erzähler.Renato. Signora A. Emanuele. Nora. Erzähler.Renato. Signora A. Emanuele. Nora. Erzähler.Renato. Silber und Schwarz von Paolo Giordano handelt vor allem vom Leben der Signora A.. Sie ist Hauhälterin, Witwe und eine Frau mit klaren Prinzipien und einem Weltbild, das zu ihrem fortgeschrittenen Alter passt. Der Erzähler und Nora sind das Ehepaar und die Arbeitgeber der Signora. Sie haben einen kleinen Sohn namens Emanuele. Das Buch ist nicht chronologisch geschrieben, es beginnt mir dem Tod der Signora, geht weiter mit einigen Einblicke in das Leben von ihr mit ihrem Mann Renato. Die junge Familie ist vollkommen abhängig von Signora und gewöhnt an all die Annehmlichkeiten, die ihnen durch Signora A. erspart bleiben. Sie ist zu ihnen gekommen als Nora schwanger war und Bettruhe zum Wohle des Kindes verordnet bekam. Seitdem ist sie geblieben. Die Krankheit kommt abrupt und ihre Arbeitsunfähigkeit kommt noch abrupter. Besonder für die Familie. Bald sind sie mit den alltäglichen Dingen überfordert. Sie sind die Fürsorge ihrer Haushälterin gewohnt und ohne sie fallen sie immer weiter in ein egoistisches Muster hinein. Jeder denkt bald nur noch an sich, das ist vor allem beim Erzähler und bei seiner Frau der Fall. Niemand denkt mehr an Emanuele. Die sozialen Beziehungen im Allgemeinen leiden erheblich. Einerseits die Beziehung zwischen Nora und dem Erzähler und auch die sozialen Beziehung der Familie zur Aussenwelt. Der Stil dieses Buches, sowohl Schreibstil als auch der Stil der Geschichte ist mir bis jetzt selten bis gar noch nie vorgekommen und um ganz ehrlich zu sein kann ich mich nicht ganz damit anfreunden. Die Sprache ist heroisch, poetisch und wunderschön. Die Worte voller Poesie und vollkommen zum Dahinschmelzen. Doch was die Emotionen dahinter angeht, fällt das Urteil leider nicht gut aus. Die Worte sind schön, doch dahinter sind keine Emotionen zu finden, man trifft auf eine kaltherzige Wand. Noch dazu sind einige Figuren nicht ganz nachvollziehbar. Der Erzähler und Nora haben meiner Meinung nach als Eltern beinnahe vollkommen versagt. Emanuele wird komplett vernachlässigt. Auch wenn den Charakteren an Tiefe und Emotionen fällt. Silber und Schwarz ist ein Buch, das jedes Mal etwas anders wirkt und neue Gesichtspunkte aufweist. Es ist ein Buch aus dem man nicht schlau wirkt, immer Rätsel aufgibt und dadurch nie ganz an Spannung verliert.

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  • Mehr Schwarz als Silber

    Schwarz und Silber
    KerstinnI

    KerstinnI

    14. October 2015 um 17:51

    "Doch auch wenn es so ist, wird die Unsicherheit in wenigen Jahren genauso wieder auftreten und dann wieder, bis sich ein Glücksfall ergibt (...) oder- was wahrscheinlicher ist-  bis ich mich entschließe, einen romantischen Traum aufzugeben und mich konkreten Dingen zuzuwenden." (S.56) Ein Ehepaar, ein Kind und ein Haushälterin/Kinderfrau die in einer engen Beziehung zueinander stehen bis die Haushälterin Signora A. krank wird und nicht mehr arbeiten kann. Plötzlich steht das Ehepaar vor seiner Ehe und weiß nicht, wie diese Mal ohne ihre Haushälterin funktioniert haben soll.   Ich beginne mit dem Schreibstil, welcher ohne Frage wirklich wundervoll ist, es gibt unzählige Sätze die ich zitieren möchte, die ich immer wieder gelesen habe und die wirklich zauberhaft sind. Ein wenig anders gestaltet sich meine Begeisterung in Bezug auf die Protagonisten. Signora A. ist mir im nachhinein gänzlich unsympathisch, das Kind der Familie bleibt im Hintergrund und spielt eine unwichtige Nebenrolle, obgleich es in den Mittelpunkt gehört, Ehefrau Nora wirkt kalt und undurchschaubar- einzig der Ehemann lässt durch die Erzählperspektive manchmal in sein Herz schauen und konnte mich ein wenig erreichen. Die Geschichte an sich ist nett- aber wirklich gefesselt hat sie mich nicht. Was mir gefällt sind die großen Interpretationsmöglichkeiten die das Buch und die Geschichte bietet. Wer Lust hat nach Symboliken, Metaphern und Intentionen zu suchen wird viel Freude haben- bezogen darauf kann das Buch sicher mehrmals gelesen werden. Fazit: Ein schönes Buch mit einem guten Schreibstil, insgesamt leider nicht so richtig meines, da es mich unzufrieden zurückgelassen hat.    

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  • Bleistiftskizze bringt kein Silber hervor

    Schwarz und Silber
    wandablue

    wandablue

    Bleistiftskizze bringt kein Silber hervor. Ein ausgezeichneter Stil trifft auf eine kümmerliche Geschichte, starke und schwache Säfte mischen sich, was ist das Resultat? Der Autor Paolo Giordano, der das von vielen liebgewonnene Buch „Das Geheimnis der Primzahlen“ geschrieben hat, bezieht sich mit „Schwarz und Silber“ auf die Säftelehre des griechischen Gelehrten Galenso „Das Schwarz der Melancholie und das Silberne der Fröhlichkeit zeichnen den Ich-Erzähler des Buches und seine Frau aus und geben dem Buch seinen Titel,“ sagt der Klappentext. Davon finde ich viel zu wenig im Text. Was ich finde, sind zwei sich kreuzende spärliche Geschichten, die der Haushälterin Anna, genannt Babette oder Signora A. und ihres früh verstorbenen Gatten Renato, deren gegenseitige Beziehung mich im übrigen überhaupt gar nicht interessierte, und die eines Ehepaars, bestehend aus dem Ich-Erzähler, einem Wissenschaftler, passenderweise Physikdozent, seiner egozentrischen Ehefrau Nora plus dem mathematikschwachen Kind Emanuele, was begreiflicherweise eine herbe Enttäuschung für den Herrn Papa ist. Das Ehepaar ist modern und löst die besonders in Italien noch fest gefügte Vorstellung eines natürlichen Rollenverständnisses von Mann und Frau solange fröhlich für sich auf, bis eine schwierige Schwangerschaft die Übernahme der gängigen Konventionen durch die Haushälterin, Signora A., notwendig machte. Als Jahre später Signora A. an Krebs erkrankt, einer schleichenden Krankheit, die erst im fortgeschrittenen Stadium erkennbar ist und selten erfolgreich behandelbar, tritt zu Tage, dass auch die Ehe der Protagonisten an einer schleichenden Krankheit leidet: der Entfremdung. Noch behandelbar? Die Sprache ist gewählt und schön, die Geschichte jedoch mehr skizziert als ausgeführt, es bleibt einfach zu vieles bloß angerissen, deshalb ergibt sich auch nur ein schmales Bändchen. Bei so vielen Konflikten auf einmal, wie Nähe und Distanz, emotionale Abhängigkeiten versus Leugnung, einseitigen Enttäuschungen, Erziehungsfragen, Loyalität, Treue, Gleichgültigkeit, Liebe, Tod, Leiden und Einsamkeit bietet der Auto zu wenig inhaltliche Substanz. Ein paar schöne Sätze hie und da reichen zur Deckung der Geschichte nicht aus. Zudem weiß die Geschichte nicht, wohin eigentlich, sich zentrieren auf die Krankheitsgeschichte oder doch auf die Eheproblematik? Charaktere und Story bleiben zugunsten von Bonmots weitgehend auf der Strecke. Es reicht allemal, um in die Kategorie „Gehobene Literatur“, die Königsklasse zu kommen, aber dafür bleibts auch bei drei Punkten. Fazit: Zu viel Bleistift statt satt koloriertem Schwarz und Silber. Verlag: Rowohl, 2015 Kategorie: Gehobene Literatur

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    • 3
  • Wunderbare Sprache - melancholisch-traurige Geschichte

    Schwarz und Silber
    Corsicana

    Corsicana

    Das erste Buch von Paolo Giordano "Die Einsamkeit der Primzahlen" hat mich damals sehr begeistert. Und auch dieses Buch ist wieder etwas ganz Besonderes. Ein schmales Buch - das doch so viel erzählt. Es geht um eine Junge Familie (Physiker, Architektin, ein kleines Kind) und deren Haushälterin. Die Haushälterin heißt Signora A., wird aber von allen Babette genannt - wie die legendäre Babette in Tania Blixens  Novelle.  Die Haushälterin gibt der Familie Struktur und kümmert sich liebevoll von Anfang an um das Kind, wurde sie doch schon in der Schwangerschaft engagiert. Als die Haushälterin an Krebs erkrankt und nicht mehr für die Familie da sein kann, verliert die Familie ihre Struktur.  Denn eigentlich ist jeder in der Familie mit sich selbst beschäftigt - und tendenziell mit dem praktischen Leben überfordert. Er will sich beruflich weiterentwickeln, dazu wäre ein Umzug ins Ausland erforderlich. Ihr fällt es schwer, sich solch einen Umzug oder überhaupt Änderungen vorzustellen, sie hadert schon mit der Vereinbarkeit zwischen Beruf, Familie und dem alltäglichen Leben. Beide scheinen aus Familien zu kommen, die ihnen kein Vorbild für ihr Leben sein können. Die Haushälterin hat eine sehr traditionelle Ehe gelebt - und übernimmt bei der Familie quasi die traditionelle Hausfrauen- und Mutterrolle. Damit gibt sie den Eltern Freiraum - und dem Kind Geborgenheit. Bis sie krank wird.  Das Gleichgewicht der Familie ist ohne Haushälterin gestört - und es fällt allen schwer, ein neues Gleichgewicht zu finden. Wie die Familie damit umgeht, wird aus der Sicht des Erzählers geschildert, in vielen Zeit-Ebenen mit vielen Rückblenden. Es ist eine kleine Geschichte, ein dünnes Buch - das doch viele Aspekte einer existentiellen Erfahrung beschreibt. Wie immer wirkt Paolo Giordanos Buch streng durchkomponiert - Giordano ist selbst Physiker - und naturwissenschaftliche Thesen werden zur Erläuterung der Geschehnisse herangezogen (hier die Lehre von den Körpersäften). Auch der Titel des Buches nimmt Bezug zu dieser These.  Und wie immer gibt es wunderbare Sätze, die man sich gerne merken würde und über die man gerne länger nachdenken würde. Daher wirkt dieses Buch nach - auch wenn die Protagonisten dem Leser eher fremd bleiben. Was vielleicht das Einzige eventuell Schwierige und Negative an diesem Buch sein könnte: Die Protagonisten bleiben auf Distanz, der Leser kann sich nur schwer einfühlen. Daher: Ein eher "kühles" Lese-Vergnügen. In gedämpften Farben. Schwarz und Silber, wobei das Silber sowohl grau als auch lebendig, warm und glänzend erscheinen kann.

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    • 2
  • Die Farben einer Ehe

    Schwarz und Silber
    flower

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    13. October 2015 um 16:05

    Signora A. ist die gute Seele im Haushalt eines jungen Paares mit einem Sohn. Sie ist in der Schwangerschaft zu ihnen gekommen und hat unmerklich das Ruder in die Hand genommen. Doch plötzlich bekommt sie Krebs. Die Krankheit von Signora A. bringt das empfindliche Gleichgewicht in der Familie gehörigen ins Wanken. Das Paar muss lernen, ohne den Fels in der Brandung auszukommen und tut sich anfangs sehr schwer damit. Es ist ein dünnes Büchlein, dass Paolo Giardano diesmal geschrieben hat. Und ich fand auch die Geschichte in ihrer Gesamtheit etwas dünn. Also er hat einen schönen Stil zu Schreiben und man spürt die Tiefe hinter seinen Worten. Aber so richtig eingefangen hat mich der Roman nicht mit seiner Thematik und ich habe zwar verstanden, was seine Aussagen sein sollen, aber mir fehlte etwas die Spannung und die Personen haben mich nicht wirklich erreicht. Ein nettes Buch für zwischendurch – mehr war es für mich leider nicht.

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