Paolo Zellini

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Paolo ZelliniEine kurze Geschichte der Unendlichkeit
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Eine kurze Geschichte der Unendlichkeit
Eine kurze Geschichte der Unendlichkeit
 (2)
Erschienen am 20.01.2010

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Rezension zu "Eine kurze Geschichte der Unendlichkeit" von Paolo Zellini

Rezension zu "Eine kurze Geschichte der Unendlichkeit" von Paolo Zellini
Clarivor 8 Jahren

Fragen nach der Unendlichkeit und unseres Seins.....

Wer kennt nicht das Faszinosum, das mit den Fragen nach der Unendlichkeit verbunden ist? Stellen doch schon kleine Kinder Fragen danach, wie hoch der Himmel ist und wie weit die Sterne sind, und ob man nach ihnen greifen könne.

Hier aber geht es um eine Definition der Grenzen und der Unendlichkeit. Anhand zahlreicher Zitate aus der Philosophiegeschichte versucht Paolo Zellini eine Antwort zu geben, die naturgemäß nicht möglich ist, denn bis heute kann kein Wissenschaftler diese Fragen endgültig beantworten. Ist doch mit der Vertreibung aus dem Paradies auch die Endlichkeit verloren gegangen, als damit das Böse, die Moral und die Ethik Einzug in die Welt hielten.
Die Frage nach der Unendlichkeit hat mit der Zeit, dem Kosmos, mit Mythologie und Materie zu tun, die von Philosophen, Mathematikern und Physikern detailreich und berechenbar erforscht werden.
„In seinem Philebos vertritt Platon die Auffassung, wonach die Gegenüberstellung von Endlichem und Unendlichem ein ureigenes, niemals endendes oder schwindendes Kennzeichen unserer Denk- und Redeweise sei. Jedes Ding, so sagt er, trage von Geburt an die Grenze und das Unbegrenzte oder, um gleichwertige Ausdrücke zu gebrauchen, das Eine und das Vielfältige in sich.“ Besser lässt sich in knapper Form nicht ausdrücken, dass jedes Ding zwei Seiten hat, und dass wir weder die eine noch die andere in unserer Vorstellung realisieren können.

Anfang und Ende sind für unseren Geist nicht fassbar. Dennoch hat es über die Jahrhunderte Forscher aller beschriebenen Fachrichtungen gegeben, die mit nimmer enden wollender Energie den Ursprüngen und dem Ende unseres Seins nachforschen. Seine Vertreter findet man in der Antike, bei den alten Griechen und fortlaufend über die Jahrhunderte bei christlichen und nichtchristlichen Dichtern und Denkern bis in die heutige Zeit.

Ein Kapitel widmet sich dem Unendlichen bei Thomas von Aquin, ein anderes Descartes und ein weiteres Leibniz. Selbst Musils „ Mann ohne Eigenschaften“ wird im Kapitel „Die Identität Ununterscheidbarer: Die Klassen“ zu Erklärungen herangezogen. Theodor W. Adorno und Max Horkheimer haben mit ihrer Dialektik der Aufklärung ebenfalls einen Beitrag zur Widersprüchlichkeit in der Welt aufgezeigt.

Mit den abschließenden Worten des Mathematikers John von Neumann begreift man die Bedeutung der Mathematik bei der Erforschung des Unendlichen:“ Ich spüre, dass einer der wichtigsten Beiträge der Mathematik zu unserem Denken in der Tatsache liegt, dass diese eine gewaltige Flexibilität bei der Bildung von Begriffen gezeigt hat, einen Grad an Flexibilität, an den eine nichtmathematische Methodik nur sehr schwer heranreicht.“

Unzählige Belege für Überlegungen, Berechnungen und formulierte Vorstellungen über Grenzen und die Unendlichkeit hat Paolo Zellini hier zusammengestellt. Das Buch genügt höchsten Ansprüchen bedarf aber ausreichender mathematischer, physikalischer und philosophischer Vorkenntnisse, um den gedanklichen Ausführungen folgen zu können. Wer diese besitzt, erhält eine gute Übersicht zur Geschichte der Unendlichkeit.

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Rezension zu "Eine kurze Geschichte der Unendlichkeit" von Paolo Zellini

Rezension zu "Eine kurze Geschichte der Unendlichkeit" von Paolo Zellini
HeikeGvor 8 Jahren

Die zersetzende Kraft des Unbegrenzten
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„Es gibt einen Begriff, der alle anderen zersetzt und verfälscht. Ich spreche nicht vom Bösen, das in der Ethik sein begrenztes Reich hat. Ich spreche vom Unendlichen.“ So leitet nicht nur Jorge Luis Borges seine „Kurzbiografie“ des Unendlichen ein, sondern auch Roberto Zellini sein Buch „Eine kurze Geschichte der Unendlichkeit“. „Nichts ist gefährlicher als der Verlust von Grenze und Maß: Das Unendliche bedeutet den Verlust eines Wertes - nämlich die relative Vollkommenheit des konkret Bestimmten und des formal Vollendeten - und führt dazu, sich im Nichts oder in einem ausweglosen Labyrinth zu verirren.“
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Der italienische Mathematiker und Philosoph, dessen Buch bereits 1980 in Italien erschien, mit dem „Premio Viareggio“ ausgezeichnet wurde und mittlerweile zum Klassiker avancierte, nimmt den gewillten Leser in die wundersame Welt des Unendlichen mit. Jene kommt nicht selten in der Geschichte im Gewand des metaphysisch absolut Bösen daher, des Keims von Chaos und Sinnlosigkeit. Die Schwierigkeit des Begriffs liegt offensichtlich in seiner Nichterfassbarkeit, seiner Unerschöpflichkeit, die niemals in der Gesamtheit gedacht werden kann.
Schon vor unserer Zeitrechnung beschäftigten sich Gelehrte wie Anaximander oder Aristoteles mit der Begrifflichkeit des nicht Eingrenzbaren. Der Versuch einer klaren Definition setzt sich bis in unsere Zeit fort.
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Zellini nimmt den Leser auf einen wahrlich anstrengenden Diskurs mit. Thomas von Aquin, Nikolaus von Kues, Giordano Bruno, Descartes, Leibniz, Hegel und Kant oder Abhandlungen über irrationale, unbestimmte oder transfinite Zahlen sind nur einige Stationspunkte auf der Etappe der Mathematik des Unendlichen - ein wahrer Freiheitszug heterogener Weltsicht und -deutung. Da finden mythische Spekulationen genauso Einzug wie theologische, philosophische oder literarische Abhandlungen und werden neben Ausführungen großer Mathematiker wie Cantor oder Gödel gestellt.
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Das umfassende Problem des Habbarmachens des Unendlichen weiß Zellini äußerst detailreich, umfassend und mit großem Tiefgang aufzuzeigen. Als populärwissenschaftliches Buch kann man „Eine Kurze Geschichte der Unendlichkeit“ jedoch nicht bezeichnen, dafür wird einfach zu viel überdurchschnittliches Wissen und „Fremdwortsicherheit“ vorausgesetzt. Es ist daher eher ein Buch für Wissenschaftsbegeisterte, die sich weitere Erkenntniswege eröffnen möchten. Denen jedoch vermag Roberto Zellini die rätselhafte Schönheit des Infiniten glaubhaft zu enthüllen.
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Vielleicht fasst Novalis die Wahrheit des Unendlichen mit folgenden Worten am besten zusammen:
„Alles Sichtbare haftet am Unsichtbaren - Das Hörbare am Unhörbaren - Das Fühlbare am Unfühlbaren. Vielleicht das Denkbare am Undenkbaren.“

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