Nachtzug nach Lissabon

von Pascal Mercier 
3,8 Sterne bei1,319 Bewertungen
Nachtzug nach Lissabon
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Neue Kurzmeinungen

Positiv (871):
GersBeas avatar

kurzweilige Entwicklungsgeschichte eines älteren altsprachlichen Lehrers, gespickt mit Infos und Eindrücken aus Portugal

Kritisch (178):
ichundelaines avatar

Kommt nicht aus dem Quark, sehr dröge, aber netter Stil

Alle 1,319 Bewertungen lesen

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Inhaltsangabe zu "Nachtzug nach Lissabon"

Der internationale Bestseller jetzt im Kino!
Mitten im Unterricht verlässt ein Lehrer seine Schule und macht sich auf den Weg nach Lissabon, um den Spuren eines geheimnisvollen Autors zu folgen. Immer tiefer zieht es ihn in dessen Aufzeichnungen und Reflexionen, immer mehr Menschen lernt er kennen, die von diesem Mann, den ein dunkles Geheimnis umgibt, zutiefst beeindruckt waren. Eine wundervolle Reise – die vergeblich sein muss und deren Bedrohungen der Reisende nicht gewachsen ist. Endlich kann er wieder fühlen, endlich hat er von seinem Leben zwischen Büchern aufgeblickt – aber was er sieht, könnte ihn das Leben kosten …
Der Roman zum Film – ungekürzte Fassung!

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783442746248
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:496 Seiten
Verlag:btb
Erscheinungsdatum:11.02.2013
Das aktuelle Hörbuch ist am 29.10.2007 bei Der Hörverlag erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    Jennifer081991s avatar
    Jennifer081991vor 8 Monaten
    Kurzmeinung: Sprachgewaltig, philosophisch, nachdenklich machend
    Über die Liebe zu Worten

    Raimund Gregorius lehrt Latein, Griechisch und Hebräisch an einer Berner Schule. Die Liebe zum geschriebenen Wort, zu alten Sprachen treibt ihn an, doch ihm ging es nie um eine große Karriere oder einen Lehrstuhl an einer Universität. Stattdessen begnügt er sich mit seinen privaten Studien und damit, seine Sprachliebe an seine Schüler weiterzugeben. Doch eines Tages beschließt er, sein altes Leben hinter sich zu lassen und sich von seiner Neugier treiben zu lassen: Aus einer Begegnung mit einer jungen Portugiesin entspinnt sich eine Reise nach Lissabon, in die Vergangenheit eines jungen Autoren und zugleich in Gregorius eigene Gegenwart. Gregorius macht sich auf die Suche nach dem jungen Autor Prado, einem Arzt und Philosophen, dessen Buch er sich kauft ohne das portugiesische Original verstehen zu können. Dennoch macht er sich auf nach Lissabon, in der Tasche nicht viel mehr als Prados Buch und ein Wörterbuch mit dessen Hilfe er die Sprache lernt. Schlussendlich wird diese Reise nicht nur eine Reise in ein längst abgeschlossenes Kapitel Portugals, sondern vor allem eine Reise in sein eigenes Inneres.
    Gregorius übt seinen Beruf als Lehrer nicht als Arbeit aus, er wird getrieben von seiner Liebe zur Sprache, die er weitergeben möchte. So kann er sich der Faszination gegenüber den Sprachen gar nicht entziehen. Die oft sehr philosophischen Textpassagen, die innerhalb des Romans „zitiert“ werden, führen ihn gedanklich weit von seinem alten Leben weg. Durch diese Doppelstruktur erhält das Buch eine unglaubliche Tiefe, denn streng genommen liest man nicht nur ein Buch, sondern gleichzeitig auch das Buch Prados im Buch. Die vielen ausführlichen Textpassagen aus Prados fiktivem Werk lassen das fiktive Werk fast real wirken. Durch Gregorius Suche nach der Vergangenheit des Autors wird auch dieser für den Leser greifbar. Sprachlich wunderschön, wenn auch manchmal nicht ganz einfach zu lesen, wurde ich dadurch in die Geschichte gezogen. Die eben schon erwähnte historische Geschichte um den Widerstand gegen das System, der Gregorius in Lissabon nachgeht und die ihn bis tief in die Revolution gegen die Salazar-Diktatur in Portugal führt, lehrte mich viele dunkle Ecken der portugiesischen Geschichte, die ich noch nicht kannte. Verschiedene Figuren erzählen ihren Teil der Geschichte, sodass sich ein komplexes Bild ergibt: Die eine Wahrheit gibt es nicht, alles ist tiefschichtig.

    Empfehlung
    Ich kann den Nachtzug nach Lissabon jedem empfehlen, der Sprache liebt, besonders Germanisten werden sicher ihre Freude daran haben! Aufgrund der Tiefschichtigkeit empfehle ich allerdings viel Ruhe und Gelassenheit beim Lesen, sonst fällt es sicher schwer, sich auf die besondere Erzählung einzulassen.


    Mehr Rezensionen auf meinem Blog unter www.leseninleipzigblog.wordpress.com

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    Livricieuxs avatar
    Livricieuxvor 9 Monaten
    Eine Reise zu sich selbst

    »Wann war jemand er selbst? Wenn er so war wie immer? So, wie er sich selbst sah? Oder so, wie er war, wenn die glühende Lava der Gedanken und Gefühle alle Lügen, Masken und Selbsttäuschungen unter sich begrub? Oft waren es die anderen, die beklagten, dass jemand nicht mehr er selbst sei. Vielleicht hiess es dann in Wirklichkeit: Er ist nicht mehr so, wie wir ihn gerne hätten?« (S.467)

    Kurz zum Inhalt
    Raimund Gregorius ist Lehrer für Latein, Griechisch und Hebräisch an einem Gymnasium in Bern. Er ist ein stiller, in sich gekehrter Mensch mit einem immensen Wissen über die alten Sprachen. Von seinen Schülern und den anderen Lehrern wird er darum sehr geschätzt.
    Eines Tages begegnet er einer Frau, die im strömenden Regen auf der Kirchenfeldbrücke steht und in die Tiefe blickt. Da liegt der Gedanke, sie könnte sich in die kalte Aare stürzen, nicht allzu fern, und so spricht Gregorius sie an. Schnell zeigt sich, dass die Frau nur Portugiesisch spricht. Dennoch dringt der Lehrer zu ihr durch und nimmt sie mit in seinen Unterricht, den sie bald darauf wieder verlässt.
    Diese Begegnung löst etwas in Raimund Gregorius aus, so dass er mitten in der Unterrichtsstunde das Schulzimmer, seine Bücher und Schüler verlässt und ziellos durch die Gassen der Stadt Bern streift. In einer kleinen Buchhandlung entdeckt er ein Büchlein von Amadeu de Prado und ist fasziniert von dessen Gedanken. Spontan beschliesst er darum den Nachtzug nach Lissabon zu besteigen und sich auf die Spuren dieses aussergewöhnlichen Mannes zu begeben.
    Diese Geschehnisse bilden die Ausgangslage für eine Reise in das Leben und Wirken von Amadeu de Prado, in die Zeit des Salazar-Regime und zu einer starken Liebe. Es wird aber auch eine Reise voller Selbsterkenntnisse und wunderbaren Begegnungen.

    Wie war es?
    Tja, dieses Buch lässt mich etwas unschlüssig zurück. Zum einen hat mich die Lektüre herausgefordert, da ich seit meiner Schulzeit eher weniger Literatur lese, die so stark ins Philosophische geht. Und ich muss gesehen, mancher Gedankengang war mir auch zu abstrakt. Allerdings waren es aber auch genau diese Gedankengänge und philosophischen Ausschweifungen, die dieses Buch so besonders machen.

    Nachtzug nach Lissabon erzählt die Geschichte zweier grundverschiedener Männer. Da wäre zum einen Raimund Gregorius, der Lehrer am Gymnasium, der in einfachen Verhältnissen in Bern aufwuchs, sich seinen Erfolg hart erarbeiten musste und sein einsames und etwas eintöniges Leben zwischen den Büchern mag. Trotzdem reist er wie aus dem Nichts in ein fremdes Land und versucht mehr über das Leben von Amadeu de Prado heraus zu finden. Dabei beginnt er sein Leben zu überdenken, sich zu reflektieren und Entscheidungen zu hinterfragen.
    Und dann ist da auch noch Amadeu de Prado, der Sohn eines adeligen Richters, der zur Zeit der Salazar-Diktatur lebt und nach dem Willen seines Vaters Arzt wird. Stets spürt er die Last der Verantwortung seinen Eltern gegenüber und beginnt sich und seine Entwicklung zu hinterfragen. Was macht uns zu dem, was wir sind. Seine Gedanken hält er schriftlich fest und dieses Buch fällt Gregorius später in die Hände. Anhand dessen rekonstruiert er das Leben des portugiesischen Arztes.
    So spielt die Handlung auf zwei Zeitebenen, die immer wieder durch verschiedene Stilmittel miteinander verbunden werden. Es finden sich immer wieder Prados Aufzeichnungen, Briefe und Erzählungen aus früherer Zeit wieder, die das hier und jetzt geschickt mit der Vergangenheit verknüpfen.

    Vor allem der Beginn des Buches fand ich richtig gut. Es ist spannend Gregorius dabei zu begleiten, wie er die unerwarteten Geschehnisse in Bern aufnimmt und darauf reagiert und schliesslich ganz untypisch für ihn in den Zug nach Lissabon steigt. Eine Schlüsselrolle dabei spielt – neben dem Buch von Prado natürlich – das portugisische Wort „Português“, dessen Klang ihn so sehr fasziniert, dass er diese Sprache unbedingt lernen möchte.

    »Gregorius sollte diese Szene nie vergessen. Es waren seine ersten portugisischen Wörter in der wirklichen Welt, und sie wirkten. Daß Worte etwas bewirkten, daß sie jemanden in Bewegung setzen oder aufhalten, zum Lachen oder Weinen bringen konnten: Schon als Kind hatte er es rätselhaft gefunden, und es hatte nie aufgehört, ihn zu beeindrucken.« (S.59)

    Dieser Einstieg macht Lust auf mehr, vermittelt Spontanität und eine Aufbruchsstimmung, die ansteckt. Allerdings wollte diese Spontanität nicht so recht zu Gregorius passen. Nach allem, was bisher im Buch erzählt wurde, schien er mit seinem Leben recht zufrieden zu sein und warum er so plötzlich nach Portugal abreisen musste, war mir nicht ganz klar. Vielleicht ahnte er da schon, dass noch viel mehr in ihm drin steckt, dass aber nur durch eine völlig neue Umgebung zum Vorschein kommen konnte. Auf jeden Fall ist es sehr spannend zu lesen, was mit ihm geschieht, sobald er seine Komfortzone verlassen hat und wie er sich fremden Leuten anvertraut.


    Meine vollständige Rezension gibt es auf dem Blog Livricieux zu lesen. 

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    Bookster_HROs avatar
    Bookster_HROvor einem Jahr
    Pascal Mercier | NACHTZUG NACH LISSABON

    INAHLT: Der Berner Lateinlehrer Raimund Gregorius steht nach einer mysteriösen Begegnung mit einer portugiesischen Unbekannten mitten im Unterricht einfach auf, verlässt die Klasse, die Stadt und das Land und macht sich auf nach Lissabon. Im Gepäck hat er die Aufzeichnungen eines gewissen Amadeu de Prado, deren Texte ihm bisher unbekannt waren, ihm aber so wichtig werden, dass er alles über diesen bemerkenswerten Schriftsteller erfahren will. In Lissabon folgt er einer Spur nach der anderen, bis sich ihm ein umfassendes Bild der Zeit des Salazar-Regimes eröffnet. Und auch Gregorius selbst macht tiefgreifende Veränderungen durch, die Seiten in ihm öffnen, von denen er vorher gar nichts wusste.

    FORM: Zunächst einmal – der Roman ist hocheloquent. Jeder Satz ist perfekt geschliffen, jedes Wort mit größter Sorgfalt gewählt. Mercier, im wirklichen Leben Philosophieprofessor, kann Sätze von wahrhaftiger Schönheit zu Papier bringen … aber leider war’s das dann auch schon. Die Figuren sind und bleiben flach und ihre Taten kaum nachvollziehbar, alles ist ebenso stocksteif wie die Hauptfigur Gregorius, der mir über die ganze Strecke von knapp 500 Seiten nicht einen Deut sympathisch wurde. Es fehlt vorn und hinten an Humor, oder zumindest an einer Art Lockerheit, die über den staubtrockenen Stoff hinweghilft. Selbst die wörtliche Rede klingt bei Mercier wie ein Leitartikel aus einer Philosophiezeitschrift.

    Das größte Manko jedoch: Man hört den Autor aus jedem Satz heraus! Ein guter Schriftsteller lässt seinen Leser vergessen, dass die Welt, in die er ihn eintauchen lässt, nur seinem Geist entsprungen ist. Bei Merciers Sätzen hatte ich immer dieses Bild vom edlen Professor im Kopf, in seiner Schreibstube mit Federkiel und Cognacschwenker. Als sei jeder Satz von Mercier signiert und gestempelt. Ich komme nicht umhin anzunehmen, dass dieser Mann sich selbst sehr gerne reden hört, was ihn mir (ohne dass ich das genau weiß (oder wissen will)), sehr unsympathisch macht. Diesen kurzen Texten Amadeu de Prados beispielsweise, die über das ganze Buch verstreut sind, ist die Autorenschaft so deutlich anzumerken, dass man sich fragt: Warum hat Mercier nicht einfach eine Sammlung seiner philosophischen Kurzprosa veröffentlicht? Warum musste er diesen ganzen Lissabon-Plot drum herumbasteln? Und wenn in dem Roman diese Texte dann (von Mercier selbst) auch noch »mit der Wortgewalt und stilistischen Eleganz Ciceros« verglichen werden, kommt mir vor Ekel die Galle hoch.

    FAZIT: Große Gedanken unterliegen großer Selbstverliebtheit – zwei Sterne.

    *** Diese und viele weitere Rezensionen könnt Ihr in meinem Blog Bookster HRO nachlesen. Ich freue mich über Euren Besuch ***

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    KarlNapetschnigs avatar
    KarlNapetschnigvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Der einzige Roman, den ich zweimal gelesen habe! Ein absolutes Meisterwerk. Der Ausflug eines Sachbuchautors in die Belletristik!
    Ein Lehrer bricht aus seinen gewohnten Bahnen aus.

    Dieser Roman hat mich von der ersten Zeile weg gefesselt. Die Suche nach dem Autor eines Buches führt den Protagonisten in die Vergangenheit und den Leser in eine Welt, die zu kennenlernen wünscht.
    Einige äußert unerwartete Wendungen lassen niemals Langeweile aufkommen und es bleibt bis zum Schluss die Frage offen, ob der Autor seinen Roman rund um ein literarisches Werk aus der Vergangenheit aufgebaut hat oder ob er sich auch den Inhalt dieses Klassikers nur ausgedacht hat.
    Absolut zu empfehlen und hoffentlich beglückt uns dieser Mann noch mit weiteren Ausflügen in die fiktive Schreibkunst.

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    raphael-edwards avatar
    raphael-edwardvor 2 Jahren
    Nachtzug nach Lissabon

    Inhalt:

    Das Leben des Lehrers für alte Sprachen, Raimund Gregorius, ändert sich an einem Tag ganz plötzlich, als er eine unbekannte Frau auf einer Brücke bei strömenden Regen mit einem Brief in der Hand sieht und bei der er den Verdacht hat, dass sie sich das Leben nehmen will. Er nimmt die junge Frau aus Portugal kurzer Hand mit in seinen Unterricht und obwohl sie ihn kurze Zeit später verlässt, hat sich für ihn alles verändert. Gregorius der abgesehen von seinem Studium Jahrzehnte in der Schule unterrichtet hat, die er einst selbst als Schüler besuchte, steht plötzlich auf und verlässt ohne ein Wort zu sagen seinen Unterricht. In einem Buchladen fällt ihm dann das Buch über das Leben des jungen Arztes Amadeo de Prado in die Hand, von seinen Worten tief bewegt, macht sich Gregorius kurzer Hand mit dem Nachtzug nach Lissabon auf die Spuren des beeindruckenden jungen Mannes, wobei er nicht nur viel über ihn erfährt, sondern vor allem über sich selbst.

    Autor:

    Pascal Mercier, 1944 in Bern geboren, ist Professor für Philosophie an der Freien Universität Berlin. Für sein Romanwerk wurde er mit dem Marie Luise Kaschnitz-Preis 2006 ausgezeichnet. Von ihm erschienen auch noch die Romane "Perlmanns Schweigen" und "Der Klavierstimmer".

    Meine Meinung:

    Der Roman hat mir gut gefallen, vor allem die Rückblicke des jungen Arztes Amadeo der für den Wiederstand gekämpft hat, haben mir gut gefallen, erinnern sie doch an den ganz jungen Ernesto Che Guevara.

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    Karin_Kehrers avatar
    Karin_Kehrervor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Starke Bilder, schöne Sprache. Voller Pathos und z.T. deprimierend!
    Ein Hauch von Melancholie


    Zwei Zufälle veranlassen den Lehrer für alte Sprachen, Raimund Gregorius, spontan den Unterricht zu verlassen und eine Zugreise nach Lissabon anzutreten: Die unverhoffte Begegnung mit einer Portugiesin, der Zauber, den ihre Sprache auf ihn ausübt und das Buch des Schriftstellers Amadeu Inácio de Prado, das ihm in die Hände fällt. Fasziniert von den Gedanken des „Goldschmieds der Worte“, der vor dreißig Jahren an einem Aneurysma starb, begibt Gregorius sich auf die Spuren dieses vielschichtigen Charakters, der auch Arzt und Widerstandskämpfer unter dem Regime Salazárs war.

    Raimund Gregorius – klug, einsam, eher behäbig – lässt spontan sein Leben hinter sich, um einem Schemen auf die Spur zu kommen. Schritt für Schritt erschließt sich ihm eine andere Gedankenwelt und das Leben dieses Mannes, dessen Leidenschaft ebenso wie seine die Sprache war. Das gequälte Genie zieht Gregorius in seinen Bann und die Faszination, die von dieser Figur ausgeht, erscheint durchaus plausibel. Auch als Leser wird man davon erfasst, lässt sich ein auf diese Suche, die erstaunlicherweise zu einem gewissen Erfolg wird. De Prado ist zwar seit dreißig Jahren tot, aber es gibt immer noch Menschen, die ihn kannten. Seine ältere Schwester Adriana zum Beispiel, der er das Leben rettete und die in ewiger Erinnerung und Verehrung erstarrt ist. Seine jüngere Schwester, die von all der Schwermut, die in der Familie herrschte, noch am wenigsten betroffen war. Oder sein engster Freund Jorge, dem er eine Apotheke schenkte. Der Kamerad aus der Widerstandsbewegung, der die Folter überlebte. Seine Freundin aus Jugendtagen. Gregorius trifft sie alle, trägt Erinnerungen zusammen an ein tragisches Leben.
    Ein Hauch von Melancholie schwebt ohnehin über der ganzen Geschichte, die von Vergangenheit, Alter und Zerfall geprägt ist. Die Sprache ist klar und kraftvoll, schafft intensive Bilder und man lässt sich zunächst gerne auf das Geschehen ein. 
    Doch etwa ab dem letzten Drittel beginnt diese seltsame Suche langatmig zu werden und man ertappt sich bei dem Wunsch, es wäre endlich vorbei damit. 
    Die Gedanken Amadeu de Prados – als Buch im Buch – wiederholen sich in ihrem Pathos. Stellenweise erinnern diese Abschnitte an einen verunglückten Coelho. Die depressive Stimmung verstärkt sich immer mehr. Dass Gregorius in seiner Akribie auch noch die letzte Person aufsucht, die Bedeutung für de Prado hatte, ist am Ende so unausweichlich wie spannungslos. Denn wozu soll eine derartige Suche auch führen? Warum sollte man einen Menschen verstehen wollen, der lange tot ist, den man selbst nicht einmal kannte? 
    Sicher, Gregorius hat neue Wege beschritten, sich aus seinem Alltagstrott befreit, aber letztendlich leidet seine Gesundheit und lässt das ganze Geschehen ad absurdum erscheinen. 
    Da kann auch die schöne Sprache nicht mehr verhindern, dass die Geschichte am Ende zerläuft. 

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    dots avatar
    dotvor 2 Jahren
    "Nachtzug nach Lissabon" von Pascal Mercier

    Der Roman "Nachtzug nach Lissabon" erzählt die Geschichte von Raimund Gregorius, einem Lehrer für Latein, Griechisch und Hebräisch eines Gymnasiums in Bern. Eines Tages verlässt Gregorius plötzlich den Unterricht und folgt den Worten eines Buches von Amadeu de Prado bis nach Lissabon. Auf seiner Reise begegnet er den vielen Menschen, die auf ganz unterschiedliche Weise von Amadeu geprägt wurden und ihn nie vergessen haben. [...]


    "Nachtzug nach Lissabon" ist eine philosophische Geschichte über die Suche nach sich Selbst mit interessanten Charakteren, die zum Nachdenken anregt, allerdings nach Beenden des Buches nicht sehr abgeschlossen wirkte.

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    101844s avatar
    101844vor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Ein unbedingtes Lese-Muss! Tiefgreifend, sensibel, philosophisch und packend bis zum Schluss.
    Eine tiefgreifende Reise ins Ich

    Sensibel und souverän führt Pascal Mercier den Leser durch eine philosophische Reise zu den existenziellen Ängsten des Menschen. Die Bewusstmachung der Endlichkeit aber auch das Festgefahrensein im Alltagstrott werden im "Nachtzug nach Lissabon" liebevoll beleuchtet. Zur persönlichen Identifikation bieten sich neben dem Hauptprotagonisten noch zahlreiche weitere Protagonisten an. Ob nun der unauffällige Gregorius, der verzweifelt tiefgründige Amadeu, die verbitterte Schwester desselben oder die faszinierende Estefania Espinhosa...in jeder/m stecken ganz eigene Sehnsüchte und Ängste mit denen man als Leser vertraut wird. Es ist des Weiteren eine Reise in die Sprachen; lateinisch, griechisch, hebräisch, deutsch, englisch und natürlich portugiesisch. Am Ende bleibt die Frage nach dem Sinn des Lebens und der Bedeutung von Angst. 

    Ein fantastisches Buch, das zum Nachdenken anregt. Kaum aus der Hand zu legen und mit langem Nachklang. 

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    tragalibross avatar
    tragalibrosvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Schrecklich langatmig, uninteressant und ohne jegliche Handlung.
    Rezension zu "Nachtzug nach Lissabon" von Pascal Mercier

    Der Lehrer Raimund Gregorius verlässt völlig unerwartet eines Tages den Unterricht und reist nach Lissabon, um dort den Spuren eines Schriftstellers zu folgen.
    Auf seiner Reise trifft er auf viele unterschiedliche Charaktere, doch alle haben sie eine Verbindung zu dem geheimnisvollen Autor.
    Während er das Leben des Mannes nachverfolgt und hinterfragt, beginnt Gregorius auch über sein Leben nachzusinnen.

    Dieser hochgelobte Roman, den man laut der Zeitschrift 'Die Welt' "(...) atemlos liest" und "kaum aus der Hand legen kann.", hat mich absolut gar nicht ansprechen können.
    Ich habe aufgrund des Klappentextes eine interessante Suche nach dem eigenen Selbst erwartet und wurde sehr enttäuscht.

    Im Grunde handelt es sich bei diesem Roman um furchtbar philosophische Ausschnitte aus dem Buch des oben angesprochenen geheimnisvollen Autoren. Über die angebliche Hauptfigur wird sich eher wenig gekümmert, da er auf fast 500 Seiten nur an das Leben eines anderen denkt, es erforscht und dabei sich selbst vollkommen vernachlässigt.

    Ich muss sagen, ich habe mich gequält. Jeder Charakter, welcher in diesem Buch auftaucht, wird bis in Kleinste analysiert und bewertet, was den Roman unendlich lang erscheinen lässt.
    Ellenlange Ortsbeschreibungen machen dieses Manko nicht besser. Zudem kommen viele spanische, portugisiche und griechische Worte hinzu, die aber selten ins Deutsche übersetzt werden, sodass man eigentlich ein Wörterbuch benötigt, um teilweise den Sinn eines Satzes wirklich zu verstehen.

    Fazit:
    Mir hat dieses Buch nicht gefallen. Es gab in meinen Augen keine richtige Handlung, die Hauptperson verlor sich förmlich in dem Leben eines anderen, verstorbenen Menschen. Interessantes oder gar Spannendes habe ich vergeblich gesucht.

    Für Fans von tiegründig philosophischen Texten ist es vermutlich genau das richtige Buch, ich fand es leider einfach nur anstrengend.

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    Herbstroses avatar
    Herbstrosevor 2 Jahren
    Von Liebe und Freundschaft, Endlichkeit und Tod …


    Die flüchtige Begegnung mit einer Portugiesin gab dem 57jährigen Raimund (genannt Mundus) Gregorius, Gymnasiallehrer für Latein, Griechisch und Hebräisch, den Anstoß, mitten im Unterricht seine Klasse zu verlassen. Ziellos streift er durch Bern und entdeckt dabei in einem Antiquariat ein dünnes Büchlein in portugiesischer Sprache, das 1975 in Lissabon erschienen ist und von Amadeu de Prado verfasst wurde. Zwar kann er kein Wort portugiesisch und somit das Buch gar nicht lesen, aber er ist von den wenigen Sätzen, die der Buchhändler ihm vorliest, sehr beeindruckt. Die Worte passen genau zu ihm, dieses Buch ist wie für ihn geschrieben. Umgehend kauft er einen portugiesischen Sprachkurs für Anfänger und beschließt, den Inhalt des Buches mit dem schönen Titel „Ein Goldschmied der Worte“ zu ergründen und den Spuren des Verfassers zu folgen. Den restlichen Tag und die folgende Nacht übersetzt er Satz für Satz – am nächsten Morgen steigt er mit dem Buch im Gepäck in den Zug nach Lissabon …

    War ich anfangs noch von der Handlungsweise des Protagonisten Gregorius gefesselt und von den wohl dosiert eingefügten Übersetzungen der Texte des portugiesischen Buches begeistert, so machte sich später leider bei mir mehr und mehr Unverständnis breit. Gregorius‘ Verhalten wurde immer seltsamer und unmotivierter und die Passagen aus Prados Buch immer länger und philosophischer. Manche Abschnitte musste ich zwei oder dreimal lesen, um dann einigermaßen hinter den Sinn zu kommen. Da half auch der ständige Wechsel zwischen Gregorius‘ Nachforschungen und dem Leben Prados‘ (was beim Lesen sehr viel Aufmerksamkeit erfordert) nichts mehr – die Geschichte wurde für mich immer verworrener, die Spannung blieb auf der Strecke. Hinzu kamen die vielen zusätzlichen Protagonisten mit fremdländisch klingenden Namen und die manchmal bis ins kleinste Detail beschriebenen Örtlichkeiten.
    Interessant jedoch war für mich der Vergleich zwischen den beiden Hauptprotagonisten. Im Jahr 2004 lebt Gregorius, der eigenbrötlerische geschiedene Lehrer aus Bern, der gerne alles Fremde meidet und dennoch in ein fremdes Land fährt und dabei sein bisheriges Leben infrage stellen muss. Amadeu, der im portugiesischen Lissabon zur Zeit der Salazar-Diktatur lebte und ein allseits beliebter Arzt war, bis er eines Tages das Leben des berüchtigten Geheimdienstoffiziers Mendes rettete. Er schloss sich dann dem Widerstand an und lernte dort seine große Liebe kennen. Schritt für Schritt, einem Puzzle gleich, erforscht Gregorius dessen Leben. Dazu trifft er sich mit Familie, Freunden und ehemaligen Weggefährten von Amadeu. Manche dieser Begegnungen sind sehr emotional und einzelne Passagen auch wunderschön formuliert, dennoch lässt mich das Buch etwas ratlos und unzufrieden zurück. Das liegt vielleicht auch daran, dass ich, nachdem ich bis zum Ende durchgehalten habe, natürlich gerne noch etwas über Gregorius‘ Gesundheitszustand, über den immer wieder spekuliert wurde, erfahren hätte. Doch leider endet das Buch, als sich die Kliniktür hinter Gregorius schließt.

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    Gespräche aus der Community zum Buch

    Neu
    Liebe Lovelybooks-Nutzer,

    wir verlosen zum DVD- und Blu-ray-Start von NACHTZUG NACH LISSABON am 30. September 2013 zwei Fanpakete. Das erste Fanpaket enthält eine DVD und den Roman, das zweite eine Blu-ray und den Roman. 

    Falls Ihr gewinnen wollt, schickt uns bis 30. September 2013 24 Uhr einfach eine E-Mail mit Eurem Namen, Eurer Postadresse und dem Betreff "Nachtzug Lovelybooks-Gewinnspiel" an nachtzug@aim-pr.de. Bitte vergesst auch nicht uns mitzuteilen, ob Ihr das Fanpaket mit der DVD oder der Blu-ray haben wollt.

    Die zwei Gewinner werden unter allen Teilnehmern ausgelost und am 1. Oktober hier bekannt gegeben. Teilnehmer, die mehrere E-Mails schicken, werden vom Losverfahren ausgeschlossen.

    Kurzinhalt des Films:
    Der Lehrer Raimund Gregorius ist ein Gewohnheitsmensch, dessen Leben in geordneten Bahnen verläuft. Doch eines Tages wird sein Alltag unvermittelt durcheinander gebracht, als er auf dem Weg zur Arbeit eine junge Portugiesin vor dem Selbstmord bewahrt. In der Manteltasche der mysteriösen Fremden findet er ein Buch, dessen Autor Amadeu de Prado ihn zutiefst fasziniert. Zwischen den Seiten des Buches entdeckt Raimund
    außerdem ein Zugticket nach Lissabon. Er folgt einer spontanen Eingebung, steigt in den Zug und begibt sich in Lissabon auf die Suche nach Amadeu. Doch je mehr er über den Arzt, Poeten und Philosophen erfährt, desto mehr nähert sich Raimund auch seinem eigenem Selbst. 

    Mehr zum Film erfahrt Ihr auch auf www.facebook.com/nachtzug.derfilm
    Zur Buchverlosung
    hauptsachebunts avatar
    Wie die meisten von Euch sicherlich wissen, ist das Buch Nachtzug nach Lissabon verfilmt worden und läuft ab dem 07. März im Kino. Für mich ist so eine Literaturverfilmung immer ein willkommener Anlass doch endlich mal das Buch in die Hand zu nehmen.
    Wer von Euch also Lust hat gemeinsam das Buch zu lesen ist in dieser Runde herzlich willkommen. Los geht es am 02.03.2012, wobei ein späterer Einstieg natürlich kein Problem ist. Auch diejenigen, die sich den Film nicht im Kino ansehen möchten, dürfen selbstverständlich mitlesen.
    Ich freue mich auf einen regen Austausch mit Euch und hoffe, dass wir uns gemeinsam von diesem Buch verzaubern lassen können.
    Zur Leserunde
    unfabulouss avatar
    In der SuB-Abbau-Gruppe 2012 haben sich ein paar Lesewillige gefunden, die gemeinsam das Buch "Nachtzug nach Lissabon" von Pascal Mercier lesen wollen.
    Vielleicht hat ja noch jemand Lust, das Buch gemeinsam in einer Leserunde zu lesen?
    Wir wollen mit der Leserunde am Freitag, 01.06. starten.

    Die interessierten Teilnehmer aus der SuB-Abbau-Gruppe 2012 sind:
    kanemabe
    kornmuhme
    Kristin84
    Maggi
    unfabulous

    unfabulouss avatar
    Letzter Beitrag von  unfabulousvor 6 Jahren
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