Pascale Kramer

 4,4 Sterne bei 5 Bewertungen

Lebenslauf von Pascale Kramer

Pascale Kramer, 1961 in Genf geboren, hat zahlreiche Romane veröffentlicht, für die sie mehrfach ausgezeichnet wurde. Aufgewachsen in Lausanne, verbrachte sie einige Jahre in Zürich und ging 1987 nach Paris, wo sie auch heute lebt und arbeitet. Mit ihrem vierten Roman *Die Lebenden* (Prix Lipp Suisse), 2000 in Frankreich und 2003 erstmals auf Deutsch in der Übersetzung von Andrea Spingler erschienen, kam der literarische Durchbruch. Im Rotpunktverlag liegt außerdem *Die unerbittliche Brutalität des Erwachens* (2013) vor, für den ihr der Schillerpreis, der Prix Rambert und der Grand Prix du roman de la SGDL zuerkannt wurde. 2017 konnte Pascale Kramer mit dem Schweizer Grand Prix Literatur erstmals eine Auszeichnung für ihr Gesamtwerk entgegennehmen.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Pascale Kramer

Cover des Buches Die unerbittliche Brutalität des Erwachens (ISBN: 9783858695550)

Die unerbittliche Brutalität des Erwachens

 (2)
Erschienen am 08.09.2013
Cover des Buches Autopsie des Vaters (ISBN: 9783858697592)

Autopsie des Vaters

 (1)
Erschienen am 07.08.2017
Cover des Buches Die Lebenden (ISBN: 9783858697448)

Die Lebenden

 (1)
Erschienen am 08.02.2017
Cover des Buches Eine Familie (ISBN: 9783858698445)

Eine Familie

 (1)
Erschienen am 02.10.2019
Cover des Buches Abschied vom Norden (ISBN: 9783716023679)

Abschied vom Norden

 (0)
Erschienen am 01.02.2007

Neue Rezensionen zu Pascale Kramer

Cover des Buches Die unerbittliche Brutalität des Erwachens (ISBN: 9783858695550)
AlmaRamsdens avatar

Rezension zu "Die unerbittliche Brutalität des Erwachens" von Pascale Kramer

verstörend und dennoch oder gerade deswegen höchst lesenswert
AlmaRamsdenvor einem Jahr

Die junge Alissa ist der Aufgabe als frischgebackene Mutter nicht gewachsen und vereinsamt zunehmend, während ihr Mann sich immer mehr zurückzieht; eine Abwärtsspirale beginnt, die letztendlich zur Tragödie führt.

Obwohl mich weder Titel noch Cover angesprochen haben, habe ich das Buch dann doch gekauft, weil mich das Thema interessiert. Einmal angefangen, konnte ich es dann kaum zur Seite legen, auch wenn es mich bei der Lektüre schmerzte. Einfühlsam und gleichzeitig unglaublich nüchtern lesen sich die Zeilen der mir bisher unbekannten Schweizer Autorin. Diese Mischung machen es für den Leser fast unerträglich, die Zerschlagung der Illusion der glücklichen Mutter mitzuerleben, während er gleichzeitig bis zur letzten Seite bange hofft, dass es noch zu einem guten Ende kommen wird. Ein höchst lesenswertes Buch für alle, die sich auf das leider immer noch stark tabuisierte Thema postnatale Depression einlassen möchten.

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Cover des Buches Die Lebenden (ISBN: 9783858697448)
Susanne_Probsts avatar

Rezension zu "Die Lebenden" von Pascale Kramer

Ein verhängnisvoller Besuch mit unfassbaren Folgen...
Susanne_Probstvor 2 Jahren

Der 17-jährige Benoît freut sich, als im Mai endlich seine fast 25-jährige Schwester Louise mit ihrem Mann Vincent und ihren beiden Kindern, dem achtjährigen Fabien und dem etwas jüngeren Luc, für ein paar Tage zu Besuch ins Elternhaus kommen.


Benoît und seine hinreißende und hübsche Schwester, die schon mit 16 Jahren Mutter geworden ist und ihre Söhne liebevoll, geduldig und gutmütig erzieht, haben nach wie vor eine innige emotionale Verbindung, obwohl sie sich nur noch selten sehen.


Mit ihrem Mann Vincent scheint die anspruchslose und nachsichtige, noch sehr unreife Louise nicht das große Los gezogen zu haben. Er ist unzufrieden mit seinem Schicksal, überwiegend schweigsam, herablassend, gereizt und schroff.


Die Mutter von Louise und Benoît, die sich vor ca. 9 Jahren, also kurz vor dem „Schlamassel mit Louises Schwangerschaft“, von ihrem Mann, dem Vater der Geschwister, getrennt hat, hat ihren Unmut über die frühe Schwangerschaft Louises und deren Weigerung, abzutreiben, immer noch nicht begraben, so dass sie auch bei diesem seltenen Besuch der jungen Familie nur gebremst freundlich entgegentritt und wenig zugänglich ist.


Eines Nachmittags machen Benoît und Louise mit den beiden Jungs einen Ausflug zur stillgelegten Kiesgrube. 


Während Louise auf einer Wiese ein Sonnenbad nimmt, langweilen sich Benoît, Fabien und Luc.

Die drei „Jungs“ haben schließlich Spaß bei einer Rutschpartie auf den Steinen des Abhangs und als der junge Onkel seinen beiden Neffen vorschlägt, über die Leiter auf eine Verladeplattform zu klettern, sind diese hellauf begeistert.


„... da kam Benoît ... auf die Idee, sie in einer der Seilbahngondeln hinunterfahren zu lassen wie die Tonnen von Kies, die er früher im staubigen Nebel, in dem die Schaufelbagger stocherten und den Hügel aushöhlten, vorüberschweben sah.“ (S. 23)


Er hebt die Jungs also in die kleine Gondel, die direkt über der Platform an einem Seil hängt, das in zwei Metern Abstand vom Boden über die ganze Länge der Kiesgrube und über den Fluss hinweg verläuft und setzt das Gefährt in Bewegung.

Die Talfahrt beginnt und das Unglück nimmt seinen Lauf...


Schon auf den ersten Seiten spürt man das nahende Unheil, man will es verhindern, man würde am liebsten schreien „Nein! Nicht in die Gondel!“...und dann stockt einem der Atem.


Es gelingt Pascale Kramer spielend, die anfangs bedrohliche, später bedrückende und von Aggressivität, Verzweiflung, Ratlosigkeit und Trauer geschwängerte Atmosphäre zu vermitteln.

Ihr Einfall, die Atmosphäre mit der portugiesischen Fadomusik in Verbindung zu bringen bzw. zu vergleichen ist einfach nur brillant!

„Fado“ ist das portugiesische Wort für „Schicksal“ und diese Melodien sind durchdrungen von Melancholie und Sehnsucht. 

Nichts für depressive Menschen!


Pascale Kramer ist eine aufmerksame Beobachterin die das Beobachtete psychologisch genau, feinfühlig, und anschaulich formuliert. 

Mit ihrer eindringlichen und bildhaften Sprache beschreibt sie ungeschönt die inneren und äußeren Prozesse nach dem Schicksalsschlag.

Viele ihrer Formulierungen gefielen mir so gut, dass ich sie mehrmals gelesen habe.

Hier ein paar Beispiele:


„Benoît konnte allein am Tonfall seiner Mutter, der harsch war vor Angst und Gewissensbissen, ablesen, in welchem Augenblick Luises Aufmerksamkeit nachließ wie ein sich lockerndes Tau.“ (S. 45)


„Es war erstaunlich, wie das Leben in ihr gegen das Unglück kämpfte und wie eindrucksvoll das Unglück dadurch wurde.“ (S. 49)


„Unter der phänomenalen Gesundheit ihres schlanken Körpers, ihrer samtigen Wangen, ging ihre Seele verloren.“ (S. 51)


„... dass er gezwungen war, sich in einem neuen Leben voranzutasten, von dem er weder die Regeln noch den Ausgang kannte und das für ihn gewiss nie mehr würde friedlich sein können.“ (S. 52)


„Vincent und er standen jetzt auf einer Seite, zornig im Unglück und neidisch auf das Glück der Anderen.“ (S. 54)


„Benoît hatte wieder dieses Gefühl, dass sie in sich selbst ertrank und dass ihre Worte Luftblasen waren, die wie durch ein Wunder bis zu Ihnen aufstiegen.“ (S. 55)


... ich könnte noch viele viele weitere solcher literarischer Leckerbissen anführen, aber letztlich möchte ich jedem, der etwas Besonderes lesen möchte, die Lektüre des ca. 170-seitigen Meisterwerks empfehlen.


Die 1961 in Genf geborene Pascale Kramer schreibt über ein unfassbares Drama.

Aus Unbedachtheit, Leichtsinn, Übermut und Sorglosigkeit wird eine Fehlentscheidung getroffen, die das Leben aller Beteiligten grundlegend verändert. 

Es geht in ihrem Roman „Die Lebenden“ um Verantwortung, Wahrheit oder Notlüge, Verleugnung, Gewissen, Schuldgefühle, Umgang mit Trauer, Verarbeitung von Schicksalsschlägen und es wird auch die Frage aufgeworfen, ob man nach so einer beispiellosen Katastrophe weiterleben und wieder glücklich sein darf und kann.


Neben meiner Faszination tauchten auch noch andere Gefühle auf: Verwunderung, Fassungslosigkeit und Empörung.

Ich fragte mich irgendwann ständig, warum in dieser Phase der maximalen Überforderung niemand auf den Gedanken kam, professionelle Hilfe ins Boot zu holen. Ausharren, Ablenkung und Betäubungsmittel können einfach nicht die Lösung sein!


Ich habe mir viele Gedanken darüber gemacht, warum nicht einmal die Mutter von Benoît und Louise irgendwann auf die Idee kam, psychiatrische und psychotherapeutische Unterstützung einzuholen. 

Der Roman erschien 2000 in der französischen Originalausgabe und ich denke, er spielt auch um diese Zeit herum. 

Damals wusste man schon um die Sinnhaftigkeit und Notwendikeit therapeutischer Unterstützung. 

Die Bevölkerung war schon darüber aufgeklärt. 

War es die dörfliche Umgebung? War es der Anspruch, es selbst zu meistern? 

War es die Scham vor dem Eingeständnis, es nicht alleine zu bewältigen?

Letztlich kann ich als Psychoanalytikerin nicht wirklich nachvollziehen, warum sich Frau Kramer dafür entschied, Profis bei dieser menschlichen Tragödie außen vor zu lassen.


Nachdem der Roman zu Beginn eine Wucht war und mich wie ein Donnerschlag in seinen Bann zog, ließ meine Begeisterung gegen Ende etwas nach. 

Die Gründe? 

Die eben erwähnte Unstimmigkeit und das völlig unvorhergesehene, verblüffende, teilweise offene und unbefriedigende Ende. 

Aber der zweite Grund ist kein objektiver Makel, das möchte ich betonen! Ich habe mir schlicht einen anderen Ausgang vorgestellt oder gewünscht.


Aber nichtsdestotrotz: Das ist Mäkeln auf hohem Niveau.


Der Roman ist unbedingt lesenswert und weil Pascale Kramer, die 2017 den Schweizer Grand Prix Literatur erhielt, mich mit ihrer Art zu schreiben überzeugt hat, habe ich mir bereits ihren mehrfach preisgekrönten Roman „Die unerbittliche Brutalität des Erwachens“ zugelegt.


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Cover des Buches Autopsie des Vaters (ISBN: 9783858697592)
W

Rezension zu "Autopsie des Vaters" von Pascale Kramer

Mit einem wunderbaren Gespür für feine „Zwischentöne, des beredeten Schweigens, der non-dits“
WinfriedStanzickvor 5 Jahren



Die in Paris lebende und 2017 mit dem Schweizer Grand Prix Literatur 2017 ausgezeichnete Schweizer Autorin Pascale Kramer erzählt in ihrem neuen Roman „Autopsie des Vaters“ von einer schwierigen Beziehung zwischen einer Tochter und ihrem Vater aus der Perspektive der Tochter. Mit einem wunderbaren Gespür für feine „Zwischentöne, des beredeten Schweigens, der non-dits“ (aus der Preisbegründung) erzählt Ania von ihrer Beziehung zu ihrem Vater, den sie kurz vor dessen Selbstmord noch einmal trifft.

Der Vater, Gabriel, der früher ein engagierter linker Radiojournalist und Intellektueller war, hat seien Tochter allein großgezogen, nachdem seine Frau gestorben war. Überfordert von dieser Aufgabe, wollte Gabriel lange Zeit keine weitere Beziehung eingehen. Seine Tochter wird ihm immer fremder, je erwachsener sie wird. Sie hat sich anders entwickelt, als er hoffte. Sie ist keine Intellektuelle geworden wie er, was ihn enttäuscht.

Als sie sich dann in einen Muslim verliebt und Mutter wird, wird die Distanz zwischen beiden riesengroß. Zumal Gabriel in seinem kleinen Dorf den Mörder eines Migranten verteidigt hat und auch sonst viel rechtes Gedankengut von sich gibt.

Pascal Kramers Roman "Autopsie des Vaters" beginnt mit einem Besuch beim Vater. Die Tochter und der inzwischen 6jährige  Enkel besuchen ihn  nach einer langen Zeit der Distanz  in seinem Haus. Sofort brechen bei Ania alte, schon vergessen geglaubte Verletzungen wieder schmerzhaft auf. Sensibel und ehrlich erinnert sie sich und beschreibt eine eigentlich schon immer misslungene Beziehung
Es soll die letzte Begegnung sein: Am Abend begeht Gabriel Selbstmord. Wohl das Eingeständnis des eigenen Scheiterns. Ob das der Tochter und ihrem Kind weiterhilft, bleibt offen.





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