Pat Barker

 3.8 Sterne bei 28 Bewertungen
Autor von Der Eissplitter, Tobys Zimmer und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Pat Barker

Sortieren:
Buchformat:
Tobys Zimmer

Tobys Zimmer

 (3)
Erschienen am 13.02.2014
Das Gegenbild

Das Gegenbild

 (2)
Erschienen am 01.11.2001
Das Auge in der Tür

Das Auge in der Tür

 (1)
Erschienen am 01.08.2000
Niemandsland-Trilogie

Niemandsland-Trilogie

 (0)
Erschienen am 17.07.2003

Neue Rezensionen zu Pat Barker

Neu
Orishas avatar

Rezension zu "Tobys Zimmer" von Pat Barker

Die Schrecken des Krieges
Orishavor 2 Jahren

Elinor und Toby sind unzertrennlich, sie sind Geschwister, sie lieben sich. Es ist 1912, Elinor ist auf dem Weg nach London um an der Slade Kunst zu studieren; Toby, ihr Bruder, studiert Medizin. Schon immer waren sie unzertrennlich und nun beginnt ein neuer Lebensabschnitt, der sie auf die Probe stellt.

Jahre später, der Erste Weltkrieg ist im vollen Gange, Elinor hat ihr Studium hinter sich und Toby ist an der Front. Und eines Tages kommt dann die Nachricht: Toby ist vermisst, vermutlich gefallen. Eine Aussage, wie viele sie erhalten haben werden und eine Aussage, die Elinor nicht stehen lassen kann. Sie muss wissen was geschehen ist und ein Recherche beginnt, die nach und nach die Wahrheit ans Licht zerrt.

Barkers Roman, für den Walter Scott Prize nominiert, ist stark. Stark an Charakteren, stark an historischer Genauigkeit, stark in seiner Geschichte. Besonders die historische Genauigkeit hat mich beeindruckt, so sind historische Ereignisse (Erster Weltkrieg, die Umbenennung George V. von Sachsen-Coburg und Gotha in den Namen Windsor), Personen (Virginia Woolf, Vanessa Bell und die Bloomsbury-Gruppe) und Orte (Slade, Queen’s Mary Hospital) nicht nur genau benannt, sondern handelnde Charaktere, wie Henry Tonks oder der Arzt Gillies an realen Personen orientiert. Gleichzeitig verwebt Barker moralisch-ethische, künstlerisch-ästhetische Aspekte mit diesen historischen Gegebenheiten. Das gibt dem Buch eine Aussagekraft, die ihresgleichen sucht, da sie zwischen Fiktion und Realität changiert.

Letzteres hat Barker auch in Kit Nevilles (ein Freund Elinors) Morphium-durchtränkten Träumen, die eben auch zwischen beiden Welten hin und herschwanken, großartig und für mich bisher einzigartig umgesetzt. Die Charaktere sind tiefgründig, grundverschieden, sie reiben sich und wachsen aneinander – wie sie es nur in einer wirklich guten Geschichte vermögen.

Und schließlich ist dieses Buch eine Hommage an Virginia Woolf und ihr Werk „Jacobs room“, in dem ebenfalls ein Bruder in den Wirren des Ersten Weltkriegs verschwindet.

Fazit: Für mich definitiv ein Highlight dieses jungen Jahres. Sprachlich und inhaltlich großartig. Unbedingt lesen!

Kommentare: 1
95
Teilen

Rezension zu "Tobys Zimmer" von Pat Barker

Gesichter des Krieges
Ein LovelyBooks-Nutzervor 5 Jahren

Der erste und kürzere Teil des Romans ist im Jahr 1912 angesiedelt. In diesem werden die Figuren eingeführt, die den Leser durch die gesamte Handlung auf aktive oder passive Weise begleiten. Elinor und Toby sind Geschwister. Sie stammen aus gutem Haus stehen und sich gefühlsmäßig so nah, schier unzertrennlich, fast wie Zwillinge. Beide bewahren das Geheimnis einer gemeinsamen Nacht.

Elinor besucht eine Londoner Kunstschule und belegt zusätzlich einen Anatomiekurs. Toby erfüllt seine Pflicht im Royald Army Medical Corps an der Front in Frankreich, bis eines Tages im Jahr 1917 die Nachricht „Vermisst, vermutlich gefallen“ die Familie Brooke darüber in Kenntnis setzt, dass der Sohn und Bruder nicht mehr heimkehren wird. Dieser Verlust schmerzt Elinor maßlos und sie sucht in der Kunst Vergessen. So nimmt sie nach längerem Zögern, sie will nichts mit dem Krieg zu tun haben, das Angebot ihres ehemaligen Dozenten Henry Tonks an, ihm, dem Chirurgen und Maler, bei der zeichnerischen Dokumentation der verstümmelten Gesichter der Soldaten zu assistieren.

Auf diese Weise kommt sie auch Kit Neville, dem ehemaligen Kommilitonen näher, der als einziger in Tobys Nähe war, aber über die Geschehnisse schweigt. Aber Elinor muss wissen, was geschehen ist.

Mit „Tobys Zimmer“ greift Pat Barker ein Thema neu auf, das bereits Kern ihrer „Regeneration-Trilogie“ war – der Erste Weltkrieg. Die Autorin schildert jedoch weniger das Kriegsgeschehen an sich, sie zeigt auf, was der Krieg mit den Menschen gemacht hat, wie er sich auf sie ausgewirkt hat. Sie beschreibt grauenvolle Gesichtsverletzungen, die Versuche diese zu behandeln und die Behandlungsverläufe zeichnerisch festzuhalten. Henry Tonk und auch die sogenannte „Blechnasenabteilung“ hat es wirklich gegeben. Pat Barker setzt ihnen mit ihrem Roman ein Denkmal.

Geschickt baut sie einen Spannungsbogen auf, so dass es dem Leser schwerfällt sich von dem Roman loszureißen. Man fühlt, leidet und trauert mit, man versteht und kann tief in die Seelen der vom Krieg gezeichneten Menschen blicken, egal ob sie selbst im Krieg waren oder zu den Daheimgeblieben gehören.

„Tobys Zimmer“ hat aber im englischen Original noch eine Vorgeschichte, denn es ist eigentlich die Fortsetzung von „Life Class“. Ich hoffe sehr, dass dieser Roman auch noch den deutschen Lesern zugänglich gemacht wird.

Pat Barkers Roman „Tobys Zimmer“ ist nicht nur vom Inhalt ein hervorragendes Werk, er ist auch noch äußerst schön anzusehen. Ohne den üblichen Schutzumschlag, sozusagen schutzlos, nur mit einem farbigen, gut in die Zeit passenden Foto auf dem Buchdeckel präsentiert es sich dem Leser.

„Tobys Zimmer“ ist ein eindringliches und bewegendes Buch, in dem der Krieg die Handlung nie vordergründig bestimmt, ihr aber die grundlegende Richtung gibt.

Kommentare: 1
6
Teilen
ophelia_fays avatar

Rezension zu "Das Gegenbild" von Pat Barker

Rezension zu "Das Gegenbild" von Pat Barker
ophelia_fayvor 8 Jahren

*Nick und Fran haben eine alte Villa gekauft für ihre zusammengewürfelte Familie. Aber auch im neuen Haus ist das Zusammenleben alles andere als harmonisch. Als sie dann ein schockierendes Wandgemälde aus viktorianischer Zeit freilegen, scheint die Vergangenheit mit grausamer Unausweichlichkeit nach der Familie zu greifen ..."

Von diesem Text auf der Rückseite habe ich mir dann doch eine völlig andere Geschichte erwartet als die, die ich zu lesen bekam. Entweder der Text auf der Rückseite oder aber das Buch ist eine komplette Themaverfehlung.

Dennoch eine nette Geschichte, auch wenn sie dem Erwarteten nicht entspricht.

Kommentieren0
11
Teilen

Gespräche aus der Community

Neu

Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Community-Statistik

in 44 Bibliotheken

auf 4 Wunschlisten

von 1 Lesern aktuell gelesen

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach

Hol dir mehr von LovelyBooks