Pat Barker Tobys Zimmer

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Inhaltsangabe zu „Tobys Zimmer“ von Pat Barker

Elinor und Toby sind Schwester und Bruder, Freunde und engste Vertraute. Im Jahrhundertsommer 1912 verbringen sie eine Nacht gemeinsam in Tobys Zimmer. Ihr Geheimnis nimmt Elinor später mit an die Slade School of Fine Art in London, wo sie Kunst studiert, während Toby im Royal Army Medical Corps in den Schützengräben Frankreichs dient. 1917 wird Toby als 'Vermisst, vermutlich gefallen' gemeldet. Elinor stürzt in tiefe Trauer. Sie schließt sich als Assistentin dem Künstler und Chirurgen Henry Tonks an und beginnt, für ihn die zerstörten Gesichter von Soldaten zeichnerisch zu dokumentieren. In Tonks’ Umfeld erwartet sie Aufschluss über Tobys Tod. 'Sie verbrachte alle Tagstunden damit, in der Scheune auf der anderen Hofseite zu malen, zog sich in der Abenddämmerung ins Haus zurück und vergaß häufig zu essen. Nachts schlief sie in Tobys Zimmer. Das Malen betäubte den Schmerz, nichts sonst.' 'Tobys Zimmer – ein Echo auf Virginia Woolfs Roman Jacobs Zimmer – handelt vom Verlust des geliebten Bruders und davon, wie Kunst mit den Schrecken des Krieges umgehen kann. Oder soll.' Hermione Lee, The Guardian

Für mich definitiv ein Highlight. Sprachlich und inhaltlich großartig. Unbedingt lesen!

— Orisha
Orisha

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  • Die Schrecken des Krieges

    Tobys Zimmer
    Orisha

    Orisha

    19. January 2017 um 18:21

    Elinor und Toby sind unzertrennlich, sie sind Geschwister, sie lieben sich. Es ist 1912, Elinor ist auf dem Weg nach London um an der Slade Kunst zu studieren; Toby, ihr Bruder, studiert Medizin. Schon immer waren sie unzertrennlich und nun beginnt ein neuer Lebensabschnitt, der sie auf die Probe stellt. Jahre später, der Erste Weltkrieg ist im vollen Gange, Elinor hat ihr Studium hinter sich und Toby ist an der Front. Und eines Tages kommt dann die Nachricht: Toby ist vermisst, vermutlich gefallen. Eine Aussage, wie viele sie erhalten haben werden und eine Aussage, die Elinor nicht stehen lassen kann. Sie muss wissen was geschehen ist und ein Recherche beginnt, die nach und nach die Wahrheit ans Licht zerrt. Barkers Roman, für den Walter Scott Prize nominiert, ist stark. Stark an Charakteren, stark an historischer Genauigkeit, stark in seiner Geschichte. Besonders die historische Genauigkeit hat mich beeindruckt, so sind historische Ereignisse (Erster Weltkrieg, die Umbenennung George V. von Sachsen-Coburg und Gotha in den Namen Windsor), Personen (Virginia Woolf, Vanessa Bell und die Bloomsbury-Gruppe) und Orte (Slade, Queen’s Mary Hospital) nicht nur genau benannt, sondern handelnde Charaktere, wie Henry Tonks oder der Arzt Gillies an realen Personen orientiert. Gleichzeitig verwebt Barker moralisch-ethische, künstlerisch-ästhetische Aspekte mit diesen historischen Gegebenheiten. Das gibt dem Buch eine Aussagekraft, die ihresgleichen sucht, da sie zwischen Fiktion und Realität changiert. Letzteres hat Barker auch in Kit Nevilles (ein Freund Elinors) Morphium-durchtränkten Träumen, die eben auch zwischen beiden Welten hin und herschwanken, großartig und für mich bisher einzigartig umgesetzt. Die Charaktere sind tiefgründig, grundverschieden, sie reiben sich und wachsen aneinander – wie sie es nur in einer wirklich guten Geschichte vermögen. Und schließlich ist dieses Buch eine Hommage an Virginia Woolf und ihr Werk „Jacobs room“, in dem ebenfalls ein Bruder in den Wirren des Ersten Weltkriegs verschwindet. Fazit: Für mich definitiv ein Highlight dieses jungen Jahres. Sprachlich und inhaltlich großartig. Unbedingt lesen!

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  • Gesichter des Krieges

    Tobys Zimmer
    HeikeM

    HeikeM

    01. April 2014 um 18:41

    Der erste und kürzere Teil des Romans ist im Jahr 1912 angesiedelt. In diesem werden die Figuren eingeführt, die den Leser durch die gesamte Handlung auf aktive oder passive Weise begleiten. Elinor und Toby sind Geschwister. Sie stammen aus gutem Haus stehen und sich gefühlsmäßig so nah, schier unzertrennlich, fast wie Zwillinge. Beide bewahren das Geheimnis einer gemeinsamen Nacht. Elinor besucht eine Londoner Kunstschule und belegt zusätzlich einen Anatomiekurs. Toby erfüllt seine Pflicht im Royald Army Medical Corps an der Front in Frankreich, bis eines Tages im Jahr 1917 die Nachricht „Vermisst, vermutlich gefallen“ die Familie Brooke darüber in Kenntnis setzt, dass der Sohn und Bruder nicht mehr heimkehren wird. Dieser Verlust schmerzt Elinor maßlos und sie sucht in der Kunst Vergessen. So nimmt sie nach längerem Zögern, sie will nichts mit dem Krieg zu tun haben, das Angebot ihres ehemaligen Dozenten Henry Tonks an, ihm, dem Chirurgen und Maler, bei der zeichnerischen Dokumentation der verstümmelten Gesichter der Soldaten zu assistieren. Auf diese Weise kommt sie auch Kit Neville, dem ehemaligen Kommilitonen näher, der als einziger in Tobys Nähe war, aber über die Geschehnisse schweigt. Aber Elinor muss wissen, was geschehen ist. Mit „Tobys Zimmer“ greift Pat Barker ein Thema neu auf, das bereits Kern ihrer „Regeneration-Trilogie“ war – der Erste Weltkrieg. Die Autorin schildert jedoch weniger das Kriegsgeschehen an sich, sie zeigt auf, was der Krieg mit den Menschen gemacht hat, wie er sich auf sie ausgewirkt hat. Sie beschreibt grauenvolle Gesichtsverletzungen, die Versuche diese zu behandeln und die Behandlungsverläufe zeichnerisch festzuhalten. Henry Tonk und auch die sogenannte „Blechnasenabteilung“ hat es wirklich gegeben. Pat Barker setzt ihnen mit ihrem Roman ein Denkmal. Geschickt baut sie einen Spannungsbogen auf, so dass es dem Leser schwerfällt sich von dem Roman loszureißen. Man fühlt, leidet und trauert mit, man versteht und kann tief in die Seelen der vom Krieg gezeichneten Menschen blicken, egal ob sie selbst im Krieg waren oder zu den Daheimgeblieben gehören. „Tobys Zimmer“ hat aber im englischen Original noch eine Vorgeschichte, denn es ist eigentlich die Fortsetzung von „Life Class“. Ich hoffe sehr, dass dieser Roman auch noch den deutschen Lesern zugänglich gemacht wird. Pat Barkers Roman „Tobys Zimmer“ ist nicht nur vom Inhalt ein hervorragendes Werk, er ist auch noch äußerst schön anzusehen. Ohne den üblichen Schutzumschlag, sozusagen schutzlos, nur mit einem farbigen, gut in die Zeit passenden Foto auf dem Buchdeckel präsentiert es sich dem Leser. „Tobys Zimmer“ ist ein eindringliches und bewegendes Buch, in dem der Krieg die Handlung nie vordergründig bestimmt, ihr aber die grundlegende Richtung gibt.

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