Patrice Leconte Les femmes aux cheveux courts

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Inhaltsangabe zu „Les femmes aux cheveux courts“ von Patrice Leconte

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  • Rezension zu "Les femmes aux cheveux courts" von Patrice Leconte

    Les femmes aux cheveux courts
    rumble-bee

    rumble-bee

    14. July 2012 um 17:49

    Patrice Leconte, bislang bekannter Star-Regisseur (zumindest in Frankreich), wird Autor - nein sowas! Ich war wirklich erstaunt. Allerdings habe ich mir eine leichte, spritzige, liebenswerte Geschichte erhofft, die auch die ein oder andere "Schrulle" zu bieten hat. Denn genau so waren auch immer Lecontes Filme, die ich innig liebe. Man denke nur an den "Mari de la coiffeuse", Deutsch "Der Mann der Friseuse", ein Film, der sicher auch in Deutschland dem ein oder anderen bekannt sein dürfte. Erstaunt war ich dann auch vom Umfang des Buches, als ich es schließlich erhielt - es hat kaum mehr als einen Zentimeter Dicke. Und auf diesem engen Raum sollte sich eine Geschichte entfalten können? Und dann auch noch in der Ich-Perspektive? Ich war skeptisch. Die Skepsis ist allerdings bald verflogen. Hätte ich genügend Zeit gehabt, hätte ich das Buch an einem einzigen Tag gelesen; nur aus terminlichen Gründen wurden zwei Tage daraus. Und, was soll ich sagen - das ist Patrice Leconte, wie er leibt und lebt! Er schreibt genau so, wirklich genau so, wie er seine Filme zu gestalten pflegte. Das ist ein Buch gewordener Film! Der Regisseur ist vom Autor praktisch nicht mehr zu unterscheiden. Und doch hat das Büchlein auf seinen wenigen Seiten alles, was es braucht. Ich muss allerdings den Kopf schütteln. Auf Deutsch heißt das Buch "Heute wegen Glück geschlossen" - also mal ehrlich, ein kitschigerer Titel lässt sich kaum finden; zumal das mit dem Inhalt kaum etwas zu tun hat. Ich bin ein wenig fassungslos. Auch das deutsche Cover geht um Meilen an der Wirklichkeit des Textes vorbei. Es geht um einen jungen Mann, um Pariser Alltag, um allerlei herrlich schräge Episoden rund um ihn, seine Eltern, seinen Freund André, und seine Arbeitskolleginnen in der Papeterie, in der er arbeitet. Es geht um seine ganz speziellen Vorstellungen über seine Traumfrau, die nämlich kurze Haare haben muss. Und, wie könnte es auch anders sein in Frankreich, es geht um einige erotische Episoden. Mehr möchte ich vom Inhalt gar nicht erzählen, weil sich der Zauber dieses Buches für mich nicht darin erschöpft. Ich muss sogar zugeben - als Roman ist das Buch sicherlich angreifbar. Manch anderer Leser wird sich etwas anderes darunter vorstellen. Allein die Tatsache, von wem es geschrieben wurde, hat es in meinen Augen als Roman glaubhaft gemacht. Sonst wäre es in der Tat oft zu sprunghaft und auch ein wenig unlogisch gewesen. Ich kann mir auch nicht vorstellen, wie das Buch in der Übersetzung funktionieren soll. Das ist durch und durch französischer Stil; manche Wendung und Komplikation kann in einer fremden Sprache nur peinlich wirken. Hier jedoch - alles floß gänzlich unangestrengt, locker-leicht und doch zauberhaft, durch die Geschichte. Ich möchte es auch viel lieber "Märchen" nennen, nicht Roman. Besonders gefallen hat mir der ironische Stil des Ich-Erzählers, der mich immer wieder hat schmunzeln lassen. Obwohl er naiv wirken mag, hat er doch einen entlarvenden Blick dafür, was bei vielen Leuten im Bereich "Liebe" im Argen liegt. Und auch sein Verhältnis zu seiner Familie hat mich bezaubert - solche Sonntags-Essen hätte ich auch gerne erlebt...! Alles in allem, hat mich das Buch ein wenig an die "Fabelhafte Welt der Amélie" erinnert; es war genauso am Rande von Wirklichkeit und Zauber angesiedelt. Aber warum soll man sich nicht einmal durch eine kurzweilige Lektüre "verzaubern" lassen? Ich würde allerdings jedem Leser unbedingt zur Originalausgabe raten. Die ist an sprachlicher Eleganz sicher nicht zu übertreffen. Ich habe dieses Büchlein geliebt! Und ich sehe die Verfilmung, durch den Meister selbst, geradezu schon vor mir.

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