Anschreiben gegen die täglichen Verluste, so hat René Char einmal seine Tätigkeit als Dichter beschrieben. Die Frage ist: schreibt man*frau über die eigenen Verluste oder auch über die von anderen? Und lässt sich das überhaupt sauber trennen, das eigene und das andere? Teilen wir nicht alle gewisse Verluste, die gleichen und die selben (vor allem in diesen Zeiten des Unfriedens)?
Eindringlich schreibt Patricia Falkenburg in ihrem Band über eine Welt im Ausnahmezustand – oder: im Annahmezustand. Die Annahme: es könnte alles so weiter gehen. Welch Anmaßung! Aber was sind die Maßnahmen, die es jetzt braucht? Wohl: Maß halten und endlich mal wieder statt auf die Warentische auf das Wesentliche schauen.
Dieses Wesentliche fängt Falkenburg in einigen Texten sehr gut ein. Ihre Gedichte sind dort am stärksten, wo sie weniger direkt agitieren und moralische insistieren und sich mehr in ihre eigenen Bilder hinein begeben (siehe Bild 9 und 10: Gedichte, die zwar eine Botschaft anbringen, aber nicht sehr eindringlich sind).
Mitunter wirken die Gedichte haltlos, aber diese Haltlosigkeit zeichnet sie aus, den sie wirkt genuin und bildet eine bestimmte Art von Denkprozessen ab. Erfreulich auch, dass sie ihre Anklagen meist gut gewichtet, nicht damit um sich wirft. Alles in allem: ein Band zur Stunde, deren Zeiger mit der Zungenspitze schon auf Zwölf steht.



