Patricia Hempel

 3.8 Sterne bei 8 Bewertungen
Autorin von Metrofolklore.

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Metrofolklore

Metrofolklore

 (8)
Erschienen am 09.09.2017

Neue Rezensionen zu Patricia Hempel

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Rezension zu "Metrofolklore" von Patricia Hempel

Ein Hoch auf uns oder die Apotheose des Augenblicks..
Aspasiavor 10 Monaten

Jung, ledig, lesbisch sucht. je nach Tagesform: Sex, Drugs & überhaupt den Rock’n & Roll des Lebens, oder aber die Poesie der Hohen Minne, denn..

„Der einzige Weg, der Mühsal des Lebens zu begegnen, ist Hedonismus, der von Herzen kommt. Nur echte Sinnlichkeit schafft Freude und diejenigen, die wissen, wo sie zu finden ist, haben eine Chance auf Glück, auch wenn es so flüchtig ist wie die Zeilen eines Gebets.“

Kluges Mädchen, die fast 28-Jährige Protagonistin, Berlinerin, und damit mit Hip-ismus qua Geburt ausgestattet, am Busen, gut gemachte Toyboybojen, einer auch monetär erfolgreichen „in irgendwas mit Immobilien“- Karrierefrau von Mikrowellenkost genährt, sozialisiert in einem Kinderzimmer mit Blick auf die ewige Schlafstatt Dahingeschiedener, was in ein Studium, natürlich an einer dieser Konformästheten ansprechenden Unis, der Vor- und Frühgeschichte mündet, in dem man die Knochen längst Verstorbener aus der Erde pult, um sie dann in Plastik eingehüllt und in Kisten verstaut ins Kellerregal zu stellen.

Wenn, die namenlose Ich-Erzählerin mit „sensitive“ Zahnbürste Kloakenreste schrubbt, sinniert sie, intellektuell stimuliert durch Orvid’scher Flirtratgebung oder Senecas Anmach-Alphabet über die geeignete Taktik zur Verführung der Anbetungswürdigsten unter den anbetungswürdigen Frauen seit Helena von Troja, über ihre Kommilitonin, die schöne Helene nach, die so sturz-hetero wie Klischee erfüllend ein Verhältnis mit dem verheirateten Uni-Dekan hat.

„Sollte ich jemals die Archäologin in mir überwinden und einen Roman schreiben, wird mein Debüt eine feurige Minne für Helene.“

Alles in allem ein paar Tage im Leben der Minnesängerin, ein bisschen Klatsch und Tratsch über das WG Leben mit zwei Mitbewohnern, ein schwuler Modedesignstudent und eine beste Freundin, die zweite Klischee-Hete, mit „shades of grey“- Ambitionen, Beziehungsgespräche über potentielle Samenspender mit Anika, der unbegehrten Langzeitbeziehung mit tickender Gebärmutter, ein bisschen Baggern und Graben und mehr in „lonely planet“- würdigen Szenebars und ihren Toiletten, der Campus, mit seinen Sehnsuchtsorten für potentielle Begegnung mit der Einen oder wenigstens ablenkende Schmachtblicke für sexy Ersamusstudentinnen, peinliche Motto-Geburtstagsparties, verlorene Berliner Hunde, denn der Bär war gestern…

Dies und Das, Irrungen und Wirrungen, natürlich eher handlungsarm, die Apotheose des Augenblicks…das Leben halt.

Netterweise liefert der Debutroman Metro Folklore der Berliner Autorin Patricia Hempel, Jahrgang 1983 , die nach einem Ur- und Frühgeschichtsstudium am „place to be“, der europäischen Metropole schlechthn, zur Poesie, genauer zum Schreiben Lernen in die Provinz, nach Hildesheim, findet, Inhalts- und Figurenanalyse dem Leser gleich mit.

„Sie erzählt von einem belanglosen Roman, den sie gerade schreibt, in dem es viel um Sex und Drogen geht. Die Hauptfigur ist ein Versager, der von einer Krise in die nächste rennt. Klingt nach einer dieser Trash-Pop-Storys, von denen es genug gibt, aber ich bekunde: Toll, würde ich kaufen!“

Popliteratur wie aus dem Lehrbuch, . Das gekonnte Archivieren von Belanglosigkeiten (M. Baßler), die unser Leben nun mal ausmachen. Die Wiederholung bekannter Begrifflichkeiten, Konsumgüter Name-dropping, Floskeln und Gedankenschnipsel aus dem Pool gemeinsamer Erinnerung. Ein Hoch auf uns. Nicht allen gemein, natürlich, aber der Masse des populus. Sicher nicht unbedingt die meiner Großmutter, die würde nicht zwingend wissend nicken, wenn die Heldin sich über modische Hochs und Tiefs von Chucks ausläßt, ironisches Lob in Form imaginärer Photogaben ließen ihr Fragezeichen in ihr altersweises Gesicht geschrieben stehen, oder dass es den korrekten Ort und die korrekte Anzahl von Haarnadeln, die doch eigentlich pins heißen, für einen Metropolen-Dutt gibt, wäre jenseits ihrer Vorstellungskraft. Von hashtag Listen, porn-tube Titeln und anderen Spielereien im Fließtext mal ganz abgesehen.

Hier geht es nicht, um eine Befindlichkeitsanalyse. Es ist, was es ist. Keine Jagd nach verborgene Bedeutung ist notwendig, keine Tiefenbohrungen gefragt. Eine Milleustudie, die deshalb so treffend ist, weil die Autorin einfach nur Draufhält, keine aufgesetzte Dramaturgie, keinen Spannungsbogen konzipiert. Das alles ist kein Defizit, sondern der Mehrwert diese Romans.




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Rezension zu "Metrofolklore" von Patricia Hempel

Sprachlich ansprechend, inhaltlich irrelevant
Ein LovelyBooks-Nutzervor einem Jahr

Welche großen Anstrengungen es bedeutet, heute als lesbische Frau in der hypermodernen, übersättigten und kopflastigen Ersten Welt auf poetische, also echte, tiefe und vor allem gefühlsmäßige Art verliebt zu sein, ist der zentrale Gegenstand dieses Romans.
Autorin Patricia Hempel nimmt den Leser mit in den Großstadtdschungel Berlins, wo die Heldin ihres Buches als Archäologiestudentin mehr schlecht als recht durchs Leben wankt. Ständig ist sie betrunken, stoned oder beides; ständig lässt sie sich auf Seitensprünge mit im Kern unbedeutenden Frauen ein, die sie aus der Tristesse ihrer Beziehung mit Anika holen, die unbedingt ein Kind haben möchte und damit für Gefühlschaos und Angstzustände bei ihrer Partnerin sorgt. Schlimmer noch, hat sie sich ausgerechnet Konrad, einen alten Bekannten, mit Doktortitel, dickem Bankkonto und Spießerattitüden ausgesucht, um sich den Traum einer Schwangerschaft endlich erfüllen zu können. Auch in ihrer WG schlägt das Pendel ständig zwischen Euphorie und Selbstmitleid aus, etwa wenn Julie für ihren Carsten die Grenzen sadomasochistischer Liebespraktiken auslotet oder sich Julek mit einem langbärtigen Metal-Fan nach Mallorca absetzt, um dort den Winter wild vögelnd am Strand zu verbringen. Nicht ohne den Hund des Geliebten in Berlin zu lassen, der sich als kulinarische Diva entpuppt und mehr als einmal ob der Verantwortungslosigkeit seines Frauchens vor dem Erfrierungstod steht.
Während um sie herum alle Welt anfängt, aus der Juvenilität herauszutreten und sich den Anforderungen des Erwachsenenlebens zu stellen, verharrt die Protagonistin in einer geistigen Starre, die sie nicht nur in einer endlosen Schleife von Abstürzen, zwecklosen Liebschaften und Selbsthass gefangen hält, sondern auch in der fast schon pathologischen Liebe zur Kommilitonin Helene. Die, ihres Zeichens Geliebte des selbsternannten Halbgottes Prof. Dr. Baumann, hat selbstverständlich keine Augen für Hempels Heldin, sodass es eines Umweges bedarf, der über Helenes Freundin Romy führt. Und während sich das Fest der Liebe unaufhaltsam nähert, sich Anika von Konrad ausgiebig befruchten lässt und auch in der WG alles irgendwie quer läuft, flüchtet sich die Heldin in ihre Gedankenwelt, die nur aus Helenes Schenkeln und den besten Methoden zu ihrer Eroberung besteht.
Als Leser wächst mit der Dauer der Lektüre das Verlangen, die Protagonistin ordentlich zu schütteln und sie aus ihrer Phantasie herauszuholen. Denn auch wenn der erzählerische Stil, der ein hohes sprachliches Niveau besitzt, zu überzeugen weiß, ist der infantile Charakter der Heldin schlichtweg nicht zu ertragen. Hempel schafft hier eine Frau, die nichts anderes ist als eine gelangweilte Bildungsbürgerin, die zwar Ovid liest und mit Anglizismen, Fremdwörtern und Neologismen nur so um sich wirft, im Kern ihres Wesens aber unfähig ist, sich auf etwas einzulassen, das mehr als nur Oberflächlichkeit verlangt und schnelle Lust verspricht.
Die Form des Romans, die verschiedentlich an klassische Minnedichtung erinnert, kann über die inhaltlichen Schwächen leider nur schwer hinweghelfen. Auch wenn das Konzept hier sehr gut durchdacht scheint und der Zugewinn auf der geistigen Ebene unbestreitbar bleibt, stellt sich dennoch die Frage nach der Notwendigkeit eines Buches, das der Leser nach etwas mehr als 200 Seiten schnell und unberührt wieder aus der Hand legt.

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milkysilvermoons avatar

Rezension zu "Metrofolklore" von Patricia Hempel

Die amouröse Jagd auf die schöne Helene
milkysilvermoonvor einem Jahr

Als lesbische Archäologiestudentin mit Mitte 20 in Berlin hat man es nicht leicht. Wie erobert man da die schöne, aber heterosexuelle Kommilitonin Helene, die noch dazu mit dem Dekan des Fachs eine Affäre hat? Und als wäre die unglückliche Verliebtheit in die unerreichbare Angebetete nicht schon Problem genug, gilt es auch noch, die eigene Partnerin, die ältere Anika, zu besänftigen, die mit ihrem dringenden Kinderwunsch nervt. Ist die Beziehung noch zu retten? Und ob Ovid und Co. wohl Tipps für diese verzwickte Lage parat haben?

Mit „Metrofolklore“ hat Patricia Hempel einen ungewöhnlichen Debütroman vorgelegt.

Meine Meinung:
Erzählt wird die Geschichte aus der Ich-Perspektive, gespickt mit originellen Hashtags und Zitaten von Ovid und anderen. Auffallend ist ohne Zweifel der erfrischende, moderne Schreibstil. Die direkte, drastische, teils derbe Ausdrucksweise zieht sich durch alle Seiten und macht sicherlich den Reiz dieses Romans aus. Das hat das Buch für mich zur amüsanten Lektüre gemacht und mich immer wieder zum Schmunzeln gebracht. Interessante Wortspiele und -neuschöpfungen haben meinen Geschmack getroffen. Sprachlich gelungen finde ich auch die Kapitelüberschriften.

Die Handlung ist bewusst überspitzt dargestellt. Ihr Buch will Patricia Hempel als Satire auf den Pop-Roman verstanden wissen, als eine Persiflage auf Drogen, Alkohol und andere destruktive Dinge. Dementsprechend viel Raum nehmen diese im Roman ein – meiner Meinung nach ein wenig zu viel, wobei ich die Intention dahinter nachvollziehen kann. Einige Wiederholungen führen auch dazu, dass mich die Handlung, die in Teilen etwas skurril anmutet, nicht ganz so sehr überzeugen konnte wie die Sprache. Den Schluss wiederum fand ich sehr gelungen.

Mein Fazit:
„Metrofolklore“ ist ein Buch, das aus der Masse heraussticht. Für mich ist es eine kurzweilige Lektüre, die alleine schon aus sprachlicher Hinsicht lohnt.

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Gespräche aus der Community

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Klett-Cotta_Verlags avatar
Hallo liebe Literatur-Freundinnen und Freunde,

diesmal wollten wir euch mit einer hochspannenden und sehr modernen Lektüre erfreuen - »Metrofolklore«, dem Debüt von Patricia Hempel.

»Mitte 20 muss man unglücklich verliebt sein, damit man in den Dreißigern das Liebesglück noch mehr zu schätzen weiß« – das gilt auch für lesbische Archäologiestudentinnen. Wie aber damit umgehen, wenn einem das Flattern durch Mark und Bein schießt, sobald die schöne Helene im Universitätsflur auftaucht? Eine solche Frau, ebenso makellos wie heterosexuell, kann man schließlich nicht einfach von der Seite anquatschen.

Um es auf den Punkt zu bringen: Die Anbetung einer unerreichbaren Geliebten ist zwar in der Theorie ganz nett, stellt aber in Wahrheit kein erfülltes Lebenskonzept dar. Doch selbst wenn einem Ovid mit seinen Verführungskünsten unter die Arme greift – wie besänftigt man gleichzeitig die unerwartet heftig auftretenden Kinderwünsche der eigenen Partnerin? Mit romantischen Gesprächen über Spermabeschaffung am Frühstückstisch? Alea non iacta est. Noch können Monogamie und schreiender Nachwuchs auf den geeigneten Lebensentwurf hin überprüft werden. Im Gewand eines Minneliedes verhandelt dieses unerschrockene Debüt die Grenzen der Liebe und der Lust.

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Klingt es spannend?

Dann freuen wir uns auf deine Bewerbung mit kleiner Begründung.

Viel Erfolg!

Viele Grüße
Euer Tropen Verlag

Klett-Cotta_Verlags avatar
Letzter Beitrag von  Klett-Cotta_Verlagvor einem Jahr
Danke für deine Rezension!
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