Patricia Hempel Metrofolklore

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Inhaltsangabe zu „Metrofolklore“ von Patricia Hempel

»Mitte 20 muss man unglücklich verliebt sein, damit man in den Dreißigern das Liebesglück noch mehr zu schätzen weiß« – das gilt auch für lesbische Archäologiestudentinnen. Wie aber damit umgehen, wenn einem das Flattern durch Mark und Bein schießt, sobald die schöne Helene im Universitätsflur auftaucht? Eine solche Frau, ebenso makellos wie heterosexuell, kann man schließlich nicht einfach von der Seite anquatschen.

Um es auf den Punkt zu bringen: Die Anbetung einer unerreichbaren Geliebten ist zwar in der Theorie ganz nett, stellt aber in Wahrheit kein erfülltes Lebenskonzept dar. Doch selbst wenn einem Ovid mit seinen Verführungskünsten unter die Arme greift – wie besänftigt man gleichzeitig die unerwartet heftig auftretenden Kinderwünsche der eigenen Partnerin? Mit romantischen Gesprächen über Spermabeschaffung am Frühstückstisch? Alea non iacta est. Noch können Monogamie und schreiender Nachwuchs auf den geeigneten Lebensentwurf hin überprüft werden. Im Gewand eines Minneliedes verhandelt dieses unerschrockene Debüt die Grenzen der Liebe und der Lust.

Mit „Metrofolklore“ hat Patricia Hempel einen ungewöhnlichen Debütroman vorgelegt.

— milkysilvermoon

Sprachliches Meisterstück, trägt jedoch nicht durchgehend

— Marco_Fleghun

Kurzweilig, derbe Sprache, absolut unterhaltsam. Ich habe Metrofolklore sehr gern gelesen.

— Mellolette

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  • Sprachlich ansprechend, inhaltlich irrelevant

    Metrofolklore

    Makollatur

    22. November 2017 um 09:51

    Welche großen Anstrengungen es bedeutet, heute als lesbische Frau in der hypermodernen, übersättigten und kopflastigen Ersten Welt auf poetische, also echte, tiefe und vor allem gefühlsmäßige Art verliebt zu sein, ist der zentrale Gegenstand dieses Romans. Autorin Patricia Hempel nimmt den Leser mit in den Großstadtdschungel Berlins, wo die Heldin ihres Buches als Archäologiestudentin mehr schlecht als recht durchs Leben wankt. Ständig ist sie betrunken, stoned oder beides; ständig lässt sie sich auf Seitensprünge mit im Kern unbedeutenden Frauen ein, die sie aus der Tristesse ihrer Beziehung mit Anika holen, die unbedingt ein Kind haben möchte und damit für Gefühlschaos und Angstzustände bei ihrer Partnerin sorgt. Schlimmer noch, hat sie sich ausgerechnet Konrad, einen alten Bekannten, mit Doktortitel, dickem Bankkonto und Spießerattitüden ausgesucht, um sich den Traum einer Schwangerschaft endlich erfüllen zu können. Auch in ihrer WG schlägt das Pendel ständig zwischen Euphorie und Selbstmitleid aus, etwa wenn Julie für ihren Carsten die Grenzen sadomasochistischer Liebespraktiken auslotet oder sich Julek mit einem langbärtigen Metal-Fan nach Mallorca absetzt, um dort den Winter wild vögelnd am Strand zu verbringen. Nicht ohne den Hund des Geliebten in Berlin zu lassen, der sich als kulinarische Diva entpuppt und mehr als einmal ob der Verantwortungslosigkeit seines Frauchens vor dem Erfrierungstod steht.Während um sie herum alle Welt anfängt, aus der Juvenilität herauszutreten und sich den Anforderungen des Erwachsenenlebens zu stellen, verharrt die Protagonistin in einer geistigen Starre, die sie nicht nur in einer endlosen Schleife von Abstürzen, zwecklosen Liebschaften und Selbsthass gefangen hält, sondern auch in der fast schon pathologischen Liebe zur Kommilitonin Helene. Die, ihres Zeichens Geliebte des selbsternannten Halbgottes Prof. Dr. Baumann, hat selbstverständlich keine Augen für Hempels Heldin, sodass es eines Umweges bedarf, der über Helenes Freundin Romy führt. Und während sich das Fest der Liebe unaufhaltsam nähert, sich Anika von Konrad ausgiebig befruchten lässt und auch in der WG alles irgendwie quer läuft, flüchtet sich die Heldin in ihre Gedankenwelt, die nur aus Helenes Schenkeln und den besten Methoden zu ihrer Eroberung besteht.Als Leser wächst mit der Dauer der Lektüre das Verlangen, die Protagonistin ordentlich zu schütteln und sie aus ihrer Phantasie herauszuholen. Denn auch wenn der erzählerische Stil, der ein hohes sprachliches Niveau besitzt, zu überzeugen weiß, ist der infantile Charakter der Heldin schlichtweg nicht zu ertragen. Hempel schafft hier eine Frau, die nichts anderes ist als eine gelangweilte Bildungsbürgerin, die zwar Ovid liest und mit Anglizismen, Fremdwörtern und Neologismen nur so um sich wirft, im Kern ihres Wesens aber unfähig ist, sich auf etwas einzulassen, das mehr als nur Oberflächlichkeit verlangt und schnelle Lust verspricht.Die Form des Romans, die verschiedentlich an klassische Minnedichtung erinnert, kann über die inhaltlichen Schwächen leider nur schwer hinweghelfen. Auch wenn das Konzept hier sehr gut durchdacht scheint und der Zugewinn auf der geistigen Ebene unbestreitbar bleibt, stellt sich dennoch die Frage nach der Notwendigkeit eines Buches, das der Leser nach etwas mehr als 200 Seiten schnell und unberührt wieder aus der Hand legt.

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  • Die amouröse Jagd auf die schöne Helene

    Metrofolklore

    milkysilvermoon

    12. November 2017 um 19:29

    Als lesbische Archäologiestudentin mit Mitte 20 in Berlin hat man es nicht leicht. Wie erobert man da die schöne, aber heterosexuelle Kommilitonin Helene, die noch dazu mit dem Dekan des Fachs eine Affäre hat? Und als wäre die unglückliche Verliebtheit in die unerreichbare Angebetete nicht schon Problem genug, gilt es auch noch, die eigene Partnerin, die ältere Anika, zu besänftigen, die mit ihrem dringenden Kinderwunsch nervt. Ist die Beziehung noch zu retten? Und ob Ovid und Co. wohl Tipps für diese verzwickte Lage parat haben?Mit „Metrofolklore“ hat Patricia Hempel einen ungewöhnlichen Debütroman vorgelegt. Meine Meinung:Erzählt wird die Geschichte aus der Ich-Perspektive, gespickt mit originellen Hashtags und Zitaten von Ovid und anderen. Auffallend ist ohne Zweifel der erfrischende, moderne Schreibstil. Die direkte, drastische, teils derbe Ausdrucksweise zieht sich durch alle Seiten und macht sicherlich den Reiz dieses Romans aus. Das hat das Buch für mich zur amüsanten Lektüre gemacht und mich immer wieder zum Schmunzeln gebracht. Interessante Wortspiele und -neuschöpfungen haben meinen Geschmack getroffen. Sprachlich gelungen finde ich auch die Kapitelüberschriften.Die Handlung ist bewusst überspitzt dargestellt. Ihr Buch will Patricia Hempel als Satire auf den Pop-Roman verstanden wissen, als eine Persiflage auf Drogen, Alkohol und andere destruktive Dinge. Dementsprechend viel Raum nehmen diese im Roman ein – meiner Meinung nach ein wenig zu viel, wobei ich die Intention dahinter nachvollziehen kann. Einige Wiederholungen führen auch dazu, dass mich die Handlung, die in Teilen etwas skurril anmutet, nicht ganz so sehr überzeugen konnte wie die Sprache. Den Schluss wiederum fand ich sehr gelungen.Mein Fazit:„Metrofolklore“ ist ein Buch, das aus der Masse heraussticht. Für mich ist es eine kurzweilige Lektüre, die alleine schon aus sprachlicher Hinsicht lohnt.

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  • Metrofolklore

    Metrofolklore

    CanYouSeeMe

    11. November 2017 um 10:48

    »Mitte 20 muss man unglücklich verliebt sein, damit man in den Dreißigern das Liebesglück noch mehr zu schätzen weiß« – das gilt auch für lesbische Archäologiestudentinnen. Wie aber damit umgehen, wenn einem das Flattern durch Mark und Bein schießt, sobald die schöne Helene im Universitätsflur auftaucht? Eine solche Frau, ebenso makellos wie heterosexuell, kann man schließlich nicht einfach von der Seite anquatschen. Schon zu Beginn des Buches fällt die außergewöhnliche Sprache auf: sie ist modern, überspitzt und durchaus satirisch. Immer wieder finden sich #hashtags, die die Kapitel auflockern. Die Handlung ist aus Sicht der Protagonistin geschildert. So bekommt man als Leser einen Einblick in ihre Welt, welche sich hauptsächlich um Drogen, Alkohol und Helene dreht. Es fallen immer wieder derbe Kommentare, aber auch abstruse Vergleiche, die mich sehr zum Lachen bringen konnten. Ob mir die Protagonistin nun sympathisch ist oder nicht, konnte ich bis zum Ende des Buches nicht ganz herausfinden. Klar ist jedoch, dass ihr Lebensentwurf in überspitzer Weise an den ‚hipper‘ Mitt- bis Endzwanziger angelehnt ist, der Exzesse feiert und keine Grenzen kennt. Die gesamte Szenerie konnte mich durchaus lebensnah abholen, da ich selbst Menschen, wie die im Buch beschriebenen kenne. Die Handlung war sehr ich-zentriert, die Protagonistin macht sich nur selten Sorgen, welche Auswirkungen ihr Handeln auf andere Personen hat. Die Reaktionen der Außenwelt auf dieses Verhalten standen weniger im Fokus, die Protagonistin lebte mehr oder weniger in einer Blase… Einzig die Reaktion ihrer Freundin Anika konnte diese Blase durchdringen. Ich hätte mir mehr solcher Momente gewünscht, in denen die Blase ein wenig durcheinander gebracht wird.Insgesamt empfinde ich ‚Metrofolklore‘ von Patricia Hempel als ein sehr modernes Buch, das einen satirischen Blick auf Gruppen der modernen Gesellschaft legt. Mich konnte das Buch abholen, weil ich mich trotz der Überspitzung in die aufgezeigte Lebenswelt einfühlen konnte. 

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  • Leserunde zu "Metrofolklore" von Patricia Hempel

    Metrofolklore

    Klett-Cotta_Verlag

    Hallo liebe Literatur-Freundinnen und Freunde,diesmal wollten wir euch mit einer hochspannenden und sehr modernen Lektüre erfreuen - »Metrofolklore«, dem Debüt von Patricia Hempel. »Mitte 20 muss man unglücklich verliebt sein, damit man in den Dreißigern das Liebesglück noch mehr zu schätzen weiß« – das gilt auch für lesbische Archäologiestudentinnen. Wie aber damit umgehen, wenn einem das Flattern durch Mark und Bein schießt, sobald die schöne Helene im Universitätsflur auftaucht? Eine solche Frau, ebenso makellos wie heterosexuell, kann man schließlich nicht einfach von der Seite anquatschen. Um es auf den Punkt zu bringen: Die Anbetung einer unerreichbaren Geliebten ist zwar in der Theorie ganz nett, stellt aber in Wahrheit kein erfülltes Lebenskonzept dar. Doch selbst wenn einem Ovid mit seinen Verführungskünsten unter die Arme greift – wie besänftigt man gleichzeitig die unerwartet heftig auftretenden Kinderwünsche der eigenen Partnerin? Mit romantischen Gesprächen über Spermabeschaffung am Frühstückstisch? Alea non iacta est. Noch können Monogamie und schreiender Nachwuchs auf den geeigneten Lebensentwurf hin überprüft werden. Im Gewand eines Minneliedes verhandelt dieses unerschrockene Debüt die Grenzen der Liebe und der Lust.Klingt es spannend?Dann freuen wir uns auf deine Bewerbung mit kleiner Begründung.Viel Erfolg!Viele GrüßeEuer Tropen Verlag

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    • 80
  • Drogen, Alk und Ziervögeln oder was wirklich zählt im Leben

    Metrofolklore

    Antek

    28. October 2017 um 18:30

    „Es ist hart, lesbisch zu sein, wenn die Weiber um einen herum aussehen wie Walküren mit stark erhöhten Cholesterinwerten.“, aber nicht nur dann, auch wenn man unglücklich verliebt ist, so wie die Protagonistin hier. Mit der On/Off Freundin Anika läuft es schon länger nicht mehr so und deren Kinderwunsch macht die Sache nicht einfacher, was man aber ja mit ab und an „ziervögeln“ in der Toilette einer der „Abfuck Bars“ oder der nötigen Dosis an Drogen und Alkohol gut verdrängen kann. Das hauptsächliche Problem, das am Zufriedenheitsfaktor ganz mächtig schraubt, ist, dass sie unsterblich in Helene verknallt ist. Doch die bildschöne Frau schläft sich bisher lieber mit Professor Frederik Baumann hoch, als herunter zu ihr. Ob sie ihr Herz trotzdem gewinnen kann?Die Protagonistin erzählt aus der Ich-Perspektive und lässt den Leser so ein Stück weit an ihrem Leben teilnehmen. Universitätsbesuche mit heimlichem Anschmachten von Helene oder Kantinen-Essen a la „I´m looking for horse“, sind hier ebenfalls mit dabei, wie nur gedoptet zu ertragendes  WG-Leben, oder Versumpfen in irgendwelchen Abfuck Bars samt dazugehörigen Alkohol Exzessen. Aber neben Kinderzimmer-Shopping, Suche nach den perfekten Kindsvater und Überdenken der Beziehung zu Anika, geht es auch um das Austüfteln einer perfekten Eroberungsstrategie für die schöne Helene. Der Sprachstil liest sich locker, leicht und ich bin fast durch die Geschichte geflogen. Allerdings musste ich mich schon zuerst an die für mich teilweise sehr derbe Sprache gewöhnen. Da hätte es mir ein bisschen weniger auch getan, ebenso wie von den Drogencocktails und den übermäßigen Saufgelagen. Gut haben mir die originellen und treffenden Vergleiche gefallen, wie „Die eine hatte den Teint einer Quarktasche und an schlechten Tagen diese nikotinfarbigen Tränensäcke, die nach Cholera aussehen.“. Selbstgeflochtene Sandalen werden da auch schon mal mit den Worten „Eine abenteuerliche Konstruktion aus Kork, Sisal und Leinen, die man nur trägt, wenn man keinen Partner sucht“, beschrieben. Ich konnte durchaus viel schmunzeln und lachen, dafür sorgen zahlreiche spitze Kommentare. Eines meiner Highlights ist sicher „Das Büffet scheint einen Bildungsauftrag zu verfolgen, denn jedes Gericht ist mit einem Schild versehen, das einem den Fraß erklärt. Eine eingängige Analyse macht klar, wie hinterher die Fürze riechen.“Die Protagonistin nach eigener Aussage „Problemlesbe“, wird finanziell von ihrer Mutter großzügig unterstützt, was sicher auch ein Grund dafür ist, warum sie behaupten kann. „Es läuft in der Regel alles glatt, weil ich die Dinge nicht zu ernst nehme. Das bringt mir den Vorteil einer Existenz mit Zufriedenheitsfaktor.“  Wenig Gedanken um andere machen, das trifft es wohl ganz gut, was sie mir nicht außerordentlich sympathisch gemacht hat. Super gut hat mir Romy, Helenes Freundin, gefallen. Die absolut liebenswürdige Frau mit der Rubensfigur, hat mir aber auch ganz oft leidgetan, weil sie scheinbar nur Mittel zum Zweck ist, um an Helene ran zu kommen. Bei der sympathischen Anika habe ich mich oft gefragt, wie sie es wohl so lange mit der Protagonistin ausgehalten hat. Gut gefallen haben mir auch die WG Mitbewohner Julie, die sich vermutlich in den  Falschen verguckt hat, und der schwule Julek, der mit neuem Liebhaber auf Wolke Sieben schwebt. Klasse fand ich bei dem, dass er mit Hündchen Salome ankommt, das nicht nur mit ganz besonderen Ernährungsvorlieben für ganz viel Spaß gesorgt hat. Alles in allem kurzweilige Unterhaltung, die mit spitzer Zunge und derben Worten einen Lebensausschnitt einer Drogen und Alkohol nicht abgeneigten Problemlesbe beschreibt. Da dies nicht ganz so meine Welt ist noch vier Sterne, für den spitz treffenden Schreibstil, der sich zwischen den derben Worten versteckt und sicher viel Potential für gute Romane bietet.

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  • Sprachliches Meisterstück, trägt jedoch nicht durchgehend

    Metrofolklore

    Marco_Fleghun

    28. October 2017 um 15:50

    Patricia Hempels Romandebüt "Metrofolklore" handelt von einer Archäologie-Studentin, die eine Partnerin mit Kinderwunsch hat, jedoch in ihre Kommilitonin Helene verliebt ist und auch sonst nichts anbrennen lässt. Der Roman besticht durch seine derbe Sprache, die mit witzigen und treffenden Bildern einhergeht. Allerdings schafft diese Erzählweise eine gewisse Distanz zur Erzählerin und trägt nicht den ganzen Roman über. Sprich, ab einem gewissen Punkt wird das Lesen anstrengend. Ich habe das Buch gerne gelesen, hätte mir jedoch einen klarer herausgearbeiteten Spannungsbogen und Dialoge zur Auflockerung gewünscht. Vermutlich ist mein Urteil durchwachsen, da ich nicht der Zielgruppe entspreche. Ich bin 39, hätte den Roman mit Anfang 20 aber unter Umständen ganz anders bewertet. Das Rumgevögel, die Drogen, die Partys, in jungen Jahren findet man das cool und rebellisch (zumindest als Literatur), wenn man älter wird sagt man: Geh arbeiten! Erspar mir deinen Wohlstandsblues. Oder um es mit Grace Jones zu sagen: "Your private life drama, baby, leave me out."Außerdem muss ich eines sagen: Ich habe schon viele lesbische Frauen in meinem Leben kennengelernt, aber noch nie gehört, dass sie Sex mit fremden Frauen auf öffentlichen Toiletten haben, ganz zu schweigen in dieser Häufigkeit. Ganz ehrlich, das erscheint mir recht weit hergeholt. Die, die ich kenne, sind eher wie die kreuzbrave Anika mit Kinderwunsch. Nun kann man sagen, dass es interessant ist, dass die Erzählerin diesem Klischee gerade nicht entspricht, vielleicht deshalb auch immer wieder aneckt, und dennoch, es überzeugt mich nicht. Der Roman erinnert mich an Benjamin von Stuckrad-Barre, den ich früher gerne gelesen habe. Allerdings geht es mir ähnlich wie bei ihm, klar, es ist witzig geschrieben und scharf beobachtet, gleichzeitig nervt die penetrante Überheblichkeit, die Ich-bin-zu-geil-für-diese-Welt-und-kann-jeden-durchschauen-Haltung. Mein Fazit lautet, dass es ein Roman ist, den ich Studenten Anfang 20 empfehlen würde und vor allem Leserinnen und Lesern, die große Freude an sprachlicher Rafinesse haben.

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  • Die schöne Helene

    Metrofolklore

    Mellolette

    25. October 2017 um 17:24

    Was tun, wenn die Wahl des Studienfachs bloß auf erhöhtem Rauschmittelkonsum beruht, man aber eigentlich nie arbeiten müsste? Was tun, wenn man in einer Beziehung steckt und irgendwie auf der Stelle tritt? Was tun, wenn die Partnerin auf einmal einen unsagbar starken Kinderwunsch hegt?Das alles passiert der Protagonistin - lesbische Archäologiestudentin - im Laufe dieses Romans. Das Studium läuft, die Freundin will ein Kind und in der WG wird ohne Ende alles mögliche konsumiert. Die beste Freundin, und Mitbewohnerin, verliebt sich in einen Sadisten und beginnt ihre masochistische Seite zu entdecken. Der schwule Mitbewohner lacht sich einen neuen Typen an, dessen Hund nur französisches Gebäck verträgt. Die Freundin hat den passenden Erzeuger für den gemeinsamen Nachwuchs schon auserkoren. Das einzige, was der Protagonistin den Tag versüßen kann ist die schöne Helene. Leider steht die so gar nicht auf Frauen, sondern eher auf den Herrn Professor. Also muss getrickst werden, um Helene zu bezirzen. Objekt der Wahl: Ihre beste Freundin Romy. Aber irgendwie läuft das nicht ganz wie geplant.Die Kapitel fliegen nur so vorbei und die Sprache ist ziemlich derb. Das passt aber unglaublich gut zur Geschichte. Die Ovid und Co. Zitate sind übrigens grandios! Auch schön, dass es einfach so mitten im Leben anfängt und wieder endet. Als wäre die Autorin mal eben für ein paar Wochen in der WG zu Besuch gewesen und würde über diese Zeit berichten. Nichts mit „und wenn sie nicht gestorben sind“. Einziger Minuspunkt: für meinen Geschmack sind zu viele illegale Substanzen im Spiel. Ansonsten: tolle Geschichte, aus dem Leben gegriffen, bitte mehr!

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