Patricia Highsmith Leute, die an die Tür klopfen

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Inhaltsangabe zu „Leute, die an die Tür klopfen“ von Patricia Highsmith

Als seine Gebete erhört werden und sein jüngerer Sohn eine schwere Krankheit übersteht, wird Versicherungsagent Alderman plötzlich ›erleuchtet‹ und tritt einer christlichen Sekte bei. Er beginnt, die Familie mit Moralpredigten, Kirchenbesuchen und Gebeten zu quälen. Als die Freundin seines siebzehnjährigen Sohnes Arthur schwanger wird, kommt es zur Konfrontation.

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  • Ein Blick in die amerikanische Provinz

    Leute, die an die Tür klopfen

    blauerklaus

    29. May 2017 um 06:41

    In dem Roman aus dem Jahre 1983 zeigt uns Patricia Highsmith wohin religiöser Fanatismus führen kann und zeichnet ein Portrait des Lebens in der amerikanischen Provinz, das im Rahmen der Berichterstattung zu den Wählern Donald Trumps erschreckend aktuell erscheint. Inhalt Der siebzehnjährige Arthur Alderman lebt mit seinen Eltern und seinem zwei Jahre jüngeren Bruder in einer amerikanischen Kleinstadt. Der Vater arbeitet als Versicherungsagent, die Mutter gibt die perfekte Hausfrau – eine typische amerikanische Durchschnittsfamilie. Eines Tages erkrankt Arthurs jüngerer Bruder Robbie schwer und er wird ins Krankenhaus eingeliefert, wo die Ärzte den besorgten Eltern nicht viel Hoffnung machen. Als Robbie dann doch wieder gesund wird, glaubt Arthurs Vater an ein Wunder. Er verfällt in eine Art religösen Wahn und steckt fortan alle Energie in die Arbeit in einer christliche Sekte. „Und so ging dieser Sonntag in Arthurs Gedächtnis als der Tag ein, an dem sein Vater Gott fand – an der er ‚wiedergeboren wurde‘, wie sein Vater ausdrückte.“ (Seite 37)Arthurs Mutter tut die religiösen Interessen ihres Mannes anfangs als Hobby ab, Arthur selber ist von den im ganzen Haus verteilten religiösen Broschüren entsetzt: „Du solltest diese Zeitschriften sehen, Grandma“, sagte Arthur. „Die sind gegen alles, gegen Liberalismus, gegen Abtreibungen, gegen Frauenrechte – auch gegen Katholiken und Juden, obwohl sie sich nicht trauen, das offen zu sagen.“ Als Arthurs Freundin Maggie schwanger wird, kommt es zur offenen Konfrontation. Arthur und Maggie sind zunächst ratlos, wie sie mit der Situation umgehen sollen. Für Arthurs Vater und seine Bekannten aus dem Kreis der christlichen Fundamentalisten ist eine Abtreibung eine Todsünde. Arthur, seine Freundin und ihre Eltern werden mit Gesprächen und Telefonanrufen terrorisiert um sie „auf den rechten Weg zurück zu führen“. Maggies Familie hat eine grundsätzlich andere Einstellung zu diesem Thema, diese steht mit ihrer liberalen Meinung im krassen Widerspruch zu Arthurs Vater. Arthur selber verhält sich für einen siebzehnjährigen schon fast zu vorbildhaft, wenn er immer wieder betont, dass die Entscheidung im Wesentlichen bei Maggie liegt. Als Arthurs Vater merkt, dass seine Bemühungen nicht zum Erfolg führen, verweist er seinen Sohn aus dem Haus und streicht ihm auch die finanziellen Mittel, die er zum Besuch eines guten Colleges dringend benötigen würde. So muss sich Arthur zunächst damit zufrieden geben, das örtliche College zu besuchen und darauf zu hoffen, dass sich die Wogen im Hause Alderman bald wieder glätten. Die scheinheilige Doppelmoral von Arhurs Vater führt zu einem überraschenden Ende des Buches. Meine MeinungDer Roman aus dem Spätwerk der Autorin wirkt zunächst etwas ungewöhnlich im Vergleich zu ihren früheren Werken. Ist die unterschwellige, bedrohliche Stimmung, die viele ihrer Romane auszeichnet, oft schon von den ersten Seiten an spürbar, kommt diese in diesem Roman erst sehr spät zum Tragen. Da die Autorin den Schwerpunkt der Erzählung auf die Erlebnisse Arthur Aldermans lenkt, liest sich der Roman über weite Strecken wie ein Entwicklungsroman. Die thrillerhaften Elemente tauchen erst im letzten Teil des Romans auf und auch hier zeigt sich die Autorin wieder als Meisterin der literarischen Stilmittel, in dem sie die eigentliche Tat gar nicht beschreibt, sondern nur deren Auswirkungen. Sie weiß genau, die Phantasie des Lesers kann manchmal grausamer sein, als eine explizite Beschreibung. Das Buch spiegelt recht offensichtlich Patricia Highsmith‘ Meinung zu einem großen Teil der amerikanischen Gesellschaft, insbesondere zu den konservativen Einwohnern des mittleren Westens wider. In der fehlenden Toleranz und Engstirnigkeit dieser Menschen sieht sie ein großes gesellschaftliches Problem, man kann davon ausgehen, dass es gerade diese Sorte Menschen war, die auch im Leben der Autorin immer wieder für Probleme sorgten. Das Nachwort von Paul Ingendaay gibt hier aufschlussreiche Einblicke in die Recherchearbeit der Autorin, wozu sie seinerzeit in die Stadt Bloomington (Indiana) gereist ist, die als Vorbild zur fiktiven Stadt Chalmerston im Roman dient: "Aber die tiefe Langeweile von alldem! …Der Mangel an Vielfalt! Das ist ein hoher Preis für Sicherheit, Platz, körperliches Wohlbefinden. Ich tröste mich mit dem Gedanken, dass mein Leben in Europa interessant und abwechslungsreich ist, auch wenn es hart ist, teurer, einsamer (was es eigentlich gar nicht ist) als in dieser Stadt des Mittleren Westens." (Seite 504)Und so ist dieser Roman dann auch unerwartet aktuell, denn die zur Entstehungszeit des Romans vorherrschende Stimmung in Amerika dürfte der heutigen nicht unähnlich sein. Nach dem Wahlsieg von Ronald Reagan setzten sich mehr und mehr wieder konservative Ideen im Land durch, liberale Gedanken wurden zurückgedrängt, finanzielle Mittel für Bildung und Umwelt drastisch gekürzt, die Militärausgaben erhöht. Auch der in Amerika traditionelle Kampf zwischen Gegnern und Befürwortern von Abtreibungen erreichte einen neuen Höhepunkt. Was darüber hinaus an diesem Roman auffällt, ist die deutlich positive Darstellung fast aller weiblicher Charaktere. Der psychopathische Vater und der ebenfalls wenig sympathische jüngere Bruder bekommen hier ein ganzes Ensemble an vernünftigen, empathischen Frauenfiguren gegenübergestellt. Das reicht von der fürsorglichen Großmutter über die freundliche Nachbarin und der liberalen Mutter Maggies bis zur Bibliothekarin, die immer an Arthur glaubt. Die Männer kommen in diesem Roman, bis auf wenige Ausnahmen, nicht gut weg. FazitEher ein coming-of-age-Roman als ein Psychodrama, dennoch unverkennbar ein typischer Highsmith-Roman, der den Leser durch die beschriebenen Konflikte in seinen Bann zieht. Die Beschreibung, wie Arthur Alderman erwachsen wird und die Einblicke in das Leben in der amerikanischen Provinz haben mir sehr gut gefallen. Für einen siebzehnjährigen verhält sich der Protagonist manchmal zwar schon etwas zu vernünftig, aber das ist nur ein kleiner Wermutstropfen in diesem ansonsten sehr empfehlenswerten Roman aus dem Spätwerk der großen Autorin. Highsmith-Fans werden früher oder später vermutlich ohnehin zu diesem Buch greifen. Für Einsteiger in das Werk der Autorin würde ich dennoch zunächst andere Bücher empfehlen. Neben den grandiosen Ripley-Romanen kann ich guten Gewissens zu Der Schrei der Eule oder Tiefe Wasser raten, auch ihr Debutroman Zwei Fremde im Zug (verfilmt von Alfred Hitchcock) eignet sich als Einstieg sehr gut.

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  • Manchmal sollte man nicht öffnen, wenn jemand klopft

    Leute, die an die Tür klopfen

    Charlea

    05. September 2015 um 23:18

    "Leute die an die Türen klopfen" ist mein dritter Roman der Autorin. Nachdem ich zuletzt Ediths Tagebuch ausgelesen hatte, war mir schon bewusst, dass sie zu den Autoren gehört, bei denen nicht das Thema ihres Buches mich reizt, sondern das, was daraus machen. Ich denke, wenn sie über die Selbstverständlichkeit einer Erbse in einer Erbsensuppe geschrieben hätte, hätte ich auch das gelesen und als gut befunden. Man hat das Gefühl, dass man die Protagonisten des Buches vor sich sieht, als würde man auch Bewohner des Hauses der Aldermanns sein. In einer anderen REzension habe ich gelesen, dass sie dieses Buch vielleicht nicht mehr in die heutige Zeit passt, diese Meinung kann ich keineswegs vertreten, denn gerade das zentrale Thema: die Macht des Vorbilds und der Religion sind und bleiben absolut zeitlos, was ich gar nicht einmal negativ meine.

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  • Rezension zu "Leute, die an die Tür klopfen" von Patricia Highsmith

    Leute, die an die Tür klopfen

    MarlaSinger

    15. September 2010 um 22:38

    Dieses Buch hat mich gereizt, da ich das Thema Sekten und deren Einflussbereich ungemein spannend finde. Vorab sei jedoch schon gesagt, dass die Erwartungen in dieser Hinsicht nicht ganz erfüllt wurden, da innere Organisation und Dynamik einer solchen religiösen Verbindung in Highsmiths Werk kaum beschrieben werden. Im Mittelpunkt der Handlung steht der 17-jährige Arthur, Sohn einer mittelständigen amerikanischen Familie, der gerade die Highschool absolviert hat. Sein beschauliches Leben ändert sich schlagartig, nachdem sein 15-jähriger Bruder Robbie eine schwere Krankheit überlebt und sein Vater daraufhin, im Glauben an ein göttliches Wunder, in einen religiösen Wahn verfällt. Als Arthurs Freundin Maggie dann auch noch ungewollt schwanger wird und eine Abtreibung im Raum steht, gerät das Leben des Jungen völlig aus der Bahn. Die Wendungen die dann eintreten reißen den Leser stark mit. Man empfindet immer mehr Mitleid für den jungen Mann und Verachtung für seinen Vater und dessen Mitstreiter. Zwischendurch glaubt man, auch die Frauen der Familie stellten sich gegen ihn, was zunächst ein wenig an die Dynamik von Dürrenmatts „Der Besuch der alten Dame“ erinnert, indem sich letztendlich alle gegen den „Schuldigen“ stellen. Ein besonderes „Ereignis“ bringt dann jedoch den positiven Wendepunkt und entschädigt Arthur und die Leser für die unheilvollen Stunden. Ich habe immer noch auf den großen Schock gewartet, dieser trat dann auch ein---indem das Buch urplötzlich endete. Das Nachwort von Paul Ingendaay, in besten Spiegelleserdeutsch verfasst, sprich zu umständlich geschrieben, gibt dem Leser noch einige Informationen zur Entstehungsgeschichte und weißt Parallelen zwischen Highsmiths und Arthurs Leben auf, wovon mir einige jedoch zu weit hergeholt erscheinen. Wenn ich diese Ergänzung auch als hilfreich empfand um nochmals im Nachhinein einige Antworten zu finden, erschien mir dieser „Aufsatz“ ein wenig wie die metaphorisch ausgeschmückte literarische Erörterung eines Zwölftklässlers. An dieser Stelle würde sich Highsmith sicherlich im Grabe umdrehen.

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