Hach, was soll ich sagen? Das Buch war genau richtig für die Reise nach Paris und für danach! Konnte ich doch den Wegen Ulrikes nachspüren, war sie doch an vielen Orten, an denen meine Tochter und ich auch während unseres Aufenthalts waren. Sie hat uns ins Marais begleitet, wir waren mit ihr in Montmartre, standen gemeinsam am Eiffelturm und haben auf die Seine geblickt.
Und es war auch ein Rückblick für mich, denn Paris hat sich verändert, die Zeiten haben sich geändert. Paris ist grüner und sauberer geworden, es ist tatsächlich möglich dort gut Fahrrad zu fahren (was übrigens auch Ulrike im Buch macht). Was anders ist, ist die Stimmung heute, allerdings nicht nur in Paris. 1989 – der Fall der Mauer, es gab ganz viel Unsicherheit, aber auch eine große Aufbruchsstimmung, Deutschland war auf dem Weg der Wiedervereinigung. Damals war ich ungefähr so alt wie die Protagonistin und kann mich vermutlich so gut an dieses Gefühl erinnern. Die Luft vibrierte vor Aufregung, vor Neuanfang.
Doch dieses optimistische Gefühl mit dieser jungen Frau noch einmal zu erleben, die so völlig mutig und ein wenig unbedarft in ein ganz anderes Land aufbricht, ohne einen Pieps Französisch zu sprechen, ist ein Geschenk der Autorin an Menschen wie mich, die das erlebt haben. Aber auch an andere, um sich ein wenig an Ulrikes Optimismus laben zu können. Sie wandert aus, startet in einem neuen Staatssystem und lernt mit Feuereifer Französisch, sucht sich einen Job, saugt die Stadt förmlich in sich auf und lernt sie durch die Menschen, die sie dort trifft, kennen. Sie ist dabei, irgendwo anzukommen, was für ein schönes Gefühl!
Dabei ist sie immer auch Beobachterin von sich, ihrem Tun und dem, was in der ehemaligen DDR passiert, erlebt das Auseinanderfallen ihres Landes, in dem sie geboren wurde, bleibt in Kontakt mit denen, die dort geblieben sind und gewöhnt sich nach und nach an die neue Umgebung und das neue Leben. Sie wird das, was man unter „flügge“ versteht, ein Vogel, bereit das Elternnest zu verlassen und auf eigenen Beinen zu stehen. Auch beschreibt sie klar bzw. abgeklärt ihre Empfindungen als sie den Mauerfall realisiert.
Sprachlich hat mich dieses Buch gefangen genommen, ich mochte die feinen Beobachtungen und Beschreibungen. Auch gefallen mir die vielen Verweise auf Literatur und Geschichte und die Art, wie die Autorin die einzelnen Personen von Seite zu Seite lebendiger werden lässt. Und – ganz groß – wie sie beschrieben hat, was Ulrike verstanden hat am Anfang, zum Beispiel „deh dokümong“ oder „Il ne fo pa vu depeschee. Onna dü tom.“
Ein fein erzähltes Buch, das ich gerne gelesen habe.















