Patricia Mante-Proust Marcel Proust

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Inhaltsangabe zu „Marcel Proust“ von Patricia Mante-Proust

Lange Zeit bin ich früh schlafen gegangen ...” Mit diesen Worten, der vielleicht berühmtesten ersten Zeile der französischen Literatur, beginnt ein Meisterwerk, das von seinem eigenen Autor als Kathedrale bezeichnet wird: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Niemals zuvor hat sich ein Schriftsteller so meisterlich der Introspektion und der Mechanismen der Erinnerung bedient. Generationen von Lesern weltweit begleiteten ihn auf seiner wundersamen Suche und erlebten die fast mystischen Dimensionen des Geschmacks einer einfachen Madeleine. Die Rätsel, die À la Recherche du temps perdu uns aufgibt, sind eine Einladung, uns mit den Mysterien und Geheimnissen seines über die Maßen phantasiebegabten Autors zu beschäftigen. Zeitgenossen beschrieben Proust als nervösen, quälend schüchternen Menschen, der sich die meiste Zeit in sein mit Kork ausgelegtes Schlafzimmer zurückzog, doch wer war Marcel Proust wirklich? Und was verrät der berühmte Questionnaire über ihn, dieser Fragebogen, den er einst ausfüllte und der nun seinen Namen trägt? Der vorliegende prächtige Bildband im Folio-Format nähert sich dem literarischen Genie auf ganz neuen Wegen; mit Photos, Manuskriptseiten und anderen einzigartigen Zeitdokumenten, hier zum Teil erstmals veröffentlicht. Tauchen Sie ein in ein Leben und eine Epoche, zeitlos geworden durch den magischen Schreibstil dieses Autors.

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  • "Lange Zeit bin ich früh schlafen gegangen"

    Marcel Proust
    HeikeG

    HeikeG

    02. August 2015 um 13:44

    "Die Erinnerung an ein bestimmtes Bild ist nichts anderes als Trauer um einen bestimmten Augenblick", schrieb Marcel Proust. Auch Patricia Mante-Proust, seine Großnichte (er war der Onkel ihrer Großmutter) und Verwalterin seines Nachlasses, empfindet eine solche "Trauer". Sie bezeichnet ihn sogar als Mangel. Denn anders als der - neben Joyce und Kafka - wichtigste Mitbegründer der literarischen Moderne hat sie nicht die Fähigkeit, "die Kraft der Worte zu nutzen, um die Zeit zurückzudrehen, um diesen 'Augenblick' zu leben". Diese Möglichkeit, in der es ihr vergönnt gewesen wäre, diesen Mann kennenzulernen, der es so einzigartig verstand, auf manchmal gnadenlose Weise die mondäne Gesellschaft zu skizzieren. Sie wählt einen anderen Weg. Doch nicht um die Neuschreibung der Biografie des literarischen Genies geht es Patricia Mante-Proust, sondern sie schöpft vielmehr aus Kindheitserinnerungen und taucht sehr persönlich in die Lebensgeschichte ihrer Familie ein. Gewissermaßen gleicht ihr Abriss eher einem Biss in eine Petit Madeleine, diesem in Lindenblütentee getunkten Gebäckstücks, das Marcel Proust in seinem Jahrhundertroman "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" als Schlüssel zur Vergangenheit diente. "Mit einem Mal war die Erinnerung da", steigen Stadt und Gärten von Combray vor dem geistigen Auge auf..... In dem vorliegenden Prachtband gelingt der Herausgeberin ein wunderbarer Blick auf den französischen Schriftsteller, seine Familie, seine Zeit und natürlich sein herausragendes Œuvre. In sechs Kapiteln (Kaleidoskop eines Lebens / Portraits in Worten und Bildern / Freuden und Tage / Über das Leben / Die Düfte, Farben und Klänge in der Sprache der Sinne vereint / Ein Kunstwerk wie ein Kleid) findet sie gemeinsam mit den kompakten Texten von Mireille Naturel, Generalsekretärin der Société de Marcel Proust, die als verbindendes Element kongenial eingesetzt werden, einen ganz eigenen Weg der Annährung an ihren berühmten Vorfahre. Entstanden ist ein auserlesenes, aufschlussreiches und anspruchsvoll konzipiertes Panoptikum eines der wichtigsten französischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Das Buch erfährt sich nicht als chronologische Abhandlung seiner Lebensdaten, sondern es gleicht vielmehr einem Kaleidoskop, ist Zettelkasten und Bilderfundus in einem und spielt, ähnlich wie es Marcel Proust in seinen Texten tat, mit dem Leser. Kurze biografische Einzelabrisse, Zeitsprüngsel aus seinem Leben, wechseln sich mit Auszügen aus seinem großen Hauptwerk ab. Man wandelt durch Auteuil und Illiers, steigt die berühmte Treppe im Hause von Tante Léonie in Illiers-Combray empor, betrachtet den Kirchturm von Saint-Jacques (Saint-Hilaire im Roman) mit den Augen der Großmutter, die darin die Verkörperung jener "Abwesenheit von Gewöhnlichkeit, Anmaßung oder Kleinlichkeit, die sie auch an der Natur - sofern sie nicht von Menschenhand, wie z. B. dem Gärtner meiner Großtante, verdorben wird - und an echten Meisterwerken liebte und ob ihres positiven Einflusses schätzte", sah. Der Leser sitzt mit dem Schriftsteller im Grand Hôtel von Cabourg, bereist seine Inspirationsquelle - die Normandie -, wandelt durch diverse Salons oder wird in das Geheimnis seines Zimmers eingeweiht. Ganz so wie sein Autor selbst, der, "etwas von Mercutio und Puck an sich [hatte]: Stets verfolgte er mehrere Gedanken gleichzeitig, entschuldigte sich gewandt für seine Zuvorkommenheit, war von ironischen Bedenken geplagt, von Natur aus komplex, hochgradig empfindsam und zart." (Léon Daudet: Salons et Journaux) So schließt denn diese wundervolle Ausgabe wie sie begann und zwar mit Betrachtungen der berühmten Weißdornhecke. Und genau wie die Liebe Prousts zu dieser Blüte, so öffnen sie vielleicht auch dem Leser den Weg zu seinem Werk. Ein Buch für Proust-Liebhaber, aber auch solche, die es werden möchten. Vielleicht schließen sie sich hernach gar der großen Zahl der Verehrer aus der ganzen Welt an und pilgern fortan gemeinsam Jahr für Jahr Mitte Mai zu den Weißdornhecken nach Illiers, um ihrem Idol ihre Hochachtung zu zeigen und einen Moment der Verbundenheit zu zelebrieren. Oder aber sie schlagen dieses unglaublich repräsentative, großformatige Werk auf und ergötzen sich an Bild und kompetent-informativem Text. "Wenn es nach mir geht, sind sie nicht meine Leser, sondern Leser ihrer selbst; mein Buch ist nur so etwas wie ein Vergrößerungsglas, wie eines von denen, die der Optiker von Combray einem Käufer reicht; mit meinem Buch liefere ich ihnen das Hilfsmittel, damit sie in sich selbst lesen können." (Marcel Proust: "Die wiedergefundene Zeit")

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