Der Tiger in meinem Herzen

von Patricia McCormick 
4,4 Sterne bei7 Bewertungen
Der Tiger in meinem Herzen
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Unglaublich erschütternd und wahr! Der Völkermord in Kambodscha aus Sicht eines Jungen, der hier den nackten Kampf ums Überleben schildert.

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Die Geschichte dieses Buches war sehr interessant. Die Geschichte wurde sehr gut dargestellt.

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Inhaltsangabe zu "Der Tiger in meinem Herzen"

Nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2016 (Jugendjury)

Von der preisgekrönten Autorin von ›Verkauft‹ – Ein Jugendroman über die Schreckensherrschaft der Roten Khmer in Kambodscha

Als Arn Chorn Pond noch ein Junge ist, übernimmt das radikale kommunistische Regime der Roten Khmer die Macht in Kambodscha. Es folgt ein schrecklicher Völkermord, dem zwei Millionen Menschen zum Opfer fallen – ein Viertel der gesamten Bevölkerung.

Arn hat überlebt. Doch der Preis dafür war hoch. Denn er ist selbst zum Täter geworden. Und es ist ihm schwer gefallen, den Tiger in seinem Herzen zu bändigen.

Schonungslos und brutal erzählt Patricia McCormick von den Killing Fields. Es braucht nachhaltig beeindruckende Bücher wie dieses, um aufzuzeigen, zu welchen Grausamkeiten Menschen fähig sind und welche Fehler sich niemals wiederholen dürfen.

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Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783596811977
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:256 Seiten
Verlag:FISCHER KJB
Erscheinungsdatum:23.02.2017

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    Betsyvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Unglaublich erschütternd und wahr! Der Völkermord in Kambodscha aus Sicht eines Jungen, der hier den nackten Kampf ums Überleben schildert.
    Die schaurige Geschichte der Killing Fields in Kambodscha

    „An einem einzigen Tag kann ein Mensch sich daran gewöhnen, Leichen zu sehen.“

    Eine Geschichte über den Völkermord in Kambodscha, nach der Machtübernahme der Roten Khmer im Jahre 1975, aus Sicht des damaligen 11jährigen Arn, der überlebt hat und selbst wie so viele andere Opfer, aus Angst Dinge tat, auf die er nicht stolz ist und selbst auch zum Täter wurde. Er zeigt was es heißt zu überleben und auch was es einem abverlangt, aber auch, dass jeder dazu fähig ist zu töten, wenn es die Situation verlangt.

    Zu meiner echten Schande muss ich gestehen, dass ich vor diesem Buch so gut wie keine Ahnung hatte was damals in Kambodscha geschehen ist und war deshalb mehr als erschüttert zu lesen was dort passiert ist und das vor gar nicht mal allzu langer Zeit. Es ist immer wieder traurig zu sehen, wie wenig wir aus der Geschichte lernen, selbst wenn man noch so betroffen ist und der Meinung ist so etwas darf nie wieder passieren, ist es leider ein Fakt, dass es auch heute noch passiert. Ein Buch, das definitiv nicht nur für Jugendliche zum Lesen empfehlenswert ist, da es wohl gerade in der heutigen Zeit gekonnt aufzeigt, was Krieg wirklich bedeutet und wie vor allem Kinder darunter zu leiden haben. Man fühlt sich stellenweise sehr an das Naziregime erinnert, mit den Arbeitslagern, den Exekutionen, den erzwungenen Geständnissen und den Denunziationen.

    Was man hier des Weiteren auch gut sieht, ist wie unsinnig das radikale Vorgehen der neuen Machthaber wirkt, besonders weil sie ja das eigene Volk an den Rand des Ruins treiben auf lange Sicht gesehen. Wie so oft ist es schwer nachvollziehbar wie Menschen anderen Menschen so etwas antun können.

    „Sie töten alle, die reich oder wichtig waren. Alle mit einer guten Ausbildung. Soldaten, Lehrer, Ärzte und Musiker. Die Armen lassen sie in Ruhe. Die Welt steht Kopf. Auf einmal ist es nicht mehr gut, reich zu sein. Arm zu sein, kann dein Leben retten.“

    Man wird gleich zu Beginn in die Geschichte aus Sicht von Arn hineingezogen, der teilweise gar nicht recht weiß was gerade wirklich passiert, aber schnell lernt, das nun alles anders ist.

    „Einmal höre ich, wie ein Kind nach seiner Schwester fragt. Die Roten Khmer lachen und sagen, sie würde immer noch auf dem Feld arbeiten, nämlich als Dünger.“

    Die Geschichte besteht quasi immer aus recht kurzen Handlungssequenzen, die aufzeigen wie die neue Herrschaft der Roten Khmer sich entwickelt und vor allem wie scheinbar alles zu deinem Tode führen konnte. Leider wirkt der Erzählstil aber dadurch etwas zu sprunghaft und abgehackt, vor allem durch die kurzen Sätze. Es lässt sich so zwar schnell und einfach lesen, aber kaum hat man sich auf die aktuelle Szene eingestellt und ist schockiert darüber was da passiert, geht es auch schon wieder mit der nächsten genauso bedrückenden weiter.

    Ansonsten ist es eine Lebensgeschichte vor der man wirklich Respekt haben sollte und aufzeigt wie Angst einen Menschen prägen kann. Arn erlebt mit wie die Menschen um ihn herum verschwinden und nicht mehr wiederkommen, er hungert wie so viele andere, aber weiß sich zu helfen und hilft auch anderen, er sieht wie Kinder vor Erschöpfung sterben und wo sie, wie so viele andere schon vor ihnen letztendlich landen, nämlich in einem Massengrab, den sogenannen Killing Fields.

    „Man denkt, man kann sich niemals daran gewöhnen, dass ein Kind stirbt, aber man tut es. Ich denke, ich will auch sterben. Aber ich sterbe nicht. Ich lebe nicht. Und ich bin nicht tot. Ich bin ein lebender Toter.“


    Arn erfährt am eigenen Leib wie sehr die Angst den Alltag prägt und wie jeder versucht zu überleben, auch wenn dies heißt selbst zum Mittäter zu werden.

    Wer ist gut und wer ist böse? Auch hier zeigt sich, es ist alles andere als leicht so einfache Einteilungen zu machen. Zwar gibt es auch hier welche die als Rote Khmer ihre Machtposition genießen, aber eben auch viele die es selbst nur tun um zu überleben. Man erfährt wie so oft bei einem Machtwechsel wie zuerst die Gegner der neuen Fraktion liquidiert werden und als dann bald niemand mehr übrig ist wie man sich untereinander denunziert und letztendlich niemand mehr sicher ist, denn auch innerhalb der Partei gehört schließlich das Übel ausgemerzt.

    Arn hat es überlebt mit viel Glück, Verstand und Ausdauer. Besonders berührend fand ich dann die Zeit als die Roten Khmer von den Vietnamesen vertrieben wurden und wie er nach Amerika kommt. Alles ist neu für ihn und noch immer verfolgen ihn der Krieg und seine eigenen Taten, er hat Angst vor der Wut in seinem Innern und wie leicht er jemanden verletzen könnte, weil er immer noch im Überlebensmodus ist.

    Es gibt einen schönen Epilog zum weiteren Lebensverlauf von Arn Chorn-Pond, wie er seine Geschichte erstmals der Welt offenlegte und auch wie er dank Hilfe endlich wieder einen Sinn fand, richtig leben zu wollen. Ein paar Bilder von Arn, sowie eine kleine geschichtliche Zeittafel wären noch nett gewesen bzw. ein wenig mehr historisches Hintergrundwissen zu den Roten Khmer, dann wäre das Buch wirklich perfekt abgerundet gewesen, aber so spricht die Handlung für sich selbst.

    Fazit: Eine wirklich unglaubliche Geschichte, die nichtsdestotrotz wahr ist und aufzeigt, was Menschen alles ertragen können, wenn der Wille stark genug ist. Patricia McCormick hat in vielen persönlichen Gesprächen mit Arn und anderen Zeitzeugen, sowie weiterer Recherche versucht, seine Geschichte so unverfälscht wie möglich zu erzählen. Es ist die Geschichte eines kleinen Jungen, der den puren Horror miterlebt hat und dazu genötigt wird Dinge zu tun, die er tun muss, um zu überleben, wie so viele andere auch. Seine Geschichte zeigt wie schnell ein Freund zum Feind werden kann, was es heißt Angst zu haben, aber auch, dass es dennoch immer Menschen gibt, die selbst in der hoffnungslosesten Stunde etwas Licht in diese finstere Zeit bringen und andere auf ihre Art und Weise beschützen. Das Ganze wird zwar etwas zu abgehackt für meinen Geschmack erzählt, aber dennoch wird man mitgerissen und ist schockiert darüber was in Kambodscha passiert ist. Man erlebt alles aus den Augen von Arn und es bricht einem fast das Herz wie er hier seine Lektionen lernt und wie schwer es ist nach dieser Zeit des Todes und Kampfes wieder in ein normales Leben zurück zu finden, zu sehr war sein Leben vom Hass, Wut und Krieg geprägt. Eine eindrucksvolle Lebensgeschichte, die wieder einmal zeigt, dass es Situationen gibt, in der ein jeder zum Täter werden kann und wie schwer es ist zwischen Gut und Böse zu unterscheiden. Aufwühlend und Schockierend. Ein Buch, das man unbedingt gelesen haben sollte!

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    Fornikas avatar
    Fornikavor einem Jahr
    Bedrückend

    Arn ist gerade einmal 11 Jahre alt, als die roten Khmer die Herrschaft in Kambodscha an sich reißen. Schnell versinkt das Land in Angst und Schrecken; Arn wird nicht nur von seiner Familie getrennt, sondern in ein Arbeitslager gebracht. Ein Arbeitslager für Kinder. Unter widrigsten Umständen müssen hier schon die Kleinsten schuften. Bis zur Erschöpfung, bis zum Umfallen, bis zum Tod.

     Patricia McCormick hat für ihren Roman viele Stunden im Interview mit Arn Chorn verbracht. Sie erzählt dessen Geschichte aus seiner Perspektive, bemüht sich ihre Erzählweise seinem 11-jährigen Ich anzupassen. Das gelingt ihr sehr gut, der Schrecken wird dadurch nur noch größer. Ein Kind in kindlicher Weise von Mord und Totschlag, unbändiger Grausamkeit und Ekel berichten zu hören, ist wirklich harter Tobak. Dabei müssen die Dinge nicht immer bis ins Detail beschrieben werden, die wirklichen Scheußlichkeiten findet man auch zwischen den Zeilen. Das Buch wird als Jugendroman beworben, ist aber sicherlich nicht unbedingt für jüngere bzw. zartbesaitete Leser geeignet. Mich hat Arns Geschichte über weite Teile schockiert und traurig gemacht. Man entwickelt schnell Mitleid für ihn, aber auch Respekt. Es ist tröstlich zu wissen, dass Arns Geschichte gut ausgeht, er wurde dafür berühmt, immer wieder öffentlich über den Völkermord in Kambodscha zu sprechen, setzt sich für Hinterbliebene ein und kämpft für Gerechtigkeit. Trotzdem hat man nach der Lektüre die vielen Opfer im Hinterkopf, denen das Schicksal nicht so hold war. Ein schreckliches Stück Geschichte, dem die Autorin mit diesem Buch ein würdiges Mahnmal gesetzt hat.

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    Crazy-Girl6789s avatar
    Crazy-Girl6789vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Die Geschichte dieses Buches war sehr interessant. Die Geschichte wurde sehr gut dargestellt.
    gelungenes, interessantes Buch

    Erster Satz: Am Abend ist in unserer Stadt überall Musik.

    Fakten:

    Autor: Patricia McCormick
    Verlag: FISCHER KJB
    Erscheinungsdatum: 23.02.2017
    Genre: Jugendbuch
    Seiten: 256

    Inhalt:

    Ein Jugendroman über die Schreckensherrschaft der Roten Khmer in Kambodscha. Als Arn Chorn Pond noch ein Junge ist, übernimmt das radikale kommunistische Regime der Roten Khmer die Macht in Kambodscha. Es folgt ein schrecklicher Völkermord, dem zwei Millionen Menschen zum Opfer fallen – ein Viertel der gesamten Bevölkerung. Arn hat überlebt. Doch der Preis dafür war hoch. Denn er ist selbst zum Täter geworden. Und es ist ihm schwer gefallen, den Tiger in seinem Herzen zu bändigen. Schonungslos und brutal erzählt Patricia McCormick von den Killing Fields. Es braucht nachhaltig beeindruckende Bücher wie dieses, um aufzuzeigen, zu welchen Grausamkeiten Menschen fähig sind und welche Fehler sich niemals wiederholen dürfen. VERÄNDERE DIE WELT, INDEM DU DIE WAHRHEIT SAGST!

    Gestaltung:

    Auf dem Cover sieht man einen Jungen der hinter einem Zaun steht. Er trägt eine Uniform und hat einen traurigen Gesichtsausdruck. Das Cover ist ganz in grau gehalten. Die Schrift des Titels ist rot und die der Autorin ist schwarz.

    Sprache:

    Ich finde die Sprache sehr gut gewählt. Zudem hat mir auch der Schreibstil sehr gut gefallen. Dadurch konnte man der Geschichte richtig gut folgen. Die Kapitel sind sehr gut eingeteilt. Die Gefühle von Arn werden sprachlich sehr gut dargestellt. So konnte man seine Handlung nachvollziehen.

    Fazit:

    Mir hat das Buch seht gut gefallen. Ich finde, dass die Geschichte total interessant war. Vor allem da man nicht so viel über das radikale kommunistische Regime der Roten Khmer in Kambodscha weiß. Ich muss mir sogar eingestehen, dass ich vor diesem Buch nicht mal davon wusste. Meiner Meinung nach ist es also ein außergewöhnliches Buch. Nach dem Lesen hat man so viel Neues erfahren bzw. gelernt. Ich finde, dass die Geschichte sehr gut geschrieben ist und da es auf einer wahren Begebenheit beruht, wird das Buch nur noch realistischer.

    Alles in allem kann ich sagen, dass dies ein sehr gelungenes Buch. Also eine absolute Leseempfehlung von mir. Ich würde aber empfehlen dieses Buch zu lesen, wenn man sonst nicht mehr viel vorhat, denn ich konnte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen.

    Viel Spaß beim Lesen…

    Hinweis: Es ist alles meine Meinung; andere empfinden vielleicht anders.

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    PrinceXLs avatar
    PrinceXLvor 3 Jahren
    Aufwühlend!

    Patricia McCormick beschreibt in ihrem biografischen Buch die Geschichte von Arn Chorn Pond. Arn ist gerade mal 11 Jahre alt, als die Brigaden der Roten Khmer in seine Stadt einfallen und die Bewohner vertreiben um sie in Arbeitslager zum Reisanbau zu zwingen. Schon auf dem Weg dorthin wird er mit dem Tod konfrontiert: wer nicht spurt wird erschossen, wer zu schwach ist wird liegen gelassen und wer zu helle Haut hat muss zur Bildungselite gehören und wird ermordet.

    „An einem einzigen Tag kann ein Mensch sich daran gewöhnen, Leichen zu sehen.“

    Arn wird von seiner Familie getrennt und in ein Kinderlager gesteckt. Dort muss er von früh bis spät harte Arbeit auf den Reisfeldern verrichten. Die dünne Reissuppe sättigt nicht, viele Kinder werden krank und sterben. Ständig lebt Arn mit der Gefahr aufzufallen und im Wald im Massengrab zu enden. Er lernt, sich auf nur ein Ziel zu konzentrieren: Überleben.

    Es kann kaum noch schlimmer kommen, aber dann marschiert die vietnamesische Armee ein, und Arn wird ein Gewehr in die Hand gedrückt, um Kambodscha gegen den „teuflischen Feind“ zu verteidigen...

    Das Buch ist in der Ich-Form in einer passenden einfachen Sprache geschrieben, ohne Pathos und fast emotionslos. Und gerade diese sprachliche Klarheit hat mich sehr angesprochen. Denn viele Dinge werden in kurzen Sätzen geschildert, so dass ich mir selbst erst die Bedeutung und die Tragweite bewusst machen muss. Damit fesselt mich die Geschichte um so mehr.

    Die Ungerechtigkeit und die Brutalität machen mich als Leser wütend und ich frage mich immer wieder, wie Menschen anderen so etwas antun können. Der Autorin gelingt es, mich zum Nachdenken anzuregen.

    Tagtäglich kann man in den Nachrichten von Krieg und Unterdrückung hören. Aber Bücher wie dieses bringen mir die Bedeutung für die Betroffenen viel näher als die nackten statistischen Zahlen, die mich eher abstumpfen lassen.

    Der Verlag empfielt das Buch ab 14 Jahren. Dem kann ich folgen, Kinder in diesem Alter können die Ereignisse durchaus verarbeiten. Aber ich finde es auch für Erwachsene absolut lesenswert.

    Das Schicksal von Arn hat mich nachhaltig beeindruckt. Manches ist schon schwer zu verdauen. Ich fand die Geschichte aber packend von Anfang bis Ende.Es ist ein starkes, aufwühlendes Buch!


    ©
    Rezension:
    2015, Marcus, buecherkaffee.de

     

     

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    Fantasie_und_Träumereis avatar
    Fantasie_und_Träumereivor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Grausamkeiten die den Tod lebenswerter machen, als das Leben.
    Menschensterben in Kambodscha



    "Seine Augen sind leer, er spricht mit einer komischen Stimme, nicht traurig, wie ein Roboter. 'Sie haben ihn getötet', sagt er. 'Die roten Khmer töten alle.'"


    1975 begann der Völkermord in Kambodscha. Herbeigeführt durch kambodschanische Guerillas, die eine Art "Agrarkommunismus" aus ihrem Heimatland machen wollte. Um ihren Willen durchzusetzen, nutzten die Roten Khmer alle Mittel die ihnen Recht waren. Rund 2 Millionen Kambodschaner fielen ihnen zum Opfer.


    "Am nächsten Tag geht es weiter. Wir sehen mehr Tote. Ein Baby, in einen alten Sarong gewickelt, nicht mal begraben, liegt einfach am Straßenrand."


    Arn Chorn-Pond war einer von ihnen. Gefangen genommen von den Guerilla Kriegern, getrennt von der Familie, gezwungen zur Arbeit auf den Reisfeldern. Sonne, Anstrengung und mangelnde Nahrung haben viele seiner Mitmenschen - egal ob Kind, Frau oder Mann - das Leben gekostet. Wer sich dagegen aufgelehnt hat, wer gebeten, gebettelt oder verhandelt hat, wer nicht in der Spur der Roten Khmer lief, wer zu viel wusste und zu viel erkannte oder wer einen Aufseher mit schlechter Laune erwischte wurde getötet. Gnadenlos und ohne Reue. Zum Wohle des Volkes, zu dem aber scheinbar nur andere Menschen gehörten - wie so oft in der Geschichte der Erde.


    "Eines abends stirbt das Mädchen, das neben mir sitzt. Sie sitzt da und stirbt. Ohne Geräusch. Sie hört einfach auf zu atmen. Wir essen alle weiter. Wir sehen sie nicht. Ich nehme mir schnell ihre Schale Reis und esse sie auf."


    1984 bricht Arn Chorn-Pond sein Schweigen, hält eine Rede, bei der er interessierte Amerikaner über die Gräueltaten der Roten Khmer aufklärt. Es ist das erste Mal, dass er weint. Kann seinen Tränenfluss kaum stoppen, bei der Erinnerung an all die verlorenen Seelen, die Opfer eines Fanatismus geworden sind. Wie ihm ging erging es auch mir, als ich an seiner Geschichte, von Patricia McCormick mit gewohnter Sorgfalt zu einem Roman verpackt, teilgenommen habe.


    "Man denkt, man kann sich niemals daran gewöhnen, dass ein Kind stirbt, aber man tut es. Ich denke, ich will auch sterben. Aber ich sterbe nicht. Ich lebe nicht und ich bin nicht tot. Ich bin ein lebender Toter."


    Historische Ereignisse wie dieses dürfen nicht in Vergessenheit geraten. Zu schlimm um es mit eigenen Worten auszudrücken ist das, was Menschen einst widerfahren ist und noch heute Generationen danach beeinflusst. Ich glaube kaum, dass ein Mensch wie Arn je vergessen kann was er erlebt hat. Situationen, die sich von uns nur erahnen lassen, die mir nicht nur Trauer, sondern auch Übelkeit und Hass ins Herz treiben und Arn dazu bringen das Leben mehr zu fürchten, als den Tod. Patricia McCormick hat dieses sehr bewegende Schicksal eines Mannes, der als Kind durch die Hölle gegangen ist, eindrucksvoll zu einem Roman zusammengefasst, der mehr als unter die Haut geht. Der tief in mich greift und mich sicher dazu bringen wird, Arn Chorn-Pond für immer im Gedächtnis zu halten.


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    billîs avatar
    billîvor einem Monat
    TeamFirereds avatar
    TeamFireredvor 3 Jahren

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    Ein Text, der grausam und brutal ist und dennoch immer den Glauben an die Menschlichkeit durchscheinen lässt.

    McCormick hat hier eine - auch angesichts der aktuellen politischen Krisenherde - wichtige und beeindruckende Stimme eingefangen und das sprachlose Grauen vermittelbar gemacht.

    Der eindrückliche Text entlässt einen mit dem Gefühl der Verstörung, vor allem aber dem Drang mehr über Kambodscha zu erfahren.

    Der sprachlich ungemein präzise getaktete Entwicklungsroman ist ein literarisch grandioses Lehrstück dessen, wozu Menschen fähig sind.

    Ein Buch, das einen noch lange beschäftigt.

    Das Buch lebt von der direkten ungefilterten Sprache eines Elfjährigen, der überleben will.

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