Patrick Chamoiseau Migranten

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Inhaltsangabe zu „Migranten“ von Patrick Chamoiseau

Patrick Chamoiseau anwortet mit seinem Essay auf
das Ohnmachtsgefühl zweier Künstlerinnen: Hind
(Meddeb) ist Filmemacherin, sie hat die Räumung des
»Dschungels« in Calais dokumentiert und die Zerstörung
des Lagers von Geflüchteten an der Metrostation
Stalingrad im Zentrum von Paris gefilmt; und Jane,
eine junge Schriftstellerin, die von ihren Eindrücken
berichtet, wenn sie die Geflüchteten mit einem
Frühstück versorgt.
Die Hypnose in den westlichen Ländern besagt, wir
bräuchten unseren Frieden, »die Ruhe der Zivilisierten
«, und diese werde von den Migranten gestört, sie
seien Eindringlinge wie einst die Barbaren im antiken
Griechenland. Chamoiseau sieht jedoch die Barbarei
im Inneren der westlichen Gesellschaften, die dem
neoliberalen kapitalistischen System hörig sind. Unter
der Herrschaft des Maximalprofits verlieren alle, bis
auf einige wenige. Dabei wurde der Reichtum des
Westens von allen erbracht, nicht zuletzt von den
Menschen in den Kolonien, aber auch über Generationen
von den Arbeitnehmern. Dieser Reichtum steht
daher allen zu. Die kulturelle, menschliche Seite der
Globalisierung ist die »Mondialität«, das Bewusstsein,
dass die Welt eins ist. Die Migranten zeigen auf, dass
den großen Gewinnern diese Welt nicht gehört.
Chamoiseau beschreibt die vitale Kraft der Migranten,
ihre Vision zu leben – »etwas Besseres als den Tod
findest du überall«, wie es im Märchen heißt. Es gibt
kein Leben ohne Bewegung, keine Vitalität ohne
Wanderschaft. »Die neoliberale Barbarei hat auf ihre
eigene Weise die Welt verriegelt, es wäre völlig
verfehlt zu glauben, dass dieser Riegel uns schützt.«

Ermutigend.

— jamal_tuschick
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  • Der Dschungel von Calais

    Migranten

    jamal_tuschick

    08. October 2017 um 11:56

    Ohne die Exploitationskampagnen seit den westindischen Abenteuern des Kolumbus wäre Europa zu schwach, um auch nur eine Grenze zu halten. Die alten Kolonialreiche erheben als Demokratien weiterhin Anspruch auf Überlegenheit. Sie wollen, so sagt es Patrick Chamoiseau, „Elend, Terror und Armut“ an einem anderen Ende der Welt „anpflocken“. Jahrhundertelang konnten sie vom Youth Bulge über die Lohnkosten und den Müll bis zu ihren Schwerverbrechern Belastungen exportieren und sonst wo vergesellschaften. Oft waren Verworfene die ersten Weißen an fernen Gestaden. Sie brachten das große Projekt der Zivilisation. Nun formuliert sich der europäische Standpunkt auf einem Berg von Leichen, der zur Abschreckung täglich im Fernsehen gezeigt wird. Chamoiseau schildert Massengräber der Hoffnung, ausgehoben von Schergen an der Peripherie. Er findet traumhaft schöne Bilder für das Grauen. Die Migranten geraten aus Metropolen in ewignächtliche Randgebiete. Chamoiseau entdeckt die Wüsten von Europa. Der in Calais planierte Dschungel bricht durch den Asphalt der Pariser Boulevards. http://www.zeit.de/video/2017-07/5500705715001/calais-was-aus-dem-dschungel-geworden-istAuch dieser Dschungel ist eine europäische Lektion so wie „die vielen kleinen Menschen, von Geburt Staatenlose, Unberührbare, ewige Parias, nirgends zugehörig, verbannt in das Reich der Medusen und gesunkenen Boote“. Chamoiseau erwähnt die Ausdauer der Migranten. Sie ist das stärkste Streitmittel einer neuen Bürgerrechtsbewegung, so sagt es Hilal Sezgin, sich auf Angela Davis berufend in „Nichtstun ist keine Lösung“. https://www.lovelybooks.de/autor/Hilal-Sezgin/Nichtstun-ist-keine-L%C3%B6sung-1453722252-w/rezension/1493967420/Chamoiseau erklärt das Internet zum Gehör der Welt. Es versende, „was die Bestie gerissen und gefressen hat“. Für die Barbaren gäbe es keine Insel der Seligen mehr, wo sie ungestört schalten können. Das ist bestimmt zu optimistisch. Chamoiseau besteht darauf, ermutigend zu wirken: „Die Mondialität ist eine Ahnung, von der die gesamte Menschheit in ihrer Diversität ergriffen wird, und die über die Erde in ihrer Weite und Tiefe hinweg alle miteinander verbindet.“

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