Patrick Deville

 4,2 Sterne bei 15 Bewertungen
Autor von Pest & Cholera, Viva und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Patrick Deville

Patrick Deville, geboren 1957, studierte Vergleichende Literaturwissenschaften und Philosophie in Nantes und arbeitete dort anfänglich als Dozent. Er lebte in den 1980er Jahren im Nahen Osten, in Nigeria und Algerien. In den 1990er Jahren besuchte er Kuba, Uruguay, Mittelamerikanische Staaten und Staaten des ehemaligen Ostblocks. Er gründete und leitet die »Maison des écrivains étrangers et des traducteurs« und deren Zeitschrift Meet. Seine Werke wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, unter anderem als »bester Roman des Jahres« der Zeitschrift Lire, mit dem Fnac-Preis und dem Prix Fémina.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Patrick Deville

Cover des Buches Pest & Cholera (ISBN: 9783293207752)

Pest & Cholera

 (6)
Erschienen am 24.07.2017
Cover des Buches Viva (ISBN: 9783293208476)

Viva

 (3)
Erschienen am 15.07.2019
Cover des Buches Kampuchea (ISBN: 9783293207905)

Kampuchea

 (2)
Erschienen am 19.02.2018
Cover des Buches Äquatoria (ISBN: 9783293208049)

Äquatoria

 (2)
Erschienen am 16.07.2018
Cover des Buches Taba-Taba (ISBN: 9783293208933)

Taba-Taba

 (1)
Erschienen am 15.02.2021
Cover des Buches Amazonia (ISBN: 9783037620908)

Amazonia

 (0)
Erschienen am 01.03.2021
Cover des Buches Aequatoria (ISBN: 9783037620281)

Aequatoria

 (0)
Erschienen am 14.03.2013
Cover des Buches Pura Vida (ISBN: 9783442739066)

Pura Vida

 (0)
Erschienen am 01.12.2009

Neue Rezensionen zu Patrick Deville

Cover des Buches Taba-Taba (ISBN: 9783293208933)A

Rezension zu "Taba-Taba" von Patrick Deville

Kein bla bla
aus-erlesenvor 9 Monaten

Schon zu Beginn der Corona-Pandemie kam man an einem Buch von Patrick Deville nicht vorbei: „Pest und Cholera“. Darin begab sich Deville auf biographische Spurensuche der beiden Forscher Alexandre Yersin, Pesterfroscher und Pestbekämpfer, und seines Assistenten Louis Pasteur, dem Vater der Bakteriologie. 

In „Taba-Taba“, was, wenn man Devilles Neigung zum Reisen kennt, wie ein unbekanntes Land klingt, begibt er sich auf seine wohl persönlichste Fahrt. Es ist die Geschichte seiner Familie, und unweigerlich zieht er Parallelen zur Geschichte Frankreichs. Hierbei unterlässt er es mit Jahreszahlen zu jonglieren wie ein Wissenschaftsjournalist, der vorgibt als Einziger in den Vorlesungen an der Uni aufgepasst zu haben. 

Nein, einem Patrick Deville kann man nichts vormachen. Er kennt die Geschichte Frankreichs wie kein Zweiter. Nur die seiner eigenen Familie kennt er nicht. Also nicht so gut. Deswegen, auf in den Norden!

Ein kleiner Junge wächst acht Jahre lang – eine Ewigkeit in diesem Lebensabschnitt! – in einem Lazarett auf. Er hat ein verkürztes Bein. Die Bewohner des kleinen Ortes, vor allem die Kinder, sind nicht gerade zimperlich, wenn es darum geht sich das Maul über den Jungen zu zerreißen. Dem Jungen wächst mit der Zeit ein dickes Fell, so dass er das Tuscheln nicht mehr hört. 

Auf der Treppe des Lazaretts sitzt zuverlässig wie ein Schweizer Uhrwerk ein Mann. Offensichtlich zu Recht, denn er bewegt unablässig seinen Körper vor und zurück. Taba hin, taba her. Mit jeder Bewegung formt sein Mund die mantraartige Taba – Taba – Taba. Dieser Mann und die Bücher der Bibliothek haben mehr Einfluss auf ihn als so mancher Hieb, so mancher Hinweis, so mancher Rückschlag. 

Der Junge muss – nicht an die frische Luft – raus! Raus in die Welt. Das wird er eines Tages auch. Doch zuerst will er wissen woher er kommt. Wer er ist. Patrick Deville verwebt in „Taba-Taba“ sein eigenes Schicksal mit dem einer Sehnsucht und des Landes, dessen Bewohner er ist. In Anekdoten kratzt er nicht nur an der Oberfläche der Geschehnisse – vom Algerienkrieg bis hin zur Gelbwesten-Bewegung – er taucht tief zu ihren Wurzeln hinab. Die liegen in der Mitte des 19. Jahrhunderts als seine Urgroßmutter als Kleinkind aus Ägypten kommend französischen Boden betrat. Dass ein Land durch seine Bewohner fortwährend Geschichte schreibt, leuchtet jedem ein. Patrick Deville gelingt es dieser Erkenntnis mit seiner Sprachvielfalt die Kirsche aufzusetzen. 


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Cover des Buches Pest & Cholera (ISBN: 9783293207752)A

Rezension zu "Pest & Cholera" von Patrick Deville

Universitas rerum – Die Gesamtheit aller Dinge
Almut_Scheller_Mahmoudvor einem Jahr


Wie in allen anderen Büchern von Deville strickt er uns eine Biographie aus bunten Fäden mit politischen, kulturellen und historischen Ausfransungen. Wieder einmal ist es ihm meisterlich gelungen, eine Lebensgeschichte, die des Alexandre Yersin, dem Entdecker des Pestbazillus, zu einer spannenden und vor allem lehrreichen Lektüre aufzubauen, immer wieder gespickt mit glorreichen Namen jener Zeit wie Rimbaud, Céline, Loti, Cendras, Verne, Gide, Leiris, Miró, Albert Schweitzer, Baudelaire, Eiffel, Saint-Exupéry, Conrad, Brazza, Stanley, Stefan Zweig, Joyce, Livingstone und natürlich Pasteur. 


Es ist eine detailreiche Biographie des genialen Yersin, der nach medizinischem Studium in Marburg und Berlin, wo er für Robert Koch arbeitete, zu Pasteur nach Paris geht. In ihm, dem Entdecker der Tollwut-Impfung, findet er seinen Meister, seinen spiritus rector. 

Doch Yersin, ein geborener Schweizer, ist ein unruhiger Geist, ohne limitiertes Denken und ohne limitierte Horizonte. Paris war die Welthauptstadt der Medizin, das Zentrum der Mikrobilogie und Bakteriologie und nicht nur auf diesem Feld spielte sich die alte Feindschaft Frankreich-Deutschland ab. Es ging um Einfluss in Afrika und Asien. Auf dem Berliner Kongress wurde Afrika aufgeteilt. Nach fünf Jahren Paris heuert er als Schiffsarzt auf der „Volga“ an, die zwischen Saigon und Manila pendelt. Er liest viel, Livingstone ist für ihn ein Vorbild, er beschäftigt sich mit Astronomie, Drachenbau, Vulkanologie, macht erste ethnologische Beobachtungen. Und er findet, ohne es zu suchen, sein ganz persönliches Paradies, sein „Walden“, aber eben nicht nur auf Zeit und nicht als Experiment, sondern es wird sein Lebensinhalt: das Fischerdorf Nha Trang im heutigen Vietnam. 


Er arbeitet zwei Jahre als Entdecker und Landvermesser für den Generalgouverneur von Indochina, eine quasi imperialistische Arbeit, denn er muss die Boden- und Waldschätze und Trassen für Handelsrouten ausfindig machen. Rimbaud arbeitet zur gleichen Zeit als Waffenhändler für Menelik II von Abessinien….

Und er baut sein kleines Paradies als sein eigenes Imperium aus. Hier kauft er Land, zum Schluss sind es 20.000 ha, fast ein kleiner Staat, größer als Monaco, nur die entsprechende Hollywood-Diva fehlt. Er baut drei Häuser nach eigenen Entwürfen und erschafft sich seine eigene autarke Arche. Er baut eine Klinik und bildet die Einheimischen zu Laborgehilfen und Mechaniker aus. Er gründet ein Pasteur-Institut und interessiert sich für Ackerbau und Viehzucht, produziert seinen eigenen Strom. Er legt Kautschukplantagen an und ist mit Michelin im Geschäft, durch die Kultivierung von Chinarindenbäumen produziert er Malariamittel.  Er wird Ornithologe und Orchideenzüchter. Er baut Kaffee und Tabak an, hat eine Windmühle und einen Wasserturm und braut ein belebendes anregendes Getränke - die Kola-Cannelle – das er leider nicht patentieren ließ….Er züchtet Kanichen, baut eine Straße und eine Reparaturwerkstatt für Boote und Autos . Er erforscht die Hühnerzucht, angeregt durch seine Schwester in der fernen Schweiz, und studiert, wie aus Eigelb und Eiweiß Schnabel, Federn, Füße, Flügel wachsen. Er baut eine Wetterstation, kümmert sich um Aufforstung, beschäftigt sich mit Meteorologie und der Geodäsie und zum Ende seines Lebens verfällt er der klassischen antiken Literatur: er übersetzt die Griechen und Lateiner….


Während einer Expedition ins Landesinnere kommen Hilferufe aus Hongkong: die Pest sei ausgebrochen. Früher reiste die Pest gemächlich durch die Lande: mit Karren, zu Pferd, zu Fuß. Zu seiner Zeit und heute (die momentane Corona-Krise ist ein hervorragendes Beispiel) mit Dampfmaschine-oder Düsengeschwindigkeit. Er geht er einen anderen Weg als sein Konkurrent Kitasato, dem Japaner, den er aus Berlin kennt. Yersin untersucht die Pestbeulen, nach dem Anblick der toten verwesenden Ratten in der Kanalisation, während Kitasato sich auf die Organe und das Blut konzentriert. And the winner is: …… 

Er entdeckt den Pestbazillus und entwickelt ein Serum. Er impft den ersten Chinesen heimlich, da die Reaktion der Chinesen, nach Knechtung durch die Europäer (Opium-kriege), bei Misserfolg wohl tödlich wäre.  Später wird von Simond, einem weiteren „Pasteurien“ der Floh als Überträger identifiziert. Als die Pest in Bombay ausbricht, wird Yersin gerufen. Doch es gibt wenig Erfolge zu verzeichnen, denn Imkompetenz und Profilierungsgerangel der internationalen Ärzte sowie das Kastensystem und das buddhistische Prinzip Respekt vor Leben behindern die Arbeit.


1940 kommt er von seiner letzten Reise nach Paris zurück ins Paradies, wird dort bleiben und wird dort sterben: Yersin – ein Tausendsassa im Denken, ein Einzelgänger mit Agoraphobie und doch die Menschen liebend, ein Grenzgänger und Eigenbrötler, ein ruheloser Geist, ein Visionär, ein Alleswissenwollender, ein Vollblut-Forscher, für den Nichtwissen unentschuldbar ist. Ein Hochmütiger, der verwundert ist, dass nicht alle Menschen gleich sind.


Was ist geblieben von Alexandre Yersin? Sein Paradies ist heute ein Seebad mit einem kleinen Yersin-Museum. Ein Begriff ist geblieben: Yersinia pestis. Und dieses wunderbare Buch, mit dem Deville uns einen Ausnahme-Menschen auf dem Silberteller kredenzt. Diesen Universalisten, neben da Vinci, Leibniz, Alexander von Humboldt eines der ausgestorbenen Universalgenies.

Heute herrschen Spezialisierung und Beschränktheit auf die armselige kleine Welt, die trotz der Globalisierung nicht größer geworden ist. Denn dazu bedürfte es Geist und Wissbegier, Offenheit und Objektivität. Denn es ist schrumpfender Planet, wo sich die Orte bald einander gleichen. Schon Rimbaud erkannte: überall der gleiche bourgeoise Zauber, wo der Koffer uns hinpflanzt. 


Ich bin tief beeindruckt von diesem bereichernden Buch, das in fast kühler und doch höchst empathischer Schreibe, der Autor bezeichnet sich selbst als „Gespenst der Zukunft“ mit seinem Notizbuch,, der die einzelnen Lebensstationen des Protagonisten aufsucht, ein Leben nachzeichnet, das den meisten von uns Lesern gewiss fremd ist. Fremd als Name, fremd in seiner betörenden Wissbegier und in seiner totalen Individualität. 



Echter Fortschritt ist nur im und durch das Individuum möglich. Masse hat nie etwas Großes geschaffen. So erinnert eine Ratssitzung an die Hellsichtigkeit von Hamstern und ein Stadion an den Scharfsinn von Pantoffeltierchen.  (Baudelaire)







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Cover des Buches Viva (ISBN: 9783293208476)A

Rezension zu "Viva" von Patrick Deville

Das Festmahl der Synapsen
Almut_Scheller_Mahmoudvor 2 Jahren

Der Gastgeber dieser üppigen Tafel ist der Autor Patrick Deville, der bereits in anderen Romanen fulminante Beispiele seiner Schreib- und Fabulierlust präsentiert hat.
Deville platziert seine illustren Gäste mit Platzkarten ganz comme il faut, lässt aber auch viel Platz am üppig gedeckten Tisch für „Zaungäste“. Deren Namen flattern en passant wie Appetizer umher. Delikatessen und Petitessen aus den überbordenden Biographien der Hauptgäste bilden die Essenz des Buches : die Curricula vitae sind wie ein Bouquet einer untergegangenen Welt, deren Kul- minationspunkt Mexiko ist. Der Leser landet in einem Strudel aus biographi- schen, politisch-geschichtlichen und kulturellen Details: der Roman ist vielleicht keine Heldenreise, aber auf jeden Fall eine Bildungsreise. Ein Menü gegen die Amnesie. Und regt an zum Recherchieren und Nachlesen – ach, wer was das noch, doch schon mal gehört?!


Leo Trotzki. Wir erleben seine Flucht nach Mexiko, von den Istanbuler Prinzen- insel kommend, nachdem der mexikanische Präsident Lázaro Cardenas ihm und seiner Frau ein Visum ausgestellt hat. Der Gründer der Roten Armee und der Favorit Lenins hat endlich nach Jahren der Verbannung und der Flucht seinen Ruhepunkt gefunden, der sich aber als Mausefalle entpuppt. Das zweite Attentat auf ihn in Frida Kahlos Blauem Haus misslingt nicht: Ramón Mercader schwingt den Eispickel gekonnt und gezielt. Zu Leo Trotzki fallen mir Szenen aus dem Film „Dr. Schiwago“ ein: Der mit einem gepanzerten Zug, die Fronten während des Bürgerkriegs abfährt. Zwei große schwarze Lokomotiven mit einem roten Stern und zahlreichen Waggons mit Druckerei und Telegraphenstation, mit Waffen, einem Lebensmitteldepot, Kleinlastern, Tankvorräten und sogar einem Lazarett. Sein Erzrivale Stalin lässt Trotzkis Namen aus allen Geschichtsbüchern löschen, sein Bild entfernen, seine Freunde und Familie auslöschen. Trotzki und Frida haben eine intensive leidenschaftliche Affäre, die Liebe zu seiner Frau aber siegt und die kurzen Auszüge ihrer Liebesbriefe sind etwas Berührendes.


Malcolm Lowry. Eine andere Liebesgeschichte, es sollte nach Willen ihres Autors die schönste Liebesgeschichte der Welt werden, hält den Leser in Bann. Lowry, Sohn eines reich gewordenen Liverpoolers Kaufmanns, erfindet sein Alter Ego, den Konsul, und dessen Frau Yvonne. Lowry lebt ein wildes Leben mit Rotwein und Mescal-Räuschen und doch vielen Jahren der Zurückgezogenheit in einer Hütte bei Vancouver. Seine Zeitgenossen wollen die Menschen und die Welt befreien, fallen in Kriegen, werden ermordet, er aber schreibt. 20 Jahre braucht er für die definitive Fertigstellung von „Unter dem Vulkan“. Ein Buch, das seit gut zwei Jahrzehnten in meinem Bücherregal steht und das ich wohl erst jetzt zum ersten Mal aufschlagen werde. Einer der größten Romane des 20. Jahrhunderts.


B. Traven. „Das Totenschiff“ ist wohl das berühmteste seiner vielen Werke, war für sehr lange Zeit ein „Nobody“. Niemand wusste, wer sich hinter diesem Namen verbarg. Angeblich soll er Ret Marut sein, ein aktiver Revolutionär der Münchner Räterepublik. Ihm gelang die Flucht nach deren Scheitern und er landete 1924 in Mexiko, wo er auch 1969 verstarb. Er geht nach Chiapas, lebt unter den Indige-






nen, beschreibt ihr Leben und ihre Mythen. Sein Roman „Der Schatz der Sierra Madre“ wurde von John Huston verfilmt und mit 3 Oscars prämiert. Für B. Traven bedeutete auf anarchistische Art zu leben: frei von Identitäten – man könne sich Eltern, Alter und Vaterland frei aussuchen.


Frida Kahlo. Leidet mit 6 Jahren an Kinderlähmung. Bei einem Busunglück durchdringt eine Metallstange ihr Becken. Sie muss ein Stahlkorsett tragen, verbringt viel Zeit eingegipst im Bett, immer wieder OPs. Im Bett beginnt sie zu malen. Sie heiratet Diego Rivera, den 20 Jahre älteren Malerfürsten. Sie leidet seelisch und körperlich unter den Folgen des Unfalls, was sich auch in ihren Bildern und der Motivwahl niederschlägt. 55 Selbstbildnisse, oft mit ihren Tieren. Immer wieder Affären, immer wieder Alkohol, immer wieder malend. Scheidung von Rivera, den sie dann trotz seiner permanenten Untreue zum zweiten Mal heiratet. Sie stilisiert sich selbst zum nationalen Kulturgut, immer in traditioneller Tracht mit traditionellem Schmuck. Ihr Schnurrbart und die zusammengewachsenen Augenbrauen würde man heute als Markenzeichen etikettieren.


Tina Modotti. Schauspielerin, Fotografin und Revolutionärin italienischer Ab- stammung. Sie geht mit ihrem Geliebten, dem Fotografen Edward Weston, nach Mexiko, das sie fasziniert: „ein lichterfülltes“ Land in revolutionärem Aufbruch. Sie bewegt sich in Kreisen der ansässigen Bohéme und der kommunistischen Partei, lebt von Portraits und dokumentiert das Leben der einfachen Leute. Die politische Brisanz dieser Fotos erregt Aufsehen. Sie wird ausgewiesen, geht mit ihrem Geliebten Vittorio Vidali nach Moskau und erlebt den Spanischen Bürgerkrieg Krankenpflegerin. Cardenas hebt ihre Ausweisung auf und sie kehrt nach Mexiko zurück, wo sie 1942 an einem Herzanfall in einem Taxi stirbt.


Diego Rivera. Rivera ist ein Mythos, allein durch seine Ehen mit Frida Kahlo, seine zahlreichen Geliebten und seine Kontakte zu wichtigen Persönlichkeiten in kulturellem und politischem Bereich. Der Mythos wird von ihm selbst alimen- tiert. Er entwickelt seinen eigenen Stil, berühmt sind seine Industriemalereien (Detroit) und Murales. Neben Siqueiros und Orozco der „Dritte im Bunde“ der Muralistas. „Das Epos des mexikanischen Volkes“ ist eines seiner wichtigsten Werke. Die Kombination von Freskotechnik, indianisch-mythischen und sozia- listischen Motiven geben seinem Werk ein eigenes Gesicht und sind unver- kennbar „ Rivera“.


Und last not least eine kurze Hommage an Lázaro Cardenas. Er nahm Flüchtlinge und Verbannte auf, aus dem Spanischen Bürgerkrieg, aber auch viele Deutsche. Initiierte Reformen, verstaatlichte die Ölindustrie. Heute wäre er ein Präsident fernab des politischen Mainstreams.


Und hier einige der „Zaungäste“: Sandino. Zapata. Picabia. Blaise Cendrars. Juan Rulfo. Octavio Paz. Victor Serge. Hamsum. John Reed. Majakowski. Sancho Villa. Ossip Mandelstam. Jules Verne. Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg. Jewgenia Ginsburg. Pablo Picasso. Sergej Jessenin. Walter Benjamin. Blaise Pascal. Geoge Orwell. Antonin Artaud, Georges Simenon, Saint-John Perse. Simone Weil. Tristan Tzara, Roland Barthes, Henry Miller, Jorge Luis Borges, André Breton. Sacco und Vanzetti. John Dos Passos. Pablo Neruda. Che Guevara, Subcomandante Marcos. André Malraux.


Ganze zehn Jahre ist Patrick Deville auf den Spuren seiner Gäste gereist: Von Mexiko nach Sibirien. Und überlässt den Lesern einmal mehr ein faszinierendes Epos, das zeigt, dass Geschichte mehr ist als nur ein paar Jahreszahlen. Dass Geschichte Menschen sind und Geschichten, die miteinander verbunden, verflochten und verwoben sind.


Das Vergangene ist nicht tot, es ist nicht einmal vergangen. William Faulkner


Und zuletzt die Frage: Was wäre aus der Weltgeschichte, aus der Sowjetunion und aus dem Kommunismus geworden, wenn Trotzki statt Stalin die oberste Machtposition innegehabt hätte?



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