Patrick Deville

 3.6 Sterne bei 8 Bewertungen
Autor von Pest & Cholera, Äquatoria und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Patrick Deville

Sortieren:
Buchformat:
Pest & Cholera

Pest & Cholera

 (4)
Erschienen am 24.07.2017
Kampuchea

Kampuchea

 (1)
Erschienen am 19.02.2018
Äquatoria

Äquatoria

 (1)
Erschienen am 16.07.2018
Viva

Viva

 (1)
Erschienen am 13.03.2017
Aequatoria

Aequatoria

 (0)
Erschienen am 14.03.2013
Pura Vida

Pura Vida

 (0)
Erschienen am 01.12.2009
Peste & Cholera

Peste & Cholera

 (1)
Erschienen am 27.11.2013
Plague and Cholera

Plague and Cholera

 (0)
Erschienen am 02.04.2015

Neue Rezensionen zu Patrick Deville

Neu

Rezension zu "Pest & Cholera" von Patrick Deville

"Und wäre es denn ein Leben, sich nicht mehr zu bewegen."
annluvor 9 Tagen

*Yersin wird nicht den Rest seines Lebens vor Reagenzgläsern verbringen- Nicht mit einem Auge am Mikroskop hängen statt am Horizont. Er braucht frische Luft. Stille und Einsamkeit.*


Yersinia pestis ist der wissenschaftliche Namen des Pestbakteriums. Benannt wurde es nach seinem Entdecker Alexandre Yersin. Diese Romanbiografie zeigt die Stationen des Schweizers und Wahlfranzosen, des Schülers von Louis Pasteur, der in seinem Leben vom Mikrobiologen zum Entdecker, vom Kartografen zum Mediziner, von der Forschungsreise zum Gartenbauer und Viehzüchter wechselte.



Die Biografie startet fast am Ende von Yersins Leben, mit seiner Flucht 1940 aus Europa und seinem Rückzug in „sein“ Fischerdorf in Indochina. Dieser Handlungsstrang wird immer wieder aufgenommen um dann wieder in die Vergangenheit zu wechseln. Zusammen mit dem Auftauchen des Autors als „Gespenst der Zukunft“, der die Stationen von Yersins Leben nachreist ergaben sich so manche zeitlichen Sprünge, die auf den ersten Blick nicht immer gleich ersichtlich waren.


Der Schreib- und Erzählstil ist sehr eigen, schwankt zwischen distanziertem sachlichem Erzählstil mit kurzen prägnanten Sätze und metaphorischen Umschreibungen. Yersin bleibt nicht der einzige wichtige Mann, der vorgestellt wird. Die vielen Personen werden zwar mit wichtigen Ereignissen ihres Lebens versehen, aber meist nur mit Nachnamen genannt oder gar umschrieben. Um das Ganze zu ergänzen gibt der Autor auch die wichtigsten historischen Entwicklungen wieder. So ergab sich eine Mischung, die nicht immer leicht zu lesen war, aber durch ihre eigene Wirkung beeindrucken konnte.


Yersin selbst wird als vielseitig interessierter Forscher dargestellt, der aber schnell das Interesse an einer Sache verliert um sich dann wieder Neuem zu widmen. Als Mensch allerdings erweist er sich als Misanthrop, hat mitunter eine herablassende Art gegen Unwissen/Dummheit. Er unterscheidet sich hinsichtlich der anderen Schüler Pasteurs da er nicht auf Ruhm aus ist und sich nicht nur der Erforschung von Mikroben widmen kann. Dafür ist er zu neugierig vielen anderen Bereichen gegenüber, sodass er viele scheinbar unwichtige Entdeckungen in den unterschiedlichsten Fachbereichen macht. Gerade das fand ich faszinierend.


Fazit: Wenn man sich erst einmal auf den ungewöhnlichen Schreib- und Erzählstil einlässt lernt man hier einen faszinierenden Mann kennen, der trotz sehr wichtiger Entdeckung unbekannt geblieben ist.

Kommentieren0
27
Teilen

Rezension zu "Äquatoria" von Patrick Deville

Rumble in the jungle
aus-erlesenvor 6 Monaten

Es muss ein Phantasialand sein, dieses Äquatoria. Ist es aber nicht. Es ist die Region Afrikas, die sich von der Westküste, São Tomé und Príncipe über Kongo, Tansania bis zur Ostküste in Sansibar erstreckt. Ende des 19. Jahrhunderts war es ein Abenteuer hier vor Anker zu gehen. Es war die Zeit der großen Entdecker. Legendär das Treffen von Stanley und Livingstone („Doctor Livingstone, I presume“). Es war die Zeit der widerwärtigen, perversen Neuaufteilung des schwarzen Kontinents. Und in diese Zeit fiel auch die Forschungsexpedition von Pierre Savorgnan de Brazza. Nie gehört? Aber doch wohl schon mal von Brazzaville, der Hauptstadt Kongos? Des „kleinen Kongos“, auch Kongo-B oder Kongo-Brazzaville genannt. Das „große Kongo“, jetzt Demokratische Republik Kongo hieß einmal Zaïre. 
Dieser junge Mann, der aus einem nicht am Hungertuch nagenden Elternhaus aus dem Friaul stammte, begegnete auf seiner Expedition unter anderem Albert Schweitzer. Auch seine humanistischen Ideen brachten ihn später dazu die Expansionsbemühungen Frankreichs mehr als in Frage zu stellen. Weswegen seine letzten Aufzeichnungen rund ein Jahrhundert von Staatsseite unter Verschluss gehalten wurden. 
Anlass ist der hundertste Todestag des Abenteurers. In Brazzaville, die Stadt die seinen Namen trägt soll das Mausoleum errichtet werden, dass ihm den gebührenden Respekt erweisen soll. Respekt für einen, der Kolonialisierung, Unterwerfung und Versklavung mit zu verantworten hat? Ja! Patrick Deville ist ebenso fasziniert wie abgestoßen von der Person Brazza. 
Sein Roman folgt dem Weg, den der italienische Adelige in französischen Diensten einst einschlug. Am Kongo sollte eine Mission eröffnet werden. Es wurde ein Handelsplatz. Wofür? Waren aller Art, aber vor allem Menschen.
Pierre Savognan de Brazza bereiste Gabun, verhandelte mit Königen (Makoko, König der Teke überließ ihm die Stadt, die einmal seinen Namen tragen sollte) und starb im gleichen Jahr wie Jules Verne und nur ein Jahr nach Henry Morton Stanley. Die Zeit zuvor wird von Autor Patrick Deville gewissenhaft auf dem Kartentisch der Geschichte seziert. Parallelen zur Gegenwart sind erschreckend naheliegend und geben den Zeilen den entsprechenden Schwung. 
Mit Verve und Detailversessenheit zieht Deville den Leser in eine Zeit, die längst vergessen schien. Er führt ihn an Orte, die wie Zaubersprüche Exotik verheißen. Immer dichter wird der Dschungel der Geheimnisse um Machtgier, Geld und Perversion. Den Zauber kann Äquatoria niemand nehmen. Ein bisschen daran kratzen vielleicht. „Äquatoria“ ist eine Mischung aus Realität und Märchen. Die Fakten sind nachweislich unverrückbar. Die Sprachgewalt lässt Leseraugen leuchten wie damals als zum ersten Mal Hänsel und Gretel ans Ohr drangen. Patrick Deville zeichnet aber kein verklärtes Bild einer romantisierten Welt. Vielmehr ist es eine Rundreise durch das Herz Afrikas.

Kommentieren0
2
Teilen

Rezension zu "Pest & Cholera" von Patrick Deville

Ein Schweizer als Held - noch Fragen?
Beustvor 6 Monaten

Alexandre Yersin verdanken wir die Entdeckung des Pesterregers, er heißt sogar nach ihm „Yersinia pestis“. Alexandre wer? Genau! Yersin gehört zu den unbekannten großen Entdeckern der Medizin, den an eine breitere Öffentlichkeit zu bringen, auf einen von der Sonne beschienenen Sockel das erklärte Ziel dieses Romans von Patrick Deville ist. Das hat schon einen fast politischen Impetus, zu dem sich überdies ein historischer Antagonismus gesellt, der sich ganz unpassend im Buch wiederfindet, nämlich der zwischen Louis Pasteur und Robert Koch bzw. deren jeweiligen Schülern und Trabanten. Deville scheint sich bemüßigt zu fühlen, gegen Koch und für Pasteur immer wieder Stellung zu nehmen.

 „Pest & Cholera“ ist ein biographischer Roman, der im Präsens geschrieben ist und das Leben des Entdeckers Yersin verfolgt. Es geschieht alles in „Jetztzeit“, wird aber aus der Distanz des Beobachters, fast schon des Biographen geschrieben, was dem Buch etwas Dokumentarisches gibt. Die schlechteren Bücher von Alex Capus sind auch so geschrieben. Die ständigen Wiederholungen hätten dem Lektorat nicht entgehen dürfen (Joseph Meister ist der erste Mensch, der von der Tollwut geheilt wurde ...).

Im großen und ganzen ist der Roman eigentlich misslungen. Er ist vor allem langweilig. Warum? Da könnte ich kalauern:

Ein Schweizer als Held - noch Fragen?

Aber das ist es nicht. Yersin war ein Allrounder, ein Autodidakt, der zunächst auch buchstäblicher Entdecker war, etwa der vietnamesischen Hochebene, die er als Erster durchwandert und kartographiert hat. Das ist schon ein etwas bemühter Superlativ; ich beispielsweise habe keinen Verlust gespürt, dass ich von der vietnamesischen Hochebene zuvor nichts geahnt habe. Deren Vermessung lässt mich vergleichsweise kalt. Das ganze erste Drittel des Buches widmet sich der Zeit vor der Pest und ist langweilig.

Dann setzt sich Yersin in Hongkong an sein Zeiss-Mikroskop und entdeckt den Pesterreger, während sein japanischer Kontrahent, ein Koch-Schüler, völlig daneben liegt. Yersins Beitrag zur Medizingeschichte ist bedeutend – aber: Erstens hat damals jeder Pasteurschüler durch irgendein Mikroskop gelinst und nach Erregern gesucht, das ist nicht gerade originell oder das Ei des Kolumbus. Zweitens hat Paul-Louis Simond den Übertragungsweg entdeckt, die Behandlung ist erst mit Paul Ehrlich und Alexander Fleming gelungen. Yersin ist also eigentlich nur eine Viertelsensation.

Eigentlich berichtet Deville wehmütig von einer Zeit der großen Entdeckungen, die deshalb spannender war, weil eine Welt nach den Entdeckungen weniger Geheimnisse und deshalb weniger Helden besitzt. Das ist deshalb absurd, weil ja die Entdeckung als solche das Thema des Romans ist, ein sentimentaler Tonfall hat hier nichts zu suchen (S. 90).

Ich war enttäuscht und lese lieber einen dokumentarischen Roman über Pasteur oder Koch, nicht über einen Epigonen der beiden.


Kommentieren0
16
Teilen

Gespräche aus der Community

Neu

Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Community-Statistik

in 20 Bibliotheken

auf 5 Wunschlisten

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach

Hol dir mehr von LovelyBooks