Patrick Flanery Ich bin niemand

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Inhaltsangabe zu „Ich bin niemand“ von Patrick Flanery

Als der Geschichtsprofessor Jeremy O’Keefe nach zehn Jahren aus Oxford in seine Heimatstadt New York zurückkehrt, um dort an der New York University zu unterrichten, gerät er in einen Sog seltsamer Vorfälle: Eine Studentin kommt nicht zum verabredeten Treffen, später stellt er verdutzt fest, dass er selbst die Verabredung abgesagt haben soll; ein ihm unbekannter junger Mann behauptet, ihn zu kennen; eine Reihe Pakete erreichen ihn, mit den Ausdrucken seiner Telefonverbindungen und seines Mailverkehrs der letzten Monate; der mysteriöse junge Mann taucht immer wieder auf – O’Keefe fühlt sich verfolgt, kann die Geschehnisse nicht zuordnen. Ist jemand hinter ihm her? Spielt ihm jemand einen bösen Streich? Wird er überwacht? Oder wird er einfach verrückt? Nach und nach stellt sich heraus, dass der Ursprung dieses Rätsels in O’Keefes Zeit in Oxford begründet liegt.

Sehr lesenswert, viele interessante Gedanken zu Briten, Amerikanern und Rechtssystem. Keine Lektüre für zwischendurch, aber lohnenswert

— Isaopera

Ein Buch ohne Plot über alles und nichts, über das Individum, die Sprache, Gesellschaft, Amerika und die Welt, wie sie heute ist - großartig

— KollegeKraftwagen

Interessantes Thema, aber zäh ûnd langweilig dargestellt, ohne Höhepunkte

— rallus

Langatmig und weitschweifig – eine große Enttäuschung.

— twentytwo

Ein überzeugender Roman, der vom Autor auf den letzten Seiten leider in den Abgrund gestürzt wird.

— miss_mesmerized

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  • Gepflegte Langeweile

    Ich bin niemand

    rallus

    06. June 2017 um 14:59

    Kennt ihr das auch? Ihr seid auf einer Party, Geburtstag, Empfang oder einfach auf einem offiziellen gesellschaftlichen Ereignis. Dort trefft ihr eine gepflegte, nett aussehende, distinguierte Person. Ihr kommt ins Gespräch, das vom Thema her sehr anregend ist, aber bald könnt ihr eurem Gegenüber nicht mehr zuhören. Warum? Das Thema ist nicht langweilig, die Worte fließen geschmackvoll und eloquent. Aber ihr könnt Euch nicht des Eindruckes erwehren, dass ihr jetzt sofort einen Grund braucht um zu verschwinden. Sofort. Vielleicht müsst ihr dringend in der Nase bohren, die Hände waschen? Gequält versucht ihr, elegant die Kurve zu bekommen, doch euer Gegenüber merkt eure Qual nicht. Die Redeflut erreicht ihren Höchststand (falls man davon sprechen kann) und ihr wisst schon gar nicht mehr, um was es geht und registriert auch gar nicht mehr, was das Gegenüber noch sagt.   Ja? Kennt ihr? Stellt euch das Ganze gedruckt vor, dann habt ihr den Roman Ich bin Niemand von Patrick Flanery in der Hand. Auch hier ist das Thema interessant. Es geht um die allgegenwärtigen Überwachungsszenarien. Ein Professor, der jüngst aus Oxford zurück in die Staaten kommt, bemerkt, dass er anscheinend eine Mail an eine Studentin geschickt hat, bei der um die Verschiebung eines Termins bat, an die er sich nicht erinnern kann. Auch die Bestätigung der Verschiebung, an seinen E-Mail Account geschickt, liest er erst, als die Studentin nicht zu dem Treffpunkt erscheint. Der komplette Roman ist aus der Sicht dieses Professors geschrieben. Tief taucht der Leser in dessen Gedanken ein und erlebt ein zwar literarisch sicherlich gepflegtes Lesen – aber es passiert fast nichts. Die Gedankengänge des auch nicht sehr sympathischen Mannes, drehen sich um Paranoia, seine Einsamkeit und sein früheres Leben. Geheimnisvoll ist der Empfang von Päckchen, in denen, fein säuberlich ausgedruckt, seine Internetaktionen, Nummern, Dauer und Zeit der Telefongespräche und sogar sein Leben in Bildern vorliegen. Wer macht sich die Mühe so etwas zu tun? Und warum? Jede Begegnung mit Fremden und komische Situationen geraten für den Professor zum Verdacht, dass er beobachtet wird: „Als ich dort stand und auf die Stadt blickte, bemerkte ich auf dem Gehsteig einen Mann, der stehen blieb und zu meinem Fenster hochsah. Diesmal gab es für mich keinen Zweifel. Er starrte mich an und war sich bewusst, dass ich zurückstarrte. Das Zimmer war dunkel, also konnte ich ihn deutlich sehen, aber es gab keine Möglichkeit, das Gesicht des Mannes zu erkennen, weil er eine Skimaske trug, die nur die Augen freiließ, die in der frostigen Nacht glitzerten.“ Aber auch seine Tochter und ihr Mann können ihn nur an Anwälte und Therapeuten verweisen. Hat die frühere Verbindung zu einer ägyptischen Studentin, mit dieser Überwachung zu tun? Denkt der CIA, er wäre ein Terrorist? Sicher ein interessantes Thema. Doch was Flanery daraus macht, ist weder spannend noch spornt es den Leser an, am Thema und Buch zu bleiben. Ich musste mich durch die, immer wiederholenden bräsigen Gedanken des Jeremy O’Keefe quälen. Ständig schweift dieser vom Thema ab, beschreibt in allen Details Kleider oder Filmszenen und kehrt nicht zum eigentlichen Geschehen zurück. Was Steinfest in Vollendung gelingt, nämlich die Umleitung zur eigentlichen Geschichte zu machen, wirkt bei Flanery vollkommen zerfasernd und umständlich. Die Geschichte bietet dadurch auch keinerlei Höhepunkte, um auch nur annähernd als spannend zu gelten und auch das Ende punktete nicht. Weder mit interessanten oder gar neuen Ideen zu diesem Thema, noch mit einem Knalleffekt. Alleine die Sprache ist elegant, stilsicher und hochwertig. Doch was helfen mir teure, gute Ölfarben, wenn ich kein Bild daraus erkennen kann. Eine erste Leseenttäuschung diesen Jahres.

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  • Im Strudel ungeklärter Ereignisse

    Ich bin niemand

    michael_lehmann-pape

    02. May 2017 um 15:08

    Im Strudel ungeklärter EreignisseZunächst scheint es so, als wäre der Professor der Geschichte mit Spezialisierung auf die „Überwachung“ in der DDR nach dem zweiten Weltkrieg einfach ein wenig vergesslich geworden.Da wird ein Termin mit einer Doktorandin per Email verlegt, ohne dass sich Jeremy O´Keefe an seine selbst geschriebene Erklärung erinnern kann.Da trifft er einen jungen Mann, der sehr vertraut mit ihm tut, aber beim besten Willen kann er jenen Michael Ramsey nicht einordnen als auch nur entfernt Bekannten.Untersuchungen bei einer „Gedächtnisspezialistin“ (die Jeremy überaus attraktiv im Übrigen findet), bringen kein klares Ergebnis.Und dann tauchen da Kartons auf. Gefüllt mit hunderten, tausenden Blättern Papier mit zunächst kryptischen Zeichen.Und dann steht da dieser Mann vor dem Fenster. Und ein Geschäftsinhaber läuft ihm sogar auf offener Straße hinterher, um ihn zu warnen, dass er beobachtet wird.Psychische Labilität? Gespeist aus dunklen Ereignissen der Vergangenheit an der Columbia Universität und in Oxford, die bisherigen Stationen seiner wissenschaftlichen Karriere?Oder eine echte Überwachung, eine ernste Bedrohung und, wenn ja, warum?Was für den Leser lange Zeit, wenn man genau liest bis zum Ende hin, nicht wirklich klar wird. Denn O`Keefe verschweigt Dinge. Sich und dem Leser. Es könnten also echte Verdrängungen sein. Oder doch ein Bespitzeln? Ob Verbindungen zu dunklen Gestalten, wenn auch, wie O`Keefe betont, nur indirekte Verbindungen? Oder eine persönliche Rache irgendeines sich zurückgesetzt fühlenden Studenten mit Hackerkenntnissen, der von den Web-Seiten bis zum Email Verkehr bis zu den Telefondaten alles über den Professor zu wissen scheint.So tappt der Leser tatsächlich lange im Dunklen, bekommt keine andere Perspektive auf die Dinge geliefert und verirrt sich mit O`Keefe das ein um das andere Mal in breit dargelegten, bis in unwichtige Kleinigkeiten (die LKW vor dem Haus in Oxford) hinein dargestellte Einzelheiten an Erinnerungen, die vor allem immer eines sind: absolut subjektiv.Bis zu faustdicken Überraschungen, was die familiäre Situation des Mannes angeht, was seine nicht immer saubere Trennung zwischen privat und Beruf angeht und ebenso, was die Verbindung zu einem (vermeintlichen?) „echten“ Spion betrifft.Sprachlich ist es durchaus anregend, Flanery in diese sich verwirrende und verdrehende innere Welt zu folgen, gerade weil fast mäandernde Sätze den stetigen Fluss der Gedanken des Professors oft (nicht immer) gut emotional vermitteln.Spannende Momente gibt es durchaus, wenn nachts auf dem Lande im Dunklen an die Tür geklopft wird und wenn sich dann, zumindest ein wenig, die Fäden verbinden, kommt auch weit genug Licht in das Dunkle all dieser Ereignisse, um die hintergründigen, in der Vergangenheit verankerten Vernetzungen all der Ereignisse mindestens zu erahnen.Trotz mancher schwierig zu ertragenden Längen im Buch und einer endlosen „Erinnerungsorgie“ fast, die mit den Ereignissen der Gegenwart des Romans sich vernetzt und korrespondiert, diese Bedrohung, dass „einer“ alles über einen selbst zu wissen scheint, dass weder Telefon noch Email noch das „normale“ analoge Leben sicher zu sein scheinen und von allen Seiten unerklärliche Ereignisse sich zu einer zunehmenden Bedrohung ballen ist doch ein interessantes Sujet.Alles in allem ein interessantes, aktuelles Thema in einer besonderen Form mit ganz eigener Atmosphäre durch die Konzentration auf eigentlich nur eine Figur gesetzt,

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  • Langweiliger Roman über digitale Überwachung und Paranoia

    Ich bin niemand

    Silkchen2909

    26. April 2017 um 16:31

    Jeremy O’Keefe war zehn Jahre Professor in Oxford und kehr nun in seine Heimatstadt New York zurück. Unheimliche Begegnungen häufen sich, der Historiker lässt sich sogar auf Demenz untersuchen. In der Tat passieren Dinge, die jeden Menschen nachdenklich werden lassen würden. Aber ist es so, wie Jeremy befürchtet oder ist er durch die jahrelange Einsamkeit in England mittlerweile wunderlich geworden?   Leider hat der Roman mich nicht gefesselt. Das Grundthema – digitale Überwachung – ist spannend, aber durch den Stil von Patrick Flanery war die Lektüre für mich langatmig. Der Protagonist hat wenig Kontakt zu anderen Menschen und der Autor lässt uns an all seinen inneren Dialogen teilhaben. Es gibt unendliche Wiederholungen, es gibt insgesamt viel zu wenig Handlung auf den 400 Seiten. Für mich war es nichts, vermutlich auch, weil ich  den Professor nicht sympathisch fand.

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  • Ich bin niemand

    Ich bin niemand

    twentytwo

    23. April 2017 um 20:09

    Jeremy O’Keefe, Professor für Geschichte, der nach zehn Jahren Auslandsaufenthalt zwangsweise eine Stelle in seiner Heimat bei der New York University angenommen hat, gerät zunehmend in Bedrängnis. Merkwürdige Vorfälle und das Gefühl verfolgt zu werden, zwingen ihn dazu sich intensiv mit sich selbst und seiner Vergangenheit auseinander zu setzen. Aber er kneift und stellt lieber seine eigene Identität infrage, anstatt sich der Realität zu stellen. Sein Agieren ist halbherzig. Er fühlt sich schuldig und unschuldig zugleich und in der Befürchtung zum Opfer seines fehlerhaften Verhaltens geworden zu sein, reagiert er zunehmend verunsichert.FazitEine gute Grundidee, die in der Langatmigkeit des konturlosen Hauptprotagonisten leider untergeht und mit einem unbefriedigenden Schluss vollends enttäuscht.

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  • Patrick Flanery - Ich bin niemand

    Ich bin niemand

    miss_mesmerized

    13. April 2017 um 17:01

    Irgendjemand wird seine Aufzeichnungen lesen, da ist sich Jeremy O’Keefe sicher, und derjenige wird, so hofft er, etwas damit anfangen können. Beunruhigende Dinge haben sich in den vergangenen Wochen zugetragen und er weiß nicht mehr, wem er noch vertrauen kann, nicht einmal, ob er seiner eigenen Erinnerung trauen soll. Ein junger Mann begegnet ihm wiederholt, er stellt sich als Freund seines Schwiegersohns vor, taucht aber überall da auf, wo auch Jeremy sich befindet. Es findet gesendete E-Mail in seinem Account, aber diese hat er nie verfasst. Und dann kommen nach und nach die Pakete, Zeugnisse seines Lebens, Papiere, die dokumentieren, wem er wann welche E-Mail geschickt hat, wann er wie lange mit wem telefonierte und Fotos, die die letzten Jahre minutiös belegen. Jeremy wird offenbar überwacht und er hat nur eine einzige Erklärung dafür: es muss mit Fadia zusammenhängen, seiner Doktorandin, die er betreute als er noch in Oxford lehrte und deren Familiengeschichte politische Brisanz hat und ihr Privatleben geradezu Sprengstoff bedeutet. Der Protagonist schreibt vom Ende her und wendet sich direkt an seinen Leser. Man weiß, dass etwas Entscheidendes passiert sein muss, nur, was bleibt lange im Dunkeln. Jeremy O’Keefe erscheint zunächst wie der typische amerikanische Professor für Geschichte, die Figurenzeichnung ist hier oftmals sehr plakativ und stereotyp gehalten, was durch die Erzählperspektive zudem gefördert wird. Auch wenn er von seiner Zeit in Oxford berichtet, gewinnt er nur wenig an Profil. Die interessanteren Figuren bleiben hingegen am Rand und stets schwer greifbar: die junge Fadia, deren Rolle bis zum Ende mysteriös bleibt. Ähnlich Michael Ramsey, der zwischen der akuten Bedrohung des Feindes und der Möglichkeit eines Freundes schwankt. Auch Jeremys Kollege Stephen Jahn ist eine reizvolle Figur, aber auch er bleibt, wiederum bedingt durch die Erzählperspektive, in seiner Rolle für die Geschehnisse unkonkret, Jeremy schreibt über ihn:„Mit einem Mal begriff ich, dass Stephen Jahn auf etwas zusteuerte, dass er ein bestimmtes Ziel verfolgte. Was er wollte, hätte ich aber niemals vorhersagen können. Ihr müsst vor allem eins verstehen, dass, was auch immer später geschah, ich der von Stephen Jahn Hintergangene war, zumindest anfangs.“Es ist diese Unsicherheit in Jeremy, die zunächst den Reiz des Buches ausmachen. Wie der Protagonist kann man die Zeichen nicht deuten, spürt ein Unbehagen und eine langsam wachsende Angst. Zugleich stellt man sich die Frage, inwieweit man ob der Enthüllungen der letzten Jahre genauso wie Jeremy eine Neigung zu Paranoia entwickelt hat und Dinge sieht, die es gar nicht gibt. Dann wiederum bestätigen die Figuren die Befürchtungen:„»Ich habe immer wieder deutlich gesagt, dass alles wichtig ist«, fuhr Stephen fort. »Hier geht es nicht um Spaß. Ich verstehe gar nicht, wie ein Historiker wie du so blind für die Mechanismen der zeitgenössischen Geschichte sein kann. Das ist Geschichte, Jeremy. Du hast dich in ein Narrativ eingemischt, das schon im Gange ist und uns alle beiseitezufegen droht.“Eine Rolle zugeschrieben von unbekannten Mächten, dabei ist man selbst doch nur ein kleines Licht, wie sich Jeremy denkt:»Aber ich bin niemand.«»Wir sind alle niemand, bis wir etwas tun, um uns in jemand zu verwandeln.«Langsam dröselt man mit Jeremy auf, was in seinem Leben in den letzten zehn Jahren geschah, dass den unbedeutenden Wissenschaftler so ins Zentrum einer Macht, eines Dienstes oder einer geheimen Organisation bringen konnte. Man nähert sich dem Jetzt, aus dem der Autor berichtet an und wartet gespannt auf die Auflösung --- an diesem Punkt hat mich Patrick Flanery dann enttäuscht wie selten ein Autor. Nein, das Ende ist nicht akzeptabel und dem Roman, der über weite Strecken trotz des gemächlichen Erzähltempos wirklich fesseln und überzeugen kann, nicht würdig. 

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    • 2
  • Big Brother

    Ich bin niemand

    Buecherschmaus

    12. April 2017 um 18:54

    Seit Präsident Trumps Amtsantritt führen altbekannte Dystopien die Bestsellerlisten an: George Orwells „1984“, Aldous Huxleys „Schöne neue Welt“, Sinclair Lewis „Das ist bei uns nicht möglich“. Gerade auch das Thema Überwachung, Gedankenfreiheit, Wahrheit scheint die Menschen umzutreiben. Dabei waren wir gerade dabei, uns an ständig steigende Überwachung, zunehmende digitale Kontrolle und Cyberkriminalität zu gewöhnen. In schleichenden Dosen wurden Hackerangriffe, Daten- und Identitätsklau und Bespitzelung zu zwar gefürchteten, aber mehr oder weniger unabwendbaren Begleiterscheinungen unserer digitalisierten Gegenwart. Man kann schon leicht paranoid werden, wenn man mit Zugriffen über die eigene Webcam oder die Überwachung von Bewegungsprofilen denkt.Auch der Protagonist von Patrick Flanerys Roman „Ich bin Niemand“ fürchtet zunehmend, unter Paranoia zu leiden. Zunächst ist es eine nicht eingehaltene Verabredung mit einer seiner Studentinnen, die den Geschichtsprofessor Jeremy O´Keefe verstört. Denn anscheinend hat er selbst diese Verabredung per email abgesagt, kann sich aber partout nicht daran erinnern. Das ist aber nur der Anfang einer Reihe von seltsamen Vorgängen, die ihn und seine Familie zunehmend verunsichern. Doch ärztliche Untersuchungen geben keinerlei Hinweis auf Demenz oder andere psychische Erkrankungen. Nur ganz allmählich kommt Jeremy der Verdacht, dass seine Vergangenheit der Schlüssel zu allem ist. Nur zögerlich nähert er sich seinen zehn Jahren als Professor in Oxford, in das er 2001 quasi geflohen ist, nachdem seine Ehe zerbrochen und seine befristete Anstellung an der Columbia University nicht verlängert wurde. In Oxford hatte er Kontakt zu einem zwielichtigen Kollegen, der scheinbar als Agent tätig gewesen war, und zu einer ägyptischen Studentin, deren Bruder in islamistischen Kreisen verkehrte. Die Bedrohung durch allumfassende persönliche Überwachung in digitalisierten Zeiten ist genauso ein Thema wie die wachsende Angst vor dem Terror und die befürchtete Bedrohung durch muslimische Mitbürger – brandaktuelle Themen also. Genauso beschäftigt sich der Roman aber mit Verdrängung und Erinnern.Das von Flanery gewählte Erzähltempo ist niedrig. Dadurch nimmt er dem Roman die Möglichkeit, durch Rasanz zu fesseln, erhöht aber die Ernsthaftigkeit und Genauigkeit, mit der er sich seinen Themen annimmt. Erzählt wird in einer Art Beichte O´Keefes, die an ein nicht näher gefasstes Publikum gerichtet ist. Er spricht diese hin und wieder an, „wer immer dies auch lesen wird“, greift vor, deutet an. Größtenteils gelingt es dem Autor, seinen Leser dadurch zu fesseln. Nur der Protagonist Jeremy bleibt trotz der Ich-Perspektive und der Tatsache, dass er der Mittelpunkt der Geschichte ist, seltsam blass, wie übrigens auch das restliche Personal. Dass er zufällig als Spezialist für die Stasi-Vergangenheit der einstigen DDR praktisch Spezialist in Sachen Überwachung und Bespitzelung ist, erscheint zudem nicht gerade glaubwürdig. Das ist ein wenig schade, enthält der Roman doch so manche interessante Gedanken und verhandelt ein spannendes Thema.

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