Patrick Hofmann Die letzte Sau

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Inhaltsangabe zu „Die letzte Sau“ von Patrick Hofmann

Samstag, 5. Dezember 1992. Muckau, ein Dorf südlich von Leipzig. Weder Wende noch Wiedervereinigung haben den Tagebau zum Stillstand gebracht. Obwohl der Zusammenbruch der Braunkohleindustrie absehbar ist, drehen sich die Schaufelräder weiter, haben sich die Bagger bis an die Ortschaft herangefressen, deren Bewohner seit einem Jahr umgesiedelt werden. Die alten Schlegels sind die letzten. Ihr Abschied von Haus und Hof steht kurz bevor. Deshalb ist die Familie zusammengekommen, um Albrechts letztes Schwein zu schlachten. Am frühen Morgen erscheint jedoch kein Schlachter, sondern eine Schlachterin und schlägt die drei Generationen dieser einst systemtragenden ostdeutschen Familie in ihren Bann. Patrick Hofmanns derb-komischer Debütroman schildert das Schicksal einer Familie in einer Region, die wie keine zweite deutsche im 20. Jahrhundert von radikalen gesellschaftlichen, ideologischen, industriellen und landschaftlichen Umwälzungen heimgesucht wurde. Stück für Stück werden mit dem Schwein die deutsche Geschichte und die kommunistische Utopie zerlegt und verarbeitet – ein Auflösungsprozess, der auch vor der Familie nicht Halt macht.

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  • Rezension zu "Die letzte Sau" von Patrick Hofmann

    Die letzte Sau

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    03. September 2009 um 15:16

    „Für den Darm ist die Wurst eine Revolution.“ Untergegangene Dörfer, die dem Braunkohlebergbau zum Opfer fielen und viele Familie zu Zwangsumsiedlern machte, gab es im Raum Leipzig viele. Zwischen 1928 und 1989 wurden 70 Orte von den Landkarten wegradiert, die deutliche Mehrzahl unter dem sozialistischen Regime. Durch die Wende wird die Mehrzahl der Bergbauaktivitäten eingestellt, die Tagebaue verschwinden. Wirtschafltiche Neuorientierung ist angesagt. Nicht so aber in Muckau, einem Dorf südlich von Leipzig. Am 5. Dezember 1992 trifft sich dort auf dem alten Hof der Schlegels die ganze Familie, bevor Hertha und Albrecht mit der psychisch kranken Tochter Elke die Umsiedlung in ein neu entstandenes Familienwohngebiet bevorsteht. Die letzte Sau soll geschlachtet werden und ein nochmaliges Zusammensein auf dem Hof ein ehrenwürdiger Abschluss für dieses Stück Familiengeschichte sein. Drei Generationen finden sich in dem etwas klapprig gewordenen Haus ein. Sonja und Annegret, die beiden selbstständigen Töchter von Albrecht und Hertha bringen allen ihren Anhang mit. „Opa geistesabwesend bei den Hühnern, drinnen Mutter beim Tischdecken, wollte ja unbedingt, dass alle noch einmal da sind, Sonja mit vom Herumlaufen und Lachen roten Wangen, Elke mürrisch […]“. So entspinnt sich im Wechsel zwischen mehreren Perspektiven, alle Familienmitglieder haben ihre eigene Sicht auf diese zwei Abschiedstage in einem neuen Gesellschaftssystem, in das alle mit wachen Augen hineingerutscht sind. Der jüngste, René, Sohn von Sonja und ihrem Mann Achim, war 17 als die Mauer fiel. Jede Generation hat ihre eigenen Probleme, denkt in anderen Mustern. Die Alten können sich noch nicht recht mit dem Gedanken anfreunden, dass dieser Hof bald Geschichte sein soll. Albrecht ist ein Kind des Krieges und liebt den Bauernhof. „Ich will das Schlachten nicht über, sondern auf die Bühne bringen. Deswegen halte ich die Leute gern ein bisschen hin am Frühstückstisch. […] Ein Teil meiner Autorität beruht auf den wenigen Handgriffen des Tötens.“ Doch als am frühen Morgen des 5. Dezembers auf dem Hof statt eines Schlachters die Schlachterin Diana Kampradt das Haus betritt, sind alle Familienmitglieder reichlich verwirrt. Doch die Kampradt weiß sie alle um den Finger zu wickeln und lößt mit ihrer Anwesenheit zwischen Töten, Schlachten und Fleischverarbeitung so manche Diskussion aus, die zwischen den Zeilen entschieden wird. „Es gab wenige Orte, wo Sonja sich so wohl fühlte wie in der Küche ihrer Eltern: Die Rennerei vor den Mahlzeiten zwischen Speisekammer, Herd und Spüle, der Geruch von Schnitzeln oder Eiern, die in reichlich Butter brieten, die schweren Pfannen – sie verfluchte sie sie jedes Mal, wenn sie die scheuern musste […].“ Das wirklich wahre Gefühl inmitten einer Großfamilie, die Rückbesinnung bei einem solchen Abschied, der Zwist und die Streitigkeiten zwischen den Familienmitgliedern werden offenbar, wenn eine Ära zu Ende geht. Durch das Beisein der Schlachterin Kampradt, die eine magische Wirkung auf alle hat, legt sich so manche innere Wut offen und wird plötzlich erkannt oder ohne Umschweife ausgesprochen. „Die letzte Sau“ ist Patrik Hofmanns Romandebüt. Der Autor wurde 1971 in Borna geboren und hat selbst den Wendewechsel miterlebt. Hofmanns Dialoge sind getränkt in den Leipziger Dialekt, der vor allen den älteren Herrschaften über die Lippen kommt und beißt sich ironisch, selbst auf die Schippe nehmend in einer unglaublichen Schnelle durch die 285 Seiten des Romans. Nie wird die Geschichte langatmig. Mit Witz und leichter Sprache wird mit dem Schlachten und Zerstückeln der Sau auch das persönliche Leben, die vergangene deutsche Geschichte, die erst kurz zurückliegende kommunistische Vergangenheit beleuchtet und in die Mangel genommen. Dabei bleibt dem Leser eine große Frage immer auf den Lippen: Was bedeutet Familie eigentlich und wie wird diese durch die Lebensumstände geprägt, die man miterlebt? Vollkommen liebenswürdige Personen hat der Autor gemalt und mit der nötigen Nonchalance der Familienzusammenkünfte ausgestattet. Nebenbei erspürt man die Nöte und Gedanken einer Umbruchszeit, in der vieles noch nicht abgeschlossen ist, aber so mancher Zusammenbruch in wirtschaftlichter Hinsicht schon erkennbar war. Ein kurzweiliges Lesevergnügen mit viel Gespür für den ‚Wende-Zeitgeist‘.

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