Patrick Kingsley Die neue Odyssee

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Inhaltsangabe zu „Die neue Odyssee“ von Patrick Kingsley

<p>Europa ist mit der größten Migrationsbewegung seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs konfrontiert – und niemand hat intensiver über diese Krise berichtet als Patrick Kingsley. Der erst 26 Jahre alte Reporter des „Guardian“ hat 2015 drei Kontinente und 17 Länder bereist, Hunderte von Migranten getroffen und mit ihnen die Fluchtrouten durch Wüsten, über Berge und Meere zurückgelegt. Dieses Buch erzählt ihre Geschichte. Patrick Kingsley legt ein hohes Tempo vor. Er reist mit dem Syrer Hashem al-Souki auf dem Zug, trinkt selbstgebrannten (und verbotenen) Schnaps mit dem libyschen Menschenschmuggler Haji, der einmal Jurastudent war, marschiert mit Fattemah Abu al-Rouse, der schwangeren syrischen Lehrerin, die Angst hat, ihr Kind zu verlieren, durch die Wildnis des Balkans, ist an Bord eines Bootes im Mittelmeer. Er schildert, wie das Multi-Millionen-Dollar-Geschäft mit dem Menschenhandel in Libyen, der Türkei und Ägypten organisiert wird. Er zeigt, wie lokale Kaufleute und korrupte Politiker in Italien vom Elend der Menschen profitieren. Er beschreibt die Fluchtrouten, hinterfragt die Ursachen der Krise und die Gründe für die bedrückende Reaktion so vieler Europäer. „Die neue Odyssee“ ist ein großartiges Buch, das niemand so leicht vergisst, der es gelesen hat.</p>

Dieses Buch sollte Pflichtlektüre werden. Gute Sicht auf die Problematik und Gründe warum die Flüchtenden diese Strapazen auf sich nehmen.

— Michelangelo
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    Die neue Odyssee
    Lariluna

    Lariluna

    25. March 2017 um 17:47

    Patrick Kingsley ist seit Anfang des Jahres 2015 der Migrationskorrespondent der britischen Tageszeitung The Guardian, und damit gewissermaßen der erste seiner Art: Der Journalist, schon vorher in Ägypten stationierter Auslandskorrespondent, konzentriert sich seitdem auf alle Ereignisse rund um das Thema Migration. Wie wir alle wissen, spitzte sich dann im Sommer 2015 die Flüchtlingskrise erheblich zu und es erwies sich, dass der Chefredakteur des Guardian in sehr weiser Voraussicht gehandelt hatte… In Die neue Odyssee. Eine Geschichte der europäischen Flüchtlingskrise fasst Patrick Kingsley nun die Ereignisse, seine Erlebnisse und Erfahrungen des Jahres 2015 zusammen, um uns Glücklichen, die wir mit einem Dach über dem Kopf im sicheren Europa sitzen, möglichst begreifbar zu machen, warum so viele Menschen sich auf einen unglaublich gefährlichen und beschwerlichen Weg machen, wer sie sind, was sie antreibt und welchen Gefahren sie sich aussetzen. Denn er sagt – garantiert zu Recht – dass wir noch so oft Fotos von überfüllten Schlauchbooten und drängenden Rettungsaktionen in den Medien sehen können. Wir können uns dennoch nicht vorstellen, was der direkte Anblick eines solchen Flüchtlingsbootes auslöst, geschweige denn, wie es denjenigen geht, die sich auf ihrem Kontinent so unsicher gefühlt haben, dass sie sich mit diesem wackeligen Gefährt auf das offene Meer begeben haben. Sowohl für seinen Arbeitgeber als auch für dieses Buch ist Patrick Kingsley also den Routen der Flüchtlinge gefolgt: Er hat Zeit auf einem Rettungsboot der Organisation Ärzte ohne Grenzen e. V. verbracht, die in Seenot geratenen Flüchtlinge aus dem Mittelmeer rettet. Er hat es geschafft, mit Schleusern in Libyen und Ägypten zu sprechen. Er ist, wie Flüchtlinge aus Somalia oder Eritrea, quer durch die Sahara gereist – einer Strecke, die für viele als gefährlicher gilt als die Fahrt über das Mittelmeer. Er hat Flüchtlingsboote von der Türkei aus auf den griechischen Inseln ankommen sehen und hat Flüchtlingsgruppen an der serbischen und mazedonischen Grenze begleitet, als die Balkanroute der zweite Massenweg nach Europa wurde. Der Autor und Journalist beschreibt in seinem Buch nicht nur die Zustände in den Herkunftsländern der Flüchtlinge und erklärt damit, warum sie keinen anderen Ausweg sehen als die Flucht. Er hat außerdem mit zahllosen Flüchtlingen, ehrenamtlichen Helfern, Grenzern und vielen anderen Menschen, denen die Fliehenden auf ihrem Weg begegnen, gesprochen. Er hat sich ihr Vertrauen erarbeitet und ist mit ihnen über schwierige Pfade gegangen. So gibt er dem Leser Namen und Geschichten zu all den Gesichtern, die wir aus der Ferne in den Medien sehen. Er vermittelt all denen, die es noch nicht kapiert haben, dass dies alles verzweifelte und, aus dieser Verzweiflung heraus, mutige und unermüdliche Menschen sind, die auch nach mehreren Fehlversuchen immer wieder versuchen, weiter Richtung Nordeuropa vorzudringen. Egal welche Steine ihnen – von uns, von unseren Regierungen – in den Weg gelegt werden, sie sind nicht zu stoppen und das aus gutem Grund. Einen besonderen Platz in Kingsleys Buch nimmt Haschem Al-Souki ein. Den Syrer und Vater von drei Kindern lernte der Journalist bereits in Ägypten kennen, wohin Haschem mit seiner Familie vor dem Bürgerkrieg geflohen war. Gemeinsam mit seiner Familie hatte er dann versucht, Ägypten Richtung Italien per Boot zu verlassen, sie wurden jedoch von der Polizei aufgehalten. Ein knappes Jahr später wagt Haschem die Überfahrt erneut, dieses Mal alleine. Er will es bis nach Schweden schaffen, wo zu dem Zeitpunkt die Chance, als Syrer eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung zu erhalten und die Familie relativ schnell nachziehen zu lassen, am größten war. Patrick Kingsley begleitet ihn ab Italien auf diesem Weg, als sein Schatten, der Haschems Erfahrungen aufzeichnet und in diesem Buch mit all den anderen Geschichten verwebt, als beispielhafte Darstellung der zig Zuflucht suchenden Syrer. Ich glaube, dass letztlich auch ein ganzes Buch voller Geschichten über Flüchtlinge und ihre Reisen uns nicht vollends vermitteln kann, was in ihnen vorgeht und wie verzweifelt und mutig sie sein müssen. Aber es ist die beste Möglichkeit, die wir haben, es ansatzweise zu verstehen – gerade für die, die immer noch daran zweifeln, dass alle diese Menschen vor wahrer Not fliehen und ihr Leben nur riskieren, weil sie es in ihrer Heimat noch viel größeren Gefahren ausgesetzt sehen. Auch wenn diese Zweifel noch nie mein Problem waren, hat mir Die neue Odyssee sehr viel gegeben: Zahlreiche Hintergrundinformationen, die wir in dieser Detailliertheit und aus solcher Nähe in den Nachrichten (natürlich) nie geboten bekommen, nicht nur bezüglich des Nahen Ostens und Nordafrikas, sondern auch zu Ländern wie Somalia oder Eritrea. Einen genauen Einblick in die Entwicklung der verschiedenen Routen gen Europa – insbesondere der Balkanroute sowie die gefährliche Reise durch die Sahara, die für uns schon viel zu weit weg zu sein scheint, als dass Europa Zeit und Lust hätte, sich damit zu beschäftigen. Und nicht zuletzt natürlich die persönlichen Geschichten derjenigen, mit denen Kingsley sich unterwegs unterhält und die er wiedergibt. Die neue Odyssee ist dabei unglaublich bewegend und eben auch sehr persönlich, aber genauso sachlich und ehrlich: Kingsley, den man wohl als einen der Europäer bezeichnen kann, die einen besonders großen Einblick in die Entwicklungen haben, gibt seinem Leser auch klare Statements mit auf den Weg, wie sich die Situation seiner Meinung nach weiter entwickeln wird, welche Maßnahmen tatsächlich helfen würden und dass er, leider Gottes, überhaupt keine Bereitschaft und Entwicklung in Richtung einer fruchtbaren Zusammenarbeit der Staatengemeinschaft sieht. Auf dem Internationalen Literaturfestival Berlin, wo Patrick Kingsley am 10. September über sein Buch gesprochen hat, sagte er, dass er auch nicht glaube, dass bei dem ersten UN-Gipfel zu Flucht und Migration mehr als viel Geschwafel herauskommen würde. Dieser hat gestern stattgefunden und – überraschenderweise – ist nurmehr eine unverbindliche Erklärung dabei herausgekommen, die mehr Schutz für Flüchtlinge, mehr Koordination und Zusammenarbeit fordert (dazu auch der Bericht der Tagesschau und die Pressemitteilung von Ärzte ohne Grenzen).

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  • Was geschieht und warum?

    Die neue Odyssee
    dominona

    dominona

    28. September 2016 um 17:00

    Wer wissen möchte, warum sich die Flüchtlingskrise, mit der Deutschland ja auch schon seit einiger Zeit zu tun hat, so entwickelt hat, wie aktuell, der sollte sich dieses Buch zu Gemüte führen, zumal es auch die Sicht der Schleuser zeigt und immer auf einer persönlichen Ebene bleibt. Viele, die in Deutschland sitzen wissen nämlich gar nicht, was so eine Flucht überhaupt bedeutet und das wird hier sehr gut dargestellt. Allerdings war es für mich manchmal ein bisschen holprig, weil sich mir der Aufbau nicht immer ganz erschlossen hat.

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  • ‚Weil es keine andere Wahl gibt.‘

    Die neue Odyssee
    sabatayn76

    sabatayn76

    21. August 2016 um 23:02

    Inhalt: Patrick Kingsley erzählt in ‚Die neue Odysee‘ von der aktuellen Flüchtlingskrise: vom Arabischen Frühling, vom Beginn des Konflikts und vom Ausbruch des Bürgerkriegs in Syrien, von Armut und Elend in Afrika, von Perspektivlosigkeit und Verzweiflung, von Menschenschmugglern und Korruption, von freiwilligen Helfern und von Zukunftsszenarien. Mein Eindruck: Ich habe bereits mehrere Bücher zur aktuellen Flüchtlingskrise gelesen und habe sehr viel Kontakt zu Flüchtlingen, vor allem aus Syrien, aber auch aus anderen Ländern des Nahen und Mittleren Ostens. ‚Die neue Odyssee‘ hat mir sehr gut gefallen, und ich fand das Konzept, die Geschichte der Krise anhand von Einzelschicksalen menschlicher und greifbarer zu machen, gelungen und wichtig, um die gegenwärtige politische Lage und Entwicklung besser verstehen und einordnen zu können. Patrick Kingsley erklärt dem Leser, was Menschen nach Europa fliehen lässt, was sie auf ihrer Flucht erleben, wieso sie ihr Leben riskieren und was sie auf dem reichsten Kontinent der Erde erwarten und erwartet. Dabei beschränkt er sich nicht nur auf die Geschichte der Flüchtlinge selbst, sondern stellt auch Schleuser und ihre Rechtfertigungen und Beweggründe vor und erwähnt freiwillige Helfer, die selbstlos handeln und lediglich Gutes tun möchten, ohne sich am Elend anderer zu bereichern. Patrick Kingsley erzählt lebendig und detailliert, berichtet von persönlichen Erlebnissen und individuellen Erfahrungen. So gibt er den Millionen Flüchtlingen eine Stimme, ein Gesicht und eine Persönlichkeit, die das Ganze weniger abstrakt macht und so Verständnis und Toleranz fördern kann. Vor allem die Geschichte von Haschem, die sich durch das ganze Buch zieht und die es dem Leser ermöglicht, vom heimischen Sofa aus eine Person von Syrien bis nach Europa zu begleiten und ihre Erfolge und Misserfolge direkt zu verfolgen, ist emotional bewegend und hat mich sehr berührt. Mein Resümee:Ein wichtiges, weises und spannendes Buch!

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