Patrick McGinley Bogmail

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Inhaltsangabe zu „Bogmail“ von Patrick McGinley

»Eales muss vernichtet werden«, findet Pubbesitzer Tim Roarty, und zwar bevor der Barmann seine lüsternen Spielchen mit Roartys Tochter zu weit treibt. Das Giftpilzomelett versagt, also muss Band 25 der Encyclopædia Britannica als Mordwaffe herhalten. Die Leiche wird im Moor vergraben, Eamon Eales scheint Geschichte. Dann allerdings tauchen aus dem Moor Briefe auf, unterzeichnet mit »Bogmailer«, und Roarty beginnt sich zu fragen, welcher seiner exzentrischen und leidenschaftlich intriganten Stammgäste ihn zu erpressen versucht. Kenneth Potter vielleicht, der Engländer, mit dem ihn fast eine Freundschaft verbindet? Als der Bogmailer seine Forderungen mit einzelnen Körperteilen des Mordopfers unterstreicht und der ebenso unterbeschäftigte wie überambitionierte Dorfpolizist McGing sich nicht abschütteln lässt, scheint ein zweiter Mord unausweichlich. Patrick McGinley hat einen genauen Blick für die Abgründe des idyllischen Örtchens Glenkeel ganz im Westen Irlands und seiner so sympathischen wie durchtriebenen Bewohner. Bogmail ist psychologischer Spannungsroman und dörfliche Komödie in einem, mit herrlich ausufernden Thekengesprächen, bei denen das Wesen der weiblichen Sexualität so erörternswert ist wie der gemeine Regenwurm.

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  • Roman mit Mörder

    Bogmail
    Buecherschmaus

    Buecherschmaus

    12. July 2017 um 20:31

    Sollte man tatsächlich, gerade angesichts des riesigen, kaum zu überschauenden Angebots an neu erscheinenden Kriminalromanen jeglicher Sparte und Qualität, einen fast vierzig Jahre alten „Roman mit Mörder“ lesen, in dem dieser, nämlich der Mörder, bereits auf der allerersten Seite offenbart wird? Zwar geht der erste Mordanschlag durch ein Omelette surprise, gewürzt mit Pilzen fragwürdiger Abstammung, schief, aber der nächste Versuch, ein gezielter Schlag auf den Kopf mit dem 25. Band der Encyclopedia Britannica (Ausgabe 1911!) gelingt. Sollte man tatsächlich wertvolle Lesezeit zusammen mit einer Ansammlung ziemlicher Loser (die aber natürlich ganz anders über sich denken) in unterschiedlichen Stadien des Alkoholrauschs in einer tristen, heruntergekommenen Kneipe in einem tristen, heruntergekommenen Kaff irgendwo in Irlands Nordwesten verbringen? Seitenlang ihren Selbst- und Thekengesprächen folgen, die sich um so wichtige Fragen wie den Fischfang, die Unverständlichkeit von Frauen, Regenwürmer, Poesie, Glauben und moderne Kirchenarchitektur, kurz um Gott und die Welt drehen und oft ins Philosophieren abdriften?Die klare und deutliche Antwort darauf heißt natürlich: Ja, unbedingt!Unbegreiflich genug, dass dieser im Original bereits 1978 erschienene und in Irland zunächst skandalträchtige – zu viel „Pornografisches“, ein zu negatives Irlandbild -, mittlerweile aber als moderner Klassiker geltende Roman erst jetzt ins Deutsche übertragen wurde.Der Mörder steht, wie gesagt, von Anfang an fest. Es ist der Kneipeninhaber Tim Roarty, der seinen jungen Barmann Eamonn Eales (allein diese herrlichen Namen!) ins Jenseits befördert. Denn:„Eales war das Böse. Eales musste vernichtet werden.“So seine tiefe Überzeugung. Denn Eales empfindet nicht nur großes Vergnügen daran, seine beiden Katzen auf unschuldige Vögel zu hetzen und jeder Frau im Ort nachzusteigen, nein, ihm ist es tatsächlich gelungen, Roartys Tochter Cecily zu erobern, und Roarty mag sich gar nicht ausmalen, was er mit ihr so alles anstellt. Also wird er kurzer Hand mit der Lieblingslektüre des Kneipenwirts erschlagen und im torfigen Moor versenkt. Ein anscheinend perfekter Mord, zudem zunächst niemand den jungen Mann zu vermissen scheint.Aber da tauchen plötzlich Briefe auf. Ein sich selbst „Bogmailer“ (bog=die irischen Torfmoore, Blackmailer=Erpresser) nennender Zeitgenosse hat Roarty beobachtet und versucht ihn nun zu erpressen. Dringlich wird das Ganze, als ein abgetrennter Fuß von Eales ins Spiel kommt. Für Roarty ist klar: ein zweiter Mord muss geschehen. Nur, wer ist dieser geheimnisvolle „Bogmailer“? Am verdächtigsten ist ihm der zugereiste Engländer Kenneth Potter. Schade, denn eigentlich findet er ihn ganz sympathisch.Neben Roarty selbst ermittelt der alternde Dorfpolizist McGinty, der froh ist, mal etwas anderes als Trunkenheit auf offener Straße oder das giftige Jakobskreuzkraut auf den Viehweiden zu verfolgen.Patrick McGinley lässt uns teilhaben an Roartys Gedanken und Plänen, an Potters Beobachtungen und am Dorftreiben, das sich in den Thekengesprächen spiegelt. Denn hier trifft sich die skurrile Schar an Dorfphilosophen: Der stille Fischer Rory Rua, der zwielichtige Journalist Gimp Gillespie, der raffgierige Bauer Crubog und der Kommunist Cor Mogaill, allesamt Schwätzer und mehr oder weniger gescheiterte Existenzen, aber mit Bildung und Neigung zur Literatur. Hier wird der Kriminalroman zur Dorf- und Provinzposse, die die stickige Enge als Nährboden für Neid, Habgier, Gewalt und akute sexuelle Nöte der überwiegend männlichen Kneipenbesucher entlarvt. (Frauen spielen nur eine Rolle, indem sie sich aus nicht genau verständlichen Gründen ihrer annehmen.) Hier werden Pläne gegen den Kanonikus geschmiedet, eine „Anti-Kalkstein-Gesellschaft“ gegen dessen Pläne, den alten Holzaltar zu ersetzen, gegründet, nur um beim ersten strengen Blick wieder zu gehorsamen Katholiken zu werden. So entsteht ein herrlich schräges Sittenbild, bei aller Posse immer elegant-ironisch bis sarkastisch, bei Beschreibungen der Moorlandschaft bisweilen auch geradezu poetisch, aber immer hochgradig unterhaltsam. Und am Ende kommt dann doch alles anders, als man gedacht hat. Eine unbedingte Leseempfehlung!

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  • Slàinte mhath!

    Bogmail
    sapperlot

    sapperlot

    01. April 2017 um 09:27

    Der versierte Krimileser weiss, dass Moorlandschaften manchmal nach Jahrzehnten verborgene Schätze freigeben oder im makaberen Fall Leichen die bei oder nach einem Verbrechen vergraben und entsorgt wurden. In so manchen Archiven von Verlagen liegen literarische Schätze verborgen und warten darauf, in aufgefrischter Form wieder auf den Markt gebracht zu werden. Dieses Buch ist so ein lesens- und lobenswertes Kleinod, dass im englischen Original bereit 1978 erschienen ist und nun nach fast 40 Jahren endlich ins Deutsche übersetzt und vom Steidl Verlag publiziert wird. Der Verlag spendiert dem Buch schwarze Vorsatzblätter die den Leser optisch auf den schwarzem Humor, der in dieser Geschichte steckt, aufmerksam machen sollen.Auf den ersten Blick bestätigt die Geschichte die Vorurteile die viele Leser gegenüber der ländlichen irischen Lebensart haben. Nach dem Arbeitstag oder je nach dem auch tagsüber trifft man sich im Pub, genehmigt sich gleich mehrere Whiskeys und spricht mit meist männlichen Gleichgesinnten über kleinere oder grössere Probleme die das Leben bereithält. Themen wie Arbeit, Landwirtschaft, Glauben, Kirche und Frauen. Das letzteres im Zusammenhang mit den sexuellen Anspielungen in diesem Roman im streng gläubigen Irland Ende der 1970er Jahre für Aufsehen sorgte kann ich nachvollziehen aber heute, bei der Masse an billigen Gewaltthrillern die in den Buchhandlungen stehen, ist es eher eine Petitesse. Dass das Ganze nicht in eine Aneinanderreihung von Binsenweisheiten ausufert liegt am intelligenten Konzept und dem kultivierten Erzählstil von Patrick McGinley und der exzellenten Übersetzung von Hans-Christan Oeser.Inhalt: Der Hauptfigur der Geschichte, Gastwirt Roarty, liegt ein quälendes Problem auf der Seele. Sein neuer Barkeeper Eales kann seine Lustfinger nicht von seiner Tochter Cecily lassen und so reift der Gedanke heran, den Missetäter zu töten. Was giftige Pilze nicht schaffen kann ein Band der Enziklopedia Brittanica. Die Leiche nachts im nahegelegen Moor versenkt und weg sind Störenfried und Problem. Dumm nur, dass Roarty beobachtet wurde und der anonyme Augenzeuge für sein Schweigen Geld sehen will. Schnell verortet Roarty den Erpresser unter seinen schrulligen Stammgästen. Bloss, welcher der zechenden Kunden ist es?Für einmal geht es nicht darum ein Verbrechen aufzuklären und einen Mörder zu finden, den kennen die Leser bestens, sondern darum wie der Täter mit der Tat und der Erpressung umgeht und selbst zum Detektiv wird. Die ungewöhnliche Ausgangslage bietet Potential für allerhand Situationskomik welche der Autor auch nutzt aber es verkommt nie zur klamaukhaften Komödie. Das wird so einige Leser enttäuschen und darum mein neuerlicher Hinweis: Es handelt sich um einen geistreichen Kriminalroman mit eher langsam voranschreitender Handlung der ohne Actionszenen auskommt. Dafür ist viel Esprit, mit gepflegtem schwarzen Humor unterlegt, und Lokalkolorit enthalten für den geduldigen Leser mit Musse und Zeit.

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