Patrick Modiano Ein so junger Hund

(33)

Lovelybooks Bewertung

  • 31 Bibliotheken
  • 3 Follower
  • 1 Leser
  • 22 Rezensionen
(12)
(16)
(5)
(0)
(0)

Inhaltsangabe zu „Ein so junger Hund“ von Patrick Modiano

Der Frühling der Erinnerung Paris im Frühling 1992: Der Erzähler stößt auf ein altes Foto, und seine Erinnerung setzt sich in Gang. Das Bild stammt von Francis Jansen, dem Fotografen mit der Rolleiflex, der bald darauf für immer verschwand. Das war 1964, es war Frühling in Paris, und der Erzähler ein so junger Hund. "Mit unendlicher Sensibilität spinnt Patrick Modiano seinen Faden des Erzählens und legt in die Geschichte einer nur kurzen Begegnung die ganze Tragweite zweier Leben und zweier Zeiten. Sein kleines Buch wiegt kaum mehr als eine Tüte mit Fotos von Jansen oder von Robert Capa, aber es besitzt dieselbe existentielle Tiefe." L'HUMANITÉ "Modianos Prosa macht süchtig." DER TAGESSPIEGEL LITERATURNOBELPREIS 2014

Ähnelt sehr jedem anderen Patrick Modiano Buch, was jedoch nicht unbedingt schlecht ist, da er ein genialer Autor ist.

— LiaVeganie
LiaVeganie

Ein lesenswerter Roman mit leisen, aber auch feinen "Untertönen"

— SigiLovesBooks
SigiLovesBooks

Eine kurze, aber sehr intensive Begegnung in schönster Schreibweise.

— Fantasie_und_Träumerei
Fantasie_und_Träumerei

Ein kurzes, aber tiefgründiges Buch des Nobelpreisträgers über Erinnerung, Identität und verlorene Zeit.

— Gulan
Gulan

Ein Buch, das für seine Kürze enorm viel zu denken aufgibt.

— gst
gst

Literaturnobelpreisträger ... sind nie nach jedermanns Geschmack. Modiano ist ... depressiv und schwer faßbar, doch sprachlich exzellent!

— wandablue
wandablue

Ein Büchlein mit nachhaltigem Inhalt

— Glanzleistung
Glanzleistung

Schöne Erzähltechnik, die Geschichte hat mich aber nicht in den Bann gezogen

— smayrhofer
smayrhofer

Sehr schöne poetische Erzählung über die Vergänglichkeit

— guybrush
guybrush

Fein und leicht erzählt Modiano von dem Versuch den gelebten Moment in Form von Bildern oder Text festzuhalten ...

— 19angelika63
19angelika63

Stöbern in Romane

Der Frauenchor von Chilbury

Mit "Der Frauenchor von Chilburg" ist Jennifer Ryan ein gefühlvoller, abwechslungsreicher Roman gelungen.

milkysilvermoon

Sommerkind

Emotional aufwühlend, tiefgründig, traurig und hoffnungsvoll...

Svanvithe

Underground Railroad

Hier wird fündig, wer wissen will, wie das Böse seit Jahrhunderten in Köpfen und Herzen der Menschen überleben konnte.

Polly16

Der Sommer der Inselschwestern

Eine wunderschöne und dramatische Geschichte über drei Frauen, ihr Leben und ihrer Freundschaft.

AmyJBrown

Die Großmächtigen

Ein außergewöhnlicher Roman, der mich beeindruckt hat

Curin

Sieh mich an

Das ganz normale Familienchaos trifft auf ein „Etwas“, das das Leben der Protagonistin zerwirft.

killmonotony

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Die Dinge der Welt zärtlich umwehen

    Ein so junger Hund
    alasca

    alasca

    Die Dinge der Welt zärtlich umwehen (Klappentext) Paris im Frühling 1992: Der Erzähler stößt auf ein altes Foto, und seine Erinnerung setzt sich in Gang. Das Bild stammt von Francis Jansen, dem Fotografen mit der Rolleiflex, der bald darauf für immer verschwand. Das war 1964, es war Frühling in Paris, und der Erzähler ein so junger Hund. Aus der Begegnung, bei der Jansen den Erzähler fotografiert hat, entsteht eine nähere Bekanntschaft; der Erzähler ist fasziniert von Jansen und dessen Lebensstil. Jansen jedoch ist klar geworden, dass er mit seiner Arbeit Erinnerung nicht konservieren kann und entscheidet, sich bewusst dem Vergessen anheimzugeben. Der Erzähler wird Zeuge dieses Rückzugsprozesses, in dessen Verlauf Jansen auch alle Freundschaftsbande auflöst, und er versucht, dagegen anzukämpfen, „… weil ich mich weigerte, Personen und Dinge einfach verschwinden zu lassen.“ Er beginnt, Jansens Fotos zu katalogisieren, die dieser lose in drei Koffern aufbewahrt, doch eines Tages ist Jansen mitsamt seinen Koffern verschwunden. Der Fund eines einzelnen Fotos von damals in der erzählerischen Gegenwart von 1992 bewegt den Erzähler, der Vergangenheit nachzuspüren, indem er die damaligen Stätten der Begegnung aufsucht und die wenigen ehemaligen Freunde Jansens ausfindig zu machen sucht, was ihm nicht gelingt. Das Minimum an Handlung tritt zurück hinter die eigentlichen Themen des Romans. Die Welt des Erzählers, die Welt von Modiano, ist eine Welt ohne feste Grenzen in der Zeit. Verschwimmende Grenzen („Es ist leicht, auf die andere Seite zu gelangen.“) sind überhaupt das Thema des Romans; sei es die zwischen Traum und Wachheit, zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Fiktion und Realität, Umgebung und Selbst („mit dem Dekor verschmelzen“) oder den Lebenden und den Toten. Auf seiner Suche gerät der Erzähler in einen Zustand von Unwirklichkeit, so dass er „noch einmal das Datum und die Schlagzeilen der Zeitung [las], die ich in der Hand hielt, um mich der äußeren Welt zu vergewissern.“ Ein weiteres Thema ist das Licht: Das Licht in den Straßen von Paris; das Licht „in dem wir in meiner Erinnerung spazieren gehen, …“; das natürliche Licht, das Jansen auf seinen Fotos einzufangen sucht und das so schwer zu fassen ist. Oft glaubt er zu träumen, oder Erinnerungsfetzen von Träumen drängen sich in sein Bewusstsein, und einmal widerfährt ihm im Traum die Erkenntnis, er selbst sei Francis Jansen, so dass sich in die Liste der Entgrenzungen auch die zwischen den Identitäten reiht, die in völlige Auflösung übergehen: „Es war zu Ende. Ich war nichts mehr.“ Die Melancholie des Textes, der die wehmütige Empfindung eines Déja vu vermittelt, nimmt unweigerlich gefangen und versetzt in eine wie schwebende Stimmung. Dazu tragen auch die atmosphärischen Beschreibungen des Pariser Frühlings bei, den man mit dem Erzähler zu erleben meint. Wie sein deutscher Verleger Jo Lendle sagt, besteht Modianos Kunst darin, „die Dinge der Welt auf eine zärtliche Weise zu umwehen“. Modianos Text ist keiner, der zur Identifikation einlädt oder (zumindest mir) persönliche Aufschlüsse verschafft. Ich hätte mir mehr Substanz, Biss, ein Ziel gewünscht. Und doch ist er auf unverkennbare Art besonders.

    Mehr
    • 4
  • Leserunde zu "Ein so junger Hund" von Patrick Modiano

    Ein so junger Hund
    aufbauverlag

    aufbauverlag

    Entdeckt mit uns den Nobelpreisträger Patrick Modiano! Zur Frankfurter Buchmesse wurde der französische Schriftsteller Patrick Modiano mit dem Literaturnobelpreis geehrt. Wir möchten euch einladen, diesen Autor von Weltrang gemeinsam mit uns zu entdecken, denn nun ist einer seiner interessantesten Romane endlich wieder erhältlich: »Ein so junger Hund« Das Buch Paris im Frühling 1992: Ein Mann stößt auf ein altes Foto, und die Erinnerung setzt sich in Gang. Das Bild stammt von Francis Jansen, dem Fotografen mit der Rolleiflex. Er war in dessen Atelier mitgegangen, das nicht viel mehr enthielt als  drei Koffer voller Fotos und zu jedem gehörte eine Geschichte. Kurz darauf verschwand der Fotograf für immer. Es war 1964, es war Frühling in Paris, und der Erzähler ein so junger Hund. »Mit unendlicher Sensibilität spinnt Patrick Modiano seinen Faden des Erzählens und legt in die Geschichte einer nur kurzen Begegnung die ganze Tragweite zweier Leben und zweier Zeiten. Sein kleines Buch wiegt kaum mehr als eine Tüte mit  Fotos von Jansen oder von Robert Capa, aber es besitzt dieselbe existentielle Tiefe.« L’HUMANITÉ Hier könnt ihr die ersten Seiten des Romans lesen: Zur Leseprobe. Über den Autor Patrick Modiano wurde 1945 in dem Pariser Vorort Boulogne-Billancourt geboren und hat einmal von sich gesagt: »Ich war siebzehn, und es blieb mir nichts anderes übrig, als ein französischer Schriftsteller zu werden«. Diesem doch verwegenen Anspruch ist er nichts schuldig geblieben, legte er doch mit 21 Jahren seinen ersten Roman vor. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen bis er schließlich in diesem Jahr mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wurde. Modiano beherrsche die Kunst der Erinnerung, mit der er die unbegreiflichsten menschlichen Schicksale wachgerufen habe, schrieb die Nobelpreis-Jury. Möchtet ihr mit uns den diesjährigen Nobelpreisträger Patrick Modiano kennenlernen? Dann seid dabei und bewerbt euch bis einschließlich 20. November für die Leserunde zu »Ein so junger Hund«! Wir verlosen 20 Leseexemplare von Modianos eindrücklichem Roman! Solltet Ihr zu den Mitlesenden zählen, setzen wir eine Teilnahme am Austausch in den Leseabschnitten und eine abschließende Rezension voraus.

    Mehr
    • 275
  • Klein aber fein

    Ein so junger Hund
    tonks

    tonks

    Mit "Ein so junger Hund" ist dem Nobelpreisträger Patrick Modiano eine stimmungsvolle Geschichte vor der schönen Kulisse Paris' gelungen. Zum Inhalt:  Der Ich-Erzähler trifft eines Nachmittags zufällig einen Fotografen, der ihn und seine Freundin porträtieren möchte. Daraufhin entwickelt sich eine zaghafte Freundschaft zwischen dem Erzähler und dem Fotografen namens Jansen. Ersterer entschließt sich dazu, alle Fotos des Künstlers zu sortieren und zu archivieren, während letzterer sich immer seltener blicken lässt und vor alten Beziehungen flüchtet. Beinahe ist es, als würde er aus seinem Leben verschwinden wollen. Ein großer Schmerz in der Vergangenheit scheint ihm den Sinn am Leben geraubt zu haben. Der Erzähler erinnert sich an all das zurück, mit 30 Jahren Abstand, als er Jansen und all die Bekanntschaften von damals schon längst aus den Augen verloren hat. Meine Meinung: Im Titel habe ich geschrieben "klein aber fein". Denn für Schnell- und Vielleser wie mich ist dieses Büchlein von ca. 100 Seiten leider nur etwas "für den hohlen Zahn". Mehr als 90 Minuten Lesevergnügen sind kaum drin. Doch das soll kein Grund sein, "Ein so junger Hund" nicht zu lesen! Denn Qualität geht immer noch vor Quantität. Und ein Lesevergnügen ist es wahrlich. Der Erzähler tritt nur sehr subtil zutage und eher als Beobachter denn als Handlungsträger, ist aber sympathisch in seiner jungen Naivität. Eingenwillige und interessante Persönlichkeiten treten auf und ab wie in einem Theaterstück. Der Schreibstil ist in seiner Schlichtheit von klarer Schönheit und die Geschichte ist kurzweilig, unterhaltsam und mitunter tiefgründig. Man möchte mehr erfahren über diesen unnahbaren Fotografen und seine Vergangenheit und vielleicht liegt es auch einfach daran, dass ich so in der Geschichte gefangen war, dass ich sie gar so schnell durch hatte.

    Mehr
    • 3
    tonks

    tonks

    06. January 2015 um 12:00
  • Pessimismus und Identität

    Ein so junger Hund
    wandablue

    wandablue

    Pessimismus und (verlorene) Identität. Einmal hat mich ein angehender Philosoph, vom Existenzialismus und seinem Studienfach hingerissen, eindringlich gefragt, ob ich dieselbe sei, die ich in dreissig Jahren sein würde, alle Zellen rundumerneuert, Gedanken und Urteile hinter mir lassend, die gleichwohl mein Jetzt prägen. Und ob demzufolge meine Persönlichkeit nicht flüchtig sei ... Wie der Wind? Wie die Zeit? Wie ein Blatt im Wind hierhin und dorthin getrieben? Elastisch wie Kaugummi? Aber nein, die Persönlichkeit wird durch das Durchschreiten der Zeit fest, ursprünglich vorhandene geistige und menschliche Widersprüche verbinden und verwinden sich zu einer Einheit und der Stand im Leben wird wie bei einem Baum durch persönliche und örtliche Verästelungen breiter und seine Krone bietet Schatten und Schutz. Patrick Modiano bereitet der Stand in der Zeit ähnliche, philosophische Probleme. Die Existenz des Menschen ist in der Zeit nicht richtig beheimatet, vermittelt die Lektüre des schmalen Bandes „Ein so junger Hund“, selbst dann nicht, wenn man versucht, sie auf Zelluloid zu bannen. Man verliert sich in der Zeit oder die Zeit schreitet über einen hinweg. Die Örtlichkeiten mögen länger dauernd sein, der Mensch und seine Erinnerungen verblassen recht schnell und lösen sich auf. Nur die Leere bleibt. Und Stille. Selbst die Fotos verblassen, darum ist die Arbeit des Katalogisierens sinnlos und der Fotograf verliert das Interesse an seinem Werk. Erinnerung, Identität, Verlust und Zeit, das sind, so heisst es, die Themen, die Patrick Modiano in seinem Gesamtwerk beackert. Schauplatz ist Paris. Das Geschehen beiläufig. Eine zufällige Begegnung mit einem Fotografen. Ein namenloser Erzähler. Nebulöse Begegnungen, die im Schwarzen Loch der Zeit verschwimmen, bevor sie ganz verschwinden. Die Sprache ist schön, der Sinn dunkler, der in Modianos Betrachtungen enthaltenden Melancholie und Auflösungswünsche kann und will ich mich nicht anschliessen. Was tun? Wie dieses Büchlein bewerten? Typisch französisch halt mit vielen autobiographischen Elementen. Fazit: Eine von der Schoah her geprägte, pessimistische Literatur, allerdings in sehr schöne und tiefgründige, teilweise philosophische Bilder gepackt. Kategorie: gehobene Literatur Verlag: Aufbauverlag.

    Mehr
    • 7
  • Verlorene Erinnerungen

    Ein so junger Hund
    Wortwelten

    Wortwelten

    14. December 2014 um 18:58

    Er war auf der Suche nach einer verlorenen Unschuld, nach Orten, die für das Glück und die Sorglosigkeit gedacht waren, wo man aber von nun an nicht mehr glücklich sein konnte. (S. 94) 1964 lernt der Erzähler den Fotografen Francis Jansen in einem Café in Paris kennen. Von diesem Frühling erzählt er achtzehn Jahre später, als er Fotografien wiederfindet, die Erinnerungen wachrufen. Erinnerungen, die teilweise sehr vage sind, die nur eine Annäherung an das tatsächlich Geschehene darstellen. Denn die Ereignisse selbst sind nicht bedeutend, eigentlich sind es nicht einmal die Figuren. Was den Roman und seine Stimmung ausmacht, ist das Zusammenspiel von Licht und Schatten, einzelne Szenen, die zwischen anderen hervorleuchten, Erinnerungsbruchstücke, die nur ein verschwommenes Ganzes ergeben. So wie die Menschen nur verschwommen zurückbleiben, mitunter gar nicht mehr voneinander abzugrenzen sind. In der Zeit ändert sich sehr viel oder geht gar verloren. Während der Erzähler als junger Mensch noch versucht, Vergangenheit zu dokumentieren und festzuhalten, indem er Jansens Fotografien sortiert und Ort, Zeit und Inhalt der Aufnahmen archiviert, weiß er auf der Gegenwartsebene der Handlung schon kaum noch, wer er selbst eigentlich ist. Ich habe den Eindruck, das sind andere Personen als wir, wegen all der Zeit, die verflossen ist, oder gar wegen etwas, was Jansen durch sein Objektiv gesehen hat und was wir selbst damals nicht hätten sehen können, wenn wir uns vor einen Spiegel gestellt hätten: zwei junge Menscen, anonym und verloren in Paris. (S. 10f.) Das sind die Themen, mit denen sich Patrick Modiano in diesem schmalen Roman beschäftigt. Mit dem Jungsein und den Hoffnungen, die man dann noch hat, und wie mit der Zeit alles schwindet, sogar bedeutungslos wird, so sehr man auch versucht, Augenblicke festzuhalten. Mit Fotografien. Mit Sprache. Mit Wortlosigkeit. Gerade diese Unmöglichkeit, diese Vagheit, fasst Modiano sehr gekonnt in Bildern zusammen. Der Leser erhält nur Puzzlestücke, nur Bruchteile, und die Menschen, die seinen Roman bevölkern, hadern mit dem Leben, hängen an einer Vergangenheit, die schon längst nicht mehr existiert, und an Menschen, die gegangen sind. Diese Vagheit webt Modiano in ein Gerüst aus realen Orten und historischen Figuren, sodass die Grenzen zwischen Realität und Fiktion ebenso verwischen wie die Erinnerungen des Protagonisten. Der melancholische Ton, der immer wieder hervorquillt, unterstreicht die Stimmung des Textes zusätzlich, dennoch hat der Roman auch etwas Leichtes, Bildhaftes, das vielleicht von dem Gefühl der Jugend herrührt, dem Glauben, den die Erzählfigur am Anfang noch anhängt, dass vor einem eine Zukunft liegt, und von der Unberührbarkeit des Frühlings. Wenn ich mich in diese Arbeit vertieft hatte, dann darum, weil ich mich weigerte, Personen und Dinge einfach verschwinden zu lassen. Ich wollte, daß sie eine Spur hinterließ. Aber können wir dahin jemals gelangen? (S. 30) Durch Fotografie betrachtet man das Dargestellte aus einer anderen Perspektive und sich selbst aus der einer anderen Person. Die Wahrheit über die Vergangenheit und sich selbst liegt immer irgendwo dazwischen, in einem Schatten jenseits des Lichts. So zumindest empfindet man den Inhalt dieses Romans um einen Frühling der Jugend und die Erinnerungen, die in der Zeit verloren gehen. Irgendwie ungreifbar bleibt die Geschichte, sehr leise, sanft, warm, melancholisch, aber nie bedrückend. Auf der unmöglichen Suche nach der eigenen Identität.

    Mehr
  • Ein so junger Hund

    Ein so junger Hund
    Fantasie_und_Träumerei

    Fantasie_und_Träumerei

    12. December 2014 um 16:38

    "Ich erinnere mich, ihn an jenem Morgen aus Höflichkeit gefragt zu haben, welchen Fotoapparat er für den besten halte. Er hatte mit den Schultern gezuckt und mir gestanden, dass er letztendlich die Apparate aus schwarzem Plastik bevorzuge, die man in Spielzeuggeschäften kauft und die einen Wasserstrahl spritzen, wenn man auf den Auslöser drückt."  Es ist das Jahr 1992. Das Auftauchen einiger Fotos erinnern Autor Patrick Modiano an eine sehr eindringliche Begegnung aus dem Jahr 1964. Das Jahr, in dem diese Fotos von Francis Jansen gemacht wurden. Jansen übte mit seiner leicht melancholisch, geheimnisvollen Art und der Scheu "allein zu sein", eine Faszination auf Modiano aus, der ebenfalls den Wunsch verspürte mit seiner Kunst sein täglich Brot zu verdienen. Anders als Jansen, der eine gewisse Abneigung gegen Worte verspürte, sollten diese für Modiano später sogar dazu führen den Literaturnobelpreis zu gewinnen (aktuell im Oktober 2014). "Es reicht mir, eins seiner Fotos anzuschauen, um die Fähigkeit wahrzunehmen, die seine Kunst und sein Leben ausmacht, und die so kostbar , aber so schwer zu erlangen ist: im Schweigen zu verharren." Es ist eine der Begegnungen, die man nie ganz vergisst. Scheinbar eine Fügung des Schicksals ausgerechnet zu jenem Zeitpunkt jene Persönlichkeit getroffen zu haben. Eine feine Verbindung gibt es schon zwischen Fotograf Jansen, reif an Jahren und Erfahrungen, und Schriftsteller Modiano, einem "so jungen Hund". Eine Frau - wie sollte es anders sein. Des einen große Liebe, des anderen flüchtige Bekanntschaft aus der Kindheit. Ein Moment, der erst durch eine Fotografie aus den Ruhestätten des Gehirns wieder hervorgeholt wird.  "Ein so junger Hund" ist ein sehr schmales Buch, genau ausreichend für eine Begegnung wie diese. Ausreichend für eine erstmalige Begegnung zwischen Leser und Autor. Ausreichend um festzustellen, dass dieser französische Künstler der Worte den Literaturnobelpreis zurecht gewonnen hat. Trotz seines zarten Umfangs verfehlt dieser Roman seine Wirkung nicht. Eine Erzählung über die Begegnung mit einem Fotografen so aufzubauen, wie ein Foto selbst. Geschickt rückt dadurch die Faszination der Fotografie ebenso in den Vordergrund wie das Leben des Fotografen Jansen, das sich - wie jedes andere auch - aus vielen kleinen Einzelaufnahmen zusammensetzt. Eine Aufnahme kann ein ganze Lebensgeschichte erzählen, doch fängt sie nur den Moment ein - festgehalten für die Ewigkeit -, der sowohl alles offen darlegt, aber auch undurchdringlich und gestellt sein kann. Die Wahrheit wird nur vom aufmerksamen Betrachter, von demjenigen, der sich für die "Geschichten dahinter" interessiert, aufgedeckt. Betrachter, wie Jansen und Modiano sie gleichfalls zu sein schienen. Eine weitere Verbindung zwischen beiden, von keinem von ihnen beeinflusst.  "Wenn ich mich an diesen Abend erinnere, so empfinde ich das Bedürfnis, die Schemen, die mir entgleiten, einzufangen und sie wie auf einer Fotografie festzuhalten. Aber nach so vielen Jahren verblassen die Konturen, und ein immer verfänglicherer Zweifel nagt am Bild der Personen. Dreißig Jahre reichen aus, um Zeugen und Beweise verschwinden zu lassen." Obwohl nur von einem kurzen Zeitraum berichtet wird, erfährt der Leser in diesem kleinen Büchlein, das so fein geschrieben ist, in dem so viele schöne und kluge Sätze gesprochen werden, dass ich sie am liebsten alle in meinem Gedächtnis einschließen würde, sehr viel über den Fotografen Jansen. Wie er einst gewesen sein könnte und wie er im Sommer 1964 war. Ein wenig des Lebens müde, schwermütig, gebrochen durch Verluste von Freunden, Bekannten und Unbekannten, durch einen sinnlosen Krieg, der viele Leben gekostet hat. Es scheint als habe er den wahren Wert des Lebens, den Sinn von Freundschaften und Liebe aus den Augen verloren. In Kontrast stehenden zu Modiano, der sein Leben mit allen Höhen und Tiefen zu diesem Zeitpunkt noch vor sich hatte. Es geht ihm wie anderen häufig auch. Manche Momente versteht man erst im Nachhinein - manchmal erst nach Jahren der Erfahrung - so richtig. "Ich konnte die Zukunft nicht voraussagen, aber in dreißig Jahren, wenn ich Jansens Alter erreicht hätte, würde auch ich verschwinden, wie er, an einem Abend im Juni, in Begleitung eines schemenhaften Hundes." Ich habe "Ein so junger Hund" unglaublich gern gelesen. Jedes einzelne Wort in mich aufgesogen, jeden Satz gemocht und genossen. Patrick Modiano schreibt schon so lange und erst jetzt hat sich für mich der Moment ergeben, in dem ich auf ihn aufmerksam werden durfte. Es war ein Vergnügen meine Zeit mit ihm zu verbringen und ich freue mich auf ein Wiedersehen.

    Mehr
  • Berührend wie ein Windhauch und doch bleibend im Herzen …

    Ein so junger Hund
    19angelika63

    19angelika63

    Klappentext Etwas an diesem Frühling erinnert ihn an eine Begegnung mit Francis Jansen, dem Fotografen mit der Rolleiflex, im Paris des Jahres 1964. Damals machte sich der Erzähler, in den Augen des Fotografen nicht mehr als ein „junger Hund“ daran, Jansens Bilder zu katalogisieren, drei Koffer voller Fotos, dem Vergessen überlassen. Bald darauf verschwindet Jansen, und dreißig Jahre später ist von dieser flüchtigen Begegnung nichts weiter geblieben als die Liste der Fotos und ein hauchfeines, ungreifbares Gewebe der Erinnerung. Fein und leicht erzählt Modiano von dem Versuch den gelebten Moment in Form von Bildern oder Text festzuhalten ... Dies ist mein erster Modiano, den ich gelesen habe. Und was soll ich sagen … es wird nicht der letzte gewesen sein. Mich hat sein eigenwilliger Stil berührt. Er schreibt und beschreibt Dinge wie Situationen leicht und schwebend, berührend wie ein Windhauch und doch bleibend im Herzen. Gegenwart und Vergangenheit vermischen und verwischen sich auf eine Art und Weise, dass ich als Leser Mühe habe es zu entwirren. Aber … will ich es entwirren? Eigentlich nicht, denn gerade das fasziniert mich. Was ist real, was ist fiktiv? Wo sind die Grenzen? Dieses Buch sollte man nicht nur lesen, man sollte es genießen …

    Mehr
    • 7
  • Eine flüchtige Erinnerung aus der Vergangenheit

    Ein so junger Hund
    HarIequin

    HarIequin

    „Wenn ich mich in diese Arbeit vertieft hatte, dann darum, weil ich mich weigerte, Personen und Dinge einfach verschwinden zu lassen. Ich wollte, daß sie eine Spur hinterließ.“ (Seite 30) Dem Erzähler fällt eine alte Fotografie in die Hände und er erinnert sich rückblickend an deren Fotografen Francis Jansen. Ihre Leben kreuzten sich nur kurz, bevor Jansen für immer verschwand und den Erzähler mit einem großen Fragezeichen zurückließ. „Ein so junger Hund“ ist unaufdringlich und eher schwermütig verfasst. Der Leser bekommt lediglich einen kleinen Bildausschnitt, während der Rest zugedeckt bleibt. Das Leben von Jansen wird flüchtig gestreift, es gibt aber nichts zum festhalten und es zerrinnt wie Sand zwischen den Fingern. Trotz (oder wegen?) seiner Kürze ist der Roman tiefgründig und beschäftigt sich mit existenziellen Dingen wie unserer verblassenden Erinnerung und Identität. So vermischt sich detailliertes wie Schauorte und Adressen mit verschwommenen Erinnerungsfetzen der Erzählers. Manche der auftauchenden Personen haben außerdem wirklich gelebt und so verschwimmt Fiktion und Realität. Der Roman lässt sich zwar schnell lesen, man kann sich aber trotzdem intensiver mit ihm beschäftigen. Man merkt sofort, dass der Autor seinen eigenen Stil hat und so sticht das eigentlich eher unscheinbare Buch doch heraus. Leider hat mir ein richtiger Höhepunkt, eine Wendung oder irgendetwas Greifbares gefehlt. Ansonsten sehr berührend und nachdenklich.

    Mehr
    • 2
  • Verblassende Erinnerungen.

    Ein so junger Hund
    Gulan

    Gulan

    Ein Frühling in Paris des Jahres 1992: Der Erzähler erinnert sich anhand eines alten Fotos an seine erste Begegnung mit dem Fotografen Francis Jansen. Dieser machte im Frühling 1964 ein Foto von ihm und seiner Freundin. Es entwickelt sich eine kurze intensive Bekanntschaft, ehe Jansen plötzlich von der Bildfläche verschwindet. Fast dreißig Jahre später versucht der Erzähler, die Erinnerungen an Jansen zurückzuholen. Meine erste Begegnung mit dem frischgebackenen Literaturnobelpreisträger Patrick Modiano. Ein sehr angenehmer, leichter, melancholischer Schreibstil. Die Handlung ist überschaubar, dafür schwingt sehr viel Tiefgründiges, Philosophisches zwischen den Zeilen mit. Es geht um (verblassende) Erinnerungen, (unklare) Identitäten und (verlorene) Zeit. Der Ich-Erzähler, von dem der Leser eigentlich sehr wenig erfährt, hat damals drei Koffer voller Bilder von Jansen katalogisiert – vom Fotografen eher spöttisch kommentiert. Jansen selbst hat das Interesse an seinen Aufnahmen weitgehend verloren. Der Erzähler versucht aus der Gegenwart heraus, sich an Jansen und die Begegnungen in jenem Frühling zu erinnern. Dies gelingt mal mehr, mal weniger. Oft sind die Pariser Schauplätze klar und präzise beschrieben, während die Personen seltsam undeutlich bleiben. Die Erinnerungen bleiben vage, die verlorene Zeit lässt sich nicht zurückholen. „Am Morgen versucht man, sich an die Träume der Nacht zu erinnern, und es bleiben nur Fetzen, die man aufsammeln will, die sich aber verflüchtigen.“ (S.38) Kein einfaches, aber ein hintergründiges Leseerlebnis. Modianos Stil ist wirklich ansprechend. Wahrscheinlich nicht meine letzte Begegnung mit dem Nobelpreisträger.

    Mehr
    • 12
  • Auf der Suche nach der Wahrheit

    Ein so junger Hund
    gst

    gst

    „Nach so vielen Jahren verblassen die Konturen, und ein immer vergänglicherer Zweifel nagt am Bild der Personen. Dreißig Jahre reichen aus, um Zeugen und Beweise verschwinden zu lassen.“ (Seite 60) Modiano begibt sich in diesem dünnen Büchlein auf die Suche nach der Vergangenheit. Sein Ich-Erzähler wird durch ein altes Foto an das Leben in Paris während des Frühlings 1964 erinnert. Damals zählte er gerade mal 19 Lenze und traf auf den fiktiven Fotografen Francis Jansen. Nun, knapp 30 Jahre später, hat er selbst das Alter desjenigen erreicht, an den er sich mehr oder weniger vage erinnert. Manchmal erzählt er klar und deutlich, was geschah – dann gleitet er wieder in diffuse Erinnerung ab. Bei mir kam die Geschichte wie die Suche nach der Wahrheit an. Doch gibt es eine Wahrheit? Immer wieder stellt er sich selbst in Frage („Schließlich fragte ich mich, ob ich wirklich das Kind war, das mit seinem Vater hierher gekommen war“), ebenso wie die Personen, an die er sich erinnert. Die Figuren verschmelzen regelrecht miteinander. Dies war das erste Buch, das ich von dem Literatur-Nobelpreisträger 2014 gelesen habe. Es hat mir gefallen, mich aber auch etwas konsterniert zurück gelassen. Es ist sicherlich nicht das letzte Buch von ihm, das ich mir zu Gemüte führe. Denn der Schreibstil ist leicht, die Geschichte bringt mich zum Nachdenken. Was will ich von einer anspruchsvollen Literatur mehr erwarten?

    Mehr
    • 2
    wandablue

    wandablue

    06. December 2014 um 12:29
  • Ein Fotoregister

    Ein so junger Hund
    TochterAlice

    TochterAlice

    06. December 2014 um 06:41

    also ein Verzeichnis aller von Jansen fotografierter Bilder: das ist alles, was von ihm geblieben ist. Vom Fotografen Jansen, dem der Erzähler, der Archivar dieser Bilder, vor langer Zeit - genau: vor 28 Jahren - einmal begegnet ist. Dem namenlosen Erzähler, dem damals jungen, idealistischen, trotzdem zielstrebigen Mann mit einem für sein junges Alter überraschenden Ordnungs- und Bewahrungssinn. . Etwas Systematisches inmitten den Unkonkreten, Verschwindenenden, denn solches taucht in Patrick Modianos Romanen wieder und wieder auf -auf eine beiläufige, für mich ausgesprochen französische Art. Allerdings: es ist ein Archiv von etwas verschwundenem denn die Bilder existieren nicht mehr, bzw. sind nicht auffindbar, nur das Verzeichnis gibt es noch, dass der "Junge Hund", wie Jansen den Erzähler damals nannte, in zwei Exemplaren anfertigte. Naja, es sind ihm zwei Bilder geblieben: das von ihm und das von einer Bekannten seiner Eltern. Und das ist nicht die einzige Spur, der einzige Rest von etwas, das entweder vergangen oder nicht mehr auffindbar ist. Reales mischt sich hier mit surrealem, mit Bewußtseinsebenen, die auf eigenartige Weise miteinander verschmelzen. Modiano schildert Paris durchaus konkret, auch real existierende Personen wie der Kriegsreporter und Fotograf Robert Capa kommen darin vor - aber alle fiktiven Figuren sind merkwürdig unkonkret, vergänglich, ja austauschbar auf eine gewisse Art und Weise, denn es taucht bspw. ein Doppelgänger Jansens auf, der in einem Konzentrationslager verschwand - die genaue Assoziation bleibt jedem Leser überlassen. Ein Buch über Verlust, auch über das Fortgehen, den Holocaust im weitesten Sinne - eines, das auf eine anregende Art und Weise viele Fragen offen lässt, aber auch die eigene Vergänglichkeit bewusst werden lässt: kein Buch also, dass man in schlechter seelischer Verfassung lesen sollte! Ich empfand es als ausgesprochen bereichernd in der Hinsicht, dass es mich zum Nachdenken über zahlreiche grundlegende Fragestellungen des Lebens anregte - teilweise aus ganz neuer, ungewohnter Perspektive!

    Mehr
  • Die Wirklichkeit und ihre Abbilder

    Ein so junger Hund
    Ginevra

    Ginevra

    Paris, im Jahr 1964: ein junger Student lernt einen alternden Fotografen kennen, der ihn als Archivar einstellt. Immer tiefer taucht der junge Mann in die abenteuerliche Lebensgeschichte des älteren Mannes ein: dessen Fotographien erzählen Geschichten, die mit Kindheitserinnerungen des jüngeren Mannes verschmelzen, bis dieser glaubt, einige der Fotografierten tatsächlich bereits gekannt zu haben. Viele Jahre später erinnert er sich erneut an den Fotografen, der damals aus seinem Leben verschwand. Was an ihrer beider Geschichte war tatsächlich geschehen, was war Fantasie? Der Erzähler konstruiert seine Erinnerungen anhand der damals akribisch archivierten Fotos und der genauen Ortsangaben dazu. Dennoch verschwimmen Vergangenheit und Gegenwart - was diesem kleinen Buch einen besonderen Zauber verleiht. Immer wieder tauchen "Zeit- Doppelgänger" auf: Menschen verschiedener Epochen ähneln einander, Geschichten gleichen sich - und der Erzähler und sein "Objekt" verschmelzen immer mehr. Patrick Modiano, geb. 1945, schreibt seit 1968 - für ihn kam nie ein anderer Beruf in Frage... 2014 wurde er mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet. Als ich dieses kleine, wunderschön eingebundene Büchlein in die Hand nahm, erwartete ich eine interessante Biographie vor der malerischen Kulisse von Paris. Doch schnell war ich verwirrt und geriet ins Grübeln. Sucht hier ein Dementer nach Bruchstücken aus seiner Vergangenheit - oder denken wir alle so? Was bedeutet es nach vielen Jahren noch, wie die Dinge wirklich waren? Was bleibt von bedeutsamen Begegnungen und Erlebnissen? Immer wieder musste ich an Platos Höhlengleichnis denken: wir sehen nicht die Realität, nur ihre Abbilder in Form von Schatten an der Felswand. Es ist ein rätselhaftes, poetisches Buch, das die Gesetze der Zeit zu überwinden scheint. 5 von 5 Sternen und eine Leseempfehlung für alle, die sich für Philosophie und Poesie begeistern.

    Mehr
    • 3
    Ginevra

    Ginevra

    04. December 2014 um 21:23
  • Ein typischer Modiano

    Ein so junger Hund
    uli123

    uli123

    Der Erzähler erinnert sich an das Frühjahr dreißig Jahre zuvor: In einem Pariser Café im Jahr 1964 macht der berühmte Fotograf Francis Jansen Aufnahmen von ihm und seiner Freundin für eine Auftragsreportage über die „Jugend in Paris“. Anschließend bietet er Jansen seine Dienste an und katalogisiert dessen in drei Koffern befindliche Bilder. Dabei verfolgt er die Spuren, die in Jansens Vergangenheit führen. Von einem Tag zum anderen verschwindet Jansen dann.   Wir haben es mit einem typischen Modiano-Roman zu tun: Ein Erzähler blickt aus der Gegenwart auf seine Jugend zurück. Dahinter gibt es eine dritte Zeitstufe, in der unaufgeklärt bleibende Geheimnisse eine Rolle spielen. Sehr ansprechend und detailliert sind die Beschreibungen von Paris mit seinen verschiedenen Straßen und Plätzen, von denen sogar die Hausnummern genannt werden. Ebenso detailliert sind Personen und Fotos beschrieben. Eingebaut sind sogar tatsächlich existierende Personen wie der Fotograf Robert Capa, was einen veranlasst, die Romanfigur Jansen für gleichfalls existierend zu halten und Nachforschungen über ihn zu betreiben. Das eigentlich Bestechende an dem Roman ist, dass kleine Momentaufnahmen wie in einem Fotoalbum aneinandergereiht werden. Was ich persönlich vermisse, sind abschließende Informationen über Jansens Verbleib und den Grund für sein Verschwinden.   Das kurze Büchlein gibt eine gute Gelegenheit, einen Autor von Weltrang zu entdecken, der in diesem Jahr mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wurde.  

    Mehr
    • 2
  • Ein so junger Hund

    Ein so junger Hund
    Buecherschmaus

    Buecherschmaus

    Frühling im Jahr 1992 in Paris, der Erzähler findet ein Foto von sich und seiner damaligen Freundin, aufgenommen in einem ebensolchen Frühling. Bei Modiano ein Anlass hinabzutauchen in jene Vergangenheit des Jahres 1964, der Erzähler ist ein 19jähriger Student und macht Bekanntschaft mit einem Fotograf, Francis Jansen, Freund und Kollege des berühmten Robert Capa, nun sehr zurückgezogen lebend. Der junge Mann macht sich daran, die Unmengen an Fotomaterial, die er in der Wohnung Jansens findet, zu katalogisieren und zu archivieren. Dabei kommt er dem Älteren zwar näher, erfährt einiges aus dessen Leben, lernt Menschen aus seinem Umkreis kennen, aber doch bleibt er ungreifbar, rätselhaft, bis er nach nur wenigen Wochen der Bekanntschaft nach Mexiko abreist und dort verschwindet. Wie in vielen Modiano-Romanen bewegt sich der Roman auf drei Zeitebenen: der Gegenwart, in der der Erzähler ins Erinnern gerät; den Jugendjahren in den 60ern, Zeit des Aufbruchs, der Cafés, des Existenzialismus und eine noch weiter zurückgehende Ebene in die Zeit der Besetzung Frankreichs durch die Deutschen. Francis Jansen musste zu dieser Zeit als italienischer Jude Frankreich verlassen. Es geht wie in allen Büchern Modianos um die Suche nach der verlorenen Zeit. Doch im Gegensatz zu Proust lässt sich diese bei ihm nicht wiederfinden. Man kann sich ihr allenfalls nähern, zu vage und unzuverlässig sind Erinnerungen, zu flüchtig und vergänglich menschliche Begegnungen, ja das Leben selbst. Es liegt eine Art Nebel über dem Erzählten, und der wird sich auch nie ganz heben. Im Gegensatz dazu verortet Modiano seine Geschichte sehr konkret. Immer wieder werden Pariser Straßen, Hausnummern, ja selbst Telefonnummern aufgezählt. Reale Personen werden den fiktiven an die Seite gestellt. Das gibt den Romanen etwas seltsam Flirrendes, Schwebendes. Zusammen mit dem wunderbaren Stilempfinden Modianos und seiner leisen Melancholie entstehen so Bücher mit einer ganz eigenen Atmosphäre, die Suchtpotential haben.

    Mehr
    • 5
  • Momentaufnahmen der Vergänglichkeit

    Ein so junger Hund
    guybrush

    guybrush

    Paris im Frühjahr 1992: Der Erzähler stößt auf ein altes Foto und die Erinnerung setzt sich in Gang: Francis Jansen hatte es gemacht, der Fotograf mit der Rolleiflex, der bald darauf für immer verschwand. In dessen Atelier war er mitgegangen, das bereits wie verlassen wirkte. Nur die drei Koffer voller Fotos, dem Vergessen überlassen. Das war 1964, Frühling in Paris und er ein so junger Hund. Modianos Erzählung "Ein so junger Hund" kommt leicht, fast schwerelos daher und wirkt dennoch lange nach. Was andere mit 1000 Seiten nicht schaffen, gelingt dem Autor mit nur 100 Seiten – einen tiefen Eindruck zu hinterlassen. Ein Text, wie eine willkürliche Ansammlung von Schwarz-Weiß Fotografien. An manchen Stellen gestochen scharf, dann wieder Passagen, die sich aus dem wabernden Nebel der Erinnerungen nur noch unscharf rekonstruieren lassen. Eine Geschichte, die durch Zeit und Raum zu schweben scheint. „Wenn ich mich an diesen Abend erinnere, so empfinde ich das Bedürfnis, die Schemen, die mir entgleiten, einzufangen und sie wie auf einer Fotografie festzuhalten. Aber nach so vielen Jahren verblassen die Konturen … Dreißig Jahre reichen aus, um Zeugen und Beweise verschwinden zu lassen.“Was bleibt, ist eine Melancholie und die Erkenntnis, dass sich die Leere – ob sie nun vom Holocaust oder anderen „Zufällen“ verursacht wird – nicht mehr füllen lässt. Nicht mit Fotos, daran ist Jansen gescheitert, und nicht mit Worten, was der Erzähler versucht. Selbst die Erinnerungen verblassen irgendwann.  „Über allem scheint die Sonne, die gleiche Sonne wie über der Nummer 140, eine gleichgültige Sonne. Durch diesen Schnee, durch diese Sonne schien eine Leere hindurch, eine Abwesenheit.“

    Mehr
    • 2
  • weitere