Patrick Modiano Gräser der Nacht

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Inhaltsangabe zu „Gräser der Nacht“ von Patrick Modiano

»Funkelnde Prosa, kongenial übersetzt.« Manfred Papst in ›NZZ am Sonntag‹ Als Jean in den 1960er-Jahren die geheimnisvolle Dannie kennenlernt, lebt sie in Paris, hat so viele Namen wie Adressen und verkehrt mit einer zwielichtigen Bande, die Kontakte nach Marokko unterhält. Trotz der vage lauernden Gefahr werden der angehende Schriftsteller und die junge Frau ein Paar. Doch dann verschwindet Dannie plötzlich und Jean wird als Zeuge in einem ungeklärten Todesfall verhört ....

Ein Buch, das in seiner Gesamtheit perfekt abgestimmt ist. Kein Thriller und kein Krimi, sondern ein spannender Bericht.

— BlueSunset
BlueSunset

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  • Anders als erwartet, aber rundum perfekt abgestimmt

    Gräser der Nacht
    BlueSunset

    BlueSunset

    02. June 2016 um 22:50

    Gleich zu Beginn möchte ich erwähnen, dass der Klappentext viel rasanter und geheimnisvoller klingt, als das Buch tatsächlich ist. Dies ist aber kein negativer Kritikpunkt. Es sollte nur erwähnt werden, da durch den Klappentext falsche Erwartungen an das Buch gestellt werden könnten. Doch wie auch schon die Aufschrift „Nobelpreis für Literatur 2014“ vermuten lässt, ist das Buch alles andere als ein typischer Spionagethriller oder auch ein Krimi. „Gräser der Nacht“ ist eher ein Bericht, bzw. die Erinnerungen des Protagonisten Jean, der in ihnen versucht, seine Erfahrungen und sein besonderes Erlebnis mit Dannie in den 60er Jahren zu verarbeiten und gedanklich zu ordnen. Vieles verschwimmt nach so vielen Jahren in Jeans Erinnerungen und wird undeutlich. Bei manchen Erinnerungen ist er sich nicht einmal mehr sicher, ob sie tatsächlich so stattgefunden haben, oder ob sie sich mit der Zeit, zusammen mit den wiederkehrenden Träumen und Auseinandersetzungen, verfälscht haben. Genau dieses Gefühl trägt Patrick Modiano authentisch an den Leser heran. Nur nach und nach lichtet sich der Nebel und man scheint immer mehr von der Geschichte zu verstehen. Trotz des „hohen“ Anspruches an die nobelpreiswürdige Literatur ist der Schreibstil des französischen Autors sehr leicht und gut zu lesen. Mich hat ein wenig gestört, dass die Geschichte größtenteils ohne wörtliche Rede auskommt. Das ist zwar interessant, da so die Authetizität der Erinnerungen des Protagonisten noch verstärkt wird, doch leider nimmt dieses Stilmittel dem Buch ein Stück Lebendigkeit. „Gräser der Nacht“ war für mich also eher geeignet, um immer mal wieder in kleineren Abschnitten zu lesen, als an einem Stück. Das Buch umfasst recht wenige Seiten, die wiederum auch noch einen breiten Seitenrand haben. So hatte ich das Gefühl, schneller als gewohnt mehr Text zu lesen, obwohl es eigentlich weniger Text pro Seite war. Doch dieses schnelle Vorankommen, unterstützt die Form der Berichterstattung bzw. der Erinnerungen, da diese sehr kurz und flüchtig sind. Fazit „Gräser der Nacht“ war für mich zwar anders als erwartet, aber trotzdem gut. Ich dachte zunächst, dass es mehr um politische Intrigen und eine fast schon actionreiche Geschichte gehen würde. Doch in Wirklichkeit war dies nicht der Fall und das Ziel des Buches blieb auf lange Sicht unklar. Obwohl ich einige kleine Sachen zu bemängeln habe, bietet dieses Buch zusammengefasst eine Geschichte, die in der Form seiner Erzählung und dem Inhalt perfekt abgestimmt ist. Und ich denke daran erkennt man, dass man hier nicht nur irgendeines von vielen zeitgenössischen Werken in der Hand hält, sondern eines, welches die Aufmerksamkeit verdient. Ich bin also sehr zufrieden mit „Gräser der Nacht“ und empfehle es gerne weiter. Ich ziehe jedoch aufgrund der fast immer fehlenden wörtlichen Rede und der etwas zu langwierigen Ziellosigkeit einen Stern ab. 

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  • Noir?

    Gräser der Nacht
    WolfgangHaupt

    WolfgangHaupt

    16. March 2015 um 10:54

    Ich hatte nicht gesehen, dass dieses Buch einen Nobelpreis bekommen hat. Da fängts mit mir schon an. Mich haben die ersten Zeilen und der Klappentext zum Kauf gezwungen. Allerdings folgte der anfänglichen Begeisterung bald die Ernüchterung. Sprachlich zwar top, aber konfus, zerrissen, nicht weit unter der Oberfläche. Mich konnte die Geschichte nicht erreichen, ich war die meiste Zeit woanders. Da taucht dann das nächste Problem auf. Der Text ist unfassbar dicht, gerafft, man sollte kein Wort auslassen, der Autor ist in diesem Punkt recht gnadenlos. Zwar eher mein Metier, aber zu viel des Guten ist es eben nicht. Man findet zu einem späteren Zeitpunkt nicht mehr in die Handlung, müsste zurückblättern. Dabei stört die Zerrissenheit und fehlende Chronologie. Ich denke, das ist gewollt, auch logisch, mitfühlend, soll den Protagonisten stilisieren. Gut und schön, aber einfach zu verworren. Es hat mich ein wenig an Izzo errinnert, dieselbe Besesseneheit, nur nicht von Marseille, sondern von der Kleidung der Charaktere. Darin verliert sich das Buch, ebenso wie in den hunderten Straßennamen, die nichts zur Tiefe beitragen, weil sie eben nicht beschrieben sind. Ich weiß nicht, was ich von dem Buch halten soll, es bleibt das schlechte Gewissen, mit einem Tropfen Unzulänglichkeit. Man möchte doch mitreden können. Kann ich leider nicht. Einmal einen Nobelpreisträger lesen: Check.

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  • Wirr und wenig berührend

    Gräser der Nacht
    SitataTirulala

    SitataTirulala

    Es war genau das Gefühl, das du verspürst, wenn du lange ein erleuchtetes Fenster betrachtest: ein Gefühl von Anwesenheit und Abwesenheit zugleich. Hinter der Glasscheibe ist das Zimmer leer, doch jemand hat die Lampe angelassen. Jean streift durch die Straßen von Paris und erinnert sich an eine Zeit, die mittlerweile gut ein halbes Jahrhundert zurück liegt. Es war eine Zeit, in der er sich mit durchaus fragwürdiger Gesellschaft umgeben hat. Männern, von denen er eigentlich nichts wusste, manchmal nicht einmal den Vornamen. Und es war eine Zeit, in der er mit Dannie zusammen war, einer geheimnisvollen jungen Frau, die nachts in fremde Wohnungen einsteigt als wäre es das normalste der Welt. Jean begleitet sie, ganz gleich wohin sie ihn mitnimmt. Er hinterfragt sie nicht, genießt einfach nur die Zeit mit ihr und ignoriert alle Warnungen und Hinweise darauf, dass etwas an ihrer Geschichte nicht stimmen könnte. Und es stimmt einiges nicht. Angeblich hat Dannie jemanden getötet. Und angeblich ist Dannie auch nicht ihr richtiger Name. Gut ein halbes Jahrhundert später wandelt Jean auf den Spuren seiner Erinnerung und versucht Licht ins Dunkel zu bringen. Literaturnobelpreis 2014, kündet es schon auf der Rückseite es Buches. Dazu ein Klappentext, der trotz des knackig-kurzen Umfang des Buches eine interessante Geschichte verspricht. Ich war neugierig, denn ein so kurzer Umfang bedeutet immer eine Herausforderung an die Autoren. Haben sie es geschafft, ihre Geschichte auch auf wenig Platz rüber zu bringen? Wie bereits erwähnt geht es um Jeans Lebensgeschichte, und deswegen begleitet uns auch Jean als Ich-Erzähler durch das ganze Buch. Er blättert in einem alten Notizbuch, in dem er sich seinerzeit flüchtige, scheinbar zusammenhangslose Informationsschnipsel aufgeschrieben hat, und versucht sie irgendwie wieder in einen Kontext zu setzen. Die Bilder, Personen und Szenen heraufzubeschwören, zu denen sie einst gehörten. Dabei haben Jean und sein Schöpfer Modiano mich allerdings schon recht früh verloren, denn Jeans Erinnerungen sind ein einziges Chaos. Die totale Zusammenhangslosigkeit mag ein Stilmittel Modianos sein, um zu verdeutlichen wie lange die ganzen Ereignisse zurück liegen. Ich weiß jetzt schon nicht mehr, was ich im Detail an diesem oder jenem Tag vor 3 Jahren gemacht hab, wie muss es da erst nach 50 sein? Trotzdem liest es sich einfach unangenehm. Hier ein Erinnerungsfetzen, dort einer, und eigentlich hat man keine Ahnung wozu das ganze überhaupt gut sein soll. Zu Dannie und dem Verbrechen, das sie vermeintlich begangen hat? Die Geschichte dorthin ist dünn. Sehr dünn. Man erfährt sehr wenig über Dannie, was, so nehme ich an, auch gewollt ist, denn es lässt sie sehr geheimnisvoll wirken. Auf der anderen Seite hat es leider aber auch den Effekt, dass sie sehr blass wirkt. Überhaupt nicht greifbar. Ich konnte überhaupt nicht nachvollziehen, wieso Jean sich so an sie gehängt hat, denn die Handlungsteile, an die er sich erinnert, wirken stellenweise sehr konstruiert. Auch die anderen Randfiguren machen keinen besseren Eindruck. Es sind Namen und vage Details wie welchen Wagen sie gefahren haben, welche Art Kleidung sie bevorzugten, in welchem Hotel sie übernachteten. Ansonsten blieben sie für mich leer und farblos. Emotionale Tiefe? Totale Fehlanzeige. Modiano versteht es, ein paar wirklich schöne Zeilen einzubauen. Sprachlich großartig, aber das reicht eben nicht, um über ein ganzes Buch voll verworrenen Inhalts hinweg zu täuschen. Ich muss gestehen, ich fühle mich ein klein wenig wie ein Kulturbanause dem Literaturnobelpreis 2014 nur zwei Sternchen zu geben, aber ich habe jetzt lange genug überlegt und dieses Buch hat mich beim Lesen einfach nicht überzeugt. Dann bin ich eben ein Kulturbanause, aber dabei wenigstens ehrlich. ---------- Rezension hier: http://licentiapoeticae.blogspot.de/2015/01/br-patrick-modiano-graser-der-nacht.html

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    • 2
    WolfgangHaupt

    WolfgangHaupt

    16. March 2015 um 10:39
  • Fremd und geheimnisvoll

    Gräser der Nacht
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    08. January 2015 um 11:18

      Der vorliegende neue Roman von Patrick Modiano ist das erste von ihm auf Deutsch veröffentlichte Buch seit der Verleihung des Literaturnobelpreises. Entsprechend beworben, waren die Erwartungen sicher nicht nur des Rezensenten an dieses Buch groß.   Doch schon zu Beginn der Lektüre dieses Liebesromans auf dem historischen Hintergrund der bis heute wenig verarbeiteten französischen Kolonialpolitik in Nordafrika, stellt sich Verwunderung ein.  Wie als hätte er mittlerweile eine andere Auffassung vom Schreiben, experimentiert Modiano mit seinem Stoff und mutet zunächst dem Leser auch sprachlich einiges zu.   Der Ich-Erzähler Jean erinnert sich aus dem zeitlichen Anstand eines halben Jahrhunderts und seines ganzen Lebens daran, wie und unter welchen Umständen er Mitte der sechziger Jahre des 20.Jahrhunderts die rätselhafte und bezaubernde Dannie kennenlernt. Sie bewegt sich in konspirativen Kreisen und durch das Nachwort der Übersetzerin Elisabeth Edl schon sensibilisiert, ahnt der aufmerksame Leser, dass all diese Männer, denen Jean da begegnet, etwas zu tun haben mit den marokkanischen Exilpolitikern und ihrem Widerstand, der am 29.Oktober 1965 in der Entführung und Ermordung von Ben Barka gipfelte. Ein Mord, in den französische Polizei- und Geheimdienstkräfte verwickelt waren und dessen Umstände bis heue nicht geklärt sind. Regierungen von rechts bis links haben sich einer Aufklärung bisher verweigert.   Jean und Dannie kommen sich näher, und er schreckt auch nicht zurück, als sie ihn  fragt, was er tun würde, wenn sich herausstellen würde, dass sie jemanden umgebracht hat: „‘Was ich sagen würde? Nichts‘, erwiderte er und war sich sicher, dass er auch heute, Jahrzehnte später, dieselbe Antwort geben würde. ‚Denn haben wir das Recht, über die zu urteilen, die wir lieben?‘, überlegte er jetzt wie damals.“ Doch als Dannie, mittlerweile von der Polizei gesucht, plötzlich spurlos verschwindet, sind Jeans Hoffnungen dahin.   Jean erinnert sich nun am Ende seines Lebens mit Hilfe seines damaligen schwarzen Notizbuchs nicht nur an die Namen sondern auch an die Orte, die er nun in der Gegenwart wieder aufsucht in der Hoffnung weitere Erinnerungen zu lösen aus seinem Gedächtnis. Er schreibt unchronologisch auf für sich selbst und die Nachwelt, an was er sich erinnert. Er zieht seine Kreise um die Schauplätze von damals, die heute anders genutzt werden und immer wieder dreht  es sich um den zuletzt pensionierten Kommissar Langlais, den Hüter seines Lebensgeheimnisses.   Auf dem Klappentext wird das Buch mit einem Film noir verglichen. Vielleicht ist es das, was den neuen Roman von Modiano so fremd und geheimnisvoll macht. Die Auseinandersetzung mit den Explosionen des 20. Jahrhunderts ist Modianos Thema. Dieses Mal ist es nicht der Holocaust, sondern die französische Politik in den sechziger Jahren und die Affäre um Ben Barka.      

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  • Idealer Modiano-Einstieg

    Gräser der Nacht
    Buecherschmaus

    Buecherschmaus

    "Gräser der Nacht", der neue Roman des Nobelpreisträgers Patrick Modiano bietet einen wunderbaren Einstieg in das zahl-, wenn auch jeweils nicht sehr umfangreiche Werk des französischen Schriftstellers.  All seine bekannten und immer wieder virtuos variierten Motive sind vorhanden: Der stark an seinen Autor angelehnte Ich-Erzähler; die Suche nach Episoden aus der Vergangenheit, die flüchtig und ungreifbar bleiben; die rätselhaften, oft recht zwielichtigen Gestalten, an die er sich dabei erinnert; die Sechziger Jahre; die Bars und Cafés; das tastende und zweifelnde Vorgehen und natürlich die große Protagonistin all seiner Romane: die Stadt Paris. Zugleich erzählt Patrick Modiano seine Geschichte überraschend geradlinig, baut fast eine Art Krimiplot mit einer eigenartigen Spannung. Es geht um Ereignisse aus dem Jahr 1965, Anspielungen auf ein tatsächliches Ereignis, die Entführung und Ermordung des marokkanischen Exilpolitikers Ben Barkas finden sich zuhauf, auch Personen aus Modianos autobiografischem Werk "Ein Stammbaum" tauchen auf. Anhand von Notizen in einem kleinen schwarzen Büchlein, versucht der Ich-Erzähler Jean, auf diese Ereignisse zurückzublicken, vor allem auf die Person seiner damaligen Freundin Dannie, die darin verstrickt gewesen zu sein scheint und irgendwann spurlos verschwand.  Im Roman wird der Vorgang des Erinnern einmal so geschildert: "Du bist allein, hellwach, als wolltest du Morsezeichen auffangen, die ein unbekannter Korrespondent dir aus weiter Ferne schickt. Natürlich, viele Zeichen sind gestört, und auch wenn du die Ohren spitzt, gehen sie für immer verloren. Doch ein paar Namen lösen sich ganz deutlich aus der Stille und von der weißen Seite..." Wie immer in Modianos Romanen bleibt die Erinnerung vage, ungreifbar, die Personen und Geschehnisse nebelhaft, flüchtig. Die Zeit, wie sich die Ebenen von Gegenwart und Vergangenheit übereinander lagern, die Grenzen verschwimmen, ein beherrschendes Thema. "Aber Sonntage, vor allem, wenn du allein bist, reißen eine Bresche in die Zeit." "Sie würden nie erfahren, dass die Zeit wogt, sich weitet, dann wieder stillsteht und einem allmählich jenes Gefühl von Ferien und Unendlichkeit gibt, das andere in Drogen suchen, ich aber ganz einfach im Warten fand." Und so streift der Erzähler so wie in fast allen Werken Modianos mehr oder weniger ziellos durch die Straßen. "Seit meiner Jugend - und sogar meiner Kindheit - war ich immer nur gegangen, und stets durch dieselben Straßen, so dass die Zeit durchsichtig geworden war." Ebenfalls wie in fast allen Werken begegnet der Autor/Erzähler der Vagheit der Erinnerungen mit einer absoluten Präzision bei Ortsangaben. "Ich brauchte Orientierungspunkte, Namen von Metrostationen, Hausnummern, Stammbäume von Hunden, als fürchtete ich, die Leute und Dinge könnten von einem Augenblick auf den anderen unsichtbar werden oder verschwinden, und ich müsste wenigstens einen Beweis ihrer Existenz aufbewahren." Also wieder ein typischer Modiano, der sich einreiht in dieses große Lebensbuch, das der Autor fortschreibt, leise, tastend, in ungeheurer sprachlicher Schönheit.

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    • 2
  • Rezension zu "Gräser der Nacht"

    Gräser der Nacht
    littleowl

    littleowl

    28. December 2014 um 12:53

    Nach etwa 50 Jahren erinnert sich Jean an die spannendste Zeit in seinem Leben zurück, während er rastlos durch Paris streift. In den 1960er Jahren lernt er über den Marokkaner Aghamouri seine große Liebe Dannie kennen. Doch obwohl die beiden viel Zeit miteinander verbringen, bleibt Dannie für ihn mysteriös. Sie scheint irgendwie mit einer Gruppe zwielichtiger junger Männer zu tun zu haben, zu der auch Aghamouri gehört. Genau wie Dannie wohnen sie im Unic Hotel und haben alle eine Verbindung zu Marokko. Jeans Freundin ist auf irgendeine Weise in ihre kriminellen Machenschaften verstrickt, wie genau erfährt er jedoch erst Jahrzehnte später. Dann verschwindet Dannie so plötzlich aus Jeans Leben, wie sie aufgetaucht ist, und er sieht sich einem Polizisten gegenüber, der ihn zu einem Mord verhört. Die ganze Zeit über schreibt der Erzähler in sein schwarzes Notizbuch, hält Namen und Orte fest, um sich später daran erinnern zu können. Auf die Ereignisse um Dannie kann er sich aber erst einen Reim machen, als ihm derselbe Polizist Jahre später eine Akte anvertraut. Ich wollte diesen Roman mögen, ich wollte es wirklich. Und ich kann schon nachvollziehen, was anderen daran gefallen könnte. Der Autor spielt sehr geschickt mit verschiedenen Zeitebenen. Selbst im Nachhinein finde ich es schwer, zu entwirren, wann genau was passiert ist und welche Abstände zwischen den Ereignissen liegen. Während der alte Jean durch Paris läuft, reflektiert er darüber, wie sich die Stadt seit seiner Jugend verändert hat. Oft erinnert er sich daran, wie eine Straße vor 50 Jahren ausgesehen hat, und das ist dann mit einem konkreten Ereignis verknüpft. Auf diese Weise wirken die Übergänge flüssig und nicht wie simple Rückblenden. Jean erzählt auch von seinen Träumen und dabei verschwimmen oft die Grenzen zwischen Traum und Realität. Außerdem muss ich dem Autor zugutehalten, dass er einen wunderbaren Schreibstil hat. Die Sprache ist poetisch, aber nicht auf diese plumpe kitschig-blumige Art. Tatsächlich schreibt Modiano eher schlicht und schnörkellos, jedoch sehr ausdrucksstark. Der Roman war nicht nur kurz, sondern zudem leicht und flüssig zu lesen. Zum Glück, denn mehr Positives habe ich ehrlich gesagt nicht gefunden. Die Beschreibung von Paris war für mich, obwohl Jean ständig über die Stadt spricht, nicht wirklich anschaulich. Er nennt die ganze Zeit Namen von Straßen und Plätzen, mit denen ich aber einfach nichts anfangen konnte. Der Autor beschreibt die Umgebung so, als erwarte er, dass der Leser den Stadtplan im Kopf hat. Im Laufe der Geschichte passiert zwar eine Menge, aber die Ereignisse fügen sich trotzdem nicht zu einer Handlung zusammen. Dafür sind die einfach zu wirr und bruchstückhaft. Unter anderem deswegen, weil Jean so wenig emotional erzählt, kam für mich zu keinem Zeitpunkt Spannung auf. Trotz seiner Kürze habe ich den Roman deshalb als langweilig empfunden. Die Idee mit dem Notizbuch wirkt zwar auf den ersten Blick originell, hat mich beim Lesen jedoch irritiert. Für mich war es oft unverständlich, wonach Jean „notierenswerte“ Dinge auswählt, außerdem lässt ihn diese Angewohnheit extrem verschroben wirken. Viel mehr Adjektive fallen mir auch nicht ein, um den Protagonisten zu beschreiben. Ich konnte mit Jean beim besten Willen nichts anfangen. Es gab nichts, was ihn für mich irgendwie greifbar und lebendig gemacht hätte. Genau wie ihn lernen wir auch keine der anderen Personen wirklich kennen. Zumindest Jeans große Liebe Dannie hätte als Dreh- und Angelpunkt der Geschichte ein bisschen besser ausgearbeitet werden müssen. Leider eine bittere Enttäuschung.

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