Patrick Modiano Im Café der verlorenen Jugend

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Inhaltsangabe zu „Im Café der verlorenen Jugend“ von Patrick Modiano

Schon als junges Mädchen ist Louki aus der Wohnung der Mutter, einer Platzanweiserin im Moulin Rouge, immer wieder weggelaufen. Den Vater hat sie nie gesehen. Ihren Mann, einen wohlsituierten Immobilienmakler, verließ sie ein Jahr nach der Heirat wieder. Sie verkehrt in einem esoterischen Zirkel, schnupft mit einer Freundin ab und zu ein bisschen »Schnee« und verliebt sich schließlich in den angehenden Schriftsteller Roland. Gemeinsam streifen sie tagelang durch die große Stadt. Im Café Le Condé, dem »Café der verlorenen Jugend« in Saint-Germain-des-Prés, glaubt Louki Zuflucht zu finden, während der Detektiv ihres Mannes schon ihre Spur aufgenommen hat.
Mit wunderbarer Leichtigkeit erschafft Patrick Modiano, der große zeitgenössische Literat Frankreichs, eine unvergleichliche Atmosphäre, in der das Paris der frühen Sechzigerjahre wiederaufersteht.

Patrick Modiano beschwört das Paris der Sechzigerjahre hervor, das schöner und melancholischer nicht sein könnte.

— wortkulisse

Sehr melancholisch fängt dieses Buch den Charakter verschiedener Großstadtmenschen ein.

— Maeusekind

die verschiedenen Perspektiven treiben die Handlung voran, insgesamt haut es mich jedoch nicht vom Hocker

— Ruby Summer

Eigentlich passiert gar nicht viel, aber diese Sprache... Grandios!

— halloundaufwiedersehen_

Eine intensive "Menschengeschichte", die zwar nicht dirket mit Mord in Verbindung steht, aber trotzdem spannend wie ein Krimi ist

— yesterday

http://novelero.de/im-cafe-der-verlorenen-jugend/

— sandro_abbate

Sprachlich bravouröse Beschreibung einer flüchtigen, aber nachhaltigen Café-Bekanntschaft.

— Gruenente

Eine melancholische Geschichte, die im Paris der 60er Jahre spielt. Im Mittelpunkt: die geheimnisvolle Jacqueline.

— KatrinM

Wunderschön und tiefgründig.

— eineLeserin

Wunderschön. Von Anfang bis Ende.

— Stillerlesen

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  • Im Café der verlorenen Jugend - Patrick Modiano

    Im Café der verlorenen Jugend

    wortkulisse

    22. July 2017 um 14:33

    „Im Café der verlorenen Jugend“ („Dans le café de la jeunesse perdue“) ist Patrick Modianos berühmtester und wohl auch schönster Roman. Vier Menschen erinnern sich an das Leben einer jungen Frau zurück und begeben sich auf die Suche nach der Wahrheit.Als Jacqueline Delanque zum ersten Mal das Café „Le Condé“ betritt, zieht sie sofort die Aufmerksamkeit der anderen Gäste auf sich. Sie wirkt verschlossen und einsam und da niemand weiß, wie sie heißt, weil sie anfänglich mit niemandem spricht, erhält sie den Spitznamen Louki. Das erzählt die erste Stimme, ein Student der Bergbauhochschule in Paris und regelmäßiger Gast im „Le Condé“. Er stellt den Leser*innen außerdem die Stammgäste des Cafés, die Künstlerbohème und Intellektuellenszene, vor – und darunter sind einige bekannte Persönlichkeiten: Arthur Adamov, Olivier Larronde, Maurice Raphaël und Yann Babileé besuchen regelmäßig das Café der verlorenen Jugend.„BOHEMIEN“: PERSON, DIE EIN UNSTETES LEBEN FÜHRT, OHNE REGELN, OHNE SORGEN UMS MORGEN. DAS IST EINE DEFINITION, DIE AUF DIE BESUCHER UND BESUCHERINNEN DES CONDÉ GENAU PASSTE. – S. 13Die zweite Nachforschung stammt von Pierre Caisley, einem Privatdetektiven, der beauftragt wurde, um den Aufenhaltsort von Jacqueline zu ermitteln. Doch umso mehr er forscht, umso mehr er herausfindet, desto mehr Fragen ergeben sich aus dem neugewonnenen Wissen. Ein wenig mehr Klarheit bekommen wir, wenn Jacqueline im dritten Teil selbst zu Wort kommt, wir lernen sie und ihre Beweggründe kennen oder zumindest zu erahnen. Sie ist getrieben von der Sehnsucht nach Freiheit, nach Unabhängigkeit und ist dennoch auf der Suche nach der Liebe, nach einem Halt und einem Sinn in Leben. In den letzten beiden Kapiteln erinnert sich schließlich Rolande, der Mann in der braunen Wildlederjacke, wie er zunächst heißt, an Jacqueline zurück. Die vier verschiedenen Erzähler unterscheiden sich voneinander, sodass der Roman zu einer Mischung aus realistischem Roman, Autofiktion, Krimi und Biographie wird.DENN JE LÄNGER ICH DARÜBER NACHDACHTE, DESTO MEHR BESTÄTIGTE SICH MEIN ANFÄNGLICHER EINDRUCK: SIE SUCHTE ZUFLUCHT, HIER, IM CONDÉ, ALS WOLLTE SIE VOR ETWAS FLIEHEN, EINER GEFAHR ENTRINNEN. – S. 11Alle Personen, die sich an Jacqueline zurückerinnern, haben eines gemeinsam: Sie versuchen, die Wahrheit über Jacqueline herauszufinden, die sie alle jedoch niemals erhalten werden. Dadurch bleiben auch die Leser*innen im Ungewissen und können nur erahnen, wer sie ist und was mit ihr geschah. Viel deutlicher ist das Bild des Paris‘ der Sechzigerjahre, das Patrick Modiano in gewohnter Manier seinen Leser*innen in die Vorstellung zeichnet, wenn Louki allein oder gemeinsam mit Rolland durch die nächtlichen Straßen der französischen Hauptstadt streift. Ein Paris und das Condé in einem Bohèmeviertel, das es, wie die Gegenwart, in der Rolande erzählt, zeigt, nicht mehr gibt.SPÄTER HABE ICH DEN GLEICHEN RAUSCH IMMER DANN VERSPÜRT, WENN ICH DIE BRÜCKE ZU JEMANDEM ABBRACH. ICH WAR NUR DANN WIRKLICH ICH SELBST, WENN ICH AUSRISS. – S. 101Louki sehnt sich nach der Schwerelosigkeit – sie experimentiert mit Drogen, sucht Zuflucht in einer Buchhandlung und hinter den Büchern – und dieses Gefühl spiegelt der Roman wider. Nach dem Lesen blieb ich mit ungelösten Rätseln, unbeantworteten Fragen und einer gewissen Beklommenheit, angesichts des Verlustes, der Sehnsucht und der verlorenen Jugend der Erzähler, zurück. Patrick Modiano schafft es, auf den wenigen Seiten seiner schmalen Romane, mit den einfachsten und beiläufigsten Worten, tiefste Gefühle zu transportieren, die mich auch nach dem Lesen nicht loslassen.Patrick Modiano zeichnet in „Im Café der verlorenen Jugend“ das Porträt einer jungen Frau, die getrieben von der Sehnsucht nach Schwerelosigkeit und einem Halt im Leben, vor ihren Erinnerungen und anderen Menschen, aber vor allem vor sich selbst flieht. Dabei beschwört er das Paris der Sechzigerjahre hervor, das schöner und melancholischer nicht sein könnte. Ich habe dieses Buch geliebt! – Patrick Modiano ist nicht umsonst einer meiner liebsten Autoren.Weitere Rezensionen von mir findest du auf Wortkulisse.net

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  • Mélancolie à Paris

    Im Café der verlorenen Jugend

    Maeusekind

    11. December 2016 um 16:55

    "Im Café der verlorenen Jugend" ist ein sehr ruhiger Roman, dessen Handlung von vier verschiedenen Personen erzählt wird. Die Besonderheit daran ist, dass der Erzählstrang der Protagonistin Louki der der kürzeste ist. Die Einblicke in Loukis Gedankenwelt werden nur angeschnitten, sodass der Leser nie ganz hinter ihr Geheimnis kommt und sie lediglich durch die Augen eines Fremden sehen kann. Das Kratzen am Geheimnis und die Tatsache, dass die Perspektive genau in dem Moment wechselt, in dem man dabei ist, mehr über Louki zu erfahren, macht den Roman interessant, kann dem Leser aber auch in den Wahnsinn treiben und ihm die Nerven rauben, zumal das Geheimnis bis zum Leseende erhalten bleibt und man dessen Auflösung nur erahnen kann.Ich muss sagen, dass ich es mir vielleicht etwas romantischer vorgestellt habe, als es ist. Ich würde es eher melancholisch und auch ein bisschen angsteinflößend beschreiben. Ich muss jedoch auch zugeben, dass ich nicht frankophon genug bin, um mich entsprechend mit der französischen Mentalität zu identifizieren und konnte mich somit schlecht in die Personen des Romans hineinversetzen. Nichtsdestotrotz denke ich, dass Paris auch als Beispiel für jede andere Großstadt steht könnte, denn Thematik ist unter Anderem auch die Anonymität einer Metropole. Und diese sowie der damit verbundene Vorteil des Abtauchens, bringt auch den Nachteil der Einsamkeit mit sich und ein Gefühl des verloren seins, wenn jegliche soziale Verbindungen abgebrochen werden.Die Charaktere sind meiner Meinung durchweg abgebrochene Existenzen, die versuchen ihren Weg im Leben noch irgendwie zu finden. Aufgrund mangelnder Persönlichkeit scheitern sie jedoch daran. Es sind Menschen, die eine unangenehme Vergangenheit oder ein Geheimnis haben oder die aus ihrer gewohnten Routine ausbrachen und sich rebellisch gaben, weil sie unzufrieden waren. Doch anscheinend wurde das Ausbrechen zu einer neuen Realität, die die Teilnahme an geregelten Lebensabläufen unmöglich werden lässt. Nicht umsonst erhält das Café Condé aus diesem Grund das namensgebende Synonym "Café der verlorenen Jugend". Wer eine romantische Liebesgeschichte in der Stadt der Liebe erwartet ist hier an der falschen Adresse. Es geht vielmehr um Zauber und Fluch der Anonymität der Großstadt und um abgebrochene Existenzen deren Beziehungen scheitern, weil das Leben zu schwer geworden ist. In der deutschen Fassung konnte ich keinen besonders verzaubernden sprachlichen Stil ausmachen. In der Originalversion muss dieser jedoch so herausragend sein, dass er zum Hauptmerkmal des Romans wird.

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  • Erinnern und Vergessen im Paris der 60er Jahre

    Im Café der verlorenen Jugend

    Julino

    Als im letzten Jahr der Literaturnobelpreis an Patrick Modiano verliehen wurde, war mir der französische Autor noch kein Begriff. Das sollte sich schnell ändern, als ein Freund mir im vergangenen Dezember Modianos „Im Café der verlorenen Jugend“ schenkte. Dass ich dieses Büchlein so lieb gewinnen würde, wusste ich zu jenem Zeitpunkt noch nicht. Modiano wurde für sein schriftstellerisches Werk, in dem er immer wieder die konträren Sujets des Erinnerns und Vergessens thematisiert, ausgezeichnet. „Im Café der verlorenen Jugend“ greift er diese beiden Themen, die jeden Menschen früher oder später berühren, auf und geht dabei noch weiter. Dreh- und Angelpunkt des Buches ist die junge, geheimnisvolle Jacqueline. Sie kehrt regelmäßig im „Café Condé“ ein und erhält dort den Namen „Louki“, mit welchem sie sich schnell anfreundet. Beschrieben und erlebt wird Louki aus verschiedenen Erzählperspektiven, die allesamt durch das junge Mädchen miteinander verknüpft sind und sich rückblickend erinnern. Doch werden auch die Einzelschicksale der jeweiligen Erzähler in den Fokus gerückt. Ein stiller, anonymer Beobachter im „Café Condé“ eröffnet den Roman und beschreibt den zentralen Ort als eine Art Enklave der Pariser Bohème, in der er selbst, als Student der Bergakademie, keinen Platz findet. So genügt es ihm jedoch, die Besucher des Condé tagtäglich zu beobachten – vor allem die hübsche Louki. Durch seine Beobachtungen und Vermutungen über die Unbekannte schafft er sich Bezugspunkte in seinem Leben und versucht so der drückenden Anonymität der Großstadt Paris zu entrinnen. In der Mitte des Romans kommt dann Louki selbst zu Wort und erinnert sich an Schlüsselszenen aus ihrem Leben. Modiano arbeitet in seinem Werk stets mit der Retrospektive, er lässt seine Figuren zurückblicken. Doch am Ende konnte ich nur erahnen, wie Loukis Leben aussieht – sie bleibt eine Person, die ich nur aus der Distanz betrachten kann. Schemenhaft entrinnt sie meiner Vorstellungskraft immer dann, wenn ich gerade das Gefühl habe, diese Figur ansatzweise zu erfassen. Diese Unnahbarkeit macht den Reiz des Buches aus. Stilistisch verzaubert „Im Café der verlorenen Jugend“ durch eine einzigartige Sprachwelt, die verträumt und schwerelos, auf der anderen Seite auch lakonisch anmutet. Bei aller Leichtigkeit schwingt im Text stets ein Hauch von Traurigkeit und Weltschmerz mit. Diese Gegensätze und die besondere Perspektivstruktur machen diesen Roman zu etwas Besonderem. „Im Café der verlorenen Jugend“ zeigt mir, dass Erinnerungen verblassen, Details verschwinden und das Vergessen unaufhaltsam ist. Dennoch zählt am Ende das Gefühl, das ein Mensch mit einem anderen Menschen gedanklich verbindet. Und Loukis Geschichte macht noch mehr mit mir: Beim Lesen zeichnet sich das Paris der Sechzigerjahre ganz klar vor meinen Augen ab und ich bekomme plötzlich furchtbare Reiselust, möchte die Orte aus dem Roman besuchen, erkunden und dabei die französische Hauptstadt noch einmal von einer ganz neuen Seite erleben. „Im Café der verlorenen Jugend“ ist ein wunderbar abwechslungsreicher und aufreibender Roman über eine Frau, die ganz unfreiwillig in den Mittelpunkt der Handlung rückt und ein Paris, das es so heute (leider) nicht mehr gibt.

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    • 3
  • Loukis verlorene Jugend

    Im Café der verlorenen Jugend

    Gruenente

    24. October 2015 um 19:05

    Das Buch spielt in Paris in den 1960iger Jahren. Hauptperson ist die junge Louki, die eines Tages im Café Le Condé auftaucht. Dieses Café „wurde zum Treffpunkt dessen, was ein rührseliger Philosoph >>die verlorene Jugend<< nannte.“ In den verschiedenen Abschnitten des Buches kommen mehrere Menschen zu Wort und geben so ein  vielschichtiges Bild dieser kaum zu beschreibenden Frau. Da ist ein junger Mann, selbst fleißiger Cafébesucher, der eine Art Chronik des Cafés mit einigen Fotos verfasst. Ein Privatdetektiv, der Louki verfolgt. Er observiert sie im Auftrag ihres Mannes, der selbst auch einen Einblick in ihre seltsame Beziehung gewährt. Auch Louki bekommt ein Kapitel gewährt, in dem sie hauptsächlich über ihre Kindheit und Jugend spricht. Dieses Kapitel empfand ich als sehr berührend und traurig. Trotzdem bleibt irgendwie ein eher flüchtiger Eindruck von Louki. Als Leser konnte ich ihr nie ins Gesicht sehen, eher bekam ich einen Zipfel ihres Mantels zu sehen, wenn sie schnell um die nächste Ecke huscht. Ich denke, dass in diesem Buch die Nachkriegsgeneration und –Situation gut beschreiben wird, gepaart mit Pariser Leichtigkeit. Eine Leichtigkeit, die oft nur die Oberfläche bildet, darunter kann es abgrundtiefe Schwermut geben. Insgesamt ist die Geschichte von Louki, die eigentlich Jacqueline heißt, eher flüchtig. Was bleibt von so einem Menschen? Nur ein paar Erinnerungen, Notizen und Photos in einem Café, das längst nicht mehr existiert. So nennt sie sich selbst im Buch einmal „Jacqueline du Neánt“, Jacqueline aus dem Nichts. So sind flüchtige Cafe´-Bekanntschaften: die Menschen kommen aus dem Nichts und verschwinden auch wieder darin.

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  • Wunderbare Atmosphäre...

    Im Café der verlorenen Jugend

    Creed

    04. September 2015 um 14:21

    Modiano, der letztjährige Gewinner des Literaturnobelpreises, schrieb diesen Roman 2007. Meine erste Begegnung mit diesem Schriftsteller, und es hat mir sehr gut gefallen. Modianos Themen kreisen beinahe immer um Erinnerung, Schuld und Vergangenheitsbewältigung. In vorliegendem Werk erinnern sich mehrere Menschen (aufgeteilt in vier große, unbetitelte Kapitel) an eine junge Frau im Paris der frühen 60er-Jahre, die seit Kindheit an den Drang verspürt, wegzulaufen. Sie weiß nicht wohin, es ist ein imaginäres Fliehen, von der engen Wohnung, von ihrer kurzen Ehe, immer ist dieser Drang zu spüren. Und immer wieder sucht sie Zuflucht im titelgebenden Café Le Condé, dem "Café der verlorenen Jugend"... Durch den literarischen Kunstgriff der verschiedenen Erzähler eröffnen sich dem Leser Kapitel für Kapitel neue Details aus dem Leben der jungen Frau, vieles wird Schritt für Schritt verständlicher. Modianos Buch ist voller Melancholie und von einer wunderbaren Atmosphäre des damaligen Paris erfüllt...er verwendet allerdings sehr viele Straßennamen und erzählt ruhig und unaufgeregt, was Modiano oftmals vernichtende Kritiken seitens der deutschen Leserschaft eingebracht hat. Man habe den Eindruck, einen Stadtplan zu lesen, ist einer der größten Kritikpunkte. Zugegeben, wer kein Faible für diese Art des Erzählens hat, wird das Buch garantiert todlangweilig finden, kein Zweifel. Wer jedoch das Pariser Flair und melancholische Geschichten mag, dem könnte das Werk gefallen. Fazit: Wunderbar erzählt, traurig und voller Tristesse, es wird definitiv nicht mein einziger Roman von Modiano bleiben...

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  • Im Cafe der verlorenen Jugend

    Im Café der verlorenen Jugend

    Coconelle

    Mit "Im Cafe der verlorenen Jugend" hat man es mit einem recht stillen, teilweise schon melancholischen Roman zu tun. Die Hauptfigur ist Louki, deren Leben aus der Perspektive von drei verschiedenen Personen aus ihrem Umfeld erzählt wird. Dazu kommt noch ihre eigene Sichtweise. Ich konnte noch nachvollziehen, dass Louki schon als Jugendliche und auch später als erwachsene Frau aus ihrem Leben ausbrechen wollte und daher immer wieder davonlief. Jedoch benutzt der Autor einen eigenartigen Erzählstil mit dem ich mich nicht anfreunden konnte. Alles wird nur angerissen und dann offen stehen gelassen. Nach jedem Kapitel hatte ich das Gefühl, dass dieses unvollendet war und ich als Leser konnte mir zu allem meine eigenen Gedanken machen. Zuviel Freihet wie ich finde. Auch kam die Athmosphäre von Paris trotz ausführlicher Strassenbeschreibungen nicht so richtig bei mir an. Nachdem ich das Buch beendet hatte blieb ich mit einem großen Fragezeichen zurück. Und hierfür den Nobelpreis für Literatur? Oder habe ich den Roman einfach nicht verstanden? 3,5 Sterne

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    • 3

    BrittaRoeder

    10. August 2015 um 12:02
  • Ein melancholischer Paris-Roman, erzählt aus vier Perspektiven

    Im Café der verlorenen Jugend

    KatrinM

    15. July 2015 um 14:12

    Der Roman des Literaturnobelpreisträgers Patrick Modiano spielt im Paris der 60er Jahre. Im Mittelpunkt steht eine Frau namens Jacqueline, die im Café Le Condé, wo sie oft auftaucht, den Spitznamen Louki hat. Die Geschichte wird aus vier verschiedenen Perspektiven erzählt: aus der Sicht des Privatdetektivs Caisley, der Jacqueline im Auftrag ihres Ehemannes wiederfinden soll. Aus der Sicht eines Bergbaustudenten, der Louki im Café Le Condé bewundert. Aus der Sicht des Schriftstellers Roland, der Jacquelines Geliebter wird. Und aus der Sicht von Jacqueline selbst, die von ihrer wenig behüteten Jugend erzählt und von ihrer Mutter, die zwar liebevoll war, aber wenig Zeit für sie hatte. Der Immobilienhändler Jean-Pierre Choreau, mit dem Jacqueline ein Jahr verheiratet war, weiß nicht viel von ihr. Louki ist eine geheimnisvolle Frau, es gibt nur zwei Automatenbilder von ihr. Interessant ist, wie der Detektiv auf ihre Spur kommt. Er findet sie relativ schnell, mit einem Blick in die Polizeiakten und in die Chronik der Besucher im Café Le Condé. Doch je mehr er von ihr erfährt, desto weniger will er sie an seinen Auftraggeber verraten. Sein Bedürfnis, sie zu schützen, hilft ihr allerdings nicht. Man spürt, dass Patrick Modiano das Paris der 60er Jahre, in dem sich die jungen Leute in den Cafés am linken Seine-Ufer trafen, nostalgisch verklärt. Es war in der Hand der Künstler und Studenten, und Modiano kann seine Melancholie und seine Kritik am Wandel nicht verbergen: Heute prägen Boutiquen und Luxusläden das Rive Gauche. Die Erzählweise des Romans ist sehr melancholisch, man spürt, warum Patrick Modiano den Literaturnobelpreis mit Sicherheit verdient hat, doch leicht zu lesen ist der Roman nicht, weil er sehr beschreibend ist und wenig passiert. Modiano ist sehr detailverliebt bei der Beschreibung von Orten, Straßen, Metro-Stationen in Paris, Kenner der Stadt werden die Wege der handelnden Personen gut nachvollziehen können. Insgesamt aber eine eher traurige Lektüre, die nachdenklich macht.

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  • Pure Melancholie

    Im Café der verlorenen Jugend

    eineLeserin

    10. July 2015 um 13:39

    Im Café der verlorenen Jugend, eine überaus anspruchsvolle Literatur bzw. eine sehnsuchtsvolle und orientierungslose Suche nach dem Sinn. Es ist eine zärtliche Geschichte über verlorene Seelen im menschenleeren Paris erzählt aus vier Perspektiven. Dazu kommt die faszinierende, charmante Beschreibung der 60iger; ein Streifzug durch alte Zeiten. Seite für Seite bekamen die Charakteren immer mehr Tiefe. Dieses klar und elegant erzählte Werk fängt die Stimmung in Paris wunderbar ein. Es hat mich gefesselt und letzten Endes tief berührt. Ich war begeistert.

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  • Paris in den 60-ger Jahren

    Im Café der verlorenen Jugend

    UteSeiberth

    11. April 2015 um 19:28

    Louki, eine junge aparte Frau, die im Mittelpunkt dieses Romas steht,ist eine ewige Ausreisserin.Schon als Kind läuft sie ihrer Mutter weg und später trifft sie sich oft mit jungen Leuten in dem Café Condé,dem Café der verlorenen Jugend und becirct nahezu jeden Mann in diesen 60-Jahren.Aber sie scheint auch aus dem Alltag, der ihr als verheirateter Frau blüht, wegzulaufen.So wird sie von einem Detektiv gesucht, dem sie aber auch durch Slebstmord entkommen kann.Dieser Roman liest sich streckenweise recht spannend und ich glaube, die damalige Pariser Atmospäre ist recht gut eingefangen aber ich hatte doch etwas nachdenklicheres erwartet.

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  • Weckt Neugierde

    Im Café der verlorenen Jugend

    Birgit_Jaeckel

    30. March 2015 um 10:47

    Am Anfang fand ich es etwas zäh, in die Geschichte hineinzukommen. Aber spätestens beim zweiten Kapitel gelingt es dem Autor, auch dank seiner Erzähler-Wechsel, bei denen er jedoch niemals die Protagonistin aus den Augen verliert, Neugierde zu wecken. Neugierde auf dieses Mädchen, das so unterschiedliche Menschen fasziniert und eine Seite in ihnen zum Klingen bringt. Es ist ein stiller, flüssig geschriebener Roman ohne große Höhepunkte. Für Paris-Fans und -Kenner sicherlich ein größerer Genuss als für mich. Das Ende nimmt meines Erachtens der Hauptfigur etwas von ihrer Faszination, aber das ist eine sehr persönliche Meinung. 

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  • Facetten einer Liebe, eines Lebens, der Literatur und von Paris...

    Im Café der verlorenen Jugend

    variety

    Modiano schreibt über die oben genannten Themen in einem sehr flüssigen Stil. Leider bleiben viele Episoden nur Fragmente, so dass man sich als Leser viele Fragen stellt - was sicherlich die Absicht des Autors war. Ich dagegen hätte gerne mehr Tiefe und Ausführlichkeit über gewisse Aspekte gelesen (Ehe; Detektivarbeit) und dafür weniger über die Strassen bzw. Plätze von Paris. Auf Dauer war dieser Teil für mich eher langweilig.

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    • 2
  • Irgendwie stimmig

    Im Café der verlorenen Jugend

    Phliege

    Modiano erzählt über eine Frau in Paris aus der Perspektive verschiedener Charaktere, denen sie begegnet. Sein Schreibstil ist dabei stilsicher, flüssig und gut. Die Geschichte verdient dabei aber eher das Attribut "interessant" an Stelle von "spannend" oder "fesselnd." Er gibt nur vage Informationen preis, was in einem großen Werk viel Potential für Spannung hätte. Aber Modiano hält es lieber mit der Kürze und hört da auf, wo andere anfangen würden. Und so hat man nur eine grobe Idee, was passiert ist und viel Freiraum für eigene Gedanken. Das ist irgendwie gut und gleichzeitig ein wenig unbefriedigend. Andererseits scheint er gezielt tatsächlich ein Lebenswerk zu schaffen. Denn man wird das Gefühl nicht los, dass sich ein ganzes Bild ergibt, wenn man all seine Werke gelesen hat. Denn irgendwie scheinen sie um das selbe Thema zu kreisen. Das Festhalten von Erinnerungen und Personen, über kurze Bekannschaften und noch lange Eindrücke danach. Seine Geschichten sind eher ein gezielt geschaffener Ort, der durch all die konkreten und realen Details wirklich erscheint und einfach als Bühne für Modianos Philosophie dient. Seine Bücher werden wohl nicht zu meinen Liebsten gehören, aber Modiano reiht sich mit seinem umfassenden Lebenswerk auf jedenfall gut in die Reihe der Literaturnobelpreisträger ein.

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    • 3
  • Gewinnt die Lieblingsbücher des LovelyBooks-Teams aus dem Jahr 2014!

    Wurfschatten

    Daniliesing

    In diesem Jahr hat das LovelyBooks-Team wieder fleißig gelesen und dabei tolle Bücher entdeckt. Natürlich möchten wir euch auch 2014 nicht vorenthalten, welche Bücher uns am meisten begeistert, berührt und gefesselt haben. Deshalb findet ihr hier nun jeweils das Lieblingsbuch von allen Teammitgliedern aus diesem Jahr. Ein glücklicher Gewinner darf sich später über ein Buchpaket mit allen 12 Büchern freuen und damit eine wunderbare Lesezeit verbringen. Unsere Buchtipps: 1. Jules1988 empfiehlt: "Miss Blackpool" von Nick Hornby Mein Lieblingsbuch 2014 ist Nick Hornbys neuer Roman „Miss Blackpool“. Obwohl es kein typischer Hornby ist, liebe ich das Buch als Fan trotzdem. Hornbys feinsinniger Humor und seine liebevolle und einfühlsame Art, seine Figuren zu beschreiben - sowohl ihre Stärken als auch ihre Schwächen - machen diesen Roman so besonders. Man verliert sich in der Geschichte des Teams rund um Barbara, ihre Höhen und Tiefen, Freundschaft und Liebe und hat dabei das Gefühl, diese Menschen wirklich zu kennen. 2. Daniliesing empfiehlt: "Der Träumer" von Pam Muñoz Ryan und Peter Sis Für mich war "Der Träumer" eine ganz zufällige Entdeckung beim Büchershopping. Nur selten finde ich noch Bücher, die ich nicht zuvor schon irgendwo gesehen habe, doch hier wurde ich überrascht. Einmal aufgeschlagen und die ersten Sätze gelesen, hatte mich dieses wunderbare Buch aus dem Aladin Verlag sofort verzaubert. Als ich dann die großartigen Illustrationen von Peter Sis entdeckte, war es um mich geschehen: dieses Buch musste mir gehören! Schnell stellte sich heraus, dass ich mit meiner Entscheidung absolut richtig lag. Im Urlaub nahm ich das Buch zur Hand und konnte es gar nicht mehr zur Seite legen. Zwar ist das Buch als Kinderbuch ausgezeichnet, doch mit seinen 380 Seiten und einer wunderbar poetischen Sprache ist es für jeden erwachsenen Buchliebhaber ein wahrer Genuss. Pam Muñoz Ryan erzählt tiefgründig und bewegend die Geschichte des kleinen Neftali, dem der Leser beim Erwachsenwerden zuschauen darf. Der Junge hat keine leichte Kindheit - sein Vater macht es ihm mit hohen Erwartungen schwer, er ist häufig krank und lebt lieber in seiner eigenen Phantasie, statt draußen rumzutollen. Neftali ist ein Träumer! Wie der Junge sich trotz aller Schwierigkeiten durchschlägt und die Lebensgeschichte welches bekannten Dichters sich dahinter verbrigt, das solltet ihr am besten selbst herausfinden. Dieses Buch geht zu Herzen und ist mein persönliches Jahreshighlight! 3. TinaLiest empfiehlt: "Wurfschatten" von Simone Lappert Mich hat dieses Jahr besonders der Debütroman von Simone Lappert begeistern können: „Wurfschatten“ ist nicht nur äußerlich ein wunderschönes Buch, sondern es besticht auch durch die beeindruckende Schreibkunst, die die Autorin an den Tag legt. Sie schafft es, die Ängste, die die Protagonistin Ada beherrschen, beklemmend und dunkel zu beschreiben und die Geschichte doch zart wirken zu lassen, einfühlsam und authentisch. Mit dem kleinen, wenn auch vorhersehbaren Hauch Liebe, der Adas Ängste zurückzudrängen versucht, und der Prise Drama am Ende hat "Wurfschatten" mich dann endgültig abgeholt und den Roman für mich zu etwas Besonderem gemacht. Ich hoffe sehr, dass bald ein zweites Buch von Frau Lappert folgen wird und kann in der Zwischenzeit nur jedem ihr Erstlingswerk empfehlen! 4. JohannaE1988 empfiehlt: "Die hellen Tage" von Zsuzsa Bánk In "Die hellen Tage" erzählt Zsuzsa Bánk auf eine besonders schöne und ruhige Art eine Geschichte über Freundschaft, Familie und die schwierige Zeit des Erwachsenwerdens. Beim Lesen begleitet man die drei Freunde Aja, Seri und Karl von der glückvollen und teils auch tragischen Kindheit bis zum Erwachsenenalter und wünscht sich bei einem der so unbeschwerten Tage im zauberhaften Garten, die die drei so oft erlebten, dabei gewesen zu sein. Alle drei, so unterschiedlich sie auch sind, teilen das Schicksal, mehr oder weniger ohne Vater aufzuwachsen. Neben der Geschichte über eine besondere Freundschaft und der innigen Beziehung zwischen den Kindern und ihren Müttern, hat mich vor allem die unaufgeregte Erzählweise Bánks und ihre einfühlsame und warme Sprache beeindruckt und mich richtig entspannen lassen. Auch bei den Zerreißproben und Schwierigkeiten, die die drei im Laufe der Geschichte durchleben müssen, bangt und hofft man mit und fühlte ich mich oft an meine eigene Kindheit und Jugend erinnert. 5. aba empfiehlt: "Unterholz" von Jörg Maurer Ich habe sehr gute Bücher gelesen in diesem Jahr. Manche Bücher haben mich tief berührt, andere haben mich nachdenklich gemacht - aber mit Jörg Maurer habe ich auf hohem Niveau gelacht! Für mich kam dieses Buch im richtigen Moment. Es hat mich amüsiert und abgelenkt. "Unterholz" ist der fünfte Band um den oberbayrischen Kommissar Jennerwein, einer meiner literarischen Lieblingsfiguren überhaupt. Krimis gehören nicht zu meiner Lieblingslektüre, aber nachdem ich den ersten Band dieser Serie gelesen habe, konnte ich nicht anders, als ein Fan von Jörg Maurer und vom ganzen Team um Kommissar Jennerwein zu werden! 6. doceten empfiehlt: "Beginners" von Raymond Carver Raymond Carver gilt neben Hemingway als einer der ganz großen Autoren der American Short Story: mit geschliffener und schnörkelloser Sprache auf den Punkt gebracht sind seine Themen Verlust, Einsamkeit und das Scheitern der amerikanischen Mittelschicht. Seine Geschichten deprimieren, erschüttern mit jeder Zeile. Mit Beginners erscheint seine Buch "Wovon wir reden, wenn wir über Liebe sprechen" erstmalig in der Urfassung, ohne die stark kürzenden Eingriffe seines Lektors Gordon Lish. Nicht ganz so lakonisch und brachial, dadurch aber viel berührender. Ein Buch, um dunkle Wintertage noch dunkler zu machen - manchmal braucht man das ja. 7. clickclackboom empfiehlt: "Das Haus des Windes" von Louise Erdrich Auch wenn Lieblingsbücher zu bestimmen mir schwer fällt, da es immer so viele gute Bücher gibt, kann ich sagen, dass „Das Haus des Windes“ eines meiner liebsten Bücher 2014 ist. Es erzählt die Geschichte vom 13-jährigen Joe, der das unaufgeklärte Verbrechen an seiner Mutter rächen möchte und dabei erwachsen werden muss. Die Protagonisten des Romans sind Nachfahren der nordamerikanischen Indianer und so bekommt man interessante Einblicke in das Leben im Reservat, die Stammesgeschichten und die Gesellschaftsverhältnisse in den USA. Obwohl es um ein ernstes, trauriges Thema geht, ist „Das Haus des Windes“ ebenso ein lustiges Buch über das Leben als Teenager und die Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens. Louise Erdrich hat Charakter geschaffen, die vielschichtig sind und die einem beim Lesen ans Herz wachsen. 8. kultfigur empfiehlt: "Die Hyperion-Gesänge Band 1-2" von Dan Simmons Dan Simmons erzählt fantastisch, die Bücher entwickeln einen Sog, den ich bisher sehr selten erlebt habe. Jeder, der gerne Science Fiction liest und philosophisch angehauchte Bücher liebt, wird die insgesamt rund 3.000 Seiten nur so verschlingen. Die beiden Bücher sind nicht nur mein persönliches Highlight 2014, sondern ganz weit oben auf der Liste meiner Herzensbücher. Ich wünschte, ich könnte noch einmal von vorne beginnen! 9. Katha_Luko empfiehlt: "Pfaueninsel" von Thomas Hettche Hettches Buch öffnet die Türen zu einer Welt voller Exotik, Groteske und Kuriositäten aber auch zu der komplexen und zerbrechlichen Architektur der menschlichen Seele. Die Hauptfigur ist Marie, die als Kleinwüchsige auf die preußische Lustinsel verfrachtet wird, um dort zum Vergnügen des Königs als Schlossfräulein ihr Dasein zu verbringen. Neben einem Mohr, einem Riesen, wilden Tieren und geheimnisvollen Pflanzen gilt sie als eine von vielen verqueren Launen der Natur. Damit steht sie im krassen Kontrast zu einer damals weit verbreiteten naturphilosophischen Auffassung, die nur das Wohlgeformte und Regelmäßige für schön und wertvoll erklärt – eine Auffassung, die mit ihren Jahren auf der Insel Maries Menschenwürde und Lebensmut beständig abträgt. Hettches „Pfaueninsel“ fängt Atmosphären ein als wäre er selbst Zeuge des merkwürdigen Lebens auf der Insel gewesen, seine Charakterzeichnungen und Schilderungen seelischer Zustände und schließlich seine authentische Zeichnung der historischen Gegebenheiten ziehen den Leser in ihren Bann: Ich war selten so berührt von einem Buch und seiner Hauptfigur! 10. peckomingo empfiehlt: "Cobra" von Deon Meyer Viel Zeit zu lesen hatte ich leider nicht in diesem Jahr, doch bei meiner Südafrika-Reise wurde natürlich ein Deon Meyer-Buch gelesen. Cobra ist nicht nur ein Thriller, sondern gleichzeitig auch eine Mischung aus Politik und psychologischen Betrachtungen. Das Tempo und die Spannung werden durchgehen hoch gehalten. Schauplätze, Eigenheiten und Sitten des Landes werden authentisch vermittelt. 11. Sophia29 empfiehlt: "Rosen, Tulpen, Nelken" von Heike Wanner Zu meinen Lieblingsbüchern 2014 gehört definitiv „Rosen, Tulpen, Nelken“ von Heike Wanner. Ich habe von der Autorin schon mehrere Bücher gelesen, aber dieses hat mir ganz besonders gut gefallen. Es geht darin um Sophie, die ihre Mutter schon in frühen Jahren verloren hat. Zufällig fällt ihr eines Tages das Poesiealbum ihrer Mutter in die Hände und als sie es durchblättert, stellt sie fest, dass sie keinen der darin enthaltenen Namen kennt. Um mehr über das Leben ihrer Mutter und somit auch mehr über sich selbst zu erfahren, macht sie sich mit ihren zwei besten Freundinnen in einem Wohnmobil auf den Weg und versucht die Personen zu finden, die im Leben ihrer Mutter eine Rolle gespielt haben … Heike Wanner ist es in diesem Buch gelungen, zwei Geschichten – die Geschichte von Sophie und die ihrer Mutter – auf spannende Weise miteinander zu verbinden und gleichzeitig zu verdeutlichen, wie unverzichtbar wirklich gute Freunde in unserem Leben sind. Seid ihr neugierig auf unsere 12 Lieblingsbücher 2014 geworden? Dann habt ihr bis einschließlich 7. Januar Zeit bei der Verlosung eines Buchpakets mit allen 12 Büchern mitzumachen. Jetzt müsst ihr uns nur noch folgendes verraten und dann seid ihr dabei: Da wir immer gerne Bücher verschenken, würden wir von euch gern wissen, welche Bücher ihr dieses Jahr zu Weihnachten verschenkt und wieso ihr euch für genau diese entschieden habt? Wir wünschen euch ein wunderschönes Weihnachtsfest & einen guten Rutsch ins neue Jahr!

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  • Une mélancolie en français...

    Im Café der verlorenen Jugend

    parden

    UNE MÉLANCOLIE EN FRANCAIS... Paris in den 60er Jahren: Schon als junges Mädchen ist Louki aus der Wohnung der Mutter, einer Platzanweiserin im Moulin Rouge, immer wieder weggelaufen. Den Vater hat sie nie gesehen. Ihren Mann, einen wohlsituierten Immobilienmakler, verließ sie ein Jahr nach der Heirat wieder. Mit ihrem Geliebten, dem angehenden Schriftsteller Roland, streift sie tagelang durch die große Stadt. Im Café Le Condé, dem 'Café der verlorenen Jugend', glaubt Louki Zuflucht zu finden, während der Detektiv ihres Mannes schon ihre Spur aufgenommen hat. Im Mittelpunkt des Geschehens steht das Café Le Condé, das eigentlich ein ganz gewöhnliches Café ist, wäre dort nicht eines Tages wie aus dem Nichts eine junge Frau aufgetaucht: Louki. Der Zauber ihrer Anwesenheit legt sich auf alle, die sie kennenlernen, doch sie bleibt wenig greifbar. Jacqueline Delanque mit bürgerlichem Namen, ist diese Louki eine Suchende - eine Suchende nach ihrem Platz im Leben. Immer wieder flüchtet sie aus ihren Lebensumständen, getrieben von der Sehnsucht nach einer Zuflucht, einer Heimat, sich selbst. Sie schildert selbst: "Ich habe eine Ausrede erfunden, um an die frische Luft zu gehen. Dann bin ich losgerannt (...) Ich ließ mich von einem Rausch überwältigen (...) Später habe ich den gleichen Rausch immer dann verspürt, wenn ich die Brücken zu jemandem abbrach. Ich war nur dann ich selbst, wenn ich ausriss." Die Geschichte des Buches wird aus vier unterschiedlichen Perspektiven erzählt. Durch einen namenlos bleibenden Studenten erhält der Leser die ersten oberflächlichen Eindrücke der Besucher des Cafés, darunter auch Louki, die schüchterne Unbekannte, die jedoch bald vertraut scheint. Danach erfährt der Leser durch den vom Ehemann Loukis angeheuerten Privatdetektiv einige Informationen über das Vorleben der jungen Frau, jedoch ohne dass sich bereits ein wirkliches Bild herauszeichnen würde. Im Anschluss berichtet Louki selbst über ihre Erfahrungen und Empfindungen als Jugendliche und heute, und dieser Einblick in ihr Gefühlsleben skizziert die Person Loukis nun wesentlich deutlicher. Im letzten Abschnitt übernimmt der Geliebte Loukis, Roland, die Schilderung ihrer gemeinsamen Zeit. "Unsere Begegnung erscheint mir, wenn ich heute zurückdenke, wie die Begegnung zweier Menschen, die keine Verankerung hatten im Leben. Ich glaube, wir waren alle beide alleine auf der Welt." Obschon die Person Loukis zu keinem Zeitpunkt wirklich greifbar scheint, kristallisiert sich nach und nach doch eine große, fast schon verzweifelte Suche heraus. "Sie wollte ausbrechen, fliehen, immer weiter, kompromisslos Schluss machen mit dem Alltagsleben und in freier Luft atmen." Sehnsuchtsvoll und melancholisch-orientierungslos, immer schon das Scheitern implizierend, so erscheinen die Personen in diesem an sich handlungsarmen Roman. Wer sich an Patrick Modiano wagt, sollte wissen, dass er mit einem hochgelobten französischen Schriftsteller und Romancier zu tun hat, der bereits mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde. Literaturkritiker und Leserschaft müssen da in ihrer Beurteilung nicht immer unbedingt übereinstimmen, wie ich in der Vergangenheit auch schon mehrfach feststellen musste. Doch auch wenn dieses schmale Buch sicherlich ein Stück anspruchsvolle Literatur darstellt und die Melancholie das Geschehen für meinen Geschmack ein wenig zu sehr überlagert, kreiert der Autor mit seiner Sprache einen ganz eigenen zärtlichen Zauber, dem auch ich mich nicht entziehen konnte. Ich freue mich, dass ich auf dieses Werk gestoßen bin. Auf diese kleine mélancolie en français... © Parden

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    • 4
  • Eingehüllt von Paris

    Im Café der verlorenen Jugend

    Duffy

    03. December 2014 um 07:56

    Das Café Le Condé in Saint-Germain-des-Prés ist der Ort, an dem man Louki treffen kann. So wird die junge Frau von den Stammgästen des Lokals genannt. Schon als junges Mädchen ist sie immer wieder von zuhause weggelaufen, genauso wie sie der Ehe mit einem älteren Immobilienmakler entflieht. Vier verschiedene Stimmen erzählen von Louki, darunter der Detektiv, den ihr Ehemann beauftragt hat und natürlich Roland, ihr Liebhaber, mit dem sie durch Paris streift. Eigentlich ist jedoch die Stadt die Hauptsache, Louki selbst ist der Kurier, der Vermittler von Gefühlen, die durch diese Stadt streifen. Patrick Modiano ist Literaturnobelpreisträger 2014, kann auf eine Reihe von Romane verweisen und ist in Deutschland wohl erst durch die Preisverleihung interessant geworden. Da fragt man sich, mit welchem Werk man als Novize beginnen soll. Das kommt auch immer auf die Erwartungen an. Vielleicht ist ja dieses Buch nicht der richtige Einstieg, doch wenn man dabei ist, kann man sich dem Zauber nicht entziehen. Dieser Zauber entsteht nicht durch die Romanhandlung, im Gegentiel, das Buch ist eigentlich ohne jede Höhepunkte, wenn man es böse ausdrücken will, könnte man sagen, dass überhaipt nichts passiert. Doch die Faszination geht von etwas anderem aus: Selten konnte jemand so über Paris schreibe., Die dichte Atmosphäre, die Modiano schafft, das Eintauchen in Viertel, die sich abseits der Touristengegenden befinden, die intime Kenntnis der Seele der Stadt, das Verstehen und Erfühlen von noch so kleinen Details, das ist es, was den Zauber des Buches ausmacht und den Leser in seinen Bann zieht. Da ist es hilfreich, dass die Aktionen spärlich sind, sie würden nur das Melancholische und Geheimnisvolle stören. Wer sich also ohne Erwartungshaltung und vorbehaltlos diesem Buch hingibt (und genau das verlangt das Buch - Hingabe), der wird mit einer Reise durch die Stadt Paris belohnt, die sich nachdrücklich im Leserherzen festsetzt.

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