Mehr als das

von Patrick Ness 
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Mehr als das
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Positiv (74):
Bellchens avatar

Durch den Anfang musste ich mich durchkämpfen, danach konnte mich die Geschichte durchaus fesseln.

Kritisch (7):
M

Nicht so meins. Viel zu viele offene Fragen am Ende und viel zu viel Ungeklärtes.

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Inhaltsangabe zu "Mehr als das"

In welcher Wirklichkeit leben wir?

Ein Junge ertrinkt, verzweifelt und verlassen in seinen letzten Minuten. Er stirbt. Dann erwacht er, nackt, verletzt und durstig, aber lebendig. Wie kann das sein? Und an was für einem seltsamen, verlassenen Ort befindet er sich? Während er versucht zu verstehen, was mit ihm geschehen ist, regt sich Hoffnung bei dem Jungen. Ist das vielleicht doch noch nicht das Ende? Bietet dieses Leben vielleicht doch mehr als das?

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783570162736
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:512 Seiten
Verlag:cbt
Erscheinungsdatum:24.03.2014

Rezensionen und Bewertungen

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    MikkaGs avatar
    MikkaGvor einem Jahr
    Jenseits der Genre-Grenzen


    Am Anfang steht das, was normalerweise das Ende wäre: der schonungslos geschilderte Tod des Protagonisten. Seth ertrinkt, doch bevor ihn Atemnot und Kälte töten können, zerschmettert das Meer seinen Körper an einem Felsen. Er stirbt. Er wacht wieder auf. An einem Ort, den er kennt und doch nicht kennt, vertraut und fremdartig zugleich. Denn er ist alleine. Ganz alleine. Keine Menschen, keine Tiere.


    Es fiel mir zunächst sehr schwer, das Buch einzuschätzen: Was lese ich hier überhaupt? Fantasy, Dystopie, Science Fiction, Drama? Die Antwort überrascht. Sie überschreitet Genregrenzen, auf Pfaden abseits jeder Vorhersehbarkeit, und wirft dabei eine Vielzahl von philosophischen Fragen auf. Worin liegt der Wert des Lebens, wie gehen wir mit unserer eigenen Vergänglichkeit um? Wo endet Verantwortung und beginnt Schuld? Und immer wieder: war das schon alles – oder gibt es doch noch mehr als das? 


    Nach meiner anfänglichen Verwirrung war ich schnell fasziniert und vollkommen gefangen genommen von dieser originellen, außergewöhnlichen Geschichte. Ich teilte Seths Verwirrung und Ratlosigkeit in diesem albtraumhaften Szenarium und wollte unbedingt wissen, wie sich das alles auflösen würde. Die Art der Spannung wandelt sich im Laufe des Buches, denn es gibt bestürzende, grandiose, unerwartete Wendungen, die immer wieder alles verändern, der Spannungsbogen bleibt jedoch immer hoch. 


    Seth ist intelligent, hat wenig Selbstwertgefühl und trägt viel mit sich herum: Vor neun Jahren ist seinem kleinen Bruder Owen etwas Schreckliches geschehen, was ihn für immer verändert hat und wofür die Eltern Seth die Schuld geben. Er ist schwul, sein Comingout war allerdings so unfreiwillig wie katastrophal. Er ist ängstlich, andererseits irgendwie auch mutig, wenn es darauf ankommt. Vor allem ist er glaubhaft und echt. 


    Regine ist oft ruppig – aber auch mutig und entschlossen, für die Menschen, die ihr wichtig sind, bis zum Letzten zu kämpfen. So wie Seth nicht auf seine Homosexualität reduziert wird, wird Regine nicht auf ihre Hautfarbe reduziert: Seth ist schwul, Regine ist schwarz und beide sind auch noch viel mehr als das.


    Ihnen schließt sich der kleine altkluge Tomasz an, der die wildesten Geschichten erzählt, aber so fix um die Ecke denken kann, dass er die anderen mehr als einmal rettet. Er ist zutiefst emotional und dabei so loyal und liebenswert, dass es manchmal wehtut. 


    Bevor Seth ertrank, hatte er einen Jungen, der für ihn das "mehr" in seinem Leben war. Ich möchte hier noch nicht verraten, wer es ist, aber ich fand die Liebesgeschichte unglaublich bewegend, gerade weil sie nicht unproblematisch ist.
    Der Schreibstil ist in meinen Augen phänomenal. Patrick Ness hat eine sehr prägnante literarische Stimme – mal beinahe poetisch, mal eher schlicht, aber immer ungewöhnlich und schwer zu beschreiben. Er folgt den Gedanken von Seth oft sehr direkt: Pausen, abbrechende Sätze, und was er selber zu verdrängen versucht, in Klammern gesetzt. 


    Zitat:
    "Er läuft, so schnell ihn seine müden Füße tragen, taumelt den Flur entlang, wirbelt Staubwolken auf und strebt dem Sonnenschein zu wie–
    (wie ein Ertrinkender der Luft–)"
    Undeutlich hört er sich schreien vor Angst, noch immer wortlos, noch immer unartikuliert.
    Aber er weiß es. 
    Er weiß es, er weiß es, er weiß es." 


    Das Buch endet an einem Punkt, bei dem sich viele Leser fragen werden: war es das jetzt, oder kommt da doch noch mehr als das? (Das konnte ich mir jetzt nicht verkneifen.) Ich habe mir sagen lassen, es sei typisch für die Bücher von Patrick Ness, dass die Enden mehr Denkanstoß sind als der Wahrheit letzter Schluss. Nachdem ich es jetzt etwas habe sacken lassen, bin ich mit dem Ende dann doch zufrieden: es lässt vielleicht vieles offen, aber jeder der drei Hauptcharaktere hat ein enormes inneres Wachstum durchlebt und mit einem wichtigen persönlichen Thema abgeschlossen. 


    Allerdings hätte ich mir schon gewünscht, dass manche Dinge irgendwo zwischen Anfang und Ende erklärt worden wären, denn sie erschienen mir nicht vollkommen glaubhaft und schlüssig. Es gibt für meinen Geschmack auch zu viele Rettungen in allerletzter Sekunde! 


    Fazit:
    Ein Junge stirbt. Aber irgendwie auch nicht. Oder vielleicht doch? Er findet sich wieder in etwas, das er mal für das Fegefeuer hält, mal für eine zweite Chance und dann wieder für eine Geschichte, die sich irgendjemand ausgedacht hat. Was ihn antreibt, ist die vage Hoffnung, dass es vielleicht noch mehr gibt als das. 


    Das Buch war komplett anders, als ich es erwartet hätte, und ich tappte einen Großteil der Geschichte vollkommen im Dunkeln, wie sich irgendetwas davon aufklären lassen würde. Lange war mir nicht mal klar, ob ich jetzt gerade Fantasy oder eine Dystopie oder etwas ganz anderes lese! Aber das war in Ordnung, denn ich fand es einzigartig und bewegend und unvorstellbar gut geschrieben. Das Ende versinnbildlicht perfekt den Titel und wird die Gemüter spalten: es ist nichts für Leser, die ohne ein eindeutiges, klares, endgültiges Ende nicht glücklich sind. 

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    Lilli33s avatar
    Lilli33vor 2 Jahren
    Ein Spiel mit Wirklichkeiten

    Gebundene Ausgabe: 512 Seiten
    Verlag: cbt (24. März 2014)
    Sprache: Deutsch
    ISBN-13: 978-3570162736
    empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren
    Originaltitel: More than this
    Preis: 17,99€
    auch als E-Book erhältlich

    Ein Spiel mit Wirklichkeiten

    Inhalt:
    Der 16-jährige Seth ist ertrunken. Doch plötzlich kommt er wieder zu sich. An einem ganz anderen Ort, nackt und durstig. Ist er doch nicht tot? Oder ist er in der Hölle gelandet, wie er vermutet? Denn jedes Mal, wenn er einschläft, suchen ihn Träume heim – Erinnerungen an sein vergangenes Leben, Erinnerungen an schlimme Dinge, aber auch an schöne Dinge, aber doch immer schmerzhafte Erinnerungen.

    Meine Meinung:
    „Mehr als das“ ist ein gelungener Genremix. Das Buch lässt sich nicht konkret einordnen, denn es beinhaltet viele verschiedene Elemente. Einerseits wirft es philosophische Fragen auf, aber es zeigt auch Thriller-Elemente und dystopische Anklänge. Auch die erste (gleichgeschlechtliche) Liebe spielt eine gewisse Rolle, genauso wie das Erwachsenwerden.

    Patrick Ness versteht es, mit seinem klaren Schreibstil aus manchmal kurzen, manchmal langen Sätzen eine packende Atmosphäre heraufzubeschwören. Mich hat diese tiefgründige Geschichte sofort in ihren Bann gezogen. Ich war von der ersten Seite an gefesselt und fasziniert. An Seths Seite versucht der Leser herauszufinden, was passiert ist, in welcher seltsamen Welt/Wirklichkeit Seth sich befindet und natürlich auch, was in der Vergangenheit, also vor Seths Tod, geschehen ist. Anfangs erscheint alles ziemlich surreal und äußerst mysteriös, doch je weiter man vordringt, umso fassbarer wird die erlebte Realität. Trotzdem kann man nie ganz sicher sein, was nun real ist und was nicht. Gerade dies fand ich auch sehr spannend.

    Den Protagonisten Seth habe ich ganz schnell in mein Herz geschlossen. Seine Einsamkeit, seine Verzweiflung, seine Schuldgefühle kann man leicht nachvollziehen. Bei all dem wirkt er sehr sympathisch – einfach ein netter Junge, der niemandem etwas Böses will, der wie jeder andere Mensch einfach nur geliebt werden will.

    Am Ende erkennen wir: Es gibt immer mehr als das, was wir sehen. Mehr als das, was wir glauben. Mehr als das, was wir empfinden. Immer wartet noch etwas anderes darauf, von uns entdeckt zu werden.

    ★★★★★

    Herzlichen Dank an das Bloggerportal und den cbt Verlag, die mir freundlicherweise ein E-Book als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben.

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    Yagmurs avatar
    Yagmurvor 3 Jahren
    zum Nachdenken

    Inhalt

    Der 16-jährige Seth ertrinkt im Meer. Er stirbt. Dann wacht er auf und befindet sich liegend auf dem Boden eines verlassenen Hauses. Das Haus seiner Kindheit in England, in dem das schrecklichste Ereignis damals passiert ist. Zunächst glaubt er, er sei in seiner ganz persönlichen Hölle, doch die verlassene Welt bietet ihm mehr als das.



    Meinung

    "Mehr als das" ist das erste Buch von Patrick Ness gewesen, welches ich gelesen habe. Die Kurzbeschreibung hat sehr spannend geklingt, sodass ich schon große Erwartungen an das Buch gesetzt habe. Leider sind nicht alle, wie erhofft, erfüllt worden.

    Der Einstieg in die Geschichte ist leicht. Ich bin schnell in der Geschichte drin gewesen. An den Schreibstil habe ich mich auch schnell gewöhnt. Jedoch ist mein Lesefluss etwas problemhaft gewesen. Das hat nicht an dem Schreibstil gelegen, sondern an dem Inhalt. Von Anfang an bis zum ca. 1/3 des Buches ist der Inhalt monoton und zäh. Es ist kaum etwas passiert, vielleicht liegt es daran, weil nur ein einziger Charakter den Inhalt füllt. Dementsprechend mangelt es, meiner Meinung nach, an Spannung. Ein paar Mal gibt es schon kleine Spannungsbögen nach oben, aber anschließend sinken sie nach unten wieder und eine zeitlang bleiben sie auch dort. Erst in dem späteren Verlauf der Geschichte kommt etwas Schwung rein, als weitere Charaktere erscheinen. Danach ist die Geschichte spannender und geheimnisvoll. Man rätselt mit und das Nachdenken über das wahre Leben wird angeregt.

    Besonders gut integriert finde ich die Rückblenden an die Vergangenheit von Seth. Diese sind kursiv gedruckt, wodurch man leicht unterscheiden kann, welche Textstellen nun die Vergangenheit oder die Gegenwart wiedergeben. Des Weiteren erfährt man so mehr über Seth. Man kriegt mit, welche Erfahrungen er gesammelt hat. Er hat das Schlimmste damals kennen gelernt, obwohl er noch ein kleines Kind war. Jahre später findet er eine Person, bei der er sich geborgen und sicher fühlte und dieser wird ihm entrissen. Es scheint alles verloren zu sein. Entschlossen geht er ins Meer, doch dies endet mit dem Ertrinken und somit mit dem Tod. Oder fängt damit das wahre Leben erst recht an?



    Lieblingszitat

    "Schönheit gibt es überall", murmelt Seth. Man muss nur genau hinschauen." (S. 250)



    Fazit

    Ein interessantes Buch verpackt mit einer ergreifenden, außergewöhnlichen Thematik, das den Leser zum Nachdenken anregt.

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    lunau-fantasys avatar
    lunau-fantasyvor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Tolle Story, aber leider kein Ende nach meinem Geschmack.
    Tolle Story, etwas enttäuschendes Ende.

    Seth Wearing ist 17 als er stirbt, durch ertrinken im Meer. Das weiß er ganz genau, als er wieder erwacht. Nackt liegt er vor der Tür seines alten Hauses in England, dabei weiß er ganz genau, dass er jetzt in Amerika wohnt. Draußen ist Hochsommer und das Haus ist verlassen. Überall liegt dicker Staub auf den Möbeln, den Straßen. Die Pflanzen bewuchern alles, weil es niemanden gibt, der sich um sie kümmert. Seth ist allein und es gibt niemanden, der ihm erklären kann, wo er ist, wie das passieren konnte und wie es weitergehen soll, in einer toten Stadt. Dann trifft er auf den 11-jährigen Tomasz und Regine, das Mädchen mit der dunklen Haut. Sie teilen das gleiche Schicksal wie Seth und kurzerhand schließen sich die Jugendlichen zusammen und versuchen zu überleben, vor dem "Unding" zu fliehen und herauszufinden, wo sie sind. Doch je näher sie dem Geheimnis kommen, desto mehr fragt sich Seth, ob er es überhaupt erfahren will.


    Das Buch war anfangs wirklich gut und die Story gefällt mir auch sehr. Die darin beschriebene Verwirrung passt gut zu den Gedanken des Hauptcharakters, denn genau wie er ist man zu Beginn ein wenig überfordert von der Situation und kann sich gut vorstellen, was er empfindet. Man macht sich oft Gedanken, was Seth passieren könnte und schöpft immer wieder ein wenig Hoffnung, dass er findet was er sucht und glücklich damit wird.

    Das Ende war für mich nicht zufriedenstellend und ich hatte eine andere Hoffnung und erwartung in das, was passieren würde.

    Das Buch ist in der 3. Person aus der allgemeinen Sicht von Seth verfasst.

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    CoffeeToGos avatar
    CoffeeToGovor 3 Jahren
    Mehr als man denkt

    Als Seth im Meer ertrinkt, ist er nicht tot, sondern wacht er an einem verlassenen Ort wieder auf. Dort ist er auf sich allein gestellt, versucht Antworten zu finden und irgendwie zu überleben. Doch wo sind die ganzen Menschen hin? Warum ist Seth scheinbar ganz alleine an diesem Ort, obwohl er eigentlich tot sein sollte?

    Der Roman von Patrick Ness ist echt faszinierend. Sein Schreibstil hat mir von Anfang an zugesagt, da er es versteht mit kurzen Sätzen eine unglaubliche Atmosphäre zu schaffen. Seth kennt zu anfangs seinen Namen nicht und so weiß der Leser genau so viel über Seth, wie Seth über sich selber. Erst nach und nach kommen Erinnerungsfetzen und man beginnt das Puzzle langsam zusammen zu setzten.

    Im ersten Teil ist er noch scheinbar allein auf der Welt, doch das ist keineswegs unspannend, da es in fast jedem zweiten Kapitel Rückblicke in Seths Vergangenheit gibt. Aber als dann zwei bzw. drei weitere Figuren dazu kommen, hat es der Geschichte neuen Schwung gebracht. Sie haben endlich versucht etwas zu unternehmen und zusammen mit Seths Erinnerungsfetzen setzten sie nach und nach alles zusammen.

    Als ich das Buch in den Händen hielt, habe ich eher eine philosophische Geschichte erwartet, doch was ich bekam war ein Sci-Fi-Endzeit-Roman mit philosophischen Elementen.
    Gut fand ich, dass Ness das Leben in virtuellen Welten thematisiert hat, da es ein sehr aktuelles und teilweise brisantes Thema ist.

    Man bekommt hier einen Sci-Fiction-Roman gespickt mit philosophischen Inhalten, der einen in eine ganz andere Welt entführt und den man nicht mehr aus der Hand legen kann. Hinter jeder Seite wartet eine neue Überraschung.
    Allerdings ist das Buch nichts für mal eben zwischendurch, da man sich viele Gedanken macht und es recht schwierig ist, da durchzublicken.

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    ConnyKathsBookss avatar
    ConnyKathsBooksvor 3 Jahren
    Was ist das Mehr in deinem Leben?

    Der 16jährige Seth kämpft im Wasser um sein Überleben, doch es ist aussichtslos, er ertrinkt und stirbt. Aber dann wacht er plötzlich wieder auf, unbekleidet, verletzt und durstig. In einer Gegend, die ihm seltsam bekannt vorkommt, die aber menschenleer und geräuschlos ist, voller Staub, Dreck und Unrat. Und als er noch sein früheres Wohnhaus wiederfindet, welches schlimmste Erinnerungen an ein bestimmtes Ereignis in seiner Kindheit hervorruft, glaubt er sich in seiner ganz persönlichen Hölle. Doch nichts ist so wie es scheint und nach und nach deckt Seth Geheimnisse auf, die sein ganzes "Leben" auf den Kopf stellen.

    "Mehr als das" ist ein genialer Roman von Patrick Ness. Ich kannte bisher noch kein Buch des amerikanisch-britischen Autors, werde aber sicher noch mehr von ihm lesen, denn "Mehr als das" hat mich wirklich begeistert. Gleich von Anfang an wird man von der ungewöhnlichen Geschichte und dem wundervollen Schreibstil völlig in den Bann gezogen und kann das Buch nicht mehr aus der Hand legen.
    Es ist auch echt schwierig, hier in der Rezension spoilerfrei zu bleiben und nichts zu verraten. Denn mit jedem Kapitel tauchen neue Rätsel, Hinweise und Zweifel auf und kaum fühlt man sich als Leser sicher, überrascht der Autor abermals mit einer unerwarteten Wendung.

    Es geht um Hoffnung und Freundschaft; den Willen zum Überleben und die Verarbeitung von Schuld. Um philosophische Fragen, die gegen Ende des Buches zunehmend Raum einnehmen und zum Nachdenken anregen. Das Leben funktioniert nicht immer so wie man denkt und auch in schwierigen Situationen muss man den Mut haben, sich dem Leben zu stellen. Es gibt stets ein Mehr, was das Leben lebenswert macht. Man muss es nur finden und zulassen.

    "Mehr als Das" ist ein beeindruckender Roman, dem ich mir ganz viele Leser wünsche und der in keine Schublade passt. Ein Buch voller Dramatik und Spannung, aber auch viel Witz und Optimismus. Eine klare Leseempfehlung von mir und mehr als 5 Sterne.

    Kommentare: 1
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    ichaenderwass avatar
    ichaenderwasvor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Eine unglaubliche Geschichte...
    "Mehr als das" von Patrick Ness

    "Mehr als das" von Patrick Ness handelt davon, wie alles anders sein könnte. Seth stirbt... und ist doch nicht tot.

    Klappentext: In welcher Wirklichkeit leben wir? Ein Junge ertrinkt, verzweifelt und verlassen in seinen letzten Minuten. Er stirbt. Dann erwacht er, nackt, verletzt und durstig, aber lebendig. Wie kann das sein? Und an was für einem seltsamen, verlassenen Ort befindet er sich? Während er versucht zu verstehen, was mit ihm geschehen ist, regt sich Hoffnung bei dem Jungen. Ist das vielleicht doch noch nicht das Ende? Bietet dieses Leben vielleicht doch mehr als das?

    Ich muss sagen, der Klappentext verspricht nicht zu viel. Patrick Ness entführt den Leser in eine andere Wirklichkeit...
    Sein Schreibstil packt einen sofort und man ist quasi gezwungen, mit dem Protagonisten mitzufiebern... Im Laufe der Geschichte kommen noch einige ungeheuerliche Dinge ans Licht, die dafür sorgen, dass es nie langweilig wird.

    Fazit: Ein Buch, dass man auf jeden Fall lesen sollte, auch wenn es sich teilweise ein bisschen zieht. Das wird aber auf jeden Fall durch die tolle Story, den Protagonisten und den spannenden Schreibstil wieder wettgemacht....

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    Keksisbabys avatar
    Keksisbabyvor 4 Jahren
    "I woke up and the world outside was dark"

    Seth hat die Nase voll von seinem Leben. Vom Verrat seiner großen Liebe, dem Verlust seiner Freunde und seinen Eltern, die seinen kleinen Bruder über ihn stellen. Deswegen begeht er Selbstmord. Gerade als er denkt er ist tot, erwacht er in einem Haus in England, dass ihm wage bekannt vorkommt. Doch er scheint der einzige Mensch an diesem Ort zu sein, den er „die Hölle“ nennt. Um seinen Körper sind merkwürdige Bandagen gewickelt und seine Muskeln fühlen sich an, als würde er sie zum ersten Mal benutzen. Gerade als er lernt in der Einöde zurechtzukommen, trifft er auf zwei weitere Menschen, Regine und Tomasz. Diese beiden retten ihn in letzter Sekunde vor einem unheimlichen Ding, das sie töten will und sich nicht so leicht abschütteln lässt. Und je mehr Seth hinterfragt, desto bewusster wird ihm das es „Mehr als das“ gibt. Doch was ist Realität, was Traum und wie können wir sicher sein, das wir „Wir“ sind und nicht nur irgendwelche Gedankenkonstrukte in einer virtuellen Realität.

     

    „Mehr als das“ hat mir einiges abverlangt. Die erste Hälfte verbrachte ich mit Fragen. Ist Seth nun wirklich tot oder liegt er im Koma und träumt das nur? Wenn er nicht träumt, ist das die Hölle oder das Leben nach dem Tod? Als Matrixfan kommt man aber schnell auf die Idee, dass Seth nur in der virtuellen Welt gestorben ist. Zumal der Text auf der Rückseite des Buches auf den Film verweist. Ich war aber auch froh, dass in der zweiten Hälfte Regine und Tomasz die Bildfläche betraten, denn nur allein mit Seth die Welt zu erkunden, wurde bald langweilig. Am liebsten mochte ich Tomasz, der Englisch durch alte Hollywoodschinken gelernt hat und dessen Ausdrucksweise daher sehr putzig rüberkommt. Regine ist dagegen ein spröder Charakter, den man aber im Verlaufe der Geschichte auch zu schätzen weiß. Die Hintergründe dieser drei zu erfahren machte das Lesen zu einem Erlebnis. Eine Dystopie die vielleicht gar keine ist oder irgendwie dann doch. Womit ich letztendlich meine Schwierigkeiten hatte, war das Ende. Ich fand das Ende von „Inception“ schon doof, ließ es mich doch mit der bangen Frage allein, ob dieser blöde Kreisel jetzt taumelt oder nicht.

     

    Ich bin kein Fan von offenen Enden, das ist wie etwas was ständig in deinem Hinterkopf herumschwirrt, auf das du einfach keine Antwort bekommst. Wie eine juckende Stelle ohne Möglichkeit dich zu kratzen. Von daher muss wohl jeder für sich allein die Frage beantworten, welche Welt jetzt real ist. Aber alles in allem eine tolle Story, die den Leser nicht so schnell los lässt.

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    splitterherzs avatar
    splitterherzvor 4 Jahren
    Irgendwie mehr als man denkt!

    "Das ist die Hölle.
    Eine Hölle nur für ihn.
    Eine Hölle, in der er allein ist.
    Für immer.
    Er ist gestorben und in seiner eigenen, persönlichen Hölle wieder aufgewacht."
    [S. 28]

    Inhalt:
    Ein Junge ertrinkt, verzweifelt und verlassen in seinen letzten Minuten. Er stirbt. Dann erwacht er, nackt, verletzt und durstig, aber lebendig. Wie kann das sein? Und an was für einem seltsamen, verlassenen Ort befindet er sich? Während er versucht zu verstehen, was mit ihm geschehen ist, regt sich Hoffnung bei dem Jungen. Ist das vielleicht doch noch nicht das Ende? Bietet dieses Leben vielleicht doch mehr als das?

    Meine Meinung:
    "Mehr als das" ist mehr, als nur wieder irgendeine gehaltlose Jugenddystopie, in der ein Kind die halbe Welt rettet, es ist mehr als nur Action, mehr als nur ein verwirrendes Szenario. "Mehr als das" lässt sich in keine Schublade einordnen, wehrt sich gegen Genreeinteilungen und scheint irgendwo zwischen "Matrix" und "Inception" zu liegen - mehr irritierend, als verständlich, aber dennoch irgendwie gut. "Mehr als das" ist auch nichts für die breite Masse, weil es einfach kein 0-8-15 Jugendbuch ist. Man muss sich schon auf den schwierigen Einstieg und das ungewöhliche Szenario einlassen, muss dem durchaus vielschichtigem Plot etwas abgewinnen können. Und vielleicht muss man auch in der richtigen Stimmung sein, um das Buch mögen zu können. Abgesehen davon hat Patrick Ness ein beeindruckendes Buch erschaffen, dass mit immer neuen Wendungen und Überraschungen aufwartet und durch eine düstere Atmosphäre zu überzeugen weiß.

    Nicht von Anfang bis Ende - zwischendurch weiß weder Protagonist Seth, noch der Leser, was er von dem ganzen Szenario eigentlich halten soll. Und auch das Ende kommt abrupt und bleibt sehr offen, sodass Fragen, die man auf jeden Fall haben wird, nicht zufriedenstellend beantwortet werden. Wer mit offenen Fragen und Gedanken noch weit nach Ende des Buches demnach nichts anfangen kann, wird vermutlich eher enttäuscht von der Geschichte sein. Auch von dem Einheitsbreigedanken muss man sich entfernen, denn in "Mehr als das" ist tatsächlich wenig bis gar nichts klischeebelastet. Das fängt schon bei Seth an, der ein sehr interessanter Charakter ist und eine ziemlich schwierige Vergangenheit hinter sich hat. Besonders gut gelungen ist hier allerdings das Einfädeln problematischer Thematiken wie Homosexualität, Familie, Verlust und der Umgang all diesen Fakten, die sich um Seth drehen und seine Figur besonders lebendig und individuell erscheinen lassen. Aber auch die anderen Figuren lassen sich schnell ins Herz schließen, gerade Tomasz war einer meiner Lieblingsfiguren und hat sich tief ins Leserherz gebrannt.

    "Hattet ihr noch nie das Gefühl, dass da noch mehr sein muss? Als ob dort draußen noch mehr wäre, knapp außerhalb eurer Reichtweite, und ihr müsstet nur irgendwie dort hinkommen...?"
    [S. 380]

    Was "Mehr als das" so vielschichtig macht, ist aber wohl die Besonderheit des Plots und die etwas andere Art eine Dystopie (?) zu schreiben. Es ist nicht das übliche Endzeitszenario und das meiste liegt im Ungewissen, sodass man eigentlich die ganze Zeit und immer wieder neu überlegt, wohin all das führen wird. Dabei weiß Ness immer wieder spannende und unvorhergesehene Wendungen in die Geschichte einzubauen, die immer wieder Lebendigkeit einbringen können und den Leser dann und wann tatsächlich auch so richtig schockieren und erschrecken. Patrick Ness ist da schon relativ schonungslos und zeichnet ein Horrorevent nach dem anderen - so sehr, dass weder der Protagonist noch der Leser weiß, wem er eigentlich trauen kann.

    Fragen gibt es viele, Antworten nur sehr wenige. Im Großen und Ganzen ist "Mehr als das" auf jeden Fall individuell und originell und weiß auch durch Spannung und Tiefe zu überzeugen, wabert aber auch lange im Nebel, sodass man bis zum Ende eigentlich nicht wirklich weiß, woran man ist. Das hat einen ganz eigenen Reiz, kann einen aber auch in den Wahnsinn treiben - aber auch das spiegelt irgendwie das Leben an sich wieder, was die ganze Sache wieder interessant macht. Wer weiß schließlich schon, was wir alles nicht wissen? Was das ist, was wir Leben nennen und ob es nicht etwas ganz anderes ist, als wir denken? Ob wir vielleicht irgendwann aufwachen und das alles gar nicht echt war. Wer solche Fragen gerne stellt und eine etwas andere Geschichte im vagen Dystopiebereich lesen möchte, sollte es mal mit "Mehr als das" versuchen.

    Fazit:
    Man kann es nicht anders sagen: "Mehr als das" ist wirklich mehr. Mehr, als man denkt, wenn man die ersten Seiten liest und mehr, als man vielleicht verstehen kann. Genretechnisch irgendwo angesiedelt zwischen Dystopie, Matrix und Inception bietet "Mehr als das" eine abwechslungsreiche Lektüre, die frischen Wind und eine düstere Atmosphäre mit sich bringt. Wer gerne tausend Fragen stellt und dafür nur ein Dutzend Antworten bekommt, wird seine Freude mit dem Buch haben - wer aber strikt gegen offene Enden und viele offene Fragen ist, sollte wohl eher die Finger von dem Buch lassen, denn im Grunde ist am man am Ende genauso schlau wie am Anfang. Nur, dass man zwischen den beiden Elementen eine bewegende und tiefgehende Geschichte gelesen hat, die viele wichtige Thematiken und moralische, wie philosophische Fragen behandelt.

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    BuechersuechtigesHerzs avatar
    BuechersuechtigesHerzvor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Ein Buch für Endzeit-Fans, die auch vor Sci-fi nicht zurückschrecken, tiefe Gefühle verstehen und offen für Neues sind.
    Anders!



    Inhalt:
    Seth ertrinkt und stirbt. Doch dann erwacht er plötzlich wieder, nackt, verwirrt und völlig einsam an einem anderen Ort, verstaubt und verkommen, in einer Stadt die er aus seiner Kindheit kennt. Er versucht zu begreifen was passiert ist, während er von seiner Vergangenheit träumt. Was ist dies für eine Welt, gibt es ein Leben nach dem Tod und was ist das für ein schwarzes Ding?
    Meine Meinung: Ich war total gespannt auf dieses Buch, da ich in Bücherläden immer positive Rezensionen dazu aushängen sah. Außerdem klang der Hinweis auf der Rückseite des Buches "So spannend und geheimnisvoll wie Matrix und Inception" total vielversprechend, denn ich mag solche Filme sehr. Es begann auch sofort spannend und ein wenig schockierend, denn der Tod wird genau beschrieben. Nachdem Seth dann wieder aufwacht stellt man sich eigentlich ab diesem Zeitpunkt für den Rest des Buches folgende Frage: Was soll das alles? Wo ist er? Was steckt dahinter? Und genau das verleitet einem zum weiterlesen, denn man will ja wissen, worum es geht, will die Geheimnisse erfahren, will Seth kennenlernen. Nebenbei erfährt man dann auch die Vergangenheit und die Geheimnisse von Seth, und alles ist anders, als man es zuerst erwarten würde. Seth ist ein sympathischer Junge, eine starke Hauptfigur, die im Laufe des Buches mehr über sich selbst lernt und sehr tiefgehend ist. Dieses Buch ist definitiv anders, manchmal ist alles etwas sehr seltsam und irgendwie wird es auf Dauer nervig nicht hinter den Sinn des Ganzen zu kommen, was aber auf der anderen Seite eben auch dazu antreibt weiterzulesen. Das Buch ist voller Gefühl, beschreibt das Leben und die Situationen die entstehen können ganz genau. Später fehlt es dann auch nicht an rasanter Action, Schuld, Angst, Freundschaft und Liebe, Mitgefühl und spannenden Wendungen. Was mir dann aber trotzdem fehlte war wie so oft das gewisse Etwas um mich süchtig zu machen, deswegen ein Herz Abzug. Ich konnte das Buch trotz ständiger ungeklärter Fragen leicht weglegen, mochte aber trotzdem gerne weiterlesen, da es leicht geschrieben war und die Seltsamheit des Buches es ja auch zu etwas Anderem, Besonderem macht. Einen dicken Minuspunkt gibt es aber von mir für das Ende, leider bin ich jetzt nach dem Lesen des Buches total unbefriedigt, mehr will ich an dieser Stelle allerdings nicht verraten, da ich spoilerfrei rezensiere. Falls das Buch versucht hat mir was zu sagen, soetwas wie "Und die Moral von der Geschicht..", dann kam es bei mir leider nicht an, ich fühle mich zurückgelassen mit Fragen und Verwirrungen und soetwas mag ich persönlich nicht. Ein Buch für Endzeit-Fans, die auch vor Sci-fi nicht zurückschrecken, tiefe Gefühle verstehen und offen für Neues sind.

    ~*~*Fazit*~*~              Rockt mein Herz mit 3 von 5 Punkten!

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