Das Jahr 2019: eine Familie sucht ihren 19-jährigen Sohn Zac Brettler. Auf wahren Begebenheiten beruhend verfolgen die Eltern Zacs Spuren. Diese führen sie zu den reichsten der Reichen und einer unbequemen Wahrheit - ihr Sohn war ein Hochstapler und hat vorgegeben etwas und jemand zu sein, der er nicht war. Mit einem tödlichen Ende.
Patrick Radden Keefe lässt mit "Der Sohn des Oligarchen" die Grenzen zwischen Fiktion und Sachbuch verschwimmen. Beim Lesen muss man sich immer wieder an die wahren Hintergründe erinnern, so unwirklich erscheint diese Geschichte teilweise. Neben reichlich Fakten stehen aber trotzdem die Menschen im Fokus. Sowohl Zacs Persönlichkeit als auch die seiner Eltern und deren Gefühle bekommen Raum und Bühne. Bei aller Ausführlichkeit leidet allerdings die Spannung etwas. Der sprachstilistische Sachbuchcharakter kommt dann doch zum Tragen und lässt einige Passagen langatmig wirken. Trotz allem eine wertvolle Geschichte der Moderne, die es verdient, erzählt und gehört zu werden.
Patrick Radden Keefe
Lebenslauf
Quelle: Verlag / vlb
Alle Bücher von Patrick Radden Keefe
Imperium der Schmerzen
Der Sohn des Oligarchen
Sage nichts
Imperium der Schmerzen
Say Nothing: A True Story of Murder and Memory in Northern Ireland
Empire of Pain: The Secret History of the Sackler Dynasty
Empire of Pain: The Secret History of the Sackler Dynasty
London Falling: A Mysterious Death in a Gilded City and a Family’s Search for Truth
Neue Rezensionen zu Patrick Radden Keefe
Manchmal reicht ein einziger Sturz, und plötzlich bröckelt eine ganze glänzende Luxusfassade. Der Sohn des Oligarchen ist genau so ein Buch. Erst denkt man: Okay, mysteriöser Todesfall, junger Hochstapler, London, reiche Leute, klingt spannend. Und dann sitzt man da und merkt, dass Patrick Radden Keefe daraus keine sensationslüsterne Show macht, sondern ein messerscharfes, ziemlich unbequemes Stück Wirklichkeit.
Zac Brettler ist dabei keine einfache Figur. Mal möchte man ihn schütteln, mal beschützen, mal fragt man sich, wie einsam ein Mensch eigentlich sein muss, um sich so tief in eine erfundene Welt zu verlieren. Diese Mischung hat mich echt gepackt. Nicht auf die billige Krimi Art, sondern eher so, dass man beim Lesen kurz innehält und denkt: Alter, das ist wirklich passiert.
Keefe erzählt ruhig, präzise und trotzdem mit einem Sog, der einen nicht loslässt. London wirkt hier nicht wie die schicke Postkartenstadt, sondern wie ein gläsernes Aquarium für Geld, Macht, Angst und Dreck unter dem Teppich. Sehr edel eingerichtet, aber wehe, man schaut in die Ecken.
Besonders stark fand ich, dass das Buch nie den Menschen aus den Augen verliert. Hinter Oligarchen, dubiosen Deals und Polizei Desinteresse steht am Ende eine Familie, die wissen will, was mit ihrem Sohn passiert ist. Und genau da trifft das Ganze mitten ins Herz.
Ein kluges, düsteres und verdammt gut erzähltes Sachbuch, das sich liest wie ein Thriller, aber leider keiner ist.
Zac Brettler, 19jährig, aus jüdischen Familie mit Holocaust Hintergrund, springt in London vom Balkon eines Luxushauses in den Tod. Er gab sich als Sohn eines reichen Oligarchen aus. Damit wird bereits am Beginn seiner Geschichte ein Problem unserer Zeit deutlich, "Kinder die daran leiden, dass ihre Eltern nicht reich sind". Zac sprang aus einer Londoner Luxushaus in den Tod.
Zac's Eltern erlaubten die Veröffentlichung seiner Geschichte, um auch andere auf dieses Probleme hinzuweisen und auf die erschreckend oberflächlich verlaufende Ermittlung. Auch, wie sehr Politik, Wirtschaft und Reichtum verwoben sind, wie nah Schuld und Unschuld sind und wie wenig Interesse in diesen Fällen an der Wahrheit besteht.
Interessant wird über den familiären Hintergrund berichtet. Schnell wird die Sehnsucht von Zec deutlich, etwas besseres zu sein, viel Geld zu haben und mehr als seine Eltern zu erreichen. Die gesellschaftliche Zustände, die Stadt, die Familie und die Charaktere werden gut vorstellbar beschrieben. Dabei bleibt der Autor immer an dem tatsächlichen Geschehen.
Manchmal wird protokollmäßig erzählt und dabei hört man die Meinungen außenstehender Bekannter und Mitmenschen, dann wird das Geschehen flüsdig erzählt. Das erfordert besondere Aufmerksamkeit, um den Faden nicht zu verlieren. Oft hat man das Gefühl, einer Reportage zu lauschen. Geschichtliche Zusammenhänge werden sehr weitschweifend beschrieben, um den Hintergrund der verschiedensten reichen Unternehmer zu durchleuchten, die im Kontakt zueinander und zu Zac standen. So wird von der Vertreibung der Asiaten in Uganda erzählt, von Margot Thatcher, von Ereignissen in Politik, Wirtschaft, Kunst, von Korruption. Immer auch mit kriminellen Hintergrund. Das hat oft die Geschichte von Zac überdeckt und war mir zu abschweifend.
Sehr gut wird Zac's Persönlichkeitsentwicklung beschrieben, immer auch mit dem Hintergrund seiner Herkunft. Das hat mir sehr gut gefallen und davon hätte ich gern mehr gehabt. Die Frage wie und warum Zac umgekommen ist, hält die Spannung, trotz der Länge. Mit jedem Kapitel kommt man der Antwort näher, erhält aber keine befriedigende Antwort.
Es ist erschreckend, wie viel während der Ermittlungen nicht korrekt verlief, wie sehr Politik, Wirtschaft und Reichtum verwoben sind und wie nah Schuld und Unschuld sind.
Ein Buch, das anders ist, das aufdeckt, aufrüttelt und unbequeme Fragen stellt. Die Erzählform, mit protokollähnlichen Sequenzen ergänzt, fand ich ausschweifend, zumal sich manches wiederholte. Dennoch interessant, informativ und lesenswert, wenn man sich auf die Erzählart einlassen kann.
Die Stimme des Sprechers hat mir nicht richtig zugesagt und ich brauchte einige Zeit um mich einzugewöhnen. Ich hatte Probleme mit der Stimmhöhe und -vibration. Mit der Erhöhung der Sprechgeschwindigkeit war es für mich etwas besser.
Vielen Dank an NetGalley und den RBmedia Verlag | John Verlag für die Bereitstellung des Hörbuchs. Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst.
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