Patrick Sensburg

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Autor von Unter Freunden.

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Unter Freunden

Unter Freunden

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Erschienen am 18.05.2017

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Rezension zu "Unter Freunden" von Patrick Sensburg

Alles halb so schlimm, wir sind doch Freunde!
R_Mantheyvor einem Jahr

Einer der Autoren ist Bundestagsabgeordneter der CDU/CSU-Fraktion und leitete über drei Jahre den NSA-Untersuchungsausschuss als Vorsitzender. Bei dieser Ausgangslage könnte man naiv vermuten, dass in diesem Buch endlich die Wahrheit auf den Tisch kommt. Oder man erwartet das genaue Gegenteil. Leider bekommen die Zweifler Recht. Der ganze Text ist in einem Stil verfasst, bei dem man am Ende nicht mehr weiß, was eigentlich sein Inhalt ist. Dabei wäre es doch ganz einfach gewesen: Man hätte die Fragen formulieren können, die der Ausschuss untersuchte, um dann anschließend die Erkenntnisse dazu wiederzugeben. Das passiert jedoch nicht. Stattdessen fabulieren die beiden Autoren über alles Mögliche, was so auf deutschem Boden an Abhör- und sonstigen möglichen Geheimdienstaktivitäten in der fraglichen Zeit geschehen sein könnte. Klare, eindeutige Antworten gibt es nicht.

Die entscheidende Frage, ob der NSA unbefugt deutsche Staatsbürger in Deutschland abgehört oder anderweitig massenweise ausspioniert haben könnte, wird nicht beantwortet oder halbherzig bestritten (geht angeblich technisch gar nicht). Man erfuhr ja bereits ziemlich schnell nach Bekanntwerden solcher Machenschaften aus dem Munde der Kanzlerin, dass keine deutschen Gesetze verletzt wurden. Das wiederum trieb Medien zu Spekulationen, wie es denn eigentlich tatsächlich mit der deutschen Souveränität bestellt sei, wenn eventuell deutsche Gesetze ein solches Abhören deutscher Staatsbürger durch die ehemaligen westlichen Siegermächte zulassen würden. Darauf gibt dieses Buch keine Antwort, weil es diese Frage gar nicht stellt. Stattdessen wird die gesamte eventuelle Schuld auf den BND abgeladen. Aber auch da bleibt es nur bei recht dünnen Formulierungen.

Sehr deutlich hingegen kann man die tatsächliche Situation in den Kapiteln ablesen, in denen es um Snowden geht. Zunächst wird er am Anfang von seinem Heldensockel gestoßen. Man kann sich allerdings nur schwer ein belastbares Bild darüber machen, inwieweit die Autoren dabei wirklich die Wahrheit treffen. Der NSA-Untersuchungsausschuss brachte es nicht fertig, den NSA-Insider Snowden nach Deutschland einzuladen und ihm dabei zuzusichern, nicht anschließend in die USA verfrachtet zu werden. Hier wird das ganze Dilemma der Bundesregierung und dieses Ausschusses völlig offensichtlich. Man kann den USA nicht vor den Kopf stoßen, weil man abhängig ist. Und genau aus diesem Grund kann man auch nicht erwarten, dass dieser Ausschuss die Tatsachen offenlegt.

Glenn Greenwald sollte auch vor dem Ausschuss in Berlin aussagen. Er weigerte sich. Dazu findet man dann folgende Sätze in diesem Buch: "Greenwald, der zuvor bereits vor dem US-Kongress, dem brasilianischen Senat und per Videoschaltung vor dem EU-Parlament ausgesagt hatte, verband seine Absage mit massiven, inhaltlich völlig unverständlichen Vorwürfen gegen den Ausschuss. Die Entscheidung, Snowden nicht in Berlin zu vernehmen, zeige, dass es dem Ausschuss wichtiger sei, die USA nicht gegen sich aufzubringen, als die Spionageaffäre ernsthaft aufzuklären. Greenwald behauptete, er lehne es ab, an einem "Ritual teilzunehmen, das die Illusion einer Untersuchung" darstellen solle, tatsächliche Aufklärung jedoch vermeide." So sehr sich die Autoren auch empören – dieses Buch beweist, dass Greenwald die Sache genau auf den Punkt gebracht hat.

Natürlich kann dieses Buch dennoch lesen. Es enthält einige bemerkenswerte Informationen. Beispielsweise erfährt der Leser, dass es der CIA möglich ist, sich in die Steuerung vieler Anlagen einzuhaken und sie zu übernehmen. Aber da dies ja unter Freunden geschieht, bleibt das natürlich völlig ungefährlich. Zwischen den Zeilen blinkt noch die eine oder andere bemerkenswerte Information durch. Im Großen und Ganzen jedoch ist dieses Buch ein bewusster Irrläufer. Wer etwas anderes erwartet hat, glaubt wahrscheinlich auch, dass es unter Staaten Freunde gibt oder dass sich Geheimdienste "demokratisch kontrollieren" lassen.

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