Patrick Tschan Polarrot

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Inhaltsangabe zu „Polarrot“ von Patrick Tschan

"Einen politisch derart unkorrekten Helden hat die Schweizer Literatur kaum je gesehen: Patrick Tschans Jack Breiter ist ein Hochstapler und ein Großmaul, er schmuggelt Geld und Gold und Menschen und schreckt auch nicht davor zurück, den Nazis das Rot für ihre Hakenkreuzfahne zu verkaufen -Tschan macht großes Kino."
Alex Capus

Jack Breiter hatte heute Nacht hoch verloren: Geld, Stelle, Kost, Logis, Gesicht, Ansehen. Morgen, fieberte er, würden sie ihn teeren und federn, auf eine gewachste Eisenbahnschwelle der rhätischen Bahn binden und unter dem Gejohle der Einheimischen und zum Gaudium der gutbetuchten Feriengäste die Bobbahn hinunterlassen.

1929: Jack Breiter ist alles andere als ein Glückskind. In eine arme Schweizer Bauernfamilie geboren, will er unbedingt nach oben. Erst als glückloser Heiratsschwindler im noblen Palace Hotel in St. Moritz, später als Handelsvertreter beim Chemiekonzern Gugy. Zunächst mit glänzendem Erfolg: Dank des Reichsbeflaggungsgesetzes von 1935 verkauft Breiter Hektoliter um Hektoliter der Farbe "Polarrot" für die Hakenkreuzfahne. Er wird rasch zum Starverkäufer der Firma. Doch dann verliebt er sich in die Frau seines Chefs, eine Halbjüdin, und lässt sich ihr zuliebe auf ein riskantes Goldschmuggel-Unterfangen ein. Prompt wird Breiter ertappt - und plötzlich ist es mit dem Spaß vorbei.

Patrick Tschans Helden Jack Breiter muss man als Leser lieben: für seinen Einfallsreichtum, seine Hinterlist, seinen unbändigen Über lebenswillen, der uns auf jeder Seite aufs Neue überrascht. Am Ende bleibt die Frage: Wer schuldet wem was?

Ein mir etwas zu wohlgefälliger Hauptakteur!

— Arun

Ein spanendes sehr gut geschriebenes Buch unbedingt Lesen.

— Campe

Tschan ist ein Meister des Understatement!

— OelemannC

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  • Die Geschichte eines Lebenskünstlers

    Polarrot

    kleinechaotin

    Das Buch "Polarrot" von Patrick Tschan erzählt die Geschichte des jungen Lebenskünstlers Jakob Breiter. Er wuchs in ärmlichen Verhältnissen mit einem gewalttätigen Vater auf. In seiner Kindheit wird er vom Pfarrer seiner Gemeinde gerettet und landet im Kloster St. Gallen - schon damals wollte er hoch hinaus und nie mehr arm sein. Der sympathische Protagonist ist ein Hochstapler erster Klasse - manchmal wird auch zu hoch gestapelt und sein Kartenhaus fällt in sich zusammen und reißt ihn mit. So auch zu Beginn des Buches als er sich als Heiratsschwindler versuchte. Er probierte sein Glück bei einer reichen Russin und gab sich als Sohn eines angesehen Bankiers aus. In einer Gaststätte wird seine Identität als Bauernsohn und Fiaker aufgedeckt. Seine kühnsten Befürchtungen treten nicht ein - er wird weder geteert noch gefedert und verliert "nur" seinen Job.  Er macht sich auf den Weg in die nächste Stadt und beginnt sein Leben neu zu ordnen - er wird Vertreter eines Chemiekonzern und klettert dort die Karriereleiter rasch hinauf, bringt immer mehr Ideen in die Firma ein und wird Starvertreter und -verkäufer. Aufgrund des Reichsbeflaggungsgesetzes herrscht ein wahrer Run auf die Farbe Polarrot. Sein Chef hält große Stücke auf hin und macht ihm im Rahmen eines Festes mit seiner Frau Charlotte bekannt. Jakob - der sich mittlerweile Jacques nennt - findet sie äußerst attraktiv und trifft sich mit Zustimmung ihres Mannes und seines Chefs regelmäßig. Charlotte will ihm die Augen öffnen und ihn für die Situation sensibilisieren. Jacques sieht allerdings nur das Geld und wird immer gieriger - er beginnt nach einer Zeit Sachen von Deutschland in die Schweiz. Doch auch das kann auf Dauer nicht gut gehen...  Ich habe das Buch zufällig im Rahmen der LB Themenchallenge ausgesucht und habe es verschlungen. Der Schreibstil ist einfach grandios, der Leser wird in den Bann gezogen und man fiebert mit dem Protagonisten mit. Der Protagonist ist eigentlich ein Typ Mensch, den man eigentlich nicht mag - Heiratsschwindler, Betrüger, Hochstapler und ein Mensch mit einer scheinbar unstillbaren Gier nach Geld und dem Leben. Je mehr man jedoch liest, desto mehr mag man den komischen Kautz, der sich immer wieder - und sei es auf noch so kreative Art und Weise - zu helfen weiß. Der Autor verwendet eine kühle Sprache, die sich von der Masse abhebt - klare Worte, kurze prägnante Sätze und eine packende Handlung. Von mir gibt's 5 Sterne und ich weiß, dass ich das Buch sicher nicht zum letzten Mal gelesen habe.

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    • 2

    Arun

    10. April 2014 um 20:27
  • Ein Meister des Understatement

    Polarrot

    OelemannC

    17. February 2014 um 11:08

    Eines der größten Überraschungserfolge unserer „Tipps des Monats“ war der Erstling eines damals noch unbekannten Schweizer Schriftstellers namens Patrick Tschan, „Keller fehlt ein Wort“ nämlich. Soeben ist Tschans neuer Roman „Polarrot“ erschienen, und ich kann nur sagen: Hut ab! Der Mann kann schreiben, dass es eine helle Freude ist! Sprachlich und konzeptionell völlig anders als sein Vorgänger erlebt man „Polarrot“ nachgerade als Film auf der inneren Leinwand, und nicht zu unrecht lobt Tschans Kollege Alex Capus auf dem Schutzumschlag: „Tschan macht großes Kino.“ Es handelt sich um die Geschichte des Toggenburgers Jack (Jaques) Breiter, zu Beginn der Geschichte ein kleiner Angestellter im Hotel Palace zu St. Moritz. Breiters Lebensziel ist es, nach ganz oben zu gelangen, auf der gesellschaftlichen Erfolgsleiter Sprosse um Sprosse zu erklimmen. Sofort werden Erinnerungen an Felix Krull geweckt, doch als Fuhrknecht ist Breiter noch weit entfernt von jener Vornehmheit, die ihm seiner eigenen Überzeugung nach eigentlich angemessen ist. Um bei einer reichen Dame der besseren Gesellschaft zu reüssieren, legt er sich eine gefälschte Identität zu, wird aber erwischt und prompt fristlos entlassen. Doch schnell fasst Breiter wieder Fuss und findet in Basel einen neuen Job; er freundet sich mit einem Chauffeur an, der ihm heimlich das Autofahren beibringt. So wird Breiter in seiner neuen Firma rasch derjenige, der die Neuerfindung Senf in der Tube an halb Deutschland liefert. Bei seinen Kunden ist er gern gesehen; rasch hat er das Glück, von der Firma Gugy abgeworben zu werden, die seinen gesellschaftlichen Aufstieg in ganz anderem Masse vorantreiben kann. Bei Gugy verdient Jack wesentlich mehr, vor allem, als es ihm gelingt, ein Geschäft an Land zu ziehen, das einem Sechser im Lotto gleich kommt: das Reichsbeflaggungsgesetz ist eben erlassen worden und beschert der Firma Gugy Rekordverkäufe der Farbe Polarrot, die zur Herstellung der deutschen Hakenkreuzfahnen benötigt wird. Im Grunde ist damit genug erzählt. Ein kleiner Wink vielleicht noch: Nicht immer ist die Liebe beim Ersteigen der Erfolgsleiter hilfreich. Das muss Breiter nach einem rauschenden Fest erkennen, welches Gugy anlässlich seiner Absatzerfolge gibt; dort lernt Breiter die Frau seines Chefs kennen und er verliebt sich in sie unsterblich. Charlotte scheint die Liebe zu erwidern, sie vertraut ihm an, dass sie Halbjüdin ist und befürchtet, dass ihr Mann sie für die deutsche Kundschaft opfern wird. Breiters Pläne vom sorgenfreien Luxusleben kollidieren mit der Liebe zu Charlotte und er erkennt sukzessive, dass ihm dieser Hitler unheimlich ist, auch wenn man an ihm gut verdienen kann ….

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