Cover des Buches Die blinde Kommissarin (ISBN: 9783548286136)
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Rezension zu Die blinde Kommissarin von Patrizia Rinaldi

Die blinde Kommissarin

von Klusi vor 10 Jahren

Kurzmeinung: Für mich leider weder spannend noch mit Atmosphäre. Wo bitte ist das versprochene italienische Flair?

Rezension

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Klusivor 10 Jahren
Neapel im Oktober. Der bekannte Schlagersänger Jerry Vialdi wird tot aufgefunden. Seine Leiche ist recht seltsam in ein Tor des Stadions Sao Paolo drapiert. Der Mordverdacht fällt auf seine zahlreichen Liebschaften, denn jede der Frauen hatte Grund dazu, ihn zu hassen. Um Licht in den Fall zu bringen, wird auch Blanca Occhiuzzi zu den Ermittlungen gebeten. Die attraktive Frau ist blind, ein Umstand, der ihre anderen Sinne geschärft hat. Sie kann an der Stimmlage eines Menschen erkennen, ob er die Wahrheit spricht oder lügt.

Zuerst möchte ich einen Satz vom Klappentext zitieren: „Italienisches Flair, eine Stadt voller Geheimnisse und eine neue sympathische Kommissarin – dieser Kriminalroman lässt Sie von einem Italienurlaub träumen.“
Dieses Versprechen, zusammen mit dem attraktiven und sehr italienischen Foto auf dem Cover, hat in mir den Wunsch geweckt, das Buch unbedingt lesen zu wollen, denn ich liebe italienisches Flair. Allerdings war für mich schon das Coverbild der erste Widerspruch, denn an Neapel erinnert die gezeigte Landschaft gar nicht. Man sieht eine eher ländliche Gegend, mit alten Häusern, die verlassen wirken, die ganze Szenerie in ein Licht getaucht, als wäre gerade ein Unwetter im Anzug. Leider hat sich auch das oben zitierte Versprechen für mich nicht erfüllt. Lediglich den Teil mit der sympathischen Kommissarin konnte ich nachvollziehen, aber auch das mit der Einschränkung, dass Blanca eigentlich gar keine Kommissarin ist, sondern im Roman stets als „Sovrintendente“ bezeichnet wird, was so viel wie „Polizeihauptmeister“ bedeutet. Ansonsten brachte mir die Story weder italienisches Flair, noch lässt sie mich von einem Italienurlaub träumen, und über die Stadt Neapel habe ich auch nicht so viel erfahren wie erwartet.
Fange ich mit den Charakteren an. Bis auf Blanca habe ich keinen der Protagonisten sympathisch gefunden. Die polizeilichen Ermittlungen wirkten auf mich eher wie ein Machtkampf, ein ständiges Gegeneinander, statt einvernehmlich an einem Strang zu ziehen. Blancas Kollegen brillieren nicht gerade mit Charme, und sowohl sie als auch alle anderen Charaktere blieben durchweg blass und unzugänglich. Die ganze Stimmung des Romans, einschließlich Blancas kurze Affäre, wirkte auf mich unterkühlt und emotionslos.
Der Schreibstil ist zudem gewöhnungsbedürftig und alles andere als leicht zu lesen. Ellenlange, manchmal sehr verschnörkelte Sätze, mit vielen Metaphern geschmückt, sind wohl dem Umstand zu schulden, dass die Autorin Philosophie studiert hat. Bei den Dialogen hatte ich oft das Gefühl, als würde hier Insiderwissen vorausgesetzt, das mir als Leser nicht bekannt ist und auch bis zuletzt verschlossen blieb. Kurz gesagt, ich habe viele Bemerkungen und Redewendungen sinngemäß nicht verstanden! Von entspanntem Schmökern kann hier nicht die Rede sein, denn der Text verlangt dem Leser gewissermaßen verschärfte Gehirnakrobatik ab. Leider hat es mir jedoch auch an Spannung gefehlt, denn irgendwie war mir von Anfang an klar, wer der Täter ist, so dass ich es mir eigentlich hätte sparen können, den Roman bis zum bitteren Ende zu lesen. Obwohl das Buch nur knapp über 200 Seiten stark ist, war es für mich fast eine Quälerei, mich durchzukämpfen. Der Kriminalroman scheint der Auftakt einer neuen Reihe um Blanca Occhiuzzi zu sein. Es bleibt nur zu hoffen, dass Blanca bei den Fortsetzungen eine größere Rolle eingeräumt wird, denn sie kam meines Erachtens in dieser Story viel zu kurz, besonders wenn man berücksichtigt, dass sich der Titel des Krimis auf sie bezieht. Ich für meinen Teil werde die Folgebände wohl nicht mehr lesen, denn ich bin bedauerlicherweise so gar nicht mit der Lektüre warm geworden. Eigentlich schade, denn mein erster Eindruck war so vielversprechend.
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