Kärntner Ecke Ring

von Paul Auer 
4,5 Sterne bei2 Bewertungen
Kärntner Ecke Ring
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Da geht die Post ab, und das Mitten in Wien

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Ein Man, zwei Liebhaber, eine Wahnsinnsidee

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Inhaltsangabe zu "Kärntner Ecke Ring"

Der 60-jährige Ludwig Bilinski könnte ein unbeschwertes Leben als wohlhabender Großbürger führen. Berufliche und private Enttäuschungen haben den früheren Kreisky-Anhänger jedoch verbittert. Unter einem Pseudonym hat er sich einen Namen als Verfasser von hetzerischen Leserbriefen gemacht; in seinem Dachboden steht ein Modell vom Wien seiner Träume; und als endgültige Rache an der Welt plant er, die seiner Meinung nach hässlichsten Gebäude der Stadt in die Luft zu sprengen. Dadurch will er als Retter der Schönheit Wiens in die Geschichte eingehen, seinem Leben zu guter Letzt Sinn verleihen.
Die einzigen Menschen von Bedeutung für ihn sind Norbert, ein Stricher, und dessen Mutter Tamara, eine Verkäuferin. Er trifft sie jeden Samstag getrennt voneinander zu festgesetzten Zeiten, um seine sexuellen beziehungsweise emotionalen Bedürfnisse zu befriedigen. Von ihrer jeweiligen klar definierten Rolle im Leben Bilinskis wissen die beiden nichts. Als Norbert in seiner Jugend in die Neonazi-Szene abdriftet, bricht der Kontakt zu seiner Mutter ab.
Bilinski Egozentrismus kollidiert zusehends mit den Sehnsüchten und Wünschen, die er in Norbert und Tamara weckt. Während er voller Vorfreude seinem apokalyptischen Coup entgegensieht, gerät das auf ihn zugeschnittene Beziehungsdreieck außer Kontrolle. Obwohl er sich für allmächtig hält, droht er, wie Norbert und Tamara, an den Gefühlen der drei zueinander zu zerbrechen.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783902711571
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:0 Seiten
Verlag:Septime Verlag
Erscheinungsdatum:17.04.2017

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    Luis_Stabauers avatar
    Luis_Stabauervor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Da geht die Post ab, und das Mitten in Wien
    Kärntner Ecke Ring, ein Leseerlebnis und ein schönes Buch.

    Erst auf Seite 84 bemerkte ich das schwarze Lesebändchen, war gut versteckt, fiel nicht heraus, vielleicht hatte ich das Buch zu fest in meinen Händen gehalten. Das Bändchen hätte auch braun sein, oder aus zwei zusammengelegten Achtern zwischen den Blättern hervorlugen können.

    Jedenfalls ließen mich Norbert, Tamara und Bilinski nicht los, nahmen mich mit in die Tiefen eines vaterlosen Wiens. Paul Auer fordert mit Zeitsprüngen, mit kräftigen Ausdrücken, schafft mit unterschiedlichen, zu den Figuren passenden Schreibstilen, Bilder, die wieder Bilder erzeugen, schafft ein Schreibwerk, schafft Kunst.

    Kärntner Ecke Ring kommt nicht einbeinig daher, wie eine weitere Figur vermuten lassen könnte, viele Beinen tragen den Text und immer wieder vergnügen sie sich in Wiens bekanntester Toilette in der Opernpassage. Manchmal gehen sie fremd.

    Monologe entpuppen sich als Dialoge, Familiendramen brechen los, Mütter spielen ihre Hauptrollen aus dem Hintergrund. Die Spannung explodiert im letzten Drittel, ein Krimi wird es trotzdem nicht.

    Zu Ostern gelesen, tauchen versteckte Eier auf: Glorioses Wien, alle können dich sehen, trotz deiner Verstecke. Die Doppelacht tritt wieder auf.

    Franz Bierheben, die mindestens doppelte Persönlichkeit, erhebt seinen Stab(erl) nicht nur in der Opern Toilette, richtet Schaden an, erntet Applaus, lässt den Kaiser tanzen.

    Ein Satz hat sich eingeprägt: „Die Leute im Waggon zeigten keine Reaktion, nicht, weil sie tolerant, sondern weil sie feige und ratlos waren, was sie durch Ignoranz zu kaschieren versuchten.“

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    aus-erlesens avatar
    aus-erlesenvor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Ein Man, zwei Liebhaber, eine Wahnsinnsidee
    Die Apokalypse kommt auf leisen Pfoten

    Der Zweck heiligt die Mittel. Die große Sache steht über dem Schicksal des einzelnen. Das Ziel ist wichtiger als der Weg. Ludwig Bilinski ist von einer gnadenlosen Idee beseelt. Wien muss wieder erblühen. Weg mit dem gentrifizierten Mist. Weg mit dem Schutt des Alltags. Weg mit der Apathie des Hinnehmens. Es ist Zeit zu Handeln. 
    Große Worte, großes Gedankengut. Norbert und Tamara Bauer sind hierfür wie gemacht. Mit der Mutter bändelt Ludwig an, mit dem Sohn verschlägt es ihn in die Opera Toilet Vienna. Norbert ist vom Leben nicht nur enttäuscht, es kotzt ihn an. Den Vater hat er früh verloren – wenn er wüsste, dass der erst vor Kurzem ins Gras gebissen hat und als Poet und Sänger in Wien so manchen neuen Gassenhauer ersonnen hat. Die Mutter verbot ihm strengstens eine Gitarre in die Hand zu nehmen. Als Steppke hat er eine Gitarre mal in der Abstellkammer entdeckt und ein wenig darauf rumgeklimpert. Patsch, peng, Erst ins Gesicht, seines, dann gegen den Türrahmen, die Gitarre. 
    Jetzt schlägt sich Norbert mehr schlecht als recht durchs Leben. Ein Blowjob da, ein Joint hier. Der Einbeinige, bei dem er lebt, ist auch nicht gerade das Paradies. Doch weniger ist besser als gar nichts.
    Man liest sich fasziniert vom Wortschwall des Autors Paul Auer (der Name erscheint nicht nur auf dem Cover, sondern am Anfang und am Ende des Buches als Doktor – auf die Idee muss man erst mal kommen) und merkt gar nicht wie tief man in den Strudel der kommenden Ereignisse hineingezogen wird. Es ist ein Labyrinth. Eines aus dem nur der Leser entkommen kann. Aber warum sollte er? Es ist doch grad so schön!
    Ludwig sieht das anders. Nichts ist schön. Alles ist verkommen. Er selbst steckt in einem perfiden Spiel fest. Die Spielregeln kennt er allerdings noch nicht. Nicht mal die Spielanleitung wurde ihm angeboten. Die liegt irgendwo im kranken Hirn von Ludwig Bilinski rum.
    Wer Wien besucht, kommt automatisch irgendwann an der Kärntner Ecke Ring vorbei. An der Oper, und der Toilette. Eine Querstraße weiter ist das Sacher. Die Häuserfassaden verschwimmen im Meer der neuen Architektur. Und hier soll das neue Wien erstehen. Aus Ruinen. Doch die müssen erst einmal geschaffen werden. Paul Auer geht mit dem Leser auf einen Trip, von dem man verändert wieder zurückkehren wird. Das monarchische Ambiente reizt immer noch, doch ein Beigeschmack wird immer am Leser hängenbleiben. Viel Spaß beim nächsten Wien-Besuch! Und nicht vergessen: Hinterher immer brav die Hände waschen!

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