Paul Auster 4 3 2 1

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Inhaltsangabe zu „4 3 2 1“ von Paul Auster

Paul Auster, der bekannte amerikanische Bestsellerautor, legt in Gestalt eines Rätselspiels sein bisher umfangreichstes Werk und Opus magnum vor: die vierfach unterschiedlich erzählte Geschichte eines jungen Amerikaners in den fünfziger und sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts – ein Epos voll mit Politik, Zeitgeschichte, Liebe, Leidenschaft und dem wechselvollen Spiel des Zufalls.

'4 3 2 1' – das sind vier Variationen eines Lebens: Archibald Ferguson, von allen nur Archie genannt, wächst im Newark der fünfziger Jahre auf. "Was für ein interessanter Gedanke", sagt er sich als kleiner Junge, "sich vorzustellen, wie für ihn alles anders sein könnte, auch wenn er selbst immer derselbe bliebe. Ja, alles war möglich, und nur weil etwas auf eine bestimmte Weise geschah, hieß das noch lange nicht, dass es nicht auch auf eine andere Weise geschehen konnte."
Im Verein mit der höheren Macht einer von Paul Auster raffiniert dirigierten literarischen Vorsehung entspinnen sich nun vier unterschiedliche Versionen von Archies Leben: provinziell und bescheiden; kämpferisch, aber vom Unglück verfolgt; betroffen und besessen von den Ereignissen der Zeit; künstlerisch genial begabt und nach den Sternen greifend. Und alle vier sind vollgepackt mit Abenteuern, Liebe, Lebenskämpfen und den Schlägen eines unberechenbaren Schicksals …
'4 3 2 1' ist ein faszinierendes Gedankenspiel und ein Höhepunkt in Austers Schaffen. Seine großen Themen, das Streben nach Glück, die Rolle des Zufalls, Politik und Zeitgeschichte von Hiroshima bis Vietnam – alle sind hier versammelt und verdichtet in den hoffnungsvollen Lebenswegen eines jungen Mannes, der sein Glück in der Welt zu finden sucht.

Vier mal ein Leben sind drei zu viel, auch wenn die Idee spannend ist.

— LolitaBuettner

Einer der besten Auster, wenn nicht sogar das Beste vom großen Paul

— Bietzer

Der Junge kann einfach alles, ist aalglatt. Was interessiert mich dessen Leben, wenn eh alles glatt laufen wird?

— Jari

Wenn Bücher mit Büchern sprechen... ist eine dieser speziellen Wahrnehmungen des Archibald Ferguson, die mir so gut gefallen haben.

— GillGartenstadt

Eine Parabel über das Leben und die Entscheidungen, die wir treffen – meisterlich ausgeführt.

— killmonotony

Beglückend - ich gäbe 6 Sterne, wenn das möglich wäre!

— Lysander

Höchst interessantes Konzept, aber die vier Fergusons hätte ich mir noch unterschiedlicher in ihrem Fühlen und Handeln gewünscht.

— Poesiesoso

Ein wohlformuliertes Schwergewicht dessen schrifstellerische Leichtigkeit nicht komplett durchgängig erhalten ist.

— thursdaynext

wuchtig,gewaltig,dicht.das ist nicht ein buch,das sind 5 bücher.man muss sich etwas durchkämpfen,aber es lohnt sich.

— ju_theTrue

Ein wahres Meisterwerk der amerikanischen Literatur, einfach herausragend!

— leserattebremen

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    4 3 2 1

    The iron butterfly

    30. October 2017 um 15:54

    Ich werfe einen Blick in das Amerika der fünfziger Jahre und sehe den kleinen Archibald Ferguson, Sohn von Rose und Stanley Ferguson. Archie, wie ihn alle nennen, oder Ferguson, wie ihn Auster zu nennen pflegt. Dieser kleine Steppke entwickelt sich bereits früh zum Denker, denn ihn interessieren so sehr die Familiengeschichte, die Beziehungen und wechselhaften Stimmungen in seinem Umfeld. Als er eines Tages diesem Gedanken nachgibt, diesem interessanten Gedanken, was wohl aus ihm werden würde, wenn durch äußerliche Einflüsse, Entscheidungen oder Geschehnisse sein Leben komplett anders verlaufen würde, obwohl er, Archie, immer derselbe Mensch bliebe. Gedacht und sogleich in die Tat umgesetzt, spinnt Paul Auster in 4321 Fergusons Gedankenfaden weiter und ihm gelingt nicht nur, was sich manche von uns vorstellen, dieses „was wäre, wenn ich da anders abgebogen wäre…“ darzustellen; Auster gelingt auch eine Retrospektive in ein gewichtiges Stück amerikanischer Geschichte. Der Mord an Martin Luther King, der Vietnamkrieg, die Bürgerrechtsbewegung, der Rassenwahn, die Studentenbewegungen, die Emanzipation, aber auch kulturelle Aspekte, Schriftsteller oder Schauspieler, wie das Duo Laurel/Hardy. Der Leser begleitet Archie je nach Lebenslauf bis in seine Zwanziger und darf erleben, dass all diesen Ausprägungen der Fergusonschen Seele die Liebe zu Amy Schneiderman und der Literatur gemein ist. Interessant bleibt die unbeantwortete Frage, was den Menschen formt. Wie viel Schicksal trägt dazu bei, welches Gewicht haben die äußerlichen Umstände, wie Familie, Freunde oder das soziale Umfeld? Beantworten will Auster das aus meiner Sicht nicht, aber mit seinem Archie Ferguson zeigt er auf, dass er von der unbeugsamen Seele des Menschen überzeugt ist, einem Grundstein, auf dem wir uns aufbauen, je nach Wind- und Wetterverhältnissen, je nach Baumeister, Architekt und verfügbarem Baumaterial. Anfangs empfand ich die Erzählweise der vier unterschiedlichen Lebensläufe etwas holprig, aber mit je weiter ich voran kam, desto besser konnte ich umschalten und hatte den passenden Archie nach ein paar Sätzen parat. Mit 1264 Seiten eine Lektüre, auf die man sich einlassen muss. Für mich hat es sich gelohnt.

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  • Eine Gebrauchsanweisung für dieses Buch bitte

    4 3 2 1

    LolitaBuettner

    08. October 2017 um 10:53

    Ich weiß nicht so recht, was ich von Paul Austers Buch 4321 halten, geschweige denn darüber berichten soll. Kurz gesagt, der Roman hat mich enttäuscht, obwohl ich wusste, was auf mich zukommt. Es hatte mich interessiert, ob es möglich ist, in einem Roman, das Leben einer Figur mehrmals zu erzählen und dabei den Leser nicht zu langweilen oder zu überfordern. Meiner Meinung nach ist Paul Austers Experiment gescheitert. Auf mehr als 1000 Seiten wird das Leben von Archie Ferguson viermal erzählt. Wenn ich ehrlich bin, hätte mir eine Variante gereicht. Gleich die erste. Der Roman beginnt unterhaltsam, komisch und verrückt. Sobald ich begann, in die zweite und dritte Variante einzutauchen, verlor ich mich im Leben von Ferguson. Zuerst merkte ich nicht, dass ich mich bereits in mehreren Varianten bewegte. Aus irgendeinem Grund war es für mich nicht eindeutig. Ich hatte mich vorab in keinster Weise mit dem Aufbau des Buches beschäftigt. Als die ersten Unsicherheiten bei mir auftauchten, weil ich dachte, ich hätte eine Passage bereits gelesen, googelte ich nach einer Gebrauchsanweisung. Wie lese ich Paul Austers 4321? Eine richtige Antwort fand ich nicht. Wie sollte ich das Buch also lesen? Kapitel für Kapitel? Leben für Leben? Mein Lesevergnügen war dahin. Leider. Obwohl ich das Buch immer mehr ablehnte, las ich. Die Anforderungen waren hoch: Aufmerksamkeit, ein gutes Gedächtnis für Details, Durchhaltevermögen. An Letzterem bin ich gescheitert. Sprachlich ist 4321 wie gewohnt ganz im Stil von Paul Auster. Allerdings ermüdeten mich in diesem Fall die massiven Sätze, deren Punkte am Ende zahlloser Zeilen zu finden waren – einfach aufgrund der Kleinigkeiten, dem Strudel an Informationen, der Variationen. Das Leben und die Gedankenwelt von Ferguson sind umfangreich. Ich habe das Buch bis 6.1. gelesen. Dann war ich es leid und fand keinen Ansporn mehr. Andere Romane stapelten sich auf meinem Schreibtisch, flehten mich an, bettelten darum, gelesen zu werden. Trotzdem muss ich sagen, dass mich Austers Humor und Fantasie begeistert. Seine Schreibe. Seine Sprache. Sein Rhythmus. Ich bleibe dem Autor auch weiterhin treu, denn Bücher sind wie Geschmäcker, unterschiedlich und bunt. Ich habe die Hoffnung, dass für mich und diesen Roman einfach noch nicht der richtige Zeitpunkt gekommen war, einander zu begegnen. Ich probiere dich wieder, 4321. Versprochen!

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  • Austers Opus magnum

    4 3 2 1

    Duffy

    23. July 2017 um 17:02

    Paul Auster beliefert die Welt seit Jahrzehnten zuverlässig mit Werken, die qualitativ auf höchstem Niveau neben den Klassikern der Literatur stehen dürfen. In seinem neuen Buch erzählt er die Geschichte von Archibald Ferguson aus dem amerikanischen Newark. Doch nicht nur die Geschichte von Ferguson 1, wie ihn Auster am Ende des Buches nennt, sondern auch die Geschichte von Ferguson-Variationen, die der Ursprungsidee folgen, was passiert wäre, wenn derselben Person, also Ferguson 1, etwas passiert wäre, wenn es anders verlaufen, er aber dieselbe Person geblieben wäre. Was so kompliziert klingt, ist nichts weiter als die vierfache Geschichte derselben Person und wer nun befürchtet, dass beim Lesen einiges durcheinander gerät, der wird sich von Austers stilistischer Vielseitigkeit und der Gabe, selbst aus unkonventionellen Vorgaben ein mitreißendes Buch zu machen, überzeugen lassen müssen.Herausgekommen ist nämlich nicht nur eine um zusätzliche Varianten bereicherte Lebensgeschichte des Ferguson, die alles enthält, was einem Jugendlichen von 0 bis 25 Jahren widerfahren kann, sondern auch eine fast epische Geschichte von Amerika ab den 50ern bis Mitte der 70er, in denen sich prägnante Ereignisse der amerikanischen Geschichte ereignen sollten.Auster, der es schon immer verstand, Geschichten in der Geschichte zu erzählen, nimmt den Leser über die 1250 Seiten mit und lässt ihn keine Seite alleine. Alles, aber auch alles ist hier schon fast in vollendeter Meiterschaft zu finden, allen voran die unbändige Lust am Erzählen, die Nähe zu vereinfachenden Gedanken der Philosophie und Religion, die Verwertung und Einschätzung der amerikanischen Geschichte, es ist, als hätte sich jemand zur Aufgabe gemacht, alles Erwähnenswerte, was eine bestimmte Epoche ausmacht, aufzuschreiben und in eine filigrane und nie unrealistische Romanhandlung zu übernehmen.Wenn man vom "großen Alterswerk" des Paul Auster spricht, so ist das ganz sicher nicht zutreffend. Vielmehr findet man hier alles, was den Schriftsteller Auster und sein Werk schon so lange auszeichnet. Ganz sicher geholfen hat auch seine eigene Biographie, denn er kennt sich mit dem aus, was er erzählt. Er selbst hat in Paris gelebt, hat Übersetzungen gefertigt und selbst gedichtet. Den Uni-Circuit in den USA kennt er genauso gut, wie die Stadt New York, die immer wieder eine Hauptrolle in seinen Romanen spielt.So ist dieses Buch nicht nur eine konsequente Fortsetzung seiner hohen Schreibqualität, sondern ganz sicher auch eines der Werke, die für die Ewigkeit sein könnten.Wie so oft kann man sich bei Autoren wie Richard Ford, T.C.Boyle und eben Paul Auster die Frage stellen, wann denn endlich mal ein Nobelpreis an einen dieser wirklich Großen geht.Kurzer Hinweis für den Gebrauch des Buches: Seine ganze Kraft entfaltet es bei diesem Umfang natürlich, wenn man es möglichst in längeren Etappen liest. Der Zauber entfaltet sich nicht bei vier oder fünf Seiten Lektüre vor dem Einschlafen. Wer sich die zeit nimmt, dieses Buch mit wenigen Unterbrechungen hintereinander zu lesen, dem wird der volle Genuss zuteil. Kategorie: Meisterwerk.

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  • LovelyBooks Romane-Challenge 2017: Die Challenge mit Niveau

    aba

    LovelyBooks lädt im neuen Jahr wieder zu spannenden Challenges ein.Und auf euch warten tolle Gewinne.Die anspruchsvolle Gegenwartsliteratur ist 2017 wieder dabei!Liest du gerne Bücher mit Niveau?Dann ist diese Challenge genau das Richtige für dich.15 anspruchsvolle Romane möchten wir vom 01.01.2017 bis 31.12.2017 lesen.Es gelten Bücher - Gegenwartsliteratur -, die in diesem Zeitraum erscheinen (Ersterscheinungen) und an diesem Beitrag angehängt sind.Auch Neuauflagen – 2017 erschienen - von Klassikern.Die Regeln: Melde dich mit einem kurzen Beitrag hier im Thread an. Einstig ist jederzeit möglich. Und du kannst dich jederzeit wieder abmelden. Du verpflichtest dich zu nichts. Schreibe bitte zu jedem Buch, das du für die Challenge gelesen hast, eine Rezension bei LovelyBooks, und verlinke diese in einem einzigen Beitrag in diesem Thread. Dieser Beitrag, wird von mir unter dem entsprechenden User-Namen in der Teilnehmerliste verlinkt. Das wird dein Sammelbeitrag für deine Rezensionen sein. Es gelten nur Bücher, die an diesem Beitrag angehängt sind! Bitte beachten: Die Liste der Bücher erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Nimmst du die Herausforderung an? Unter allen Teilnehmern, die es schaffen, 15 Romane mit Niveau bis zum 31.12.2017 zu lesen und zu rezensieren, wird ein tolles Buchpaket verlost.Natürlich mit den passenden Büchern zum Thema. Ich freue mich auf viele Anmeldungen! Teilnehmer: AgnesM aljufa Ancareenanneschuessler anushka Arietta ArizonaAspasia ban-aislingeachbanditsandra Barbara62 blaues-herzblatt BookfantasyXY bookgirl Buchina Buchraettinc_awards_ya_sin CaroasCaro_LesemausCornelia_Ruoff Corsicana Curin cyrana czytelniczka73 dia78 DieBerta Dionemma_vandertheque erinrosewell Federfee Flocke86 Fornika Frau_J_von_T Gela_HK Ginevra Gruenentegst Gwendolina hannelore259 imitas Insider2199 Isaopera jenvo82 JoBerlin kalestraKatharina99 katrin297Katze21 krimielse lesebiene27 leselea LibriHolly maria1 Maritzel marpije Mercado Miamou Mira20 miro76  miss_mesmerized moni_lovesMotte_muqqel Nane_M naninka Nilonce-upon-a-time parden Petris Pocci Sandra_Halbesar89 schokoloko29 serendipity3012 SikalSimi159 sofie solveig SorR StefanieFreigericht Sumsi1990 suppenfee Susibelle TanyBee Tinchen07 TochterAliceulrikerabe vielleser18 Weltensucher Xirxe xlxn Yolande

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    • 1880
  • Langweilig, abschweifend, für mich ohne Mehrwert

    4 3 2 1

    Federfee

    14. June 2017 um 11:24

    Nennt mich 'Literaturbanausin', aber ich bin der Meinung, dass es bei Schriftstellern oft wie bei anderen Künstlern ist, Malern z.B. Einmal bekannt, einmal ein guter Name und schon wird alles Produzierte anders gesehen, durch einen Positiv-Filter. Anders kann ich mir die Begeisterung für 4-3-2-1 von Auster nicht erklären.Dabei ist die Idee genial, vier unterschiedliche Lebensentwürfe eines einzigen Menschen darzustellen und der Frage nachzugehen, ob und wie Zufälle das Leben von Menschen und ihre Entwicklung bestimmen, eine allgemein philosophische Frage, die sich vielleicht jeder mal selbst gestellt hat. Was wäre geworden, wenn damals …?Die Ausführung allerdings, nein, die gefällt mir ganz und gar nicht: zu viele Seiten (über tausend), zu viele Personen, was es schwierig macht, den Überblick zu behalten, zumal die vier Ferguson-Varianten chronologisch erzählt werden und man nur an den Kapitelzahlen sehen kann, von wem jeweils die Rede ist.Alles erscheint mir viel zu ausführlich, z.B. das Baseballspiel, das sich über mehrere öde langweilige Seiten hinzieht. So kommt man natürlich leicht auf ein paar Pfund Buch ;-)Die Sprache finde ich anspruchslos, wohl leicht zu lesen, obwohl Auster oft statt Punkten Kommata setzt und so manch atemlos klingender Satz über eine halbe Seite geht. Zum Glück sind sie nicht verschachtelt. Ich frage mich, wie wohl folgende Textstelle bei einem Debut-Autor beurteilt würde:"Lustig, wie lustig das war, und sein Vater ließ ihn gewähren, weil auch sein Vater es lustig fand." (47 eBook)Kurz und gut: nachdem ich auch nach ungefähr 150 bis 200 Seiten nichts gelesen habe, was mich anspricht, weder Gedanken, die mich zum Nachdenken bringen, noch eine schöne Sprache, habe ich das Buch abgebrochen.

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    • 5
  • Die Enttäuschung des Jahres 2017

    4 3 2 1

    Jari

    11. June 2017 um 15:51

    Als ich erfuhr, dass ein neues Werk von Paul Auster erscheinen soll, habe ich mir das Buch sofort vorbestellt. Zu keiner Zeit zweifelte ich daran, dass mir "4321" gefallen wird. Damit, dass ich es abbrechen werde, nein, damit habe ich nie und nimmer gerechnet. Ich kam bis etwa Seite 400, aber da war der Frust bereits riesig. Dieser hatte sich bereits bei ca. Seite 200 eingestellt. Irgendwie kam mir alles so... banal vor. An keiner Stelle geschah irgendetwas, das mich wirklich mitgerissen oder begeistert odert entsetzt hätte. Die Fergusons leben ihre Leben, aber andere Rezensionen bestätigten, was ich bereits gefürchtet hatte: die Lebensstränge unterscheiden sich kaum. Bereits nach 400 Seiten kann ich die einzelnen Abschnitte nicht mehr richtig unterscheiden, da die Ähnlichkeiten zu frappierend sind. Ausserdem kann ich leider mit der Hauptperson und mit seiner gesamten Familie auf keinem Lebensstrang etwas anfangen. Ferguson ist langweilig. Seine Familie ist langweilig. Der Junge kann einfach alles, ist aalglatt. Was interessiert mich dessen Leben, wenn eh alles glatt laufen wird? Ich mag Charaktere mit Ecken und Kanten. Solche, die direkt aus dem Leben gegriffen sind. Solche Helden wie Ferguson gibt es höchstens in Hollywoodstreifen. Aber in diesen geschieht immerhin ab und zu etwas Spannendes. Zusätzlich zu seinem Hauptcharakter portraitiert Auster auch die Geschichte Amerikas und jene der Stadt New York. Mag spannend sein, ist es hier aber für mich nicht. Zu oft wird man unterdessen mit der Geschichte Amerikas konfrontiert. Wahrscheinlich wissen wir Europäer mehr über die Geschichte Amerikas als umgekehrt. Kürzlich erst habe ich mich durch Amos Oz' "Eine Geschichte von Liebe und Finsternis" gequält. Ja, gequält, weil Familiengeschichten definitiv nichts für mich sind. Aber bei Oz lernt man zumindest noch etwas über das Land Israel, von dem ich um einiges weniger weiss als von den USA, die uns beständig mit ihrer Anwesenheit beglücken. Nein, der Frust war nach 400 öden Seiten so hoch und mein Glauben an einen (ehemaligen?) Lieblingsautoren so gesunken, dass ich keine Seite weiter in "4321" lesen will. Wo ist der Autor von "Man in the Dark" geblieben? Das Magische im Magischen Realismus? Im Gegensatz zu erwähntem Buch ist "4321" einfach ein Werk von Vielen. Jeder, der einen Kurs in kreativem Schreiben besucht hat, kann so etwas produzieren. Während frühere Werke Austers tatsächlich noch Kreativität und Originalität in sich trugen. Schweren Herzen verabschiede ich mich von Paul Auster als einem meiner Lieblingsautoren. Ich werde mich an die älteren Titel halten, aber die Enttäuschung und der Frust haben sich in mir festgefressen...

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  • 4321…meins!

    4 3 2 1

    GillGartenstadt

    19. May 2017 um 11:04

    Wenn Bücher mit Büchern sprechen... ist eine dieser speziellen Wahrnehmungen des Archibald Ferguson, die mir so gut gefallen haben. Bücher unterhalten sich in seinem Kopf mit Büchern. Er hat diese Empfindung zum ersten Mal beim Lesen der ersten Seite von »Der Fänger im Roggen« von J. D. Salinger. Allerdings kann ich nun nicht mehr sagen, welcher der vier Fergusons darüber nachgedacht hat, denn ich habe es leider vergessen. Und kann es auch nichtmehr nachschlagen. Es wäre purer Zufall, wenn ich genau diese Stelle zwischen all den Seiten wiederfinden würde.Beim Lesen von Paul Austers Opus magnum, von dem er sagt, er habe sein ganzes Leben darauf gewartet, dieses Buch zu schreiben, habe ich ein tiefes Glück empfunden, mitzuerleben, wie wundervoll dieses außergewöhnliche und originelle Buchkonzept aufgeht. Anfangs hat es mich ein wenig an »Die Möglichkeit einer Insel« von Michel Houellebecq erinnert, in dem sich die Perspektiven zweier Protagonisten abwechseln: Daniel 24 ist ein Klon des Daniel 1, und es liegen 2000 Jahre zwischen ihnen, wenn Daniel 24 das Tagebuch von Daniel 1 liest.Hier nun ein Roman, der viermal das Leben des Archibald Ferguson erzählt. Er liest sich wie ein Musikstück, das viermal die tragende Melodie in anderer Tonart variiert. Die Lebensmelodie des Archibald Ferguson klingt viermal überraschend anders. Dennoch fügen sich alle vier Teile zu einem fulminanten Gesamtwerk zusammen, da in allen Variationen die prägnantesten Motive wiederkehren, in diesem Fall also Orte, Menschen, Geschehnisse und Charaktereigenschaften, die immer wieder aufs Neue miteinander kunstvoll variiert und verwoben sind. Als spielte der Schriftsteller an einer Hammond Orgel und modulierte behutsam seine Komposition, damit sich mal der eine dann der andere Charakterzug von Archibald ausbildet, zum klingen kommt, um mit seinem Umfeld immer ein wenig anders zu interagieren.So liest man also viermal die Kleinkindzeit, dann viermal in Folge die ersten Schuljahre und so weiter, und jedesmal erfährt man eine kleine, manchmal große Abwandlung von Archibald Fergusons Leben. Mal ziehen die Eltern in die eine Kleinstadt, dann in eine andere, mal fällt der kleine Archibald vom Baum, bricht sich das Bein, und während er den ganzen Sommer liegen muss, denkt er darüber nach, was passiert wäre, wenn seine Eltern in eine andere Kleinstadt, in ein anderes Haus gezogen wären, in dessen Garten eben kein Baum gestanden hätte von dem er hätte fallen und sich das Bein brechen können... Dann rennt ein fast jugendlicher Archibald im Ferienlager übermütig kreischend durch den Regen in den Sturm hinaus, fühlt sich frei und glücklich, so glücklich, sein Leben noch vor sich zu haben, als der Blitz in eine Baumgruppe fährt und er von einem Ast erschlagen wird. Dann läuft der Roman nur noch mit drei Fergusons weiter.Zunächst hatte ich befürchtet, beim Eintauchen in die vier verschiedenen Lebensmöglichkeiten den jeweiligen Faden zu verlieren und vielleicht nicht mehr in der Lage zu sein, genau zuzuordnen, was welchem Ferguson im vorherigen Lebensabschnitt passiert ist, aber dem war nicht so. Ich habe mich in diesen Roman wunderbar fallen lassen können und wurde immer wieder durch kleinere, geschickt gestreute Erinnerungen in der Erzählung sanft aufgefangen, sodass mir schnell wieder einfiel, mit welchem der vier ich die Ehre hatte. Mal stirbt der Vater und Ferguson und seine Mutter ziehen nach New York, mal lassen sich die Eltern scheiden und der Vater entfernt sich aus ihrem Leben und sie bilden eine neue Patchworkfamilie. So wird Amy mal Fergusons Stiefschwester, mal seine Freundin, mal bleibt sie seine unerfüllte Liebe. Dass die Menschen, die um Archibald einen Personenkreis bilden, bis auf wenige Ausnahmen in fast jeder Biografievariation anwesend sind, aber nur eben verschieden starke Verbindungen zu ihm aufbauen und auch untereinander entwickeln, hat einen überaus großen Unterhaltungswert, wie auch das Glück und manchmal auch das Pech der anderen Figuren mitzuverfolgen. Mal geht der Vater pleite, mal wird er steinreich, mal wird die Mutter eine bekannte Fotografin, mal gibt sie ihr kleines Fotostudio auf...In Austers Roman scheint es mir jedoch nicht nur um den viel zitierten Zufall zu gehen, sondern auch um das Vergessen. In der Eingangsszene wird von Archibalds Großvater erzählt, der als russischer Jude nach Amerika kommt und ihm ein Mitreisender rät, sich Rockefeller zu nennen, wenn er gefragt würde. Und als er dann an der Reihe ist, ist ihm der Name schon entfallen, und er schlägt sich auf die Stirn und stammelt »I hob vargessen!« So bekommt er den Namen Ferguson, der das Vergessen schon in sich birgt.Wie auch in diesem Roman, verlieren einzelne Ereignisse durch das Vergessen an Relevanz, in der Erinnerung verschwimmt ein Leben zusammen mit all den Möglichkeiten, die es hätte haben können, zu einem einzigen. So werden ja auch wir auf unserem Schicksalsweg immer auch ein wenig von unseren anderen Ichs begleitet, die wir hätten sein können, wenn wir uns irgendwann anders entschieden hätten. Aber das wirklich Schöne ist doch die Erkenntnis, dass wir, egal was uns zustößt, im Kern immer dieselben bleiben.Wenn Bücher mit Büchern sprechen... Natürlich ist die Literatur das zentrale Thema von 4321, Archibald Ferguson ist introvertiert, liebt das Alleinsein und denkt sehr viel über das Leben nach. Mit all seinen Facetten ist er mir schnell ans Herz gewachsen, und besonders der adoleszente Archibald hat mich immer wieder an Marcel, den Protagonisten von Prousts »Auf der Suche nach der verlorenen Zeit« denken lassen. Und Archi liest sich durch den Kanon der Weltliteratur und entwickelt eine Schwäche für französische Literaten. Er liest sie alle – außer Proust und wird Journalist oder Lyriker und eine Ausgabe von ihm darf sogar in Paris bei einer Freundin seiner berühmten Fotografenmutter leben und einen Roman schreiben. Für seine Gedichte, die er aus dem Französischen übersetzt, findet er – der Lyriker – durch Freunde in New York einen kleinen Verlag, und für den Einband wählt er die Farbe Mauve. Mauve? Ist das nicht die Lieblingsfarbe von Marcel? Allerdings ist in Prousts Roman das zentrale Thema das Erinnern, nicht das Vergessen.4321 muss man als literarisches Gesamtkunstwerk begreifen, das einen absichtlich verwirren möchte, sodass man tatsächlich vergisst, welcher Ferguson welcher ist. Aber dafür sieht man den einen: Paul Auster hat sich in diesem geistreichen Gedankenspiel viermal selbst reproduziert, denn ist es nicht so, dass sich in den Romanfiguren das Ich eines Schriftstellers viel deutlicher zeigt und schöner zum Klingen kommt als in der Realität?Auf den letzten Seiten angelangt, las ich mit Gänsehaut, wie die Idee für den Roman nun wirklich zustande gekommen ist; sie basiert auf einen alten jüdischen Witz. Und die Geschichte findet wieder zum Anfang, wenn Archibald Ferguson beschließt, nach Paris zu reisen und genau diesen Roman über vier Fergusons zu schreiben.»Und als er am 25. August 1975 das letzte Wort schrieb, hatte das Manuskript einen Umfang von eintausendeinhundertdreiunddreißig Seiten mit doppeltem Zeilenabstand.«Da bekommt man direkt Lust, das Buch noch einmal von vorne zu lesen!

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    • 5
  • Rezension: 4 3 2 1

    4 3 2 1

    killmonotony

    06. May 2017 um 14:33

    Was für ein Koloss! Von vielen wurde „4 3 2 1“ als Opus Magnum Austers bezeichnet, und ich denke, das trifft durchaus zu! Zunächst eingeschüchtert von der Größe (1200 Seiten! Mein dickstes Buch bisher!), habe ich mich doch nicht direkt ran getraut. Doch einmal angefangen, flogen die Seiten nur so dahin. Es geht also um Archie Ferguson, nein, gleich vier Archies, die im Amerika der 50er/60er Jahre aufwachsen und erwachsen werden. Paul Auster erzählt die Lebensgeschichten von gleich vier Archie Fergusons, die „identisch, aber verschieden“ sind und durch anders verlaufende Ereignisse, anders getroffene Entscheidungen etc. jeweils ein völlig anderes Leben führen. Archie, der immer von der Liebe gebeutelt zu sein scheint, durchlebt die Zeit des Aufschwungs, des Krieges und der Revolution, und das an der Seite von Familie und Freunden (die sich natürlich auch unterscheiden, obwohl es gewisse Konstanten gibt). In der einen „Welt“ noch geliebt und glücklich mit seinem Traumjob, verfällt er doch bei der nächsten Version seiner Selbst in leichten Alkoholismus, ist immer auf der Suche nach der großen Liebe oder zumindest nach Sex, vom Unglück gejagt oder doch von Freunden umringt: Die vier Leben des Archibald Ferguson unterscheiden sich teilweise in seinen Eigenschaften und Charakterzügen, beispielsweise seinem Interesse an Politik, seinem Berufswunsch oder aber seinen Hobbys; andererseits gibt es auch äußere Faktoren, die sich in jeder Version unterscheiden: Archies familiäres Umfeld, sein Liebesleben, seine Verwandtschaft. Sein Leben fing gerade erst an, sagte Ferguson sich, sein Leben hatte noch nicht einmal begonnen, doch der wesentliche Teil von ihm war schon tot. Nach meinem zuletzt gelesenen Auster, „Travels in the Scriptorium“, der unter 200 Seiten füllt, ist „4 3 2 1“ natürlich das krasse Gegenteil mit seinen 1250 Seiten. Doch nachdem man einige Kapitel geschafft hat, bekommt man einen richtigen Lesefluss und die doch sehr langen Formulierungen werden immer angenehmer zu lesen. Am Anfang dachte ich allerdings, das gesamte erste Kapitel (1.0-1.4) sei eine Einleitung, bis ich dann in 1.4 erst mal gemerkt habe, dass die Überlegung Archies in einem der ersten Unterkapitel, wie es wäre, ein anderes Leben zu führen, direkt schon umgesetzt wurde! Völlig durcheinander musste ich die ersten Seiten erneut lesen. Dann haben mich anfangs diese Bandwurmsätze, die sich oft über ganze Seiten strecken, immer wieder dermaßen eingeschläfert, dass ich nicht so recht voran kam; vor allem schwierig, wenn man abends im Bett „nur noch bis zum Absatz“ lesen möchte, dieser aber nicht vorhanden ist.  Spätestens aber nach 300 Seiten ist man drin und der Schreibstil fesselt einen richtig. Zu Beginn des Buches bin ich auch mit der Annahme gestartet, dass doch bestimmt jedes der Kapitel zehn Jahre von Archies Leben erzählt, so dick, wie das Buch ist – doch weit gefehlt! „4 3 2 1“ berichtet von vier Leben Archies, jedoch nicht über seine 20er hinaus. Das mag jetzt ein wenig erschreckend klingen, ist auch so: Jedes kleine Detail seiner jungen Jahre wird detailgetreu wiedergegeben, alle Personen, die mit ihm verwandt oder befreundet sind, werden mit einer Lebensgeschichte bestückt, und diese „Tour de Force“ durch Archies Leben und sein Umfeld beschreibt auch jede Menge politische Ereignisse, was mich etwas gestört hat. Natürlich gehört es zum Leben eines Jeden, dass die Politik gewisse Entscheidungen oder Erlebnisse beeinflusst, aber da mich „so etwas“ nicht so sehr fesselt, war ich dann doch etwas genervt über die Detailtreue, die Auster jedem Ereignis betreibt. Ich finde Details und Vorgeschichten und das ganze Drum und Dran bei Charakteren sehr interessant und auch wichtig für die Geschichte, aber Auster berichtet viele, viele Seiten lang von politischen Ereignissen, die ich storytechnisch doch eher uninteressant fand. Durch die Detailtreue Austers sind allerdings alle größeren Charaktere (und sogar viele Nebencharaktere, selbst die kleinen Liebschaften Archies etc.) dermaßen ausgefleischt, es ist Wahnsinn! Auster hat es geschafft, dass man bei dem ganzen Verwandtschafts- und Freundesgewusel nicht durcheinander kommt und immer ein bisschen (oder ein bisschen mehr, je nach Person) Background hat. Ich mag den Erzählstil sehr; Es gibt einen omnipotenten 3. Person-Erzähler, der auch gerne mal Geschehnisse kommentiert oder mit seinem Wissen vorgreift und uns teast, was noch kommt. Das hat mir richtig gut gefallen, ich mag Erzähler, die in Erscheinung treten und z.B. auch gerne mal mit dem Leser kommunizieren. Die komplette Rezension findet ihr auf meinem Blog: http://killmonotony.wordpress.com

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  • Variationen eines Lebens

    4 3 2 1

    UteSeiberth

    27. April 2017 um 08:58

    Im Mittelpunkt des Romans steht Archibald Ferguson,genannt Archie, der in Newark lebt und in den 50-ger Jahren dort aufwächst.Es sind 4 Versionen vom Leben des jungen Archie,einmal provinziell und bescheiden, dann kämpferisch und verwegen.Alle vier sind vollgepackt mit Abenteuern,Liebe und Lebenskämpfen eines unberechenbaren Schicksals.Manchmal etwas mühsam zu lesen sind die ausufernden Sätze,aber das scheint Austers Stilmittel zu sein in diesem Roman.Das Buch ist sehr lesenswert,aber man braucht einen langen Atemum es zu bewältigen.Es ist gleichzeitig ein episches Porträt der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Amerika,das finde ich besonders interessant an diesem Buch.

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  • Ein Meisterwerk!

    4 3 2 1

    Lysander

    24. April 2017 um 18:48

    „4 3 2 1“ ist nach längerer Zeit mal wieder ein Buch, das es in mein Bibliotheksregal der Allzeitfavoriten geschafft hat. Mir fällt für diese Leseerfahrung kein anderer Begriff ein als: beglückend! Warum gefällt mir dieser Roman so gut? (1)    „4 3 2 1“ ist Gesellschaftsroman, Familienroman, Campus-Roman, New-York-Roman, Bildungsroman, Entwicklungsroman in einem: Er ist für mich das, was ich als die „Great American Novel“ bezeichnen würde und angesichts der Vielschichtigkeit des Inhalts eine intellektuell wie emotional unglaublich bereichernde Leseerfahrung. (2)    Die Sprache Austers ist sehr flüssig, und obwohl die Sätze manchmal lang sind, ist der Text sehr einfach zu lesen. Die Sprache ist ausgesprochen virtuos, das ist auch eine große Leistung der Übersetzer. (3)    Der Roman spricht mich persönlich-biographisch sehr an. Zwar war ich noch ein kleines Kind zu der Zeit, in dem er hauptsächlich spielt (in den sechziger Jahren), aber einiges, was ich sehr diffus in Erinnerung habe (z. B. Ermordung Kennedys, Vietnam-Krieg, Blackpower-Bewegung) sehe ich nun klarer. (4)    Als ich im vergangenen Jahr in New York war, habe ich mich auch im Bezirk der Columbia University / Morningside Heights aufgehalten. Da viele Szenen dort spielen, konnte ich mir diese sehr gut bildlich vorstellen. (5)    Austers Roman ist in dem, was er an menschlicher Erfahrung transportiert so universell, dass ich fest davon überzeugt bin, hier Literatur zu lesen, die bleibt und so, wie wir heute noch Balzac oder Zola oder Fontane oder Henry James oder Tolstoi u. v. m. mit großem Gewinn lesen können, werden auch die verbleibenden Leserinnen und Leser der Zukunft dieses Werk wertschätzen. Ich möchte noch zwei Anregungen geben: In einigen Kommentaren hier habe ich gelesen, dass der Umfang des Romans abschreckend sei. Das kann ich gut verstehen und empfehle daher, sich dieses Buch vorzunehmen, wenn man mehrere Lesetage am Stück hat. Es ist schwer, das Buch wieder aus der Hand zu legen. Des Weiteren empfehle ich, sich einige kurze Notizen zu den 4 Fergusons zu machen, dann findet man sich wunderbar zurecht. Ich gäbe 6 Sterne, wenn das möglich wäre und hoffe, dass viele, viele sich diese Leseerfahrung nicht entgehen lassen.

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  • 4321... meins ...

    4 3 2 1

    thursdaynext

    Die Einflüsse der Umwelt auf die Entwicklung und das Leben eines Jungen sind Thema von Austers Monumental Studie 4321. Die Einflüsse der Genetik bleiben außen vor. Einerseits bedauerlich, da es interessant gewesen wäre, andererseits nötigt Auster seinen Lesern bereits ohne diese Fragen viel Geduld und Durchhaltevermögen ab. Zweifellos ist sein Stil großartig, das Sittengemälde, der Zeitgeist und die gesellschaftspolitischen Entwicklungen der Fünfziger und Sechziger Jahre der USA und das Innenleben des angehenden Schriftstellers recht interessant, auch wenn seine pubertäre Phasen schwer erträglich ware. Die verschiedenen Leben des Archie Ferguson, seinem vervielfachtem Protagonisten, insgesamt durchaus packend. Auster konnte meine Anteilnahme und Interesse fast durchweg erhalten. Spannend hätte ich es gefunden zu erfahren wieviel autobiographisches der Autor hier miteingearbeitet hat, denn das hat er nach Eigenaussage. Leider entstand nach der anfänglichen Euphorie - die sich aus der Leichtigkeit seiner Sprache , der Fähigkeit eloquent und doch einfach lesbar zu formulieren - dem Seitenverschlingen, bei mir aufgrund der schieren Masse an Seiten – dabei liebe ich eigentlich voluminöse Lektüre, bevorzuge aber leichtgewichtiges Softcover - Wörtern, Sätzen, Entwicklungen das Gefühl breit durch einen zähen Brei an Buchstaben, Wörtern, Sätzen zu waten ohne dem Ende näherzukommen. Dem mit Spannung erwartetem Ende wohlgemerkt, dessen Nahen schließlich mit der Furcht vor Enttäuschung daherging. Ein Abschluss der fulminant sein sollte um nicht das Gefühl der Zeitverschwendung, verloren in diesen Tausenzweihundertachtundfünzig Seiten Plauderei und Rückblick auf das Leben eines Mittelschichtkindes und seines Strebens nach Glück, aufkommen zu lassen. Dies ist nicht geschehen. Stattdessen erhielt ich interessante Einblicke , gestützt durch die Faszination dieses What if Blickwinkels , litt mit einigen der Protagonisten und unter anderen. Bedauerte nicht mehr über jene und weniger über diese zu erfahren und bekam Schmerzen in den Händen vom Halten dieses dicken Wälzers. Eines Wälzers dessen Entstehung - schrieb Auster erst vier unetrschiedliche Romane mit gleichem Sujet oder wie ging er vor? - im Rückblick interessanter erscheint als der eigentliche Roman, denn Einblicke in diese diesen zwei Jahrzehnte währenden Zeitabschnitt der USA gibt es en masse und etliche davon erzählen interessantere Geschichten. So bleibt am Ende nur die Hochachtung vor Arbeit, Idee und besonders Stil sowie die Erleichterung sowohl geistig wie auch körperlich (the Weight!) mit diesem Roman und seinem Ende abgeschlossen zu haben. Die Faszination der Entwicklung dieses Kindes in vierfacher Form erleben zu dürfen und etliche Gedankengänge des Ferguson, Austers vervielfältigtem Alter Ego zu goutieren. Die Form dieses Romans ist einzigartig, vier Romane in einem, jeweils in die aktuellen Lebensabschnitte des jungen Ferguson aufgeteilt, so wie es konzipiert ist ist dieses Buch genau richtig, eine bessere Form um das Anliegen des Autors zu transportieren kann ich mir nicht vorstellen, dennoch war es gefühlt weniger Lesegenuß als Fleißarbeit und Mühsal, daher bin ich bei meinem Fazit auch leicht zwiegespalten. Bergsteiger mit literarischem Faible dürften 4321 wohl am meisten lieben. Soweit mag ich nicht gehen, dazu ist es mir, auch wegen der bloßen Konzentration auf einen Protagonisten nicht abwechslungsreich und inspirierend genug. Ein unwiederholbares - die Vorstellung mich noch einmal auf diesen Leseweg zu machen ist abschreckend - Erlebnis bleibt 4321 und daher ist es mit dieser geringfügigen Einschränkung sehr empfehlenswert besonders für literarische Alpinisten.

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    • 11
  • Ein Lebenswerk, das nicht endet

    4 3 2 1

    leserattebremen

    16. March 2017 um 14:58

    Archie Fergueson - ein Leben, vier Varianten. In seinem neuen Roman „ 4 3 2 1“ erzählt Paul Auster die Geschichte eines Enkels jüdischer Einwanderer, geboren in Newark 1947. Doch er erzählt das Leben von Archie nicht linear, sondern in all seinen Möglichkeiten. „4 3 2 1“ - genau so viele Möglichkeiten erschafft er rund um die Hauptfigur und spielt sie in ihren Varianten durch. Wie könnte sich Archies Leben entwickelt haben, wenn er oder seine Eltern an eben dieser oder jener Kreuzung im Leben eine andere Entscheidung getroffen hätten?Paul Austers neuer Roman ist ein wahres Meisterwerk und trifft meiner Meinung nach perfekt den Ausdruck des großen amerikanischen Romans. Er schafft es, mit dem Leben von Archibald Fergueson eine prägende Phase der amerikanischen Geschichte zu beschreiben, die Zeit der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki bis zum Vietnamkrieg, die Präsidentschaft Kennedys und sein Tod spielen ebenso eine Rolle wie Krieg in Korea und die Studentenunruhen Ende der 60er Jahre. Das besonders Spannende ist hierbei, dass die Leben der vier Archibalds, wenn man es denn so nennen will, sich nicht so grundlegend unterschiedlich entwickeln, dass es unglaubwürdig werden könnte. Im Gegenteil, es sind Nuancen, die sie voneinander trennen und sie gleichzeitig so unterschiedlich machen. Die Erfahrung in einer intakten Familie aufzuwachsen oder den Vater früh zu verlieren, die Unterstützung, die man aus dem Bekanntenkreis bekommt und die bestimmte Talente besonders fördert, und die Mädchen, die entweder zur großen Liebe oder zur angehimmelten Stiefschwester werden können. All diese kleinen Unterschiede machen die Lektüre dieses Romans so unglaublich spannend und nie langweilig, auch wenn die über 1200 Seiten, auf denen Auster sein großes Werk ausbreitet, eine wirklich Herausforderung sind. Davon sollte man sich aber auf keinen Fall abschrecken lassen, Paul Austers Roman „4 3 2 1“ ist auf eine besondere Art herausragend, ein Meisterwerk und Lebenswerk zugleich, das sich mit nichts vergleichen lässt, das ich bisher gelesen habe. Viele biographische Elemente von Archie lassen sich auch im Lebenslauf von Paul Auster wiederfinden und zum Schluss verschmelzen beide Figuren, der Autor und der Erzähler, quasi miteinander, wenn sie die Intention des Buches erklären. Für mich bleibt abschließend nur zu sagen, dass ich dieses Roman von Paul Auster für grandiose Literatur halte, ein Buch, dass niemals wirklich abgeschlossen ist und einem als Leser weiterlebt und arbeitet. 

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    • 3
  • Kein leichtes Buch, sowohl von der Thematik als auch von der Sprache. Aber überaus genial.

    4 3 2 1

    Floh

    Starke und gewichtige Literatur in allerlei Hinsicht! Angefangen von der Stärke dieses Wälzers mit seinen mehr als 1264 (!) Seiten, über das starke Eigengewicht von weit über einem Kilogramm Buch, bis hin zur gewaltigen und gewichtigen Sprachkunst und Bedeutung eines jeden einzelnen Wortes im Buch!!! Ich habe kaum ein Buch gelesen, das mich so lange gefangen hielt und zwischen kurzfristigen Abbruchgedanken und Weiterlesen hin und her riss! Ein Buch, was mich auf höchstem Maße beeindruckt hat, arg frustriert und geärgert hat um im selben Atemzug schiere Bewunderung und Hochachtung hervorzurufen. Ja, tatsächlich, Paul Auster hat mich mit seinem neuen in seiner Hand. Meine Erwartungen an Paul Austers Schreibkünste waren enorm hoch, sein neues Buch 4321 ging durch die Medien und die Presse. Und auch aktuell ist dieser Wälzer in aller Munde und wird auf Literaturplattformen und in der großen Bücherwert stark diskutiert, analysiert und durchleuchtet. Ich wurde durch einen Zeitungsartikel in einer Beilage unserer Tageszeitung auf dieses hochgelobte und preisgekrönte Werk sehr neugierig und fieberte dem Erscheinungstermin arg entgegen. Ein so kontrovers und auf allen Ebenen diskutiertes, beinahe ausgeschlachtetes Buch, weckt mein Interesse. .... Ich zähle mich als neugierige Leserin von großen Herausforderungen, ich liebe und begrüße neue Stilmittel und genieße die Wahl einer besonderen Sprachkunst. Und all das habe ich auf bemerkenswerter Weise in diesem historisch geprägten Roman, sehr gesellschaftskritischen und mahnenden, sowie hoffnungsvollen Roman gefunden und erlebt. Nicht immer mit gleicher Euphorie und Schwung, aber stets mit Bewunderung und Hochachtung. "4321" ist trotz, dass es bei mir unheimlich viele Hürden und Auf und Abs nehmen musste, ein bemerkenswertes und sehr kostbares Stück Literatur, welches mich auf besonderer Art und Weise ziemlich zufrieden und sehr stolz zurück lässt! Was für ein Buch – ich hoffe, ich kann diesem Meisterwerk, dieser Ausnahmeliteratur, mit meiner Rezension, in der ich nicht nur Euphorie Widerspiegeln kann, sondern auch Kritik und etwas persönlicher Überforderung beim Lesen. Ich bin zwar sehr belesen (wenn ich an die vielen Bücher denke, die durch meine Hände gleiten), aber nicht in allen Themen genügend belesen, um Wahrheit und Authentizität in allen Ebenen bewerten zu können. Ja, dieses Werk stapelt sehr sehr hoch, ich reiche mit meinem kleinen Köpfchen nicht immer an dieses Niveau heran. Das muss ich einfach eingestehen und erwähnen. … Ich würde am liebsten kapitulieren, aber dieses Werk hat jede noch so positive, wie auch kritische Leserstimme verdient. Paul Austers neuer Roman „4321“ bringt es auf stattliche 1264 Seiten und verlangt dem Leser einiges an Kondition und Durchhaltevermögen ab. Dieses Literaturwunder ist im Rowohlt Verlag erschienen (https://www.rowohlt.de/). Zunächst hervorgehoben: dieses Buch ist keine leichte Kost! Wer einen Roman für das schnelle Lesen oder Verschlingen sucht, ist hier ganz gewiss falsch. „4321“ trägt zwar einen einfachen Titel, das Buch erfordert jedoch Kondition, Muße, Konzentration und Geduld und eine gewisse Bildung (wenn ich das so äußern darf?). Dieser Roman braucht Zeit, darauf deutet bereits die Seitenzahl von mehr als 1264 Seiten Buch hin. Dieses Werk nimmt sich etwas heraus, was man wirklich nicht oft in der weiten Romanwelt findet: Genialität und Vielseitigkeit. Der offene und neugierige Leser, wird sich in Paul Austers Stil und seinem Talent verlieren oder hat ihn bereits unter seinen Favoriten ernannt, wer keine anspruchsvollen Lektüren mag, der wird mit diesem Roman kein Glück haben. An die Leser, die nicht genug bekommen können von poetischen Bildern, wortgewandten Dialogen, gehobener Sprache und erstaunlichen Intellekt: bitte greift zu diesem Werk! Inhalt / Beschreibung:"Paul Auster, der bekannte amerikanische Bestsellerautor, legt in Gestalt eines Rätselspiels sein bisher umfangreichstes Werk und Opus magnum vor: die vierfach unterschiedlich erzählte Geschichte eines jungen Amerikaners in den fünfziger und sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts – ein Epos voll mit Politik, Zeitgeschichte, Liebe, Leidenschaft und dem wechselvollen Spiel des Zufalls.'4 3 2 1' – das sind vier Variationen eines Lebens: Archibald Ferguson, von allen nur Archie genannt, wächst im Newark der fünfziger Jahre auf. "Was für ein interessanter Gedanke", sagt er sich als kleiner Junge, "sich vorzustellen, wie für ihn alles anders sein könnte, auch wenn er selbst immer derselbe bliebe. Ja, alles war möglich, und nur weil etwas auf eine bestimmte Weise geschah, hieß das noch lange nicht, dass es nicht auch auf eine andere Weise geschehen konnte." Im Verein mit der höheren Macht einer von Paul Auster raffiniert dirigierten literarischen Vorsehung entspinnen sich nun vier unterschiedliche Versionen von Archies Leben: provinziell und bescheiden; kämpferisch, aber vom Unglück verfolgt; betroffen und besessen von den Ereignissen der Zeit; künstlerisch genial begabt und nach den Sternen greifend. Und alle vier sind vollgepackt mit Abenteuern, Liebe, Lebenskämpfen und den Schlägen eines unberechenbaren Schicksals …'4 3 2 1' ist ein faszinierendes Gedankenspiel und ein Höhepunkt in Austers Schaffen. Seine großen Themen, das Streben nach Glück, die Rolle des Zufalls, Politik und Zeitgeschichte von Hiroshima bis Vietnam – alle sind hier versammelt und verdichtet in den hoffnungsvollen Lebenswegen eines jungen Mannes, der sein Glück in der Welt zu finden sucht."Zusammenfassende Handlung / der Themenkomplex: „Ein Buch mit Vier Leben“, so wird der Titel angekündigt. Und diese Metapher trifft vollkommen zu. In diesem Buch erzählt der Autor Paul Auster die Lebensgeschichte beginnend mit der Kindheit, Jugend und das Erwachsenenalter seines Egos Archibald Ferguson. Dieser Roman berichtet Fergusons Leben aus 4 Perspektiven, wo Paul Auster sich dazu anschickt, zentrale und zufällige Ereignisse zu skizzieren, die jeweils entscheidenden Einfluss auf unser Leben nehmen und adaptiert diesen Einfluss der Umwelt und des Schicksals auf die vier Leben des Archibald Fergusons. Vier einzigartige Schilderungen und Umsetzungen eines Lebens, die sich durch winzige Einflussgrößen unterscheiden und zu einem großen Zerwürfnis und die Darlegung vier unterschiedlicher Lebensgeschichten für Archibald herausstellen. Die Trennung der Eltern, oder die Fortsetzung der Ehe; der Umstand von finanzieller Sicherheit oder eben das Leben am Existenzminimum; die große Liebe als Erfüllung, oder das ewige Alleinsein; eine Beziehung die ein Ende finden muss, aber an einer Liebe festhält… Große Sinnfragen, viele Möglichkeiten und Blickwinkel. Paul Auster misst den ausschlagebenen Punkten und Entscheidungen größte Bedeutung zu, die immer wieder Einfluss auf Archibald Leben und Lebensweg nehmen. So stellen wir Leser uns an Fergusons Seite, erleben mit ihm die Liebe zur Schriftstellerei, wir erleben seine Liebe und Beziehungsmoral zu Amy Schneidermann, der er sein Herz schenk, dessen Beziehung aber auf unglücklichen Fundamenten beruht. Sein Elternhaus, die Ehe der Eltern, das Spiel mit der Trennung oder dem Beibehalten der Eheschließung… alles hinter den Kulissen und Gesellschaftsformen der 1950iger bis 1970iger Jahre. Ein geballtes Kompendium an sozial- und gesellschaftskritischen Themen, interessanten Einflüssen und Ereignissen, eine Art offenbarender Familienroman, ein lukratives Zeitportrait und eine Poesie in den Zeilen, die zum Nachsinnen anregt. Ein stark autobiografischer Roman, der auch in die tiefe Seele des Autors blicken lässt. In seinem Roman entfaltet der Autor Paul Auster ein streitbares Panorama vierer Verläufe einer Existenz, die jedoch das Wirken und Werden seines Umfelds und anderer stark beeinflusst. All das vermag der Autor auf seinen Protagonisten Archibald Ferguson zu transportieren und zeigt uns seine Kindheit, Jugend und seine jungen Jahre als Erwachsener. Wenn ich mich in Archibald vertiefe und in sein Gemüt und seine Gedanken eindringe und diese nachzuvollziehen versuche, sie reflektieren möchte, um ihn zu verstehen und zu begleiten, denke ich Paul Auster stellt sich in seinem Werk manchmal auch selbst dar! Wie viel Auster steckt in diesem Buch, in Ferguson, tatsächlich? Schreibstil:Das Besondere an diesem Werk ist Paul Austers glanzvolle und überaus mutige Sprache, die dieses Werk so erblühen lässt. Zweifellos hat sich Paul Auster in 4321 eine eigene Welt erbaut, in die er seine Leser entführt und mitnimmt. Allein die Kapitelüberschriften sind bis ins kleinste Detail durchdacht und so vollkommen und spiegeln die Inhalte des Kapitels je im weit übertragenden Sinne wider und untermauern den Titel 4321 mit seiner Gliederung. Der Schreibstil erlaubt zunächst kein einfaches lesen und setzt Zeit und Muße sowie Konzentration voraus. Im Verlauf der Exkursion durch diesen Roman und den Lebensgeschichten Archibalds, im Fortschreiten mit jeder Zeile, jeder Seite, jeden Perspektivenwechsel trifft man auf unterschiedliche Passagen und Fakten die man zuvor gelesen hat, die sich erst mit fortschreitenden Seiten wieder zusammensetzen und einen Sinn ergeben. Manches erklärt sich aber auch erst sehr viel später, oder erst beinahe am Ende des Buches. Der Leser sollte also Geduld für diesen Ausnahmeroman mit seinen knapp 1265 Seiten Erzählkunst und höchstem Anspruch mitbringen. Sprachlich gekonnt, und sehr beeindruckend. Keine Frage, aber dennoch konnte ich bis fast zur allerletzten Seite nicht ausmachen, wohin mich dieses Buch leiten möchte. Die Aussage darin ist stets präsent, aber wie wird das Buch Enden, wird es ein Ziel geben? Für die ersten 100 Seiten brauchte ich eine Gewöhnungszeit um mich dem Fluss und dem Strom der leitenden Worte anzupassen und mich fallen zu lassen. Hier denkt sicherlich so mancher Leser an ein vorzeitiges Beenden. Auch ich habe mit diesem Gedanken gespielt. Nun bin ich froh, mich darüber hinweggesetzt zu haben. Aber auch immer wieder im weiteren Verlauf des Romans und der Erzählungen kommt man an Punkte, wo man sich langweilen wird, oder sich einfach nur wünscht, endlich mal wieder etwas anderes zu lesen, die Nase in einfachere Bücher stecken zu können. Hier empfehle ich ganz klar eine Lesepause, die aber auch nicht zu lang sein sollte, um nicht den Bezug zu verlieren. Dieses Buch möchte wohldosiert und je nach Gusto und Lesegewohnheit, oder Lesegeschmack und Auffassungsgabe in homöopathischen Dosen, oder gleich als ganze Dröhnung dem Leser zugeführt werden. Paul Auster erzählt, phantasiert bringt Zeiten und Welten, sein Wissen und Zeitgeschichte ein. Von Beginn der Erzählung an ist man drin, liest sich fest, den steinigen und wendigen Weg als Ziel, die Freude an den einzelnen Geschichten und geprägte Leben (ich möchte eigentlich eher von vier großen und individuellen Existenzen sprechen…) Archibald und seine Vier Leben in diesem einen Buch. Durch Archibalds Entscheidungen, Weggabelungen und Schicksale, kreiert der Autor eine Kinoleinwand für den Geist und für den Kopf, während nichts geringeres als die Welt sich vor den begierigen und begeisterten Leseraugen auftut, vermengt wird mit ein wenig Poesie und Weltanschauung, Familiendramen, Gesellschaftskritik, Politik, Wirtschaft, Moral,, Schriftstellerei, Literatur, Leitgedanken und weiteren Elementen die eine in sich derart runde, sprühende und beklemmende, sowie extrem mahnende Story ergeben, dass es ein einziges Vergnügen ist „4321“ zu lesen und den Bezug zum Titel aus dem Inhalt des Romans herzuleiten. Den Ursprung dieses ominösen Buchtitels zu ergründen, während diese Existenzen, diese einzelnen Leben und ihre Geschichten an einem vorbeiziehen. Ein Romanerfolg kann es für mich nur werden, wenn es dem Autor gelingt mir das Lesegefühl einer einer besonderen Sensation zu vermitteln, dann wird ein Werk zu einer Literaturperle. Ja, Paul Auster hat es geschafft, so viel sei verraten. Wie? Das sollte der Leser selbst ergründen. Denn über all dem steht der kunstvolle Schreibstil des Autors Paul Auster, auch wenn er mich mit seinem Themenkomplex und seinem Anspruch gerade in den Politischen und Zeitgenössischen Belangen, sehr überfordert hat. Paul Auster, der eine lange Liste an rhetorischen und schriftstellerischen Stilmitteln zu bieten hat. Die Sprache, bei der jedes Wort wohlgewählt erscheint, ist immer gesellschaftlich angehaucht, zeitgemäß und von gehobenen Wert. Atemberaubend! Stilistisch ansprechend und geschickt finde ich außerdem den Schachzug des Autors Auster, dass dem Leser weder ein Ich- noch ein auktorialer Erzähler, sondern eine beobachtende Perspektive präsentiert wird, sodass Leser und Erzähler zu einem Dialog verschmelzen und die vier Leben des Archibald Ferguson mit ihm leben. Diese Erkenntnis filtert man als Leser jedoch erst zwischen den Zeilen heraus und wird sich dem Gelingen erst nach und nach bewusst. Wieder so ein enormes Talent, welches zu betonen gilt! „Ja, alles war möglich, und nur weil etwas auf eine bestimmte Weise geschah, hieß das noch lange nicht, dass es nicht auch auf eine andere Weise geschehen könnte. Alles könnte anders sein. Die Welt könnte dieselbe Welt sein, und doch wäre sie, wenn er nicht vom Baum gefallen wäre, eine andere Welt für ihn.“ (Zitat Seite 86)Ich bin stolz, dieses Meisterwerk der hohen Schreibkunst, der mahnenden Worte und des großen Intellekts gelesen und zwar nicht immer mit jeder Faser, genossen zu haben! Trotz der Schwierigkeiten für mich, dem hohen Niveau standzuhalten (woran ich glaube ich aber auch oft gescheitert bin), bin ich sehr begeistert von dem Buch. Was vor allem an den Beschreibungen und der wortgewandten Sprache liegt. Autor Paul Auster hat eine Poesie in seinem Schreibstil, welche unvergleichlich ist, zudem schmücken jedes neue Hauptkapitel interessante Gliederungen, die auf einen roten Faden schließen lassen. Paul Auster hat mich als Leserin in diesem Werk zwar gewonnen, aber ich scheue mich wirklich, weitere Titel von ihm zu bestellen und in Angriff zu nehmen. Dieser Paul Auster war wirklich nicht leicht und hat mich einige Nerven und Anstupser gekostet. Ich zolle meinen ganzen Respekt und schenke diesem Ausnahmeschriftsteller meine größte Achtung und mein größtes Ansehen! Meinung: Wie schon erwähnt, waren meine Erwartungen sehr hoch, aber ich war auch vorgewarnt, dass diese Literatur von besonderer Note ist und der Anspruch nicht jeden Leser erreichen und beglücken kann. Der Ausnahmeautor Paul Auster zeigt Mut, denn er hat eine Sprache mit mahnender Klassifikation erschaffen, die seine Leser so bestimmt noch nie geboten bekommen haben. Dieses Buch hat Intellekt, Anspruch und viele Farben. Das Lesen ist nicht leicht und die Seiten müssen mit Muße verarbeitet und wirken gelassen werden, dieses Niveau muss der Leser erstmal halten können. Dieses Werk setzt auf Klasse, nicht auf Masse. Und so sucht es sich auch die Zielgruppe. Kein Mainstream, kein Buch für jedermann, schon gar nicht zum mal-eben-weglesen. Dieses Wer braucht eine gewisse Grundbildung und einen bestimmten Bildungsgrad. Den konnte ich leider nicht immer aufweisen und bin kläglich an einigen Stellen und Offerten gescheitert. Schnief* Sprachlich gekonnt, und sehr beeindruckend. Keine Frage, aber dennoch konnte ich bis fast zum Ende nicht ausmachen, wohin mich dieses Buch leiten möchte. Der Kern dieses Buches erschließt sich erst recht spät, dabei ist es stets so nah und greifbar, erkennbar, dennoch nicht vorführbar oder abrufbar. Stets eine leise Ahnung, jedoch keine Gewissheit. Ob diesem Umstand wankte ich kurzzeitig mit dem vorzeitigen Beenden des Buches. Das wäre jedoch fatal gewesen, denn für die Leser, die durchhalten, offenbart der Roman, auch wenn man die nötige Klasse und das nötige Intellekt nicht als Leser besitzt, wie es der Autor zu besitzen scheint, so erhält man dennoch einen ganz besonderen und sehr impulsiven und intensiven Lesegenuss. Es breitet sich ein Gefühl aus, als dass man der Handlung nicht mehr entfliehen kann, man fühlt sich als Gefangene zwischen den Buchdeckeln dieser einzigartigen Geschichte weit weg vom Mainstream und der Masse. Eine besondere Kost, die es zu genießen gilt. Der gekonnte Perspektivenwechsel zwischen den Zeiten und Handlungssträngen und die Zeitsprünge vor und nach dem entscheidenden Wendepunkt im Leben Archibalds gaben der Lektüre dann immer wieder Klarheiten und Tempo. Zum Glück siegte meine Neugier, denn jetzt bin ich stolz, dieses Meisterwerk der hohen Schreibkunst und des großen Intellekts gelesen und aber auch genossen zu haben! Auch wenn ich mich keinesfalls auf dieselbe Stufe der Zielgruppe und des Autors stellen mag. Trotz der Schwierigkeiten für mich, dem hohen Niveau Stand zu halten, bin ich sehr begeistert von dem Buch. Was vor allem an den Beschreibungen und der wortgewandten groben aber auch teils sehr leisen Sprache liegt. Paul Auster hat eine Aussagekraft, Mahnung, Kritik an die Welt und eine enorme Poesie und Klarheit in seinem Schreibstil, welche unvergleichlich und unvergesslich sind. Kleine Momente und Ereignisse im Leben einzelner Charaktere werden zu einer Schlüsselrolle, die das ganze weitere Leben beeinflussen wird. Eine unaufhaltsame Dynamik. Wie schon erwähnt, waren meine Erwartungen an dem Buch von Beginn an sehr hoch. Dementsprechend groß war auch mein Wunsch, dass mir dieses Buch einfach gefallen muss. Doch bis ich wirklich Freude und Lesevergnügen empfinden konnte, benötigte es doch eine Aufwärmphase von knapp 100 Seiten und immer wieder bin ich im Roman an Punkte gestoßen, wo ich mir einfach nur das Ende herbeigesehnt hatte. Wo ich frustriert war, gelangweilt oder ratlos, wenn nicht sogar überfordert oder übernommen mit so einem Werk. Trotz der anfänglichen Schwierigkeiten für mich, mich in dem Buch zu platzieren und wiederzufinden und dem hohen Niveau standzuhalten, bin ich resümierend sehr begeistert von dem Buch. Immer wenn ich eine Tiefphase hatte, habe ich mir eine Auszeit vom Buch gegönnt und zunächst etwas Abstand genommen. Das zeigte Wirkung, denn mit dem Fortschreiten des Buches wurde ich dann immer wieder ausgesöhnt und wieder regelrecht mitgerissen und fasziniert. Frust und Faszination in diesem Cocktail, der mir ausgesprochen gut mundet. Und die Bitterkeit des Frustes von der Köstlichkeit und Süße der Faszination ummantelt wird. Ich bin einfach nur begeistert und weiß gar nicht, wie ich meine Euphorie und Empfehlung, sowie meine Kritik und meine Frustration und das Kratzen an meinem Ego (da ich das hohe Niveau nicht immer halten konnte…) zu diesem Werk ausdrücken soll. Einfach selbst lesen und sich selbst entführen lassen. Ich wollte dieses Buch einfach mögen, und nun liebe ich es, würde es aber nicht nochmals in Angriff nehmen. Ja, es hat mir Kraft gekostet, Kraft im Arm beim lesen dieser Schwarte und Kraft für meinen Geist, den Dingen ein Fundament zu geben. Puuuuh. . „Du scheinst dort drüben die Zeit deines Lebens zu haben, schrieb er in einem der zweiundvierzig Briefe, die er ihr im Sommer schickte. Während ich hier in New York das Leben meiner Zeit führe.“ (Zitat Seite 904)Kritikpunkte:Tja, was ist schon Kritik? Dieses Buch hat definitiv für mich Höhen und Tiefen, es war eine Achterbahnfahrt. Ein Buch mit bemerkenswerten Stärken, aber auch einigen Schwächen. Für diese Schwächen möchte ich aber ein milderes Wort benutzen und tituliere diese Schwächen eher als Abweichung. Eine Abweichung meiner bisherigen Lesegewohnheiten, Erwartungen und Lesevorlieben. An diesem Werk würde es mir schwer fallen Kritik zu üben. Eigentlich gab es keine Kritikpunkte, aber um auf hohem Niveau zu nörgeln, könnte ich die lange Aufwärmphase von mehr als 100 Seiten nennen, die ich persönlich gebraucht habe um mit dem Buch im Lesefluss zu sein, der aber immer wieder unterbrochen wurde, da ich das Gefühl hatte, mir mit diesem Buch etwas zu viel vorgenommen zu haben, Angst, daran zu scheitern und ein Gefühl von Überforderung. Echt, das habe ich noch nie erlebt. Pressestimmen (ja sogar der Playboy meldet sich zum Werk):„«Wer die 1200 Seiten mit ihren oft langen, dahinströmenden Sätzen liest, begreift noch einmal, wie Amerika zu dem wurde, was wir kannten. Und vielleicht auch, warum es irgendwann enden musste … Dass diesem Amerika hinterherzutrauern ist, wissen die meisten Deutschen. 60 Millionen Amerikaner hingegen haben es gerade abgewählt. Lest dieses Buch und weint.»“ (Quelle: Verlagshompage; Der Spiegel) „«Großartiges Werk um Liebe und Literatur, Politik und Widerstand, Basketball und Studentenheime. Eine literarische Sensation? Zweifellos.»“ (Quelle: Verlagshomepage; Playboy)Der Autor:"Paul Auster wurde 1947 in Newark, New Jersey, geboren. Er studierte Anglistik und vergleichende Literaturwissenschaften an der Columbia University und verbrachte nach dem Studium einige Jahre in Frankreich. International bekannt wurde er mit seinen frühen Romanen 'Im Land der letzten Dinge' und der 'New-York-Trilogie'. Heute lebt er in Brooklyn. Er ist mit der Schriftstellerin Siri Hustvedt verheiratet und hat zwei Kinder. Sein umfangreiches, vielfach preisgekröntes Werk umfasst neben zahlreichen Romanen auch Essays und Lyrik sowie Übersetzungen zeitgenössischer französischer Lyrik."Zu gerne hätte ich diesem begabten Autor bei der Entstehung des Plots und der Charaktere und Lebensentwürfe, die er für Archibald Ferguson bereit hält über die Schultern geblickt. Ich bin überwältigt von der Gabe, wie Paul Auster selbst stets den Überblick behält und sich nicht selbst in den endlosen Zeilen und Windungen verliert oder verzettelt. Wie viele Jahre hat er wohl an diesem Meisterwerk gefeilt und damit zufrieden zu sein? Wieviel steckt von ihm selbst in der Person Archibald Ferguson? Cover:Soll ich ehrlich sein? Ich finde es hässlich. Es sieht altbacken und retro aus. Aber es passt in die Ära der 1950iger bis 1970iger Jahre in der wir uns hier bewegen. Klapptext, Medienrummel und Titel hingegen haben einen ganz intensiven Reiz auf mich ausgeübt. 4321. Dieser Titel lässt viele fantastische Interpretationen zu, das Cover jedoch wirkt sehr klar und greifbar und bietet wenig Spielraum. Wie Cover und Titel, sowie Klapptext und Inhalt des Buches einen Kontext und Konsens bilden, das darf jeder neugierige Leser bei diesem mehr als 1 Kilo schweren Hardcoverbuch mit Schutzumschlag, Lesebändchen und sehr festem und hochwertigen Papier selbst erfahren und ausloten. Viel Freude dabei! Der Titel bekommt eine ganz neue Bedeutung, wenn man dieses Buch gelesen hat und die Strukturierung kennt. Welche, dass möchte ich hier noch nicht verraten. Bezug zur Gegenwart:Absolut intensiv ist hier der Bezug zur Gegenwart ausgearbeitet, aber auch die Nachwirkungen der Vergangenheit. Dieses Buch ist ein einziger Spiegel der Gesellschaft, der Politik, der Moral, der Familienkonstellationen und Auswirkungen kleinster Schlüsselelemente des Lebens, die ein ganz anderes Leben hervorrufen und zum Nachdenken und reflektieren einladen. Aktuell, brisant und authentisch. Ich muss hier gar nicht weiter ins Detail gehen, das wird das Buch von allein übernehmen. Versprochen. Dieser Umstand, diese Mahnung gefällt mir besonders gut. Ja, manchmal braucht der Mensch den wahren und offenen Blick und das Vorhalten der Gesellschaft und die Entwicklung zu dem, der wir sind und geworden sind, oder sein sollen… What if? Was wäre wenn? Fazit: „4321“ gehört für mich ohne Zweifel zu den größten Werken der Literatur!Voller Gesellschaftskritik, Mahnung, Weltgefüge, Metapher, Aussage, Poesie und Atmosphäre. Wer hinter die Fassade, blickt und beim Lesen durchhält, wird mit einem sensationellen Meisterwerk belohnt! Ich wollte dieses Buch einfach mögen, und nun liebe ich es, aber ich betrachte es auch mit einem Groll, da ich feststellen musste, dass ich dem Anspruch nicht immer gewachsen war. Ich würde es kein zweites Mal lesen, aber ich würde es auch nicht missen wollen, es doch entdeckt und vor allem zu Ende gelesen zu haben. Dieses Buch macht etwas mit seinen Lesern! Erlebt es und genießt es!!! Ich entschließe mich meine 3,5 Sterne zu Vier Sternen aufzurunden, ein Stern für je ein Leben des Archibald Ferguson. Ich weiß, dass ich dieses Buch lange nicht vergessen werde….

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    • 13
  • Das Leben - ein Spiel

    4 3 2 1

    Buecherschmaus

    12. March 2017 um 17:54

    Paul Austers Opus magnum, von ihm selbst Lebenswerk genannt, ein Buch mit über 1200 Seiten, zeitgleich im Original wie auf Deutsch erschienen, gleich auf Platz 2 der Spiegelbestsellerlisten geklettert (wenn auch nach wenigen Wochen schon wieder am Hinabgleiten, was auf eine eingeschworene Fan-Gemeinde hindeutet, die das Erscheinen herbeigesehnt hat und weniger auf „Gelegenheitskäufer“), hohe Rezensionsdichte in allen branchenrelevanten Medien, mal geliebt, mal als „zäh“ und „eindeutig zu lang“ bezeichnet – Paul Austers pünktlich zu seinem 70.Geburtstag am 3. Februar 2017 der geneigten Leserschaft vorgelegtes 4 3 2 1 hat es in sich. Gleich vorweg – ein derart umfangreiches, ambitioniertes Buch kann nicht auf allen 1259 Seiten gleichermaßen fesseln. Da schleicht sich mal die eine oder andere Länge ein (dabei, was ist denn so eine „Länge“? Was der eine Leser als minutiöse Beschreibung schätzt, als Zeit, die der Autor sich, der Geschichte, dem Leser gewährt, tut der andere Leser als langweilig ab), da gibt es Erzählstränge oder Personen die mehr und solche die weniger fesseln. Auch bei mir gab es Phasen, in denen ich wünschte, das Buch wäre vielleicht nicht ganz so umfangreich, würde etwas schneller voranschreiten. Dass es Paul Auster aber immer wieder gelungen ist, diese Phasen vorübergehen zu lassen und die Leselust erneut zu entfachen, dass er ein äußerst klug komponiertes, dabei spielerisches, tiefes und äußerst interessantes Buch geschaffen hat, dafür ist er sehr zu bewundern. Und spricht für seine literarische Meisterschaft.Gleich zu Beginn zieht er den Leser in seine Geschichte hinein, indem er die vielzitierte Geschichte des Urgroßvaters seines Protagonisten erzählt. Dieser neunzehnjährige Isaac Reznikoff landete nach anstrengender Reise von Minsk und einer strapaziösen Atlantiküberfahrt mit der „Kaiserin von China“ endlich in Ellis Island vor der Einwanderungsbehörde. Es war der 1. Januar 1900 und quasi als Neujahrsgeschenk riet ihm ein erfahrener Landsmann, seinen ostjüdischen Namen zu vergessen und lieber anzugeben, er hieße Rockefeller. Nach mehrstündiger Wartezeit endlich von einem Beamten nach seinem Namen gefragt, bekommt Issac nur noch ein verzweifeltes „Ich hob fergessan!“ zustande, das der pflichtbewusste Beamte als Ichabod Ferguson notierte. Ein sicher etwas burlesker Scherz, der zukünftig zur Familienlegende werden sollte und sehr schön gleich zu Beginn das ausdrückt, worum es in den nächsten weit über 1000 Seiten gehen soll: Identitätsfindung, die Neuschaffung von Identität, die Vielfältigkeit von Identitäten und auch die Macht des Zufalls, die darüber entscheidet, welche davon verwirklicht wird. Und die Frage, ob es über dieses Roulettespiel des Zufalls hinaus etwas Unveränderbares, vielleicht so etwas wie Seele gibt.Durchgespielt wird dieses Gedankenexperiment anhand des Urenkels des einstigen Einwanderers, Archibald Ferguson. Dieser wächst als einziges Kind von Rose Adler und Stanley Ferguson auf. Dem Vater gelingt es, aus einer kleinen Radioreparaturwerkstatt ein erfolgreiches, expandierendes Unternehmen zu machen und damit auch seine eher lebensuntüchtigen Brüder durchzufüttern, „Three Brothers Home World“ entwickelt sich schon bald zu einem der führenden Kaufhäuser für Haushaltsgegenstände aller Art. Soweit die Familiengeschichte, die uns im allerersten Kapitel erzählt wird. Am 3. März 1947 (genau einen Monat nach dem Autor!) erblickt Archibald das Licht der Welt. Und hier startet der Autor sein Gedankenexperiment. Verschiedene Lebensmöglichkeiten und Lebenswirklichkeiten spielt er anhand von vier Variationen dieses Archibald Ferguson in jeweils sieben Kapiteln durch, untersucht, wie sich bei gleicher Ausgangslage durch Wandel kleiner Faktoren, meist durch die Macht des Zufalls dessen Identität und Charakter, seine Lebensumstände, seine Vorlieben und Beziehungen sich verändern – oder eben auch nicht.Dabei bedient sich Paul Auster den aus seinen bisherigen Werken bekannten Versatzstücken und immer wieder greift er tief in die autobiografische Kiste. Sein striktes Beharren darauf, dass seine Romane rein fiktional sind, scheint dabei schon ein wenig kokett. Kennt man sein autobiografisches Werk, trifft man hier bei Ferguson auf viel Bekanntes. Nicht nur sein Geburtsjahr, seine Geburtsstadt Newark, der ostjüdische Familienhintergrund, die Liebe zu Base- und Basketball, sein Studium, die Neigung zu Frankreich und den französischen Lyrikern, der Parisaufenthalt und viele andere äußere Richtmarken tauchen auf, selbst kleine Episoden wie eine frühkindliche Verletzung, der Tod eines Schulfreundes durch einen Blitz oder eine durchgemachte Gastrits kennt man fast 1:1 aus den autobiografischen Aufzeichnungen. Der Leser bewegt sich immer in einem dezidierten Auster-Kosmos. Das ist äußerst kunstfertig gemacht, spielerisch und elegant. Die Verschiebungen sind meist klein. Das wurde in manchen Kritiken moniert. Warum bricht keiner der vier Archies aus, macht etwas völlig anderes? Das ginge aber an der Erzählintention und auch an der Lebendwirklichkeit vorbei. Seien wir ehrlich, ganz so frei in der Bestimmung wer oder was wir sein wollen, sind wir doch gar nicht. (Und außerdem begleiten wir Archie maximal bis Anfang der Siebziger Jahre.) Außerdem steckt wohl die Vermutung dahinter, dass es doch so etwas wie einen inneren Kern, etwas Unwandelbares, vielleicht eben ja doch eine Seele gibt, die sich immer treu bleibt. So kreisen auch alle Archies um die Kunst, beschäftigen sich auf die ein oder andere Art und Weise mit dem Schreiben, sind allesamt sehr stark an Sexualität interessiert, gut aussehend, aber eher introvertiert.Das macht das Lesen nicht immer ganz einfach. Ich muss zugeben, dass ich trotz vorherigem Wissen des groben Aufbaus den ersten Wechsel vom einen zum anderen Archie gar nicht registriert hatte, dass sich die Verwirrung erst so langsam breit machte. Diese Verwirrung, die sich in häufigerem Zurückblättern äußern kann, und der ich dann durch Notizen einigermaßen Herr wurde, ist sicher beabsichtigt (trotz klarer Gliederung in Kapitel 1.1, 1.2 usw.). Am Ende führt Paul Auster seine Geschichten aufs kunstvollste wieder zurück an die Anfangsszene mit dem verwirrten Ichabod Ferguson. Indem die Mutter ihrem Sohn diese alte Familiengeschichte erzählt, legt sie den Grundstein für das vorliegende Buch, das der letzte verbliebene Archie schreiben wird.Eine komplizierte Struktur also, bei der Auster aber meisterhaft die Fäden in der Hand behält, eine philosophisch ambitionierte, spielerisch verpackte Geschichte, ein in klarer, gut lesbarer Sprache verfasster, anrührender Bildungsroman und – das nicht zuletzt – ein spannendes Geschichtsbuch der Sechziger Jahre. Die Kennedyjahre, der Rassismus, die Rassenunruhen 1965 und 1967, der Marsch auf Washington, der Vietnamkrieg, Martin Luther King und die Wahl Nixons – alle diese Dinge finden auf völlig organische Weise Eintritt in die Geschichte und vermitteln viel Zeitkolorit. Weisen aber auch auf verblüffende Art in unsere Gegenwart. Auch damals war die Gesellschaft aufs extremste zerrissen, die Lage ungeheuer gespannt. Je nach Standpunkt tröstlich („Alles schon da gewesen, geht auch wieder vorbei.“) oder aber sehr alarmierend („Nichts gelernt, die Geschichte wiederholt sich stets.“) Zumindest zeigt die Lektüre, dass es die einfachen, populistischen Antworten nicht geben kann, wo doch schon das Individuum, so vielfältig ist.Paul Auster ist mit 4 3 2 1 ein großartiges, beeindruckendes Werk gelungen. Ein wahres Lebenswerk.

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  • Ein großes Werk mit Stärken und Schwächen

    4 3 2 1

    -nicole-

    28. February 2017 um 17:39

    Was wäre wenn? Der Junge Archibald "Archie" Ferguson wächst in den 1950er Jahren in Newark auf. Er ist ein aufmerksamer Junge und hinterfragt schon früh bestimmte Begebenheiten. Und so kommt ihm eines Tages auch dieser Gedanke: Was wäre, wenn etwas auf ganz andere Weise geschehen würde als gedacht? Wenn durch ein zufälliges Ereignis sein Leben dadurch einen völlig anderen Verlauf nehmen würde? So entstehen schließlich vier Versionen seines Lebens, wo manchmal nur eine kleine Entscheidung zu einem ganz anderem Leben führt... "Ja, alles war möglich, und nur weil etwas auf eine bestimmte Weise geschah, hieß das noch lange nicht, dass es nicht auch auf eine andere Weise geschehen könnte. Alles könnte anders sein. Die Welt könnte dieselbe Welt sein, und doch wäre sie, wenn er nicht vom Baum gefallen wäre, eine andere Welt für ihn." - Seite 86 Paul Austers neues Werk ist schon auf den ersten Blick eine beeindruckende Erscheinung: 1.264 Seiten lang und knapp 1,3 kg schwer - doch auch inhaltlich hat es einiges zu bieten: Mit einem sehr lockeren Erzählstil, bei dem einzelne Sätze auch schon mal eine halbe Seite lang sein können, erzählt der Autor die Geschichte von Archibald Ferguson. Der Roman beginnt mit der Einreise von Archibalds Großvater in Amerika und welchem Umstand er es zu verdanken hatte, dass er plötzlich "Ferguson" hieß. Nachdem man auch einen sehr guten Einblick in Archibalds Verwandtschaft bekommen hat, rückt schließlich nach gut fünfzig Seiten die Hauptfigur in den Vordergrund. Archibald, der im ganzen Roman überwiegend bei seinem Nachnamen Ferguson genannt wird, stellt sich als Kind die Frage: Welchen Weg hätte sein Leben genommen, wenn er in bestimmten Situationen andere Entscheidungen getroffen hätte? So entstehen schließlich vier sehr unterschiedliche Lebensgeschichten. Das Besondere hier ist, dass diese nicht einfach nacheinander in vier langen Teilen aufgelistet sind, sondern immer abschnittsweise. Dieses ist sehr überraschend und auch erst etwas gewöhnungsbedürftig, jedoch sehr gut durchdacht und abwechslungsreich. In einer der vier Geschichten ist mir diese tolle Aussage von Ferguson im Gedächtnis geblieben: "Ich bin richtig froh, wenn ich an all die Bücher denke, die ich noch nicht gelesen habe. Hunderte. Tausende. So viel, worauf ich mich freuen kann!" -Seite 269 Das genau diese Geschichte einen Verlauf nimmt, mit der man so gar nicht rechnet, ist sehr überraschend... Natürlich bleiben einzelne Längen bei diesem Seitenumfang nicht aus. Manchmal schweift Auster etwas zu sehr ab. Manches wird zu oft wiederholt oder einfach viel zu detailreich dargestellt. Obwohl ich umfassende Geschichten mag, wäre hier weniger an manchen Stellen mehr gewesen. Man benötigt schon etwas Durchhaltevermögen. Im Gesamten betrachtet, hält sich dieses jedoch in noch einigermaßen in Grenzen, vielleicht auch deshalb, weil der Schreibstil locker bleibt und sich das gesamte Buch flüssig lesen lässt. "Du scheinst dort drüben die Zeit deines Lebens zu haben, schrieb er in einem der zweiundvierzig Briefe, die er ihr im Sommer schickte. Während ich hier in New York das Leben meiner Zeit führe." - Seite 904 Genau wie bei der englischsprachigen Originalausgabe ist das Cover der deutschen Ausgabe eher schlicht gehalten - gerade dieses und der spezielle Titel 4 3 2 1 fallen sofort ins Auge. Mein Fazit: Ein großes Werk mit Stärken und Schwächen. Meine Meinung hier ist zweigeteilt: Zum Einen ist es ein wirklich interessanter und sehr gut aufgebauter Roman. Mit seinen 1.264 Seiten ein sehr umfangreiches Buch, dass sich aber durch den lockeren Erzählstil überraschend flüssig lesen lässt. Der Roman ist atmosphärisch sehr dicht, neben der Hauptfigur werden auch die Nebencharaktere ausführlich dargestellt. Jetzt kommt das "Aber": Sosehr ich umfangreiche Bücher auch mag und diese mit Begeisterung lese - diese Geschichte ist einfach zu lang. Nicht alle der vier Geschichten haben mir gefallen, manches war etwas ermüdend und zu sehr in die Länge gezogen. Vielleicht 300 Seiten weniger wäre perfekt gewesen. Es ist kein schlechtes Buch! Diese Story hat durchaus packende Momente und hält Überraschungen bereit. Der Schreibstil hat hier einiges ausgemacht und mir sehr gut gefallen. Ich vergebe für dieses außergewöhnliche Werk 3,5 Sterne. Kurz gesagt: Wer ausführliche Romane mit einem interessanten Schreibstil mag und etwas Durchhaltevermögen mitbringt, dem kann ich dieses Werk nur empfehlen. Und auch wenn nicht alles perfekt war, möchte ich dieses Leseerlebnis nicht missen.

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