Die Brooklyn-Revue

von Paul Auster 
4,3 Sterne bei133 Bewertungen
Die Brooklyn-Revue
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'Die Brooklyn Revue' zeigt einem, wie schnell sich das Leben ändern kann, auch wenn man gar nicht damit rechnet

N

Toller Roman.

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Inhaltsangabe zu "Die Brooklyn-Revue"

Brooklyn – Eine literarische Liebeserklärung. Nathan ist 59 und frühpensionierter Versicherungsvertreter. Er hat seine Frau durch Scheidung verloren, eine Therapie gegen Lungenkrebs hinter sich und ist aus New Jersey nach Brooklyn gezogen, um dort «auf den Tod zu warten». Eines Tages trifft er seinen Neffen Tom, den er Jahre nicht gesehen hat. Tom scheint ziemlich auf den Hund gekommen. Er jobbt bei einem merkwürdigen Antiquar namens Brightman. Auch Nathan beginnt, sich öfter in dessen Antiquariat aufzuhalten. Irgendwann erzählen ihm Tom und Brightman von ihrem großen Plan, in dem es um ein gefälschtes Manuskript eines berühmten Schriftstellers und einen leichtgläubigen Millionär geht ... «Ein Abgesang auf die Tage der Unschuld ... ein wunderbar wehmütiger Roman.» Frankfurter Allgemeine Zeitung

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783499257926
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:352 Seiten
Verlag:ROWOHLT Taschenbuch
Erscheinungsdatum:02.01.2012
Das aktuelle Hörbuch ist bei Argon erschienen.

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    rainagvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: 'Die Brooklyn Revue' zeigt einem, wie schnell sich das Leben ändern kann, auch wenn man gar nicht damit rechnet
    .. anders als viele Bücher, die ich bisher gelesen habe

    Worum geht es wirklich?

    Es geht um Nathan und Veränderungen in seinem Leben, mit denen er nicht mehr gerechnet hat. 

    Nathan ist Ende 50 und zieht nach seiner gescheiterten Ehe nach Brooklyn, um dort den Rest seines Lebens zu verbringen.  
    Er ist früh pensioniert und hat keine besonderen Pläne mehr für sein restliches Leben, aber da er bemerkt, dass ihm das Nichtstun auf Dauer zu langweilig wird, beschließt er ein Buch über komische Ereignisse seines Lebens zu schreiben. Als er eines Tages durch die Straßen Brooklyns läuft, betritt er einen Antiquitäten Laden, in dem er überraschender weise auf seinen Neffen Tom trifft. Wie sich herausstellt ist nicht nur Nathans Leben anders als geplant verlaufen, auch Tom, der einst Literatur studierte, hatte einen anderen Weg eingeschlagen, zuerst als Taxifahrer und jetzt als Verkäufer. 
    Nathan hatte bisher keinen Kontakt zu seiner restlichen Familie, den Kindern seiner verstorbenen Schwester, gehabt und freut sich Tom wiederzusehen und über alte Zeiten zu reden.  
    Tom erzählt Nathan auch einiges über seinen neuen Chef - Harry Brightmann. Harry ist schwul, was ihn in früheren Jahren jedoch nicht daran gehindert hat, eine Frau zu heiraten und eine Tochter zu bekommen. Er führte, dank des Geldes seiner Frau, eine Galerie, in der er nach einigen Jahren jedoch Fälschungen verkaufte, um den Laden am laufen zu halten. Er tat sich dafür mit einem Maler zusammen, in den er sich auch verliebte. Als der Schwindel aufflog, musste Harry ins Gefängnis, aber ließ es sich nicht nehmen seinen Komplizen ebenfalls zu verraten. Als Harry entlassen wurde, musste er auf Anordnung seines Schwiegervaters die Stadt verlassen und ging nach New York. Nathan beschließt, dass er diesen Harry kennen lernen möchte und gesagt getan, gehen er und Tom am nächsten Tag in Harrys Laden und Nathan und Harry lernen einander kennen. 

    (Spoiler!) 

    Nathan und Tom treffen sich von dahin an jeden Tag zum Mittag, in Nathans Lieblings Diner, und Tom erzählt ihm von einer Frau, die er anhimmelt, mit der er aber noch nie ein Wort gewechselt hat. Kurzerhand beschließt Nathan, als er die Frau sieht, sie anzusprechen und so lernen die beiden Nancy kennen.  
    Nancy ist verheiratet, hat 2 Kinder und verkauft ihren eigenen Schmuck. Nathan beschließt eine Kette von ihr für seine Tochter zu kaufen - die beiden hatten sich zerstritten und er möchte ihr diese Kette zur Versöhnung gerne schenken. Doch soweit kommt es nicht, denn als Nathans Nachmittags wieder in seinem Lieblings Diner ist, beschließt er, die Kette an seine Lieblings Kellnerin Marina zu verschenken, was wie sich später noch herausstellt, keine so gute Idee war.  

    Nathan, Tom und Harry gehen eines Abends zusammen essen und Tom greift ein Thema aus seinem Studium auf - das "innere Exil", ein Ort an dem sich jeder Mensch in seinem Kopf zurückzieht. Ihnen kommt die Idee, so etwas in der Art auch in Form eines Hauses umzusetzen, weit weg von der Stadt und als Rückzugsort von allen Einflüssen. Als Harry anschließend von einem Großen Deal spricht, der ihm bald bevorsteht und mit dem sie den Plan und die Finanzierung in die Realität umsetzten können, scheint dem neuen Zuhause nichts mehr im Wege zu stehen. 
    Nathan ist jedoch etwas skeptisch, um was für einen Deal es sich handeln soll und in einem ruhigen Moment unter 4 Augen, bietet er Harry an sich den Deal mal als unbeteiligter genauer anzuschauen.  

    Nach einigen Tagen geht Nathan wieder los und kauft eine neue Kette für seine Tochter. Da er tagelang nichts von ihr gehört hat und sie auch nicht erreichen konnte, ruft er seine Exfrau Edith an, die ihm erklärt das seine Tochter und ihr Ehemann im Moment in England sind und er darüber hinaus als Vater versagt hatte, woraufhin Nathan einfach auflegt und beschließt, nie wieder ein Wort mit einer Exfrau zu wechseln. Als Nathan, etwas geknickt nach dem Gespräch mit Edith, in sein Lieblings Diner geht, bemerkt er das seine Lieblings Kellnerin Marina nicht da ist. Nur wenige Minuten, nachdem er sich gesetzt hat, stürmt ihr Ehemann in das Lokal und droht Nathan, seiner Frau nie wieder Geschenke zu machen oder ihr auch nur zu Nahe zu kommen. Da er Besitzer des Diners diese Drohung mitbekommt, feuert er kurzerhand Marina, wofür Nathan sich die Schuld gibt - hätte er Marina nicht die Kette geschenkt, wäre ihr Mann nicht voller Eifersucht in das Diner gestürzt und Marina hätte ihren Job behalten.  
    Nathan besuchte von diesem Tag an nie wieder das Diner. 

    Am Abend treffen sich Harry und Nathan zum essen und Harry erzählt ihm, dass Gordon wieder in der Stadt ist. Gordon war der Künstler, die Affäre von der Zeit der Galerie, der die Fälschungen für Harry gemalt hat und wegen ihm auch ins Gefängnis musste.  
    Harry dachte, er würde nie wieder von ihm hören, doch wie es scheint ist er wieder in Harry Leben getreten und die beiden haben wiedermal einen illegalen Plan um an Geld zu kommen. Gordon hat jemand gefunden, der ein gefälschtes Manuskript vom Buch "Der scharlachrote Buchstabe" herstellen kann und Harry soll das Buch, da er einen Laden führt, für sie verkaufen. Nathan ist von der Idee alles andere als begeistert und warnt Harry, dass sein Exfreund ihm nur eine Falle stellt und sich rächen will oder versucht ihn wieder ins Gefängnis zu bringen - doch Harry glaubt ihm kein Wort.  

    Am nächsten Morgen wird Tom überraschenderweise von Lucy geweckt - der neun jährigen Tochter seiner Schwester Aurora.  
    Tom ist überrascht, dass sie alleine in New York ist und fragt sie was sie hier möchte, doch Lucy gibt kein Wort von sich. Als auch Nathan kein Wort aus ihr herausbekommt, beschließen die beiden Männer Lucy erstmal zu Pamela zu bringen, der neuen Freundin von Toms Vater, die ein großes Haus außerhalb der Stadt besitzt und selbst Kinder hat. Am Morgen der Abfahrt bringt Nathan Lucy ihr Frühstück ans Bett und die Kleine fängt aus versehen an zu sprechen, verfällt jedoch sofort wieder ins Schweigen, als ihr ihr Missgeschick auffällt.  
    Nachdem sie einige Stunden unterwegs waren, beschließen Nathan und Tom über Landstraßen weiter zu fahren und so machen sie nach einigen Stunden eine Pause an einer Raststätte. Während Nathan und Tom auf ihr Essen warten, gibt Lucy vor auf Toilette zu gehen, wobei sie in Wirklichkeit versucht ihren Plan durch zusetzten und die beiden aufzuhalten, sie zu Pamela zu bringen. Kurzerhand kippt Lucy reichlich Cola Dosen in den Tank des Autos, sodass das Auto, wie sie richtig vorhersah, nicht mehr ansprang und Nathan sein Auto in einer Werkstatt an der Raststätte ließ und die drei die nächsten Tage in der Pension "Chowder Inn" verbringen. Während ihres Aufenthaltes lernen sie die Tochter des Inhabers Stanley, Honey kennen und machen Stanley nach nur wenigen Tagen den Vorschlag, ihm das Haus, mit Hilfe von Harrys Geld, abzukaufen. 
    Am Tag darauf fängt auch Lucy wieder an zu sprechen, aber auch diesmal erzählt sie Nathan nicht wieso sie nach New York gekommen ist und wo ihre Mutter lebt. Zudem wird Nathans Auto in der Zwischenzeit repariert und wie sich herausstellt hatte er Glück, dass jemand sein Auto beschädigt hat, den sonst wäre nicht aufgefallen, dass sie Bremsen hinüber sind und ein Unfall unausweichlich passiert wäre - und so gesteht Lucy ihm am Ende, das sie es war die die Cola in den Tank geschüttet hat. 

    Ohne jegliche Vorahnung bekommt Tom am Abend einen Anruf - Harry ist gestorben und damit auch der Traum vom Haus. 
    Rufus, der zweite Mitarbeiter des Ladens, erzählt den beiden, dass Gordon in Begleitung eines Mannes zu Harry ins Büro kam. Gordon beleidigte Harry aufs schlimmste und gab zu, dass der Plan vom gefälschten Manuskript nur eine Falle war, um sich an ihm zu rächen. Als Gordon den Laden verlässt, rennt Harry ihm voller Verzweiflung hinterher und bricht auf der Straße, in den Armen von Nancy zusammen und stirbt. In Nathans Augen wurde Harry durch die Worte von Gordon ermordet.  
    Als Nathan in Harry Büro geht, findet er ins einem Schreibtisch ein Testament das besagt, dass der Laden inklusive all dem Inventar an Rufus und Tom vererbt wird.  
    Kurz nach Harrys Beerdigung beschließt Rufus auf seine Anteile am Laden zu verzichten und zu seiner Familie zurück zugehen - er verlässt New York und kam nie wieder zurück.  
    Da Rufus fort ist und Tom keine neuen Mitarbeiter einstellen kann, springt Nathan ein, wann immer es ihm Möglich ist. In den nächsten Tagen trifft Nathan sich wieder mit seiner Tochter und Honey zieht bei Tom ein, wenige Monate später heiraten sie und Lucy zieht bei ihnen ein.  

    Als sich Rory eines Tages bei Tom meldet, klingt sie verängstigt und kann ihnen nur noch eine Straße nennen, aber nicht die dazu gehörige Stadt. Kurzerhand macht sich Nathan mit Hilfe eines alten Kollegen auf die Suche und findet Rory. Sie wurde von ihrem religiös fanatischen Mann im Haus festgehalten und Nathan hilft ihr zu entkommen. Sie erklärt ihm, dass sie Lucy zur Sicherheit wegschickte, weil sie nicht mehr wollte das ihr Ehemann seinen Einfluss auf sie hat und die einzige Chance die sie sah, war Lucy zu Tom zu schicken. In New York angekommen ziehen Rory und Lucy bei Nancy ein, die sich inzwischen von ihrem Mann hat scheiden lassen. Nathan hatte in der Vergangenheit Nancys Mutter Joyce kennen und lieben gelernt, sodass auch er wieder in einer glücklichen Beziehung ist.  
    Als Nathan und Joyce eines Abends zuhause sind, durchfährt Nathan ein stechender Schmerz, er denkt es ist ein Herzinfarkt, wobei es tatsächlich nur eine Entzündung der Speiseröhre war. 
    Während Nathans Zeit im Krankenhaus, macht er sich mehr und mehr Gedanken über das Leben von normalen Menschen und kommt schließlich zu der Idee einer Biographieversicherung - er will Biographien über normale Menschen schreiben, damit ihre Angehörigen eine Erinnerung bleibt, von einem Menschen, der schon lange fort ist. Als Nathan das Krankenhaus am nächsten Morgen verlässt, ist er entschlossen seine Idee in das Unternehmen Realität werden zu lassen und als erstes Buch die Biographie über Harry zu schreiben.  
    Er ist der glücklichste Mensch der Welt in diesem Augenblick des 11 September 2001, kurz bevor das erste Flugzeug in das World Trade Center rast. 

    meine Meinung zum Buch'Die Brooklyn Revue' war anders als viele Bücher die ich bisher gelesen habe. 

    Sprachlich hatte ich am Anfang mit einigen Fachwörtern zu kämpfen, vor allem wenn Tom über sein Literatur Studium erzählte. Dazu kam dann an einigen Stellen der starke Kontrast von Nathan, der öfters mal eine eher vulgäre Sprache benutzt. 

    Eines der ersten Dinge die mir nach beenden des Buches aufgefallen sind ist, dass ich die Inhaltsangabe irreführend finde. Natürlich soll die Inhaltsangabe nicht alles vorweg nehmen, aber ich finde es wird etwas angedeutet, worum es hauptsächlich gar nicht geht. 

    Für mich ging es in dem Buch um Nathan, der dachte das der Rest seines Lebens todlangweilig wird. Aber Tag für Tag passiert etwas neues, manchmal nur Kleinigkeiten, die sein Leben aber doch entscheidend verändern.  
    Mir war nach den ersten 100 Seiten um ehrlich zu sein immer noch nicht klar worum es in dem Buch geht. Aber ist das nicht genau der Punkt im Leben? Man macht etwas und weiß gar nicht so genau wieso man es macht und worauf es hinaus läuft? Nathan hat durch seine Familie, die er eigentlich schon fast vergessen hat, wieder ins Leben gefunden und ist glücklich geworden.  
    Aber auch für die anderen Charaktere des Buches gab es Veränderungen - einige waren positiv, andere leider negativ. 
    Nathan konnte ich mir von allen am besten vorstellen, wobei ich sagen muss, dass nicht wirklich eine emotionale Bindung zu den Charakteren hergestellt wurde. Etwas schade wie ich finde, aber andererseits sollte dies wahrscheinlich nicht der Fokus des Buches sein.  
    Ich bin mir auch nicht sicher, ob ich die Message richtig verstanden habe, aber dennoch war es eine angenehme Lektüre, die mich nicht total vom Hocker gehauen und gefesselt hat, aber eine nette Geschichte für Zwischendurch war. 

    (Und für einen Menschen der New York so sehr liebt wie ich, ist es natürlich einfach schön Brooklyn besser kennen zulernen) 


    Gefühl nach der letzten SeiteWie nach einem Kurztrip aus dem New Yorker Brooklyn wieder nachhause zu kommen und eine kleine, schöne Geschichte erzählen zu können. 
    Und gelernt zu haben, das man niemals Cola in ein Auto kippen sollte! 


    eine Weiterempfehlung?Wenn ihr auf der Suche seit nach einem Buch seid, dass sich mit dem Leben an sich beschäftigt, aber nicht zu schwer aufwiegt, sondern eher eine Hommage an Leben mit all seinen Überraschungen ist - JA 
    Und wenn ihr Brooklyn liebt und etwas in Fernweh verweilen wollt. 


    Zitate> "Ein gerissener Schurke ist mir jederzeit lieber als ein frommer Trottel. Er mag sich nicht immer an die Regeln halten, aber er hat Schwung. Und solange noch jemand Schwung hat, gibt es Hoffnung für die Welt." 

    > "Solange die Geschichte weitergeht, existiert die Wirklichkeit nicht mehr" 

    > "Am ende würden wir alle sterben, und wenn man unsere Leichen wegbrachte und in die Erde bettete, würden nur unsere Freunde und Angehörigen wissen, dass wir nicht mehr da waren. Radio und Fernsehen würden nicht über unseren Tod berichten. Die New York Times würde keinen Nachruf bringen. Man würde keine Bücher über uns schreiben. Eine solche Ehre bleibt den Mächtigen und Berühmten vorbehalten, den außerordentlichen Talentierten. Wer aber mach sich die Mühe, Biographien gewöhnlicher, unbesungener, alltäglicher Menschen zu veröffentlichen, wenn sie auf der Straße an uns vorbeigehen?" 

    > "Die meisten verschwinden einfach. Ein Mensch stirbt, und nach und nach verlieren sich alle Spuren seines Lebens. Ein Erfinger lebt in seinen Erfindungen weiter, ein Architekt in seinen Bauwerken, aber die meisten Menschen hinterlassen weder Monumente noch dauerhafte Leistungen: ein Regal mit Fotoalben, ein Zeugnis aus dem fünften Schuljahr, einen Bowling-Pokal, einen Aschenbecher, geklaut aus einem Hotelzimmer in Florida am letzten Morgen eines inzwischen fast schon vergessenen Urlaubs. Ein paar Gegenstände, ein paar Dokumente, ein paar Eindrücke, die man bei anderen Leuten hinterlassen hat!" 

    > "Man sollte die Macht von Büchern nie unterschätzen." 

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    The iron butterflys avatar
    The iron butterflyvor 4 Jahren
    "Unwiederbringlich die vertändelten Tage..."

    Eine überstandene Lungenkrebs-Therapie, eine abgeschlossene Scheidung und die Frühpensionierung veranlassen den 59-jährigen Nathan Glass zu einem regelrechten Neuanfang. Er zieht aus seinem Haus in New Jersey in ein kleines Apartment in Brooklyn, New York und gestaltet seinen Alltag von Grund auf neu. Um nicht untätig durch die Stunden zwischen den Besuchen im Cosmic Diner und dem umwerfenden Lächeln der Kellnerin Marina zu treiben, beschließt Nathan sein Schreibprojekt "Das Buch menschlicher Torheiten" zu forcieren. So notiert er eigene Erlebnisse mit Fettnäpfchen-Charakter, aber auch Begebenheiten, die er als Fremdschämer erleben durfte.
    Paul Auster schreibt gekonnt und sprachlich hochwertig, so dass der Einstieg in die Brooklyn-Revue keineswegs dröge wirkt. Sein Nathan Glass ist ein Menschenkenner, ein Beobachter, ein stiller Genießer, Mann, Vater, Bruder, Onkel, ein symphatisch anmutender Jedermann.
    Als er eines Tages durch den Zufallsmechanismus der Großstadt seinem Neffen Tom Wood über den Weg läuft, wartet das Leben mit neuen Impulsen auf. Durch Tom lernt Nathan dessen Arbeitgeber, den Antiquar Harry Brightman kennen und plötzlich ist die Rede vom großen Coup, dem Verkauf eines gefälschten Manuskriptes. Ist das die Chance auf Reichtum und Unabhängigkeit?
    Aber Leser falsch gedacht, hier geht es nicht um drei verkauzte Typen, die ihr Leben träumen. Viele weitere Begegnungen und eine Vielzahl menschlicher Augenblicke machen die Geschichte(n) so bindend, dass man nach knapp 350 Seiten erstaunt das Buch zur Seite legt.
    "Man sollte die Macht von Büchern nie unterschätzen." Ist wohl das essentielle Resümee, das Auster seinem Nathan Glass auf den letzten Seiten auf die Lippen legt.
    Ich muss noch dazu sagen, dass es mein erster Auster Roman war, daher kann ich keine Vergleiche ziehen. Gelangweilt habe ich mich bei der Lektüre der Brooklyn Revue nie, da die Protagonisten so lebendig wirken, als könnten sie um die Ecke wohnen. Ein wundervoll schlichter Roman auf die reinste Art und Weise. Somit soll es nicht mein letzter Auster gewesen sein.

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 6 Jahren
    Rezension zu "Die Brooklyn-Revue" von Paul Auster

    „Nathan Glass ist zum Sterben nach Brooklyn gekommen. Das ist nur die jüngste auf der langen Liste seiner Torheiten...“

    Ich bin begeisterte Auster- Leserin, die Brooklyn Revue hat mich aber ein wenig enttäuscht. Natürlich, die literarische Anspielungen in den Namen der Protagonisten sind wie stets unterhaltsam und Austers fast schon obligatorische und immer souveräne Streifzüge durch die Literatur erfüllen das Leserherz mit Begeisterung, die formalen Experimente aber, die es sonst so sehr zum hüpfen bringen, blieben leider aus. Dieser Auster ist eher reizarm, und gäbe es da nicht dieses gut gemachte Ende, würde ich mich fast dazu hinreißen lassen, ihn als fade zu bezeichnen: das einzige Spielchen, was PA seinem Leser in Brooklyn Revue gönnt, ist der gute alte Buch – in – Buch – Trick. Hinzu kommt die Frage: Lesen wir tatsächlich in Nathans „Buch der Torheiten“, wie der Protagonist zuweilen vorgibt, oder handelt es sich hier um sein Projekt „Bios“, und wir halten einen Nachruf auf Nathans Neffen Tom in den Händen? Wird der gute, kluge, Tom etwa in Staub und Tränen von 9/11 sein frühes Ende finden? Nun, es sieht so aus, als wäre in jedem Fall noch ein zweiter Lesegang nötig :)

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    WinfriedStanzickvor 7 Jahren
    Rezension zu "Die Brooklyn-Revue" von Paul Auster

    Paul Auster ist einfach ein begnadeter Geschichtenerzähler, dessen Bücher man regelrecht schmecken und riechen kann. Er verbreitet schon auf den ersten Seiten eine ganz eigene Aura, er führt seine Personen auf eine Weise ein, die den Leser sofort gefangen nimmt. Und dann lässt man sich treiben von einer Geschichte zur anderen, traurige und lustige Geschichten sind das, jüdische Geschichten, Anekdoten und Witze, und all die einzelnen Geschichten einer Handvoll Personen ergeben ein Bild. Ein Bild eines Stadtteils, einer Stadt, des Zustandes eines Landes kurz vor seiner bisher größten Katastrophe am 9.11.2001.

    Obwohl er immer beschreibend bleibt, bezieht Auster Position über seine Figuren; konkret wird das in den Diskussionen um die Wahl zwischen George Bush jr. und Al Gore:
    „Wann hat ein Volk zum letzten Mal auf einen Busch gehört? Antwort: Das Volk Israel, und das Ergebnis war, sie mussten 40 Jahre in die Wüste.“

    Nathan Glass, ein frühpensionierter Versicherungsvertreter, hat die Scheidung von seiner Frau und eine Krebstherapie einigermaßen glücklich überstanden und beschließt, von New Jersey nach Brooklyn zu ziehen, wo er die ersten drei Jahre seines Lebens verbrachte. Er zieht dorthin, „um auf den Tod zu warten.“

    Nathan Glass schreibt gerne, und so legt er ein Buch an, das er „ Das Buch menschlicher Torheiten“ nennt, und in dem er „ in möglichst einfacher und klarer Sprache jeden Fehler festhalten (will), jede Blamage, jede Peinlichkeit, jede Idiotie, jede Schwäche und jede Albernheit, die ich im Laufe meiner langen, buntscheckigen Karriere als Mann begangen hatte.“ Auch Geschichten von Bekannten oder auch historische Ereignisse sollen Eingang in dieses Buch finden.

    Von einigen dieser Geschichten erfährt der Leser auch, doch als Nathan eines Tages bei einem Bummel durch Brooklyn zufällig seinen Neffen Tom Wood trifft, schreibt das Leben die Geschichten auf einmal selbst. Tom ist ziemlich heruntergekommen und jobbt bei einem Antiquar namens Harry Brightman, einem jüdischen Unikum. Spätestens hier bei der Schilderung, wie es in diesem Buchparadies zugeht und welche Geschichten dort umgeschlagen werden, kommen einem die beiden von Paul Auster geschriebenen Filme „Smoke“ und „Blue in the Face“ in den Sinn, wo ein Eckladen Ort der Begegnung von allerlei menschlichen Unikaten ist.

    Und ähnlich wie dort, begegnen uns auch hier im neuen Buch von Paul Auster Menschen, deren vordergründige Erscheinung nur Fassade ist für die Geschichte, die sich dahinter verbirgt, und die nur darauf wartet, erzählt zu werden. Ja, manchmal drängt sicch der Eindruck auf, das Leben sei einfach nur eine Reihe von erzählten Geschichten und einer noch größeren Anzahl von noch nicht erzählten, die quasi auf ihre Erlösung warten.

    Nathan Glass rekonstruiert ich-erzählenderweise seine Familiengeschichte und führt zusammen, was zusammengehört. Auch der Tod des mittlerweile zum Freund gewordenen Harry Brightman und sich dadurch zerschlagende Träume von einem gemeinsamen „Hotel Existenz“, von dem vor allem der belesene und noch gesprächigere Tom dauernd redet, können die Lebenslust Nathans nicht bremsen. Vom Warten auf den Tod ist keine Rede mehr. Und er plant ein neues literarisches Projekt: er will Bücher über die Vergessenen herausbringen; Menschen, die niemals einen Namen hatten, will er gegen ein kleines Honorar der Hinterbliebenen einen Namen, eine Geschichte, einen Text, ein Buch geben. Urjüdische Hoffnung, kräftig und stark: „Man sollte die Macht von Büchern nie unterschätzen.“

    Mitten in diesen Plänen – ein Krankenhausaufenthalt hat Nathans gute Gesundheit bestätigt – ist nicht nur Nathan am 9.11.2001 mit dem schrecklichsten Unglück konfrontiert, das New York je erlebt hat.

    „ Aber noch war es erst acht Uhr, und als ich unter dem strahlend blauen Himmel die Straße entlangspazierte, war ich glücklich wie nur je ein Mensch auf dieser Erde.“

    Paul Auster hat ein wunderbares Buch geschrieben, das Lust macht , seine alten Bücher wieder zu lesen.

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    Stefan83s avatar
    Stefan83vor 7 Jahren
    Das Buch menschlicher Torheiten

    Paul Auster, lebend in Brooklyn, verbindet eine besondere Beziehung zu seinem Stadtteil und dessen Bewohnern. Fernab vom strahlenden Glanz und der Pracht Manhattans lässt er hier immer wieder die Handlungen seiner Bücher spielen, wobei er sich des menschlichen Kaleidoskops dieser Gegend bedient und einen Blick unter die raue Schale wirft. Bei Auster werden die Personen, deren Wege man in der Menschenmenge der Innenstadt kreuzt, denen man nur einen kurzen Blick gönnt, zu lebendigen Wesen. Dieser Autor versteht es wie kein zweiter aus einem jedermann einen jemand zu machen, die Anonymität der Großstadt zu entschleiern und aufzuheben. „Die Brooklyn-Revue“ ist da keine Ausnahme von der Regel. Wie schon in der „New-York-Trilogie“ oder „Mond über Manhattan“, so widmet sich Auster auch hier den Gestrauchelten und Gescheiterten. Denjenigen, die nichts Besonderes hinterlassen werden, keine Berühmtheit sind. Diejenigen, die wir sein könnten.

    Erzählt wird die Geschichte vom geschiedenen Endfünfziger Nathan Glass, der nach überstandener Lungenkrebserkrankung in sein altes Viertel Brooklyn zurückgezogen ist und, da er nichts mehr vom freudlosen Leben zu erwarten hat, sich dort auf den Tod vorbereitet. Doch Brooklyn, dieser Dampfdruckkessel aus Zählebigkeit und schwarzen, robusten Humor, hält für Glass einige Überraschungen bereit, denn obwohl dieser alleine lebt, will sich partout keinerlei Melancholie bei ihm einstellen. Ganz im Gegenteil: Der Literaturfreund entschließt sich dazu, auf seine alten Tage ein Buch zu schreiben, mit dem Ziel „in möglichst einfacher und klarer Sprache jeden Fehler festzuhalten, jede Blamage, jede Peinlichkeit, jede Idiotie, jede Schwäche und jede Albernheit, die ich im Laufe meiner langen buntscheckigen Karriere als Mann begangen habe." Der Titel soll „Das Buch menschlicher Torheiten“ lauten. Und Inspirationen lassen nicht lange auf sich warten.

    Schnell hat sich Glass in Brooklyn wieder eingelebt. Zudem trifft er eines Tages auf seinen Neffen, den düster philosophierenden Tom Wood, der einstmals eine große Karriere an der Universität vor sich hatte, nun über das Taxifahren als Verkäufer in einem Antiquariat gelandet ist. Besitzer dieses Paradieses für Bibliophile, welches Glass immer häufiger aufsucht, ist der homosexuelle Jude Harry Brightman, dessen unrühmliche Vergangenheit als Bildfälscher die ein oder andere dunkle Episode aufweist und der ebenfalls in New York neu angefangen hat. Gemeinsam lechzt dieses Trio von Versagern, Aussteigern und Verlassenen nach Läuterung oder zumindest einem gnädigen Ende, mit dem sich die Fehler des Lebens besser ertragen lassen. Bei einem längeren Gespräch im Restaurant beschließt man, bei vorhandenen finanziellen Mitteln, ein „Hotel Existenz“ zu gründen, das zur gemeinsamen und perfekten Zuflucht werden soll. Glass muss nun feststellen, dass das Leben die Geschichten selbst zu schreiben beginnt. Bevor die drei ihre Idee jedoch umsetzen können, taucht plötzlich die neunjährige Lucy bei Tom auf, Tochter seiner seit Jahren verschollenen Schwester Aurora. Und Lucy ist es nun, die den drei Männern den Weg zu weisen scheint …

    Was auf den ersten Blick nach der Schilderung eines ausklingenden Lebensabends klingt, entpuppt sich bereits nach wenigen Seiten als viel mehr. Paul Auster hält sich nämlich nicht lange mit Glass' Lebensbericht auf, sondern benutzt diesen nur als Einstieg in die episodenhafte, mehr oder weniger ausführliche Schilderung der verschiedensten Personen und Begebenheiten, die irgendwie alle, und sei es nur durch den vom Autor so oft bemühten Zufall, in einem Zusammenhang stehen, deren Beziehungen untereinander wie in einem Reigen sich neu formieren, wieder zerfallen, sich anders orientieren, bis am Ende des Buches nichts mehr so ist, wie es mal war. Auster beschreibt im Buch keine typische amerikanische Familie, sondern eine von Randexistenzen (Schwule, Lesben, Transen, Juden etc.) bevölkerte Gruppe. Doch trotz allen Unglücks, Krankheit, Wahnsinn und Wut kämpfen alle, um nicht gänzlich zu versinken und helfen sich gegenseitig, um gemeinsam ein Stück weiter zu kommen.

    Mit welch geschliffener und kultivierter Sprache Paul Auster einen Brooklyn'schen Reigen über Gott und die Welt, Liebe, Leid und Literatur inszeniert, ist schlicht atemberaubend. Gespickt mit klugen Binnenstories über Kafka und die Puppenbriefe, Wittgenstein, den prügelnden Philosophen, wie auch literarisch-philosophischen Diskursen über Poe, geleitet Erzähler Nathan Glass durch ein wahres Schicksalslabyrinth. Hier offenbart sich Austers große Kenntnis und sein Talent als grandioser Geschichtenerzähler. Kaum ein anderer Autor vermag das Unspektakuläre und Alltägliche in eine solch faszinierende, bildhafte und ausdrucksstarke Form zu packen, wie der Amerikaner. Ihm ist eine Aura eigen, welche den Leser mit allen Sinnen gefangen nimmt und ihn einfach nicht loslässt. Die übliche Distanz zur künstlichen Figur will sich hier erst gar nicht einstellen. Stattdessen taucht man tief in Austers Brooklyn ein, lässt sich treiben in dieser Geschichte voll anderer lustiger und trauriger Geschichten. Ausschnitte aus Leben, so anders und doch so gleich wie unsere eigenen, die aus der nicht identifizierbaren Masse der Großstadtbevölkerung Gesichter von Menschen kreieren. Gesichter von Menschen, die uns im Gedächtnis bleiben. Zusammen ergeben sie ein Bild eines Stadtteils, einer Stadt und eines Landes, das sich kurz nach der Wahl des Versagers Bush zum Präsidenten seiner größten Katastrophe entgegentaumelt.

    Auster lässt den Traum vom ewigen Idyll abrupt in einer Staubwolke enden, die an einem strahlenden Septembertag des Jahres 2001 Brooklyn verdunkelt. Die tiefste Wunde, welche dieser Stadt je geschlagen wurde, steht, und das wird zwischen den Zeilen immer wieder deutlich, für das Ende einer Ära und den Beginn einer Neuen. Eine Epoche, die wieder Unwägbarkeiten, Zufälle, Rückschläge und Tragödien bereithalten wird … welche aber wiederum der Mensch, mit dem Willen zur Veränderung verkraften kann und zu überstehen in der Lage ist. Oder wie es Nathan Glass mit seinem letzten Satz sagt: „Man unterschätze nicht die Macht der Bücher“. Passender hätte Auster keinen Schlussstrich unter sein Werk ziehen können, dass sich mit dieser Aussage quasi aufs Schönste selbst bestätigt.

    Insgesamt konnte mich auch mein dritter Paul Auster wieder auf ganzer Linie überzeugen. „Die Brooklyn-Revue“ ist ein machtvolles, aber doch unaufdringliches und leichtes Stück Literatur, das gleichsam lehrt und unterhält. Ein (vor allem wegen der Figur Nathan Glass) wunderschönes Buch, das meine Lust nach weiteren Werken dieses Autors befeuert und mir sicherlich länger im Gedächtnis bleiben wird.

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    einMalTees avatar
    einMalTeevor 7 Jahren
    Kurzmeinung: Highlight des gesamten Buches, das Kapitel "Nach Norden"!!!!
    Rezension zu "Die Brooklyn-Revue" von Paul Auster

    Auster ist das Genie für außergewöhnliche Romane und Erzählungen, die Spannung bieten und immer wieder ungeahnte Wendungen aufzeigen. „Die Brooklyn-Revue“ gehört in jedem Fall dazu.
    Nathan Glass, Ende fünfzig, hat alle seine Zelte eingerissen und ist zum Sterben nach Brooklyn gegangen, um dort mit einem Haufen Erspartem seinem Leben ein schönes Ende geben, das durch Krebs früher enden soll als gedacht. In seinem normalen Leben vorher hat er Lebensversicherungen verkauft, eine Scheidung verkraftet und schon lange keinen Kontakt mehr zu seiner Tochter Rachel gehabt.
    Alte Sorgen sollen ihn in seinem neuen Umfeld, das ihm überraschend gut gefällt, nicht weiter stören. Doch es kommt, wie es kommen muss. Er trifft zufälligerweise seinen Neffen Tom in einem Antiquariat, nicht sein Traumjob, die Dissertation hat er nicht bis zum Ende gepackt und schleicht sich von einem niedrig-bezahltem Job zum nächsten.
    Toms Boss ist die Schlüsselfigur im Roman. Henry hat keinen besonders glücklichen Lebenslauf zu verzeichnen, Betrug und Knast zeichnen einen Großteil davon. Und nun soll der nächste große Coup kommen: Ein Manuskript fälschen und damit viel, viel Geld machen. Alle drei sollen davon profitieren.
    Während dieses illegale und heikle Geschäft mehr oder weniger seinen Lauf nimmt, trifft Nathan bezaubernde Frauen, wunderliche kleine Mädchen, die es in sich haben und eine alte Bekannte wieder, die von ihrem christlich-fundamentalen Mann tyrannisiert wurde.

    Paul Auster schreibt sehr menschlich und das in jedem einzelnen Satz. Eine der Eigenschaften, die das Buch mehr als lesenswert macht. Es geht ums Leben, wie es brilliert und wie allen mal den Kopf zerbricht. Natürlich geht es auch um Liebe und das – und dies soll eine Stärke sein – ganz ohne viel Pathos. Austers edler und gleichzeitig schnörkelloser Schreibstil macht das Lesen angenehm und lässt die Seiten nur so verschlingen. Erstaunlich sogar, dass viele Handlungsstränge, die alle ausreichend zur Geltung kommen, in die gut 350 Seiten passen. Für großartige, literarische Abwechslung innerhalb des Buches sorgt das großartige Kapitel „Nach Norden“, ein herrliches Gespräch über die Essenz der Literatur.

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    lovely_anns avatar
    lovely_annvor 8 Jahren
    Rezension zu "Die Brooklyn-Revue" von Paul Auster

    Zunächst möchte ich eine Bemerkung vorweg schicken: der Klappentext lügt.
    Als ich das Leseexemplar von der Brooklyn Revue in die Hand bekommen habe, habe ich mich sehr gefreut. Bis ich den Klappentext gelesen habe. Der liest sich zunächst wie ein typischer Auster-Roman, aber dann endet die Inhaltsangabe mit den Worten: ...man schreibt den 11. September 2001. An dieser Stelle habe ich das Buch zugeklappt und war mir nicht sicher, ob ich es überhaupt lesen will. Gut, daß ich es trotzdem getan habe, denn wie gesagt: der Klappentext lügt. Er will suggerieren, daß der 11. September ein dramatischer Höhe- und Wendepunkt im Buch ist und einen großen Raum im Buch einnimmt. Doch das tut er nicht. Das Buch endet am 11. September um 8 Uhr des New Yorker morgens, Stunden vor den schrecklichen Ereignissen. So nehmen diese Ereignisse im Buch keinen Raum ein, die große Entwicklung und Läuterung des Protagonisten hat längst stattgefunden und das Leben schon so manche Haken geschlagen. Und mit dem Schlußabsatz, die auf das historische Datum hindeutet, schafft der Autor nur ein Gefühl: nichts ist beständig. Glauben wir jetzt noch, unser Leben ist im Griff und alles hat sich wunderbar gewendet, kann nur wenige Stunden alles ganz anders aussehen und die große Veränderung muß nicht mal direkt mit uns zu tun haben.
    Und vielleicht geht es jedem anderen ja so wie mir, als ich diesen Absatz gelesen habe. Da wußte ich auch noch, wie der Protagonist der Geschichte, wie ich mich 46 Minuten vor dem Ereignis gefühlt habe.
    So wird Auster dem 11. September in einer Art gerecht, die ich ergreifender finde, als jede Beschreibung der Ereignisse.
    Rowohlt hat sich mit diesem Klappentext keinen Gefallen getan, auch wenn es wohl eine durchdachte Marketingstrategie sein dürfte.
    So, ich habe jetzt zu diesem Datum mehr geschrieben, als Auster selbst und darum jetzt zum Buch und zur eigentlichen Handlung:
    Nathan Glass ist ein Ex-Versicherungsvertreter, in Scheidung lebend, pensioniert, der sich nach einer Krebstherapie nach Brooklyn zieht, um zu sterben. So deprimierend fängt das Buch an. Doch Auster wäre nicht Auster, wenn es so weitergehen würde: Nathan trifft seinen fast verschollen geglaubten Neffen Tom Wood in Brooklyn wieder. Der hoffnungsvolle Jungakadmiker hat sein Studium abgebrochen und arbeitet nach einer kurzen New Yorker Taxifahrer-Karriere im Antiquariat des zwielichtigen Harry Brightmann. Damit hätten wir den dritten im Bunde: Harry, hinter dessen seriöser Antiquarfassade, sich ein ehemaliger Betrüger und Knastbewohner verbirgt, der jetzt den nächsten Coup ausheckt. Dieses Trio macht den Anfang und es reihen sich noch etliche weitere Biographien ein aus der Familie und der Brooklyner Nachbarschaft.
    Auster erzählt viele Geschichten einer Familie und einer Nachbarschaft, aber das Buch hat kein zentrales Thema, außer man möchte: es kommt sowieso alles anders... als ein zentrales Thema betrachten. Es sind Geschichten, die das Leben schreibt. Von Liebe, Tod, Fanatismus... und das ganze mit netten kleinen politischen Seitenhieben.
    Mein Urteil:
    ein absolut fantastisches Buch und ich kann es nur wärmstens empfehlen. "Unterhaltung auf hohem, aber nie abgehoben-intellektuellem Niveau" - so habe ich es in einer Kritik gelesen und das unterschreibe ich. Für mich ist es wieder einer der besseren Auster- Romane. Ich habe selten ein Buch gelesen, daß mich gleichzeitig so unterhalten und so emotional berührt hat. Zum lachen und zum weinen, pessimistisch und optimistisch, aufbauend und abbauend... das Buch bietet alles und damit auf 350 Seiten eine Fülle, die manche nicht auf 1000 Seiten unterbringen.

    Kommentare: 1
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    W
    wawa39vor 8 Jahren
    Rezension zu "Die Brooklyn-Revue" von Paul Auster

    Fand ich jetzt nicht schlecht, aber auch nicht besonders. Schwanke so zwischen 3 und 4 Sternen. Da macht man nicht verkehrt, aber ich meine, es gibt mittlerweile überraschendere Entwicklungsrome, auch von deutschen Autoren (Thommie Beyer z. B.)

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    nickidovor 8 Jahren
    Rezension zu "Die Brooklyn-Revue" von Paul Auster

    auster wie er leibt und lebt... verwirrende Geschichte verwirrendes Endszenario... immer schön zum Mitdenken

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    PaulTemplevor 8 Jahren
    Rezension zu "Die Brooklyn-Revue" von Paul Auster

    Nathan Glass, geschieden und von seiner Familie und Verwandschaft isoliert, wartet auf seinen Tod und zieht nach Brooklyn, nichtsahnend, dass sein Leben noch weit davon entfernt ist, zu ende zu gehen.
    Wie in fast allen Büchern von Paul Auster spielt der Zufall eine große Rolle, der auch in der "Brooklyn-Revue" Nathan mit seinem Neffen und dessen Schwester zusammentreffen lässt. Es entsteht eine ganze Kette mal glücklicher, mal unglücklicher Umstände, die Nathan nach und nach zu seiner Familie zurückführen lassen.
    Ein sehr herzerwärmendes, amüsantes und auch mit ernsten Untertönen angereichertes Buch über Familie, deren Auseinanderbrechen und schließliches Zusammenfinden. Ganz ganz toll!

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