Paul Auster Sunset Park

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Inhaltsangabe zu „Sunset Park“ von Paul Auster

Eine Tragödie, ein Spiel, ein Meisterwerk Sunset Park beschreibt die Hoffnungen und Sorgen einer unvergesslichen Schar von Menschen, die in den dunkelsten Zeiten der amerikanischen Wirtschaftskrise zusammenkommen: ein rätselhafter junger Mann, der wie besessen Trümmer fotografiert; eine kühle Cineastin mit Hang zum Androgynen; ein politischer Aktivist, der in seiner Klinik für kaputte Dinge Artefakte einer verschwundenen Welt repariert; eine Malerin erotischer Themen; eine einst gefeierte Schauspielerin, die sich auf ihr Comeback am Broadway vorbereitet; ein Kleinverleger, der versucht, seinen Verlag und seine Ehe zu retten.

Es kam kaum Leseflus auf - die Story hat mich leider wenig gepackt

— Callso
Callso

Interessante Charaktere, eine für Auster recht realistische Handlung - warum das am Ende so ausgehen musste, konnte ich nicht nachvollziehen

— Corsicana
Corsicana

Ein guter "Auster". Beschreibung der Charaktere, Zusammenführung der Handlungsfäden, Sprache: perfekt. Nur das Ende ist mir zu offen...

— Teetrinker
Teetrinker

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  • Schicksale in Zeit der US-Wirtschaftkrise

    Sunset Park
    Callso

    Callso

    04. September 2017 um 15:30

    Ich nehme es vorweg, ein Buch, das mich sehr enttäuscht hat. Ein Roman, der stark anfing, aber den Anfangsschwung nicht halten konnte. Es kamen immer neue Charaktere hinzu, die für den Lesefluss bei mir eher hinderlich waren.Es geht um die jünsgte Wirtschaftskrise in den USA, wo  Geringverdiener kaum mehr die Mieten zahlen können. So besetzt eine kleine Gruppe illegal ein Haus, um mietfrei zu wohnen. Und es geht um diverse Einzelschicksale zwischen Liebe, Hoffnung, Ängsten und der Verwirklichung in Hobby und Beruf. Die Story und die vielen Charaktere haben mich leider weniger emotional gepackt oder fasziniert. Mit fortlaufender Geschichte verfranste sich die Story immer mehr, so dass ich leider keine Empfehlung aussprechen kann. Und leider auch vom Buchende war ich arg enttäuscht...**************************Großes Jubiläum - meine 400. Buchrezension - ich bin bestrebt munter weiter zu machen....***************************

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  • Schockstarre der Wirtschaftskrise

    Sunset Park
    schwarz_auf_weiss

    schwarz_auf_weiss

    16. April 2017 um 07:41

    Wieder einmal ist Paul Auster in aller Munde. Und das vollkommen zu Recht, leistet er in seinen Büchern doch regelmäßig Erstaunliches. Bevor ich mich an sein Magnus Opum herantraue das im Regal auf mich wartet, statte ich ihm doch zunächst lieber den einen oder anderen Besuch über seine weiteren Werke ab. Der erste Satz"Seit fast einem Jahr macht er Fotos von aufgegeben Dingen." Miles Heller ist Ende Zwanzig und bereits ein gezeichneter Mann. Mit seiner Intelligenz standen ihm alle Türen offen. Doch die Schuld, seinen Halbbruder getötet zu haben, wiegt schwer und lastet allein auf ihm. Keinem Menschen hat er sich anvertraut – ein Unfall ist die offizielle Lesart. Nach Jahren des inneren Rückzugs von seinen Eltern bricht Heller jeden Kontakt ab, verlässt das College und schlägt sich durchs Leben mit diversen Gelegenheitsjobs. An diesem Punkt steigt der Leser ins Geschehen ein. Heller entrümpelt geräumte Häuser und spürt in den verlassenen Gegenständen den ehemaligen Bewohnern nach. Ein gutes Geschäft in den Jahren nach der geplatzten Immobilienblase. Eine Freundin hat er so auch gefunden – Pilar Sanchez, blutjung, klug und voller Leben. Nach den Jahren der Rastlosigkeit könnte sich erstmals wieder so etwas wie ein geregeltes Leben einstellen. Wäre da nicht Pilars Schwester, die damit droht, der gesetzeswidrigen Affäre ein Ende zu setzen. Heller muss also abermals flüchten, um einer Anzeige zu entgehen und ihre Liebe bis zu ihrer Volljährigkeit zu retten. Er kommt zurück nach New York und findet Unterschlupf bei Bing Natham, einem Freund aus alten Tagen. Natham hat mit zwei jungen Mitbewohnerinnen in einer schäbigen Ecke Brooklyns ein heruntergekommenes Haus besetzt und lebt seinen Traum des Aufbegehrens gegen die Behörden. Auster zeichnet das Haus als Sammelbecken der Gescheiterten. Alle sind jung und gut ausgebildet, aber der amerikanische Traum scheint bereits ausgeträumt und ist in Zeiten der allumfassenden Krise nur noch ein Hohn vergangener Tage. Aufgewachsen in wohlbehüteten Verhältnissen, haben die im Sunset Park Gestrandeten nie gelernt, sich gegen ihr Schicksal zu stemmen. Lethargisch versuchen sie sich zu arrangieren und warten indessen auf die Erholung der Wirtschaft und eine erste Chance im Leben. Auf der anderen Seite stehen Hellers Eltern und seine Stiefmutter: kurz vor dem Ruhestand gelten alte Sicherheiten und Erreichtes nicht länger und ein neuer Tatendrang ist erforderlich, den man verdientermaßen bereits abgelegt hatte. Jedem Charakter sind mehrere Kapitel gewidmet, die in einer sehr distanzierten und nüchternen Sprache das Innenleben beleuchten. Mit dem zusätzlichen Inhalt zahlreicher Rückblenden setzt sich damit ein prägnantes und ehrliches Bild jedes Einzelnen fest. Damit allein ist Sunset Park für mich bereits lesenswert. Auster will aber mehr. Er will von der Krise erzählen, der wirtschaftlichen wie der gesellschaftspolitischen. Er will ein Amerika zeigen, dass seiner Illusionen und seiner Zukunftsträume beraubt und dem moralischen Verfall bestimmt ist. Den verloren gegangenen Werten stellt er die Künstler und Intellektuelle als Aufrechte entgegen, die aus Idealismus weitermachen und zum Überleben eine Nische im System suchen. In seiner generellen Aussagekraft ist das zugegebenermaßen sehr einfach gestrickt, in der individuellen Erklärung aus den Charakteren heraus jedoch sehr einfühlsam dargestellt. "Ich wollte wirklich ein besserer Mensch werden. Nur darum ging es. Besser werden, stärker werden – dagegen ist ja wohl nichts einzuwenden, aber es ist auch ziemlich vage. Woran erkennt man, dass man besser geworden ist? Nach vier Jahren auf dem College bekommt man zum Abschluss eine Urkunde, die einem bestätigt, dass man in allen Fächern bestanden hat. Aber so war das hier nicht. Woran hätte ich meine Fortschritte messen können? Also mache ich weiter, ohne zu wissen, ob ich besser wurde oder nicht, ohne zu wissen, ob ich stärker wurde oder nicht, und nach einer Weile dachte ich gar nicht mehr an das Ziel und konzentrierte mich nur noch auf den Weg." Trotz des ausufernden Plots bleibt das Schicksal Hellers zentrales Element. Und auch hier will Auster mehr. Die Verarbeitung von Schuld, die sich selbst auferlegte Bestrafung und die Schwierigkeit eines Weges zurück reichen ihm nicht. Es müssen darüber hinaus zerbrochene Ehen, Untreue und die schleichende Sprachlosigkeit zwischen ehemals Liebenden sein. Weniger wäre hier deutlich mehr gewesen. Am Ende bleibt wie immer die Dunkelheit. Es kam, wie es kommen musste. Die Zwangsräumung reißt die Ersatzfamilie auf Zeit auseinander und lässt von neuem vereinsamte Individuen zurück. Doch ganz Auster-untypisch keimt in Gestalt Pilars Hoffnung auf. Hoffnung auf eine Zeit nach der Krise mit einer Generation, der vielleicht abermals alles offen liegt. Was bleibt?Es ist nicht der große Wurf, der es vermutlich hatte werden sollen. Legt man den Anspruch an ein großes umfassendes Sittengemälde der Krise ab, verbleibt ein Buch, das verletzte, unsichere Menschen auf der Suche nach ihrem Platz im Leben zeigt. Unabhängig vom umgebenden Kontext ist das so eindrucksvoll geschildert, dass Sunset Park nicht leicht abzustreifen ist.

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  • Licht und Schatten in Sunset Park...

    Sunset Park
    Creed

    Creed

    14. April 2015 um 20:24

    Ein weiterer, sprachgewaltiger Roman von Auster, der letzte, den er bislang veröffentlicht hat. Seine beiden nachfolgenden Werke besitzen eher autobiographischen Charakter. "Sunset Park" glänzt durch eine Handvoll vielschichtig erdachter Figuren, deren Lebensumstände und Schicksale sich verknüpfen. Einige der Charaktere bewohnen ein von ihnen besetztes, heruntergekommenes Haus im titelgebenden New Yorker Stadtteil Sunset Park, und Auster gelingt ein bedrückendes Bild der Zustände im heutigen Amerika. Das Buch ist jedoch nicht unbedingt eine politische Tour de Force, wie auf dem Umschlag des Romans zu lesen ist, die Figuren sind zwar gezwungen, in diesem Haus unrechtmäßig Quartier zu nehmen, aber die Hintergründe des Scheiterns jeder einzelnen Figur liegen weniger im Finanziellen als vielmehr im Persönlichen. Jede der Personen erleidet Schicksalsschläge, traf in der Vergangenheit Fehlentscheidungen, die ihr weiteres Leben maßgeblich beeinflussen und Auster gelingt es, diese menschlichen Dramen sprachlich grandios herauszuarbeiten und (zum ersten Mal in seiner Laufbahn als Schriftsteller) erzählt er die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven. Ein Kapitel besteht darüber hinaus lediglich aus Tagebucheinträgen. Diese verschiedenen Erzählebenen sind spannend, emotional mitreissend und wunderbar flüssig zu lesen, auch wenn Auster nur wenig wörtliche Rede und lange, jedoch vollkommen klar verständliche Sätze benutzt. Wieder einmal muß ich die hervorragende Übersetzungsarbeit von Werner Schmitz hervorheben, der bis auf wenige Ausnahmen sämtliche Auster-Werke ins Deutsche transportiert hat. Der Text fließt beim Lesen dahin, kein falscher Satz, kein falsches Wort. Das Buch endet folgerichtig düster, ein Happy End bleibt der Autor schuldig. Alles andere hätte sich aufgrund des Plots auch falsch angefühlt. Fazit: Ein rundum gelungenes Buch, dramatisch, emotional, dunkel und mit hervorragend ausgearbeiteten Charakteren besetzt. Volle Leseempfehlung, verbunden mit der Hoffnung, dass Auster sich bald mal wieder der reinen Romanform zuwendet.

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  • Über die Verletzungen des Lebens

    Sunset Park
    BeaMilana

    BeaMilana

    Ich schätze Paul Auster seit mehr als gefühlten zwanzig Jahren, weil er sich, wie kaum ein anderer Autor mit Figuren am Rande der Gesellschaft und mit Literatur auseinandersetzt. Ich mag seine Einsamkeit, auch hier. Im Zentrum des Romans steht Miles Heller, ein begabter und intelligenter Junge, der sich unerwartet von seiner Familie, einem Verleger und einer Schauspielerin, lossagt und nach sieben Jahren Abwesenheit von Florida nach New York zurückkehrt. Miles findet in einem besetzten Haus im Sunset Park, nahe eines Friedhofs, Unterkunft. Jeder seiner drei jungen Mitbewohner ist im Kampf mit sich selbst und auf der Suche nach Selbstfindung und Halt in der Gesellschaft. Sunset Park ist ein äußerst vielschichtiges Buch – ein feines Psychogramm verschiedenster Figuren und wie gewohnt, nicht ohne Reflexionen zu Literatur und Film, hier: "Unsere besten Jahre" von William Whyler aus dem Jahre 1946. Dennoch scheint mir die Geschichte überfrachtet. Dass Miles Trauma – ein vermeintlicher Brudermord belastet sein Gewissen –, sowie das Scheitern aller Figuren – ihre Zerwürfnisse, Fehltritte, Krisen, Ängste (der Verleger wird zum "Dosenmann"), Schicksalsschläge, (selbst die berühmter Footballlegenden), – als Gleichnis für das Scheitern und den Untergang Amerikas herhalten muss, missfällt mir, obwohl auch ich eine Moralistin bin. "Solange man keine Verletzung davongetragen hat, kann man kein Mann werden." In Sunset Park geht es darum, die Verletzungen des Lebens zu überwinden. Natürlich endet diese wohl realistischste Geschichte Austers nicht wie in einem erfolgsverwöhnten Hollywoodfilm, doch manchmal sollte man auf sein Herz hören oder auf das Herz der Hauptfigur (und das Konstrukt beiseite legen oder darauf vertrauen, dass Wunden auch heilen können). Ich habe mir gewünscht, dass wenigstens Miles nach all den Hoffnungsschimmern und seiner auferlegten Buße nicht an einem Punkt des Scheiterns zurückgelassen wird. Trotz seiner Düsternis ein lesenswertes Buch, das nachdenklich stimmt.

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    • 2
  • Klasse Auster-mäßig geschreiben, aber...

    Sunset Park
    Gruenente

    Gruenente

    29. June 2014 um 19:34

    Bing Nathan findet in Sunset Park, New York ein unbewohntes haus und bezieht es kurzerhand mit einigen Freunden. Bing versucht sich aufzulehnen und repariert ältere, defekte Dinge. Darunter Alice Bergstrom, die ihre Doktorarbeit schreibt und in einer nicht besonders glücklichen Beziehung lebt und kein Geld hat. Ellen Brice, Maklerin, sie ist unglücklich weil sie keine Beziehung hat und zeichnet gern. Später kommt noch Miles Heller hinzu, er hat eine Minderjährige Freundin und ein dunkles Geheimnis wegen dem er vor Jahren seine Familie verliess. Jeder kommt in diesem Buch ausgiebig zu Wort und die Entwicklung der jeweiligen Protagonisten steht im Vordergrund dieses Romans. Ausserdem ist da noch Morris Heller (Alter-Ego des Autors?), Vater von Miles der um seinen Verlag und zweitweise um sein Leben kämpft und dessen Ehe auch in der Krise steckt. Alles ist auch miteinander verbunden. Viele machen Kunst, es wird geschrieben, fotografiert, gezeichnet... Ein Film "Die besten Jahre unseres Lebens" wird von jedem Protagonisten gesehen und interpretiert. Bing ist mit Morris über die Jahre während Miles verschwunden war im losen Kontakt, so dass der Vater eine Ahnung hat wo der Sohn steckt. In New York trifft Miles seine leiblichen Eltern wieder, die Stiefmutter ist in London und kann ihm einiges nicht verzeihen. Um alles herum New York mit seiner ganzen Differenziertheit. Paul Auster ist wieder klasse, aber... Ja in diesem Buch gibt es einige Abers: was soll der Schluß? Was will uns das Buch sagen? Sind die Verbindungen nicht zu gekünstelt? Ein Lesevergnügen das viele Fragen offen läßt, die auch in der lesekreis-Diskussion nicht für alle abschliessend geklärt werden konnten.

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  • Eine amerikanische Tragödie

    Sunset Park
    Duffy

    Duffy

    10. June 2014 um 17:46

    "Sunset Park" ist eine heruntergekommene Wohngegend von New York. Dort steht ein unbewohntes Haus, das vier junge Menschen besetzen. Es ist die Geschichte von Miles, Ellen, Alice und Bing, die hier zufällig zusammenkommen, jeder aus einem Teil von Amerika, dieses Amerikas, dessen Zustand des wirtschaftlichen Zusammenbruchs in der Krise entlarvend für den moralischen Zustand einer Gesellschaft ist. Es ist auch die Geschichte von Morris, Mary-Lee, Simon, Bobby, Walla und vielen anderen, die in einem Gefüge auseinandergebrochener Werte versuchen, ihren Platz zu finden oder zu verteidigen. Es ist die Geschichte vom Ende der Zeit des Wohlstands, die nicht genutzt wurde, um das Wohlergehen aller Menschen sicherzustellen. Es ist die Geschichte von Niederlagen, deren Ursachen nicht rechtzeitig erkannt wurden, um sie so abzumildern, dass man einen Neuanfang hinbekommen hätte, ohne seine Würde zu verlieren. Es ist ein beklemmendes Buch, das zwar Amerika vorführt, aber den globalen Kollaps meint. Es ist kein spannendes Buch, weil es gar nicht vorrangig um die einzelnen, von Auster natürlich gewohnt brilliant erzählten Geschichten geht. Es geht um das Ganze, den Moloch, den Drachen, das alles Verschlingende, das alles Individuelle zerstörende. Das zu beschreiben, ist Auster auf 320 Seiten gelungen. Deswegen ist dieses Buch wichtig, ist festzustellen, dass, solange es noch Autoren wie Auster gibt, auch das Wort noch einen Wert hat. Ganz nebenbei ist es auch noch eine schriftstellerische Meisterleistung, aber irgendwie erwartet man das von diesem Autoren mit jedem Buch. Ein Phänomen, dass diese Erwartungen noch nicht enttäuscht wurden.

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  • Düstere Gesellschaftsdiagnose

    Sunset Park
    fcbfrosch

    fcbfrosch

    16. April 2013 um 11:47

    Meine Bewertung: Sunset Park erzählt die Geschichte zahlreicher, mit ihrem Leben in größerem oder kleinerem Maße scheiternde Personen, die Halt in einer amerikanischen Gesellschaft suchen, die ihnen keinen geben kann. Als eine der zentralen Hauptfiguren kann man sicher Miles Heller betrachten, den jungen Mann, der als Kind einen Unfall seines Stiefbruders mitverschuldete, und sich seitdem dank der Schuldgefühle – ob unberechtigt oder nicht steht gar nicht zur Frage – in eine andere traurige, abwehrende Person verwandelt. Er bricht mit seiner Familie, nachdem er ein Gespräch zwischen seinen Eltern mithört, in dem sie über ihn nicht viele positive Sätze verlieren. Miles probt sich in einem Leben ohne Fesseln und Zwänge, bricht die Schule ab, dümpelt von einem Job zum Nächsten und lebt im Hier und Jetzt statt Gedanken auf die Zukunft zu verwenden. Dann lernt er die junge Pilar kennen, mit spanischen Wurzeln Amerikanerin in der zweiten Generation von Einwanderern, mit blühenden Zukunftsaussichten und einer hohen Intelligenz und Lebensfreude. Sie ist noch minderjährig, und Miles verlässt sie (nur räumlich), nachdem er mit ihrer Schwester in Konfrontation gerät. Er zieht in das brüchige Holzhaus im Sunset Park, New York. Dort trifft er auf die Doktorarbeit schreibende Alice, die depressiv verstimmte Ellen und den gutmütigen, aufbrausenden Bing, der während der Jahre von Miles Abwesenheit ständig Kontakt zur Familie des Freundes hielt. Ich habe lange gebraucht, bis ich in diesen Roman hinein fand. Es war nicht unbedingt der Schreibstil, der mich auf Distanz hielt. Ganz im Gegenteil: Ich mag Austers Art zu Schreiben in Sunset Park ganz gerne. Es ist eine sehr intensive Wortführung, sehr feinfühlig für Stimmungen und trotzdem nicht zu drohend einnehmend. Vielmehr strengte mich dieser Wust an verlorenen Identitäten an: Diese Vielzahl an Verlusten, Verletzungen, Schmerzen und Leiden, die die Figuren stetig mit sich tragen. Und so ist meiner Meinung nach auch Miles Erkenntnis in seinen Kindertagen zu einem Roman („Wer die Nachtigall stört“) das passendste Zitat zu diesem Buch:   „Verletzungen sind ein wichtiger Teil des Lebens und solange man nicht irgendeine Verletzung davongetragen hat, kann man kein Mann werden.“ (S. 192)   Miles kämpft mit sich, mit der Schuld am Tod seines Stiefbruders und er bestraft sich selbst, indem er auf Genüsse des Lebens verzichtet: Alkohol, Zigaretten, Frauen. Ellen ist eine gebrochene junge Frau, auf der Suche nach ihrer künstlerischen Identität, verloren in sexuellen Bedürfnissen und Neigungen, in ihrer Depressivität und Einsamkeit. Alice befindet sich in einer unglücklichen Beziehung mit ihrem Freund, ist unzufrieden mit ihrem Körper, muss sich nach dem Ende ihrer Affäre neu definieren und finden und ihre Doktorarbeit schreiben. Überhaupt bringt Alice ein Symbol in dieses Buch: Der Film „Unsere besten Jahre“ von William Wylers über die Rückkehr der amerikanischen Soldaten nach dem zweiten Weltkrieg. Dieser Film verbindet alle Figuren. Für die junge Frau ist er Hintergrund ihrer Dissertation über die Nachkriegsjahre in Film und Kunst. Miles Verbindung liegt in dem Blick auf die schweigsamen Männer dieser alten Generation, die sich von der heutigen in den (un-)gesprochenen Worten unterscheidet. Während die Männer unserer Zeit sich viel artikulieren, trugen die Väter, Brüder, Söhne des Krieges ihren Schmerz, ihre Erfahrungen und ihr Leid still in sich. Das Buch ist aus meiner Sicht sehr düster. Es malt kein besonders positives Bild der amerikanischen Gesellschaft, die in gewissen Zügen auch unserer europäischen ähnelt. Es ist eine Geschichte über von der Wirtschaftskrise getroffene Menschen, die allesamt sehr intellektuell sind und doch kein Geld haben, in einem heruntergekommenen Haus wohnen müssen und von einem Tag in den nächsten leben. Jede der Figuren ist von Schmerz gezeichnet, von Rückschlägen und einer gewissen Art an Orientierungslosigkeit und Hoffnungslosigkeit, die einen sehr melancholisch-beklemmenden Geschmack hinterlässt. Jede der Figuren wandelt sich, setzt sich mit seinem Ich bewusst auseinander, sucht einen Weg für sich dieses Leben zu gestalten. Und doch haftet ihnen immer etwas an, was mich an Unschuld erinnern lässt, obwohl sie alle die Wahl hatten, ein besseres Leben zu haben als das, was sie in den Sunset Park trieb. Diese Passivität ihrer Lebensgestaltung stört mich ein wenig. Und doch ist Sunset Park ein sehr intensives Buch, das mich berührt hat. Es ist gut durchdacht, es hat eine Botschaft und die Figuren sind allesamt interessant, wenn auch traurig.   Fazit: Sunset Park ist auf jeden Fall ein empfehlenswertes Buch für alle, die sich ein wenig mit der Suche nach Identität auseinandersetzen wollen in der heutigen Zeit, die für einige perspektivenlos erscheinen mag. Für mich ist es eine Bereicherung, wenngleich ich mich an manchen Dingen darin stoße. Das ist vor allem eine sehr depressive Stimmung, die suggeriert, dass Schmerz im Leben überwiegt. Trotzdem hat Auster einen sehr angenehmen Schreibstil, der in die Tiefe geht und in den düstersten Ecken eines Menschen wühlt. Und der sich kritisch mit der heutigen Gesellschaft und ihrer Krisen und inneren Kriege auseinandersetzt.

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  • Schicksale junger Amerikaner im Sunset Park

    Sunset Park
    Buecherwurm1973

    Buecherwurm1973

    11. April 2013 um 13:59

    Miles Heller arbeitet als Reiniger von verlassenen Häusern. Er liebt die minderjährige Pilar. Er lebt mit ihr zusammen. Als die Schwester von Pilar ihn erpresst und er nicht darauf eingeht, flieht er nach New York. Ein ehemaliger Schulkollege hat ihm geschrieben, dass er mit anderen zusammen ein verlassenes Haus im Sunset Park bewohnt. Er hat ihm angeboten, ebenfalls dort zu wohnen. Seine Rückkehr nach New York ist für ihn nicht ganz einfach. Denn ist es auch eine Begegnung mit seiner Vergangenheit. Er fühlt sich verantwortlich für den Tod seines Stiefbruders. Daraufhin brach jeglichen Kontakt zu seinem Vater und seiner Stiefmutter ab. Auf dem Buchrücken steht „Dieser Roman ist eine emotionale und politische Tour de Force – am Puls der Zeit und dunkel glänzend“. Dieser eine Satz hat mich dazu gebracht, dieses Buch zu lesen. "Emotionale Tour de Force" und "am Puls der Zeit" unterschreibe ich sofort. Paul Auster hat die Charaktere und ihre Schicksale sehr authentisch beschrieben. Aber die Politik war nur unterschwellig ein Thema. Davon habe ich mir mehr erwartet. Ich habe noch nie ein Buch von Paul Auster gelesen. Mir ist dieses Buch per Zufall in die Hände geraten. Sein Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. Er schreibt sehr authentisch und tiefgründig. Aber der Inhalt hat mich nicht überzeugt. Der Fokus war mehr auf die Schicksale der Menschen gerichtet. Diese wurden aber nicht von der Finanzkrise ausgelöst wie beschrieben. Diese hätten auch in den goldenen 80er passieren können. Fazit: Das Buch kann den Versprechungen der Kurzbeschreibung nicht standhalten. Leider.

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  • Rezension zu "Sunset Park" von Paul Auster

    Sunset Park
    Mrs_Nanny_Ogg

    Mrs_Nanny_Ogg

    04. February 2013 um 15:30

    Miles Heller hat beschlossen, nur noch im Hier und Jetzt zu leben. Nachdem der vielversprechende Student vor über 7 Jahren das College abgebrochen und jeglichen Kontakt zu seinen Eltern beendet hat, reist er von Job zu Job durch die USA - bis er sich in Florida Hals über Kopf in Pilar verliebt. Doch das intelligente Mädchen geht noch zur Highschool und ist noch nicht volljährig. Dieser Umstand zwingt ihn dazu, zurück in seine Heimatstadt New York zu gehen. Sein bester Freund Bing, der einzige, zu dem er während all der Jahre noch Kontakt hat, ist dort illegal in ein leer stehendes Haus eingezogen, zusammen mit 2 anderen jungen Frauen, die sich auf Grund der steigenden Miete keine Wohnung mehr leisten können. Bing bietet Miles an, sich ihnen anzuschließen. Im Haus in Sunset Park leben die vier jungen Menschen miteinander in einer merkwürdigen WG: Alice, die Literaturstudentin, die gerade an ihrer Doktorarbeit schreibt, die depressive Ellen, die dort wieder anfängt zu zeichnen, Bing, der Kopf des aufrührerischen Unternehmens, der sich in jeder Beziehung erst orientieren muss und Miles, der auf Pilars 18. Geburtstag wartet. Miles nimmt zaghaft wieder den Kontakt zu seinen Eltern auf und fängt an sein Leben neu zu ordnen. Alle vier verändern sich während dieser Zeit, fangen an, Pläne für ihre Zukunft zu machen, bis zu dem Tag, an dem der endgültige Räumungsbefehl kommt. Der Roman ist sehr aktuell. Er beschreibt das Leben während der jüngsten amerikanischen WIrtschaftskrise, in der es schwierig ist, Zukunftspläne zu verwirklichen. Der Protagonist Miles führt es uns klar vor Augen, wenn er sich am Schluss des Romanes fragt, "ob es sich lohnt, auf eine Zukunft zu hoffen, wenn es keine Zukunft gibt, und von jetzt an, nimmt er sich vor, wird er aufhören, sich irgendetwas zu erhoffen, und nur noch für das Jetzt leben, für diesen Augenblick, diesen flüchtigen Augenblick, das Jetzt, das hier ist und dann nicht mehr hier ist, das Jetzt, das für immer verschwunden ist." Mir gefällt Paul Austers Erzählstil. Es gelingt ihm, gleichzeitig nüchtern und distanziert zu wirken, und doch gleichzeitig ein umfangreiches Seelenbild seiner Figuren zu geben.

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  • Rezension zu "Sunset Park" von Paul Auster

    Sunset Park
    alvy

    alvy

    22. January 2013 um 13:14

    Ein neuer Paul Auster-Roman. Her damit - ich habe die meisten seiner Bücher gelesen, begonnen nit der "New York"-Trilogie. Und während der Lektüre kam mir folgender Gedanke. Ich mag Auster-Romane so wie Woody Allen-Filme - beiden haben eine klare Handschrift und immer wiederkehrende Motive. Sind es bei Woody Allen die am Tisch sitzenden Runden, die beim Plaudern in Geschichten entführen und die leichtfüssigen Bezüge zu grossen Denkern und intellektuellem Habitus, so sind es in den Auster-Büchern doch immer wieder eben Bücher, die im Zentrum stehen. Es geht oft um Literatur und Lesen - und das durchaus obsessiv. Das halte ich für insprierend. Austers zweite Leidenschaft, die ich herauslese, ist Baseball. Hier kann ich ihm weniger folgen. Sowohl bei "Sunset Park" als auch bei "Mr. Vertigo" sind dies jene Passagen, bei denen ich zum überlesen neige. Fatal, denn Auster entwickelt mit Hilfe des Sports durchaus zentrale Analogien. Davon abgesehen ist es grossartig in "Sunset Park" einzutauchen, in die Welt eines Getriebenen wie Vertriebenen. Der seinen Weg bitter konsequent zu Ende geht. Am Ende von "Sunset Park" steht für mich jedenfalls der Beschluss ein paar seiner ältern Bücher noch einmal zu lesen.

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  • Rezension zu "Sunset Park" von Paul Auster

    Sunset Park
    Talen D.

    Talen D.

    23. September 2012 um 01:15

    Der Buchrücken lockte mich mit einem Hauch von Rebellion durch Formulierungen wie "besetztes Haus" und "politische Tour" in Zeiten der "Wirtschaftskrise", doch musste ich Schicksale von Menschen lesen, die selbst nicht wussten wohin mit sich und ziellos aneinander Halt suchten. Im Grunde werden Schicksale beschrieben, hauptsächlich die von Miles Heller, der von zu Hause geflüchtet ist und nun seine Rückkehr unverhofft plant. Er sucht Zuflucht bei seinem guten Freund Bing, der ein Haus in New York besetzt hat, um Miete zu sparen. Dort leben auch Ellen, eine Zeichnerin, die neue Facetten an sich entdeckt und Alice, die an ihrer Dissertation schreibt. Die verschiedenen Dramen gipfeln schließlich und... wie war nochmal die Buchbeschreibung? Ach ja ich hatte mir politische Diskussionen erhofft, die das Zweifeln schürt; ein Gefühl von Revolution, die ein wenig am System kratzen, doch eigentlich werden verlorene Menschen dargestellt, die versuchen sich selbst zu finden. Ohne viel Mühe liest man das Buch runter und sucht nach ein paar Lichtblicken und Spannungsbögen, doch man trifft nur auf Figuren mit eigentümlichen Marotten, die miteinander auskommen müssen. Kein außergewöhnliches Buch für mich, ich hatte mir mehr erhofft.

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  • Rezension zu "Sunset Park" von Paul Auster

    Sunset Park
    Monsignore

    Monsignore

    21. September 2012 um 23:32

    Mit gerade spielerische Leichtigkeit breitet Paul Auster eine Personengesellschaft aus, die er differenziert porträtieren und in komplexe Handlungs- und Zeitebenen einbinden kann. Nach mehreren eher schwachen Romanen entfaltet Auster hier sein ganzes Können. Sie sind allesamt Außenseiter, alle berührt von der jüngsten amerikanischen Wirtschaftskrise, sie wohnen in einem besetzten Haus am Park, leben und träumen ihre Möglichkeiten, ihre Fehler, Wünsche und Versäumnisse. Ihre Vorgängergeneration wird ebenfalls am Rande ausgebreitet, widerrum scharfsinnig und so leicht nebenher. Auster gelingt das Ideal des Romans: Unterhaltsam, erhellend und sprachlich niveauvoll rührt er die Herzen an, macht seine Figuren so vorstellbar und menschlich, taucht in tatsächliches Lebens ein und lässt trotzdem nie einen Zweifel an der Fiktion.

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  • Rezension zu "Sunset Park" von Paul Auster

    Sunset Park
    Kathrin_Wessling

    Kathrin_Wessling

    16. September 2012 um 23:21

    Ich liebe Paul Auster, wirklich. ich habe fast alles von ihm gelesen und obschon ich manches nicht bis in die Tiefe mag, so kann niemand ihm sein literarisches, sprachliches und ausdrucksstarkes Talent bzw. Schreiben absprechen. Paul Auster gehört nicht zu Unrecht zu den wichtigsten amerikanischen Gegenwartsautoren. Bei SUNSET PARK jedoch habe ich mich über große Strecken gelangweilt. Und ich glaube, dass das zu einem großen Teil an der Übersetzung liegt, die bisweilen grauenhaft ist. Dazu muss man noch nicht einmal das Original kennen: der Übersetzer hat mitunter Sätze konstruiert, die Austers ansonsten so zarte Ästhetik völlig dekonstruieren. Schade!

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  • Rezension zu "Sunset Park" von Paul Auster

    Sunset Park
    Buchhandlung_Karola_Brockmann

    Buchhandlung_Karola_Brockmann

    15. August 2012 um 16:25

    Sunset Park beschreibt die Hoffnungen und Sorgen einer unvergesslichen Gruppe junger Menschen vor dem Hintergrund der jüngsten amerikanischen Wirtschaftskrise. Sie alle treffen sich in einem kleinen besetzten Haus im heruntergekommenen Stadtteil Sunset Park und versuchen ,jeder für sich, den eigenen Niedergang aufzuhalten, Vergangenes zu verarbeiten und eine Zukunft zu finden. Damit haben sie alle vieles gemeinsam mit dem herrschenden Lebensgefühl ihres Landes, aber dieses wundervolle Buch ist nicht nur Mittel zum Zweck, um ein politisches Bild des heutigen Amerika zu zeichnen, nein, es nutzt vielmehr diesen Aspekt als Hintergrund für eine Fülle von Charakterstudien, die zu begeistern weiß. Aus immer wechselnden Perspektiven entführt uns Auster in die Innenwelt seiner Protagonisten, lässt uns teilhaben und verliert doch niemals die Richtung in dieser sehr stringent erzählten Geschichte. Lassen Sie sich dieses Buch nicht entgehen! (Ulrich Brockmann)

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  • Leserkommentare zu Sunset Park von Paul Auster

    Sunset Park
    Kurile

    Kurile

    via eBook 'Sunset Park'

    Vielleicht sein erstes Alterswerk. Ruhig und gekonnt.

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