Paul Auster Winterjournal

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Inhaltsangabe zu „Winterjournal“ von Paul Auster

«Sprich jetzt, bevor es zu spät ist.» Sich selbst befragend erzählt Paul Auster von seinem Leben. Er lässt Liebesbeziehungen aufleben: viele zunächst, und dann - dreißig Jahre lang - die eine, große Liebe! Und er spricht über die Begegnungen mit dem Tod, über seinen Körper, über Krankheiten und Süchte - all die Versuchungen, sich dem Verfall, dem Alltag zu entziehen. Ein mitreißendes, poetisches Buch in dem man dem Schriftsteller und Menschen Paul Auster sehr nahe kommt.

Eine beeindruckende Biographie, die sich liest wie ein Roman.

— hannipalanni

In den Autor kann man sich glatt verlieben

— hexhex

Eine fesselnde und authentische Autobiographie über die "Winterzeit" eines außerordentlichen Schriftstellers.

— Bob68

Unfassbar an was sich Auster alles erinnert! Ich liebe dieses Buch, es ist genial!

— freiegedanken

Ausschnitte aus dem Leben eines Autors. Es ist immer wieder eindrucksvoll, wie intensiv Paul Auster sein Leben erlebt.

— Blaetterwind

Sehr gut zu lesen, emotional, authentisch und ehrlich

— Lucina

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Kukolka

Hammerharte Realität, hammerhart erzählt. aber Umsetzung + Stil waren leider nicht so mein Fall. Sehr distanziert. Dennoch grausame Realität

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  • Der Winter des Lebens

    Winterjournal

    Buecherschmaus

    "Sprich jetzt, bevor es zu spät ist, und hoffentlich kannst du so lange sprechen, bis nichts mehr zu sagen ist. Schließlich verrinnt die Zeit. Vielleicht solltest du deine Geschichten fürs Erste einmal beiseite legen und zu ergründen versuchen, wie das für dich war, in diesem Körper zu leben - vom ersten Tag , an den du dich erinnern kannst, bis heute. Ein Katalog der Sinnesdaten. Was man eine Phämenologie des Atmens nennen könnte."Zur Zeit der Entstehung des Winterjournals 2011 ist Paul Auster gerade 64 geworden, in den "Winter seines Lebens" eingetreten. So viele seiner Familienangehörigen, Freunde und Weggefährten leben nicht mehr. Nicht zum ersten Mal Zeit, sich seines eigenen Lebens zu vergewissern, sich zu erinnern. Immer wieder tauchten auch in der Vergangenheit autobiografische Texte in Austers Werk auf, nicht zuletzt begann mit einem solchen, "Der Erfindung der Einsamkeit" seine Karriere als Prosaschriftsteller, nachdem er einiges an Lyrik vorgelegt hatte. Auch in seinen Romanen findet man viel Material aus Austers eigenem Leben. Dieses in seinen autobiografischen Schriften wiederzufinden, ist ein Mehrwert bei der Lektüre.Weiterlesen ...Das "Winterjournal" geht nicht chronologisch vor. Es springt vielmehr in den Zeiten und den Lebensorten, erzählt assoziativ. Beginnend bei einem Schneesturm in Brooklyn wandern Austers Erinnerungen zunächst in die Kindheit. Kleine Momentaufnahmen, Bruchstücke, prägende und unvergessene Situationen, Leitmotiven seines Lebens, oft auch Momente, an denen der Autor (vermeintlich) scheiterte. Hier versucht jemand, Ordnung ins Chaos des eigenen Lebens zu bringen. Eine Selbstvergewisserung an einem Punkt im Leben, an dem man die Zielgerade bereits vor Augen hat.Dieser persönliche Ansatz wird auch dadurch unterstützt, dass Paul Auster durchgehend in der zweiten Person mit sich spricht. Das erzeugt eine ungeheure Privatheit, eine Vertrautheit mit dem Leser. Gleichzeitig verdeutlicht es aber auch die Diskrepanz, die zwischen Selbst- und Außenwahrnehmung besteht, aber auch zwischen dem kindlichen Ich und dem des Autors in vorgerücktem Alter. Austers Reflexionen über das eigene Leben sind meist von einer tiefen Melancholie durchdrungen, auch wenn er immer wieder betont, wie glücklich sein Leben ist, zumal in der Ehe mit seiner großen Liebe, der Schriftstellerin Siri Hustvedt, die mittlerweile über 30 Jahre andauert. Auch wenn seine Kindheit und Jugend als glücklich beschrieben wird, lauert in der Rückschau stets Trauer. Die unglückliche Ehe seiner Eltern, ihre Trennung, das sind Dinge, die Auster auch heute noch beschäftigen. Mit großer Ehrlichkeit widmet er sich auch den eigenen Unzulänglichkeiten, Situationen, in denen er nach eigener Meinung versagt hat. Viel Raum bietet er körperlichen Gegebenheiten. So zählt er alle Narben seines Körpers auf und wie sie entstanden sind, erzählt von hand2greiflichen Auseinandersetzungen und immer wieder sexuellen Begegnungen, auch mit Prostituierten. Von frühester Jugend an war er ein Mann mit großer Sehnsucht nach den Frauen.Ein besonders schöner Abschnitt ist seinen bisherigen Wohnsitzen und den dazugehörenden Phasen seines Lebens gewidmet. Von den Vorstädten Newarks und längeren Aufenthalten in Paris und einem kürzeren an der Westküste der USA sind es immer wieder die Straßen New Yorks, die ihn beherbergen, bis er schließlich in Haus Nr. 21 in Park Slope, Brooklyn ankommt. Nach eigenen Bekunden sein Lebensort. Hier möchte er bis zu seinem Tod bleiben. Das Thema Tod - der Tod eines Freundes durch einen Blitzschlag, den der 14jährige Auster unmittelbar miterlebt, der Tod der Großeltern, und des Vaters, der unfassbare Mord der Großmutter am Großvater, der Beinahetod der eigenen Familie bei einem schweren Autounfall. Besonders aber der Tod der geliebten, aber auch unverstandenen Mutter, einer rätselhaften Frau, eitel und herzlich, zupackend und ängstlich - kehrt immer wieder.Austers Sprache ist eilig vorpreschend, dann wieder in Details verharrend, z.B. als er minutiös den Film D.O.A. (Death on Arrival) beschreibt, den er eines Abends sieht oder aber sich in minutiösen Aufzählungen verliert. Stilistisch ist das Buch gewohnt brillant, sein Rhythmus fließend und melodiös. Etwas, was sicher zu dem ungeheuren Sog beiträgt, den diese Aufzeichnungen auf den Leser ausüben.So liest man diese - eigentlich oft - Alltäglichkeiten und Banalitäten eines Lebens fasziniert und interessiert.Paul Auster kommt dem Leser sehr nahe in diesem Winterjournal, auch wenn er niemals voyeuristische Neigungen bedient."Das Ende des Lebens ist bitter."zitiert er den französischen Essayisten Joseph Joubert von 1815. Und"Man muss liebenswert sterben (wenn man kann)."Wahrscheinlich kann ein Mensch am Ende seines Lebens nichts Größeres leisten", mutmaßt Auster."Deine nackten Füße auf dem kalten Boden, wenn du aus dem Bett steigst und zum Fenster gehst. Du bist vierundsechzig Jahre alt. Draußen ist alles grau, fast weiß, die Sonne nicht sichtbar. Du fragst dich: Wie viele Morgen bleiben noch?Eine Tür ist zugefallen. Eine andere Tür hat sich geöffnet.Du bist in den Winter deines Lebens eingetreten."

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    Buecherschmaus

    03. March 2017 um 16:18
  • Rückschau mit Leib und Seele...

    Winterjournal

    Creed

    09. July 2016 um 07:31

    Wäre Paul Auster nicht bereits mein absoluter Lieblingsschriftsteller, würde er es spätestens nach der Lektüre von "Winterjournal" sein. Ein grandioses Werk voller Weisheit, Intelligenz und reichhaltiger philosophischer Betrachtungen. Eine Autobiographie der besonderen Art, denn Auster erzählt aus seinem Leben, in dem er aus der Sicht seines Körpers schreibt. Begebenheiten und Erlebnisse, die er buchstäblich am eigenen Leib erfahren hat. Vieles, das er berichtet, ist nicht schön, er erzählt vom Tod der Eltern, von Krankheiten, persönlichen Krisen und Unfällen in der Kindheit. Aber durch Austers wunderbar ruhigen und intelligenten Schreibstil erscheinen diese Begebenheiten eher interessant als deprimierend. Man muß diesem Schriftsteller Hochachtung zollen, dafür, dass er so freimütig über seine eigenen Fehler und intime Details aus seiner eigenen Familie schreibt...nicht viele Autoren sind so erbarmungslos ehrlich mit sich. Faszinierend ist der Erzählstil von "Winterjournal" auch dadurch, dass Auster (anders als in herkömmlichen Autobiographien) nicht chronologisch erzählt, sondern immer wieder zwischen einzelnen Lebensabschnitten hin und her springt, von frühester Jugend zu Gegenwart, vom Erwachsenenalter zu Teenagerzeiten, eine Art Bewusstseinsstrom, bestehend aus zum Teil recht langen Sätzen, die aber trotz ihres Umfangs niemals kompliziert sind oder gestelzt klingen. Er schildert akribisch seine über zwanzig Wohnsitze seines Lebens, nutzt diese Aufzählung jedoch nur, um Ereignisse zu rekapitulieren, die sich an jenen Orten zugetragen haben, Dinge, die ihn verletzt oder besonders bewegt haben. Und auch wenn viel von Krankheit und Tod die Rede ist...ein recht großer Teil des Buches ist eine immer wieder durchschimmernde Liebeserklärung an seine Ehefrau Siri Hustvedt, mit der er seit über dreissig Jahren verheiratet ist. Sein grenzenloses Glück, sie gefunden zu haben, liest man in bestimmten Abschnitten des Werkes immer wieder heraus. Auch lenkt er den Blick des Lesers auf scheinbar Alltägliches und sorgt dafür, dass dieser den eigenen Körper und das eigene Leben stärker würdigt. Auf mehreren Seiten beschreibt Auster beispielsweise detailliert, was wir von morgens bis abends mit unseren Händen tun, eine beeindruckende Aufzählung, die verdeutlicht, wie wertvoll und faszinierend ein funktionierender Körper doch ist. Zum Schluß (wie immer) ein großes Lob an seinen ständigen Übersetzer Werner Schmitz, dem es auch hier wieder gelingt, die poetische Sprache Paul Austers in ein wunderbar klingendes, fließendes und geistreiches Deutsch zu verwandeln. Fazit: Eine absolut großartige Autobiographie außerhalb der gewohnten Norm, unterhaltsam, klug, sprachlich brillant. So kann und muß Literatur sein...höchst lesbar und voller Denkweisen, die den Leser auch lange nach der Lektüre beschäftigen und ihm somit erhalten bleiben. Erstklassig.

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  • Ein "Katalog von Sinnesdaten" oder: Eine "Phänomenologie des Atmens"

    Winterjournal

    HeikeG

    02. August 2015 um 14:23

    "Sprich jetzt, bevor es zu spät ist, und hoffentlich kannst du so lange sprechen, bis nichts mehr zu sagen ist. Schließlich verrinnt die Zeit.", ist auf der ersten Seite von Paul Austers "Winterjournal" zu lesen. Zu sagen hat der US-amerikanische Autor mit jüdischen Wurzeln sehr viel. Denn seine mittlerweile 66 Lebensjahre bergen eine Fülle an physischen und psychischen Freuden, aber auch Schmerzen. Wobei sich letztere zweifelsohne beharrlicher und hartnäckiger in sein Gedächtnis gegraben haben, als es vielleicht die alltäglichen Genüsse eines warmen Bades, eines guten Essens oder des warmen Gefühls der Sonne auf dem Gesicht konnten. Sie sind es vor allem, die das wunderbare Buch Austers mit einer stillen Sentimentalität, mit einer melancholischen Winterschwere überziehen. Doch immer wieder regt sich in seinen persönlichen Reminiszenzen ein subtiler Humor, gepaart mit einer großen Dankbarkeit an ein im wahrsten Sinne des Wortes gelebtes Leben. Vielleicht trifft der nachfolgende alte jüdische Witz den Grundton des gesamten Buches am Treffendsten: "Sitzen alte Jüdinnen am Kartentisch, eine nach der anderen stößt einen Seufzer aus, eine lauter als die andere, bis schließlich eine von ihnen sagt: "Ich dachte, wir waren uns einig, nicht über die Kinder zu reden." Über seine Kinder "redet" Paul Auster gleichfalls. Und natürlich über die Liebe, nach der er schon als junger Bub "verrückt" war. Seine zwei Ehen zählen natürlich dazu. Die erste weniger glücklich, die zweite mit der ebenfalls sehr erfolgreichen Schriftstellerin Siri Hustvedt gestaltet sich bereits seit dreißig Jahren zu Austers ganz persönlichem Glücksfall. Sie ist es zudem, der im Buch einige der schönsten Liebeserklärungen zukommen. Auster erzählt nicht chronologisch und auch nicht faktenreich. Es sind eher durch sein Innerstes streifende Gedankensplitter, die sporadisch an die Oberfläche kommen. Zahllose Verlegenheiten sind darunter, genauso wie Zusammenbrüche, Ängste, Fehler und Fehlurteile. Er berichtet von Ritualen, Weggabelungen, aber auch vom Tod, der zuweilen recht persönlich und dringlich an seine Tür klopft. Seine "Körperhüllen" nehmen einen großen Raum ein: "Umschlossene Räume, Behausungen, die kleinen Zimmer und großen Zimmer, die deinen Körper vor dem Freien beschirmt haben." Einundzwanzig ständige Wohnsitze von der Geburt bis zur Gegenwart waren es im Laufe seines Lebens, einundzwanzig Haltepunkte, verstreut auf der ganzen Welt. Und immer wieder diese kalte Winterhauch, der durch die Seiten weht und im Gesicht des Autors seine Spuren, mitunter sogar Narben hinterlassen hat. Doch "es sind Zeichen des Lebens, die verschiedenen in dein Gesicht geschnittenen zerklüfteten Linien sind Buchstaben aus dem geheimen Alphabet, das die Geschichte dessen erzählt, der du bist..." Die ungewöhnliche zweite Person, die Auster gewählt hat, schafft auf der einen Seite Distanz, auf der anderen überlässt gerade sie es dem Leser, in die ein oder andere Rolle zu schlüpfen und einen, vielleicht gar differenzierten Blick auf den Autor zu werfen. Ein Panorama aus Zeit, "die fortschreitet und doch stillsteht, alles anders und doch alles gleich..." Vierundsechzig Jahre war Paul Auster, als er seine "Lebensbeichte" im Winter 2011 zu Papier brachte. "Du fragst dich: Wie viele Morgen bleiben noch? / Eine Tür ist zugefallen. Eine andere Tür hat sich geöffnet. / Du bist in den Winter deines Lebens eingegangen." Mit diesen Worten schließt er sein Buch. Möge jeder Winter eine weitere Tür zum nächsten "Auster-Frühling" sein, der dann wiederum einem goldenen Sommer und einem farbenfrohen Herbst die Klinke herunterdrückt, um im Anschluss daran erneut den immerwährenden Jahreszeiten-Kreislauf erneut zu eröffnen - für den amerikanischen Autor und natürlich seine begeisterten Leser, mich eingeschlossen. Danke, für diesen liebevoll gezeichneten Innenblick, für diese persönliche Sammlung literarisch verpackter Erinnerungen und Wahrnehmungen. Danke für diesen wunderbaren Sinnesdaten-Katalog. Fazit: "Schreiben beginnt im Körper, es ist die Musik des Körpers, und auch wenn die Worte Bedeutung haben, manchmal Bedeutung haben können, ist es die Musik der Worte, wo die Bedeutungen beginnen." Paul Austers ganz intimer Blick auf den gelebten und verwundeten Menschen Paul Auster ("warum sonst hättest du dein ganzes Erwachsenenleben damit verbringen sollen, Worte auf Papier zu bluten?") gestaltet sich als sensible, zuweilen philosophische, aber auf jeden Fall ganz grandiose Komposition: eine "Phänomenologie des Atmens", die durch die deutsche Übertragung von Werner Schmitz ein ebenso wunderbares Leseerlebnis ist und bleibt. Selbst wenn der US-amerikanische Autor in seinem ganz persönliches Fazit feststellt: "weil, wer du bist, ein Rätsel bleibt und du keine Hoffnung hast, dass du es jemals lösen wirst." Aber sind es nicht gerade die ungelösten Rätsel, die ihren ganz besonderen Reiz haben?!

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  • Ein außerordentlicher autobiographischer Roman eines besonderen Menschen!

    Winterjournal

    Bob68

    21. February 2015 um 09:36

    Paul Auster gelingt es in seinem unvergleichlichen gewinnenden und differennzierten Schreibstil eine Autobiographie über den Winter seines Lebens zu schreiben. Er verstrickt sich dabei nicht in Eitelkeiten sondern lädt den Leser unverblümt in seine Innenwelt ein. Auster schreibt hier u.a. über seine sehr wertschätzende und berührende Beziehung mit seiner Frau, um zunehmende körperliche Altersgebrechen, innere Zweifel aber auch um den Segen der gewonnenen Weisheit im Vergleich zu den Zweifeln des früheren Lebens. Man hat als Leser aber nie das Gefühl, dass da ein alter Mann schwadroniert über das Leben, sondern einerseits Teilhaber emotionaler Auseinandersetzungen zu sein und andererseits einen fesselnden Roman zu lesen über einen der bedeutendsten Schriftsteller der Gegenwart.

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  • Einfach wunderbar!

    Winterjournal

    Duffy

    Ob in der darstellenden Kunst, in der Musik oder in der Literatur - man geht mit dem Begriff "Genie" heutzutage sehr großzügig um. doch was ist im künstlerischen Bereich "genial", wie definiert sich das und wer bestimmt diese Definition? Paul Auster, und da kann man von der Aussage her nichts falsch machen, hat in seinem umfangreichen Werk gezeigt, dass er Außergewöhnliches leistet und mit Recht als einer der größten Autoren unserer Zeit bezeichnet wird. Und dieser Autor hat nun als 64jähriger (mittlerweile ist er 67) so etwas wie eine Biografie geschrieben. Er bezeichnet es als "Journal", man kann es auch als Dialog zwischen seinem Körper und seiner Persönlichkeit beschreiben, denn die Körperlichkeit führte ihn auf die Wege, die er als Mensch beschritt. Und diesen, noch nicht gewählten Weg einer Autobiografie, könnte man genial nennen, denn er gibt dem Autoren ganz andere Mittel in die Hand, seinen Lebensweg zu dokumentieren. Auster rechnet nicht ab, er bereut auch nicht, er leidet nicht unter seinen Lebensentscheidungen. Manchmal stellt er Dinge in Frage, ohne jedoch Antworten zu erwarten. Seine Herangehensweise an den Paul Auster, der ihm selbst am nächsten ist, gibt ihm die Möglichkeit einer beeindruckenden Ehrlichkeit, die er für sich nutzt, um nicht Dinge weglassen zu müssen, die man besser nicht in Biografien schreiben will. Er lässt es zu, dass man ihn so kennenlernt, wie er ist und nicht so, wie er sich vielleicht selbst lieber sehen würde. Begleiten tut er seine beschriebenen Lebensstadien mit einer Vielzahl von Einsichten, die man philosophisch nennen kann, aber nicht muss. Vielleicht wäre es geschickter, von erlernten oder sich mit dem Alter entwickelnden Weisheiten zu sprechen, die dem einen oder anderen bekannt oder sogar schon selbst erfahren vorkommen. Das Buch liest sich wie ein Roman. Das ist für eine Biografie ein zweischneidiges Schwert, keimt doch dabei immer ein wenig der Verdacht, dass sich der Autor um dieses Effekts willen ein paar kleine Unwahrheiten ausgedacht hat. Auster ist über jeden, aber auch jeden Verdacht erhaben. Im Gegenteil, es entsteht eine Win/Win-Situation. Der Leser erfährt viel über das abwechslungsreiche Leben des Autoren und Auster kann man durchaus unterstellen, dass für ihn die Niederschrift dieses Journals ein in mehrfacher Hinsicht großer Gewinn war. Man wünscht sich, dass Paul Auster noch viele Jahre lebt und kreativ bleibt. Eine Fortsetzung dieses Journals wäre mit Sicherheit genauso interessant. Für mich war es einfach die schönste, bezauberndste und beste Autobiografie, die ich je gelesen habe.

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    • 4

    Girl56

    13. February 2014 um 12:56
  • Ein Katalog von Sinnesdaten

    Winterjournal

    Buecherwurm1973

    18. December 2013 um 11:15

    Sprich jetzt, bevor es zu spät ist, und hoffentlich kannst du so lange sprechen, bis nichts mehr zu sagen ist. Schliesslich verrinnt Zeit. Vielleicht solltest du deine Geschichte fürs Erste einmal beiseite legen und zu ergründen versuchen, wie es für dich war , in diesem Körper zu leben – vom ersten Tag, an den dich erinnern kannst, bis heute. Ein Katalog von Sinnesdaten. Was man eine Phänomenologie des Atmens nennen könnte. Diese Aussage macht Paul Auster auf der ersten Seite und ist die perfekte Umschreibung für dieses Buch. Er fängt an mit Empfindungen, die jeder Mensch irgendwann im Leben spürt. Der kalte Boden unter den Füsse, hitzige und schwüle Sommer, der Wind im Gesicht im Schneesturm etc.. Dann steht der Leser mit Paul Auster an einem frühen Morgen am Fenster, sieht hinaus und blickt auf seine Kindheit zurück. Immer wieder wechselt er zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Es geht in diesem Buch nicht um seine Lebensgeschichte. Sondern es sind seine Gefühle und Erlebnisse, die ihn geprägt haben. Die er stets in Erinnerung behalten wird. Paul Auster nimmt den Leser mit auf seine Reise zur Selbstfindung. Woher komme ich? Wer bin ich? Warum bin ich so, wie ich bin? Wie bereits geschrieben, steht man anfangs mit Paul Auster am Fenster und blickt zurück. Je länger ich las, desto mehr hatte ich das Gefühl, in den Autor hineinzuschlüpfen. Mit ihm Leid, Schmerz aber auch Glück und Dankbarkeit zu teilen. Fasziniert bin ich, wie er es schafft, so eine Nähe und Vertrautheit zwischen sich und dem Leser aufzubauen. Vielleicht liegt es daran, dass das Buch in der 2. Person Singular geschrieben ist. Man belauscht ihn bei seinen Zwiegesprächen mit sich selbst. Ich war nie ein Fan von Paul Auster. Ich habe bisher erst zwei Bücher gelesen, die mich nicht wirklich überzeugt haben. Aber jetzt hat der Autor eine neue Anhängerin. Ich werde mir nochmals ein Buch von ihm schnappen. Ich bin überzeugt, dass ich es mit einer ganz anderen Sichtweise lesen werde. Für alle, die genauso begeistert sind von diesem Buch: Paul Auster hat nochmals ein Buch über sein Leben geschrieben. Leider ist es erst in Englisch erschienen. Aber ich bin überzeugt, dass es ein perfekter Begleiter zu diesem Buch ist.

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  • Ein Leben in der Waagschale

    Winterjournal

    Babscha

    „Zweifellos bist du ein beschädigter, ein verwundeter Mensch, ein Mann, der von Anfang an eine Wunde in sich herumgetragen hat (warum sonst hättest du dein ganzes Erwachsenenleben damit verbringen sollen, Worte auf Papier zu bluten?) und der Gewinn, den du aus Alkohol und Tabak ziehst, dient dir als Krücke, dein verkrüppeltes Ich aufrecht zu halten und durch die Welt zu tragen“.  Worte aus dem Buch, die das Selbstverständnis des Autors, seine spürbar tiefe innere Traurigkeit und Melancholie, seine permanente Selbstreflexion bei Beobachtung der Welt um ihn herum ziemlich gut charakterisieren. Die Autobiographie bietet Innenansichten eines sehr sensiblen Mannes, der ungeachtet vieler schöner und erfüllender Erlebnisse im Laufe seines vierundsechzigjährigen Daseins offensichtlich ganz schön am Leben selbst zu knabbern hatte und hat, und welches, wie er wiederholt betont, erst in der Verbindung zu seiner jetzigen Ehefrau so etwas wie Halt und Stabilität erhalten hat. Auster erzählt seine Geschichte in der zweiten Person Singular, was anfangs etwas ungewohnt erscheint, jedoch im weiteren Verlauf gut lesbar und auch stimmig ist. Ein elegantes Stilmittel, das den notwendigen Raum schafft, seine sehr persönlichen Gedanken sozusagen als außen stehender Erzähler ohne unmittelbare Einbindung und Betroffenheit des Selbst formulieren und erzählen zu können. Das Buch hat viele starke, intensive und wenige schwächere Momente. Die Passagen, in denen Auster von seinen diversen, mit Ausnahme der letzten immer gescheiterten Liebesbeziehungen berichtet, von der immerwährenden, quälenden Verlockung des Weiblichen schon von Kindesbeinen an sind zumindest nach meinem Dafürhalten leicht überzogen, ebenso wie zum Beispiel auch die epische Aufzählung seiner insgesamt einundzwanzig Wohnungen mit genauer Beschreibung von Lage und Zuschnitt. Dies wird jedoch alles mehr als wettgemacht durch sehr intensiv erzählte Momente aus seinem wahrlich abwechslungsreichen Leben, Kapitel, in denen er sich dem Leser bedingungslos öffnet, ihn teilhaben lässt an seiner eigenen, nicht gerade unproblematischen Familiengeschichte mit teils ignoranten und verschrobenen Verwandten und einer ganz speziellen Mutter, Personen, von denen er sich gerade als Kind mehr als einmal unverstanden und zurückgelassen fühlte, aber auch an glücklicheren Momenten zum Beispiel aus seiner Zeit in Frankreich oder aus seinem heutigen familiären Beziehungs- und Alltagsleben. Nichtsdestotrotz bleibt der Bericht im Ganzen nachdenklich und bedrückt. Es wird deutlich, dass Auster sich hier wohl so einiges, was bis heute nicht abschließend verarbeitet werden konnte, quasi als literarischen Befreiungsschlag von der Seele geschrieben hat. Der Abschluss des Buches mit den Worten „Du bist in den Winter des Lebens eingetreten“ ist für einen Mittsechziger hier doch recht bezeichnend. Ein sehr persönlich geschriebenes, lesenswertes Buch, in dem sich einer der großen Autoren unserer Zeit ganz bewusst selbst entzaubert und dem Leser sein wahres Ich recht nahe bringt. 

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    • 2

    Bri

    03. December 2013 um 20:50
  • Ein Leben, das mit der Zeit verfällt

    Winterjournal

    Bibliomania

    06. November 2013 um 21:34

    Paul Austers Leben in der zweiten Person Singular. Eine wirklich überraschende neue Sichtweise. Sofort hat man das Gefühl selbst Paul Auster zu sein. Sein Leben geführt zu haben. Mit ihm gelitten, sich mit ihm gefreut zu haben. Paul Auster hat ein Leben geführt, das viel mit umziehen zu tun hatte. Immer wieder Geldsorgen, immer wieder die falschen oder gar keine Partner und immer wieder Verletzungen und körperliche Leiden. Und dennoch, er hat sein Glück gefunden, privat, beruflich und es scheint als hätte er auch mit sich selbst  Frieden geschlossen. Ein wirklich interessantes Leben beschreibt Auster in seinem Buch. Er springt zwischen den Jahren und Zeiten hin und her. Mal liest man von ihm als 5-Jähriger, mal ist er 50. Ein turbulentes Leben, das er besonders am Beispiel seines Körpers deutlich macht. 

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