Paul Divjak

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Autor von Der Geruch der Welt, Kinsky und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Paul Divjak

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Der Geruch der Welt

Der Geruch der Welt

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Erschienen am 12.01.2016
Kinsky

Kinsky

 (2)
Erschienen am 01.04.2007
Vorbereitungen auf die Gegenwart

Vorbereitungen auf die Gegenwart

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Erschienen am 26.09.2017
Das war Pop

Das war Pop

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Erschienen am 13.03.2014
Hinter der Barriere

Hinter der Barriere

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Erschienen am 14.11.2006
In der grauen Lagune

In der grauen Lagune

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Erschienen am 01.01.2010
Alpine Interventionen

Alpine Interventionen

 (0)
Erschienen am 08.05.2006
Tamagotchi Tanzmusik

Tamagotchi Tanzmusik

 (0)
Erschienen am 08.03.2017

Neue Rezensionen zu Paul Divjak

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Rezension zu "Der Geruch der Welt" von Paul Divjak

"Jedes Atmen ist mögliches Riechen"
Lesemanievor 3 Jahren

Der Autor, Philosoph und Künstler Paul Divjak, der als Duftpoet schon internationale Museen in stinkende mittelalterliche Kloaken verwandelt hat, oder auch den zarten Duft eines Orangenhains durch die New Yorker Neue Galerie wehen ließ, legt mit seinem Buch Der Geruch der Welt ein Plädoyer zum bewussten Riechen vor.

Seine Thesen rund um bewusstes Riechen untermauert er mit passenden Textpassagen von anderen Philosophen und Kulturtheoretikern, von Dichtern, Schriftstellern und Sängern.
Als Problem, das uns daran hindert, unser Riechorgan bewusster einzusetzen, identifiziert er unser Unvermögen, die Vielzahl an Gerüchen, die tagtäglich auf uns einprasselt, zu benennen:

“Wir können eine Unzahl an Gerüchen unterscheiden, verstehen allerdings kaum, sie zu benennen.”

Ich musste an dieser Stelle an eine Szene aus Harry Potter and the Half-Blood Prince denken, in der Harry zum ersten Mal Amortentia kennenlernt, “the most powerful love potion in the world”. Der Geruch dieses Liebestranks variiert und nimmt die Düfte auf, welche die jeweilige Person als anziehend empfindet. Harry kann zwei der Gerüche identifizieren, die eine solche Wirkung auf ihn ausüben; doch den dritten Geruch vermag er nicht zu fassen: “somehow it reminded him simultaneously of treacle tart, the woody smell of a broomstick handle and something flowery he thought he might have smelled at The Burrow.”

Divjak geht es in seinem Plädoyer gerade darum, uns allen Gerüchen, die uns umgeben, bewusst zu stellen. Nur so können wir bestimmte Gerüche wiedererkennen, zuordnen und benennen:

“Die Lebewesen, die Pflanzen, die Dinge können unterschiedliche Formen besitzen, ein Geruchsfeld markiert sie / umgibt sie. Gerüche müssen spezifisch sein, sie müssen eine Charakteristik besitzen, um wiedererkennbar zu sein […] Jedes Atmen ist mögliches Riechen, alles Riechen mögliches Erkennen. Erkennen ermöglicht das Benennen.”
Und tatsächlich riecht man bewusster beim und nach dem Lesen dieses Buches (was insbesondere beim Pendeln mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht immer gut sein muss), und das liegt nicht nur an den hochinteressanten Thesen und Beobachtungen die Divjak und, in eingestreuten Zitaten, unter anderem Hundertwasser, Agamben, Walter Benjamin und Morgenstern aufstellen und darlegen.Vielmehr liegt das vor allem auch an den Listen, die er in regelmäßigen Abständen in den Text einschiebt:

"Die Abgase eines Trabant. Sommerregen auf heissem Asphalt. Angeröstete Zwiebeln. Ein Hallenbad. Ein Slip. Limonade. Klebstoff. 8×4. Wunderkerzen. Rosmarin."
Ich muss gestehen, bei den Abgasen eines Trabants musste ich passen, aber bei der Vorstellung des Geruchs von Sommerregen auf heißem Asphalt habe ich gerne etwas länger verweilt und so den nassen Märztag für einen Augenblick aus meinem Bewusstsein verbannt. Als ich das Haus kurz darauf verlassen habe, mit neu erwachten Fokus auf meinen Geruchssinn, musste ich mir dann eingestehen, dass das Wetter an sich zwar bescheiden war, mich der hoffnungsfrohe Geruch des kalten Märzregens auf der noch winterträgen Erde dann aber doch ein wenig dafür entschädigte, dass ich durchnässt am Ziel ankam.
Mit diesen Listen von Divjak habe ich mich beim Lesen des Buches lange beschäftigt – zu groß war die Versuchung, die angesprochenen Gerüche tatsächlich im Bewusstsein entstehen zu lassen. Bei manchen, quasi alltäglichen, Gerüchen fällt es einem noch recht leicht: Feuchte Erde, Tomaten, ein Computer… Bei anderen Gerüchen wiederum bedurfte es einiger Anstrengung: Ein Kinosaal, eine Kirche, das Klassenzimmer…Und manche Gerüche erweckten beinahe unmittelbar Erinnerungen an Kindheitstage oder andere vergangene Erfahrungen: Ein Lagerfeuer, ein Tannenbaum, die Schwimmflügel…
Aufgrund dieser Listen, deren Schlagworte bei jedem Leser unterschiedliche Assoziationen und Erinnerungen wecken dürften, liest sich Divjaks Buch nicht “nur” wie ein Aufruf zum bewussteren Riechen. Vielmehr stößt er eine olfaktorische Reise durch die persönliche Vergangenheit an. Schließlich, so singen schon The Sparks in ihrem Lied “Perfume”, das Divjak zitiert:

“The olfactoy sense is the sense
That most strongly evokes memories of the past” (The Sparks, “Perfume”, 2006)


In diesem Sinne: Stop and smell the roses.

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Rezension zu "Kinsky" von Paul Divjak

Rezension zu "Kinsky" von Paul Divjak
HeikeGvor 10 Jahren

Alles bewegt sich. Alles ist Energie.
Im seinem ersten Roman "Kinsky" lässt der Wiener Autor Paul Divjak seinen Protagonisten wahrlich über die Seiten wirbeln. "Ich möchte mehr zurück zu dem, was als Kind funktioniert hat. Den spielerischen Zugang betonen. Ich möchte schauspielern. Ein bisschen dies. Ein bisschen das. Ich möchte Dinge machen, die mir Spaß machen. Ohne mir zu überlegen, ob die Welt schlecht ist. Ob Lobbys aktiv sind. Wer gerade wem den Hahn zudreht. Ich möchte für mich und für meine Leute leben. Ohne mir Gedanken zu machen, was in der so genannten großen, weiten Welt passiert." So sinniert der Protagonist - Graf Kinsky von Wchinitz und Tettau, der jedoch außer seinem Titel keine Erbmasse vorzuweisen hat - in diesem Buch am Ende seines Dauermonologes zu einem unbekannten Gegenüber. Davor erzählt er in rasantem Tempo und zum Teil mit sehr derber Sprache von seinem noch jungen Leben, welches bereits einige Höhen und Tiefen erlebt hat.
Neue Ufer kannst du nur dann erforschen, neue Horizonte nur dann erreichen, wenn du agierst.
Mit siebzehn hat er angefangen an der Wiener Börse zu spekulieren. Mit 20 ist er - obwohl Schulabbrecher - bereits ein schwerreicher Broker ("Ich hatte keine Ahnung vom Broken. Aber: Ich wurde Broker."), mit einem Büro in der Wallstreet, 12 Millionen Dollar Vermögen, 200 Mitarbeitern, einem 18-Stunden-Arbeitstag, "den Rest der Zeit war ich auf Drogen und in Clubs unterwegs… Voller Koks und Tabletten. Total komatös. Weggetreten. Ich war einfach anderswo. - Das war mein Leben."
Doch nach dem Crash der New Economy kam der tiefe Fall. Nun fristet er sein Dasein als VE, als verdeckter Ermittler in Serbien, verdient 1.500 Euro, hat 80.000 Euro Schulden und ist der ständigen Gefahr des Auffliegens ausgesetzt.
Dazwischen wirbelt Kinsky sprachlich geradezu um seinen Zuhörer. ("Ich war immer ein Mensch, der geglaubt hat, alles sei möglich. Es gibt alles. Das wusste ich.") Er sinniert über den Tod, über menschliche Bedürfnisse, den Sinn des Lebens, über Religion und die Kirche, über Drogendeals, Waffenschmuggel, den Staat und über Angst, Misserfolge und Heimweh ("Heimweh nach einem Ort im Inneren. Heimweh nach einem Zuhause. Nach einem Zuhause, das ich nie hatte.")
Kinsky ist exhibitionistisch, ist exaltiert ("Ich war schon immer eine "Rampensau".). Er kann aber auch ganz leise Töne anschlagen, z.B. wenn er von seiner Freundin spricht.
Um am Ende jedoch wieder Vollgas zu geben: "Ich bin nicht ausgebrannt. Ich fahre in hohem Tempo. Ich bin noch lange nicht am Ziel. Ich habe noch einen Ersatzreifen im Kofferraum …"
Es ist ein Buch in einem unglaublich rasanten Tempo, in teilweise sehr derber Umgangssprache, mit kurzen knappen Hauptsätzen, die teils abschrecken, teils beängstigen, aber auch eine gewisse Faszination ausüben. Ein packendes, rhythmisches und wirklich eindringliches Debüt hat Paul Divjak vorgelegt.
Ob alles wahr ist? Wir wissen es nicht. Auf jeden Fall fordert er den Leser auf, ihm kein Wort zu glauben.

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Rezension zu "Kinsky" von Paul Divjak

Rezension zu "Kinsky" von Paul Divjak
Marionvor 11 Jahren

Die Geschichte eines junge Adeligen, der außer seinem Namen nichts geerbt hat und trotz Schulabbruch an der Wall Street Millionen macht und sie beim Crash der New Economy wieder verliert. Temporeich und in teils recht derber Sprache werden einem die unglaublichsten Geschichten um die Ohren gehauen.

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